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Jüdische Rundschau · 1919-01-10 · Heft 2 (10.1.1919) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■י* V 1V Ü{ f■ Seite 22 dateska diese Provokation der Zionisten v o n lau g e r Hand v o!bereitet habe und bei diese!־ Taktik so lange verharren möchte, bis die Judenheit, somit auch die Zionisten, gewaltsam aus ihrer Neut r a 1 i t ii t hcrausgerissen wird. Die Welt soll dann sehen, daß die Polen mit ihren Verdächtigungen, Beschuldigungen und Gewalttaten nicht Unrecht hatten. Allein dies soll den Polen nicht gelingen. Der Friedenskongreß wird ein gerechtes Urteil sprechen. Ein polnisches Geständnis Wie dem Jüdischen Preßbüro i1\Wie!1 berichtet wird, soll der Legionär, Rittmeister Ziegler, der während des Pogroms in Brzesko, das Kommando der Garnison führte, in einer Gemeinderatssitzung am 19. Dezember erklärt haben, daß die polnische Intelligenz den Po grom in Brzesko vorbereitet habe und dafür die Ver antwortung trage. Auf einen Zwischenruf, daß nur die Jugend daran Schuld trage, erwiderte Ziegler, daß die gesamte polnische Intelligenz, die Alten wie die Jungen, schuldig seien. Daszynski über die polnische Judenfrage Auf einer Wahlversammlung in Krakau sagte, wie das Jüdische Preßbüro in Wien mitteilt, Daszynsk i in seiner Kandidaten rede über die polnisch-jüdische Frage u. a. folgendes: Der Konflikt zwischen den Polen und Juden besteht darin, daß sich die Juden noch nicht polonisiert haben. , Krakau war vor 500 Jahren eine ausschließlich deutsche Stadt. Aber die Deutschen haben wir schon längst verdaut, ihre Nachkommen sind ausgezeichnete Polen. Mit den Juden ist es nicht so. Sie blieben in Sprache, Sitten und Tracht abgesondert. Deshalb darf man sich nicht wundern, daß die Nation und der Staat ihnen, so lange sie in einem so hohen Prozentsatz unsere Städte bewohnen, kein Vertrauen schenkt und ihnen kein e organischen Funktionen an vertrauen will. Englischer Protest Das Stockholmer Jüdische Preßbüro meldet vom 8. Januar telegraphisch: Unser Londoner Korrespondent telegraphierte vorn 7. Januar: Das Vereinigte Auslandskoni itee des Board of Deput!es und der Anglo Jevvish Association veröffentlichte aus maßgebenden Quellen einen erhaltenen detaillierten Bericht über die polnischen. Judenpogrome. Der Bericht weist nach, daß die Pogrome planmäßig von der nationaldeinokratischen Polenpartei und den Regienungskreisen organisiert wurden, wobei sich die lntelligenz untätig verhielt. Der Bericht stellt eine schwere Anklage gegen die Polen dar. ״Manchester Guardian“ sagt in einem den Pogromen gewidmeten Leitartikel, daß Dmowskis Erscheinen überall von, Judenpogromen begleitet ist. Dmowski ist von den Alljierten ohne Befragen der Polen zum Vertreter Polens'' ausersehen. ״Manchester Guardian“ drückt die Hoffnung aus, daß die englische Regierung strenge Maßnahmen ergreifen wird, um alle Beziehungen mit den für die Pogrome verantwortlichen polnischen, reaktionären Parteien abzubrechen. Das Londoner Polenkomitee veröffentlichte neuerdings eine Erklärung, die die Pogrome ableugnet und behauptet, alle Informationen kämen aus deutschen Quellen mit der Absicht, die Polen zu diskreditieren. Parteitag der holländischen Zionisten Das Jüdische Korrespondenzbüro im Haag meldet: Am 25. und 26. Dezember 1918 fand in Ainsterd a m der P a r t e i t a g d e r h o! 1 ä n d i s c h e n Z i onisten statt. Der holländische Zionisteiibund zählt heute 34 Ortsgruppen mit 2461 Mitgliedern (1917: 2205 Mitglieder). Für den jüdischen Nationalfond liefen im verflossenen Jahre 30 491.- Gld. (1917: 21090. - Gld.) ein. Die Veranstaltung der Kongreßdemonstration, sowie die Durchführung einer systematischen zionistischen Erziehungsarbeit hat das Leben des Bundes in diesem Jahre beherrscht. Der Vorsitzende des Bundes, Herr Neheinia d e Liemc, wies in seiner Eröffnungsrede auf den Drang nach Palästina hin, der sich heute in allen jüdischen Kreisen zeigt, und der durch die Pogrome in starkem Maße gewachsen sei. Die Eroberung Palästinas werde zur Folge haben, daß Palästina nicht unter das türkische Regime zurückkehren werde. ln England hat mail seinem Erstaunen Ausdruck gegeben, daß ein Jahr nach •der Erklärung Balfours noch nichts über die Grundsätze einer definitiven Palästinaregeluug bekannt geworden sei. Man erachtet den Ausdruck ״natio uales Heim“ als zu vag. Der Redner erklärte es als einen ungerechtfertigten Mangel an Vertrauen in die englische Regierung, wenn man in England in dieser Weise auf eine nähere Umschreibung des Ausdrtickes ״nationales Heim“ andringe. Nur die Zionistische Organisation kann erklären, was sie unter ״national honu“ versteht. Wenn diese ihre Priiizipien in einem konkreten Vorschläge zum Ausdruck bringen wird, dann wird sich keine Macht ihrer Verpflichtung entziehen, die sich aus den bekannten Eridärungen ergibt. Der Redner ist davon überzeugt, daß England die Annexion von Palästina nicht wünscht und die ernste Absicht hat, dem jüdischen Volk zu ermöglichen, $as zionistische Programm zu verwirkli- JIJEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2 Nr. 2 chen. Doch erklärte es der Redner als inopportun, sich für ein englisches Protektorat auszusprechen, so lange noch keine konkreten Vereinbarungen getroffen worden sind. Herr de Lieine schloß seine Rede mit den Worten, die das Volk Neheinia zurief: ״Laßt uns aufbrechen und auf bauen!“ Herr Prof. Orn stein besprach in seinem Referate die Lage der Juden. Er erklärte das Streben nach nationaler Autonomie in den Golusläudern als undurchführbar und für den Zionismus schädlieh. Der Parteitag nahm eine Resolution des Bundesvorstandes über die Forderungen der Zionistischen Organisation an. Ferner nahm der Parteitag auf Vorschlag des Herrn Jakob La n d a 1t folgende Resolution an: ״In der Erwägung, daß - - unbeschadet der Verhandlungsfreiheit der zionistischen Organisation — die Diasporafragen, wie das Problem der bürgerlichen Gleichberechtigung und der nationalen Autonomie in den Golusländem, der Wiederaufbau der jüdischen Positio ne.11 i!1 den Kriegsländern mir durch einen Weltkongreß gelöst werden können, daß die Aufgaben, vor denen wir in Palästina stehen, eine kollektive Kraftanstrengütig aller jüdischen Kräfte notwendig machen, daß die Schaffung einer Vertretung aller nationalen Juden der ganzen Welt die Ausschaltung aller assimilatori scheu Körperschaften von der Teilnahme an der Friedenskonferenz erwirken würde, daß die Abhaltung des jüdischen Kongresses in Amerika, der 3 Millionen Juden vertrat, und die Schaffung der jüdischen Nationalrate in Rußland, Deutsch-Oesterreich, Böhmen, Galizien die Einberufung des jüdischen Weltkongresses ermöglichen, richtet der Parteitag einen dringenden Appell an die nationalen O r - ganisationen aller Länder, sich in den Dienst des Gedankens des jüdischen Weltk'ongrcsses zu stellen.“ Rückkehr palästinensischer Verbannter Das Stockholmer Jüdische Preßbüro erfährt von einen! Londoner Korrespondenten unter dem 7. Januar: 350 Juden, zumeist Verbannte, trafen am 12. Dezember au!s Konstantinopel in Palästina ein. Der Dampfer führte die jüdische Flagge. Die Rückkehr . wurde von dem Heimschaffungskomitee unter R11 p - p i 11 s Leitung organisiert. Ein jüdisches Tageblatt in deutscher Sprache Aus Wien wird uns geschrieben: Ab Mitte Januar erscheint in Wien die ״Wiener M o r g e 11 zeitu n g“ als־ erstes jüdisch - politisches Tageblatt in deutscher Sprache. Damit Wird eine allseitig seit langer Zeit überaus schmerzlich empfundene Lücke ausgefüllt werden. Wenn der jüdische Nationalgedanke, der sich in den enfen tistischen Ländern während des Krieges zu einer 1111geahnten Bedeutung entfalten konnte, in den deutschsprachigen Ländern immer noch mit den primitivsten Hindernissen zu kämpfen hat, so ist lediglich das Fehlen einer eigenen Tagespresse sowie die ablehnende Haltung gerade der von den Juden und Judenstämmilingen beherrschten Zeitungen Schuld daran gewesen. Nunmehr werden wir wie in anderen Ländern, so auch im deutschsprachigen Gebiet ein eigenes Organ haben, in welchem wir vor der breitesten Oeffentlichkeit unsere nationalen Interessen vertreten und überdies vom jüdisch-nationalen Standpunkt aus zu allen Wirtschaftliehen, politischen und geistigen Fragen des öffentlichen Lebens Stellung nehmen können. Zahlreich einlaufende Vorausbestellungeh zeugen von dem großen Interesse,׳ welches man dem Blatte bereits jetzt entgegenbringt. Kein Jude darf versäumen, rechtzeitig zu abonnieren. Redaktion und Administration befinden sich Wien II., Taborstralie 1 - 3. Manifest des Jüdischen Nationalfonds Juden! Wir stehen vor dem verheißungsvollen Wen depunkt unserer Geschichte, zu dem die entschlossene Tat nationaler Vorkämpfer den Weg gebahnt hat. Das lang ersehnte Ziel des jüdischen Volkes, im eigenen Lande wieder seßhaft zu werden, reift der Erfüllung entgegen. Machtvolle Völker und Regierungen haben feierlich gelobt, unsere nationale Wiedergeburt im Lande der Väter mit allen Kräften zu fördern. Der Friede wird uns vor die Durchführung gewaltiger Aufgaben stel• len. Er darf uns nicht unvorbereitet finden. Schon jetzt müssen die Grundpfeiler zum Wiederaufbau des jüdischen Palästina errichtet werden. Das Fundament jeder nationalen Kolonisation ist der Boden. Der Jüdische Nationalfond ist begründet worden, um den freien Boden Palästinas als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und damit den nationalen Charakter der jüdischen Siedlung dauernd zu verbürgen. Verfügt das jüdische Volk in seiner Gesamtheit über das wichtigste Kol-onisationsmittel, den Boden, so ist auch die gesunde Grundlage für die Entwicklung des zukünftigen palästinensischen Gemcinwesens geschaffen. Der Bestand der jüdischen Siedlung ist nur gesichert, wenn das jüdische Volk wieder mit der heimatliehen Scholle verwächst und den Ertrag des Bodens eigener Hände Arbeit verdankt. Der Boden Palästinas soll frei sein für jeden unter uns, der ihn selbst bearbeiten will. Für die Schaffung einer selbstarbeitenden jüdischen Bauernschaft aber ist die Ansiedlung der vermögensschwachen und besitzlosen •jüdischen Massen unentbehrlich. Diese Massen können, nur unter Mit- Wirkung eines nationalen Landfonds seßhaft gemacht werden. Durch die Erbpacht auf Nationalfondbodei! werden die Ansiedler vom Bodenkauf entlastet, und doch bleiben die Früchte ihrer Arbeit ihnen und ihren Nachkommen erhalten. Darüber hinaus sichert eine groß angelegte Landpo• litik des Nationalfonds den sozialen Fortschritt d« palästinensischen Gemeinwesens. Wenn die Steigerung der Grundrente nicht wenigen Bevorzugten, sondern der Allgemeinheit zugute kommt, wenn der Boden den breiten Massen nicht vorenthalten werden kann, dann sind dem freien Spiel der Kräfte Grundlagen geschaffen, die eine gesunde soziale Entwicklung gewährleisten, Genossenschaften werden entstehen, wo sie einem Ökonomischen Bedürfnis entsprechen, daneben wird genügend Raum! für die Privatinitiative bleiben zur großzügigen Entfaltung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Die Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds ist hereits tief in das Bewußtsein der Juden aller ,Schichten gedrungen. Der Jüdische Nationalfond hat sich auch im Kriege als ein unzerreißbares und zugleich einigendes Band bewährt, das die gesamte national empfindende Judenheit umschließt. Ungeachtet aller Hemmungen der Zeit haben sich im Kriege seine Jahreseinnahmen verdoppelt. Erhebliche Be!rüge sind ihm aus den Schiit• zengräben zugeflossen, die namhaftesten aus deii so schwer heimgesuchten Gebieten jüdischer Massaisied• lung. Zur Durchführung der gewaltigen Aufgaben aber, die dem Jüdischen Nationalfond in einem zukünftigen jüdischen Palästina zufallen, sind ganz andere Beträge als die heutigen Spenden erforderlich: Hunderte und Aberhunderte von Millionen. Wir vertrauen darauf, daß unser leidgeprüftes Volk die historische Größe des Augenblicks in seiner beispiellosen Bedeutung erfaßt. Wir wenden uns darum an alle, die die großen Möglichkeiten begreifen, welche in der Durchführung des Nationalfondgedankens liegen. Wir fordern sie auf, den Jüdischen Nationalfond zu einem machtvollen Werkzeug der jüdischen Neubesiedlung Palästinas auszugestalten. Wir wenden uns an die jüdischen Massen, die bisher den Jüdischen Nationalfond mit ihren Spargroschen gefördert haben. Wir wenden uns an die Vermögenderen in unseren Reihen, deren Opferwilligkeit sich in Zukunft ver vielfachen muß. Arbeit 1 so muß so fort Auf Wir mü 1UJ grö Gesinmi: Ergebnis land im einen F Verhähn keinem fähigkeif der Ver nisten, < Selbsf für das Ehrensa Betrag zu erhö bis an < auf dies die Gni können not wem We nach be festen 1 {reforde: gedeckt benomii in Rate er sidh unterzei in jede Jet ui grei׳ Augenb an lasse! zu geh Ergehn land •ei gilt, de statte i Jet Wir richten unseren Ruf an die uns bis jetzt noch fernstehenden Juden aller Länder. Wir appellieren schließlich an die jüdischen Körperschäften, Gemeinden, Ofden, Synagogen vereine, Volkstanken und Gewerkschaften. Juden aller Länder und aller Stände! Stellet euch in den Dienst des Jüdischen Nationalfotids, gewähret ihm eure moralische und materielle Hilfe zur Sicherung des nationalen Bodens. Geulah tittau la-arez. Bereitet dem väterlichen Boden Erlösung. Bereitet dem landlosen Volke den Boden neuen Lebens. Den Haag, Tischri 5679. Ar Vereins statt, i Thema Jude Di bei se aber ei mus si jüdiscl und A stände der Ju Das Verwaltungskomitee des Jüdischen Nationalfomls. Selbstbesteuerung zugunsten des Jüdischen Nationalfonds Auf der am 24. Juli 1918 abgehaltenen Kon fe• renzder Vertrauensmänner des Jüdischen Nationalfonds in Deutschland,!!her die ein aus- Eigen; Umsc einget Völkei die zi< Manifi der g, samim Gleieli führlicher Bericht infolge Raummangels erst in einer der nächsten Nummern folgen kann, ist als wichtigster Punkt beschlossen worden, auf die alte Form der Selbstbesteuerung zu Gunsten; ries Jüdischen Nationalfonds zurückzugreifen. Die neue Phase, in die die zionistische Bewegung jetzt eingetreten ist, legt ihr die Pflicht auf, alle Kräfte zu einer erfolgreichen Realisierung der vorhandenen Möglichkeiten einzusetzeu Die festen Zusicherungen, der Großmächte Lassen es als ganz sicher erscheinen, daß unmittelbar nach Friedens• Schluß eine großzügige jüdische ״ Kolonisation in Palä■ stina unternommen werden kann. So groß aber auch diese Möglichkeiten sind, so wird doch ihre Verwirk• liChung einzig und allein von den Mitteln abhängen die wir selbst für dieses hohe Ziel aufbriugen. Der gegenwärtige historische Zeitpunkt, vielleicht der bedenkendste unserer ganzen Diaspora-Geschichte darf nicht ungenutzt vorübergehen; die Arbeit des AufbaUs unseres Kolonisationswerkes entsprechend den dringenden Forde rungen der neuen Zeit muß sofort beginnen. Der Jüdische Nationalfonds ist als erster dazu be rufen, die Probleme des kolonisatorischen Aufbaues Palästinas zu lösen. Dazu ist erforderlich, daß er in großem Umfang weiter Grund und Boden in PaLästina erwirbt und das erworbene Land schnellstens in rationeller Weise der Besiedlung erschließt. Von der Leistungsfähigkeit des Nationalfonds wird die neue1 Entwicklung Palästinas in erster Linie abhängen. Die׳ Erwartungen, mit denen wir alle heute auf Erez Israel blicken, können nur dann erfüllt werden, wenn der Jüdii sehe Nationalfomls schon heute diie Mittel zur Verfiigung hat, um wirklich ans dem Vollen schaffen z! können. Nach einem Voranschlag unserer Hauptverwaltung, der eher zu niedrig, ab zu hoch gegriffen ist, bedarf der Jüdische Nationalfonds für das Jahr 1919 einer Mai■ destsumme von 10 MBüonen Mait, um die tarfonisa« torischen Aufgaben auch nur einigermaßen erfofever sprechend -in .Angriff ,ndfpien ,sm,.kö11t»e1t. gewäl den Arbeil wir d Heil Bode! dem leistei Uebei ist sic einig, auf d sehen Gern« bestit Schic df [Vei

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