Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 56 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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u י:׳ ו! «ז , ,11 s<- c V(!• 5, hrtr, •-,!י! ■rU'11 SS Ul iluii- (! 1 - vor 1 u H d::ct lieh- ,׳ /II ätigierte nV.e apwi kam der An',- j;< 1irftc. das Als ition k’rm tastal- :hen lliit* Is in ine 111 der» de re des vnig Jihiß Rede,י de;1 infakeit ur:H׳- eilen $'-<‘11• ‘ III. idn-;11 '.t Nr. ׳)ר JUED1SC fL»*f . u r• t, u Seite 433 Judentums sich der einst als unpatriotisch verschmähten ,joiiistisdien <irundla^c niihern. 1 Sie begrüßt das offene und mannhafte Verhalten des Wiener Ober^tbhiners Dr. Chajes, der im Einvernehmen mit <.r£ österreichischen Organisation für jie nationale Autonomie der österreichischen Juden eintrat. 1. Sic fordert, daß auf Grund des Selbstbestimmung• rechtes der Nationen überall, wo jüdische Massen «vlnien, ihnen nationale Rechte bewiTgt werden. 5. Sie fordert, daß auf dem Friedenskongreß die Vertretung des jüdischen Volkes teilncluue. (1. Sie gibt ihrer Udu־r/cug1mg Ausdruck, daß der V e r t r e t e r U n g arns auf dem Friedenskongreß f ü r die nationale Autonomie der vier Mil* lionen Juden 1*01 e ns eintroten werde. 7. Die uiigariändische Zionistische Organisation nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis, daß der Weltkrieg das Bestreben des Zionismus, in Palästina eine Völkerrechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten, vollauf rechtfertigte, das auch hoffentlich von der Friedenskonferenz durchgeführt wird. S. Ain Wendepunkt des Weltkrieges auf die Frgebnisse der letzten ■l1; Jahre zurüekbückend, spricht die img.irlüiidische Zionistische Organisation ihr Vertrau e 11 und ihren Dank f ü r d i e B e r 1 i n e r Z e n - tralleitung aus, die durch ihre strikte Neuiralitiit die Einheit der Organisation rettete und gibt der Ueher/cuvuiig Ausdruck, daß, wohin immer der Sitz der Zcntralleituiig verlegt wird, ihre PeiiSik s tets den wahrhaften Interessen des jüdischen Volks dienen wird. Anlaßlieh der N c u k 0 n s i e 11 a t i o n der uidga• rischen inneren Politik sah sielt Exekutivkomitee der ungarischen Zionistischen Organisation genötigt, mit folgender Resolution vor die jüdische Öcffentlichkeit zu treten: 1. Die ungarischen Zionisten betrachteten das Judentum niemals nur als Konfession, sondern stets als Nation, politischen welches Volksbcwußticin jedoch gar keine Folgen i 11 n c r h a 1 b U c s e i n 11 c i 11 i c h c n Staates nach sich ziehen u n g a r i s c 11 e 11 kan n. 2. Das vitale Interesse des sich auf den Nationalitateiifrkalcn, daher in gewisser Beziehung auf natio- Italer Autonomie nufbaueiuleu neuen Ungarn ißt es, daß die Million u n ״arischer J u den, ans deren Herzen die Treue zum Ungarutwin nie schwinden wird, als pol 1־ tische Nationalität anerkannt werde, 3. Nicht die ungarische Zionistische Organisation fordert dies, sondern jede voraussehende ungarische Regierung müßte diese Neuorganisicrung im Interesse des Ungarntuins binnen 24 Stunden anordnen. I. Fs bleibt der weisen Beurteilung der ungarischen Regierung überlassen, ob die konjunkturellen Ncophyten oder die auf der Basis des aufrichtigen jüdischen Volksbewußtscins stehende Organisation mit der Durchführung dieses Programms betraut w׳ird. Xi 11 ii v Großer Judenpogrom in Ungarn I Sechzig Tote Das ״Prager Tagblatt“ vom 13. Dezember meldet: Wie ״Pesti N a p 1 o“ aus Kaposvar erfahrt, haben sich in der gestrigen Nacht dort große Plünd c r u 11 g e 11 und j 11 d c n f c i n d 1 i c 11 c Ausschrcitu 11 gen ereignet, in deren Verlauf GO Personen, getötet wurden. An den Plünderungen haben sich auch Soldaten des gewesenen Kaposvarer Hausregiments beteiligt. Pogrom in Wiadimir-Wolynsk Die ״F rankfurter Zeitung“ vom 14. Dezenther meldet: Wien, 12. Dezember. (Priv.-Telcgr.) Das Organ der linken polnischen Sozialisten in Wa r sch au meldet, <1.1/3 auch in W I a d i m i r - W o l.y n s k ein Pogrom Mattgcfunden hat. Nach Mitteilungen angesehener Vertrauensmäniier an die Regierung wurden in Wladimir״ Wolvnsk die Häuser mit Petroleum begoss e 11 und a n g e /. ü u d c t. An den Ausschreitungen׳ nähme» auch Soldaten teil, die der Meinung waren, daß der Pogrom auf B e f c h l o d e r nt i t Z u st i in in u 11g des Kommandos statt finde. Diesmal fehlt die Ausrede, daß die Ausschreitungen von Banditen verübt worden seien, die von den Ukrainern aus den (iefangnissm entlassen worden seien. Bericht eines Augenzeugen Ein jüdischer Student aus Berlin, der soeben von einer Reise aus Polen zurückgekehrt ist, schreibt uns: Auf der Fahrt nach Oncsen konnte ich ein unfreiwilliger Zeuge der Stimmung der Dcu tsch polen gegen die Juden werden. Ich hörte Aeufierungen meiner Mitreisenden, Vertreter׳ der polnischen Intelligenz: );ln Lemberg waren unsere Brüder schon tätig. Sie sind; klüger als wir. Aber auch sie haben nur halbe Arbeit j getan. Man müßte das Judenvolk mit Stumpf und Stiel j «usrotten. So haben sie cs verdient, ist Posen einmal I polnisch, dann werden wir die Sache gründlicher i machen. Alle Juden müssen hinaus, ihr Vermögen gej hört uns.“ Am Kleinbahnhof in Gncsen war Aufenthalt. Ich ging in den Wartesaal, wo viele beisammen waren. Dasselbe Thema wurde behandelt. ״Da ist so einer,“ meinte ein Pole mit einer Fingerbewegung auf mich, ״wenn ich ein Messer hätte . . .“ Dabei machte er eine entsprechende Handbewegung. Auf dem Wege von Kleczew nach Sleschin (Polen) sah ich, wie polnische Legionäre einen Juden, der ruhig seines Weges ging, von hinten mit -dem Bajonett a u f s p i e ß t c n und darauf den Unglücklichen verstümmelten. Fortsetzung der Pogromagitation unter den deutschen Frontsoldaten . Das Stockholmer Jüdische Korresponden zbüro meldet vom 16. Dezember: ״Der bekannte Berliner Antisemitenaufruf von Knauer, Pelzer und Kamrath (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 51) wurde von der deutschen Di- '׳ision in Hclsingfors telegraphisch erhalten und! unter den Soldaten verbreitet.“ fVas wird die deutsche Regierung tun, um die »utisemitische Verhetzung der Frontsoldaten cinzustcl״ len? Zu den Ausschreitungen gegen Juden itü *tschechosiovakischen Staate ־ vorgekchrt Eine sofort den tsdieclioslovakischen Staat, daß alles werde, um weiteres Unglück zu verhüten, cinhcrufcne Plenarsitzung des Nationalrats, bei der der mit den anderen Juden aus Holleschau geflüchtete dortige Vertrauensmann des Nationalrates einen cingchen* den Bericht erstattete, faßte eine Reihe wichtiger Be- Schlüsse. Fine Deputation des Jüdischen Nationnlratcs in Prag, bestehend aus den Herren Dr. Ludwig Singer, Präsident, und Dr. Angela Goldstein, Sekretär des Nationnlratcs, erschien am 6. Dezember 1918 bei dem Ministerpräsident Dr. Kramarz, um die Regierung auf die Judenexzesse in Hollcschau und die den Juden in den umliegenden Städten drohende Ocfahr aufmerksam zu machen. Die Deputation übergab ein Memorandum. Die Abordnung legte mit aller Offenheit die Ursache der Ausschreitungen dar und verhehlte die großen Befürchtungen nicht, welche die Juden!des Staates erfüllen. Der Ministerpräsident, der in seiner Antwort ebenfalls freimütig auf die Ursachen der Vortälle einging, sprach wiederholt sein Bedauern über die Vorfälle ans, die er entschieden verurteilte. Er bemerkte, daß die tschcchoslovaldschc Regierung 80• lort cingcschrittcn ist. als sic Kenntnis von den Vorfällen erhielt und dali nie mit aller Energie dafür sorgen werde, daß sich dieselben nicht mehr wiederholen. Wie das Kopcnhagencr Zionistische Büro milteilt, hat cs sofort nach Einlangen der Nachrieht von den Exzessen in Prag folgendes Telegramm an Dr. Kramarz gerichtet: ״Ministerpräsident Dr. Kramarz, Prag: Wir erfahren mit schmerzlicher Ueberrasdvung, daß auch in dem neuen tschechoslovakischcn Staate Ausschrei■ tun gen gegen Juden Vorkommen. Vertrauend auf die Botschaft Ihres Führers Masaryk an die amerikanische Zionistenorganisation und auf die Völker* befreienden Grundsätze, auf denen die Gründung des tschechoslovakischcn Reiches beruht, ist mit .uns das ganze jüdische Volk von der Ueberzeugung durchdtungen, daß die Regierung des tschechoslovakischcn Staates alles tun wird, um die!Sicherheit der jüdischen Nation in Tschcchoslovakicn zu gewährleisten und ihr die Rechte zu verbürgen, die in dem dem Narodny vybor überreichten Memorandum des jüdischen Nationalrats in Prag gefordert sind, Zionistisches Büro Kopenhagen. Dr. Victor Jacobson." Spanische Proteste Wie Prof. Ja hu da dem Jüdischen Korr e s p o n d c n z b ü r o im Haag telegraphiert, haben Schriftsteller, Professoren, Redakteure, Mitglieder der Akademie, Senatoren und Abgeordnete Spaniens an Dmowski, dem Präsidenten der polnischen Dek•• gation in Paris folgendes telegraphiert: ״Wir protestieren gegen die Judenverfolgungen, fordem Maßregeln, die den Juden, .die wie alle Polen für die Befreiung des gemeinsamen Vaterlandes gekämpft haben, Leben, Achtung und Schutz verbürgen.“ Der Protest schließt mit folgenden Worten: ״Wir ersehnen die Errichtung eines blühenden Polens. Wir verlangen dringend Ihre Intervention zum Schutze der Juden, deren Verfolgung die polnische Unabhängigkeit gefährdet, wie England namens der Entente warnend aussprach.“ 11 1 : 1 t?[<l Aufruf zur Jüdischen Selbstwehr Von den Züricher jüdischen Studenten erhält das ״Israelitische Wochenblatt für d i c S c h w c i z“ folgenden Aufruf: Juden! Eure Mütter, Schwestern Väter und Brüder sind in Todesgefahr, wo auch immer sie wohnen. Könnt Ihr weiter ruhig dasitzeu, werdet Ihr weiterlcbcn können in der Gewißheit, daß die Einigen niedergcmetzelt worden sind, da Ihr ihnen hättet das Leben reiten können? Wenn heute noch ,an einem Orte Ordnung herrscht, morgen kann schon das Schlimmste eintreten. Mit Beten allein werdet Jbr die Eitrigen, die sehnlichst um Hilfe flehen, nicht retten, D i e W a f f e n i n d i c Hand! Jeder Jude hat jetzt die heilige Pflicht, sofort nach Hause zu fahren, wo immer er zu Hause ist, um die Scinigcn zu verteidigen. Wir bilden eine Garde, um! unverzüglich nach Hause zu fahren und uns den Schrecken der Pogrome entgegenzustellen. Jeder Jude melde sich schriftlich oder mündlich an die ״Judengarde“ im Jüdischen Heim. Talackerstraßc 50, Zürich. Protest der Intersstlcas 1m . Noch vor Bekanntwerden i? Holleschau verübten 1 ress# der Nachrichten über die Schandtaten durch die verardaßte der Jüdische Nationalrat für Aus dein Haag korrespondent: Nach wie vor hen׳;c!1t regung über die galizlcd'.cn Pc; Kammer kündigte der' KcramunB koop eine Interpellation an < rung an. Die Alliance d a m ersuchte Regierung zu veranlassen. Das Jüdische Korrespondenzbüro Haag telegraphiert uns: Der' Sekretär der Internationale, Camille Huys• inans, telegraphierte aus Brüssel folgendes an das Jüdische Kortrespondenzbüro im! Haag: ״Telegraphieret Daszynski: Das Exekutiv-Komitee der Internationale protestiert gegen die Pogrome, und hofft, daß die polnische Regierung ähnliche Handlungen verhindern wird. Eine Versammlung wird organisiert werden, um nationale Mindcrhcitsrechte und kulturelle Autonomie zu fordern. Wir werden 1ms Brant i n g s Vorschlag anschließend‘ Bache Pfötccta telegraphiert uns unser Sonder- :1 Holland große Erro:r.־'. In der zweiten enführer David Wyiila holländische Regie- Israc 1 ite ln Rotterdie Zentrale i:t Pari ty die französische militärischer Intervention zu Tschcchoslovakischer Boykott gegen Juden? Das Wiener Jüdische P r e 11 b ü r o meldet telegraphisch: Der Klub tschcchoslovakischer Kauf- 1 e u t e in Prag erließ einen Aufruf zur Verteidigung der nationalen wirtschaftlichen Interessen gegen Juden und Deutsche. Der Aufruf warnt vor den aus Böhmen, (Mähren und Wien zuziehenden unter tsche• chischcr Firma auftretenden Juden und fordert zum Boykott gegen sic auf. ' ' ״ Im*'» Die jüdischen Flüchtlinge י im tsdieclioslovakischen Staat Das Wiener Jüdische P r c ß b ü r o telcgra• phiert uns unter dem 13. November: Die von der tschechoslovakischcn Regierung ungcordnete Ausweisung d e r jüdischen Fluchtlingc ist auf Grund von Bemühungen von nationaljüdischcr Seite zurückgezogen worden. Es wurden ihnen anstelle von Prag und evtl, auch einigen anderen Städten, in denen die Unterbringung wegen der Wohnungsnot unmöglich ist. neue Orte angewiesen. Sie erhalten die bisherige Unterstützung gegen spätere Verrechnung mit der Westukraina weiter. u׳ s Im Kampf um die jüdische Gemeinde Budapest. ln der am 1. Dezember abgehaltcncn auikrordentliehen Generalversammlung der Budapest er Isra• clitischcn Kultus ge mein de hat der ge: samt; Vorstand sei neDcmission ge gebe ii. Die Neuwahlen werden binnen kurzem ausgeschrieben werden. 1 Tarnow. Die Kultusgemeiiidc hat sich unter dem Drucke der Volksstiramung neu konstituiert» Es wurden 21 neue Kultusräte aus allen nationalen Parteien kooptiert. Die "Zionisten Joach. Neiger und Schwager sind im Präsidium. In der ersten Sitzung unter Vorsitz des Herrn E. Baron wurde beschlossen, die Bczeichnung ״Kultusgcmcinde“ in ״Jüdisch-nationale Keh i llah“ abzuändern. Auf Antrag Neiger (Zionist) und L c i b c l (Poalc-Zion) wurden folgende Ausschüsse eingesetzt: Für Wahlrcform, Budget, Be-' amtenangelegenhcitcn, soziale Fürsorge, Jugendfürsorge. Die Ausschüsse haben sofort ihre Arbeit aufgenommen. * ׳ Vor kurzem hat in Tarnow eine große Ver- Sammlung jüdischer Bürger stattgefunden, in welcher den Versammelten die Liste des Ausschusses des Jüdischen National ra tes verlesen wurde. Von allen jüdischen Partciorganisat'cnen warcnVertrcter in den Ausschuß delegiert worden. Darauf wurdenRepriiscntanten der nichtorganisicrten Nationaljuden in diesen Ausschuß gewählt. Am midisten Tage fand die erste konstituier rende Sitzung des Ausschusses statt. Der Ausschuß besteht aus 24 Mitgliedern, und zwar: 10 Z l onisten, 6 Neutrale (keiner Partei angehörend), 4 Poalc-Zionistcn und 4 Z. P. S. An der Spitze de»! Ausschusses steht ein fünfgliedriges Prlsidi« um. da? sich aus den aufgczählten Gruppen zusammen•- »«tat. ׳ ,׳■ -N t 1! I } 1'