Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1919)
- Date
- 1919-01-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 1 Seite 8 wurde, die Orthodoxie gekommen, so möchte schieden zurück weisen. daß jemals die jüdische Landwirtschatt die städtische jüdische Bevölkerung wird ernähren kennen; es ist aber auch uielii notwendig, wenn wir zu den Arabern in ein fiemuhiachhnrliehes Verhältnis treten, und das ist ein absolutes Erfordernis. Die Araberfrage ist für das nächste Jahrzehnt die wesentlichste Frage unserer Ko- Ionisation. Im Referate von Herrn Lielttheim ist gesagt worden, wir beanspruchen!Ins Recht zur E\propriierung des arabischen Großgrundbesitzes. Wir müssen 11ns klar sein, dal! dies nur ein formales, juristisches Recht wäre und nichts mehr, denn es gibt in Palästina zwar einen beträchtlichen arabischen (irollgnuidbesitz, aber keinen arabischen Großbetrieb, Der ^arabische Großgrundbesitzer sitzt sehr häufig in der Stadt und bat seinen Besitz in kleinen Teilen an Fellachen, die ihm iiochverschuldet sind, in Rächt weitergogeben. Eine Expropriierung des Großgrundbesitzes würde Wirtschaftlieb nichts anderes bedeuten als eine entschailigimgslosc Expropriierung des Fellachen, denn seine Schulden an den Effemli sind meist ,gröber als der Knufschiliing fiir sein Land. Es gilt also, wie ich bereits im ,,Juden“ ausführlich ilnrgclegt habe, stärkste Intensivierung der Fellarheu Wirtschaft, eventuell Verpflanzung nach audereu Gebieten. -Schon aus diesem Grunde müssen wir zentralisierteil Laiideiukaiif verlangen, da diese Aufgaben niemals von Privaten gelöst werden können, und daher das Obercigentmti dos jüdischen Volkes am Hoden mit allen Mitteln dui'dizidülircn suchen. Dafür genügt natürlieb nicht der Natioiialfond, da er,auf Spenden ajifgebaut ist sondern es muß eine Institution geschaffen werden, bei der das Geld für den Geldgeber nicht verloren gellt, eventuell in Form einer Voiksanleihe. Karl Glaser: Es ist bisher nichts getan worden, um die Frage der Emigration einigermaßen zu lösen. Wir brauchen ein Emigrationsamt. Es ist die Fnye, ob man mit den Organisationen, die bisher die Frage der jüdischen Masscm-iiiwamlcrimg behandelt haben, in Verbindung treten kann. Die Debatte macht einen stark theoretischen Eindruck. Wir brauchen un bedingt eine Palästinakommission und es muß jetzt endlich über die Frage der Industrie entschieden werden. Dr. Rabbi-Frankfurt a. M.: Ich miicliie mich mit der Ktilturfrage befassen. Der Referent meinte, daß es genüge, wenn man auf die seiner/citige Kongreßrcsolution hinweise, wonach die Zionistische Organisation nichts unternehmen werde, was die religiösen Gefühle der Juden verletzen könnte. Wenn unsere Bewegung denselben Charakter trüge wie andere kleine Bewcgimgen, könnten wir uns vielleicht liier mir mit rein polnischen und willst h iflliclieji Fragen befassen. Aber der Zionismus ist nicht so entstanden wie mail es manchmal darstcllt: nicht nur aus der Not der jüdischen Massen und nicht aus Trotz gegen den Antisemitismus, sondern er ist der Ausdruck einer zweitausendjährigen Sehnsucht, die immer im Volke gelebt hat. Wenn liier gestern von Herrn Dr. Auerbach der Vorwurf gemacht wäre zu spät zum Zionismus ich einen solchen Vorwurf ent- Die Orthodoxie bat sich vielleicht zum organisierten Zionismus etwas spät eingefunden, aber hatten die konservativ gerichteten Massen der Juden nicht Grund genug, einer Bewegung mit Mißtrauen zu begegnen, die vom ersten Augenblick an in ganz andere Bahnen geleitet wurde? Man sagt, die orthodoxen Juden liibcn das Wesen des Zionismus für sich nicht anerkannt. Das ist insofern richtig, als sic das Wesen des rein nationalen Zionismus nicht anerkennen wollen. Für den orthodoxen Juden ist die Hauptfrage, wie sich das Leben im Lande der Zukunft gestalten wird. Solange er darüber keine Sicherheit batte, konnte er auch 111 die Bewegung nicht eiutreten. Es war für die konservativen Juden nicht leicht, dem Zionismus fenizubleiben. Wenn man von Anfang au den Wert und die Bedeutung des historischen Judentums anerkannt hätte, dann wäre auch kein konscrvativer Jude dem Zionismus ferngeblicbcn. Was soll nun die Aufgabe der Männer sein, die sich als Träger der Vergangenheit und als Schöpfer der Zukunft itn Zionismus betätigen? Wir sind uns darüber klar, daß es nicht unsere Aufgabe sein kann, die anderen zur Orthodoxie zu bekehren. Der Misrachi befrachtet cs als seine Aufgabe, den Kreisen, die heute der Orihodoxie angehören und noch nicht bei 1ms sind, eine Klärung über den Zionismus zu bringen. Glnubcnsfragcn lassen sich durch Majorität nicht bezwingen. Der Redner gab am Schlüsse seiner Rede die {01gende Erklärung ab: ״Die auf dem 15. Delcgicrtcntag der Zionistischen Vereinigung für Deut sch Land anwesenden Delegierten erklären: 1. Der Zionismus steht auf dem Boden des liistorisehen Judentums. 2. Alle Arbeit, die zum Aufbau der jüdischen Zukunft in Palästina unternommen wird, hat itn Geiste der lebendig fortwirkenden jüdischen Tradition zu geschellen. 3. Daher ■sind insbesondere alle Einrichtungen des öffentlichen Lebens, die von der Gesamtorganisation geschaffen werden, im Geiste des jüdischen Gesetzes zu regeln.“ Nah um Goldmann-Berliii: Wenn der Delegiertentag der deutschen Zionisten in diesem geschichtlichen Moniert sich über den Aufbau Palästinas berät, so können diese Auseinandersetzungen nur Sinn haben, wenn man sich über die Prinzipien und den Geist klar wird, der diese neuen Siedlungen beherrschen soll. Es hat keinen Sinn,!wenn vor diesem Forum von Laien praktische Dinge besprochen werden, sdion aus Respekt vor der!Bedeutung dieser praktischen Möglichkeiten. Ich kann es nicht entscheiden, welche Zahlen für die Kolonisation de richtigen send, das muß unter Stellverständigen besprochen ■werden. Es kann sich hier nur um die Entscheidung darüber handeln, was dieses neue Palästina dun jüdischen Volke sein soll. Ich bin enttäuscht davon, wie dieses I*noblem hier behandelt worden ist. ■Was zur Frage steht, ist nicht nur eine menschliche Frage, sondern die zentrale Frage der ganzen jüdischen Geschichte. Wenn cs sich darum handelt, wie das neue Palästina sein soll, so ist es beleidigend für die große Idee, wenn man sagt: ,.Ich bin für soziale Gerechtigkeit, aber schadet nicht dem• Zionismtls!“ Das ist die gefährlichste Art, darüber zu urteilen, das banalisiert die Idee. Das wollen wir nicht JUEDISCHE RUNDSCHAU zulassen, und deswegen möchte ich die Sache in allen ihren Prinzipien mit aller Schärfe klmslellcii. M01׳t׳n sich diejenigen, die unseren Forderungen nicht ziistunmen oder ihnen nur im Sinne einer liberalen Sozial- Politik •/uslisiimrti, sich darüber klar werden, worum es sich handelt, damit eine klare Entscheidung erfolgen kamt. Es handelt sich fiir uns um zwei Dinge: das erste ist eine große menschliche Grumlxtimmung. Es ist die Stimmung, die nicht will, daß in Palästina wiederum eine europäische Gesellschaftsordnung entsteht, daß die Daseiiisform, die die Völker in Europa schon besaßen, sich in Palästina in genau demselben Sinne wiederholt. Es isl eine große radikale menschliche Stimmung, eine menschliche Gesinnung, der es nicht darauf ankommt, daß dieser und jener Auswuchs heseitigt wird, sondern der cs darauf ankommt, daß sielt 'die Sicdeliiiig in ihrem ganzen Aufbau in diesem Geist vollzieht. Das zweite entscheidende ist die Irvsonders jüdische Auffassung des Problems, und cs wird sieh in der nächsten Zeit eine Scheidung der Geister im Zionismus vollziehen, durch die Beantwortung Her Frage, was Palästina 1ms ist. Ob die Emigration nur tias Mittel zur Beseitigung der ökonomischen Judenfrage ist oder noch etwas größeres, die Erfüllung der zeittralei! Aufgabe der jüdischen Geschichte. Das ist clic prinzipielle Frage über die Sie sich klar werden iitiisseit, wenn Sie sagen: wir sind für soziale Gerechtigkeit. Wen igea mir ist dieses Problem ganz klar, und es kann nicht akut werden, wenn man sagt: Palrisliha in erster Reihe den Juden, und dann werden wir se- Iteii, was wird, sondern nur wenn man sagt: auch wenn es eine Hemmung und Verlangsamung der Kolonisation darstellt, dennoch und trotzdem sind wir dafür. Nur wenn Sie sich in diesem Sinne entscheiden, hat Ihre Zustimmung Sinn und Wert, Uns ist die Realisierung unserer Forderungen in Palästina identisch mit der Rcalisienmg des Zionismus, und aus dieser AuffassungHieraus möchte ich folgenden Antrag vorlegen, von dem ich beinahe befürchte, daß die meisten dafür sein werden. Ich bitte nur die beizustimmen, die nach klarer Enlschcidüng den Willen haben, das neue Palästina unter allen Umständen in unserem Sinne atifzubattcn. Der Antrag, der von meinen Freunden und mir eingebraelit wird, lautet: ,,Ausgehend von der Ucbcrzciigmtg, daß das zukünftige jüdische Gemeinwesen in" Palästina in allen seinen sozialen und kulturellen Erscheinungsformen vom aUitidisduti Geist vier sozialen Gerechtigkeit bgdicrrscht sein muß, verlangt der 15. Delcgicrtcntag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland als wichtigste Voraussetzungen zur Erreichung dieses Ziels 1. «las ausschlicßliche Gemeineigentum des jüdischen Volkes am gesamten heute und in Zukunft in jüdischem Besitz hefimllichcn Grund und Boden in Palästina; 2. die Verhimlerimg tler Akkumulation der nicht «ler Produktion dienenden Vermögen, sowie die Erfassung aller übermäßigen Gewinne zu Gunsten der Gemeinschaft.“ i)r. Max Strauß-Berlin: Die soziale Frage ist für Palästina nicht ein' Problem, das in ferner Zukunft liegt; vielmehr haben die Gegensätze Zwischen den Arbeitern •einerseits und den bürgerlichen Schichten und Kolonisten auf der anderen Seile schon vor «lein Kriege sein• scharfe Formen angenommen. Das Verhältnis wird sieh noch weiter verschlimmern und zu sehr gefährlidicn Zusammenstößen führen, wenn nicht das neue Palästina von Anbeginn an auf sozialistischer Grundläge aufgebaut wird. Dk• von Goldmann verlesenen Anträge sind als der Anfang eines solchen Aufbaus zu versteifen. Lazarus Barth-Frankfurt a. M.: Wir sind mitten in einer Palästina-Debatte, wie wir sie so eingehend nie auf Delegicrtentagen gehabt haben, und trotzdem — oder vielleicht eben deshalb — hat sic noch wenig Klärung gebracht. Auf beiden Seiten gibt es Extreme, von denen die eine Partei mit Zahlenreihen aus rnliigerat Enlwickhuigsoeriodeu operiert, die aridere durch die Kraft des Pathos wirtschaftliche Tatsachen über den I laufen rennen will. Ich kann nicht über die Frage entscheiden, ob Lichtheim oder die Herren von der anderen Seile recht halten, mir fehlen die fachmännischen Kenntnisse. Ich'erinnere aber an das Wort eines Herliner Strafrechtslchrers, «ler, als ein Verbrechen durch ltypnolischc Willensruisschaltutig des Täters erklärt wurde, sagte: ״Wenn so etwas möglich wäre, so wäre unser ganzes Strafrecht Unsinn, also gibt es keine Verbrechen unter hypnotischem Einfluß.“ Wenn Lichthcim recht hat, werden wir nie ein jüdisches Palästina haben, also bat er unrecht. Wenn wir in 33 Jahren erst IR; Millionen Juden drüben haben können, so werden wir es nie zu einer starken Majorität bringen, dafür würde die fremde Einwanderung sorgen. All unsere Chancen beim Friedens-Kongreß beruhen doch darauf, daß man —־ tmd ich glaube mit Recht — aniiimmt, wir Juden werden Palästina imgleich schneller entwickeln, als dies ein anderes Volk könnte. Lichtheims Zahlen alter würden für jede andere innerlich weniger beteiligle Kolonisation«• gesellschaft auch stimmen. — Zum Ooldmnnnsclicii Antrag bemerke ich, daß ich ihn bekämpfe ,und für ilui stimme: denn er ist so farblos, daß man ihn auch dann nicht ablehncn kann, wenn man die Begründung für höchst bedenklich hält. Ich halte überhaupt wenig von papiernen Resolutionen, «Las Leben in Palästina wird sich seinen Weg bahnen und die wirtschaftliche Ent- Wicklung wird sich wenig um unsere Delegierten»,tgs- Beschlüsse kümmern. Dasselbe trifft bei den Kultur- Problemen zu, die hier auch behandelt worden sind, tmd den nllgcmeincn Erklärungen zur religiösen Seite der Frage durch die Leitung. Wenn Dr. Kosenbaimt- Wilna für die Verwirrung in der Diskussion das Ein* greifen des Am-hnarez. verantwortlich macht«, so halten gerade wir ja immer den Am-haarez — und zwar den intra mit ros et extra — ausschalten wollen. Wir wollen die Gcdole haare/., die Gedolc Erez Israel hören. Und fürchten Sie keine Verknöcherung, wir wissen, daß sich das •ungehemmte jüdische Leben itn jüdischen Lande seine jüdische Kultur schaffen wird, die nicht in der Luft schweben kann, sondern auf der Vergangenheit sich auf batten wird, an die sie ankntipfen muß. In diesem Zusammenhang muß die Erklärung verstanden werden, die Rabin über die Auffassung des Misrachi Abgegeben hat und die von der lebendig sich entwickelnden Tradition spricht. Die Diskussionen verlieren ihre Schärfe, wenn sie nicht mehr in der Theorie stecken zu bleiben brauchen. Das tabnudische Wort ״Die Luft Palästinas macht weise“ wird seine ■Wahrheit wieder beweisen. Hie Anregung, «lie Struck mul ich «lern Präsidium gcgeltcii liahea, die Kulturilcbatlc hebr.'ii eb zu fuhren, s dl aucii nicht als leere 1 )einonstratioii verstanden werden. Ich glaube, wir werden uns klarer werden, wenn wir hierbei tlie hebräische Phraseologie• gebrauchen und uns nicht in Worten bewegen, die mit den jüdischen Begriffen nicht übereinstimmen. Dr. Nawraizki-Bcrliu: Das Referat von Li htheiiti hat 1ms in großem Umrisse einen Ueberblick über die zu leistende Arbeit gegeben. Daraus diirite hervorgegangen sein, daß auch in vielen Einzellieiien Ocüingcr und Ruppitt übereinstimmen. Wir haben also die seltene Tatsache zu verzeichnen, daß gerade in wesentlichen Punkten des künftigen Programms unsere Palästinasachverständigen übereinstiinmen. Auch ich kann liier kaum Neues hiuzufügen und möchte den au {}gestellten Behauptungen beistimmen; allerdings möchte ich eine Einschränkung machen. Ich halte diese Berechnungen nur theoretisch für sehr wichtig. In der Praxis wird cs wohl anders sein. Auch Liaitheim wird wohl den Standpunkt vertreten, daß die Dinge in der Praxis in Palästina sich anders entwickeln werden, da man so etwas nicht berechnen kann. * Nun wurde von Herrn Trietsch in der Diskussion im Gegensatz zu den Angaben von Lichthcim, resp. Oettinger und Rttppin ein Standpunkt vertreten, wie ihn Herr Prof. Ballod eingenommen hat und der ganz alliiere Zahlen für ein noch größeres Kolonisations- Programm, gibt. Herr Trietsch stützt sich darauf, daß Oettinger in einer Besprechung des B.tllodschen Projektes dessen Standpunkt anerkannt hat. Ich habe inzwischen den betrelleiiden Artikel noch einmal durchgelesen und ■gefunden, daß Oettingcr vielmehr nachwcjst, daß die angegebenen Zahlen unrichlg sind. Prof. Ballod kennt die Verhältnisse Palästinas nur aus Büchern, sonst könnte er sielt nicht so irren. Ballod hält z. B. am Attdschafluß ()DOOS) ha Bmlctt für kulturfähig. Die Annahme von 10 000 ha dürfte richtig sein. An ocr Küste nimmt er 253 000 Ita Fläche für Bewässerung«- kultur an. Auch «las ist ungeheuer übertrieben. lk׳i seiner Berechnung von 3' ■! Milliarden Gesamtkostei! für eine Ansiedelung von 0 Millionen Juden berechnet er «lie Kosten der Häuser mit 1,2 Milliarden, d. h. 1000 M. fiir ein Hain. Das ist selbstverständlich eine Utopie. Selbst ״Hütten, die 20 J.fhre halten“, deren Ban er Vorsicht, dürften bedeutend mehr kosten, so daß eine 2Vz- bis 3 fach so 11,111c Summe seihst bei den primitivsten Bauteil angenommen werden muß. Dies allein würde schon einen Gesamtbetrag ergeben, der höher wäre, .als die von ihm berechneten Gesamtkosten der Ucbcrsiedelung, in die er bereits alle großen Anlagen, Staue, Bewässerung. Elcktri/itätsaidagcn, Bodenpreis, lebendes und totes Inventar usw. cinbcrcclmet hat. Richtige Häuser sind fiir diesen Frei; überhaupt nicht zu linnen, und nach dem Kriege noch weniger als vor Iler. Selbstverständlich sind auch alle anderen Zahlen seiner Berechnung in ähnlichem Umfange mir Ich dg. Idi möchte .aber auch nicht eigene Zahlen dagegenstc'len, da ich dies fiir unmöglich halte. Nur über das Vergangene lassen sich zuverlässige Zahlctiaugabeii machen. Die Kolonisation in Palaslina "läßt sich nicht im vorhinein berechnen. Es werden Menschen in (las Land kommen, die nur über ilire Arbeitskräfte verfügen, wieder andere nur mit ihren Kenntnissen und solche mit größeren, kleineren und mittleren Vermögen. So wird «las Ko'.oiiisatiouswcrk s ch au'bauen, Kapital wird wieder Kapital erzeugen und auch d,c Arbeit i n Lande wird nettes Kapital hervorbringen. Jeder Spatenstich, «ler im Lande getan wird, wird neues Kapital bilden. Sicher ist. daß wir für .'ie Zukunft völlig neue Formen für die Kolonisation brauchen. Das gilt sowohl für die Durchführung tler praktischen Arbeit, als auch für die Aufstellung eines neuen umfassenden Programms auf sozialem Gebiete, «las gar nicht theoretisch zu sein braucht, sondern mir konkrete Unterlagen halten muß und dem Stande des Lindes und den künftigen Fntwickhmgsmöglidikeiteii entspricht. Ich habe bereits ein_ derartiges Programm ansgearbeitet, das auch die sozialen Verhältnisse berücksichtigt, möchte es aber nicht an dieser Stelle vortragen, da ich nicht glaube, daß inan in einer Debatte derartig komplizierte Probleme detailliert erörtern kann. Ich behalte mir vor, die einzellten!*ragen an geeigneter Stelle zu erörtern. Julius Berger-Berlin: Herr Goldmann hat bereits nuseinnndcrgesctzt, daß wir, die wir uns die Entwicklung Palästinas nur auf sozialistischer Grundlage vorsteßen können, von der gestrigen״ Debatte enttäuscht sind. Fr und Herr Dr. Strauß haben Ihnen auch die ethischen Tendenzen «largestcllt, die unseren Standpunkt be• stimmen. Ich möchte hier auf die wirtschaftliche Seite cingchen. Die höchste wirtschaftliche Entwicklung Palästinas ist mir möglich, wenn sie sozialistisch ist. In der gestrigen Debatte wurde immer wieder davor gewarnt, daß wir nicht durch unsere Forderungen das Kapital aus Palästina heraustreiben oder es verärgern. Man hat es fiir nötig gefunden, uns zu sagen, daß in erster Linie _ das Verlangen nach Verwirklichung des Zionismus, nicht des Sozialismus stehen muß. Es war wirklich kein Grund, unseren Zionismus anzuzweifeln. Aber gerade weil wir den Zionismus rcstlos verwirklicht sehen wollen, müssen wir auf unseren sozialistischen Forderungen bestehen, auch, und nicht in letzter Linie, weil wir uns anders eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung Palästinas nicht vorsteüen können, per Sozialismus will die Erzielung der höchsten Produktivität, und er sucht dies zu erreichen durch die Forderung der Einordnung jedes Einzelnen unter das Interesse der Gesamtheit. Wenn nicht das private Erwerbsintcresse, _ sondern ausschließlich das Gemeinwohl für die Entwicklung des Lindes und seiner Unterttiltmungcn, der privaten wie der öffentlichen, maßebettd sein wird, dann werden wir ein blühendes Lsnd, ic ruhigen und glücklichen Verhältnisse bekommen, die wir erstreben. Ich habe Respekt vor Trietsch, der mit seinen Voraussagungen eigentlich immer Recht gchabt hat. Wir haben cs nur immer erst 10 Jahre zu spät eingcschen. Warum versagt er hier so völlig? Warum sollen gerade wir uns gegen eine Entwicklung stemmen, die eben jetzt im Ikgriff steht, von der Welt Besitz zu e 1greifen? Warum wollen Sic mit Gewalt Palästina auf einen Zustand der Wirtschaftliehen Entwicklung heronterdrückcn, den man überall sich jetzt ansdhtekt zu verlassen? Sie reden so viel