Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 20 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2 % / I t s hl 1' K größeren Diaspora. Der Untergang des Staates hat, die Entwicklung vollendet. Die inneren Folgen der Diaspora sind Erscheinungen der Assimilation. Sie begannen schon während des Exils auf wirtschaftlichem und religiösem Gebiet, und ergriffen den ganzen Menschen auf allen Gebieten des persönlichen und des Gemeinschaftslebens zum ersten Male im hellenistischen Kulturbereich, besonders in Aegypten, soweit, daß sie schon damals teilweise nur noch den religiösen Zusammenhang bestehen heilen, in einzelnen Fällen auch diesen lösten. Bei den einzelnen Landsmannschaften und den einzelnen Personen stärker oder schwächer im Grade, zahlreicher oder geringer in den Erscheinungsformen, blieb die Assimilation die notwendige, bei keinem Juden ganz fehlende Folgeerscheinung der Diaspora bis auf den heutigen Tag. 3. Die Juden in Deutschland sind in den Erscheinungsformen und Aeußerungen des wirtschaftlichen und politischen Lebens bis auf einige durch den Zwang von außen «übrig gebliebenen Sonderheiten vollständig assimiliert, im gesellschaftlichen Leben in den Formen vollständig, in den Aeußerungen mit den durch ihr besonderes Gemeinschaftsleben gegebenen Einschriinkungen. Ebenso kulturell bis auf gewisse Besonderheilen ihres Interesses und ihres Empfindens. Sogar ihre religiösen Anschauungen stellen sich feinerem Zusehen als aufs tiefste von der allgemeinen Kultur und damit vom Christentum beeinflußt ’ dar. Diese Umrißlinien des gesamten, in weiterer Entwicklung befindliehen Prozesses sind im einzelnen in ihrem Inhalt nach Erziehung, Beruf, persönlicher Eigenart auf das vielfaltigste differenziert. Die Voraussetzungen und ihre Wirkungen mischen sich in den einzelnen verschieden, aber sie sind grundsätzlich in allen Juden vorhanden. Konkret angesehen: die ererbten und die erworbenen Elemente, die des Gemeinschafts- und die des persöuliehen Lebens, die gesellschaftlich-wirtschaftlicii-politisehen und geistigen, die der Erkenntnis und die des Willens wirken in ihrer Zusammensetzung in den einzelnen Juden verschieden. Darum ist auch in den einzelnen das Vorwiegen und Betonen jüdischer oder deutscher Eigenart bei aller Anerkennung im Prinzip gleicher Voraussetzungen ein verschiedenes. Darum ist, wovon wir atisgingen, die Bestimmung der nationalen Zugehörigkeit nicht nur eine natürliche Folge gegebener Voraussetzungen, sondern eine von Bewußtsein und Willen abhängige persönliche Entscheidung. Diese auf d'ern Wege geschichtlicher Induktion gewonnene Erkenntnis muß imstande sein, die erkenntniskritische Grundlage für das Einh'eitsbewußtsein der Juden zu bilden.“ Ich hoffe, daß diese theoretischen Auseinander- Setzungen geeignet sind, die Scheidung der Begriffe ״Volk“ und ״Nation“ zu überwinden. Im Augenblick, wo die Erkenntnis Platz greifen wird, daß sich in jedem deutschen Juden verschiedene Elemente mischen, wird eine Klärung und Verständigung möglich sein. Wir dürfen die Auseinandersetzung nicht zurück weisen, weil sie zu einer Wiedervereinigung führen kann, und zwar auf dem «Boden des Volkstums. Es handelt sich um die Frage: Wolfen wir einen Kongreß veranstalten, dem die Voraussetzungen für eine Zusammenfassung des gesamten deutschen Judentums fehlen? Der Kongreß ist die größte Lebensnotwendigkeit für das deutsche Judentum, er muß kommen. Ihn heute zu unterlassen, wäre der größte Fehler. Bhimenfeld hat recht, wenn er sagt, daß das deutsche Judentum erschüttert ist. Diesen Moment dürfen wir nicht vorübergehen lassen. Aber der Kongreß muß weit größere Teile des jüdischen Volkes in Deutschland erfassen als die Zionisten. Wir müssen einen allgemeinen jüdischen Kongreß haben. Ich bitte Sie, den Kongreß zu beschließen, aber erst dann, wenn wir uns auf Grund der Ihnen von mir vorgetragenen Thesen mit den Führern der anderen Organisationen verständigt haben. Lazarus Barth-Frankfurt a. M.: Die Verhältnisse haben es so gefügt, daß ich der erste bin, der in ziemlich rückhaltloser Weise seine Zustimmung zum Kongreß geben kann. Aber ich werde auch eine Aenderung des Blumenfeldschen Vorschlages empfehlen, die allerdings weniger tiefgreifend ist, als die meines Vorredners. Wie immer wir die Frage des Kongresses betrachten, wir kommen nicht darum herum, unser Verhältnis zu den anderen Organisationen kurz zu beleuchten. Wir haben ja schon häufig dazu Stellung genommen. Wir werden es zweifeilos nicht erreichen, daß diejenigen, die außen stehen, nun mit fliegenden Fahnen zu uns übergehen. Aber die Ereignisse der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, daß der Zionismus immer mehr an Boden gewinnt. . Er hat es natürlich noch nicht vermocht, die gesamte Judenhcit zu /ionisieren, aber die Ereignisse hauen gezeigt, daß sie immer mehr in die Bahnen unserer Ent- Wicklung hinübergleitet. Diese Tendenz dauert in außerordentlich starkem Maße an. Der Standpunkt, der heute vom Zentralverein vertreten wurde, wurde von vielen Zionisten noch bis vor kurzer Zeit eingenommen, und wenn wii auch jetzt keinen Ueberblick über die jüdischen Verhältnisse in den Entente-Ländern haben, so glaube ich doch, daß auch ein Teil der dort neugewonnenen Zionisten diesen Standpunkt teilt. Darum möchte ich folgenden Aenderungsvorschlag für das Kongreßprogramm machen: Wir verlangen von den Juden, die sich der Kongreßbeweguiig anschließen wollen, ein Bekenntnis zum jüdischen Volkstum. Ich bin gegen diesen Bekenntniszwang. Ich bin nicht dafür, den jüdisehen Kongreß irgendwie abzuschwächen, aber wir wissen, daß der Gedanke des jüdischen Volkstums sehr verschiedene Auslegungen erfahren hat. Der Sinn des Zionismus ist doch der, daß wir, eben um uns m nationalen Juden entwickeln zu können, ein Land brauchen, das uns erst die Kraft dazu gibt, ein wirklich nationales Leben zu entwickeln. Deswegen möchte ich an Stelle des Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum, das ich ablehne, eine Willenserklärung setzen, in der Tendenz des Nationaljudentums tätig zu sein. Das ist keine sehr große Differenz. Wir alle empfinden schon «נ deutlich, daß wir nicht in aller Beziehung Juden sind, und wenn jemand erklärt: obwohl ich Zionist bin, kann ich nicht sagen, ich bin Natioiialjude, so können wir ihn unmöglich abstoßen, nur weil er vielleicht eine größere Selbsterkenntnis besitzt als manche von uns, die sehr häufig von ihrem Nationaljudentum sprechen, es objektiv aber nicht besitzen. Ich glaube, daß die meisten von Ihnen sich für den Kongreß aussprechen werden. Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, daß speziell drthodoxe Kreise sich für den Kongreß-Gedanken aussprechen und ich bitte Sie, den Willen von hier mitzunehmen, im Sinne des Kongreß- Gedankens tätig zu sein. Am Schlüsse noch eines: Herr Blumenfekl hat davon gesprochen, daß ein großer Teil der Aufgaben von dem KulturaussclmlS geleistet werden muß. Ich halte die Aufgaben des Kulturausschusses für so wichtig, daß ich einen Antrag dazu stellen muß. Der Ausschuß ist von einem außerordentlichen Delegiertentag; gewählt worden, der nur von Zufalls-Delegierten besucht werden konnte. Eine große Zahl von Personen, die nützliche Arbeit leisten könnten, sind bei den damaligen Wahlen unberücksichtigt geblieben. Ich möchte deshalb bitten, eine Neuwahl dieses Ausschusses vorzunehmen und für seine Tätigkeit einige Richtlinien festzusetzen. Arnold Zweig-München: Wenn ich zu einer Sache, die uns alle angeht, hier das Wort nehme, so tue ich es aus dem Gefühl heraus, daß die Stimme eines jüngeren Menschen hier jetzt besonders gezählt zu werden verdient. Wir haben hier gehört, daß zwischen Julde und Deutscher, Jude und Mensch, Jude und Jude begriffliche Unterschiede gemacht wurden.‘ Es wurde gesagt, man kann nicht zu gleicher Zeit Jude und Deutscher sein. Meine Erfahrung sagt, man kann das sehr wohl. Das schließt natürlich nicht aus, daß auch wir sagen, es gibt nur ein Entweder — Oder. Dies ist das Entweder — Oder der Entscheidung. Ich glaube aber, daß die Kongreßbewegung, wie vVir sie hier haben vortragen hören, keines von den Dingen ist. bei denen es zwischen der Wesenheit Staatsangehörigkeit und der Wesenheit Jude zu Konflikten kommen kann. Der Staat, in dem der Begriff Staatsangehörigkeit einen kalten und ekelhaften Klang batte, ist nicht mehr. Wir, die wir solange mit;allen möglichen Menschen in allen Situationen des Menschenlebens haben Zusammenleben müssen, die wir eine Organisation wie das deutsche Heer von Grund auf haben kennen gelernt, wissen, daß von ei11em*solchen Begriff nur so lange die Rede sein konnte, als ein übermenschlicher Imperialismus das ganze Uhrwerk trieb. Heute ist es ganz anders. Der Staat ist angewiesen auf das freiwillige Zusammenwirken aller freien Bürger. Wir Juden können ׳uns in den Dienst dieses Staates stellen. Ich glaube nicht, daß ein Jude, wenn er einer nichtjüdischen, allgemein politischen Partei beilritt, in ihr nicht als Jude, sondern nur als Parteiangehöriger zu wirken hat; er kann sein Volkstum nicht verleugnen. Wenn er;sich in den Dienst einer Idee stellt, kann er es nur als Natioiialjude tun. Die Juden haben sich immer darin geübt, große Verantwortung zu übernehmen und haben es freiwillig für alle Völker getan. Das ist der Grund, aus dem jetzt viele Juden an die Spitze der Völker getreten sind. Die Völker sind durch das lange alte Regime in einer geistigen Trägheit geblieben. Der Jude weiß die Verantwortung zu verspüren und zu tragen für den Ent- Schluß, den er faßt. Daher stehen an der Spitze der Völker viele Juden und daher werden in demselben Augenblick die Juden verschwinden, in dem sich die Völker entschlossen haben, ihre Tugend der Tapferkeit in den Dienst der Idee zu stellen. Wir können unsere Kräfte in den Dienst einer deutsehen Idee stellen und zu gleicher Zeit ohne Konflikte einer jüdischen Idee dienen, und als solche möchte ich Ihnen den jüdischen Kongreß empfehlen. Wir deutschen Juden haben der jüdischen Welt 20 Jahre lang die geistigen Führer gegeben. Wir haben nicht die Masse gehabt, sondern die entschlossenen Köpfe, die da« Problem der jüdischen Sache zur Entscheidung gestellt haben. Ich nenne Herzl und Buber. Ich frage, ob das deutsche Judentum klanglos abdanken soll. Das deutsche Judentum steht in Gefahr, in den Hintergrund geschoben zu werden. Das soll nicht sein. Denn ich bin der Meinung, daß das jüdische Volk das deutsche Judentum braucht. Der Kongreß kommt nicht zu früh oder zu spät, er kommt gerade zur rechten Zeit, und die deutschen Juden können sich darauf verlassen, daß er kommen wird und kommen muß. Dr. Arnold Barth-Berlin: Das Referat von Herrn Bhimenfeld hat außerordentlich viel Anregungen gebracht. Ich möchte nur im Prinzip für die Gruppe, die ich vertrete, erklären, daß wir mit dem Gedanken des Kongresses einverstanden sind, und zwar unter Zugrundelegung des Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum. Herr Blumenfeld ist auch auf die Erziehungsarbeit eingegangen. In diesem Zusammenhang möchte ich zunächst auf einen Gedanken eirigehen, der schon gestern augeschnitten wurde. Das ist die Frage des Zwanges zum Gesetz, die Frage der Gewissensfreiheit. Es ist gestern darauf hingewiesen worden, daß diese Ge- Wissensfreiheit im Judentum etwas Selbstverständliches sei. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir früher eine Theokratie batten, daß wir sie aber jetzt nicht bekommen werden durch die Zionistische Organisation, sondern daß sie wiederkommen wird jn den Zeiten des Messias, ln dem politischen Gemeinwesen, das wir uns jetzt erobern wollen, kann es sich nur darum handeln, daß alle mitzubestimmen haben, daß jeder einzelne mitwirken kann *und daß in Palästina ein dernokratischer Aufbau erfolgen muß. Diese Anschauung vertreten wir nicht etwa nur in zionistischen Kreisen, sondern wir treten damit vor die Orthodoxie und stellen sic vor die Entscheidung. Wir können es von unserem deutschen Misrachi sagen, 3aß er stets und immer jeder Bestrebung ferngestanden hat, die in die Gewissensfrei heit des Einzelnen eingreifen wollte. Wir wollen aber auch nicht, daß in unsere Gewissensfreiheit eingegriffen wird. Es würde einen Gewissenszwang für die auf traditionellem Boden Stehenden bedeuten, wenn sic mit ihrer Person und ihrem Vermögen gezwungen würden, zu Institutionen beisteuern, die in einer Riehhing geleitet werden, für die sie die Verantwortung nicht übernehmen könnten, während es für die anderen keinen Zwang bedeutet, wenn in solchen Anstalten die Religionsgesetze befolgt werden. Herr Blumenfeld hat vorhin auch die Frage des Zwanges zum Gesetz angeschnitten. Wir sind der Auffassung, daß ein solcher Zwang nicht ausgeübt werden soll, wähnend es aber in der Konsequenz jedes jüdischen Nationalismus liegen muß, sich freiwillig auf das Gesetz einzustellen. Durch diese Einstellung und durch das Lernen werden wir uns wieder zu judaiskren vermögen. Durch die dauernde Nr. 2 und konsequente Befolgung der jüdischen Vorschriften wird ein hoher Grad der Ethik in die Massen kommen. Aber nicht nur dies, sondern auch das Lernen ist notwendig. In dieser Hinsicht halte ich eine Anregung, die Dr. Max Strauß auf dem Jugend tag gegiben hat, für sehr fruchtbar. Es sollen sich in jeder Ortsgruppe jeweils vier bis sechs junge Leute zu einer 'Artmpe ZHsammentun, die sich untereinander verpflichten, sechs bis acht Stunden in der Woche der Beschäftigung •mit jüdischen Dingen, der Palästina-Kunde, der hebräischen Sprache, der jüdischen Kultur zu widmen. Jeweils vier Gruppe״ werden zusammengefaßt zu einer größeren Gruppe, die einen Gruppenleiter erhält. Dieser hat die Aufgabe, sich seiner Gruppe ein bis zwei Stunden wöchentlich zu widmen und ihnen über die Schwierig• keiten der vergangenen Woche fortzuhelfen. Wenn wir so arbeiten, werden wir wesentlich weiter kommen Ich bitte die Herren, die glauben, solche Arbeit in ihren Ortsgruppen durchsetzen zu können, sich mit mir in Verbindung zu setzen, damit ich ihnen nähere Aus■ künfte geben kann. Julius Berger-Berlin: ln dem ganz ausgezeichneten Referat des Herrn Blumenfeld, in dem uns das starke Bekenntnis zu der Notwendigkeit des nationalen Bewulitseins als eines untrennbaren Teiles unserer heutigen Auffassung vom Zionismus wie eine Befreiung berühr:*• scheint mir bei der Bcgrüjidiffig der Kongrcßklee ein Gedanke nicht genug entwickelt: Aus der Rede des Herrn Blumenfeld klang heraus, daß der Jüdische Kon greß in Deutschland in erster Reihe einen neuen Ver• such darstellen soll, die deutschen Juden zur Regelung ihrer Angelegenheiten auf einer anderen als der bislrei von ihnen eingenommenen Grundlage zu veranlassen Das trifft sicher Ä1■ aber es muß berücksichtigt werden daß die Kongreßidee ihre Begründung in sich selbst trägt Sie ist geboren aus dem starken demokratischen Gefuh des Zionismus, daß jetzt seine höchsten Triumphe erlebt. Im Augenblick, da der Zionismus an der Schwelle des Erfolges steht, tritt er vor das gesamte jüdisch« Volk, bereit, sich seinem Urteil zu unterwerfen, seine Kontrolle aiizuirehmen. Wir haben solches Vertrauen zu der Macht der Idee, daß wir nicht zweifeln, daß der Erfolg uns rechtgeben und daß auf dieser Grundläge aus der Zionistischen Organisation in Wahrheit das organisierte jüdische Volk werden wird. Diese Begründung muß auch den deutschen Juden den An- Schluß an die Kongreßbewegung leichter machen. Denn sie garantiert ihnen, daß die Forderungen, die wir stellen, nicht basieren auf der gegenwärtigen politischen Konstellation, die die deutschen Juden in die Reihe der besiegten Völker stellt, sondern im Gegenteil auf im serer großen!und erhabenen Idee, die über allen Kriegen und auch über allen Siegen steht. Darum aber ist es um so notwendiger, daß wir feststellen, wer zum Jüdischen Kongreß geben soll. Gerade weil der Kongreß auf so breiter demokratischer Grundlage erbaut werden soll, darum .muß es Vorbedingung sein, daß bei seiner Beschickung reinliche Grundsätze herrschen, daß sich zu ihm .nur diejenigen vereinen! die wirklich auf dem Boden des jüdischen Volkes stehen. Der Kongreß soll ja der politische Ausdruck des jüdischen Volksgcfühls sein, und darum ist es ein falsches Verlangen, ihn auf einer Mischmasch-Grundlage zustande kommen zu lassen, die letzten Endes dazu führen könnte, daß wiederum dieselben dem Volksgedanken abgeneigten und im letzten Grunde ■volksfeindlichen Elemente die Führung der Ge schäfte des jüdischen Volkes in die Hand bekämen die vom jüdischen Volk ebenso wenig wissen wollen ‘wie das jüdische Volk von ihnen. Darum kann uns auch die genaue Untersuchung Dr. Friedemanns nichts nützen Sie mag unter dem Gesichtspunkt besonderer Genauigkeit zutreffen. Aber das Volk bedarf für seine Politik keiner wissenschaftlichen Voraussetzungen. Wenn es Dr. Friedemann nicht ganz klar ist, was das heißt ״jüdisches Volk“, dem jüdischen Volk selbst ist es ganz eindeutig klar, und eine noch so genaue kritisch! Untersuchung vermag ihm nichts Neues zu geben. Wenn Dr. Friedemann Verhandlungen mit anderen jüdischen Organisationen führt, so ist dagegen nichts einzuwenden vorausgesetzt, daß derartige Verhandlungen im Einver ständnis mit der Leitung erfolgen. Herr Dr. Friedemann ist aber ein Matador der politischen Verhandlungen, die ohne Zustimmung oder gar gegen die Zustimmung der Leitung erfolgen. Und gerade bei der Politik, die wir jetzt treiben, ist es um so nötiger, daß unsere Front geschlossen ist und unsere Politik einheitlich bleibt R.-A. Gronemann-Berlin: Ich bin für die Abhaltung eines jüdischen Kongresses, glaube aber, daß viele an den Kongreß Erwartungen knüpfen, die leicht zu einer Enttäuschung führen können. Die Verhältnisse liegen bei uns wesentlich anders wie in jenen Ländern, wo eine solche Kongreßbewegung stattgefunden hat. Ich war zwei Jahre in Litauen und möchte als Beispiel nur anführen, daß in Bialystak sieben Parteien bestehen, di« sich gegenseitig auf das heftigste befehden und doch alle auf dem Boden der national-jüdischen Kongreßbewegung standen. So weit werden wir es in Deutsch land, wie ich fürchte, nicht bringen. Natürlidi gehört auch in Deutschland jeder Jude zum jüdischen Volk ohne Rücksicht auf seine Erkenntnis oder Erkenntnis fähigkeit. Aber die meisten sind sich darüber nicht klar, was •sie sind und was sie wollen. Was wird nun die Folge der Kongreßbewegung sein? Es könnte» gewiß orthodoxe Kreise für uns in Frage kommen, aber die Orthodoxen, die zu einem solchen Kongreß kommen, sind solche, die auch das zionistische Programrn anerkennen würden. Trotz dieser Einwände bin ich persönlich für den Kongreß, denn auf diese Weise zwingen wir die deutschen Juden, Farbe zu bekennen. Es wird sich heraussteilen, daß auf diesem Kongreß niemand sein wird, der nicht der Zionistischen Organisation angehört, es wird sich zeigen, daß außer dem Zionismus in Deutschland keine zielbewußte jüdische Organisation existiert. Wir werden auf diesem Kongreß den Bankerott des nichtzionistischen deutschen Judentums erleben. Das wird auch ein Erfolg des Zionismus sein, denn es wird sich zeigen, daß es in Deutschland außerhalb des. Zionismus kein Juden tum gibt. Ing. Tschernoff-Dresden: Der Delegiertentag muß sich bewußt sein, daß von jedem von uns das Jahr 1919 ganz besondere Kraftanstrengungen erfordert. Wir werden nicht nur die Umgestaltung der Religiönsgemeinde zur Volksgcineinde fordern müssen, sonder» uch glei sen. die Al [and möj ■erden fi leben, ichtig « ichen Ju luden jel seren I ■iben k :11 en un [aß die den j■ Am riede ört. I )line Wis jr Deut ichen Fü!flogen 11 1er dem wesen- Herr icht bei riedema Vi.r.cn < Besagt, < macht Sch h Uebt [rieh* in ln N Iden Wal [einigung heißen: Dr. Fr. des Dr. Aron Dr. Elias Dr. Badt Dr. Alber 3eorg B Dr. A. Ba .azarus 'hylla B V. Beck! [ulius Be •tthur B iurt Blu [ustizr. C heimer . Brand Itudienra A. Da Uly Da 1r. Dobr |H. Dubir igronor "'alter 1 .-A. Isi Ir. Frau Dr. A. F lDavid F!Lina Fr! A. C Friede , L Fu |Dr. Geo I L. Go 1r. Alb. Dr. Rieh Golde Yahutn lax Gol Berth. Ge tans Gc -A. S.C K. Oross Dr. Grün |L. Grüntl . Haarp