Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1919)
- Date
- 1919-01-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3 Hans Ooslar• Berlin; Richard L i c h t h e i m - Berlin; Prot. Dr. L 0 e w e - B.-rliu; Frau M e i s 1 - S c h o c h a t - Berlin; Walter Moses- Berlin; Dr. N a wratzki- Berlin; W. P e r I i s - Konigsberg; Dr. Sandler- Berliti; Dr. Fritz Ster n h e r g - Breslau; l)r. Max S t r a u li- Berlin; Dafis T r i c t s e 11 - BerFn; Dr. Weinberg- Dortmund. Aut Antra״ von Dr. Becker wurde Herr Trict sch zttm Vorsilz enden des Palästkiaausschusses gewühlt, Die übrige Löte wurde en blue angenommen. Schlußwort Dr. Hantkes Hierauf imlim Herr Dr. H ,1111 k e das Wort und führte aus: Drei Punkte seien es gewesen, die diesen Delegiertentag beschäftigt haben: t)ie politische Lage der Bewegung, die Frage der Besiedelung Palästinas und die Ausgestaltung des jüdischen Lebens in Deutsch- Und. Der De legierte 11 lag hätte dem wahren Sinne seiner Bestrebung keinen besseren Ausdruck geben können, als in aiierkür/ester Zeit nach dem Delegiertentage eine neue Tagung einzuberufen, die sielt mit den Palästina!ragen beschädigen sollte. Und wenn der Delegierteutag einstimmig den Linlritt in die Kangreßbewcgütig beschlossen habe, so zeige dies seinen klaren Willen, die Nationalisierung des deutschen Judentums mit allen Kräften zu fördern. Bei dein deutschen Zioriismus läge teilt er andern! die Pflicht der Vermittlung zwischen den Massen d*es Ostens und dem westlichen Judentum. Nach einem Dank ati alle Delegierte und Gäste, die zum Teil unter grollen Schwierigkeiten von aufierhalb gekommen waren, sowie einem Dank an die Mitglieder des H erzlbundes, von denen diese Tagung technisch vorbereitet war, schloß der Redner mit der Aufforderung, jetzt mit allen Kräften an die Arbeit zu gehen, seine mit starkem Beifall autgeuommene Rede. Dr. Auerbach forderte sodann die Delegierten auf, den! Vorsitzenden, Herrn Dr. Hantke, den herzliebsten Dank für die vorzügliche Leitung der Bewcgung und insbesondere des Delegiertcntages ausztisprechen und unter den Klängen der ״Hatikwali“ wurde der Delegiertentag tun P״. Uhr nachmittags geschlossen. Dem lk'legiertenta״■ war eine Fülle von Begriiltungstekgramnien nigegangeit, von denen hier einige erwähnt seien: Das Kopcnhagc 11er Büro der Z i o n i s t i - s c 11 c 11 Organisation hatte gedrahtet: In dem Augenblick, wo die nationalen Ideale des Jüdischen Volkes vor ihrer Verwirklichung stellen, erwartet die Zionistische Organisation von den deutschen Zionisten wertvolle Hilfe und Förderung bei den großen Aufgaben des Aufbaus, die uns in Palästina bevorstehen. Auch in seinem Kampf für seine nationale Befreiung in den Ländern der Diaspora rechnet das jüdische Volk auf Eure tatkräftige Unterstützung. Wir begrüßen Sie aufs herzlichste uikI wünschen Ihrer Tagung einen schönen Verlauf, — Ferner waren eingelaufen Telegramme des Jüdischen Nationalrats in Wien, des Jüdischen Nationalrats im tschechoslowakischen Staat, des L a 11 d e s ko 111 i t e e s ■der u n g a r I ä n d i s c 11 e n Zionisten, des Ziotiistischei» Landesverbands Südslaviens, des D e 1 e g i e!r t e 111 a g e s des n i e d e r 1 ä n!d i - sehen Z io 11 i stc 11 b 11 nd e s , sowie von einzelnen Persönlichkeiten, wie Leo Motz ki 11, Befthold Feiwel, Leo Hermann, ferner vom Präsidium des K.J.V., der Turnerschaft, der Bundesleitung des B1 a u - W e i II usw., den Ortsgruppen und zahlreichen jüdischen Vereinen und Gruppen, die alle den Wunsch ausdrückten, daß die Arbeit des Delegiertentages den deutschen Juden und dem ganzen jüdischen Volk den größten Erfolg bringen möge. Berichtigung In der Präsenzliste des Delcgiertentages in Nr. 2 der ,,Jüdischen Rundschau" ist irrtümlich weggelassen Und zu ergänzen: Dr. Hans Mühsam- Lübeck. Eine Kongreßdebatte im Jüdischen Jugenbund Berlin Am Mittwoch, den 8, Januar fa.id im Brüdervereins *haus eine vom Jüdischen Jugendbund einberurufene Versammlung statt, die sich mit der Frage des jüdischen Kongresses in Deutschland beschüft igle. Die Erörterungen des Abends sollten, wie der Vorsitzende, Herr R A. Dr. Apfel •niittcilte, als Unterlage dienen für eine Stellungnahme zur Kongreßfrage durch die übrigen Ortsgruppen des Verbandes der jüdischen Jugetidverein« in •ganz Deutschland; ein stenographischer Bericht der Referate und Diskussionsreden wird au alle Gruppen versandt werden. Von den beiden in Aussicht genommenen Refcrenten R.-A. Dr. Uroncmann und Rabbiner I)r. Goldmann- Leipzig war der letztere erkrankt, Dr. Gronemann infolge der Unruhen am rechtzeitigen Erscheinen verhindert. A11 ,ihrer Stelle erstatte Dr. Apfel das Referat. Er gab eine eingehende objektive Darstellung über die jüdische Kangreßbewcgung in den verschiedenen Ländern, einen Ueberblick über die politischen Forderungen und Kongresse der Judenheiten in Arnerika, England, Rußland, der Ukraine und den neutralen Staaten, sowie über die verschiedenen Erkläjungen der Regierungen, in denen diese zu den jiidisehen Forderungen Stellung genommen haben. Auf Grund dieses Tatsachenmaterials begründete er seine Stellungnahme zum Gedanken des Kongresses in folgen den Ausführungen: Aus dein Material ergibt sich: wenn die iiberwiegetwfe Mehrheit der deutschen Juden, wie sie im Ver bahde der deutschen Juden, dem Zentralvctein dcutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in den Logen, im Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands usw. vereinigt sind, sich der Kongreßbewegung 'anschließen, würde Deutschland das erste Land sein, das einen wirklich geschlossenen und unbestritten repräsefttativen jüdischen Kongreß hat Bisher sind i» Deutschland, meiner Schätzung nach, etwa 75000 Jti , den dem Kongreßgedanken geneigt. Wie sich die nichtzionistische und nichtorthodoxe deutsche Judcnhcit entscheiden wird, wird ganz wesentlich von der Stel lungiiahme unseres Jugendverbandcs beeinflußt. Sind wir für den Kongreß, kommt er ganz bestimmt zustande. Sind wir dagegen, kommt er in dieser allgemeinen Form nicht so leicht zustande, weil dann die Kreise, die mit dem Zionismus überhaupt nichts zu tun haben wollen, eine starke persönliche Rückendeckung erhalten. Unserc Verantwortung ist daher eine riesengroße. Meine Verantwortung jetzt ist natürlich auch eine unendlich schwere. Ich meine, endgültig kann die Kongreßfrage, die die tiefsten Tiefen des jüdischen Problems berührt, nur von unserer Delegiertentagung, die wir sobald wie möglich einberufen, entschieden werden. Aber ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich dringend und gerade als nichtzioriistfscher Jude und als glühender Patriot empfehlen möchte: erfassen Sie die Bedentuug d»js Augenblicks und verhalten Sie sich nicht von vornherein ablehnend gegen die Teilnahme an einem jüdischen Kongreß in Deutschland. Nun möchte ich noch meiner, allerdings streng persönlichen Auffassung Ausdruck geben. Möglichst objektiv prüfend, frage ich mich: welche Gegengründc sind vorn 11 i c h t national-jüdischen Standpunkte dem Kongreß entgcgenzuhalten? Möglich wäre erstens ein rein religiöser Gcgenstandspunkt, zu dessen Interpretation ich nicht die genügende Legitimation besitze, und der ja aucli von der Mehrheit der deutschen Orthodoxie anscheinend nicht vertreten wird. Zwei tens wäre denkbar die Vertretung des Gegenstand- Punktes: die Teilnahme sei eine zu große Konzession an nationaljüdische, zionistische Gedankengänge. Hierzu bemerke ich ausdrücklich, daß ich persönlicli mich am Kongreß nur als ,ausgesprochener Nichtzionist und unter nachdrücklichster Betonung meiner unlöslichen Verbundenheit mit meinem deutschen Volke beteiligen würde unter Anerkennung des Solidaritätsgefühls aller Juden und der Schicksalsgemcinschaft mit allen Juden. Ich würde auf diesen Kongreß mit einem Programm gehen, das in einzelnen Punkten stark von dem der deutschen Zionisten abweicht, in einzelnen dasselbe billigt, in anderen weit über dasselbe hinausgeht, das aber unter allen Umständen die Respektierung meiner Gefühle als deutscher Jude verlangt. Ob ich einen jüdischen Weltkongreß, der sich aus Repräsentauten der anderen Landeskongresse zusafhmensetzt, .wünschen werde, kann ich heute noch nicht überblicken. Ich kann 'mir je nach Zusammensetzung der übrigen Landeskongresse und je nach der internationalen Lage ein verschiedenes Bild meiner diesbezüglichen Wünsche machen. Wenn wir den Kongreß in Deutschland bekommen, dann wird er in starke, sich gegenüberstehende Fraktionen, wie jedes Parlament, zerfallen. Ich würde versuchen, zu erreichen, daß die nichtzionistische Fraktion die Mehrheit erhielte. In diesem Kongresse würde sehr gekämpft werden. Ich habe aber nicht den leisesten Zweifel, daß, wenn Frauen und Männer von wirklicher Bedeutung, und erfüllt vom Bewußtsein jüdischer Würde hineingewählt werden, er durch die detno kratiselic Siebung der Kandidaten, durch den geistigen Kampf, durch das Aufrütteln der Geister, durch die Befruchtung der zum Teil noch schlafenden Massen der deutschen Juden eine außerordentliche Wirkung nach innen und außen hervorrufen würde. Wir hätten dann die ersehnte Gesamtrepräsentanz des deutschen Juden tums, aus uns selbst geschaffen, nicht gnädigst gewährt. Wir hätten eine Körperschaft, die nicht nur unser Brudergefühl, sondern uns auch im Kampfe gegen den Antisemitismus stützen würde. Vor allem böte ein solcher Kongreß die Chamce, die drohende Isolierung des deutschen Judentums zu verhindern. Er würde Schwächen der Position des deutschen Judentums bemänteln und beheben, der sich immer deutlicher aitkiindenden Aenderung seiner sozialen Struktur beizeiten gerecht werden. Ich will durch den Kongreß verhindert sehen, daß eines Tages die Zionisten als alleinige Repräsentanten der Judcnlieit gelten. Ich will eine Ent- Wicklung, die ich klar kommen sehe, von vornherein in meinem Sinne zu beeinflussen suchen. Idh will durch die Kongreßbewegung Anlehnung an Millionen von Juden haben. Ich bedarf dieser Anlehnung heute mehr denn je. Ob der Palästinastaat verwirklicht wird oder nicht, er könnte in den nächsten Jahrzehnten nur einem kleinen Bruchteil Heimat sein. Wir sind also auf die Zusammenarbeit und auf den Kampf mit den Zionisten in Deutschland auch in Zukunft angewiesen. Und nun zum Schluß! Idh will diesen Kampf entgiften! Nichts erscheint mir dazu geeigneter als der Kongreß. Ja, selbst schon die Bewegung zum Kongreß wird reinigend in Deutschland wirken. ln dpr nunmehr beginnenden Diskussion sprach zunächst ein Vertreter des traditionellen Judentums, der den Kongreß warm begrüßte. Darauf nahm Herr R.-A. Gronemamn, der inzwischen erschienen war, das Wort und führte folgendes aus: Das jüdische Volk will jetzt wieder nach langer Passivität als 0ktiver Faktor in die Weltgeschichte emtreten, in dem Momente, da sich die alten Ideale, die es durch die Jahrhunderte vertreten hat, wieder durch die Schlag- Worte ,,Bund der Völker“, ,,Schutz der Schwachen“, proklamiert werden. Der Kongreß ist ein bedeutsamer Schritt dazu, und dem Kongreßgedanken müssen alle die beistimmen, welche die Lebens- und Schaffensfähig keit des jüdischen Volkes bejahen und sich zu diesem Volke rückhaltlos bekennen. Alle diese, aber nur diese, seien berechtigt, an der großen Aktion teüzunehmen. Es handle sich um politische Arbeit, bei der hur politische Faktoren in Betracht kämen. Die Juden seien nur als Volk aktiv legitimiert; als lediglich durch die Religion verbundene Menschengruppe kamen sie für die Erlangung politischer Rechte nicht in Frage. Als deutsche, englische oder amerikanische Staatsbürger wäreu sie nicht zur Regelung internatoinaler Fragen berechtigt. Die Ansprüche des jüdischen Volkes seien von den Juden fast aller Länder in ihrer überwiegenden Majorität, sowie von den einzelnen Regierungen und insbesondere von der internationalen Sozialdemokratie als berechtigt anerkannt worden; die Weltmächte haben sich an das jüdische Volk als solches gewandt. Sache der deutschen Juden sei es, sich zu entscheiden, ob sie mitarbeiten oder aus der lebendigen Entwicklung ausgeschaltet sein ■wollen. Der Redner entwickelte sodann die von den Zionisten für den Kongreß aufgcsiellte Plattform und cliarakterisierte insbesondere den Unterschied zwischen den Zionisten und Ihren Gegnern in der Bekämpfung des Antisemitismus dahin, daß die Zionisten das Wesen, die anderen die Symptome des Hebels angreifen. Er gab dein Wunsche einer gemeinsamen Arbeit aller ihres jüdischen Wertes bewußten Juden auf dem Kongresse Ausdruck, wobei er mit besonderem Nachdruck betonte, daß die Zusammenarbeit nicht zu pnwahren Kotnpromissen führen dürfe. Der Zionismus versuche dgentlieh, auch ,seine Gegner zu aktivieren. Er wünsche, daß diejenigen, die bisher ohne positives Programm sich lediglich als Nicht zionisten zusammengefunden haben, in die Lage kämen, ein Programm aufzustellen: auf nationalem Boden möge dann der Kampf der Parteien ausgekämpft werden, aus deren Neben und selbst Gegeneinander die wahre Einheit erwachen könnte. Es sprach* hierauf Fräulein Dr. Cora ־Berliner, die ihre Uebereinstintniung mit der Stellungnahme Dr. Apfels zum Kongreß zum Ausdruck brachte. Sie forderte eine Interpretierung des Kongreßprogramms hinsichtlich der Zugehörigkeit der deutschen Juden zum Deutschtum. Sie erklärte, daß sie sich als Glied des deutschen Volkes betrachte und zwar nicht aus Gründen« der Opportunität, sondern aus inneren prinzipiellen Motiven. Falls die Teilnahme am Kongreß die Erklärting der Nichtzugehörigkeit zum deutschen Volke bedinge, müsse sie und, wie sie glaube, auch die Majorität der deutschen Juden, ihn ablehnen. Andernfalls könne sie das Kongreßprogramm akzeptieren. Herr Nahum Go lei mann sprach »dann in längeren Ausführungen über das Wesen des jüdischen Nationalismus. Er gab einen Ueberblick über die Ent- Wicklung des Judentums im Kriege, die zu seiner Nationalisierung geführt habe. Dies bedeute nicht, daß das Judentum sich in seinem Wesen als Nation wie alle anderen Nationen erklärt habe. Die Gemeinschaft der Juden ist eine Gemeinschaft ganz besonderer’ Art, auf die sich die üblichen .Begriffe und Schlagworte von Nation und Religionsgemeinschaft" theoretisch nicht anwenden lassen. Das Judentum hat zweifellos sowohl die Merkmale einer Religionsgemeinschaft, wie auch die einer Nation, da es eine gemeinsame Vergangenheit eine einheitliche physiologische und geistige Wesensart, eine eigene Sprache und Kultur und vor allem den Willen zu seiner eigenen nationalen Zukunft •habe. ■ Wenn somit das innere Wesen des Judentums nicht durch den Begriff der Nation adäquat definiert werden kann, so muß es doch nach außen, in seiner weltpolitischen Betätigung als Nation auftreten, denn ,wir leben in einer Zeit, da die Welt ,nach nationalen Prinzipien geordnet wird. Nur Nationen sind heute (Subjekte der Weltpolitik. Nur ein nationales Judentum könne die Forderungen zur Sicherung seiner Zukunft aufstellen, und durchsetzen, die heute fast alle •Juden für notwendig halten, nämlich Palästina als nationales Zentrum, die nationale Autonomie in den Ländern der ,jüdischen Mas serrsiedlung und die international garantierte Ol eich be rechtigung in allen Staaten. Das Judentum ist in diesem Kriege als weltpolitischer Faktor anerkannt worden und muß sich nunmehr die Organisation und ,Repräsentanz schaffen, die für die Zukunft seine nationale Politik führen soll. Dies soll im jüdischen Weltkongreß geschehen. Die Kongresse in den einzelnen Ländern und auch der jüdische Kongreß in Deutschland sind nur Teile dieser allweltliohen Kongreßbewegung und haben den Zweck, die Judenheiten der einzelnen Länder in die neu zu schaffende nationale Gesamtorganisation des Judentums einzufügen. Die Teilnahme am jüdischen Kongreß in Deutschland bedeutet somit für das deutsche Judentum den Anschluß an das Gesamtjudentum. Das Verhältnis zum deutschen Staate kann für die deutschen Juden kein Hinderungs grund für die Teilnahme am Kongresse sein, denn es ist durchaus möglich, bei aller innerlichen und positiven Beziehung zum deutschen Staate und zur deutschen Umwelt sich auch als Glied des jüdischen Volkes zu bekennen, da dies zwei verschiedene Sphären sind, die sich nicht widersprechen. Dies ist besonders mäglieh nach der deutschen Revolution, die an die Stelle des alten deutschen Staatsbegriffs, der von seinen Bürgern die ausschließliche Bindung an ihn verlangte, und die Zugehörigkeit zu anderen Gemeinschaften nicht duldete, den neuen sittlichen und humanen Staatsbegriff gesetzt hat, der die Zugehörigkeit zu anderen Gemeinschäften nicht verbietet. Bekenntnis zum nationalen Judentum bedeutet also heute, nachdem das Judentum sich nationalisiert hat, als Nation auftritt, und als solche von den Völkern anerkannt worden ist, nichts anderes als das Bekenntnis zur jüdischen Solidarität, als den Willen, auch weiterhin der jüdischen Gemeinschaft an- «gehören. Das Bekenntnis zum Jüdischen Volkstum hindert keinesfalls die durchaus innerliche und positive Beziehung zur deutschen Staatsgemeinschaft. Will