Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2 JUEDI9CHE RUNDSCHAU Seile 15 Ir. 2 itte tze < überbrücken (wenn auch nicht aufheben) soll, hat er keine Gültigkeit. Es wundert nicht, daß die ״neutrale״ Hindenburg- Schwärmerin ־und Be wunde rin der kriegerischen Gewalt Rahel Rabinowitz Wir solche Erwägungen, die ihr doch als ״Nationaljüdin“ nicht fernstehen dürften, keinen Situ» zu haben scheint. Ihre ganze Argumentation stürzt u: ein Kartenhaus zusammen, wenn man sie der aufgcischten Phraseologie entkleidet, an der Hand der Itsachen prüft Das zeigen bgsonders ihre weiteren Erläuterungen des Begriffs der Fremdheit der deut- :hen Juden, den sie nicht allein auf das geistig-kularelle, sondern hauptsächlich auf das rechtlichpolitische Gebiet anwendet. Sie erklärt nämlich, ohne Ironie nicht mehr und nicht weniger, als daß die deutschen Juden unter der Stammesbevölkerung sthließHch nur Gäste sind wie die hier lebenden Ita-!jener, Russen usw., und daß ihnen ihr Recht nur üerden sollte, soweit' es ihrer Zahl nach - 1 Prozent izukammt. Das kann nur jemand schreiben, der auch noch nicht das ABC dar rechtlichen Verhältnisse der Juden in den Ländern der Zerstreuung begreift, ist die Verfasserin sich־ dessen bewußt gewesen, daß die Folge ihrer Forderung etwa die rumänischen Zustände wären, daß die Juden konsequent dann Ausländer stehende .yt.rt]e״j die Staatsbürgerrechte verlieren müßten, en u lers } sen b usgtei t e, kann 1er 1 ■ז ׳in s le ei:■« 11er 1e■ sozial a esenh genau di a* inte, eit, d! 1 weite«;infühlei 1 minder s, jede! ahbart soretiscs j seine! wußtsei kr Vcr udentum en, wird en durc he rea!: rden d! r Arturs: 1 dieses rringsten daß sie : Klage« en, jetzt;hbereeJi Schade« iber der Zahl v״ eilen in n wtU'ik renn di! tr Kalls« ehe sind u fraget! :h.t diurd 1 würtk Schick sa «;war« in Wabe® sie durcl ander hen se!1 daß das Verhältnis der hier lebenden! Italiener, Russen usw., die doch Italien, Rußland usw. als ihr Vaterland besitzen, zum deutschen Staate naturgemäß ein an* de res sein kann und muß aV. das der durch ihr geschichtliches Schicksal seit Jahrhunderten auf deutscher Erde lebenden Juden־? Die Lächerlichkeit dieser ihrer Behauptung wird noch krasser, wenn man an die geschichtliche Genesis der jüdischen Verhältnisse in dem Ländern denkt, in welchen die Emanzipation durchgeführt worden ist. Als Frankreich die Judenemanzipatian verkündete, da sagte einer ihrer beredtsten Anwälte dermo nt Tonne re: IX־n Juden als Nation muß nun alles versagen, den Juden als Bürgern alles gewähren. Und .noch deutlicher wurde diese Tendenz, die Juden zu entnationalfeieren und lediglich als Franzosen religiösen Glaubens aus dem Ghetto zu bcfreien, in der von Napoleon I. den jüdischen Notabien in Paris erpreßten Formel zum Ausdruck gebracht: Aujourd’ hui que les juifs ne forment׳ plus title nation et qu’ils ont 1’ava.ntage d’etre ineorpores dans la grantle nation. Dieser fundamentale Sinn der Emanzipation und die für die Juden daraus sich ergebende Alternative: entweder Erhaltung der jüdischen Nationalität ohne Bürgerrechte oder Bürgerrechte unter Preisgabe der jüdischen Nationalität haben in allen Ländern Wiederholung gefunden. Wenn die Juden nun aus UtilHätsgründen den zweiten Weg wählten und alle Konsequenzen daraus gezogen haben, wer hat dann ein Recht, ihnen zu wehren, daß sic auch im politischen Leben, ohne nach ihrer Zahl zu fragen, jeden Platz sich erobern, den ihnen Ueberzeugung und Begabung weisen? Wenn schon der Obrigkeit,sstaat, nachdem die Juden die von ihm gestellte Bedingung wenigstens in dem Sinne, der für eine rechtliche und politische Betrieb- ז ui 1g in Frage kommt, getreulich erfüllt haben, sich nicht beklagen durfte, weil die Juden nur schließlich taten, was man von ihnen forderte, um wieviel wenigcr ein demokratisches Gemeinwesen״, das doch Stangemaß an die Emanzipation, keine Bedingungen knüpfen kann, die Gleichberechtigung den Juden nicht als Geschenk geben, sondern als selbstverständliche Folge ihres Anspruches auf Menschen- und Bürgerrechte verkünden muß? Eine wahre Demokratie, gar eine sozialistische, wird die Juden nicht zählen, sondern nach ihrem inneren Gewichte wägen. Wenn aus dieser Gesamfelage schwierige Konsequenzen entstehen, dann treffen sic nur die jüdische Gesamtheit, welche für die Handlungen, der Eisner 11,sw. solidarisch haftbar gemacht wird. Dagegen sich zu wehren erscheint unmöglich, solange keine andere Norm als das formale Moment des Religionsbekenntnisses für die Zugehörigkeit zur Juden,heit entscheidet. Würden die deutschen Juden noch so laut in alle Welt hinausschreien: Wir haben mit Eistier usw. nichts zu tun, so würde ihnen der Einwand, daß er doch schließlich als Jude geboren und ganz gleich-giftig, wie er selbst zur jüdischen Gemeinschaft stehe, aus ihr nicht eliminiert sei, mit Recht entgegengehalten werden. Um ein politisches Kriterium für die Zugehörigkeit zürn Judentum zu erhalten in der Art, daß nur diejenigen zu der Gemeinschaft gerechnet werden, welche sich ganz auf ihren Boden stellen und ihre Zugehörigkeit zu ihr als das LäwT \V- Umdament ihrer öffentlichen Betätigung zu betrachten Willens sind, müßten ganz neue Organisationsfoninen geschaffen werden. In Ländern, in denen die Verhältnisse dies ermöglichen, wie etwa jetzt in, der Ukxaina, :hi reclt Haup *ntbehra :isner, 1< pazifirii ar nichts ich nitlf werde« entgege! ro ist 4! tig: aud! lt«1 Ai! Pb rast doch vor ich selW ist, weil ־laßurc [national Betonu;:! m, dem oblemat׳ ten gegei den en< die urji im» Ha« düng, «S n schein lüht sün Fremf nstemm-1 iegeriscl die Kra *eit leid —, es!ו wfll מוז ihr׳ aus pfen, dt eben Bt I« dier item nü1 Konsor!me le«יו pollfeo!and wc die bsJ giriert׳ sltere h wird die polnische Autonomie? der Juden ein zuverlässi ger Maßstab dafür sein, Die jüdische Gesamtheit wird dort nur für diejenigen, die in diesem Rahmen zusammengeseh,lossen sind, die Solidarhaft übernehmen müssen und können, für alle anderen leicht ablchnen dürfen, ln Deutschland Hegen die Dinge ganz anders. Viell«i׳cht, daß die Idee der jüdischen Volksge - m c! n d e, wenn sie auf nation ai-kultureller Grundlage organisiert wind, einen Weg in dieser Richtung schalfen wird. Heute gibt es für die deutschem Juden keine Möglichkeit, der ihnen autfgehalsten Kollektiv- Verantwortung für alle diejenigen, die durch Geburt Juden sind, gleichgültig wie sie sonst zum Judentum stehen, sich zu eratziehea. Dies hat auch gant klar der Protest erwiesen, ‘len Rahel Rabinowitz gegen Eisner für notwendig fand, der sich nach ihrer Absicht » erster Reihe an die Deutschen wenden sollte, um sie aufzuklären, dall sie ihre Stellung zu den. Juden nicht von der Angst, für Antisemiten gehalten zu werden, bestimmen lassen dürften, und daß es alles andere als ״unberechtigter Antisemitismus“ sei, wenn man Eisner wegen seiner jüdisehen Herkunft bekämpft. Das Fazit aber ist doch schließlich, daß die antisemitische Meute sieh mit Wollust auf die Eidesbelfers'chaft der Jüdin beruft und die Verantwortlichkeit des Gesamtjudentums bestehen bleibt. Nun damit müßte man sich wohl oder übel abfinden. Bedauerlich ist es nur, daß wieder einmal erwiesen wurde, wie in keiner Frage; ein so krasser Dilettantismus sich so breitmachen darf wie in der jüdischen. Das Recht auf öffentliche Erörterung jüdischer Fragen in der nichtjüdischen Welt ist noch nicht gegeben, wenn man in herausforderndem Ichton sich als die׳ berufene Vertretcrin eines nationalen Judentums proklamiert, der gegenüber alle anderen Nationaljuden gar nichts als eine einzige reaktionäre Masse bilden, oder wenn man sich allein den Mut zur Wahrheit vindiziert, einer Wahrheit, die koketter Geste verteufelt ähnlich sieht, oder sich schließlich darauf beruft, daß man die Tochber von Schiefer-Rabinowitz ist, der ohne Frage von dein Meisterstückchen seines Kindes nicht entzückt gewesen wäre. J o s e f M e i s 1. Vorläufiger Ausschuss zur Vorbereitung eines Jüdischen Kongresses in Deutschland Montag, den 13. Januar 1919 7% Uhr pünktlich im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 41 (am Alexanderplatz) Große Demonstration 1t111111H!!11i1111t1m11i1t1111111111i1u1111111t11!1i!11111n111!1i1m1m1!!m111m111111111i11)m1111111m11111M111t1. 1 furdenKongreßgedanhen Thema: Der jüdischeVolksgedanke und der jüdische Kongreß in Deutschland Redner: Richard Lichtheini. , -Freie Aussprache -- Fortsetzung der Debatte der Rheingold-Ver-; :: :: Sammlung vom 2. Januar 1919 :: :: - Eintrittspreis 50 Pfg. - Vorbereitungen, zur Friedenskonferenz Das Stockholmer Jüdische Prcßbüro meldet telegraphisch: Unser Londoner Korrespondent drahtete unter dem 7. Januar: Professor W e i 7. m a 11 11 reiste zusammen mit Nahum So ko low nach Paris. Präsident Wilson wird Weizmann nach seiner Rückkehr aus Italien empfangen. Das Zionistische Büro in Paris trifft energische Vorbereitungen zur Friedenskonferenz. Die Friedenskonferenz und die Juden Das Schweizer Komitee ״Pro C au sa J uda i ca“ erläßt an die jüdischen Organisationen aller Länder einen Aufruf zur Einberufung eines jüdischen Kongrosses am Orte der Friedenskonferenz. Das jüdische Volk solle als gleichterecßtiigtes Glied im Völkerbund vor den Vertretern aller Nationen seine Eint,heit bekunden. Als Tagesordnung wird die Behandlung folgender internationaler Fragen vorgeschlagen: Die Mitarbeit der jüdischen Gesamtheit an der Errichtung der nationaten Heimstätte für das jüdische Volle in Palästina, die Sicherung der politischen und kulturellen Gleichbcrechtigung der Juden in den Ländern jüdischer Massen- Siedlung. Die Besprechung von Maßnahmen zur Erlangung der vollständigen Gleichberechtigung der Juden in Rumänien und schließlich die Gründung einer Organisation ׳ oder eines Institutes zur Regelung der jüdisehen Emigration. Die Poale-Zion auf der internationalen Sozialistenkonferenz Das Mitglied des Internationalen Sozialistenbüros für Palästina, Herr Ing. S. Kaplans ky, erhielt von C. Huysinans, dem Sekretär der Internationale, die Mitteilung, daß der Jüdische Sozialistische Arbeiterverband Poale-Zion zur Teilnahme an der inter ,nationalen Sozialistenkonferenz eingeladen sei. Die Delegation wird aus den Herren S. Kap- I a n sky , C h asan o w i t s ch und Dr. Rosenfeld bestehen. Die holländische Regierung und die judenfrage Der holländische .Minister für auswärtige Angelegenheiten, Jonkheer II, A. van Karnebeeck, empfing das jüdische K o n g r e ß k t» in i t e e in Au-, dienz. Die Delegation bestand aus den Herren l>r. B. H. A s s e 11 e r (Allianz), H. I. Kisch (Jto), uml den Zionisten Henri E d e r s h e i in und Jakobus H. Kann. Herr Asscher überreichte namens des Komitees dem Minister die Petition der holländischen Juden, die 46 578 Unterschriften trägt, und in der die Regierung aufgefordert wird, ihren Einfluß anzuwerulen, daß die befugten Vertreter der organisierten Judenschaft auf der Friedenskonferenz die jiid's.heti Wünsche zur Sprache bringen. Der Minister erklärte, daß er von diesem Ersuchen mit Interesse Kenntnis nehme. Wenn Holland auf der Friedenskonferenz /!!gelassen und die Judenfrage dort zur Sprache kommen sollte, daun würde die holländisch e R e gier u n g g e r n find »■ 111 Geiste der Resolution tätig sei 11. Die hol ländische Regierung glaubt das den jüdischen Bürgern Hollands schuldig zu sein, deren Mitarbeit der holländischer! Staatsgem e i n sch a ft immer in hohem Maße zugute gekommen sei. in diesem Zusammenhang machte der Minister die Bemerkung, dal! er es bedauern würde, wenn Holland seine jüdischen Mitbürger würde entbeliren müssen, wenn auch die Wünsche, die diesbezüglich im jüdischen Volke leben, seine Volk־ Sunpathie haben. Schwieriger würde es für die Regierung sein, etwas in diesem Sinne zu tsui, wenn — was der Minister als nicht wahrscheinlich erachtet — Holland und die anderen neutralen Länder auf 'der Friedenskoriferenz nicht vertreten »*in sollten. Der Minister gab aber die Versicherung, daß die Regierung auch in diesem Falle alles tun würde, was unter den Verhältnissen, die dann bestehen sollten, möglich sein würde. Herr Asscher dankte der!! Minister für seine Erklärung. Der jüdische Nationalkongreß in Prag Vom Jüdischen Nation«!'rat ui Prag xcrhalten wir folgende Drahtmeldung vorn 6. Januar:’. Samstag, den -1. Januar, würde der Jüdische N a t i o 11 a 1 k o 11 g re fi durch eine imposante Eröffnungssitzusng eingelertet. Der Vorsitzende des Jüdischen Nationalrats für den (schecho&lovakisclien Staat. Dr. Singer begrüßte die zahlreich erschienenen Vertreter der Behörden und der tschechischen politischen Parteien sowie die prominenten Persönlichkeiten den Ischechischen und jüdischen Lebens. Er verlas die einge״ laufend! Telegramme SokoUws, Weizirmns, Lord Roth- Schilds, der Zentralen der zionistischen Landesverbände und der Nationalräte. Anwesend waten über '?¥') DHegierte Böhmens, Mährens, Schlesiens und der Siovakei. Präsident M a s a 1 v k entschuldigte seine Abwesenheit Für den tschechischen Schrittstellerverband war Jaroslaw Kvapil anwesend. Ferner kam eine sehr wanne Zuschrift des Altmeisters der tsdwchisclien Literatur Alois Jirasek zur Verlesung. Hugo Bergmann hielt eine hebräische Eröffnungsansprache. Dr. Singer hielt einen Vortrag über die ethische Bedeutung der nationalen Bewegung, Rudolf K o h 11 über die Forderungen der Sozialisten, Dr. Lieben über die Forderungen der Orthodoxie. Namens des sozialdemokratischen Abgeordnetenklubs betonte Redakteur K« 11 sc ha die Verbundenheit des tschechischen ihr! jüdischen Proletariats. Namens der Zionistischen Weltorganisation begrüßte der vom E. A.C. in Berlin nach den ehemaligen osterreichisdi-ungarischen Ländern entsandte Sekretär des E. A.C., Herr Leo Hermann, den Kongreß, namens des Wiener Nationalrats Herr Dr. Robert Welt sch, namens des Lemberger Nationalnits Herr Herz. Schließlich hielt Dr. Max B r «d einen Vortrag über den jüdischen Nationalismus, der eine rnerischheitlicht־ Bewcgnng und völkerversöhnend sei. Sonntag vormittag wurde /.um Präsidenten!Viktor Hilf, Präsident des mährischen Landesverbandes, gewählt. Den Rechenschaftsbericht erstattete Dr Singer, Dr. Goldstein hielt das (frganrsationsreferat, das Korreferat dazu Dr. R uf ei se 11 - Mährisch-Ostrau. Max Fisch 1 erstattete den Finanzbericht. Die Nachmittagsreferate hielten über!nährisdic Kultusgemcinden Dr. F u c 11 s-Mäh risch-Os tau, über politische Judengemeinden in Mähren Bürgermeister I> Z vv e i ״ Protinitz, über Juden in der Slovakei Dr. Haas• Briiuii, über Presse Emil W a 1 d s t e i 11. Zahlreiche Kommissionen wurden eingesetzt. Dann begann die <ieueraldcbattc. Von der s Io v :1 k i s e h t* 11 Ko in m i s s i o n wurde eine Leitung in Pis! v a n gewählt. Montag fanden die Referate von Professor Engel über die jüdische Schule, von Hugo Bergmann über die Kultusgemeinden, von Engländer über die soziale Fürsorge statt. Leo Herr mann berichtete über die Vorbereitungen zur Friedenskonferenz. Nachm ittags formulierte Rudolf K o h 11 die Forderungen der Sozialisten. Resolutionen und Anträge der Kommissionen wurden angenommen, eine Fricdcnsdelcgation nominiert, das Budget bewilligt und eine Resolution für die Errichtung der nationalen Heimstätte in einem unteilbaren Palästina lmter der Such Walterschaft Englands angenommen. Der Kongreß wurde unter großer Begeisterung geschlossen. Sonntag abends fand eine Konferenz der Z io־ nisten des tschecho-stovaknschen Staates statt, die ein provisorisches Zentralkomitee einsetzte und dem E. A. C. für seine erfolgreiche Tätigkeit dankte.