Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1919)
- Date
- 1919-01-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 31 jemand diese Be Ziehungen als eine Zugehörigkeit zum deutschen Volke bezeichnen, so halte ich es rein bcglifflich für widerspruchsvoll; vom Standpunkte des Kongresses ist dies' gleichgültig. Für den Kongreß wird nur verlangt das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum; wie der einzelne Jude seine Beziehung zum Deutschtum regelt und benennt, ist seine Sache. Ein Kongreß der deutschen Juden ohne nationale Grundlage ist wertlos, weil dann der eigentliche Zweck des Kongresses, die Einfügung in das Gesamtjudentum und der Anschluß an die allweltliche jüdische Kongreßbewegung nicht erfüllt werden kann; vielmehr würde ein nichtnationaler Kongreß die Isolierung der deutschen Judenheit noch verstärken. Es handelt sich 11m die Schickaalsfrage des deutschen Judentums. Durch die Betelligung am Kongreß wird das deutsche Judentum seine Bedeutung innerhalb des gesamten jüdischen Volkes beibehalten und g'leichezitig zum ersten Mal die orga nisatorisclic Einheit des deutschen Judentums herbei führen. , Herr Dr. Apfel hielt darauf das Schlußwort. Er dankte dem Vorredner für seine Erklärung, daß das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum die innere und positive Beziehung zum deutschen Staate nicht ausschließe. Dies sei die Brücke, auf der eine Verstaudigtnig möglich sei. Wenn in Deutschland der Kon greß zustande kommt, an dem sieh die Massen der deutschen Juden beteiligen, so wird Deutschlands Judenschaft vorbildlich wirken und vielleicht innerhalb der gesamten Weltkongreßbewegung der alten histo rischen Führerrolle der deutschen Juden wieder gerecht werden. Leider gitjt es viele Zionisten, die die Bedeutung der Kongreßbewegung nicht erkennen. Eine wirkliche großzügige Kongreßbewegung hat man übri gens bisher in keinem Land der Erde; es handelt sich zumeist entweder um rein zionistische Bewegungen oder um Bestrebungen mit deutlichem Kompromiß Charakter. Heute läßt sich eine •Gesamtrepräsentanz des deutschen Judentums lediglich bei demokratischer Wahlbeteiligung aller Juden ermöglichen. Ganz besonders erfreulich ist die Feststellung, daß neuerdings von zionistischer Seite betont wird, daß auch für die Zionisten das Staatsbürgerverhältnis in Deutschland ein t ie fi nn e rl iches bedeutet. Man wird sich für 11 e n K 0 n g r e IS g e d a!1 ken entscheiden, wenn inan sich die Lage der Mehrheit des deutschen Judentums durchdenkt für den Fall, daß diese sich nicht an dem Kongreß beteiligt. Ob diese die innere Kraft und Geschlossenheit hat, dem Kongreß etwas gleichwertiges ■entgegenzustellen, ist zweifelhaft. Bei einem allgemeinen Kongreß wird die Mehrheit stets in der Lage sein, ihren deutsch-patriotischen Standpunkt in nachdrücklicher Weise zur Gel tung zu bringen. Der Kongreß wird dazu beitragen, die Plattform für einen allgemeinen Kampf der Zionisten und Nichtzionisten gegen den Antisemitismus zu finden. Im Aigenblick, in dem wir alle mit in eine wirklich großzügige Kongreßbcwegung eintreten, wird der innerjüdische Kampf auf eine ganz neue Basis gestellt seim: Der kleinliche zermürbende TageskainpC wird aufhören; an seine Stelle tritt der in pariamentarische Formen geführte Kampf tun große Ideen. Die Vorkonferenz zur Vorbereitung des jftdischen nationalen Kongresses in Polen Aus Warschau wird uns mitgeteilt: Ende Dezember 1918 fand in Warschau die von den Zionisten einberufene Vorkonferenz der jiidisehen Organisationen Polens für einen jüdischen Nationalkongrtß statt, zu der aus 144 Ortschaften insgesamt 498 Vertreter von Gemeindeverwaltungen, Stadträten, Gewerkschaften, Kulturvereinigungen und Frauenvereinen erschienen waren. An der Konferenz nahmen Männer und Frauen aller Schichten außer den Arbeiten! teil, obwohl auch diese sich vielfach an den Wahlen beteiligt hatten. Die Zionisten und Misrachistcn waren stark in der Majorität, und selbst die kleine nichtzionistisclie Minderheit unterstützte die zionistischen Palästinaforderungen voll und ganz. Die Vorkonferenz wählte einen provisorischen Nationalrat und bevollmächtigte ihn, einen Vertreter nach der in der Schweiz einzuberufenden Konferenz zu senden. Dieser provisorische Nationalrat hat zwar Gegner, aber sein stärkster, die Orthodoxie, wird sich mit einem einfachen Proteste begnügen; die Agoudath Haorthodoxi m steht sogar׳ in Verhandlungen mit den Zionisten, und es ist zu erwarten, daß die Agoudath die zionistischen Forcierungen im Prinzip anerkennen wird, ׳ Die Vorkonferenz nahm eine Deklaration der polnischen Judenhcit an, in der zunächst nach einem kurzen historischen Rückblick und der Brandmarkung der assimilatorischen Bestrebungen die heutige allgemeine Lage der Juden in Polen kurz' dargelegt wird. Selbst die jetzige polnische Volksregierung habe nicht den Mut und den Willen, gegen die Pogrome und den Boykott aufzutreten. Untätig sehe sie zu, wie die Juden aus ihren Aetntem vertrieben, Hunderte von Arbeitem zur Brotlosigkeit verurteilt, und wie alle dort ansässigen, jedoch nicht in Polen geborenen Juden in der Wahlrechtsinstruktion des Wahlrechts beraubt würden. Es werde von ihnen verlangt, daß sie sich zur polnischen Nation und nicht nur zum polnischen Staate bekennen. Daher protestiere die Vorkonferenz feierlich gegen das Unrecht und die Gewalttaten in Polen und Galizien, und fordere Bestrafung der Organisatoren und Hetzer, sowie eine angemessene Entschädigung. Die jüdische Frage im polnischen Staate, an dessen Aufbau UIIIIIIIIIII1m1lllllllllllllllllllllllllllllllll1n1lllllllllllll!llll!Ulllllllllllllll:t!lllll!ll1m1!ll1m1lllllllllllllllllilllllllltll Versammlungskalender der " Berliner Zionistischen Vereinigung j Büro: Berlin C., Burgstr. 30. Telefon Norden 9023- 9038. Besuchszeit täglich außer Sonnabends von 10—2 Uhr, Sonnabend abends nach Sabbathausgang bis 8 Uhr. Wir bitten die Versammlungsankündlgungen der Berliner Zionistischen Vereinigung an den Säulen und In der Jüdischen Rundschau zu beachten. Donnerstag, 16. Januar Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11 ״Zionistische Arbeit in Berlin" Referent: Dr. Rosenberg Fortsetzung der Diskussion vom 6.1. Beginn 7s/4 Uhr Montag, 20. Januar Öffentliche Versammlungen der Berliner Zionistischen Vereinigung Großer Saal des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstr. 115/116 Beginn 7;i/4 Uhr ״Warschau und Wilna' Referent: R.-A. Gronemann Unions - Festsfile, Greifswalder Straße 126. Beginn 73/4 Uhr. ״Die Schicksalsstunde des jüdischen Volkes" Referent Dr. Klee. Donnerstag, 23. Januar Außerordentliche u. ordentliche Generalversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung Hotel König von Portugal, Burgstraße 16. Beginn 78/4 Uhr. Tagesordnung 1 Statutenänderung und Wahl. Montag, 27. Januar öffentliche Versammlung des Kongrefjaussdiusses \ Großer Saal des Brüdervereinshauses, Kurfürsienstraße 115/116. Das Thema wird noch bekannt gegeben. Beginn 7 2/4 Uhr. Donnerstag, 30. Januar Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11 Das Thema wird noch bekannt gegeben. Beginn 7 s/4 Uhr. iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiimimiumimMiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiniitiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiHiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiimiii die Juden nicht minder interessiert seien, als alle anderen Bürger, könne nur dann gelöst werden, wenn die jüdische Gleichberechtigung im Leben ,endlich verwirklicht werden werde. Die Juden müßten als nationale Minderheit anerkannt und die Formen dieser nationaljüdischcn Organisation durch den Jüdischen N a 1 i o!1 a 1 k o n g r e ß in Polen im März 1919 festgelegt werden. Stiftung für den Jfidischen Natiomlfond Herr Felix Landsberger in Oiogau hat dem Jüdischen Nation,־!lforidis eine Summe von 10 000 M. gestiftet, um damit seinem gefallenen Sohne, unserem der zionistischen Idee treu ergebenen Gcsinnungsgcnossen Erich Landsberger, ein dauerndes Denkmal in der Erinnerung seines Volkes zu setzen. Nachrichten Berlin. Der für Sonnabend, den 11. Jan., äugekündigte Vortrag des Herrn ö. Krupnik über den sozialen Aufbau Palästinas im Hapoci Hazai'r findet nunmehr endgültig am Sonnabend, den 18. Januar, 8>/a Uhr abends, statt. Gäste willkommen. Berlin, im Zionistischen Jugend verein Berlin, Heiligegeiststr. 52, spricht am Dienstag, 14. Januar d. J., abends 8 Uhr, Herr Davis T r i e f s c h über ,,Unsere praktischen Möglichkeiten in Palästina“. Gäste willkommen. Berlin. Vor einigen Tagen wurde hier kurz nach der N eu ko ns t i tui e nrng der Misraciii - Ortsgruppe eine M is r ach i - J ugendge m eins ch af t Berlin ins Leben gerufen, die bereits gegen 100 Mitglieder beiderlei Geschlechts umfaßt. Diese Gemeinschaft soll die ganze misrachistische Jugend Berlins vereinen in dem Bestreben, sich in jeder Richtung auf Palästina vorzubereiten. Aus diesem Grunde hat die Misrachi-lugendgemeinschaft neben Heimabenden und Sprachkursen Arbeitsgemeinschaften gegründet, in denen sich je 6 bis 10 gleichgesinnte und ungefähr gleichaltrige Mitglieder, Jungen oder Mädchen, eng vereinigen. Diese kommen an mehreren Abenden der Woche unter der Leitung eines selbstgewählten älteren Kameraden zusammen, Um gemeinsam zu arbeiten, sowie Bibel und Talmud zu lernen. Die Gründung eines eigenen Heimes steht in baldiger Aussicht. Für den Monat Januar liegt folgender Arbeitsplan vor: Jeden Sonntag, nachmittags 41/a Uhr pünktlich, im Logenhaus, Rosenthaler Str. 16/17. I. Gemeinschaftsabende. (Vorträge mit freier Aussprache.) Sonntag, den 19. Januar, Thema: Gesundes und schönes Wohnen in jüdischer Siedlung. Referent: Heinz Rau. Sonntag, den 26. Januar, Thema: Von jüdischen Dichtern. Re* ferent: Arthur Sehr a g c n 11 e i m. II. Hebräischer Sprachkursus in den Räumen der Talmud Tora, I )ragonerstr. 45. Jeden Sonnabend, abends von 8■-10 Uhr, Kursus für Fortgeschrittene. Jeden Sonntag, nachmittags 2J,:>—4V!j Uhr ,Kursus für Anfänger. (2. Abend nach Vereinbarung.) Lehrer: Herr Dorath. Beginn der Kurse: 13. Januar UHU iii. Arbeitsgruppe« in den Räumen der Talmud Toni, Dragonerstr. 43. I. Jugendgruppe: Soziale Fragen. Leiter: Erich Sc 11 ragen- 11 e i m. Tag: Montag 8 10 Uhr abends. 2. Jugendgruppe: Her/Is ״Judenstaat*‘ (Einführung in zionistische Probleme). Leiter: Arthur Schräge nhe im. Tag: Dienstag, 8—10 Uhr abends. 3. Jugen.Ignippc: Die Propheten (Jesehajohu). Leiter: Gabriel Knolier. Tag: Mittwoch, 8D--10 Uhr abends. 4. Jugendgruppe: Lernen. Leiter: Lelmund l.ewv, J a I i e r. Tag.: Sabbath, nachmittags 3 -5 Uhr. Sclüdergruppe: Leiter: Günther R e u ß. Arbeitsgebiet und Zeit nach Vereinbanlug. 1. Mädcliengruppc: Megillath Ruth. Leiterin; 1־rl. H. Reuß. Tag: Montag, 8 10 Uhr abends. 2. Mädchengriippe: Geschichte des Zionismus: Leiterin: Vorbehalten! Tag: Mittwoch, S 10 Uhr abends. '3. Mädchengruppe: Pirkc Owaus. Leiterin: Frl. A. S t e i n e r t. Tag: Sabbath, nachmittags 3 V׳ Uhr bis Nacht. 4. Mädchengruppe: Leseabend fiir Mädchen. Freitag von 6' Uhr 'abends bei Frl. Koppel, Grenadierstraße 37/39. Arbeitsbeginn: Montag, den 13. Jaiiuar 1919. Anmeldungen zu den Arbeitsgruppen werden vorn Leiter in der ersten Stunde entgegen g enommen. lieber die Bildung weiterer Arbeitsgruppen werden noch Vereinbarungen getroffen. Interessenten wollen sich an Herrn Gabr. Knolier, Berlin Oiaritestr. 3, wenden. Berlin. Am 6. Jan. fand in den Augusta•Viktoria- Sälen eine Mitgliederversammlung der Berliner Zionistiselten Vereinigung statt, in welcher der Vorsitzende Herr Dr. Rosenberg über die zionistische Arbeit in Berlin sprach. Der Redner führte aus, daß der gegenwärtige Augenblick für zionistische Arbeit ganz besonders günstig sei. Es müßten nur die geeigneten organisatorischen Maßnahmen getroffen und die Menscheu, die geeignet seien, mit zuarbeiten, gefunden werden. Zwei Arten von Aufgaben habe die Berliner Zionistische Vereinigung. Einmal propagandistische, das andere Mal solche der intensiven zionistischen Vor- Bereitung, die vor allem in der Information der Mitglieder über alle zionistischen und jüdischen Fragen und in Kultur- und Vorbereitungsarbeiten bestände. Hierdurch werde ein besonderes KuHurdezcrnat notwendig, das sich in Zusammenarbeit mit dem Ausschuß der nationaljüdischen Jugendorganisationen u. a. besonders mit der Frage einer jiidi selten Schule, der Errichtung hebräischer Kurse u. :1. zu befassen haben werde. Da die Vereinigung zu groß geworden sei, empfehle es sich, die Gesamtgruppen in Unterabteilungen (Bezirksvereine) einzuteilen, deren Vorstände je ein Mitglied in ,den Hauptvorstand der B. Z. V* delegieren soll. Hierzu kämen die Misrachi-Organisationen, der Hcrzl-Klub, der Zionistische Jugend-Verein usw. Der Redner ging dann auf die Finanzierung der Berliner Zionistischen Vereinigung ausführlich ein, und teilte mit, daß von jetzt an der auf 2 M. erhöhte Schekel ן Suche zum 1. Februar 1 | 1 gut möbliertes Zimmer ] | mit elektrisch.Licht und Zentralheizung in der Nähe § | des Kurfüriiendammi. Bedingung ruliige Lage. Off | ferten unter A. A. 99 an die Administration der | § ״Jüdischen Rundschau“. § ^liiiiMiuiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiimiiniiMmmiiHimmiiiiiiinimimiiiiiiiimiiiimiiuuiiiimiimiill^ I Zionistische ilusbildungshurse. I Infoigc der Unruhen ist der Beginn sämtl. I Kurse uni eine Woche verschoben worden. S I. Dr. Hermann Leiewer: | Einführung in die zionistische Idee ss Jeden Mittwoch, abends 8 Uhr, Im Zionistischen Zentral- § büro, Sächsische Str. 8, (1. Abend, 15. Januar. I5S ____ _ * II. Rabb. Dr. Wilhelm Lewy: | Das jüdische Gesetz. ff Jeden 2. Sonnabend, abends 8 Uhr, im Zionistischen ü Jugend-Verein, Heiligegeiststr. 52. (1. Abend, IS. Januar ) SS | III. Salman Rubaschow:!Geschichte der jüdischen Selbst» | Verwaltung in der Diaspora. §§ Jeden 2. Sonnabend, abends 8 Uhr, Im Zionistischen H Zentralbüro, Sächsische Str. 8. (1. Abend wird noch | bekanntgegeben) | IV. Dr. Max Straub: | Zionismus undnationales Judentum. s Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr, Im Zionistischen Jugend־ §§ verein, Heiligegeiststr. 52. (1. Abind, 16. Januar.) 1 Jeder Kursus umfasst 8-10 Abende. §j Teilnehmerkarten zum Prejse von 4 Mk. für jeden Kursus §g sind Im Jugendsekretariat der Zionistischen Vereinigung g für Deutschland, Sächsische Str.' 8 zu haben. Jede ge- || wünschte Auskunft erteilen das Jugendsekretartat und die g Vorstände der nationaljüdlsdien Jugendvereine Berlins. f§ Arbeitsgemeinschaft der nationaljüdischen i Jugendvereine Berlins.!QliHliiimillliinilliHllIIIIUtURltlUiilinillllllllUIIIIIHIHIIIIllllllll iiiiiiiuniiiiiiiNuniiHiniMRniii ... *