Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1919)
- Date
- 1919-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i » % Seite 26 unsere Lage ist einzigartig; und keine gewöhnliche Theorie läßt sich auf uns anwcnden. Unsere Realifät aber ist uns stärker :11s jede Theorie. Daher bekennen wir uns unserer Doppeltheit und der zwiefachen Verknüpftheit unseres Daseins in der Diaspora. Wir sind Nationaljuden, Glieder des jüdischen Volkes, und das neue jüdische Zentrum Palästina wird auch unser Zentrum sein; für uns verlangen wir Palästina. Und sind auch doch Glieder des deutschen Staates, Glieder des deutschen Vaterlandes, innerlich zu ihm bezogen, ihm Verblinden und ergeben. So sind wir. und keine Theorie soll uns zwingen, unsere Realität zu vergewaltigen. Keine aus Aengstlichkeit und Unsicherheit entstandene Phraseologie soll uns veranlassen, sie zu leugnen. So wie wir sind, verlangen wir volle Rechte, weil der Staat nicht über die innere Art seiner Bürger zu entscheiden hat, weil wir ihm nicht das Recht zu gestehen, die Bindung zu ihm als die einzige zu fordern und jede andere zu verbieten. Wir lehnen diese Anerkennung eines götzenartigen Staatsidolbegriffes ab und überlassen es Herrn Dr. Nathan und seinen Gesinnungsgenossen, die sich Demokraten nennen, diese reaktionäre, unsittliche, inhumane Staatsidee des vorrevolutionären Deutschland auch im neuen Deutschlamd zu vertreten. Wir geben dem Staate, was . des Staates ist und unserem Volke, was des Volkes ־■ ist. In der• Diäspora leben, heißt in zwei Sphären leben; in 'der volklichen der Judenheit und in der staatlichen des Diasporavaterlandes. Wir verneinen keine dieser ,Sphären, nicht die deutsche, wie es Erich Cohn tut, nicht die volkliclvjüdische, wie es Dr. Nathan tut. Wir bejahen beide und bekennen beide, ״Wirtsvolk“ und ״Gastvelk“ Diese Zuschrift hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland dem ,,Berliner Tageblatt“ zugehen lassen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland erwidert auf den in der Morgenausgabe des ,,Berliner Tageblattes‘‘ vom 3. Januar erschienenen Artikel des Herrn Dr. Paul Nathan folgendes: Herr Dr. Nathan stützt seinen Angriff gegen den Zionismus auf Ausführungen, die ein Zionist, Herr Rechtsanwalt Erich Cohn, unter seinem Namen in der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht hat. Die ״Jüdische Rundschau“ ist zwar das offizielle Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland; Artikel, in denen die Ansicht der Zionistischen Vereinigung offiziell zum Ausdruck gebracht werden sollen, erscheinen jedoch naturgemäß ungezeichnet oder als Leitartikel. Im übrigen entspricht es dem Geist der zionistischen Bewegung, daß an anderer Stelle des offiziellen Organs jede Meinung zum Ausdruck kommen darf. Herr Dr. Nathan hat den Namen des Autors nicht genannt und so den Anschein erweckt, ^ls handle es sich um eine Meinung, auf die der Zionismus in seiner Gesamtheit festgelegt werden könne. Was die Sache selbst betrifft, so hätte Herr Dr. Nathan als jüdischer Politiker wissen müssen, daß bereits am 25. Dezember (der Artikel von Erich Cohn ist am 24. Dezember erschienen) auf dem Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gegen den Artikel Stellung genommen worden wäre. In der offiziellen Eröffnungsrede Dr. Hantkes, des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung, wird die Anschauung der Zionistischen Organisation unzweideutig in folgenden Sätzen zum Ausdruck gebracht: ״Wir Zionisten, die wir uns unserer nationalem Eigenart bewußt sind, glauben am klarsten zu ernpfinden, wie starke Bande die deutsche Judenheit mit Deutschland verbinden, und wir leben der Hoffnung, daß diese berechtigten, weil innerlich wahrhaften Be- Ziehungen zwischen den! deutschen Volke und der deutsehen Judenheit in der neuem Zeit, die für Deutschland angebrochen ist, erst ihren adäquaten Ausdruck finden werden. Ein Deutschland der Demokratie und des sozialcn Fortschritts rührt an die stärksten menschlichen Empfindungen seiner jüdischen Bürger, und auch .wir nationalen Juden werden gern unseren Anteil an dem Aufbau des neuen Deutschland nehmen und an seiner Zukunft mitarbeiten. Von den geistigen Führern des deutschen Volkes erwarten wir, daß sie, frei von nationalem: Chauvinismus der Vergangenheit und jeder Art geistigen Militarismus, Verständnis haben werden für die eigenartige Lage des jüdischen Volkes, seine nationalen Bedürfnisse und Notwendigkeiten und auch dem jüdischen Volksleben in Deutschland freie Bahn und die Möglichkeit autonomer Entwicklung geben werdem.“ In dem offiziellen Referat über die zionistische Arbeit in Deutschland erklärte Kurt Blumenfeld: ״Die Beteiligung der Juden am allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Leben wird durch die Bewilliguug der jüdischen Forderungen in einer für alle Teile befriedigenden Weise gelöst werden... Sind wir in unserer jüdischen Eigenart vom Staate anerkannt, so sind wir damit ein integrierender Bestandteil des Staatsganzen geworden! Wir glauben, daß erst das nationale Judentum in freier Bewegung, in Hingabe am fortschreitenden Leben des deutschen Volkes teil- JUEDISCHE RUNDSCHAU nehmen kann. Daher lehnen wir die von Erich Gohn vertretene grundfalsche Anschauung ab.“ Die angeführten Stellen beweisen, daß der Angriff des Herrn Dr. Nathan den deutschen Zionismus nicht trifft. Oie. japanische Regierung für den Zionismus Das Jüdische Preßbüro in Stockholm! telegraphiert: Der japanische Gesandte in London veröffentlicht folgende Erklärung: die japanische Reg ie run g nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den auf die Schaffung eines nationalen Heimes in Palästina gerichteten Bestrebungen des jüdischen Volkes, und sieht mit wohlwollendem Interesse der Verwirklichung dieser Forderung auf Grund der projektierten Vorschläge entgegen. Wie der Gesandte hinzufügt, hat die japanische Regierung die gleiche Erklärung der zionisti sehen Organisation in Shanghai itn De zember 1918 übersandt. Eine Erklärung der siamesischen Regierung über den Zionismus Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Der siamesische Minister des Aeußeren, Prinz Devawongsc, hat ר״ :!erm Pa.'kier E.S. K a d 3 ס r i e, den Vorsitzenden der Zionistischen Organis a t i o n in Shanghai, ein Schreiben folgenden ,Inhalts gerichtet; 1 Sehr geehrter Herr! Ich bestätige den Empfang des Briefes der Zionistischen Organisation in Shanghai vom 12. Juli 1918, der sich auf die Errichtung Palästinas als einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk bezieht, ln Beantwortung desselben beehre ich mich zu bemerken, daß die kö- 11 i g liehe siamesische Regierung ihre Ueber ein Stimmung mit der freundschaftlichen Haltung. erklärt, welche die Verbündeten bezüglich der Errichtung Palästinas als einer nat i o 11 a 1 e n Heimstätte für das jüdische Volk einnehmen, und daß sie im Einverständnis mit den alliierten Mächten ihr Bestes tun wird, um die Erreichuing dieses Zieles zu erleichtern, natürlich unter der Voraussetzung, daß nichts geschieht, was die bürgerliehen oder religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdisehen Gemeinden in Palästina beeinträchtigen könnte. $ In vorzüglichster Hochachtung Devawongse. Der Handelsverkehr mit Palästina J)ie englische Verwaltung in Palästina erließ eine Verfügung, wonach der Handelsverkehr zwisehen Palästina und Syrien gestattet wird und. die Ausfuhr von Artikeln aus Palästina keinen besonderen Be- Schränkungen mehr unterliegt. Eine englische Verurteilung des polnischen Dementis Aber den Zionismus Die Reutersche Agentur verbreitet folgende Erklärung: Bezüglich den in der letzten Zeit verbreitetem Nachrichten, ip denen die Berichte über antisemitische Ausschreitungen seitens der Polen in Galizien dementiert werden, erhält die Reuter-Agentur von ijer zionistischen Organisation die Nachricht, daß diese unbestreitbare Beweise für die Ausdehnung und Heftigkeit der kürzlich erfolgten Pogrome besitzt. Es erweckt Befremden, daß, während noch die Vertreter der englischen Regierung Untersuchungen über die Pogrome vornehmen, der Versuch gemacht wird, dem Ergebnis dieser Untersu chungen vorzugreifen und die bisher erfolgten Berichte zu diskreditieren. Die ״Times“ Aber die Pogrome in Galizien Wie aus der Schweiz gemeldet wird, berichteten die ״Times“ vor kurzem, daß alliierte Offiziere von Budapest nach Lemberg gegangen sind, um dort die Frage der kürzlich erfolgten Pogrome zu untersuchen. Es wurde dabei festgestellt, daß nach der Wiedereroberung Lembergs durch die Polen dort viele Häuser verbrannt wurden, daß systematische Plünderungenstattfanden, und daß einige hundert Juden auf höchst barbarische V/eise getötet wurden. Die ״Times“ führen dann weiter aus, eine unparteiische Untersuchung werde die Tatsachen feststellen. Jedenfalls könne schon jetzt gesagt werden, daß nichts der polnischen Sache schwerer schaden könnte, als der Versuch systematischer Gewaltanwendung gegen die Juden. Im übrigen werden die alliierten Staatsmänner sich der jüdischen Frage annehmen, und es sei nun die Aufgäbe der Juden, sie darin zu unterstützen. Protest der norwegischen Juden Das Stockholmer Jüdische Preßbüro meldet telegraphisch: Namens des Komitees, das die die norwegischen Juden vertritt, sandten die Herren Grün und Gittelsen durch das norwegische Ministerium des Aeußem einen Appell au die englische und französische Regierung, in welchem gebeten wird, daß so schnell als möglich namens der Menschlichkeit und Gerechtigkeit die entsetzlichen Judenmetzeleien in Polen und Galizien verhindert werden. Der Appell ist mitunter- Nf. Nr. zeichnet von Persönlichkeiten aller norwegischen poK tischen Parteien wie Mowinckel, Präsident def Nor wegischen Storthing, Castberg, dem Vorsitzendei des Odelthinges (Gesetzesausschuß des Parlaments) Jeppcsen, dem Vorsitzenden der Stadtverwatung toi Kristiania, Buen, dem Vorsitzenden der sozialdemofcr» tischen Parlamentsfraktion, dem Bürgermeister Acc tander, L ö k e n , dem Vizevorsitzenden der norwegi sehen Friedensvereinigung, und dem Bischof Tand b e r g. Protest französischer Sozialisten und der Liga für Menschenrecht( Dk c 1 d s Kr Wie das Stockholmer jüdische Preßbür« telegraphisch meldet, veröffentlichte die französi sehe sozialistische Partei und die L i g für Menschenrechte einen scharfen Protest ge geil die Pogrome, ami Ukrainische Pogromspende Die ukrainische Regierung Ostgalizieng spendete, wie man uns mitteilt, zu Gunsten der Hinterbliebenen der Pogromopfer in Lemberg 100ÖQ Kronen. Der ukrainische Metropolit Scheptizk spendete für der! gleichen Zweck 500 Kronen. Ich tührunt nur aonisti Hebräi! Vir wi allein. Hebräi! ziehen, finden, erhalte! hebräis fremde können Pogrom in Belitza eirugun Zionisri >n m fol■ id Der Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird vo! der jüdischen Delegation für Belitza Kreis Litte gendes berichtet: Vierzig bewaffnete Banditen, überfielen am 11. De■ zember die jüdischen Einwohner von Belitza. Es wur• den vier getötet, »fünf schwer verwundet vier leicht verwundet, 31 Familien sin gänzlich a u s g e p 1 ii n d e r t worden. Schaden beträgt mehrere hunderttausend Mark, Belitza ist seit dem 7. Dezember vom Militär geräumt. Es werden weitere Ueberfälle in der ge■ samten Gegend durch Banden mit Grund befürchtet, Irn Stadium der Räumung ist ausreichender Schtr durch deutsches Militär unmöglich. Von der litauischen Judenheit wird deshalb an die Ententemächte das drin gende Ersuchen gerichtet, schleunigst für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Sie werden gebeten, »fort alles zu tun, was in ihren Kräften steht. es war erv n der die (91 Zionisr >u ver! gehobe jüdisch len jü nüsseri ichen on de iie Ki m san wichtig ittag- ■1c Eli irer i 1ele 1 ltzn eine: Icl ׳;111er Neue Verfolgungen in Ungarn Das Jüdische Preßbüro, Budapest, erfährt aus 20 verlässiger Quelle über neue Ausschreitungen gegen .Juden,m״Upgant.—- — ״ -— -- In Ro mo 1 i, Beszt Naszod Com., zwangen die R u mänen zirka 400 dortiger Juden unter Mißhandlungen zur Auswanderung. Man beraubte sie ihrer Barschaft und, trotz der großen Kälte, ihrer Kleider und ver trieb sic. In Borsa, Com. Mafmaros, haben Ruthenen einen Juden und seine Frau erschossen und ausgeraubt. In Karäcsonyfalva, Com. Mannaros, haben ruthenische escha rage lehmci »ringe! :eitler!ami Vir 11 prech am d jewin )emül len w Räuber einen Juden, der aus Märmarossziget mit fresse einem׳ jüdischen Mädchen und seiner Frau nach Hause kam, überfallen, ihn geköpft, und das Mädchen er stochen. Die Räuber wurden in Haft genommen. In Havasmezö, Märmaros Com., überreichte während eines Gottesdienstes ein ruthenischer Knabe dem Rabbiner einen Brief, in welchem sämtliche Juden unter Androhung eines Pogroms zum Verlassen des Ortes aufgefordert werden, worauf vom dortigen Oberstuhlrichter eine Wache zum Schutze der Juden, und Auf rechterhaltung der Ordnung organisiert wurde. Die Juden iu der städtisehen Selbstverwaltung in Kowno Uns wird mitgeteilt: Bei den vor kurzem erfolgten Wahlen zur Kownoer städtischen Selbstverwaltung wurden insgesamt 22 Ver treter jüdischer Parteien gewählt von denen 9 auf die zionistische Partei, 6 auf die jüdiseh-sozia listische Partei ״Der Bund“, 4 auf die jüdische orthodoxe Partei, 1 auf die jüdischen vereinigten Sozialisten, 1 aitf die jüdische demokratische Partei, 1 auf den jüdischen unparteiischen Volksverein entfallen. Ein jüdischer Natieoalrat in der Bukowina Wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, hat sich der Bukowina ein jüdischer Nationalrat gebildet, der die Judenheit des ganzen Landes (Zionisten, Poale Zion, jüdische Sozialdemokratie, die Orthodoxie und die bürgerliche Landespartei) umfaßt. Alle sechs jüdisehen Reichstags- und Landtagsabgeordneten sind » ihm vertreten. Der Nationalrat hat die Palästinaforderung in sein Programm aufgenommen. Da die Bukowina von ,Rumänien besetzt, und der Verkehr mit Rumänien unterbrochen ist, hält sich der Nationalist für verpflichtet, auch die Interessen der Juden Rumä niens und Beßarabicns.zu vertreten. Judischnationale Vertretung im Banater Volksrat Das Jüdische Preßbüro/ Budapest, meldet: Neben den Rumänen, Serben, Magyaren erhalte« auch die Juden im Verhältnis ihrer BevöIToeTungszahl ihre Vertretung im Banater Volksrat. 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