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Jüdische Rundschau · 1919-01-10 · Heft 2 (10.1.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Kr. 2 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Seite 19 Ir. 2 Jugend ch, sich Ina vor r Aehn Diese echten *st und ist nun fangen (ie uns zu wi■ todoxer iefertcn ,altigen, ,׳smäliig Inhalten 1m und ig, daß Juden n. Sie atsache unserer edeuten unrniticr sei da der Eman underts ationen können 5 liege;n, forczifisch Ich bei n jüdiunsere bemeh gestai; heute WaJ- Glaubt ahr e funkn sind, lt eine o muß u allen »en ist, kennen, Wesens lsdtlich? Menrfahren. ist, der 41t, der ird. Die n wird eistu ng verhal dischen Ucber• ür begeben, h, daß iließen, st sich r Menh über- Volksir nicht in unwen * Das : kennt aus der d Volk tis den (en des er evvi- : 3aher gefährkm idem ׳ durdi ber die worden runden, urchaus vegung di wir- : durcher und 1 ihrer dürfen, eit nur sie uns r nicht lebennsrhaft. n allen er For- 111 e i ti den jü- ן istischc n 2iu die an «n jüdisches Leben außerhalb Palästtht a.s nicht glauben. Dia wir davon überzeugt s-iiwl, daß aus jüdisclicm Lebet! organisch Zionismus ervra.-d1s.f11 nuiB, brau dien wijr Keine Scheu davor nt habe■, *He Juden, die sich zund jüdischen Volk nigehatig f1ul*l«1, zu Trägern des jüdischen Lebens in Demtschiaud ».1 machen. Wir halten uns aber ancli für verpflichtet, unsere Kreise zum Volk zu erweitern, weil mu 11 uns als die Vertreter des jüdischen Volkes aiwrlamit hat. Uns hat man Palästina gegeben, damit wir dort dem jüdischeu Volk die Heimstätte bereiten. Wir müssen wollen, daß uns alle die verbunden werden, die sich zum Volk rechnen. Die Frage taucht aul, warum können diese nicht alle Zionisten werden? Wir sind davon überzeugt, daß einmal das ganee Judentum zionistisch in dem Sinne sein wird, daII es Palästina als seine wahre Volfcsheiinat enapfi 11 den wird, und daß alles jüdische Leb«! in allen Lände r:11 sich eins fühlen wird mit der jüdischen Entwicklung in Erez Israel, die. durch ihre Leistungen der ganze» Jn-ileulieit das Gefühl eines allseitig entwickelten jüdischem Lebens geben wird. Dieser Zustand ist aber noch la«y!־e nicht erreicht. Heute bestellen im Judentum zwei Lager, das Lager der jüdischen Bewegung und das Lager *ler Assimilation. Zwei Tendenzen bAv-cgen die J mienheit, und so durchaus derZionisnitis den Teil des jMisdien Lagers vertritt, der, wie wir meinen, allein mit voller Klarheit die jüdische Gegenwart und Zukunft ixcmrteilt, so zweifellos ist es, daß ds zahlreiche Jude» in der Pcripherie des Zionismus gibt, diesich zum jüdischen Volke rechnen, ohne Zionisten 211 sverden. Geistige und wirtschaftliche Voraussc tarn gen ruadien es ihnen schwer, sich unmittelbar der ziemisti s che-11 Organisation anzusdiließen, aber sie wollen hui jüdischen Bewegung gehören, die trotz aller Vielfältigkeit: der Ausdrudisformen eine innere Einheit besitzt Zu dieser jüdischen Bewegung gehört die Orthodoxie, dis sieh zum jüdischen Nationalismus in der Form des Gottesvolkcs durdigerungen hat, ebenso gut wie die Gruppen, die für die jüdische Autonomie in Jen Ländern kämpfen, aber Palästina und den Zionismus jetzt noch in unsc rer Begründung ablelinen. In Deirtschl and gibt es heute -- anders' als vor 4en1 Kriegje -- große Kreise, insbesondere unter den;u« Zahl und Bedeutung gestiegenen ost jüdischen Elementen, die noch nicht der Zion isti seilt‘ח Organisation, wohl aber der nationaljüdischen Arbeit in Deutschland zu gewinnen sind. Sie alle wollen wir umfassen, um mit ihnen für ein jüdisches Leben m fcä inpfen. Man sage nicht, daß dieser Versuch in Demts.tl1l.ai1d mißlingen müsse, da die ältere Generation jüdisch großenteils festgelegt sei. Die Kinder dieser Airtizion isten werden wir aus dem Lager der Assimilation in das Lager des Zionismus herüberführeti, wenn glich noch so sehr versucht wird, diese Jugend liernielisch von unserer Beeinflussung abz uschl ieJBcn. 111 diesem Augenblick wenden wir uns an alle, die vom Voiksgedanken ergriffen werden können. Nie war die Aussicht, die deittsefccii Juden zu einer jüdischen Entscheidung zu bringe», günstiger: 1. Das deutsche Judentum ist ineimlicli durch die Eriahrungc« dieses Krieges schwer ««•schillert. Die alten Argumente gegen das Station! als Judentum sind durch die Ereignisse überholt worden. Der Zionismiis ist keine Utopie tnehr, die gewohnten staatsbürgediehen Begriffe haben ihre Kra.H im öffentlichen Leben verloren 2. Die Orthodoxie hat mehr und mehr den nationalen Charakter des Judentums betont. Und so heftig der Zionismus von «dem externsten Flügel der deutschen Orthodoxie 11 ach wie \«-r bekämpft wird, die Tatsache, daß die Juden eine Nation sind, wird gerade von unseren ortliod« 1c1־tj Gegnern mit leidenscliaftiicher Entschiedenheit betont, wenn sie unseren Volksfoegriff ablelinen, 'i. Die Bedeutung des o st j ü d i s c h c 11 Eleraentes in Deutschland ist wesentlich gestiegen. 4. Unsere in n e r e E nt w i c kl 1111 g während des Krieges hat unsere jüdischen Fäb igl eitni und unsere politischen Kräfte gestärkt. 3. Das Judentum der ganzen Welt ist vom jüdischen Voiksgedanken erg rit'fen worden. Die deutschen Juden allein, die früher eine entscheidende Rolle im Judentum gespielt haben, haben sich bisher dieser Bewegung nicht an geschlossen. Die alten Führer des deutschen Judentums fühlen selbst, daß ihre Politik auf allen Gebieten bankrott gemacht hat. Die Neuordnung der poliiiisdwn Verhältnisse hat ihren auch früher recht begrenzten Einfluß im politischen Leben noch mehr gesekwidrt. Die durch die alte Regierung geschaffene gesellschaftliche und wirfschaftliche Stellung bestellt nicht mehr. Dem deutsehen Judentum wird diese Aen-dening allmählich zum Bewußtsein kommen, Wir . hingegen haben ein Pros׳ ramm, das in gleieher Weise den Juden in öciitecblaitd, in Posen und Straßbutg eine einheitliche aufrechte Stellungnahme er möglicht. Wir können zeigen, dal nnr der jüdische Volksgedanke allen politischen Veränierungen Stand hält. Ungeheure Erregung hatte siel daher der alten Führer des nichtzionistischen J ndeiitmms bemächtigt, als 'vir ^politische Forderungen auf der Grundlage des Volksgedankens für die■ Juden in Deutschland aufgestellt hatten. Diese Erregung, die von lag zu Tag stärker wind, wird uns zugute kommen, wenn wir das rechte •Mittel zu finden wissen, um. sie dir die Entwicklung <fes jüdischen Lebens in Deutschland nutzbar zu machen. Dieses große Mittel glauben iri» gefunden zu haben, Esistderjüdiscbe Kongreß in Deutsch- Und Dieser Kongreß kann, wie ich gezeigt habe, aus jüdischen Gründen nur den Volksgedanken zur Voraussetzung haben. Der Volksgedanke allein gibt dem Kongreß auch die erforderliche politische Grundlage, da politische Forderungen heute nur von einem Volke erhoben werden können. Der Schutz der Minderheitsrechte wird Völkern gewährt, und eine andere Gemein- Schaftsbezeichnung wird heute von der Weltpolitik nicht verstanden. Dein Kongreß kommt nicht nur die Bedeutung zu, ein Instrument für die Entwicklung des jüdischen Le bens Ln Deutschland zu werden. Er hat einen durchans selbständigen Wert. Auch wenn unsere Hoffnungen für das deutsche Judentum: sich nicht erfüllen sollten, wenn unser Weckruf ungehört verhallte, müllten wir den Kongreßgedanken vertreten. Wir wollen auf dem großen jüdi sehen Weltkongreß, d,er K o!1 s t i t u a n t e des jüdischen Volkes, vertreten sein. Der Weltkongreß wird nicht nur das Symbol der Ein heit des Judentums, sondern auch der Träger des weltpolitischen Einflusses der jüdischen Vofkskraft sein Mit einen! Schlage kann das deutsche Judentum sich weltpolitisch ctem großen jüdischen Volke cingliedcra, indem es als volksbewußtes Glied an der allgemeinen jüdischen Erhebung teilnimmt. Wir sind daher entschlossen, den jüdischen Kongroß in Deutschland einzuberufen und erwarten, daß der fX'legierfentag unser Vorhaben einmütig billigen wird. Ich bitte Sie daher, dem folgenden, vom Zentralkomitee einstimmig angenommenen Antrag zuzustinimen: ״Der 15. Delegiertentag der Zionistischen Verein!- gung für Deutschland beschließt, die Kräfte der zionistischen Bewegung in den Dienst des Gedankens der Einberufung eines Jüdischen Kongresses in Deutschland zu stellen. Dieser Kongreß soll alle in Deutschland wohnenden Juden umfassen, die itn Bewußtsein ihrer Zugchörigkeit zum jüdischen Volke an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen Die Zionistische Vereinigung für IX'utschland vertritt für den Kongreß folgendes Programm: a) Palästina als nationale Heimstätte für das jüdische Volk. b) Tatsächliche Durchführung der vollen Gleich berechtigung der Juden in allen Landern c) Nationale Autonomie für die jüdische Bevölkerung der Länder der jüdischen Massensied lung sowie aller anderen Länder der Welt, deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. d) Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Auf- Hebung der in Deutschland bestehenden Grenzsperre gegen die Juden. e) Umgestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland in demokratischem Sinne und nationaljüdischem Geiste.“ Wir haben nur Forderungen aufgestelit, die wir in unserem Leben verwirklichen wollen. Unzionistiseh wäre es, aus Gründen der Demonstration Wünsche auszusprechen, denen wir, wenn man sie uns gewährt, nicht gerecht werden könnten. Deshalb haben wir uns in der Frage der nationalen Autonomie begrenzte Ziele gesetzt. Dennoch sind unsere Forderungen Höchstforderungen. Sie erhalten dadurch ihren Sinn, daß wir ihnen durch unser Leben unmittelbare Wirklichkeit verleihen. Unsere ganze zionistische Arbeit in Deutschland ist in unserem Kongreßprogramni enthalten. Dieser Arbeit wollen wir mit allen unesren Kräften dienen. Für uns Zionisten gibt es in der per sönliehen Bewährung keine größeren und kleineren, keine näheren und ferneren Ziele. Vertrösten wir uns nicht auf die glücklichere Zeit dep besserem Judentums künftiger Geschlechter. Wir empfinden die Notwendig keit, hier in aller Unzulänglichkeit der äußeren Verhältnisse als Zionisten zu leben, wenn wir die Hofftrung auf eine endliche Erfüllung des Zionismus lebendig in unserem Bewußtsein tragen wollen. Uns gilt das Wort: Und was Ihr heut nicht leben könnt, wird nie. Die Debatte Bodenheitner-Cöln: Es ist schwer, nach einem Redner wie Bhitnenfeld zu sprechen, der aus der Fülle seiner Forschungen und seines Nachdenkens die Folgerungen entwickelt, zu denen er gelangt. Es ist insbesondere schwer, nach ihm zu sprechen, wenn man im wesentlichen seinem Gedankengang sich anschließen kann und nur in einigen Punkten einer anderen Ueberzeugung Ausdruck geben muß. Ich möchte nun zuerst einen Gedanken hier klar stellen, der vielleicht zweifelhaft sein könnte. Zwar hat Herr Blumenfeld den Gedanken einer nationalen Autonomie in Deutschland abgelehnt, aber ich glaube, mau muß diese Ablehnung noch stärker unterstreichen, um jeden Zweifel zu beheben. Es ist in ■der ״Jüdischen Rundschau“ zweifellos der Anschein erweckt worden, als ob eine nationale kulturelle Autonomie geschaffen werden soll. Ich stehe wie Herr Bhimenfeld auf dem Standpunkt, daß es keine prinzipiellen Bedenken sind, die wir ihr entgegenstellen, aber die Voraussetzung fehlt so vollkommen, daß es eine Lächerlichkeit wäre, wenn wir den Gedanken einer politischen nationalen Autonomie propagieren wollten. Nicht die Zahlen sprechen dagegen, nicht der Umstand, daß wir in Deutschland keine Massen haben, sondern der Zustand der deutschen Judenbeit macht die Autonomie zu einer unmöglichen Sache. Wie gefährlieh dieser Gedanke wirkt, sehen wir aus dem Artikel von Erich Cohn, der zur Schlußfolgerung kommt, die ich als deutscher Zionist auts tiefste bedauere. Wenn man zu der Schlußfolgerung kommt, daß ein deutscher Zionist lediglich sich an "der deutschen Politik nur im jüdischen Interesse beteiligen kann, so ist dies falsch und kann zu den allerschlimnisten Folgen für uns führen. Wir haben immer betont, daß es den deutschen Zionisten frei steht, sich nach jeder politischen Riehtung hin zu betätigen. Wenn diese Möglichkeit besteht, dann darf die politische Betätigung nicht ausschüeßlieh von jüdischen Interessen, sondern muß auch von den Interessen der Partei, deren Mitglied der Zionist ist, bestimmt werden. Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß es notwendig ist, das Programm des Kopenliagener Manifestes in Deutschland zu propagieren. Ich bin der Ueberzcugung, daß dieses Programm, das jetzt der Welt übergeben worden ist, eine Erweiterung des Baseler Programms darstellt. Wir müssen nun mit dieser Er- Weiterung an die Öeffentlichkeit treten und Mitglieder und Freunde für das neue Programm werben und erst dann, wenn wir alle Kreise für uns gewonnen haben, ist es an der Zeit, an einen jüdischen Kongreß zu denken. Ich habe die allergrößten Bedenken, den Kongreß au die Sptize dieser Agitation zu setzen. Mir scheint, daß unsere Bewegung, unsere Propaganda für das erweiterte zionistische Programm in Deutschland, jetzt als nächste Aufgabe die Durchführung der Demokratisierung und Nationalisierung der jüdischen Gemein* den in Deutschland hat. Wir müssen mit der Notabein- Wirtschaft in den jüdischen Gemeindeverwaltungen aufräumen, die das jüdische Volk nicht zu Worte kommen läßt. Es ist ein Anachronismus, wenn heute in acht- Tagen in Cöln eine Gemeitidewahl nach dem Drei- Klassensystem stattfinden soll, trotz des Protestes der nationalen und anderer Kreise. Wir müssen uns mit allen Kräften gegen die Durchführung dieser Wahlen wehren. Es ist absolut notwendig, daß der Gedanke der Demokratisierung der Gemeinden mit der allergrößten Energie 11 urdi geführt wird. Dann w׳ird es nicht mehr schwer fallen, den nationalen Gedanken auf die Gemeinden zu übertragen. Ich halte es nicht für so schwierig, die Majorität der Gemeinden für nationale Betätigung zu gewinnen, sobald die detnokratischen Institutionen dafür geschaffen sind. Das ist es, was der Zionismus den Gemeinden in Deutschland geben kann. Die jüdische Gemeinde muß für unseren nationalen Gedanken gewonnen werden. Ich bin überzeugt, daß wir damit dem Zionismus viele Anhänger werben können. Dann wird es an der Zeit sein, an einen Kongreß zu denken. So verlockend auch der Gedanke des Kongresses ist, vergessen Sie nicht, daß er in einer Beziehung zu früh und in einer anderen zu spät kommt. Zu spät, wenn es sich darum handelt, den Gedanken der nationalen Heimstätte und den Gedanken der national-kulturellen Autonomie als die Forderung der gesamten deutschen Juden hervortreten zu lassen; zu früh, weil der Kongreß für uns nur als Repräsentanz der ganzen deutschen Judenheit Bedeutung hat, und zwar nur daun, wenn sich in ihm eine Majorität findet, die für den zionistischen Gedanken eintritt. Deshalb müssen wir in den Gemeinden für den zionistisehen Gedanken werben. Wir haben bis jetzt versucht, mit den Assimilanten in Deutschland einen Konipromiß zu schließen und uns viel Mühe für eine Einigung gegeben. Aber es gibt eine gewisse Grenze, an der wir uns scheiden müssen und es ist die Zeit gekommen, diese Scheidewand aufzuricliten. Heute ist keiner mehr für einen Kompromiß. Man muß jetzt Farbe bekennen. Unsere Aufgabe ist es jetzt, unter dem zionistischen Banner die Juden zu vereinen und erst dann einen Kongreß zu schaffen, der die Repräsentanz der ganzen deutsehen Judenheit darstellen wird. R.-A. Dr. Friedemann-Berlin: In der Politik kommt es darauf an, wie sich die Realitäten um uns gestalten- Wie verhält es sich mit der hier vorgeschlagenen Kongreß-Bewegung? Dieser Kongreß ist eine Lebensfrage, nicht nur für den Zionismus, sondern auch für aas deutsche Judentum, und zwar aus folgendem Grunde: ln dem Augenblick, in dem die Friedenskonferenz den Begriff eines jüdischen Volkes konstatiert, müssen diejenigen, die sich nicht zu diesem Volke bekennen, sich für ein anderes erklären. Damit tritt das deutsche Judentum in eine Situation ein, die es überwinden muß. Ich sehe daher die Kongreßbewegung nicht unter dem Gesichtspunkt, ob es uns möglich sein wird, einige tausend Stimmen zu werben, sondern ob wir uns das deutsehe Judentum tatenlos aus der Hand gleiten lassen sollen. Ich glaube, daß die Schwierigkeiten, die wir im deutschen Judentum gehabt haben, daher kamen, daß der Begriff ״Volk“, auch für die Führer auf beiden Seiten, ganz unklar blieb und noch unklar ist. Aus diesem Gefühl heraus bin ich mit einigen Freunden zu einer Beratung zusainmengekommen, um diese Frage zu klären. Als Ergebnis dieser Beratungen lege ich Ihnen folgende Thesen vor: 1״. Die Gesamtheit der Juden zerfällt politisch und kulturell in eine Anzahl verschiedener miteinander nicht verbundener Gruppen; dennoch fühlt sie sich als Einheit. Diese Einheit kann durch die Schlag-Worte ״national“ und ״religiös“ nicht ausreichend erklärt wer־ den, weil zahlreiche Bestandteile sich nicht als religiös, noch zahlreichere nicht als jüdisch-national betrachten, eine nicht geringe Anzahl sogar beide Attribute für sich ablehnt. Niemand wird leugnen, daß dennoch auch diese dritte Gruppe zum Judentum gehört. Mittels der religiösen Zugehörigkeitsbestimmung kann man das nicht erklären, weil diese letzten Endes ein Akt persönlicher Willensbestimmung ist. Mittels der nationalen Zugehörigkeitsbestimmung könnte man es so erklären wollen, daß diese angeboren, also vom Willen des einzelnen unabhängig ist. Objektiv ist dies richtig, subjektiv nicht. Deshalb nicht, weil es sich bei dieser Frage nicht tun starre Begriffsbestimmungen, sondern um geschichtliche Entwicklungen und Inhalte handelt und deshalb auch die nationale Zugehörigkeitsbestimmutig letzten Endes ein Akt persönlicher Willens^ Bestimmung ist. Die Wesenheit der Juden als soziale Masse kann nur durch einen Blick auf die geschiehtliehe Entwicklung umschrieben und in ihrer schwankenden Vielfältigkeit erklärt werden. 2. Die geschichtliche Entwicklung hat vom baby- Ionischen Exil an dazu geführt, daß immer größere Massen von Juden außerhalb der* alten Heimat lebten. Die neue Begründung des Staates unter den Makkabäern hat das Vernältnis nicht verändert: Palästina war nur noch ein Konzentratianspunkt innerhalb der sehr viel

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