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Jüdische Rundschau · 1919-01-07 · Heft 1 (7.1.1919) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 1 (7.1.1919)
Date
1919-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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־7־ Nr. 1 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite* 9 davon, daß wir das Kapital nötig lialK’11. ich weilt cs, lind ich habe gar keine Angst, dnlt cs nicht kommen wird. Unsere Freunde im Osten gehen nicht nach Palästina aus kapitalistischen Gründen, auch nicht die Kapitalisten unter iluu 11. Sie werden kommen, das weilt jeder, der im Osten war, auch wenn wir eine noch so weitgehende sozialistische Grundlage der neuen Wirtschalt beschließen. Sie sagen, wir brauchen, das Kapital, aber mindestens im gleichen Maße, nein, in noeh viel höherem Maße brauchen wir die Arbeiter. Sie mögen noch so viel Kapital nach Palästina bringen, wenn es Ihnen nicht gelingt, den jüdischen Arbeiter liinziibringen, ist der Zionismus nicht verwirklicht. Die Entwichluug wird aber über Sic hinweggehen. Die Arbeiter werden kommen und werden in Massen kommen. Das Lichlhcinisehe Eintropfchmgsprogrnmm, die schwache Stelle des sonst so vorzüglichen Referates, wird von den Tatsachen überrannt werden. Die jüdischen Arbeiter werden nicht zulassen, daß Privatinteresseu zu Fiche das Land auf einer niederen Produktünisstufe bieibt, Herr Gokimann1 hat Ihnen im Namen unserer sozialistisclien Gruppe zwei Anträge vo!•gelegt, die die sozialistische Entwicklung Palästinas in die Wege leiteil sollen. Sie verlangen die Nationalisierung des Bodens und die Vermeidung der unproduktiven Kapitalsaiihäufiing durch Maßnahmen, die den übermäßigen Gewimt der Allgemeinheit zugänglich machen. Ich füge dem den dritten Antra״• unserer Gruppe hinzu, der bezweckt, auch das Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeitgeber in Palästina der Festsetzung nach Privatinteresseii zu entziehen. Der Antrag lautet: ״Das Verhältnis zwischen Unternehmern und Arheitern soll nicht durch privaten Erwerbsgcisl, stmtlcrn durch das Gcmciiiscbaftsiiiteresse bestimmt werden. Dieses bedingt, daß der Arbcitsvcrtrng nicht der Willkür der einzelnen überlassen bleibt, sondern kollektiv geregelt wird.“ Walter Moses-Berlin: Wir müssen der Leitung sehr dankbar sein für das ausgezeichnete Referat, das uns durch Herrn Lichtheim hier erstattet wurde. Ich kann es verstehen, wenn hier Freunde verzweifelt darüber sind, daß es nach der Meinung des Referenten nicht möglich sein wird, die jüdischen Massen sofort nach Palästina zu bringen. Aber der Zionismus würde viel inebr bankrott machen, wenn die Massen wieder aus Palästina zurückwaitdeni müßten. Palästina ist nicht tlas große Fiiiwtmderuiigsland für die jüdischen Massen. Ich stimme mit Herrn Lichtheim nicht in allen Punkten überein. Z. B. bin ich der Meinung, daß wir in Palästina J?t> Prozent Landarbeiter und nur 2b Prozent tuulere Berufe haben werden. Unsere Palästina- Kolonisation kann nur bestehen bleiben, wenn sie auf der Landwirtschaft aufgebaut ist. Wie können wir nun die Einwanderung nach Palästina beschleunigen? MHnor ,Meinung nach kann dies nur dadurch geschehen, daß wir schon liier recht viele geeignete Leute für die fcnndwirtschaft ausbihleti. Selbstverständlich muß aneil für die amleren eine llerufsberatungsstellc geschaffen werden. Ich halte es-;!her für falsch, wie vielfach geglaubt wird, daß es für unsere jungen Kauflente schon genügen würde, sich etwas mit dem Orangenmarkt vertraut zu machen, um• stell im Palästina 1!.׳nulel betätigen zu können. Meiner Meinung nach ist eine große Uebcrproduklion in den freien Berufe» vorhande״. Wir müssen uns in erster Linie mit der Ausbildung von Landwirten befassen. Die zionistische Leitung muß hierfür große Mittel zur Verfügung stellen. Fs genügt nicht, nur den Boden zu nationalisieren, wenn wir nielit auch für tüchtige Landwirte sorgen. Fine Industric kann dort nur bestehen bleiben, wenn sic ciuigermalSci! durch die Landwirtschaft fundiert ist. Das ganze Problem ist das der landwirtschaftlichen Er- Schließung, und dafür fehlen uns tlie Menschen. Die Berufsvorbercituiig muß viel dringlicher gemacht werden, cs müssen Mittel dafür aufgebracht werden. Ich beantrage, daß wir für diese Ausbildung einen ,großen Fond bereit stellen. Man wird nicht mir ein Obercigentum an Grund und Botlen, sondern auch ein Obercigentum an den ProtJiiktioiismittelii schaffen müssen. Diese Fragen sind sehr kompliziert. Die Kapitalisten werden nicht auf ihre Rechte verzichten, sie werden sagen, nmii wolle sie bankrott machen, das Kapital ist notwendig. Die Entwicklung wird nicht ohne Klasseukämnfc vor sieh gehen. Das Arbeiterprolciariat muß seine Rechte wahrnehmen, muß sich organisieren. Mit ethischen Ideen kann man solche Dinge nicht machen. Zwar glauben wir an die siegende Macht des Sozialismus, aber wir. müssen die Bedingungen schaffen, unter denen wir die Ethik durchführen können. Nur, wenn wir von vornherein die wirtschaftlichen Bedingungen in Palästina möglichst sozialistisch entrichten, werden wir erreichen, daß die Klassenkämpfe nicht in der allcrschroffsten Form durchgeführt zu werden brauchen. Laqueur-Breslau: Ich freue mich als Industrieller einem Punkte meinen vollen Beifall geben zu können, wenn ich auch prinzipiell auf gegensätzlichem Standpinikt stehe: der Nationalisierung des Bodens. Sie stellt, in welcher Weise sie auch immer ilurcligefiilirt wird, einen bedeutenden Machtfaktor für die Leitung dar. Ich sehe ein, daß die soziale Bewegung nicht erst jetzt durch die Welt geht, sondern reit Jalirzehnteil. Seit zirka 6 Wochen hat die Welle auch Deutsch- Innd ergriffen, es ist aiizimelniicn, daß sie auch Palästina erreichen wird. Palästina kann nur aufgebaut werde» aus einem Zusammenwirken der sozialistischen und kapitalistischen Kräfte. Beide müssen zusammenwirken, nur dann kann etwas aufgebaut werden, das Bestand hat. Sehr scharf muß ich mich gegen die Ausführiingeii von Lichtheim wenden wegen der vollkommenen Ausschließung der Industrie, die die Masse nach Palästina bringen soll. Nach dem Lidithcimschen Referat ist kein großer Unterschied gegenüber dem Tempo der Kolonisation in den letzten Jahren, Dieses Tempo 5 würde uns nicht erlauben, in Palästina festen Fuß } zu fassen. Selbst wenn jährlich 20000 Menschen bin- | übergeschafft werden sollen, glaubt Lichtliciiu, daß wir damit jemals eine Majorität erhalten werden? Ein Land, das unter englischer und nicht mehr unter tür- ן kischcr Herrschaft steht, wird andere Möglichkeiten 1 Ilaben als vorher. Wenn cs uns jetzt nicht gelingt, 1 große Massen nach Palästina zu bringen, dann bekam- 1 men wir cs niemals. Es ist jetzt der geeignetste Zeili punkt, um Industrie hinzubringen. (Der Redner machte eingehende Vorschläge tür die IjiiUistrinlisicrung Pa- 1 lästinas.) Wenn wir jährlich nur 20000 Juden nach Palästina bringen, ist das keine Lösung der üstjuilenfrage. Sie seilen also, ohne Industrie gellt cs nicht. Ich habe hier einen Antrag vorzulegcn, Er lautet: ״I. Wahl einer Kommission, die dem Aulbati der Industrie in Palästina die Wege weisen und bahnen soll. 2. 111 diese Kommission sind nur Fachleute zu wählen. 3. Ein Ausschuß dieser Kommission soll der Delegation zum Friedenskongreß beigeorilnet werden.“ Angesichts der großen Zahl der noch auf der Liste stehenden Redner und der Kürze der für diese Debatte noch zur Verfügung stellenden Zeit wurde nunmehr beschlossen, G e 11 e r a 1 red 11 e r zu wählen und deren Redezeit auf 10 Minuten festzusct/eii, Als erster Generalrcdner kam Herr Hermann Struck zum Wort, ’ Hermann Struck-Berlin: Ich möchte zunächst 1111• serem Vorsitzenden, Herrn Dr. liantke, den Dank dafür aussprechen, daß er bisher mit geschickter I lanil das Schildern des Zionismus in'Deutschland durch alle Wirreu glücklich durchgesteuert hat. Wir Misrnchisten treteil liier als eine Delcgicrteiigruppc auf, mul zwar nach dem Prinzip, das sich als einzig richtiges heraiisgestellt hat, nämlich, daß Gruppen sich mir nach geistigen Gesichtspunkten ziisainmeiischließeii sollen. Ich stelle fest, daß hier auf dem Delegiertcut,•1g mit einem Schlag׳- wort operiert worden ist. Niemals hat es im jiidisehen Staat eine Theokratie gegeben, sondern immer herrschte im Gemeinschaftsleben weitestgehende Gewisscusfreiheit. Und so weit unser Einfluß reichen ־wird, kann ich schon jetzt sagen, wird auch künftig Gewisseusfreiheit herrschen. Ich stelle fest, daß in Pa• lästina seihst der atheistischste Arbeiter es lächerlich finden würde, am Sabbuth zu arbeiten. Wir vertrauen auf die heilsamen Kräfte Palästinas. Der Misruchi vertritt den Standpunkt, daß das Judentum ein iinzer- 11'emiliarcs Prinzip von Volkstum und Religion ilarstdlt. Die Areligiositäl, wie sie bei uns auftritt, muß ich als'krasseste Assimilation bezeichnen, die um so gefährlicher ist, weil sie im jüdischen Gewände ciuhergeht. Moses ■ ließ, dessen Schriften leider viel zu wenig gelesen werden, tritt mit warmen Worten dafür ein, daß jeder Natioiialjude das nationale Gesetz der Juden als für sieh verbindlich anerkennen muß. Wir müssen danach streben, die neue Form mit dem alten Inhalt tu erfüllen, wenn wir eine nein• Verfassung suchen. Aber wir brauchen keine neue Verfassung, denn wir lialieu das alte jüdische Volksgesetz, mul das soll von uns anerkannt werden. Wir sind immer ein Volk mit starkem Nacken gewesen, zeigen Sic diese Kraft gegen unsere Feinde von aulleu und von innen. Beugen Sie sich nicht der europäischen Zivilisation und Kultur, denn sie ist trügerisch und möchte die jüdischen Werte von 1ms nbhröckeln. Beugen Sie sieh vor unserem Lehrer Moses mul vor dessen lielirem Gesetz. Viktor Arlosoroff: Als Verlreter des liapoel llazair habe ich zuerst eine Ehrenpflicht zu erfüllen, die von der Leitung nicht in vollem Maße erfüllt worden ist. Ich gedenke der Sclumiriui und der Arbeiter, die während des Krieges auf unserer Erde für das jüdische Volk gefallen sind, derer, die unter der Knute der türkischen Gewaltherrschaft dort gelitten haben für unsere Zukmift, und derer, die jetzt dort ausharren und arbeiten, damit wir das Werk, das sie begonnen, erfolgreich fortsetzen können. Fern von den arbeitenden jüdischen Massen, lern von den Zentren des jüdischen Lehens grüßen wir die Arbeiter in Erez Israel. Das jüdische Volk gellt daran, sich eine neue Heimat zu schaffen. Da ist es notwendig, alle Kräfte dafür einzusetzen, dhß das neue Haus, das unsere I Icimat werden soll, auf fester und gesicherter Grundläge erbaut wird. Mit einem Referat, wie dem des i lerrn Lichtheim, ist cs da nicht getan. Wen» man ein neues Haus bauen will, darf man nicht bloß die Tapeten des alten erneuern. Mit Reformen und Reformellen darf man sieb da nicht begnügen. Das Wort Gerechtigkeit ist wie eine abgeriebene Münzt. Der Geist, in dem unser Palästiuawerk geleitet wird, muß den Forderungen des Sozialismus entsprechen. ' Welche Mittel haben wir nun, um die Zukunft (Fs neuen jüdischen Landes garantieren zu können? Ich glaube nicht, daß wir in Bezug auf die soziale Gesetzgebung auf Schwierigkeiten bei der englischen Regierung stoßen werden. Für eine Bewegung wie den Zionismus ist cs noch Zeit für den Aufbau auf einer Grundlage, die Europa nur durch den Klassen• kämpf hat erzielen können. Aber alles liegt an uns. Die finanziellen Möglichkeiten werden wir durch die große Nationalaiileihc bekommen, die Schmarja Levin in allerdings viel zu geringem Umfange vorgesclilagen hat. Ich glaube au ihren Erfolg, denn ich glaube an die Opfcrwilligkeit des ganzen jüdischen Volkes. Wenn die jüdische Bourgeoisie, zmn ersten Mal in der Weltgeschichte, so großzügig mul opferfreudig ist, dann werden wir die sozialen Maßnahmen, vor allein die Sozialisierung des Bodens mul der Monopolgüter mit Leichtigkeit durchsetzen. Daß die allgemeinen Zionisten diesen Plänen ztislimmcn, ist, wie' ich glaube, allerdings vielfach dadurch zu erklären, daß sie sich nicht über ihre Tragweite klar sind. Die Natioualisierung des Bodens führt auch zu einer Umgestaltung der Industrie und des Handels. An dem ganzen Geist, der das Lichlhcimsehe Referat beherrscht, ist, glaube ich. eins schuld: die Einstelhing der palästinensischen Wirtschaft auf den Weltmarkt. Wenn wir unsere Interessen auf den Gewinn des Weltmarktes einstclleii, muß Ihn uns derselbe Geist wie in Europa herrschen. Nur wenn wir auf den I '01״- derungen des jüdischen Volkes aufbaucn, werden wir zu dem kommen, was wir brauchen. Ich will nun noch von einem sprechen, das Herr I iehtheim gestern gestreift hat. Dem Problem der jüdischen Arbeit. Er hat uns in Gegensatz zum Sozialismus bringen wollen, indem er darauf hinwies, daß wir für das Recht der jüdischen Arbeiter auf Arbeit kämpfen. Unseren Arbeitern soll dies Recht nicht gcnominell werden. Wir werden uns dafür cinsctzen, daß sie nicht mehr wie vor dem Kriege um der Kon kurrcnz willen das Land verlassen müssen. Der Zionismus wird nicht verwirklicht werden als irgend ein Kokmisationsproblcm, sondern mir durch die Arbeit der jüdischeii Massen. Für sie müssen wir die Voraus- Setzungen schaffen, daß sie sich frei und ungehindert entwickeln können. Deshalb müssen wir den Aufbau Palästinas auf einer freien volkssozjalistischcn Grundläge fordern. Dr. Becker-Berlin: Ich linde cs falsch, hier Fragen zu erörtern, die vor ein Forum von Fachleuten gehören. Wir können hier nur über große prinzipielle Probleme sprechen. Die Fragestellung aber, die der letzte Redner nufgcstcllt hat, war demagogisch, denn wir können Palästina nicht von der übrigen’ Welt isolieren, 1 lerr GoUimann hat liier eine Resolution vorgelegt, die an sich harmlos klingt. Ich hoffe, Sie wereleu seine ״Befürchtung“, daß Sie diese Resolution ohne weiteres auuehmen, zuschanden machen und sic ablclincu, denn Sie müßten sonst auch die dazu gegebene Begründung amieiiiiK■״, Ich habe mich gewundert, daß das sonst so vorzügliche Referat von I lerrn Lichtheim der Nationalisierung des Bodens das Wort geredet hat. Nationalisierung, das heißt natürlich Sozialisierung. Nun hat aber nicht einmal der deutsche Sozialismus bisher vermocht, für landwirtschaftliche Fragen eine Theorie aufzuslcllcn, die haltbar wäre. Wir können aber Palästina nicht nach Grundsätzen kolonisieren, die noch nirgendwo erprobt sind. Wenn •wir dort die Grundsätze sozialer Gerechtigkeit anzimenden versprechen, so ist dies durchaus nicht lächerlich, sondern alles, was wir tun können. Wenn wir in Palästina eine Masscmiuwandcruug haben wollen, so werden wir sie nur bekommen, wenn wir für Gerechtigkeit nicht nur gegenüber den Arbeitern, sondern gegenüber allen Einwanderern sorgen. Wir können unsere Arbeit nicht auf Grundsätzen aufbauen, die erwachsen sind aus den! überhitzten Industrie-Kaipitalisimis Europas. Auch auf die Gefahr hin. daß wir durch eins .Mas.endend des Kapitalismus lüiiuurch müßten, was ich nicht glaube, müssen wir uns gegen alle Experimente aussprechen. Für ums ist das Erste und Wichtigste, dal) wir nach Palästina kommen. Wir sind in erster Reihe nicht eine soziale, sondern eine nationale Bewegung. Unser Baseler Progrnmm fordert Palästina für das jüdische Volk und nicht nur für den jüdischen Arbeiter. Handarbeiter sind nicht das ganze Volk, sondern mir ein Teil desselben, Ich habe keine Angst, daß die Kapitalisten nach Palästina gehen werden, nur um dort Profit zu suchen. So dumm sind die Kapitalisten nicht. Wenn wir aber Kapitalisten find n, die n ch Pal st n1־ gehen, tun dort zu arbeiten, so können wir ihnen mir dankbar sein. Ich halie das Vertrauen zu der Einsicht und dem Idealisnius der jüdischen Arbeiter, daß sie sich in ein Ganzes eiuzufügeu wissen werden, von dem sie nur ein Teil .sind. Icli bitte Sie nochmals, zu bedenken, daß unsere ganze Koionisationsarbeit noch immer in einem gewissen Dunkel vor uns liegt, und bitte deshalb, alle Experimente abzulelmeii. Unser Land Palästina bedeutet ohnehin ein Experiment; unser Volk neu anfztibaiieii, ist in gewissem Sinne ebenfalls ein Experiment. leb warne davor, diise beiden zu verknüpfen durch eine M e t ho de, die abermals ein Experiment ist. Das könnte uns ruiliieren, ehe wir noch recht augtf.iiigen haben. Agron. Dyk-Messingwerk: leb spreche als Sozialist gegen die Salonso/.ialistcu. Ich spreche als Sozialist gegen den Bolschewismus, den Sie nicht krnneu, den wir aber in Palästina vor 1014 sehr gut gekaiint haben. Ich bin als Sozialist vor allem Bodcnrcfurnier und auch für die Nationalisierung von Grund und Boden in Palästina, aber nicht lür eien Anfang.־ Unsere besten Sozialisten waren die jüdischen Bourgeois in Palästina. Sollten die jüdischen Kapitalisten Palästina als Land der Ausbeutung benützen, so muß der Sozialis- 11111s einsclireiten und dies verhindern. Daß wir aber den radikalen Sozialismus dorthin verpflanzen lehne ich ab. Der Vorredner hat sehr richtig bemerkt, daß die Nationalisierung des Bodens noch eine sehr gewagte Sache ist. Ich mochte dies hier bekräftigen. Die Kemich nicht. Bnuuisctnveig, die. auch gierungen von Preußen und als Fachmann herangezogen haben, wissen wie sie derartiges machen sollen. Ich begrüße das sachliche, vortreffliche Referat des I ferrn Lichtheim. Wir müssen absolut bei der Eiinvanderung in Palästina diese Maßnahmen einschlagen, die Herr Lichtliciiu aufgestcllt hat. Die Zahlen und Statistiken der Herren Dr. Ruppin und Agron. Oettingor lehne ich jedoch ab, sowie ich ihr Kolonisatioiisprngramm im Grundsatz ablelme, weil sie von der Voraussetzung misgcbe״, als hätten wir Tausende von Bauern. Es ist leicht, in drei bis zehn Jahren einen tüchtigen Vor- Walter oder Administrator ausztibildeii, aber es ist schwer, einen Hauern aus/uhihk׳n. Wollen wir Bauern haben, so gibt cs keinen besseren Weg, ah den Weg der Großbetriebe. Es müssen von" .Seiten der künftigen Regierung Stellen geschaffen werden, um die Arbeiter bcnifstüelitig ausziibikien und dann die bcfälligsten Arbeiter auf Bauernstelleii zu setzen. Das größte Elend für den Landarbeiter ist, sein Leben lang Landarbeiter bleiben zu müssen. Es muß ihm die Möglichkcit gegeben werden, nach Jahr und Tag auf cigemm Boden zu kommen. Es ist hervorgehoben worden, daß wir in der I iauptsaehc Garieiibanwirtscliaft betreiben müssen, weil der lamlwirtscliaftlirlic Betrieb unrentabel ist. Das trifft nicht ganz zu.־ Wir haben auch andere Erfahrungen gemacht. Wir hatten in Merchawja im drittelt Jahre eine doppelt so große Ernte wie im ersten. Wir können erst nach einigen Jahren dazu kommen, Rentabilitätsberechnungen an/ustcllcn. Ich unterstütze die Forderung des I ierrn Lichtheim׳, daß wir die Ein- Wanderung zu kontrollieren und zu organisieren haben werden. Wir werden ein Einwandcruiigsnint in Palästina schaffen, tlas die Leute im Lande verteilt. Es ist notwendig, daß besonders tüchtige Leute das alles voijicrcilcn. Ich unterstütze auch den Gedanken des Auswauderimgsamtes, sonst geschieht es in noch höherem Maße wie vor dem Kriege, daß viele Menschen in Jaffa ankommen, ohne zu wissen, wo sie sich ernähren können. Ich bitte die führenden Persönlichkeiten im Zionismus, dafür zu sorgen, daß hier im Lande, sowie auch itn Osten Europas alle diejenigen jungen Menschen, die sich in der Landwirtschaft heranbiklen wollen, hier ausgebildet werden, damit sie nicht erst in Palästina die Schwierigkeiten des neuen Berufes zugleich mit denen einer neuen־ Akklimatisation ertragen müssen. Dr. Pick-Berlin: Ich spreche hier nicht als Iraktionsmitglied. Jeder Misraehist spricht nur als Zionist mit der Färbung, die ihm seine ganze Lebciisanschaumig gibt. Ich fürchte, daß dieser Dclcgicrtontag• sich aut eine falsche Basis gestellt hat. Wir sind hier eine Versammlung deutscher Zionisten, die sich

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