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Jüdische Rundschau · 1918-12-24 · Heft 57 (24.12.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 57 (24.12.1918)
Date
1918-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wir erwarten von ihnen auch die Bceitiflussung der jüdischen Masse, der jüdischen Organe, dffeiltliciieu Meinung usw." 111 dem Augenblick, in dem wir diese Zeilen schrei• ben, erhalten wir aus einer größeren Stadt Westgaüziens ein Telegramm: ״Ihre Zeitung wird auf dem Bahnhof in Krakau verbrannt.“ Wir fragen den ״Czas“ und alle ehrlichen Menschen in der polnischen Gesellschaft, ob Telegramme und Relationen solchen Inhaltes — und wir erhalten solche Telegrainme zu Dutzenden täglich *— uns unsere Arbeit in Bezug auf die Beeinflussung der Massen im, friedlichen Sinne zu erleichtern geeignet sind. Uns, deren einzige Aufgabe und Berufung — man glaube es uns, oder auch nicht, — die Arbeit um friedliche und versöhnlitlie Beilegung der jüdischen Frage in Polen ist. Indem wir die barbarische und in der Geschichte noch nicht dagewesene Kampfart gegen eine Ideenzeitung mit den verwerflichsten Mitteln an den Pranger der öffentlichen Meinung stellen, fordern wir von der Polnischen Liquidationskommission, daß sic diesem Kampfe ein Ende bereite, die Schuldigen *bestrafe (die wirklich Schuldigen und nicht nur den Eiseubahnarbeiter) und uns die Weiterarbeit ermögliche. Unterdrückung des Lemberger i,Tagblatts“ Das ״Lemberger Tagblatt‘ das zionistische Organ Ostgaliziens, erscheint jetzt, wie ״N o w y D z i e n n i k“ vom 12, Dezember mitteilt, auf Befehl des polnischen Armeckoinmandos für Westgalizien in zwei Texten: der jüdische Text muß in lateinischen Buchstaben gedruckt vorgclegt werden. Dazu bemerkt das Tagblatt»: ״Unsere Tageszeitung erleidet infolgcdcsicn einen bedeutenden moralischen und 11;;)'.::,'- eilen Schaden, den wir allein bestreiten müssen. A:,."־.׳• dem sind wir gezwungen, auf die freie Aeußcrung um scrcr Ansichten und die Erfüllung unserer publizistisehen Pflichten gegenüber der jüdischen öffentlichen Meinung fast vollständig zu verzichten.“ Drohende Haltung der Lemberger polnischen Presse ״Nuwy D z i c n 11 i k“ vom 12. Dezember schreibt: Unberechenbar in ihren Folgen ist die Haltung der polnischen Presse in Lemberg, weiche trotz des furchterliehen Unglückes, das sie über die Lemberger Judenheit heraufbesclnvoren hat, nicht aufhört, zu hetzen und die Atmosphäre zu vergiften, indem sie zur Schikanierung der jüdischen .Bevölkerung aneifert, und auf diese Weise das Terrain zu neuen Pogromen vorbereitet. So schreibt z. B. das amtliche Organ ״Gazetta Lwow ska“ Nr. 258 vom 1. Dezember: ״Um die Ruhe zu stören, wird eine heimliche Agitation betrieben, werden Versammlungen und Beratungen ver• anstaltct, uud mau bemüht sich, durch verschiedene Versprechungen leichtgläubige Geister einzufangen, vor alienr aber gewisse jüdische Parteien in die Aktion einzubczichen, eine bolschewistische Bcweguag hervorzurufen und eine Anarchie zu verur• Sachen.“ Den Gipfel dieser Tätigkeit erreicht der ״W ie k N o w y“ in seiner Nummer 2552 vom 28. No- ■vember: ״Gegenwärtig hingegen fallen imsere Soldaten durch geheim mörderische Schüsse, fanatischer.pol e n f re ss c ri s che r Zionist c n.“ *La 4 6. '•> zc; A.r.c;Hier rtv.3 fudenhetze in erscheinende Dänemark Zeitung* ״Po )er in KCl. iil";1« re: ׳!u;> zuvori Pogromii11d;:£ sich heckteil CS icn entsetzt Häuser. .!:glaubwürdigsten linuug nichts daten; >.־an: 1111 •Warschauer ״A!*beite schrieb der bekannte p o 1 n i :ו c h St ru g einen Aufsatz, i:1 cte.in ca ״Erst heule erfuhr kh an: lässigen Quelle, daß in Lenums opier bestattet worden seien. 1 noch unter den Trümmern der Häuser.. . Es entsetzt die Zahl der Ermord die Zalsl der mit ihren Einwohnern ver Aber am schmachvollsten, am 1! ist, daß die öffentliche polnische M von weiß. Wie auf Verabredung schweige:! alle diejenigen weiche manches darüber mit/uieiica haben. Leute, die aus Lemberg kommen, erwähnen r.iit Unwillen den Pogrom. D i c g a 1 i z i s c h c Presse vcrhülltdie Wahrheit; die V/a r 5 ch 11 פ e r ‘ Presse schweigt. Und die polnische öffentliche Meinung kennt bis jetzt noch immer nicht die• schreckliche Wahrheit. Ob das die Scham unseres Gewiesen» ist? Order irgend eine fürchterliche Gleichgültigkeit? Vielleicht die Scham vor der Welt, vor Europa?... Wir kennen nicht die ganze Wahrheit. Es geschah in Lemberg eine gemeine Grausamkeit. Um die ermordeten Volksgenossen trägt die ganze jüdische Welt Trauer. Es gehört sich, daß wir Polen eine noch schwärzere Farbe aniegen, denn der Massenmord hat stattgefunden in einer Stadt, von der wir uns rühmen, daß sie polnisch sei, weil wir ihr Polcntuim mit unserem Blute verteidigten. Ich fordere auf zur Eingcstehung der Wahrheit: die heldenhafte polnische Jugend und die Soldaten, die für die Verteidigung Lembergs kämpften. Ich fordere sie auf als Mensch, der — solange seine Gesundheit hielt -- polnischer Soldat in diesem Kriege gewesen Ist, Als polnischer Sozialist wende ich mich an die Lern-׳ berger Arbeitergenossen, damit sie die ganze Wahrheit Polen gegenüber eingestchcn. Und nichts als die Wahrheit!... Ohne diese werden wir uns verlieren, werden wir verwildern, werden wir uns gegenseitig morden. ־Es wird bei uns nicht mehr der Bolschewismus entstehen, welcher — entartet und blutbccndclt — dennoch wcnigstens das Merkmal einer großen Idee trägt, sondern ein ungeordneter, höllcnmäßiger Streit und Kampf aller gegen alle. Die Willkür der Faust, die Zuchtlosigkeit einer jeden bewaffneten Bande, die Herrschaft der Lüge und Verleumdung, die Gemeinheit im! Öffentlichen Lc* ben...“ met war. Der Zweck der Versammlung war hauptsächlich die Förderung der Aktion zugunsten den ס ו• promopfer. Reden wurden gehalten von überraimiutr Dr. Ehrenpreis, F. Grüngard, und L. Cha* 6a 110witsch. Die Versammlung stand ganz unter dem Eindruck der Lcmlxirger Geschehnisse, bm poi• nicclier Assimilant, der verlangte, angehort zu werden, entpuppte sieh gleich am Anfang seiner Reue als polnischer Provokateur, sodaß ihm das Wort entzogen werden mußte. Die Aufregung der Versammlung gegen das Bendimeu des frechen Eindringlings war sehr groß. Zeichnungen zugunsten der Pogromopfer der Versammlung entgegengenommen, noch nicht' abgeschlossen. wurden auf Dfe Aktion ist Die in Kopenhagen l a k D a n j i“ (die Polen in Dänemark), die von zwei Herren namens J. M. Dopriowski und Jan J. Kowalczyk redigiert wird, bringt in jeder Nummer auf hetzen de Artikel gegen die Juden. Ein besonders helles Licht auf die polnischen Methoden wirft ein Artikel in Nr. 18 des Blattes, .aus dem hervorgeht, daß die Polen beabsichtigen, die Juden durch wirtschaftlichen ־Boykott zu ruiniwm In diesem Artikel heißt es: ״Unsere Juden haben große Angst um ilir Leben Sie fürchten nämlich die Strafe für alle ihre Missetaten während des Krieges, für ihre■ treuen Dienste gegenüber den Deutschen, ihre Denunziationen und die Aushungerung des Landes. Aus Furcht haben sie auch die Fabel "über zwei Pogrome in Warschau erfunden. Das diensteifrige Wölfische Büro hat diese Meldungen nach der ganzen Welt telegraphiert, während die polnischen Blätter diese Hetze bestimmt bestreiten. Wir werden jetloch eine andere Waffe als wilde Pogrome fegen die Juden führen. Nach dem Kriege werden wir uns zu organisieren wissen und weder vonjuden kaufen noch ihnen etwas ver kaufen Das ist eine bessere und sicherere Waffe, Wenn niemand mehr mit den Juden handeln wird, so werden sie ' schließlich zun» Segen der anderen Völ• ker verschwinden. Wir wünschen' ihnen aufrich tig Glück auf die Reise.־ ״ : jiL•! der Sowohl in Stockholm ab Ja Zürich erscheinen in den nächsten Wochen in mehrere Sprachen übersetzte Broscliürcn, die die van den Polen veranstalteten Pogrome zum Gegenstände haben. Eine Mete der scliv/c ־״^ st •'־) י״׳ י■*» *44ä*j Wiiwii J *•\ **!>■ *־־׳ " «,üw Aus zuverlässiger Quelle erfährt das Jüdische Pre ßbüro i!1 Stockholm׳, daß der schwedische Außenminister Hellner eine Note'an die Gesandten der Ententemächte und Amerikas in Stockholn» überreicht hat, in der er •im Namen der schwedischen Regierung unmittelbare wirksame Maßnahmen zum Schut,ze der jüdischen Bevölkerung in Galizien und Polen verlangt. Der Note wurde das ,Memorandum des jüdischen Komitees in Stockholm über die Judenpogrome in Polen beigefügt. Die Gesandten übermitteilen die Note an ihre Regierungen. Der amerikanische Vertreter sandte auf telegraphischen» Wege eine Abschrift der Note und des Memorandums an den Oberst H o u s e in Paris. Intervention nationale Das Jüdische Pre: An einer großen, Nichtjuden besuchten var, in der der bei Dr. Marmorck sp Stab des serbischen M när G y o r gy « v i c te,' varcr Platzkommnr.dmg bezeugten wicdcrlicii i Juden. Da* Jüdische meldet: Arm 12. Die!:׳ Vereinigten■ g a n i 3a t io neu, die ׳des p 01 n I s CI o;n־te:::׳ ׳־׳*:!ven t \T! *.!-״ Du d apc 81 Seit Pogrome in Ungarn Das jüdische Pressebüro in teilt mit: , . ׳״ , Aus Naszöd (Siebenbürgen) berichtet man: ״ _ drei Wodien wird hier von bewaffneten rumani* sehen Truppen der »ich auch die vorwiegend aus Ku* mänen bestehende B ü r g e r w a c h e nnschlaB, geraubt und geplündert. Der rumänische Nationalrat w Klau* sc ת bürg entsandte eure Kommission, der auch ein Delegierter des S icbe n bürg i s qh c n Judisehen Volks Verbundes angehöit, zur Untersucliung dieser Greucltaten. Fast im ganzen Gebiete des Des zt c r ce - N u szo* der Koinitates wurde die jüdische Bevölkerung in die Flucht getrieben. In der Stadt Bcszterce (Bistnc) wurde ein t ü r c 111 e r 11 c h e r Pogrom veranstaltet. Viele hundert jüdische Familien mußten ihr Heim als Bettler verlassen, ln den Dörfern wurde verkündet, daß die Juden binnen 21 Stunden den Ort zu verlassen haben. < ln Borgojirund wurden durch rumänische Plünderer 170 jüdische Familien an den Bettelstab gebracht. In Hadäs wurden sämtliche jüiLschc Laden geplündert. In Pu ho (Slowakei) wurden viele Geschälte geplündert. Eine jüdisdie Frau wurde ermordet. In Turr.ö (Siowakai) wurde die ganze jüdische Gemeinde zu Grunde gerichtet. In Budapest werden seit einigen Tagen in■ Vorstadt-Schanklokalen aufreizende Reden gehalten, um den Pöbel zu P r o g r o in e n zu verhetzen. Seitens der Polizeibehörden wird■ gewissenhafte Arbeit geleistet, derartige Versammlung es» zu sprengen. ln Vä gor mos arretierten die Tschechen die Juden und gingen von Haus zu Haus um ״Waffen zu guefhen“ nach welchen sie natürlich in Gelds c 11/, jin• ken forschten. der Entente, und der cortailrthchcn Inter- Ausweisung der galizischcn Flüchtlinge aus Ungern Pressebüro in Budapest Dis Jüdische teilt mit 1 Assimilatorischen Kreisen des ungarischen Juden* turns ist es zu verdanken, daß gerade jetzt, wo bei den Kämpfen zwischen Ukrainern und Polen eine Hcimbeförderung der Flüditlinge des ehemaligen österreichisehen Staatsgebietes, für die Betroffenen katastrophal ist, eine Vcrordntuig, welche dieAusweisting der Aus» I ii n d e r, worunter sidi selbstverständlich sämtliche gabzische Flüchtlinge befinden, verfügt wird. Die Exekutive der Ungariändischcn Z ion i stc n-O rg an isa t io n bemüht sädi die Aufhebung bzw. Milderung dieser Verordnung durdizusetzen imd wird mit den vom Jüdischen Nationalrate in Wien entsandten Abgeordneten Benno St rau eher, der bereits unter* wegs ist, gemeinsam voigchen. Aus Budapest wird uns vom 8. Dezember tele• graphiert: Am Mittwoch, 4. Dezember, fand in Budapest eine große Protcstvcroammlung gegen die ga-!izischen Pogrome statt. An der Versammlung nahmen über 3000 Personen teil. Die einstimmig angenommene Resolution protestierte gegen die polnischen Bestialitäten und forderte auf Grund der Wiicsnschen ׳ Pütikte die unbedingte nationale Autonomie für die Juden Polens und die nationale Heimstätte für das jüdische Volk in P:.!ä:,ti:art Sie fordert eine Das Jüdische Gemeinwesen In PallstliiÄ Das Kopenhagcncr Zionistische Büro berichtet: ״J c wi8h Chronicle“ bringt in seiner Nummer vom 15. November den Aufsatz eines anonymer^ Verfaesers. der sich eingehend mit den Grundlagen des künftigen jüdisdien Gemeinwesens in Palästina befaßt. Der Verfasser geht von der Ueberzcugung aus, daß die englische Regierung eine nationale Siedlung für notwendig hält, und zwar nicht nur im Interesse Palästinas, "'"■'־־־■ im Interesse der ganzen Welt, Um dieses erreichen, schlägt der Verfasser diq tagenden soll den Namen *״Israel“ Juden und 1 T e m 0 s - E .'ktcriologe er fccrjivte .em Divicioder ,muß sehevcriclgtcn;־: נ: o I m ,־t o c fc I . , ui ci::e vom nennen, , Da eine rein politische Bwlculun״ daraus folgen, daß alle Bewohne? wctcuer Rasse und Religion Qe aucli sein mö׳ waren und die jetzigen Bev. ' htm des künftigen ־ Volkes 1 pUe IkvÜlkenuig ״Israels*' Ärauc rnohi rael bilden würde natürlich ' O 1 i C! V/id*;ncd.-mir.d1cn Glauben auch d;e Juden jüdischen Glaubens Ci'f.n 1r.;t dem Namen ״Israeliten“ d bezeichnet werfe«. , DÄ und Rl|r d, v.»4,cl:c arabische Frar*e in ״ , ' , . * *“t»e 1« l »iwatiiia n׳elüst u■ *-.״!.״.;gin Ajrükfcr nämlich, die ** " sondern Ziel zu Wege vor: 1. Palästina erhalten. Dieser Vorschlag wird folgendermaßen begründet: Der Name ״ein jüdisches Palästina“ steht in keinen te! Beziehung zq der Nationalität, die innerhalb seiner Grenzen erstehen soll. Die Nationalität Englands ist die englische, die Frankreichs die französische us\v Die Nationalität der Bevölkerung Palästina־! als ״paläsfi•' ncHSiSdi zu bczcrchncn, hätte keinen' 'Sinn. Es wäre wecer für die Alajorität der jetzigen Einwohner bezeichnend noch hätte es, wenigstens hinsichtlich Juden, einen, historischen Sinn. Dieser Anomalie cm Ende gemacht werden. Das kann dadurch Iicn, «iß wir zu dem. biblischen Namen ״Erez Israel'* zuruexkehren und Palästina — Israel ’ schon der Name an sich hätte, so würde daraus folgeh.!» .־•״־; 2 ־־״*« Religion iten wären und di״ r.ä’,äi •••“«'■״« olincr da« würden. iiidi die UaiLiisen, eher Sie alte wurden ״• Volk de.} Lnadea. .arcl! ׳*enteil, von, ״Israel“

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