Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-01-07 · Heft 1 (7.1.1919) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 1 (7.1.1919)
Date
1919-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652136--11939-2669515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 7 Nr. 1 Aufbau gesund /u erhalten. Mit der Masseiu-in- Wanderung überführen wir alle Schäden der Massen siedehmg. Wir müssen einen Aufbau vom Fundament aus sehaiten. In der Industrie wird auch von uns vieles neugestaltet werden müssen. Wir werden daran{ zu sehen haben, liaii ein neuer (leist im Gegensatz zu dem, was bisher der (leist der Industrie war, cinzicht. Wir wer den von behördlicher Leitung aus zur Förderung der Industrie wenig zu tun haben, weil die Industrie alles selbst tun wird, aber wir brauchen die Durchsetzung derje- »litten Priu/ipicti der Arbeit, die wir in die Arbeit eiugefiihrt haben wollen. Vom ersten Tage au muH die Industrie diesen neuen Geist in Palästina zeigen. Vom ersten Tage an, mull eine Gewinnbeteiligung der Arbeiter gesichert werden, der Unternehmer muH von Anfang an wissen, dall er in seine Kalkulationen den jüdiseh-suzialen (leist eiuzustellen hat und danach sich richten. Das sind die Aufgaben der Behörde auf *lein Gebiet der Industrie. Deshalb wind eine der Maßregeln darin bestehen, dall wir die Konzessionspflicht der Industrie scharf beobachten. Nur der wird geduldet, der sich diesen Priu/.ipicn unterwirft, und alle anderen werden niehl /!!gelassen werden. /.iir Frage der Nation,׳ilisierimg des Hodens mdehtc ieh l'o'gcudcs betonen: Fs ist ein Moment nicht geniigoml hervoreehoheu worden, die Sozialisierung ries stiultischen Bodeiih •sit/es. Alles bisher Angegebene wird die!’odenspckulutiou nicht unterbinden. Einzig und allein eine weitgehende Bodenreform ,kann für den städtischen Bodenbesitz die genügende .Grundlage siehern. Die Frage ist, wie nationalisieren wir, womit na• tioualisicrcu wir? Wenn wir jetzt den Buden nicht nationalisieren, können wir es später nicht mehr. Der Nationalfomt hat nicht so viel Geld, lim für den gnnzeit Hoden in Frage zu kommen. Wie bekommen wir diese Mittel? Durch grolle Spenden können wir sie nicht erreichen, denn die gibt niemand. Das System der Vergröberung des N'alioualfonds durch Spenden ist heute veraltet. Der Jüdische Nation,llfond 11111I1 jetzt erst ziim Jüdischen N a t i o 11 a I fond werden. Wir miissen damit rechnen, dall das Kapital, welches uns zur Verfügung gestellt wird, verzinst werden midi. •Daher gibt es mir den einen Weg: eine grolle jüdische Volksan leihe in die Hand zu bekommen, ehe wir vor/insen können. Nur auf dem Wege einer grollen Nationalanleihe können die Mittel geschaffen werden, mit denen der Boden nationalisiert werden kann. Fs ist noch ein anderes Gehiet herauszugreifen, auf das Herr l.iehtheiui nicht mit genügendem Nachdruck hinge wiesen hat. Für die Regulierung der Fiuwandcriitig ist eine grolle öffentliche Gewalt notwendig. Wo ein Betrieb nicht rentiert, liegt es zum grollen Teil nielit an wirtschaftlichen Dingen, sondern oft an hygienischen. Mau weiil, dall in!,;ilästina der Arhei■ ter ein Viertel des Jahres wegen Fieber arbeitsunfähig ist. Mau bedenke, was das wirtschaftlich lieillt. Daher muH inan vor allem mit Nachdruck aut eine Ausrottimg der Malaria mul anderer Epidemien hinwirken. Sie midi jahrelang von der öffentlichen Gewalt durchgeführt werden. Der Staat, unter dein man bisher stand, hat nichts dazu getan. Der jüdische Arbeiter ist heute in Palästina gegen den Araber noch nicht konkurrcnzfäliig, darin liegt der Grund fiir die Erbiitcrung des jüdischen Arbeiters. Fr will nicht herahgedriiekt werden auf den Stand des arabischen Arbeiters. Der Kolonist muH redmen und nimmt die Arbeitskraft, die billiger ist. Der jüdische Arbeiter wird erst dann konkurrieren können, wenn all diese Aufgaben die Allgcmcinhcit übernimmt. Der Araber soll auch in Palästina mit uns mul neben 1ms leben, und .wir werden ihn immer!)rauchen, und wir können ihn brauchen unbeschadet unserer Ziele. Wenn ein Araber an unseren Arbeiten hilft, so soll mau keine Prinzipiellfrage daraus machen. Wir verfallen sonst in eine Uebcrspanmmg des nationalen Gefühls. Wir!missen eine Neuschaffung des Begriffes Nationalismus anstreben, wir müssen ihn zu einem Kulturbegriif machen. Wir wollen keinen Nationalisnun in Palästina nach der Schablone der europäischen Nationalismen, wir wollen einen jüdischen Nationalismus, der vorbildlich werden kann. Bei der Palästinaarbcit wären vor allen Dingen sehr stark die Kulturfragen zu besprechen. Man hätte (Infiir ein besonderes Referat cinsctzcn sollen. Wenn mau von palästinensischen Schulen spricht, hört mau gleich das Wort Universität. In Palästina ist man davon nicht sehr entzückt. Man hat dort Zeit mit einer Universität. Auf die Schaffung jüdischer Volksschulen kommt cs an. Vielleicht kann inan bald eine Universität «duffen, aber wir fürchten uns vor den Folgen, die die Gründung für das kulturelle und wirtsclia ftliclie Leben zu einer Zeit hat, zu der man noch keine Akademiker in Palästina ernähren kann und es keine geeigneten Ausbildungsmöglichkeiten gibt, Audi muH man es verhindern, dall die Siedlungen dadurch geschwächt‘werden, dall Koionistensölinc studieren wollen. Ich warne vor der Gründung der Universität. R.-A. Rosenbaum-Wilna: Es wurde hier unter anderem die Frage der politischen Garantie auf geworfen. Es ist gcwiH von größter Wichtigkeit, daß man politische Garantien bekommt, aber trotzdem scheint mir diese Erage nicht so wichtig, wie viele meinen. Es ist ja bekannt, dall min friiher in Palästina nicht oder nur sehr schwer arbeiten konnte, weil die politischen Garantien fehlten. Trotzdem aber wurde auch früher gearbeitet. Wir werden eine ganze Reihe von Rechten erlangen, um in Palästina zu arbeiten und diese Rechte müssen wir ausnutzcii. Deswegen glaube ich, sollte man sich über die Dinge, die auch Herr Licliiheim in seinem Referat erwähnt hat, nicht so aufregen, wie dies hier geschehen ist. Mir scheint, die Grenzen Paliistinas werden .so weit reichen, als dort Juden wohnen. Je mehr wir in Palästina arbeiten werden, desto mehr wird es unser Land sein und cs wird groll genug sein, ohne dall wir etwas zu annektieren brauchen. Ich glaube, man hat hier in der Art, wie die Kolonisa-! liousinöglichkeiten dargestcllt wurden, ein wenig unbei wullt Gegenagitation gegen die Paliistinnarheit getrieben. Wenn wir nach dem grollen Pathos der englischen Dekla- I ration es nicht weiter bringen sollten, als dall wir ן einige tausend Familien nach Palästina bringen, dann 1 halsen wir «־dies verloren. Der Grund und Boden wird nicht weiter auf uns warten und deswegen müssen wir den Grund und Boden in unseren Besitz bringen, Die Expropriierung kann ,nur in der Weise erfolgen, dall wir eine gründliche Bodenreform durchführen. Wir müssen aber den Grund und Boden nicht nur kaufen, sondern auch bewirtschaften; denn wenn wir im Lauic von zehn Jahren keinen Gebrauch davon machen, so hört unser BesUzreeht auf. Der Herr Referent hat ein sehr schönes und mit vielen Zahlen versehenes System aufgestellt. Ich glaube aber, dall es in der Praxis doch anders geht. Aus Riililaud wird eine Masseneinigration einselzeii und gleichzeitig wird auch (Ins jüdische Kapital nach Palästina strömen. Hier spielen keine idealistischen Motive mit. Das Kapital fühlt sich unter der Herrschaft des Bolschewismus nicht sicher. Nack. Amerika wollen die Massen nicht und sie werden es auch nicht können.' Vergessen Sie nicht, dall wir jahrelang für die Einwanderung nach Palästina agilkrt Indien. Mit kleinen MiUelchen kann mau jetzt dein Willen der Masse, diu heute nach Palästina will, nielit dienen. Ich b:m ein Freund der Statistik, aber mir dann, wenn sie sieh mit dem befallt, was war und ist, nicht aber mit dem, was sein wird. Ich halte es für ein Unglück, wenn Arbeiter in ein Läml kommen, in dem kein Kapital ist. Ebenso halle ich es (für ein Unglück, wenn Kapital in ein Land dringt, wo keine Arbeiter sind. Aber ich sehe nicht ein, wo das Unglück steckt, wenn Kapital und Arbeit in ein Land kommen, das beides braucht. Warum soll mau 31) Jahre, wie der Referent meinte, warten? Gewili, Schwierigkeiten wird es geben, aber wir Zionisten sind an Schwierig- Reiten gewöhnt. Was nun die grollen Kosten einer solchen Kolonisation betrifft, so lehrt die Erfahrung, dall man sie noch auf andere Weise aiifbringcu kann, als der Referent gezeigt hat. Ich verweise nur auf die Befreiung der russischen Bauern von der Leiheigen;ciiuft. Diese Bauern hatten weder Boden «och Kapital, der Staat hat ihnen beides gegeben, indem er den Boden ,üitkaufte und dafür Papiere ausgah. Als später der Grund und Boden für die Bedürfnisse der Hauern nicht ausreichte, und der Staat Expropriieiiingeii nicht vornehmen wollte, wurden Agrarbanken gebildet ׳und den Bauern durch Bildung von Cie- . liosseiKchal'ten die Möglichkeit gegeben, ihren Gnimlbesitz zu vergröbern. Ich war seinerzeit gegen die Gründung einer Agrarbank für Palästina, weil ich sie dam,als für aussichtslos hielt. Heule bin ich aber dafür, \\׳e!l sie notwendig ist. Wir haben jetzt die M״gliclikcitf eine grolle Agrarbank zu gründen, weil heule auch, die grollen Kapitalisten unter den Juden für I*alästina sind. Eine Bank mit 1(10 Mill. Rubel wird so kreditfähig sein, dall sie auch mit Milliarden arbeiten könnte. Wenn wir solche Institutionen haben, daun sehe ich die Notwendigkeit nicht ein, warum wir 30 Jahre warten sollen, um jüdische Massen in Palästina aitzusieilelu. Was mm die lndlistiieinögliehkeiteil beliitlt, sn glaube ich, daß auch dafür in Palästina Bedingungen vorhanden sein werden. Ich habe vor Herrn Dr. Ruppin die größte Hochachtung, aber ich glaube doch nicht, dall er allwissend ist. Wie groß das Interesse au der I1!d11:;trialisieru1)g Palästinas ist, geht daraus hervor, dall in Rußland sich Gruppen mit bcdeiilemien Kapitalien ziisammengesehlosscn haben, ohne Sachkenner, mul ohne Vorstudien dafür zu machen. Ich sage mir, dall die Leute, die Geld dafür iiergclion, schon seihst am besten wissen werden, wie die Sache־ zu machen ist. I In der Frage der Nationalisierung des Bodens habe ich die Empfindung, daß man darüber zu wenig michgedacht 11:11. Die einen wollen sie, weil das ein wenig nach Sozialismus riecht, die anderen sind dagegen, weil es ihrer Psychologie nicht entspricht. Ich bin der Ansicht, daß mau so grundlegende Reformen nicht allein zur Verhütung der Spekulation unternimmt. Abu: muß dni'iiher ernstlich naehdeiiken, wie dieses Probien» zu lösen ist, denn mit Schlngworleu killt sieh die Sache nicht entscheiden. Jedenfalls aber soll das Recht für den Kauf und Verkauf des Bodens aussililieillieh der Gemeinschaft Vorbehalten bleiben. So schön und bestechend die Ideen der Nationalisierung anssehen mögen, cs gibt für uns noch etwas Schöneres und Höheres und das ist der Zionismus. Deswegen rate ich Ihnen, tun Sie nichts, wodurch der Zionismus Schaden leiden könnte und wodurch die Arbeit ju Palästina unmöglich gemacht werden kann. Wir müssen vor allem unsere Institutionen und besonders den Natioiialfoud stärken. Im übrigen aber wollen wir diese Fragen doch mehr der Praxis überlassen und vielleicht wird in 30 Jahren ein Kongreß in Jerusalem über eine ganz nein! Bodenreform naclulenkeu. Was die Orthodoxie betrifft, so! bin ich der Meinung, daß die Kämpfe, die kommen werden, ausgefachten werden müssen, und man sollte schon liier , und nicht erst in Palästina damit beginnen. Man soll die auflaiichendcn Fragen, wie zum Beispiel die 1(111turfrage, nicht leichtfertig behandeln und wenn man einige Jahre mit Ernst gekämpft haben wird, so wird man von beiden Seiten darauf kommen, daß gar kein Kampf nötig iwat;. Ich bedauere cs, daß man hier so leichthin über die Universität gesprochen hat. . Erinnern Sie sich, welche Begeisterung ,auf dem letzten Kongreß herrschte, als Ussischkin das Projekt vorlegte und wie begeistert wir waren, als der Grundstein in Palästina für die Universität , gelegt wurde? Und jetzt hat man liier applaudiert, als Herr Dr. Auerbach davon sprach, (lall die Universität vorläufig nicht nötig sei. Ich bin der Ansicht, daß die Universität sehr wichtig und nötig ist, nicht für die wenigen Juden, die jetzt in Palästina sind, sondern, für die grolle Judcnheit der ganzen Welt. Prof, Löwe-Berlin: Die soziale Form des jiididischen Lebens in Palästina wird eine andere sein als die soziale Form der anderen Völker. Der Unterschied wird darauf beruhen, daß wir die Armut in Ralästina .־ibschaffen wollen, während mau in den;111• deren Ländern den Reichtum abz.uschaffcu beabsichtigt. Damit kämen wir zur ältesten Form des jüdischen Sr»• zialisimis zurück, zum Sozialismus der jüdischen lieber• liefern!!״. Sollen wir mm die Masseiieinwaiulerung nach l’a• lästina fördern, oder sollen wir sic nach Möglichkeit aufschiebe«? Ich verstehe wohl die ungeheure (ic fahr, die in einer irregulären Einwanderung liegt. Wir müssen aber erst einmal durch eine jüdische Majorität Nachweisen, daß wir die I lerreii in Palästina sein wollen. Es ist selbstverständlich, daß die Einwanderung nach Palästina kontrolliert werden muß. Diejenigen, die hinühergehen, ohne dort die Existenz zu finden, die sie dort gesucht haben,, und du: dann bitter enttäuscht zurückko'iuueii, werden schlimme Gegner des Zionismus werden. Von den Studenten, die früher hiiiübcrgingcn, sind SO Prozent ziirückgckonuncu, weil das Land sie nielit ernähren konnte. Es gibt heute eine Reihe von Menschen, die aus reiner Begeisterung liiuübcrgclien wollen, die. aber daun zurüekkommeu werden, und die dann nicht erkennen werden, daß cs nur an ihnen lag, dall sie nicht ausreichend vorbereitet waren. Wir müssen verhüten, daß wir aus solchen Gründen uns neue Gegner heranbildeii. Jeder muß sieb prüfen, ob er bei seinem I Imübcrgclieti auch wirklich eine Lücke ausfüllei! und ob er eine ausreieilende Existenz, in l'nlüstinn finden kann. ׳ Es wird unsere Pflicht sein, diejenigen aiifzukl.iren, die nach Palästina gehen wollen. ' Wir wollen keine Einwanderungsverbote schaffen. Wir müssen heute in Palästina nicht nur Grund und Buden nationalisieren, wir müssen vor allen . i :gen lins selbst Nationalisieren. Wir müssen uns schon hier vorbrreifeu und -nicht nur die Leute beruflich lun.iclnchtcn, sondern sie zunächst wieder in das Judentum hineiutührcii, denn wenn wir hier kein Judentum haben, werden wir auch in Palästina kein Judentum schaffen können. Wir braudien auch die neue jüdische Universität in Palästina. Wenn Dr. Auerbach der Befürchtung Ausdruck gegeben hat, daß wir dort ein Gelehrtcnproletariat heranbildeii könnten, so ist das richtig. Schon jetzt hat das hebräisdie Gymnasium in Jatfa die Wirkung gehabt, daß Leute, die dort ausgcbiklet wurden, der Landflucht zuneigteil. Wir müssen heute in den Kolonien Scluilen schaffen, damit stellt aber nicht im Widerspruch, daß wir eine Universität schaffen. Wir dürfen aber für die Universität nicht die Fächer schallen, die die Gefahr in sich bergen, daß sie die Lernenden außer Laudes führen. So dürfen wir keine Mediziner heranbilden,' Jetzt finden wir dort ein arabisches Land vor mit jüdischer Beimischung, und wir werden auf absehbare Zeit ein jüdisch arabisches Land haben. Natürlich muß unsere Sprache dort vorwiegend hebräisch sein, aller der Pflege des Arabischen mü-sen wir auch eine gewisse Aufmerksamkeit schenken, denn \vir miissen dafür sorgen, daß die Beamtenstellen, die von der englischen Verwaltung eingesetzt werden, von Leulen verwaltet werden, die der arabischen Sprache machtig sind. Die Universität mul! in erster Linie die soziahvissenschaftlieheii Lädier hcrüi ksichtigeii. Wir so!- len auch die historischen, archäologischen und philo!״, gischen Fächer pllcgen, weil gerade liir diese der Bo• (len besonders günstig ist. Die Universität imiß unsere Leute in Palästina ies(l!,׳lten. Aber selbst jene Akade miker, die daun Palästina verlassen, werden in der Diaspora einen ungeheuren Nutzen bringen. Sie wer den bebiaisiercml wirken. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir m Palästina unter keiner Bedingung der Assimilation anhciiufallcn. Die Assimilation an die englische Kultur würde uns dem Judentum entziehen und die arabische würde unsere Kultur herabdrücken. Deshalb miUscu wir schon hier im (ioIus zur hebräischen Kultur kommen. Nichts wäre verkehrter, wenn inan niis hier in Europa große Reden über religiöse Dinge halten wollte und chi'istoiogiseiie Vorstellungen ins Judentum eiiitiiliren wollte. Wenn wir in der Richtung dieser christulogischmythologischen Vorstellungen weitergeben, dann wer• den wir die Verbindung mit den russischen und pol• iiischeii Juden, die wir bereits gefunden haben, wieder zerreißen. Schluß der Sitzung S Uhr abends. Zweiter Tag, Vormittag Vor Beginn der Fortsetzung der Palastinaclebalte stellte der Vorsitzende l>r. Uaittkc eine von den Delegierten aller Landesteile in Vorschlag gebrachte Liste für einen permanenten Wahlausschuß zur Abstimimmg. Die vorgeschbgene Liste, bestehend aus den Herren Lazarus Barth, Kurt B 1 u m c n f c I d , Nahum G o I d rn a 1111, Max G o 1 d r c i c h . R.-A. Dr. KI c e. R.-A. Dr. Kollcnschcr, Dr. Rosen fe Id, S. Schocken, Arthur Schragcnlicim, Dr. Stahl Dr. Victor, Jakob Volff und U. Zimak, wurde angenommen. Es wurde angesichts der zahlreichen Wortmeldungen beschlossen, die Kcdncr/cit auf 10 Minuten zu beschranken. Als erster Redner erhielt Dr. Sternberg das Wort. Dr. Sternbcrg-Breslnu: Ich möchte noch einmal auf die Frage der Masseiieinwaiulerung zurnckkonnnen. Meiner Ansicht nach müssen wir die Liuwaiideruiig auf jede Weise zu forcieren suchen. Einmal aus palästinensisch-politischen Gründen, denn wenn wir auf der Friedenskonferenz Palästina verlangen, so ver langen wir dies nicht für die 60 —70 003 augenblicklich in Palästina lebenden Juden, sondern für das jüdische Volk, das nach Palästina will. Selbstverständlich können wir mit diesem Argument nicht lange .arbeiten, wenn die Einwanderung sich mir in bescheidenen Gmizen vollzieht. Abgesehen davon, würde es nach der zionistischen Agitation im Osten einen politischen Rem bedeuten, wenn wir jetzt von uns aus mit starken Einwanderungsbeschränkuagen licrvortrateii. Es heißt jetzt nielit, die Leute ah/iischrcckcn, sondern es heißt, die Probleme der Massenciuwnndei 1111g und der Masscnbcscliäftigung aufs Gewisse»!!;!!■ teste zu studieren, was bisher leider fast nirgends der Lall gewesen ist. Schon aus diesem Grunde muß gegen eine rein laiuhvirtsehafllidie Propaganda Protest eingelegt werden. Wenige Worte zu dieser Enge. Es wird behauptet, wir müssen eine sieb selbst eronliremle jüdische Bevölkerung erstreben. Dies ist cm frommer Wunsch. In Deutschland, dessen L.mduirt schalt ein weit höheres Niveau hat als in P.ilästiii,׳, ist das Verhältnis der lamlwirtsdiaftliclieii zur übrigen;>!•- vülkcruug wie 1:4, und die Landwirte können kaum die Städte ernähren. 111 Palästina ist das Verhältnis der jüdischen landwirtschaftlichen Bevölkerung zur st.ultiselten wie 1:10, und wenn man nur die Getreide Kolo,!ien be 1*ü#ksichtig(, wie •I: 23. Es ist also ausgeschlossen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.