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Jüdische Rundschau · 1918-12-31 · Heft 58 (31.12.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 58 (31.12.1918)
Date
1918-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 450 Nr, 53 ist und •die Kriiftc des deutschen Zionismus Jahre hindurch stark in Anspruch nehmen wird. Das li, A. C. begrüßt die heutige Tagung und wünscht, das ihre Arbeit in jeder Hinsicht fruchtbringend und ergebnisreich sein möge, und daß die Einigkeit, die in, der Gcsamtorgauisation lebendig ist, auch von deutscher Seite kräftig unterstützt werden möge. Rechtsanwalt Rosenbauin-Wilnn: Indem ich dem Vorsitzenden für die freundlichen Worte und für die Aufnahme dieser Worte bei allen danke, habe ich die angenehme Pflicht zu erfüllen, Ihnen die Grüße der litauischen Zionisten zu überbringen. Der Krieg, der den Juden Litauens sehr große Wunden geschlagen hat, hat ihnen auch viel Gutes gebracht, unter anderem, was nicht unterschätzt werden soll, die enge Zusammenarheit der litauischen und deutschen Zionisten. Die Belebung der zionistischen Arbeit in Litauen Imheu wir in erster Linie zu verdanken den Reisen der 1 lerren Berger und Dr. Ilantke. Aber nicht nur dies: Hunderte von deutschen jüdischen Soldaten haben daran imigeliolfen, daß wir einander nicht nur achten, sondern auch lieben gelernt liaben. Die Scheidelinien zwischen Ost- und Westziouisteii, die bis zum Kriege bestanden haben mochten, sind jetzt geschwunden. Unter den vielen Zionisten, die bei uns mitgearbeitet I1al1cn,_ möchte ich einen Namen hervorheben, das ist unser Freund Herr Hermann Struck, der nicht nur z.uin Wolde der Juden, Litauens, sondern auch zu dieser Annäherung zwischeu den Zionisten beider Länder beigetragen hat. Die Konferenz der Zionisten, die wir kürzlich in Litauen lütten, beauftragt mich, Ihnen die herzlichsten Grüße zu überbringen. Hierauf begann die Generaldebatte. # Die politische Debatte Dr. Klee-Berlin: Es ist in der Tat begreiflich, daß wir Zionisten gerade jetzt besonders erwartungsvoll und freudig gestimmt sind. Wir alle haben das Gefühl, daß wir jetzt an der Schwelle der Erfüllung unserer Hoffnung ste• lscn. Wir wissen nicht, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden, wir haben aber nach allem, was hier gesägt wurde, die Hoffnung, und zwar die begründete I ioftnung, daß in den nächsten Wochen Ent- Scheidungen getroffen werden, die uns unserem Ziele näher bringen werden. Wir müssen natürlich auch in diesem Augenblick nicht vergessen, daß wir in Paiästina nicht die Majorität der Bevölkerung haben. Was verlangen wir heute? Wir müssen Garantien dafür erhalten, daß Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk wird, wobei dieses ״wird“ ganz besonders zu unterstreichen ist. Wir werden alle Forderungen unterstützen, die 1ms die Garantie gehen, daß dieses ״wird“ eines Tages Gegenwart ist. Was gehört nun dazu? Dazu gehören politische Garantien für uneingeschränkte nationale Entwicklungsmöglichkciten in Palästina. Wir müssen elafür sorgen, daß der jüdischen Organisation, die wir, in welcher Form auch immer, begründen, diejenigen Rechte, diejenigen öffentlichen Funktionen übertragen werden, die wir zur Entfaltung unseres nationalen Lebens brauchen. Wir müssen das Recht Imbeil, die Einwanderung so zu leiten, wie sie eien Bedürfnissen der nationalen Besiedlung entspricht. Wir werden weiter die Möglichkeit habefi miissen, alle diejenigen öffentlichen Arbeiten, Eisenbahnen, Hafenbauten, und was sonst immer in Frage kommt, auszufüliren, die anderswo das Gemeinwesen als soldies ausführt. Wir werden Garantien dafür verlangen müssen, daß in dieser Beziehung uns völlig freie 1 iaiul unsern wirtschaftlichen Notwendigkeiten entsprechend gegeben wird, daß uns auch, was die Uebernahme von Land betrifft, ausgedehnte Rechte eingeräumt werden. Es ist ganz selbstverständlich, daß wir in jeder Beziehung kulturelle Autonomie haben müssen, daß wir «las gesamte lT/iehmigsweseu vom Kindergarten und der Volksschule bis hinauf zur Hochschule nach unseren nationale״ Bedürfnissen reg,ein, wobei es *elbst verstandlieh ist, daß die hebräische .Sprache als die nationale Sprache des jüdischen Volkes an/iierkenneii ist, wie es weiter selbstverständlich ist, daß der Sabbath und die jüdischen Feiertage des Landes anerkannt werden. Darüber hinaus werden wir verlangen müssen, daß von Anfang an uns die 1 o k a I c S c 1 h s t v c r w a 111111 g eingeriiumt wird, die uns die Möglichkeit gibt, unsere Siedlungen ungestört zu organisieren, daß uns seihstverständlich nur!! in der zentralen Landesverwaltu״;; der entscheidende Einfluß gesichert ist, der uns ermöglicht, die lokalen jüdischem Siedlungen von einer Zentralstelle aus zusmiinicnzufasscn und *’in dem Sinne zu regieren, in dem wir sie verwalten wollen. Ls hat in diesen Tagen der Kongreß der amenkaniselien Juden getagt. Dieser Kongreß in Philadclphin, der die 3 Millionen Juden der Vereinigteil Staaten vertrat, und gewiß eine Tagung darstellt, die für das M Millionen-Volk der Juden von außerordentlicher Bedeutung ist, hat in Bezug auf Palästina eine Resolution gefaßt, der ich mich voll anschlielieu möchte. Die Resolution besagt, daß der Kongreß seine gewählte Friedensdelegation beauftrage, daß gemeinsam mit anderen jüdische״ Organisationen dahin gewirkt werde, daß der Friedenskongreß die historischen Fordenmgen des jüdischen Volkes auf Palästina anerkenne. Der Kongreß erklärt, daß er in Uebcreinstiinniuiig mit den von den Alliierten und von Wilson abgegebenen Erklärungen einverstanden sei. Es müsse eine derartige politische Atmosphäre geschaffen werden, daß die Entwicklung Palästinas unter der Sa c 11 w a I - t erschaff Großbritanniens, das im Auftrage des zu errichtende״ Völkerbundes wirken wird, zu einem jüdischen Gemeinwesen sicher siehe 11 soll, Ich brauche über diese Eonnci mir ein Wort zu sprechen. Ei״ lm. abhängiger Jndcnsfant in Palästina ist heute nicht snoglieh. I (■ mag die Sehnsucht von 1ms allen sein, eiii hieal das wir alle in Herzen tragen und für dessen Erfüllung wir arbeiten. Was aber schon heute erreicht werden muß, ist die Anerkennung der Juden als Volk, der Eintritt des jüdischen Volkes in den Völkerbund und, daß die im Völkerbund vertretenen Mächte eine Art idealen Protektorates über das nationale Heim des jüdischen Volkes übernehmen und die Sachwalterschatt Englands bestätigen. Unter dem Protektorat der gesunden Kulturwelt, aller Völker der Erde, werden ] II E D12 c wir Palästina zu 01:1׳.־.־, j1'•׳ >!. «."•cneu ״•»,!..״ס. Zur Losung dieser Ai.ist zur.•־:׳’ c f;1 :<״,״׳:,so,u; Einheit des jüdischen V;>;i,־.־; -Goß•.., Fm,nini!ho Empfindung, daß die u: 'i:,:.׳; oer /.;osu:111!..׳;!/) 0.1:!׳>•;״- sation irgendwie hediwlit :׳״*!. 'Venu ttl::-rl1anpt eine Gefahr bestellt, so liegt sie i;1 ein׳־.־;) 1,1 .׳,vi.011 ׳ Kleinmut bei uns eher als in iirend einer Absicht von einer an* deren Seite. Es ist nötig, diesen Kleinmut hei uns zu bekämpfen. Ich zweifle nicht .nt der Einigkeit in unseren Reihen,!Je ist notwendig für die Durchfiihrung der P;!!:istin׳<־'.rhcit. Sk* ist aller auch nötig für die Durchführung der nationalen Autonomie in allen Ländern, in denen wir diese nationale Autonomie erstreben. Nur ein geschlossenes jüdisches Volk wird wirklich ein Mnchtfaktor nein, Die nationale Autonomie im Osten, auch in Polen, für deren DureUführung wir die gesamte Kraft unsere!; Volkes einsetzen werden, hat zur Voraussetzung geschlossene Einigkeit, ich bin überzeugt,!laß einem national geeinten jüdischen Volke die Schmach von Lemberg erspart geblieben wäre. Ich habe von Leinherger Juden den Auftrag, Ihnen die!teste verbrannter Thorarolleu und Gebetmantd aus der großen Leinherger Synagoge zu übergeben mit der Bitte, sie zum Andenken an das Eiend des jüdischen Volkes aufzubewahren, und als Schätze, die uns erinnern sollen an die grauenvollen Tage, die wir durchlebt haben, und die wir nicht vergessen wollen und nicht vergessen _ dürfen. (Der Redner fegte die verkohlten Reste' von Thorarollen mul Tliallcsiin auf ׳den Tisch des Präsiiliums nieder. Die Versammlung erhob sich). Wir haben für die Einheit des jüdischen Volkes aut der ganzen Welt zu sorgen. Das ist nieht mir eine moralische Angelegenheit, sondern eine eminent politische Forderung. Wir müssen alle Juden, soweit sie auf dem Boden des jüdischen Volk gedankens stehen, zusammeiifassen, um mit denen gemeinsam die große Aufgabe zu lösen, die unserer in Palästina harrt. Wir werden in der Koiigrelidebaife über diese Fragen spredien. Sie werden hören, daß der Gedanke besteht, die Kongresse der.auf dem IkwJeu des jüdischen Volkstums stehenden Juden der einzelnen Länder in einen jiidisehen Weltkongreß ziisnmuienzufnsscn als der Reprisentatiou des gesamten jüdischen Volkes auf der Welt, Dieser jüdische Weltkongreß, den wir hoffentlich zustande bringen werden, sollte in Jerusalem tagen. Angesichts so großer Perspektiven können wir voriibergeheii an unerfreulichen Erscheinungen, die uns nicht als Zionisten und nicht als Juden, sondern als deutsche Juden in den Weg treten. Nur wenige Worte darüber. Der Zciitralvcroin Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubeim hat für eine Berliner Mitgliederversammlung eine Resolution vorgeschlagen mit folgendem Wortlaut: ״Da damit gerechnet werden muß, daß die Vertreter der Staaten auf der Friedenskonferenz infolge der tatkräftigen und zielbewußteu Arbeit der Zionisten die den Juden gegenüber einzuschlngeude Politik nusschließlieh mul vorwiegend nach national-jüdischen Gesichtspunkten betrachten werden, muß die deutsche Regierung und müssen vor allem die Vertreter des deutschen Volkes auf der Friedenskonferenz darüber unterrichtet werden, daß tiefgehende Unterschiede innerhalb׳'■ tler deutschen Juden bestellen, <1,111 die deutschen Juden in ihrer überwiegenden Mehrheit den Standpunkt der Zionisten ablehnen und sieh restlos als Angehörige des deutschen Volkes bekennen.“ Darüber ist kein Zweifel, daß der Durchführung unsercr Arbeit solche Dinge sieh nicht mehr hindernd in den Weg stellen können. A\ir als <1 e u t s c 11 e 11 Juden tun aber solche Schritte leid. Das deutsche Volk liegt am Boden. Was die Sympathie des jüdischen Volkes auf der ganzen Welt bedeutet, das wissen Sie und das wissen auch die maßgebenden Miinner in Deutschland. Daß aber Schritte dieser Art, wie sie von der Berliner Mitgliederversammlung des Zentralverein deutscher Staatsbürger geplant sind, eine schwere Mißstimmung unter der nationalen Jmlenheit der ):anzen Welt liervornifen würde, und daß man sieh auf diese Weise die Sympathien des jüdischen Volkes für 'Deutsch-!and verscherzt, solIIeil sieh die Berliner Herren des Zentralvereins der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubeim überlegen, Sie sollten ernst prüfen, oh sie wirklieh Schritte mitcmcluucn wollen, die Deutschland gewill nicht von Nutzen sein werden. Ich wiederhole: Vorkommnisse dieser Art sind nicht entscheidend für die Eneiehung unseres Endzieles. Was. heule entscheidet ist der nationale Wille des jüdischen Volkes, das in der Zionistischen Organisation vertreten ist. Unsere Freunde llodculicimer, Bhimenfeld, Goldmaiin beantragen mit mir, zu beschließen, daß sobald als möglich das zionistische Komitee zimauuucntrctcu möchte, um die E i 1111 e i t 1111 d G e s c h 1 o s s e n h e i t d er z. i o 11 i s tischeu B e w t* g 1111 g a 11 e 11 äußerlich z ti 111 Ausdruck zu bringen. Die geordnete Vcrtrctmig der Zionistischen, Gc.samfoiganisatiou soll alsbald als möglich lagen und ihre Beschlüsse fassen. Unser Antrag lautet: ״Der XV. Delegiertentag der Z. V. I. D. dankt <k־m E. A. C., daß es ihm gelungen ist, im Kriege die Einheit und Neutralität der Zionistischen Organisation zu wahren. Er gibt der_ Ueberzeiigting Ausdruck, daß die ungeteilte Einheit der Zionistischen Weltorganisation auch fernerhin in jeder Hinsicht aufrecht erhalten wird. Er fordert die möglichst schnelle Einberufung des Zionistischen Zentralkomitoos.“ Davis Trielseh-Berlin: Ich harte ursprünglich mich nur für die Palästinadebatte /.um wort melden wollen, si lie mich aber doch veranlaßt, auch im Rahmen dieses politischen Teiles schon das Wort zu ergreifen. _ Herr Dr, Ifanfke hat in seiner aiisgezeiclinclru Eröffnung'.rode mit aller Energie darauf hingewiesen, (laß die große neue politische Konstellation uns weitg,;,licinle Pfliclilcn und Arbeiten niiferlegt. Er sagte, da; jüdische Volk sieht die Koiiscipiciizei! und ist gewißt, sie auf sich zu nelniieii. Ich wurde sehr wünschen, daß das so wäre, aber ich füreilte, wir werden in 1111seren eigenen Kreisen große Widerstände zu überwinden haben. Das eigentliche Palästina-Referat soll uns Herr Liehtheim halfen, 111 einem Artikel, den er soeben in der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichte, scheint mir eine Kluft sieh aufzutun, zwischen dem, was wir voll 1)1. Hantke gehört Italien, und dem Standpunkt der offizielten Rcierenlen über die Palästina;irbeit. Herr Lichtheim verschiebt die augenblickliche Hauptauswanderung auf Amerika ,und die llauptauswanderung midi Palästina auf einen Zeitraum von 10 Jahren. Ich habe stark den Eindruck, daß die Herren, die dieser Ansicht sind, die ungeheuren Möglichkeiten, die der Weltkrieg uns ge• zeigt hat, völlig übersehen haben, abgesehen davon, daß nticli die allgemeinen _ Möglichkeiten Palästinas von ihnen in einer unbegreiflichen Weise unterschätzt werden. Die Einzellieictn hierüber werden im Anschluß an das Liditiieimsehe Referat zu dokumentiere» sein, aber es wäre mir lieb, wenn Herr Liclitheim in seinem Referat hierauf Bezug nehmen wollte, und wenn eine bessere Untcrlage für seine Beurteilung dieser Dinge und für seine Differenz mit dem Standpunkt des Herrn Dr. Ilantke aus seinem Referat klar liervorgche» würde. Wir haben heule einen Uebcrblick bekommen über die Tätigkeit der zionistischen Zentralleitung. Ich muH sagen, tiali das Organisatorische bei uns durchaus in guten Händen ist. Ich glaube nicht, daß etwas \ve• scntlicli Besseres hätte geleitet werden können, imd wir müssen durchaus denen, die diese Dinge bearbeitet haben, dankbar sein für die geschickte Art, wie sie es gcmacht und insbesondere auch, wie sie sich über die schwierige Lage im Kriege hinweggeholfcn liaben. Audi (las allgemein Politische ist durchaus gut gemacht worden. Es hat sich zwar für uns eine Konstellation ergeben, die nicht von uns־ abhängig war, aber die Ver- Wendung der Möglichkeiten, die sich für, uns daraus ergeben, war eine durchaus geschickte, und wir könneu in diesem Punkte vollständig zufrieden sein. Aber schon, wo das Palästinensisch-Politische beginnt, be- (׳innen auch die ungeheuren Mängel, die in unserer Organisation vorwalteii. Ich muß immer wieder sagen, daß über diese Palästina-Dinge bis in die Spitzen unserer Leitung eine grolle Unkenntnis in Jen primitivsten Dingen noch waltet. Und ich will dies mit einigen Sätzen belegen. Ich tue das nicht in der Absicht, Um überscharfe Kritik zu üben, sondern, weil hier ein großer Mangel herrscht, den man überwinden muß, wenn man nicht im Augenblick der allergrößten Aufgabe scheitern soll. Die Unkenntnis beginnt schon bei den Grenzen des Landes selbst. Wir liaben i!1 der letzten Rundschau eine Resolution des Niederländischen Zionistenlnindcs zu lesen bekommen, in der der halbe Libanon annektiert wird. Andererseits hat das Aktionskomitee für eine der wichtigsten Verhandlungen, die nach dem 2. Noveinber 1<)17 stattgefiindcn haben, eine Definition Paüistinas entworfen, in der der entgegengesetzte Fehler gemacht wurde. Aber diese Grenztragen sind keineswegs alles. Es verhält sich ganz ähnlich in bezug auf die Grundfrage der Aufnahmefähigkeit des Landes. Ich möchte Sie nun noch warnen, im Hinblick auf das von Herrn Dr. Hantke angekümligtc, dem Zentralbiiro anzugliederude neue P a I ä s t i 11 a a m t. Damit wird, wie mir scheint, einem Antrag der Berliner Zionistischen Vereinigung vorgegriffen, den ich mit voraulnist habe. An sieh ist es selbstverständlich zu begrüßen, wenn die Leitung bei solchen Dingen nicht erst auf anderweitig(‘ Initiative wartet. Ich fürchte aber, daß das Palastinaamt, das nun schon vorweg eingeleitet worden ist, nicht das sein wird, das wir braliehen, denn unsere bisherigen Palästina Instanzen waren nicht so, daß auf dem Wege de׳r Evolution hier* aus ein Paläsfinaaiiit der Leitungentstellet! dürfte, (las unseren Anforderungen entspricht. Wir brauchen eine weitgehende prinzipielle Aenderiing in der Behänd- 11mg der Paliistinal'ragcii, um erst dann eine ordentliche Palästinabehörde lu־i unserer Leitung zu gewinnen. Ich möchte Sie davor warnen, die bisherige offizielle Beratung der Leitung in Palästinairageii für irgendwie ausreichend zu halten. Für die uns bevorstehenden grollen Aufgaben brauchen wir durchaus eine weitgeliciuh* Umgestaltung unserer Palästina-Instanzen. Aus dem Weltkrieg ist für 1ms eine politische Situation entstanden, wie wjr sie kaum für möglich halten konriteil, aber ich iuaeiie Sie darauf ai’ifmerksam, daß die Sache damit nieht erledigt ist, und in diesen Dingen werden Sie auch keine Möglichkeiten haben, etwas Entscheidendes mit/iitiin. Verlassen Sie sieh daher nicht auf die Politik, sondern auf die tatsächliche Mitarbeit, die Sie zu leisten bereit sind! Berger-Berlin: Nachdem wir jetzt vor vollendeten politischen Tatsachen stellen, möchte ich einen kurzen Rückblick darüber ־״eben, was die Leitung hinsichtlich der Juden ,im Osten unternommen hat. Es war klar, daß wir aut (liiesein Gebiete mit besonderer Vorsicht Vorgehen mußten, und zwar deshalb, weil unsere Arbeit von dem Zionismus in 1 )eutsdilam! ausging, also voll dem Zionismus im Lande des damaligen Siegers, Konnte man mit dem Sieger Politik treiben 0:1111׳ die Interessen der Juden des Ostens zu verletzen? Wir haben es uns von Anfang an zum Prinzip gemacht, daß wir bei unserer Politik fiir die Juden des Ostens niemal, andere Interessen mitspreeheu ließen als ihre eigenen, so wie sie 1ms von diesen Juden selbst, vorget ragen worden waren. Wir liaben uns deshalb immer zmuekgelialten vor jede!!! Eingreifen in die Ostpolitik, das nicht von den berufenen Vertretungen der Ostjudeu gefordert war, (iegeu diese Politik wurden gerade in Deutschland starke l'iuwemlimgeil gemacln, aber es hat sich gezeigt, daß wir Recht hatten. Unsere Politik, hat die Billigung unserer Freunde in Warschau und Wilna gefunden. ״Wir hieben uns immer das Alljüdisclie Vor Augen um! waren deshalb gezwungen, weniger aut große Augenblickserfoige zu sehen, als eine Politik des Ahwarfens zu treiben. Ls war niclft ganz leirht, dauernd eine solche Politik zu "lachen und wir waren gezwungen, :11 Demselilaml selbst ״ach zwei Fronten zu ־kämpfen.’ Einmal gegen die deutsein' Judeiiheit, die au der Frage der (Minden vorbeigegangen ist. Bei der Arbeit für die |ml-. n des Ostens handelte es sich unter den bekannten Verhältnissen 1ms viel weniger darum, sie für ein«• Politik der Ziikimlt v״r/1!bereiicn als darum, sie vor der Politik der Gegenwart zu schützen und sie vor dem Schicksal zu bewahren, das ihnen von deutscher Seite drohte oder bereitet würde. _ Dabei wa'ren uns aber die I Linde gebunden durch die Rücksichten auf unsere Palästinnpolit'k. Umsomehr härten wir erwartet, daß die deutsche Jmlenheit selbst zu diesen ]'ragen Stellung genommen hätte. Sie hat es nicht getan, obwohl ihr das, was sich im Osten ziifnig, gut bekannt war und obwohl wir keine Gelegen* j ״eit versäumt haben, alles was wir \n1H1en, den Ver• freiem der deutschen Judeiiheit mitzuteiicii. Die deut*

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