Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1919)
- Date
- 1919-01-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Seite 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU J _ י - - ..—. nisiisclie Vereinigung für Deutschland soll deshalb im Anschluß an die in' Berlin und den Universitätsstädte״ und Städten mit gut aiisgcbildetcm kaufmännischen Borthikinimswcseu bcs'.eheiuien Vorlesungen. Seminare und Kurse'’ Ausbildungsmöglichkcitcn emrichtcn, die den inu״en Kaufmann neben- oder liaiiptberiiflicb ״״- tcrrichten, u. a. in: Tropenhygicnc, Sprachen (Hebräisch, Englisch, Französisch, Arabisch). Landesrecht. Handelsgeographie, Sninariterkunde, Internationales Wechse'recht, Handels- und Export-Technik, Ucbersceverkeiir, warenkünde.*' Ich spreche hier im Namen der Kaufleuie und gelle daher auf die landwirtschaftliche״ Ansbddungsmöglichkeiten nicht ein. Nach diesen Fragen der Einwanderung und der Ausbildung spielen üie b od e ת po I i t i s c!1 c n I ra■ gen die grollte Rolle. Das Motto jeder Bodenpolitik ist, daß nur dort, wo billiger Boden zur Verfügung stellt, ein gesundes Werk entstehen kann. Lichtheims Ausführungen waren wissenschaftlich gut fundiert, und wir können ihm in vielen Punkten beistimmen. Nur dort, wo er die A u f n a h 111 e f ä h i g k c i t d e s L;1 n « e s beurteilt, können wir niclit znstimmeii, da Ruppin nicht damit gerechnet hat, dal! anstelle der langsamen Ent- Wicklung unter der rückständigen türkischen Herrscbait einmal Palästina in das britische Imperium einbezogen werde. Ich betone das ganz besonders, weil ja die Liclulieimsehen Ausführungen eine gewisse Depression eintrclcn lassen können. Es ist datier angebracht, darauf hinzuwciscii, dal! das 'I empo der 111diistrialisieriiiig und Kouierzialisierung voll beschleu- 11 j <י t werden kann. Lichtlieim ist elcr Ansicht, daß die Grundlage die Agrarbasis bilden »null, aber in nein Stadium, in dein Palästina sich heute beliudet und bei seinen Entwickhmgsmöglichkeitcii glauben wir, die wir die kaulmännisdien Verhältnisse studieren, dali das Land schneller und stärker besjedeit werden kann, als Lichtlieim annimint. Ich denke insbesondere hierbei an die Möglichkeit einer ganzen Anzahl von Industrie״, dii־ mit der Landwirtschaft Zusammenhängen, ferner, an Qualitiits- und Präzisionsindustrien nach schveizerischein Muster Ich glaube sagen zu können, dall Lichtheim keine Maximal-, sondern Minimalprin/ipien aufgestellt hat. Hinsichtlich der Bodenpolitik sind wir durchaus für die Nationalisierung des Bodens. Sollte diese aber auf grolle Schwierigkeiten stoßen, so ist kein Cinmd zu der Befürchtung, daß die Bodenspekulation überhandnehmen wird. Ls gibt dagegen ein Mittel, das die deutsche Regierung in Kinutschau angewendet hat, indem sic eine Grundsteuer von ö Prozent kombiniert mit einer Wertzuwachssteuer von 33•;1 Prozent bei Eigcntumswcdisel und einer progressiven Steuer bei Niehtbebammg oder Niehtbenrbejtuag des Landes festsetzte. Wir müssen ferner ■die lan'despolitischen Voraus- Setzungen für Palästina genau studieren und zu diesem Zweck dem deutschen Pal.istinaamt eine Kommission von nationalökonoiniseli geschulten Fachleuten beigeben, die laufend berichtet. Sie wird 'Ersprießliches leisten 'können. Wir müssen z. IS. wissen, ob wir die .Möglichkeit haben werden, Maschinen liir die Landwirtschaft und Prodaktionsmascliiiici! in der ersten Zeit zollfrei eiiizmühreu und junge Industrien gegen japanische und andere Sehlcuderkoukurraiz zu schlitzen. Haben wir auch in eil Igcn Punkten Differenzen mit Herrn Lichtlieim, in einem sind wir einer Ansicht: in dem Prinzip der sozialen Gerechtigkeit. Palästina soll das ,,Land der sozialen Wunder“ sein. Wir wollen zeigen, daß der Jude, wenn er imstande ist. sielt wirtschaftlich gemäß seiner Geistesrichtung auszulcbcn, Unvergängliches schaffen kann. Trietscli-Berlin: Ich kann die von Herrn Goslar vorgcbrachteii Ergänzungen zum Lichtlieim eben Referat nur billigen und möchte mich noch, bevor ich auf das offizielle Referat selbst eingehe, über einen ein- /.einen Punkt mit Herrn Goslar auscitiuiulersctzen. Herr Goslar sagt, wir wollen nach Palästina nur solche Eiemente hitihringcu, die dort eine Lücke ausfüllen. Ich hin der Ansicht, daß jeder Jude eine Lücke ausfüllt, den wir auf welche Art immer nach Palästina bringen, weil er uns mit dazu verbißt, dort zu einer Majorität zu gelangen. Dazu gehören sogar auch Erwerbsunfähige. Jerusalem ist uns durch solche Juden mit Kaftan und Schläfcnlocken erobert worden, und von dieser Eroberung datieren die neuen Palästinabestrebungen, aus denen jetzt unsere große politische Chance entstehen konnte. Auch Erwerbslose können uns also in dieser Hinsicht helfen. Es wird auch — neben dem nationalen Gesichtspunkte — in materieller Hinsicht praktischer sein, Erwerbslose im Klima Palästinas unterzubringen, als in ihren bisherigen Aufcntlialtsländcrn. Ich weil! nicht, wie lange uns Zeit gelassen werden .wird, um zu einer Majorität zu gelangen. Ich weiß nur, daß wir cs alicrschnellsteus tun müssen und darum ist die Lichlheimschc Auffassung der Besiedelung Palästinas in der Hauptsache eine falsche. Wir können uns nicht damit zufrieden geben, daß im Jahre lOüüü bis 20 (XX) Einwanderer nach Palästina gehen. Wir können nicht den gegenwärtigen Schwung, der Gott sei Dank ״ im Judentum entstanden ist, zehn Jahre auf Eis legen. Weder unser Volksclement, noch die politische Chance wird uns so lange geduldig zur Verfügung stellen. Das Lichtlioimsche Referat ist so umfangreich, daß man es nicht erschöpfend behandeln kann. Ich beschränke mich daher auf wenige Hauptfragen. Zunächst Herrn Lichtheims und Herrn Dr. Hantkcs Bemerkungen zur politischen Frage. Es ist uns gesagt worden, — ungefähr mit diesen Worten — daß bei uns ״alles in Ordnung“ ist. Die Vorarbeiten (die manche vermißten), sind ״toi bestem Gange“. Ich habe heute vormittag zum Erstaune[! vieler festgestcllt, dali in einer der einfachsten Fragen, in der üreuzfragc, unsere oberste Lehmig komplett versagt hat. Können wir da glauben, daß die uns unbekannten Verhandlungen politischer und kolonisatorischer Natur in Ordnung gehen? Wenn uns hier nichts Näheres darüber gesagt wird, so-ist das ״Geheimdiplomatie“, Herr Liehllieim hat in seinem Referat eine Menge tatsächlicher Angaben mit Ziffern von Ruppin und Oettinger angeführt. Diese beiden Herren gelten ja bei uns als Autoritäten in Koionisationsfrageit. Ich will ohne weiteres /.״geben, daß beide ihre großen Vorzüge haben. Besonders Ruppin ist unstreitig uer beste Vcrwalltings• mann, den wir besitzen. Aber wo er von Kolonisation«* müplichkciteii in Palästina spricht und von einem bcstimmten Maß an Land und Geld, um die Kolonisation zu betreiben, da kamt ich ihm keineswegs folgen. Wie seine Art der Darstellung ist, will ich an einem kleinen Beispiel zeigen. Herr Dr. Ruppin hat einen Aufsatz über den Libanon veröffentlicht. Hier zeigt er, daß im gesamten Landesdurchschnitt eine Familie nicht mehr als einen halben Hektar Land zur Verfügung hat und mit einem Jahreshudget von 100 M. per Kopf auskommt. Was er aber über die jüdische Kolonisation sagt, steht im krassesten Widerspruch z.u dieser Dar- Stellung, auch wenn man allerlei Unterschiede berücksichtigt. ■ * Oettinger verlangt bei seinem Schema noch größere Anbauflächen und mehr Geld als Ruppin und stellt dem Rentabilitäten entgegen, die von vornherein absolut entmutigen müssen. Lassem Sie sich durch diese Angaben lind Widersprüche nicht täuschen. Mau ist bei uns in voller Unkenntnis gerade über die Hauptfragen und will sich nur diese Unkenntnis nicht merken lassenI Warum hat Herr Lichtheim beute Prof. Ballod nicht genannt? Ballod hat uns zum erstenmal auf die Milliaideuwirtschaft liingcwiesen. Er kam auf Grund eingellender Berechnungen auf ein Geldcrforderiiis von 31 ■i Milliarden bei einer Einwanderung mul Niederlassung von o Millionen Menschen, also auf etwa 6'M) M. Ansiedhmgskosteii per Kopf. Das sind doch andere Ziffern als bei Oettinger und Ruppin. Ich habe nichts darüber gehört, daß Ruppin sieb zu den Ballodschen Ausführungen geäußert hätte, dagegen weiß iclt von Oettinger und mich von Kaplansky, daß sie die Ballodselten Ausführungen sehr ausführlich und voll höchster Anerkennung besprochen haben. Oettinger bemerkt ausdrücklich, daß die Halludsclie Darstellung im großen mul ganzen‘ richtig sei. Ich möchte mm fragen, wie lassen sicli solche Gegensätze vereinen? , ,, Wem׳, wir uns nicht über diese grundlegenden Fragen "Klarheit verschaffen, daun ist unser Werk zum Mißlingen verdammt. Bei Ballod ist eine schnelle Massenkolonisation sehr wohl möglich, hei Oeltinger und auch, wie Sie heute von Herrn Lichtlieim gehört haben, bei Ruppin nicht. Wie kommen wir nun aus diesem Widersprucli heraus? Ich glaube nur dann, wenn wir selbst diese Fragen zunächst eingehend diskutieren. Ein Anfang dazu ist gemacht. Heute zum erstenmal haben wir ein gründlicheres Palästinareferat gehört, das allerdings für 20 Jahre Zionismus nicht reicht. Wir brauchen heute vielleicht für die Diskutierttng dieser Fragen einen besonderen l'alästinakougreß. Es ist hier gesagt worden, wir Juden sind kein landwirtschaftliches Element und müssen cs erst in langsamer Entwicklung werden. Ich glaube, daß wir dazu keine Zeit haben. Ich werde Ihnen zeigen, wie mau die Lücke, von der liier gesprochen wurde, ausliillt. Man geht in der Palästiunt'rage an einem I laüptprin/ip vorbei. Wir müssen uns darüber klar werden: Was können die Juden? Was braucht das Land? Das Land braucht eigentlich mir dasselbe, was unseren nationalen Mögliehkeiteu mul Erfordernissen entspricht. Wir müssen in nüiglichst kurzer Zeit eine möglichst grolle Zahl von Juden hinbringen. Wir müssen den Zufallserfolg der Politik schnellstens .sicherstellen. Müssen wir denn in erster Linie landwirtschaftliche Kolonisation haben? Nein. In Palästina hat allein schon der llaurau eine Getroideprmluktion, die auf 90 Millionen Franken geschätzt wird, ein Quantum, das für 3 Millionen Linwoluicr ausreicheii winde. Haben S i e dafür zu sorgen, daß dieser Uebersciuiß noch größer wird? Ich glaube zwar nicht, daß diese Zahl ganz stimmt, leider habe ich auch bei Ruppin, der ein großes Buch über Syrien geschrieben hat, keine genauere Angabe finden können, als daß er auch die Ziffer für übertrieben hält, ein etwas magerer und unbestimmter Bescheid. Die Hauptfrage ist aber, ׳braucht denn hiernach unser jüdisches Palästina sofort eine große Landwirtschaft? Wir müssen doch zunächst die Existenzform finden, die sich für uns Juden am besten ngnet! Was braucht das Land? Getreide braucht es vorerst nicht, aber cs braucht Industrie. Die Juden sinu in ihrer großen Mehrzahl Handwerker und Industriearbeiter, oder sie sind dazu hervorragend geeignet, auch soweit sie Händler sind. So viele Händler, als wir jetzt haben, werden wir dort nicht brauchen können. 111 der ־Umschichtung der Kaufleute liegt die größte Schwierigkeit. Die kleinen Kaufleuie müssen einen Weg zu einer Form der Landwirtschaft finden, den während des Krieges auch!unendlich viele deutsche (und — besonders in Rußland — auch jüdische) Kaufleut? gefunden haben. Zur Bewirtschaftung kleiner Bauntpflaimmgcn gehört keine sehr große landwirtschaftliche Vorkenntnis. Was ich proponieren möchte, ist eine Kolonisationsform mit intensivster Landwirtschaft, etwa Baumzucht nnd Gcmüsennlagcji in Verbindung mit Gewerbe und r!Klustrie und mit kaufmännischen Berufen. Hier entfällt jede schwere landwirtschaftliche Arbeit, hier hat inan die Möglichkeit, auf wenigen hundert Quadratmetern einen wesentlichen Teil des Unterhaltes zu gewinnen. Dies ist eine Form, die sowohl unseren Menschen, die in Frage kommen, wie unserem Lande angepaßt ist. Wem! mqn einwendet, dali wir die Landwirtschaft unseres Volkes wegen brauchen, so ist das richtig und wir werden gerade auf diesem Wege am schnellsten dahin gelangen. Nicht bloß Gartenstadt und Industriedorf, sondern auch die Großkolonisation und Getreidewirtschaft brauchen wir, aber nie und ninuner solle« die Zahlen, die hier offiziell genannt wurden, die obere Grenze für die Einwanderung bestimmen. Ls ist selbstverständlich, daß man bei der Schaffung von Industrie soziale Spbadcn vermeiden soll. Aber dies kann nicht so weit gelten, dali man die Industrie selbst vermeidet. Ein in sozialer Beziehung so hochstehendes Volk, wie die Juden, wird auch Mittel und Wege finden, wie man kapitalistische Auswüchse vermeidet. Aber verlangen Sic nicht gleich als erstes den letzten Schritt in dieser Sache und. verscheuchen Sie nicht die Menschen, die auch mit Kapital nach Palästina gehen wollen. Die Leute, die mit allen ihren Kräften und Mitteln nach Palästina streben, soll man nicht durch die Dummheit eines verstiegenen Sozialismus, de» man erst in den letzten 6 Wochen liier zustandegebracht hat, ahschrecken. Im Zusammenhang mit der Sozialisierung■ oder Nationalisieriuig des Bodens möchte ich bemerken, daß es sich bei unserer Kolonisation um die intensivsten Formen der Bewirtschaftung handeln muß, denn wir haben jin Laufe der Zeit mehrere Millionen Menschen .׳mzusicdcln, und da müssen wir von vornherein so rechnen, daß auf den Linzelneii nicht allzuviel Land entfällt. Wir haben in Palästina alles in allem etwa drei Millionen Hektar Boden, wovon mir die Hälfte im üblichen -Sinne anhaufällig ist. Ich stelle mir die Sozialisierung so vor, daß wir Mittel und Wege suchen müssen, die einen Ausgleich zwischen unseren nationalen Institutionen lind der Privatinitiative finden, Wir brauchen für die drei Millionen Hektar, wenn wir als Preis nur je 100 M. anndtmen, bereits etwa dreihundert Millionen Mark, und dieses Geld werden wir, selbst wenn das Tempo der Sammlungen noch so sehr beschleunigt wird, durch unsere bisherigen Institutionen nicht uufbringeu. Deswegen sage ich Ihnen nochmals: Machen Sie keine Propaganda gegen das Privatkapilal, welches in Palästina’ Land kaufen will. Ls gibt genug Wege, um, auch bei privatem Landkauf Mißbräuche zu vermeiden. Liehlhcim sagt, wir brauchen ein ObercigciiUiin mit Enteignung des bisherigen Grundbesitze■.. Ich bin aber der Ansicht, daß man gerade bei ()hcrcigciituin keine Enteignung braucht. Nach meiner Ansicht sollte der Begriff Obcreigcntum darin bestellen, daß der Nationalfomi tiiitl durch ihn die Privatleute die Möglichkeit haben, Land zu kaufen, soviel sie wollen. Kein Jude wird heule in Palästina Land kaufen mit der Absicht, cs später in Jiichtjüdische- Hände fallen zu lassen. Ein jeder wird dem Nationalloml gern ein Vorkaufsrecht einräumen, gegen welches der Nationalfond greifbare Vorteile bieten kann, wie Hilfe beim Kauf durch Rat und Stellung von Fachleuten, ferner Rechtsschutz, Einbczichtmg in Mcliorationspläne 1 uidwi tschal'tlicher, tcclinischcr und sanitärer Art usw. D e eigenen Liiulkäufe des Nationalfouds werden den Preis auch de, übrigen Bodens niederhalten. Mit solchen Modalitäten werden wir die Sicherung gegen alle Mißbräuche finden. Auch das schon jetzt in jüdischem Besitz befindliche Land kann so in das Obcreigcntum des Na'.ionnifoiids über* gehen. Diese Form nimmt auch nicmaiuicm das so wichtige Besilzgefühl und Be«itzrc׳cht. Ich hin aber weiter der Ansicht, daß wir nicht nur trachten müssen, wo und wie wir die Mittel aufhringen, sondern wir brauchen auch die richtigen Per׳söniichkcücn. Heute haben wir sie noch nicht, in keinem unserer Institute. Weder im Aktioiis-Komlice noch int Nationalloinl, noch auch für die Koioiiivitionsirageii in Palästina. Die politische Lage erfordert aber gehieterisch, dali wir du■ politischen Möglichkeiten, die sich uns in diesem Momcnic (und ich weiß nicht, wie lange) bieten, mm auch schnellstens ausiuu/en. indem wir das Maximum an Kolonisat 011 leisten, tl.1< uns auf irgendwelchem Wege möglich ist! In diesem Sinne stelle ich die folgt mlcn neiden Anträge zu 11 a m e n 11 i c h e r A!> s t i in m u 11!׳: 1. Der Ik’lcgiertentag nimmt das Lichtluitn-dte Referat mit Anerkennung für die crnstluiite l'.earbciumg zur Kenntnis. Er kann sich alter dem sch", crcii Hedenken nicht verschließen, daß der Standpunkt dieses offiziellen Referates auch der der Leitung sein könne Der Dclegicrtciitag nimmt mit aller Entschiedenheit gegen den Huiiptgcsiclitspimkt des offiziellen Referates Stellung, wonach die Einwanderung und Kolonisation für viele Jahre nur im geringen Umfange möglich sein würde. Er sieht in diesem Standpunkt die große Gefahr, daß der Zionismus damit die Führung in der bcvorstehenden Auswanderung nach Palästina und gleichzeitig dadurch auch die große politische C.haute ver- Heren könnte, die ohne eine baldige starke mul ieistungsfaltige Einwanderung uns nicht reserviert bleiben du fte. 2. Der Dclegiertcnt.ig sprich! sich wie selbstverständlich - für die besten jeweils möglichen sozialett Verhältnisse in unserem Aiisiedlniigsucrk in Palästina «ns. Aber er leimt entschi.-den jede Stellungnähme oder Maßnahme ab, die den Zuzug größerer oder kleinerer Kapitalisten, deren Mitwirkung in unserem Ansiedlungswerk als lebenswichtiger umi vollberechtigter Faktor nuzuschcn ist, beeinträchtigen könnte. Sache der Landesgesetze oder der Statuten unserer kolonisierenden Faktoren wird es sein, Mißbrauch der Kapitalmacht zu verhüten. Dr. Aucrbach-Münchcn: Ich glaube, daß ich in ihrer aller Namen spreche, wenn ich dem Reterenten unseren allerherzlichsten Dank für das überaus griindliebe Referat zum Ausdruck bringe. Es wäre aber vielleicht gerade deshalb wünschenswert gewesen, wenn ein bei Kongressen schon mehrfach geübter Brauch durchgcfiihrt worden wäre, das Referat uns vorher im Druck vorzulegen, damit wir die Möglichkeit gehabt hätten, dazu Stellung zu nehmen und uns vorzuberetten. Herr Goslar sprach von einer Bebauungspflicht, die man in Anwendung bringen könnte, um die Ter• rainspekulation zu verhindern, und die Verwertung des Hodens sicherzustellcn. Ein solches Gesetz bestand unter der türkischen Regierung und hat nichts genützt. Denn alles ist angewandt worden, um sich diesem Zwang zu entziehen, und dies wird nur intensiver getan werdep, wenn dieses Gesetz übernommen wird. Herrn Trictsch möchte ich mich mir entgegen«!(■!• len wegen seiner Eile, die er hat. Wir liahen alle Fde, den Aufbau des jüdischen Volkes vor sich gehen zu schul, aber ich glaube, daß wir uns durch Ucbcrstitr/im,• nicht auf fatsche Wege drängen las-.cn dürfen. F- . «t wahr, daß uns Palästina in den Scholl gefallen ist, wie Polen den Polen, durch politische Konstellationen tutd nur zum kleinen Teil durch unsere Arbeit, aber wir können mit größter Sicherheit darauf rechnen, daß eine Uebergangsfrist von einer Generation uns gegeben sein wird. Wir haben es nicht nötig, urn jeden Preis die ״ Majorität zu erreichen, diese nützt unk gar. nichts. Wir müssen das Land crnrlviten. Dann werden wir auch ohne Majorität das leitende Element des Landes sein. Wir sind es auf emi gen Gebieten schon heute und werden es in wenig(״ | dtden auf allen Gebieten sein. Ich würde es für ein U'ngmVk halten, wenn wir eine neue Kluft schaffen zwischen den Arbeiten, die wir jetzt vornehmen müssen, um die Agrarisicrung zu erreichen, , und dem Bestreben, den