Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 56 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 434 Nr. 56 iin-Programms, scheint mir folgendes notwendig: Solange ן das von Oetiingcr vorgesclilagcne zentrale KolonisatioiisKomilee für Palästina noch nicht in die Lrsohci• nung getreten ist, müssen die ihm zngedachten Funktionen von der Leitung des Jiidischec Nationalfomls, in engem Konnex mit der Zionistischen Organisation, erfüllt werden. Sie setze eine K o 1» 111 i s s i o n von erstklnssigeu Fachleuten ein, ,,deren Mitarbeit - wie kost• spielig sie auch scheinen 111:1g - doch erst unserem Vorgehen die Sicherheit verleiht, auf Oruiul deren wir die Kapitalen anderer Kategorien mit gutem GewPs 11 heranz.iclien könnten. Es gibt nicht eine laiuiwirtschaftliehe oder industrielle Tätigkeit im Bereich tutserer Orient-Kolonisation, in der nicht durch Ilinzni- Ziehung besserer Fachleute außerordentlich viel gimstigere Resultate zu erzielen wären als bisher, mul es wird dabei meist völlig übersehen, daß seihst recht 11 o h e Kosten ־ auf die Tausende und Zehntausend(! gegenwärtiger und künftiger Kolonisten verteilt zu ganz minimalen Beträgen zusnnuncnschrumpfcn, während sie andererseits erst die sichere Grundlage einer wesentlieh gesteigerten Kokinisatioiistätigkcit abgeben.“ (Trictsch, S. 29-30). Aufgabe dieser Kommission wäre es, alle Fragen der Siedlung, landwirtschaftliche und in• dustrielle, aufs eingehendste und verläßlichste ohne Vor urteil vom Standpunkt des Praktikers, zu bearbeiten. Sie hätte alle ernstlichen Vorschläge von Fachleuten, Wissenschaftlern,• Interessenten zu prüfen, so auch in erster Reihe die Fülle des bereits von Trictsch gehn• teilen Materials, ebenso Vorschläge wie die von Prof. Ballod. Die!Ergebnisse dieser Arbeit, gegebenenfalls die einzelnen Teile des Trietschschcn Buches sollten 11,11111 in Somlerveröffentlieluiiigen schnellstens den Krci• seit zugänglich gemacht werden, die für die Immigration nach llrcz Israel in Betracht kommen. Dabei soll vor allem gezeigt werden, wie nicht nur mit grollen Mit• (ein etwas zu erreichen ist, sondern auch mit viel kleineren, wenn nur die Menschen vom richtigen Pio niergeist erfüllt sind. Was geschieht, muß schnell geschehen. ״Schnelle Abhilfe, wenn sie auch noch so unvollkommen, ist der Untätigkeit vorzuziehen, die sich damit entschuldigt, Fehler vermeiden zu wollen, die sich doch nicht voll• ständig vermeiden lassen," sagt Trictsch in dem sehr beachtenswerten Kapitel über ״Strategie der Ko• Ionisation“, das auch davon handelt, wie notweil■ dige und selbstverständliche, aber bisher nicht erfüllte Aufgabe des kolonisierenden Faktors das Suchen nach Möglichkeiten zur Sieddung, landwirtschaftlicher oder industrieller, ist. ״Es ist alles eine Frage der hin• reichenden oder der mangelnden Initiative.“ 11 u g o S e h acht e I. Agudas Jisroel und Zionistische Organisation Das Schweizerische Zcntralbüro der ״Agudas Jisroel“ hat an die Leitung der Zionistischen Organisation in Kopenhagen am 15. November ds. Js. folgendes Schreiben gerichtet; Da jetzt die Stunde hcrauuaht, in welcher die luteressen der Gesanitjndenhcit bei der Neuordnung der Staatliehen Verhältnisse ein möglichst geschlossenes Vorgc• heil aller jüdischen Organisations- und Parteileitungen nach außen als Pflicht und Notwendigkeit erscheinen lassen, erachten wir, die wir zur Zeit vom Zentralkomitee der Agudas-Jisroel-Orgaiiisation, mit Rücksicht auf unseren Sitz im neutralen Lande, beauftragt wurden die Führung der Geschäfte zu übernehmen, es für äugebracht, mit diesen Zeilen au Sie heranzutreten. Als Organisation, welche die großen Massen der thoratreucn Jchudim und damit die weitaus große Majorität des jüdischen Volkes vertritt, würden wir es mit großer Freude begrüßen, wenn, bei Wahrung unserer Prinzipien, eine Verständigung zwischen Ihnen und uns herbeigeführt werden könnte. Es würde dann sicherlieh der Anschluß aller anderen, kleineren Verbände auch leicht zu erzielen sein und dadurch ein gemeinsames Vorgehen nach außen sich ermöglichen, durch welches die durch die Zersplitterung den höchsten jüdischen Volksinteressen drohenden Gefahren vermieden würden. Wir verkeimen keineswegs die große politische Iledcutung, welche die zionistische Aktion für die Judcnheit gehabt hat und die großen Erfolge, auf die zu boflen deren Initiatoren ein Recht liabcn. Wir zweifeln aber auch keinen Augenblick, daß die zionistische Leitung sich bewußt ist, wie sehr die erste Lebensbedingung für ihre politische Tätigkeit in der Tatsache liegt, daß die Judcnheit in den Jahrtausenden der Zerstreuung sich vor Untergang geschützt hat, und daß ihr diese Lebenscrhaltüng nur durch die von ihren Massen betätigte Tlioratreuc ermöglicht wurde; daß sic sich auch bewußt ist, welche Stellung die thoratreue Judcnheit bei der Lösung aller Fragen der Gesamtjudcnheit beanspruchen darf und muß. Soweit diese Fragen die Interessen der Juden in der Diaspora betreffen, bieten sich einer ■ gemeinsamen Tätigkeit aller Verbände und Organisationen für deren bestmögliche Lösung wohl kaum Schwic• rigkviten. Sind wir ja in den Jahrtausenden der Zer- Streuung und der Leiden stets, wo immer Druck und Gefahr drohte, einer für den anderen cingctretcn ohne Rücksicht auf persönliches Bekenntnis und eigene Anschauung. Anders aber stellt sich das Problem einer gemeinsamen, geschlossenen Tätigkeit für den und auf dem jüdisch-heimatlichen Boden, der in irgend einer Form zu neuer Blüte der jüdischen Gesamtheit gegeben werden soll. Wir thoratreucn Juden sind in der beglückenden Lage, unsere überaus innige, heiße Liebe zum heiligen 'jUCDiC0:r J;yj:: Pf: CH AU Lande nicht erst beweisen «ml bekräftigen zu müssen. Wir haben diese Idee durch die Jahrtausende getragen und gerettet. Wir sind aber überzeugt, daß die Rettung dieser hehren Klee einzig und allein der Treue zur Thora zu verdanken ist, und daß auch ihre Verwirklidum״■ ihr Ausbau zu dauerndem, gedeihlichem Bestände nur auf dem Boden dieser Thora und dieser Treue zu ihr möglich ist. Diese Treue müssen tmcl werden wir, müssen und werden die großen Massen unseres Volkes immer und! überall, jetzt um! zu jeder Zeit manifestieren, und das erst recht um! mit aller Eindringlichkeit, wo es sich um unser heiliges Land und seine Neubcsicdcluiig handelt. So sehr uns daher die letztere in der bestmöglichen Form zu verwirklichen am Herzen liegt, so sehr wir überzeugt sind, daß ein ge• meinsames Vorgehen aller diese Verwirklichung erleich• lern wird, können wir unsererseits einem solchen nur bcitrcteii, wenn wir die Sicherheit haben, daß bei dem Neuaufbau 'des heiligen Landes für unser Volk, der Thora, ihrem schriftlichen und mündlichen Gesetze, der ihr gebührende Platz, eingeräumt wird, Wenn es sich auch’ nicht um die Lebensführung des Einzelnen in seinem privaten Tun und Lassen handeln kann, so muß aber unsere Forderung dahin gehen, daß das öffentliehe Leben im heiligen Lande, daß alle seine Einriclitungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft, Produktion, der Erziehung und des Verkehrs sich streng auf den Boden der Thora und ihrer Gesetze stellen und auf ihm bewegen müssen. Wir hoffen, daß .auch .Sie, die Führer, der großen zionistischen Bewegung, den Emst der Stunde erken• neu, der fordert, daß alle, denen das heilige Land Ziel ihres Strebens, Erfüllung ihrer Hoffnungen bedeutet, gemeinsam dafür arbeiten und cintrctcn, daß auch Sie die notwendige Voraussetzung, die wir für einen dafür lierheiziifuhiTiuleii Zusammenschluß unsererseits festlegen müssen, erkennen und anerkennen werden. Wir sind über/eugt, daß Sie das Beste für unser ganzes Volk wollen und erstreben, und daß Sie dieses hohe Wollen auch uns zubiHigen werden. Int׳ Sinne unserer vorstehenden Ausführungen richten wir daher an Sic die Anfrage; Ist die zionistische Leitung imstande und bereit, uns und damit den thoratreucn Massen, die wir vertreten, die bindende Erklärung abzugeben, daß alle in Palästina zu treffenden öffentlichen Einrich• tungen auf dem Boden der Thora, ihrer schriftlichen und mündlichen Gesetze, geschaffen und geführt werden, über deren Anwendung auch vom uns aiizuerkcnneiuie Autoritäten der Thora zu ent• scheiden hätten. Wir bitten Sic um gcfl, sofortige Einpfaugsbcstäti• gung und baldmöglichste Beantwortung dieses unseres Schreibens und würden uns freuen, wenn letztere uns Veranlassung gibt, eine persönliche Zusammenkmift zur Beratung und Festlegung aller Einzelheiten in die Wege zu leiten. Mit dem Wunsche, daß Gott unser Volk mit Frie• den segnen möge und herzlichem Brudergruß zeichnen wir > Hochachtungsvoll Schweizerische La ndc s 0 rg a n i s a t io n der Agudas Jisroel Daraufhin sandte das Koptnhagener Zioni• st Esche Bu..T das folgende Antwortschrei• bc n 4. Dezember 1918. Schweizerische Landesorganlsation der Agudas Jisroel Zürich. Wir erhielten Ihren Brief vom 12. November, sowie Ihr Telegramm vom 29. November. Wir nehmen an, daß Ihr Brief vom 12. November, der übrigens erst am 26, November in unseren Besitz gelangte, mit der ia Ihren! Telegramm erwähnten Anfrage vom 15. November gemeint ist. Auch wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn eine Verständigung zwischen uns und Ihrer Organisation herbe!geführt und dadurch die Gefahr einer, Zersplitterung der Palästina-Arbeit vermieden werden könnte. Wenn Sie jedoch als Vorbedingung einer der• artigen Verständigung die Abgabe einer Erklärung seitens der Zionistischen Organisation über Ulfe Stellung zu den Geboten der jüdischen Lehre verlangen, so müssen wir Sie darauf verweisen, daß unzweideutige und bindende Erklärungen in dieser Richtung seitens der Zio• nistischen Organisation bereits auf dem ersten Zionisten• koiigreß und auch später wiederholt abgegeben worden sind, und daß kein Anlaß zu einer neuen Erklärung vorliegt. Weder innerhalb der Zionistischen Organisation -! und diese umfaßt ja auch viele Tausende von gesetzestreuen Zionisten — noch bei den thoratreucn Massen des jüdischen Volkes im Osten sind Stimmen laut geworden, die die Abgabe einer solchen Erklärung von uns gefordert hätten; Daß aber׳ Ihre Organisation, die diese Erklärung in diesen! Augenblicke von uns for• dert, ״die großen Massen der thoratreucn Jchudim und damit die weitaus große Majorität des jüdischen Volkes“ vertritt, körn::ר wir nicht anerkennen, da die thoratreucn .Massen d;a jaJircac:! Volkes Ihnen niemals ein derartigen Mandat tkerfr.rgrs'lir.ben. Wenn Immer ׳ sie uns jedoch konkrete Vorschläge bezüglich der zukünftigen Arbeit• •׳in Palästina, zu’unterbreiten haben, werden diese!:derzeit unsere größte Beacht u n g finden, gegebenenfalls sind wir auch immer gern bereit, in eine gemeinsame Beratung darüber mit Ihnen ein/utrctcii ׳ Mit vorzüglicher Hochachtung Kopenhagen er HürodcrZionistisehtn , Organisation gez. Dr. L. S, Bernstein, Zum Eintritt der jüdischen Nation in Litauen in die Taryba Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation sandte an R.-A, S. Rosen bau in in Wilna das fol gemle Glückwunschtelegramm: Unterstaatssekretiir Kusenbaum, Auswärtiges Amt Wilna. Das Aktionskomitee der Z i o n i s t i s c h < n Organisation begrüßt aufs herzlichste die durdi den Eintritt jüdischer Mitglieder in die litauische Regierung' vollzogene Anerkennung des jüdischen Vul■ kes als gleichberechtigten Faktors bei dem Auibau des neuen litauischen Staates, übermittelt Ihnen mul Ihrem Kollegen herzlichste Glückwünsche und gibt der ho stimmten Zuversicht Ausdruck, daß die vollzogene Ein!• gung der Nationen der Grundstein einer gesicherten Zukunft des neuen Staates Litauen sein wird, dessen glückverheißende Entwicklung wir mit warmer Anteilnähme verfolgen. 15. Dezember 1918. Professor Warburg. Resolutionen der ungarländischen Zionisten Das Lande skomitec der u 11 g a r I ä n d i - sehen zionistischen Organisation hielt u>r kurzem unter dein Vorsitz, von Prof, Adolf Strauß eine Sitzung ab, um den Arbeitsplan und das Budget des neugewählten gescliäftsfülireiulen Ausschus-es durch* zuberaten und zu den aktuellen Ereignissen Stellung zu nehmen. Prof. Strauß besprach kurz die bisherige Tätigkeit des geschäftsführend,en Ausschusses und skizzierte die infolge der Umgestaltung der politischen Verhältnisse in den Ländern beider kriegführenden Mächtegruppen für das jüdische Volk geschaffene neue Lage. Er kam auch auf die Frage ibr Legalisierung der Statuten der ungarischen Organisation zu sprechen und stellte in Aus• sicht, daß dieses Hindernis für jede geregeite Parte 1• tätigkeit in allernächster Zeit beseitigt werden dürfte. Dr. Paul Blau legte das Arbeitsprogramm und da» Budget des gcschäftsführcndcn Ausschusses vor. Als Mittel für einen stufenweisen Aushau der Organisation nimmt der geschäftsführ^nde Ausschuß unter andenn die Schaffung eines gutdotierten Parteisekreta• riats in Aussicht, ferner die planmäßige Amgcsf!/- tung des ״Zsido Szeinle“ zu einem politischen Organ und eine großzügige Vcrsainmlungs- und schritt• liehe Propaganda sowohl in der Hauptstadt als ui der Provinz. Das Budget schließt leider noch mit einem Defizit ab. Der Referent erinaimte die Mitglieder des Landcskotnitees, dein Organisaüonsfoiid ihre besondere Fürsorge zuzuwenden. Das Landeskomitce nahm das Arbeitsprogramm und den Budgetvoranschlag einstimmig zur Kenntnis. Eine lebhafte Debatte entspann sich im Anschluß an eine von Dr, Moses Rieht mann cingcbrachtc He• solution zur allgemeinen Lage der Bewegung und de» jüdischen Volkes. Das Landeskoniitcc beauftragte den gcschaftsführcnden Ausschuß, an die Mitglieder der ungarischcn Organisation imd an die jüdische Oeffentlichkcit des Landes einen Aufruf zu richten, der die Stellungnähme der ungarischen Organisation zu den aktuellen Problemen des jüdischen Volkes enthalten soll. Dr. Blau besprach das Verhältnis der Genossen■ schaft ״Ungariändisehe Zionistische Organisation" m. b. H. zum gcschäftsführcndcn Ausschuß. Das Landeskomitee beschloß, den Kassierer der Genossenschaft aufzufordem, die Grunderaktien der Genossenschaft so• wie das Postsparkassen-Konto des ״Zsido Szcmlc“ satzungsgemäß dem jjeschäits führendcn Ausschuß ausziMndigcn. Dr. B. Tomaschoff beantragte, das Landeskomitee möge beschließen, daß die offizielle Vor• handlungsspraclte der ungarischen Organ isafie* vom Jahre 1920 ab ausschließlich das Hcbräische sei. Der Vorsitzende begrüßte die Tendenz des Antrags mit lebhafter Freude und wies darauf hin, daß der Geschäftsführende Ausschuß die Hebraisierung der Organisation mit allen Kräften zu fördern suche. Einstweilen können von den Beratungen der Organisation diejenigen Gesinnungsgenossen nicht ausgeschlossen werden, die des Hebräischen noch nicht kundig sind. Nach einem zusammenfassenden Schlußworte des Vorsitzenden wurde die Tagung um 7 Uhr abends geschlossen. Der Aufruf, mit dem sich der geschäftsführemk Ausschuß der ungarliindiscltcn zionistischen Organisation im Aufträge des Landeskomitccs an die ungarische Judcnheit wendet, hat folgenden Wortlaut: 1. Die ungarländisclic Zionistische Organisation stellt fest, daß das ungarische Judentum, das sich bisher stets auf die Basia der Nur-Konfession stellte und daher isoliert dasicht, sich unfähig erwiesen hat, die Interessen des ungarischen Judentums zu wahren, indem cs ver- Bäumte sich auf die einzig annehmbare Grundlage des nationalen Judentums, des Zionismus, zu stellen. 2, Die ungarländisclic Zionistische Organisation siebt mit Freude, daß einige neologc Kreise des ungarischen