Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1919)
- Date
- 1919-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Volke gehören soll, 11 aß Spekulation, Bodenwuchcr mul egoistisches, volkswirtschaftlich schädliches Streben nach Großgrundbesitz für iuiiucr aus Palästina verbannt werden soll. Die Beseitigung des Privateigentums an Grund und Boden bedeutet nicht die Beseitigung des Besitzgefühls, das wertvoll und für die landwirtschaftliche Kolonisation unentbehrlich ist. Wir fordern ja das Erbpachtsystem. Jeder Jude, dc'r sich in Palästina aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe des Nationalfonds und ähnlicher Institute ansicdclt, soll ein Stück Boden, das eine gewisse Größe im allgemeinen nicht überschreiten darf, in gewissen Fällen mit Haus und festen Anlagen, für sich 'und seine Nachkommen in Erbpacht erhalten. Er soll seine Gebäude, seine Wirtschaft, seine Pflanzungen darauf errichten in dem Gefühl, sieh und seinen Nachkommen ein dauerndes Heim zu schaffen. 111 welcher Weise der Gedanke der Nationalisierung des Bodens verwirklicht werden kann, soll hier im einzelnen nicht erörtert werden. Diese Frage bildet einen Teil der von unserer Leitung geführten politischen Verhandlungen. Läßt sich dieses Prinzip durchführen, so nähern wir tms auch der Lösung der äußerst schwierigen I rage, in welcher Weise wir den für die Kolonisation nötigen Boden erwerben können. c) Die Erwerbung des Bodens. Diese l'rage bietet ganz bedeutende Schwierigkeifen. Eine ungefähre Schätzung besagt, daß der knlturläliigc Boden Palästinas etwa ein bis anderthalb Millionen Hektar ausmacht. Welche Ländereien kommen nun für die Kolonisation in Frage? Ls sind im wesentliehen drei Arten von Boden zu unterscheiden; nämlich 1, herrenloses Land, das sieh weder im Besitz des Staates noch einzelner Personen befindet und zu welchem man auch gewisse Grundstücke rechnen kann, die schon vorübergehend von Arabern in Besitz genommen, jedoch im Grundbuch noch nicht als fester Besitz eingetragen sind; 2. die Staatsländereien, welche früher dem Sultan Abdul-humid gehörten, sowie Kirchenlätulcreien und 3. in Privatbesitz befindliche •Gebiete. Bei der jetzt bevorstehenden Neuordnung der Verhäilnisse darf man amtehmen, daß uns das herrenlose oder «och nicht im Grundbuch eingetragene Land gegen eine gewisse Entschädigung oder auch ohne Entschädigung überlassen wird. Dabei handelt cs sich jedoch naturgemäß um die am wenigsten kiilturfähigen Gebiete,• die man freilich auch verwenden kann. Hier sind beispielsweise die Dünen am Meeresufer zu nennen, die durch Bopflaii/tmg nutzbar gemacht werden, können. Diese Ländereien sind jedoch nicht sehr umfangreich; cs handelt sich schätzungsweise um 130 000 Hektar. Von größerer Bedeutung sind die an zweiter Stelle genannten Ländereien, die dem Staate oder frommen Stiftungen gehören. Unter diesen befinden sich sehr wertvolle Ländereien, die allerdings /tun Teil erst grüiullieh assaniert werden müssen. Es handelt sich schätzungsweise um MO000 Hektar, doch können wir lür unsere Zwecke nur etwa mit der Hälfte, also 70 000 Hektar, rechnen: Die andere li.älttc müßte den Pächtern, die jetzt darauf aiigesiedcit 1sind, und der staatlichen Gesamtheit verbleiben. Insgesamt könnten wir also damit rechnen, aus den Sfaatslündereien und herrenlosen Gebieten rund 200 000 Hektar zu erhallen. Nun sind •aber nach Ruppins Schätzung, der vorwiegend mit intensiver Gartenbaukultur rechnet, zur Anstellung von 100 000 Familien 380 000 Hektar erforderlich, nach Oettingcrs Schätzungen «Jur •das Doppelte. Somit sind wir in die Notwendigkeit versetzt, Boden aus Privatbesitz zu erwerben, und wir müssen damit s<* rasch als möglich beginnen, Bei einer Betrachtung dec patästincnsischcn Hcsilzvcrhliltnissc ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit, daß wir bei der Erwerbung aus Privatbesitz in erster Linie an die Aufteilung des arabischen Großgrundbesitzes hcrnngchcn müssen. Der bäuerliche Kleinbesitz, der in Judäa schon heute überwiegt, muß nach Möglichkeit geschont werden. •Wollen wir den arabischen Großgrundbesitz, dessen Aufteilung eine Volks!1 wirtschaftlich durchaus gerechtfertigte Maßnahme darstellt, in unsere Hand bekommen, so werden wir in der einen oder anderen Form zur Enteignung schreiten müssen. Das hiermit große Widerstände und Schwierigkeiten nusgclöst werden, ist ohne weiteres zuzugeben. Die Lösung des Problems ist noch am ehesten dadurch ■möglich, daß wir den Grundsatz der Nationalisicrung des Bodens aufstellen. Wenn die eutstehende jüdische Gemeinschaft das Obcrcigcnluin am gesamten Boden «־hält, und wenn sie zugleich bcrechtigt ist, allen Besitz, der eine bestimmte Größe überschreitet, gegen Entschädigung zu enteignen, um ihn in Form der Pacht wieder zu vergeben, so haben wir den Weg gefunden, den für die Kolonisation nötigen Boden zu erlangen, ohne daß die öodenpreisc maßlos in die Höhe getrieben werden, d) Die landwirtschaftlichen Betriebsform c n. Wir kommen nun zu• der überaus wichtigen Frage, welche Betriebsformen in der palästinensischen Land- Wirtschaft entwickelt werden sollen. Es wird dabei vorausgesetzt, daß aller Grund ,und Boden sowohl der genossenschaftlich betriebenen Güter wie auch der im Emzelbcsitz befindlichen Betriebe sich im Obcreigciitum der Gesamtheit befindet. Es ist zu prüfen, welche Betriebsformen den Bedürfnissen und Neigungen der Juden entsprechen und welche sich am besten den Land/!sbedingunge11 anpassen. Da Palästina verhältnismäßig klein und unsere Volkszahl groß ist, so müssen wir größte Intensität der Bctriebe anstreben, damit auf möglichst 'kleinem Areal eine möglichst große Bvvölkcningsmengc siedeln kann. Dieser Forderung kommen die Landosverhältnissc Palästinns durchaus entgegen. Seine wirtschaftliche Zulumft beruht in erster Linie auf intensiver Gartenbaukuliur. Es ist bekannt, daß schon heute durch den Anbau von Wein, Orangen, Mandeln und Oliven eine Reihe blühender Siedlungen geschaffen worden ist. Anderc Kulturen werden sicherlich■ noch angeführt werden, und insbesondere sollte der Gemüsebau, der bisher sehr vernachlässigt wurde, gefördert werden. Es ist häuiig darauf hingewiesen worden, daß mit der sögenannten Monokultur, mit der einseitigen EuUvicklimg gewisser Baumpflanzimgeii Schäden für die Gesamt- Wirtschaft verbunden sind, und es wird deshalb empfohlen, dem Getreidebau und der Viehzucht größere Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Kritik ist in gcwissen! Umfaime richtig; auch soll darauf liingewLsen werden, daß <lic einseitige Pllan/.ungskultur große Kapilalinvestierungcn erfordert, während Getreidebau, Eutterban mul Viehwirtschaft billiger sind und dazu den Vorteil rascheren Ertrages haben. Es darf aber nicht verschwiegen worden, daß der Getreidebau für Europäer in Palästina bisher unrentabel war. Ob sielt dies in nahet• Zukunft ändert, steht dahin, doch äußert sielt auch OetlingiT im allgemeinen skeptisch, wenngleich er stärkere Pflege von Getreidebau uild Viehzucht for* dort. Ruppiit schreibt, daß der Getreidebau bei der landesüblichen einfachen Betriebsweise trotz Anwendung europäischer Maschinen nur minimale Erträge abwirft. Reiner Getreidebau wird daher von keiner Seite pmpfohlen, vielmehr wird zur Anlage gemischter Betriebe geraten, die Pflanziiiigsbau, Ackerbau und Viehzucht vereinen. Auf diesem Standpunkt steht insbesondere Oeitinger, während Ruppin auch gegen die Anlage reiner Pflau/.ungskulturcn keine Eimvämle erhebt. Gegen die Anlage von Pflanzungen wird häufig ciiigcwcndct, daß der Pflanzer ein Unternehmer sei, der nicht mit dem Boden verwachsen ist, zumal er Lohnarbeiter verwendet. Wir kommen auf die Arbeiterfrage noch zurück. Diese hat mit der Frage, ״Pflanzungen oder Getreidebau“, an sich nichts zu tun. Ein Getreideballer arbeitet ja ebenfalls mit Lohnarbeitern, wenn seine Mittel ihm die Einrichtung eines größeren Betriebes gestatten. Und gerade der Pllanziiugs- und Gemüsebau ermöglicht die Aiisiedhmg selbstarheitender Klcinkolonisten, die auf gcringer Fläche Baumpflanzimgeii anlegen, Gemüse ziehen und daneben ein wenig Milchwirtschaft und Geflügelzuelit treiben. Von besonderer Bedeutung ist bei der Prüfung dieser Frage, daß nach allen Erfahrungen die Juden sich für einen reinen Ackerbau- und Viehzuchtbetrieb v iel weniger eignen, als für die Gartcnbaukultur, und schließlich darf nicht übersehen werde«, daß letztere eine wesentlich höhere Rentabilität verheißt. Unser Bestreben muß also darauf gerichtet sein, die Einseitigkeit ‘der Monokultur zu vermeiden und den Getreidebau und die Viehzucht zu fördern, jedoch im allgemeinen stets in Verbindung mit dem Pilmmingsb.m und der Gemüsezucht. Mit diesen Richtlinien entsprechen wir am meisten den natürlichen Landesbedingungen, den Neigii-igen und Fähigkeiten der Juden, der Forderung der Rentabilität und dein Bestreben nach möglichst intensiver Ausnutzung des Bodens zur Aiisiedhmg möglichst zahlreicher Familien, c) Genossenschaften und Einzelbetriebe. Es erlicht sich die Frage, ob die Kolonisation Pakistinas vorwiegend durch laudwirtsclinitlicbc Prodtiktivgenossenschaften oder durch Einzelbetriebe erfolgen soll. Manche Gruppen unserer Organisation bekunden eine besondere Vorliebe für das genossenschaftliche System. Die Gründe dieser Vorliebe sind verschiedener Art. I läufig treffen wir insbesondere unter den jiingeren Elementen der Bewegung die Vorstellung an, daß die Genossenschaft zugleich eine Art idealer Lebensgcmciuschaft sei. Vor einer so schiefen Auffassung, die ziemlich weit verbreitet zu sein scheint, muß doch gewarnt werden. Es soll nicht bestritten werden, daß die Verbindung einer Gruppe junger Menschen, die von den gleiche« Gefühlen beseelt sind und sieh sämtlich als gleichberechtigt gegciiüberstchen, idealistische Gcmeinscliaitsgefühle nuslösen kann. ' Es handelt sich aber hier zunächst um eine wirtschaftstcchnisdic Frage, und es wäre ein Irrtum, de genossenschaftliche Betriebsform für eine notwendige Voraussetzung idealistischer Lebensgemeinschaft zu halten. Eine solche Lebensgcmciuschaft kann sieh überall entwickeln, wo Menschen von vornehmer Gesinnung, von sozialem Empfinden und seelischer Kultur Zusammentreffen. Ob diese Menschen ein Feld genossenschaftlich bestellen, oder ob jeder seinen eigenen Besitz.tntcil bearbeitet, ,ist hierfür nicht entscheidend. Es ist auzunt Innen, daß sich in Palästina eine Anzahl genossenschaftlich bewirtschafteter Betriebe entwickeln werden. Bei der Besitzergreifung ncitgekauftcr Ländereien werden sogenannte Okkupationsgciiossenscliaifcn tätig sein, und wahrscheinlich׳ wird in diesen häutig der Wunsch entstehen, das okkupierte Land für die Dauer vom Nationalfonds zu pachten und genossenschaftlich zu bearbeiten. Es erscheint aber fraglich, ob es dabei bleiben wird. ' Die bisherigen Erfahrungen lassen kein sicheres Urteil über die Rentabililiit solcher Genossenschaften zu. Die Oppenlieinicrschcn Theorien sind von europäischen Verhältnissen abgeleitet. Ob sie sich in Europa in die Praxis Umsetzen lassen, ist zum mindesten fraglich, und ob sic für Palästina passen, liegt völlig im Dunkeln. Vieles spricht dafür, daß die genossenschaftlich betriebenen Güter mit der Zeit unter die Genossen aufgetcilt werden. Die bisherigen Genossenschaften besteht» fast durchweg aus unverheirateten jungen Männern. Mit der Verheiratung abpr verstärkt sich der Wunsch nach eigener Wirtschaftsführung, und zwar nicht nur nach eigenem I laus und Garten, - diese häusliche Form des Eigcnbesitzes erstreben auch die Anhänger der Genosseiischaft — sondern nach individueller, von der Einmischung der Genossen unabhängiger Erwerbswirtschalt im ganzen.. Sollte im Lauf der Zeit bei wachsender Rentabilität entsprechend den Lamlesverluiltnissen der Pflanzlings- und Gemüsebau als die intensivere und aussichtsreichere Wirtschaftsform auf <k׳n GenosscnschafFgiitern mehr in den Vordergrund treten, so wird auch dies den Wunsch nach Aufteilung des Gesamtbesitzes verstärken. Denn bei intensiver Gartenbaukultiir werden erfahrungsgemäß die besten Rcsuitäte erzielt, wen« der Einzelbcsitzer mit seiner Familie einem bestimmten Stückchen Land seinen ganzen Fleiß und seine ganze Sorgfalt zuwendet. Häufig wird die genossenschaftliche Sicdiungsform der privatkapitaUsti־ sehen Wirtschaftsform gegcnübcrgestcllt. Hierzu ist zu sagen, daß der Einzelbetrieb nicht notwendigerweise privatkapitalistisch sein muß. Wenn der Nationalfonds und andere Institutionen die Mittel haben, große Geiioscusschaftsgütcr ein/urichtcn, so können mit diesen Mitteln ebensogut Einzelbetriebe für Klcinsieülcr und ücinpscgürtncr in Erhpachtlorm gesihaffen werden. Es ist also anzuiichmen, daß für die nächste Zukuiift infolge der Oruppcnauswandcnmgcn, der Bildung von Okkupationsgcnosscnschaftui und dir Vorliebe der jungen unverheirateten Arbeiter für diese Wirtsdinftsform eine Anzahl Produktivgenossenschaften entstehen werden. Doch kann es leicht sein, daß infolge der geschilderten Gegenteudenzcn später eine Aufteilung unter die Oe!u»*se11 erfolgt, und schon jetzt sollte der Nationalfonds daran gellen, neben den Genossenschaften möglichst viele Dauern un'd Kleinsicdler als Erbpächter anzusetzen. f) Die Beteiligung des P r i v a t k a p i t a 1 s. Von manchen Kreisen in unserer Organisation wird die Beteiligung des Privatkapitals ari der Kolonisation mit dem Argument bekämpft, daß der Ansiedler dadurch zum Unternehmer werde und Lohnarbeiter ausbeute. Die Frage der Lohnarbeit ist gewiß äußerst wichtig. Nur sei bemerk», daß sie sieh durch die Gründung von Genossenschaften keineswegs beseitigen läßt. Es wäre sogar denkbar, daß in den Genossenschäften selbst, sobald diese längere Zeit bestehen und sich rentieren, die Lohnarbeit Eingang findet. In jedem wachsenden Betrieb, ihr Ucbersehüssc ah wirft, macht sich ein Bedürfnis nach Verwendung von Hilfskriiften geltend, denen nicht ohne weiteres die Rechte und Gewinnanteile der Betriebsleiter - mögen diese *un Genossi nschaiteri oder Einzelpersonen sein fingeräumt werden können. Es seien hier einige Bemcrkungeu über die Arbeiterfrage überhaupt gestattet. Bekanntiicli wirst die Forderung erhoben, dal! in unserer Kolonisation ausschließlich jüdische Arbeitskräfte verwendet werden sollen. Richtig ist, daß der jüdische Charakter der Siedlungen gewahrt werden und daß möglichst vielen jüdischen Arbeitskiäiten IK1־iitigu11gsmöglichkeit geschaffen werden soll. Es kommt aber häufig vo!r, daß geeignete jüdische Arbeitskräfte nicht vorhanden sind und daß aus diesem Grunde Araber herange/.ogen werden müssen. Dii s gilt insbesondere für gewisse Saisonarbeiten. Es wird sich kaum vermeiden lassen, daß insbesondere in der Erntezeit, wenn große Mengen von Hilfskräften für kurze Frisst benötigt werden, die umwohnenden Araber herangc/ogcn werden. In diesem Zusammenhang muß mit aller Entschiedenhcit betont werden, daß eine chauvinistische araberfcimlliche Politik große Gefahren birgt, und daß ein Boykott aller arabischen Arbeit vom Standpunkt der Klugheit, wie vom Standpunkt der Gerechtigkeit verwerflich ist. Mit sozialistischen Grunds,ät/en, deren Einführung in den Zionismus ja vielfach gefordert wird, hat eine solche Politik grundsätzlichen Ausschlußes arabischer Arbeit jedenfalls nichts zu tun. Allerdings soll dahin gewirkt werden, daß die ständigen Bewohner der jüdischen Ansiedluugen Juden sind und daß alle reguläre Arbeit von Juden geleistet wird. Kehren wir nun zur Frage der Lohnarbeit zurück. Die Gegnerschaft gegen die Lohnarbeit und damit gegen alle Pflanzlings- und sonstigen Wirtscliaftsbetriebe, in welche der Kolonist erhebliche eigene Mittel stecken muß, scheint mir für Palästina weniger als für irgend ein anderes Land zu passen. Es würde zu weit führen, wollten wir uns hier mit der ganzen sozialistischkommunistischen Theorie auseinandersef/en, die den theoretischen Sozialismus von Marx, der ja im wesentliehen die Verstaatlichung der Großbetriebe will, weit hinter sich liillt. Wir werden nicht darum hcruiiikonimen, uns in Palästina mH den sozialen Fragen, die die Gegenwart auf wühlen, auseinandcr/uset/cn. Wir sollen dieser Auseinandersetzung nicht aitsweicheit. Wir sollen die Forderung der sozialen Gerechtigkeit, die heute auf allen Gassen ־— für feinere Ohren vielleicht schon überlaut -- ertönt, im jüdischen Sinne erfüllen, wir sollen sic nicht als Forderung für eine jenseitige bessere Welt aufstcllen, sondern aus ganzem Herzen mul mit ganzer Kraft versuchen, sie in dieser Welt der Wirklichkeit,!11 unserem täglichen Lehen in die Tat limzusctzcii. Aber gerade, wenn es uns ernst ist um diese Forderung, ,sollten wir das tiefste Mißtrauen gegen alle Schlagworte liegen, gegen jenen billigen Radikalis- *Mts, der sich in Worten entlädt, statt den mühsamen Kampf mit der Wirklichkeit, der nur auf Grund von genauer Kenntnis der Tatsachen geführt werden kann, niifziinelimcii. Der kommunistische Sozialismus, der dahinzielt, alle Betriebe in Stadt und Land durch Arbeiters gcnosscnschaftcn verwalten zu lassen, führt in gerader Linie auf den russischen Agrarkommunismus Tolstoi-