Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 55 (17.12.1918)
- Date
- 1918-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nt 55 JU ED1SCH Sc 427 5s׳, /.us,הוו• fc’.,־,־c11 und Berlin. I יי׳י יז״יי׳י k i4i V lu« He Veru׳n jiklt’i! : g e n d c n; ca j iui i - :11/ der feil sind- Litauens ( enigciiniß | i in die 1־ iionUtev.-! s Unter- ־ i)r. Wi- ׳aiheiten, ,t'krciiirin ( Wegen! cn in die , Wie be- , svcrlutiidi einem be-; ilten sieb; r abemis,; m p f a 11 g | g 11 c d c r , der die ifall auf? dein 12.1 n Litauen Teibaliine iJHaten z;1 ic Gleichteils. k* nlcrstaatscf in sc<״f erwiderte. dieser 1C> jinäsclicr. n. ׳ Einig"11!; scl;:11 Lnilucn Wc? die seiner 1, ,ןן Der Unter* isten 11 e u Z 141' :gie ric und Resolutionen; 4, Vorstandswahkn füs das ZentralkomiU'c der Zionistischen Vereinigung Litauens. An die eiii/eliicii Referate schloß sielt eine sehr eingehende Aussprache an, die zeitweise einen stürmi'.clien Verlauf nahm, so z. li, hei der Erörterung der Frage, u!> für «las nett zu begründende Schulsystem religiöse oder mir weltliche Facher zuzulasscn seien, ferner bei der Beratung über die Mitarbeit an den stiidtisehen Verwaltungen. Einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Konferenz werden wir noch veröffentlichen. Im toigeiulen teilen wir die wichtigsten der von der Konferenz angenommenen Beschlüsse mit: I. Uchcr die politische Lage überhaupt, 1, Die erste zionistische Konferenz in Litauen fordert alle Parteiorgane mit dein Aktionskomitee an der Spitze auf, die jüdische Politik in bewährter Weise weiter energisch zu führen und die Interessen des jüdischen Volkes standhaft zu vertreten. Das Eng e r e A k t i o n s K o in i t e e soll durch Bevollinächtigte der Landsmannschaften verstärkt werden; eine der wichtigsten Aufgaben des Augenblicks ist die Schaffuug einer jüdischen Vertretung in der Form eines jüdischen Weltkongresses tmd natfona- I e r V e r t r c t c r s c 11 n f 11u aller Länder. 2. Die Vertreter des jüdischen Volkes sollen an der Friedenskonferenz tcilnehmen, tun dort für dio Interessen des jüdischen Volkes sprechen zu können. '3. Die Hauptforderung c n des jüdischen Volkes auf der Friedenskonferenz sind; a) ()öffentlich-rechtliche Garantien für den Aufbau unseres nationalen Zentrums in Palästina; b) Sicherung von national-personalen Au•' tonomien für die jüdische Bevölkerung aller Länder. D!e Juden aller Länder müssen als eine c Inh eitliehe jüdische Nation anerkannt werden, die als vollberechtigtes Mitglied des Volkerb u 1! d e s angesehen wird. 4. Die Konferenz fordert alle Parteiorgane auf, an die Spitze ihrer Politik in den Galuthländern die Forderung von national personaler Autonomie für die jüdische Bevölkerung zu stellen und die Sicherung der bürgerlicheii politischen und nationalen Rechte der Juden zu verlangen, indem Ln den Verfassungen der Länder bestimmt werden soll a) daß die Juden in den gesetzgebenden Körperschaften proportionell auf Grund einer eigenen nationalcn Kurie beteiligt sind und b) daß die tatsächliche Gleichbcrech• tigung der Juden in allen Instanzen der Vcrwal• tung und des Gerichts ausdrücklich festgesetzt werden soll. II. Bezüglich Litauen. 1. Die Konferenz begrüßt den Aufbau von Li tauen als freien demokratischen Staat auf (irund der vollen Gleichheit und national-personalen Selbstverwaltung der Völker. 2. Die gegenwärtige Ta ry ba als eine Anstalt, die nicht auf demokratischer Grundlage gewählt ist, kann nicht als die legitime Vertreterschaft der LaiidesbcVölkcrung gelten. 3. Da aller die dringendste Forderung des Augenblicks die Aufrcchlcrhaltung von Ruhe und Ordnung im Lande wie auch die rasche Einberufung der Gründungsversammlung auf Grund des sechskantigen Wahl- Systems ist, so erkennt die Konferenz an, daß die Taryba das Recht und die Pflicht hat, die Erfüllung dieser Aufgabe auf sicli zu nehmen. 4. Bis .zur Einberufung der Konstituante halten wir die sofortige Einberufung einer demokratischen Konferenz init proportioncller Vertreterschaft aller Völker im Lande für z.weckmäßig, 5. Die Beteiligung jüdischer Vertreter in der gegen- *’artigen Ta ryba finden wir nur unter folgenden Bedingungen zulässig: a) De Ta ryba pflichtet unserer Meinung über die Grenzen ihrer Kompetenz bei; b) Die Ta ryba erklärt, daß sic bereit ist, allen Völ-! kem im Lande proportioncllc Vertreterschaft zu gewähren; c) Die Ta ryba erklärt, daß sic der Gründung von jüdischen Gemeinden, sowie der Einberufung eines j üdi sehen Kongresses in Litauen unter Schaffung besonderer Organe unserer national-personalen Auto- ״omie in Litauen kein Hindernis in den Weg־ legen wird. b. Die jüdischen Vertreter in der Ta* ryba und in der provisorischen Regierung sollen durch c׳ne Konftrcnz.von Abgeordneten dar jü- 5‘״chen Gemeinden gewählt werden. Da aber “ie Teilnahme von Juden in den Landesorganen drinßend notwendig jst, findet die zionistische Konferenz provisorischen Eintritt der Jude® in die Uryba und ihre Exekutive für möglich, mit der Maßgäbe, daß die Vollmachten dieser Juden am Tage des ,«ineindekongrcsscs automatisch aufhören. Präsidenten Moraczcv:1:i c!::, überreicht, in welcher f :י.׳!;1;׳״ I' ■., wurden1 ־. Die voll־•.‘"!!:!' .: »b;׳. sehen Staates; 2. A15:•.־!:c;1. in den polnischen Ländern als eine 11 o r i t ä t; 3. gesetzlich garantierte r eh•• /-c־ gcscu-dn-rtig Bern1.1״ R.-A. s; ׳.2 I. on Dianen; t waltu1?״״', I Die ye־ Jnscre Fof . Der ״' c r־ ■nt 'Herr -־rae». He,t; » Hem111־‘' Eine j&dische und Mcraczcws! ״ Wie UrKani Die Jüdischen Forderungen 1 k c c!5? i f t -1 «dlliunen Jude'״ 3 i e Mi- ג־. ח ס n t i גז Autonom! c auf Grundlage de« Pcrsonalilittsprinz!p4; 4. euic propor* t ion al'e Vcrtret nng In «len t1׳,netzf:elH:11dc11 Körper• schafien*, 5. die Erlaubnis für die Einberufung eine* Kongresse* der polnischen Jtidcn, dessen Mitglieder auf eine demokratische Art gewühlt werde« sollen. O יס c J 110 5r(“a mJki f•! 'י w'W«• . W י! rjy Vcrhaftunr! 1 IJo£msc«.a יל■ Ftistrcr« das Prcßbüro der Zionistischen vemh ־.sat«on in Polen mitteiit, hat am 25. No- ״ ‘°cr eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Das Jüdische Prcßbüro in Wien tckgrnphiert uns: Laut telegraphischer Meldung wurden die führenden galizischen Zionisten Dr. Leon Reich, Dr. Ringe 1, Tone 11 ba unt tutd Hausmann von den Polen in Lemberg verhaftet und! nach Przemysl gebracht. Die Lage in Galizien ist auch weiterhin äußerst bedrohlich. Die Polen drohen, fall! sie Lemberg verbissen müssen, vorher Rache an de» Juden zu nehmen. Das GciscDystcin droht einzurcißcu. Ein weiteres Telegramm aus Wien vom 14. Dezember meldet, daß die polnische Tck'grapkenagentur die Nach* rieht der Verhaltung der zionistischen Führer als Geisein für das ruhige Verhalten ihrer Organisationen und als Gewähr für die gute Behändlung der angeblich in ruthenisdien Händen bcfindliclien polnischen Geiseln und Gefangenen bestätigt. Judenpogrome In Przcmysl und Umgegend Das Jüdische Pressebüro in Wien meldet telegraphisch vom 16. Dezember: Am 9. Dezember überfiel in Przemysl eine aus 10 Leuten bestehende Patrouille polnischer Legionäre unter Führung des Leutnant Kosla das Lokal des Zionisten verein®, wo allein der Diener Taub anwesend war. Er wurde von dem führenden Leutnant mit Kculenschlägen so lange miß• handelt, bis er bewußtlos zusammenbrach. Hierauf wurde die Einrichtung des Lokals geplündert, Dann durchsuchte die Patrouille eine Reihe von Privatwohimngen und verhaftete 7 Juden, die von dem Leutnant Kosla ohne weiteres Verfahren zu je 5 Na* gaikahicbcn verurteilt wurden. Hierbei spielten sich schreckliche Szenen ab. Der Uhrmachersohn Argatid ließ sich für seinen Vater prügeln und brach unter 5 Schlägen nackt zusammen. Ebenso erging cs dem 16 jährigen Lehrbuben RoscnhJüt. In Przemysl herrsehen weiter schreckliche ZuutiLr.de. Ueberfülle, Plünderungen und grundlose Verhaftungen von Juden sind an der Tagesordnung. De jüdische Bevölkerung ist tatsächlich vogelfrei, die Be* hörden bleiben tatenlos. . In den benachbarten Städtchen Chyrow, Mosciska und Grodck finden schon seit Wochen täg* lieh Pogrome statt. x Pogromagltatloa in dem von SisSnen bszctzfcn G&Iit Der ״P e s t c r Lloyd" vorn10 ׳. Dezember meldet: Die Koloz swarer Bevölkerung wurde durch ein mysteriöses Ereignis in Aufregung versetzt. Gestern wurden auf dem Wege nach der Festung mehrere Kinder dabei ertappt, als sie an Szekler Soldaten Flug- Schriften verteilten. Diese, mit Maschinenschrift auf dünnem Florpapier gedruckten Flugzettel hatten folgenden Wortlaut: ״Soldaten! Szekler Jungen! Viereinhalb Jahre lang haben wir gekämpft und der ganzen Welt Bewunderung abgerungen, weil wir co tapfer gelcäir.pft haben, Geld regiert die Welt, Es fiat viele Leute gegeben, die auf unsere Kosten reich und fett geworden ernd. Jetzt stehen wir nicdcrgcbroth.cn, ohne Vaterland d3» tmd sind arme Heimatlose. Wegen der Habgier der Juden. Sie haben uns bezwinge», uns unseres teuerem Heims beraubt. Nicht der äußere Feind, sondern eie, weil sie jnit Hilfe ihrer wirbchmiütheo Vcrbindungen das friedliche Europa In Flammen gesetzt haben, um noch mehr Gewinn eina-.heirr.een. jetzt, da auswärtige Feinde an ur.ccrc Tor« poeben, wollen., sie wieder Euch dazu ausnützen, ch$ Ihr Sire mit Betrag erworbenen Rcichtümcr verteidigt. Szekler Söhne l;ommen zur Vernunft und zind klfg. Nehmet ihnen ihr Geld ab, plündert die Häuser dieser schurkischen Juden! Wird das geechehen, werden wir wie der rein und frei sein. Nieder mit den Juden! Hoch das geläuterte Ungarn und die Szekler!" Ein Szekler, der 213 ercter dlrcs Flugzeitcl entdeckte, brachte einen ganzen Bund solcher Zettel dein Nationalrat. An 30 bis 40 r:'':er/Z.c:1e Kolozwarer jüdische Familien halten zu gleicher Zeit Briefe mit der Ueberschrift ״Antisemitischer Zentral* verein — die Schw II 'י u״e Deputation, bestehend aus den nen Adv״c1 Vertreter der jüdischen Gemeinde in Kieke, sch»״ ״^r־ J‘ örünbaum als Sekretär der Zionisti* Sje״w 1״-K^isation in Polen und Stadtrat Szcfc* äem denen sie aufgefordert vnu die Stadt zu verlassen. Dte nisation der Buchdrucker stellte fest, 11 in keiner einzigen Kolozsvnrer Evad.c den. Die Untersuchung ist int Zuge. Vv /ns il irze Mand" erhalten, Jn cn, binnen acht Tagen hiesige Fachorgatß derartige Typen rd gebraucht wpj- '0/fyx■ 1 tei׳. eines on^prisclicn Univcrsitütsprofessors Der ״Pester Lloyd" vorn 10. IXzcinbcr meldet: Der Professor der philosophischen Fakultät an der Debrecen er Universität, Richard H u (5, hatte Samstag in einer Sitzung des U n i v c r 8 i t ä t kk 1 ti b s , der auch Delegierte des Budapcsfcr Sankt-Emerichs-Kollegs beiwohnten, die Zuhörerschaft zu einem Pog rom gegen die Juden angceifert. Univcrsitätsprofcssor Ferdinand Bern 01a k legte sofort gegen den Ausfall Prolest ein. Heute befaßte sich auch der Nationalrat mit dieser Angelegenheit. Die sozialistischen Mitglieder des Nationalratcs wiesen darauf hin, daß ein solches Auftreten ernstere Folgen nach sich ziehen könnte, und sic beantragten deshalb die Organlsic rung einer Roten Garde. Der Nationalrat erachtete dies vorläufig nicht für notwendig. Regierung»• koimnissar-Obergcspan Julius Händler äußerte sich unserem Berichterstatter gegenüber dahin, daß er mit größter Strenge gegen jedes ordnungsfeindliche Bestreben auftreten werde, und ohne Zögern bereit sei, im Bedarfsfälle auch die bewaffnete!Macht in Anspruch zu nehmen. Heute nachmittag befaßte sich auch der Univer- 6 i t ä t s r a t mit dem Ausfall des Professors. Rcktot Julius Kisis erklärte, daß der Professorenkörper in energischer Weise die unüberlegte Aeußcrung des Professors Huß verurteile und gegen ihn die Di s zi p11׳ naruntersuchung cinlcltcn werde. Professor Richard Huß, dessen Acußerungen übrigens auch der re* formierte Bischof Baltazar verurteilt, trat angesiclits dieser Wendung den Rückzug an und bat den Universitätsrat, für morgen eine Vollvcrsamnv• lung der Universitäfsjugend cinzuberufen, in der er seine Worte erklären wolle. Unserem Berichterstatter gegenüber äußerte der Professor sich dahin, daß er nicht an einen Pogrom der Tat, sondern an einen ge i st i * gen (!) Pogrom gedacht habe. Dazu meldet der ״Pestcr Lloyd" vom 11. Dezember weiter: Der Rcgierungskomniissar-Obergcspan Julius Hand- 1 e r veröffentlichte eine Erklärung, in der er die jüngsto Aufforderung des Universitätsprofessors Dr. Ricliard Huß zu einem Judenpogrom verurteilt. Der Anwalt der sozia!demokratischen Partei Dr. Alexander Horvath hat gegen Dr, Richard Huß eine Anzeige erstattet, auf Grund deren die Staatsanwaltschaft die Untersuchung cingclcltet und mit ihrer Durchführung die Debrcccncr Stadtliauptmannschaft betraut hat. Die Polizei hat für ' übermorgen den Professor Dr. Richard Huß, sowie alle Teilnehmer der Versammlung vorgcladcn, in der der Ausfall erfolgt war. Dr. Richard Huß erschien heute beim Militärkommando und erbat seine Aufnahme in die Nationalgarde, diese wurde ihm jedoch verweigert. Heute hielt die Universitätsjugend abermals dne Voll- Versammlung im Universitätsgebäude. Einer der Redner nahin Dr. Huß in Schutz, was zu großen Skandale». Anlaß gab. Auch Dr. Huß ergriff das Wort und bcrichtigtc seine jüngsten Worte dahin, daß diese sich bloß auf die Ausweisung der Juden auf geistigem Qebkie bezogen hätten; er behauptet auch jetzt, daß man die geistige Führung ihren Händen entringen müsse.- Dio Versammlung währt zu später Stunde noch fort. In der Stadt herrscht große Aufregung, da aus der Umgebung Nachrichten über Ruhestörungen und Plünderungen eintreffen. ln Debrezen weikn bereits 750 aus den Komitateu Szatmar und Szafc>ole geflüchtete Familien, Zum Schutze der'Stadt wurde eine Garde aus 500 Mitgliedern organisiert, die ständig in Bereitschaft steht. Gegen die Pogrcmagitdion in De ' Berlin, 13. Dezember. (W. T. B.) Bekanntmachung. Am.tli oh. tn der letzten Zeit sind in großen Mengen anonyme Flugblättcr verbreitet worden, die in miverhüiitcr Form zur Judenhetze auf forderten. De Flugblätter sind nicht ohne Wirkung geblieben. Wie der ״Vorwärts" vom 11. Dezember meldet, sind verschiedentlich Juden und Christen, die durch ihr Aussehen nicht genügend geiren den Verdacht geschützt waren, Juden zu sein, köiic lieh angegriffen worden. Wenn diese schamlose Flugblatt hetze fortdauert, muß mit der Möidichkeit gerechnet werden daß wir auch in Deutschland die schmach der Judenpogrome erleben. Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenratcs sieht sich Sfi?״״f l8Ciä־r c ** rci* tionare an 11 s c mi tische T re «ben zu wenden, das er hiermit öffentlich und vor aller Wett brandmaVkt Der Vollzugsrat appelliert an den gesunden Sinn d<* deutschen. Volkes und ist überzeugt, daß es in sein״ überwiegenden Mehrheit der antiscmitisdi-rcaktiSI dulden Cwfrd8CntrCt<:n kcinerk' J^^vcrfolgungeri Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Sol, datenrats.. Richard Müller, Molkenbuhr. י