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Jüdische Rundschau · 1918-12-17 · Heft 55 (17.12.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 55 (17.12.1918)
Date
1918-12-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 426 JU EDISCO I: RUNDSCHAU ringen, daß er in erster Linie vor allem Jude, j einer ans dein jüdischen Volke ist, und daß das Glück seines Lebens darauf beruht, diese seine Eigenschaft ausleben zu können. Dann wird das kleine und vertrocknete jüdische Leben in Deutschland, das sich bisher in den dunklen Winkeln irgendwelcher Gemeindestubcn und Vereine abspielte, sich' frei entfallen. Dann wird es ein politischer Unsinn sein, sich zu verstecken und sein Judentum zu bemänteln. Mit einem Schlage ist dann für alle die, die im Volke stehen und hinter dem Volke stehen, jede Unsicherheit verschwunden. Es gilt ein entschlossenes Bekenntnis zum jadischen Volk. Es gilt dies umsomehr, als auch das jüdische Volk heute vor der Gefahr steht, hineingerissen zu werden in den Kampf der Machte um die Macht. Wir haben nie etwas zu tun gehabt mit diesem Kampf, mul er ist unserer Seele fremd geblieben. Wir Zionisten sind stolz darauf, daß die Mächte, die heute die Geschicke der Welt bcstimmen, unser Recht anerkennen, und wir nchmen dankbar aus ihren Händen die Schlüssel unserer neuen Entwicklung. Aber wir verbünde» uns in keiner form dem Machtwillen, der jetzt noch die Welt regiert und sic vielleicht auch noch in der nächsten Zukunft regieren wird. Das war der eigentliche Grund, warum wir keine Partei genominell haben im Kriege, Es war nicht die feige Angst vor der Ungewißheit der Entscheidung und. die kleine Berechnung, sich auf das richtige Pferd zu setzen. Vom Beginn des Völkerringens an hat der Zionismus die Forderung des jüdischen Volkes den Völkern in ihrer Gesamtheit unterbreitet und tut dies heute, da die Entscheidung des Krieges gefallen ist, mehr als je. Indem wir mit heißer Dankbarkeit durch das Tor eintretcu, das uns das Ende des Krieges geöffnet hat, erheben wir 110110־ als je und stolzer als je die Fahne unserer heiligen jüdischen Idee, der Gerechtigkeit unter den Mensehen und unter den Völkern, die wir in Palästina den Völkern und den Menschen!״ärztlichen trachten. Den deutschen Juden erwächst gerade unter diesem Gesichtspunkt eine hohe Aufgabe. Sie rechnen sich zu den Besiegten, und cs mag ihnen nicht leicht fallen, sich zu einer jüdischen Entwick- Hing zu bekennen, deren äußerliche Formen unter dem Zeichen der Sieger stehen. Sie mögen dieses Gefühl überwinden. Sie mögen mit uns überzeugt sein, daß die große Idee des Zionismus, die die eigentliche Idee des jüdischen Volkes immer gewesen ist, über dem Krieg und auch über dem Sieg stellt. Und sie mögen mit dazu beitragen, daß unser großer und heiliger Gedanke den An- Schluß findet vom Krieg zur Einheit des Menschengeschlechtes, die nach׳ dem Siege kommen muß und kommen wird. Darum sollen sie mit uns gelien zum Jüdischen Kongreß in Deutschland. Julius Berger. Die zionistische Konferenz in London Das Ko pc n ha,ge ne r Zionistische Büro berichtet: Innerhalb der nächsten Wochen wird in L011don eine zionistische Konferenz stattfinden, auf der neben Palästinafragen die Fragen der jüdischnationalen Rechte in den osteuropäischen Ländern beraten werden sollen. An dieser Konferenz sollen auch die Herren Dr. Schmarjah Lew in, Dr. Viktor Jacobson, Stephan S. Wise neben anderen Zionistenfüh'rern aus Amerika, ferner aus Rußland die Herren M. M. Ussischkin und Boris Goldberg teilneh'men. Möglicherweise ,wird auch Herr Louis Brand eis, der zur Friedenskonferenz nach Europa fährt, an der Tagung teilneh’men Zum Jahreswechsel! #* In kurzem beginnt ein neuer Jahrgang der ,Jüdischen Rundschau“. Trotz der großen Schwierigkeiten erscheint die ,Jüdische Rundschau“ nunmehr zweimal wöchentlich und zwar zunächst ohne Erhöhung des Abonnementspreises. Wir bitten unsere Bezieher, das Abonnement auf die ״Jüdisdie Rundsdmu" rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zustellung der Zeitung keine Unterbrediung eintritt. Das Viertcljahrsabonncment beträgt in Deutsddand Mk. 4.S0, im Ausland Mk. 6.30. Verlag der »Jiddischen Rundschau“. liii ׳ Die d’0Lt<.j1CüQ Letno:iar!naendt Die politischen Folgen der, Krieges lnhen da» Schwergewicht der äußeren ‘Tätigkeit des Zionismus _auf die Seite der den Entente-Staaten ungehörigen zionistischen Landsmannschaften, inr.her,andere in den Bereich unserer englischen und ainerikaiiircheii Gesinnungsgenossen, verschoben, Aus den 1 fiiiuleu der englischen mul amenk,■mischen Regierung werden wir unsere Rechte aut Palästina empfangen. Den englischen mul amerikaiiisclieu Zionisten' ist damit eine beneidenswerte Rolle in der Geschichte unserer Bewegung zugefatlen und sie werden sie im Rahmen des Möglichen und Erreichbaren so gut aiisfülleu, wie es nur irgend denkbar ist. Für die Entschiedenheit ihres politischen Willens, für die Klarheit ihres politischen Programme«, für die Ge- Schicklichkeit ihres politischen I lamlelns I1al>c11^ sie uns wahrend der gnn/cii Dauer des Krieges eine Fülle von Beweisen erbracht. Wie alier stellt es mit der inneren Entwicklung des Zionismus? Gerade wir deutschen Zionisten haben die untrennbare Einheit der geistigen und der praktischen Seite unserer Bewegung, der Identität ihrer inneren und ihrer ״!liieren Politik von jeher erkannt und zur Rieht• schnür unseres zionistischen Handelns gemacht. Die Wir• ■kling des Zionismus nach außen hin ist genau proportional seiner inneren Festigkeit, seiner geistigen Fundamentierung, seiner Macht über die Seelen seiner Bekenner, Aett• dert sich jemals dieses Verhältnis zu uiigunsteii des Geistes, so lebt der Zionismus über seine Verhältnisse, und die daun errungenen Erfplge sind trügerisch und ohne Dauer. Die geistigen mul seelischen Werte des Zionismus, auf denen seine Größe beruht, sind bisher fast nusschließlieh, vom russischen (und dem ihm in diesen Zusammenhangc z.iizurcchnciiden galizischeu) und vom deut• scheu, (man könnte auch sagen: deutschsprachigen) Judcntuni nusgegaiigen. Diese Tatsache ist jedem, der mit der Geschichte unserer Bewegung vertraut ist, wohl bekannt. Was diese hehlen Gruppen dem Zionismus gegeben haben, ist deutlich voneinander zu trennen. Man könnte den Unterschied etwa so.formulieren, «laß der russische Zionismus ein geborener, der deutsche ein errungener war, (Jeder derartigen Fixierung flüssiger geistiger Begriffe haften ihre Ungenauigkeiten au; man darf diese aber uin einer Klärung• im großen Ganzen willen in Kauf nehmen). Wohl kaum einem deutschen Zio• nisten ist der Zionismus in den Schoß gefallen, fast alle haben wir erst aus tiefer Assimilation zu ihm heimgefluiden. Aber indem wir ihn uns in Leiden und Freuden Stück für Stück erobert haben, lernten wir ihn durch und durch kennen, und wir wußten, was wir taten, als wir uns zu ihm bekannten, ln der Helligkeit des Bewußtseins, in klarer Erke 11 ntn i s seiner Fülle und Weite, und auch der Opfer, die er von uns verlangt, sind wir Zionisten geworden. Darum weist der deutsche Zionismus eine besondere Fülle von Menschen auf, die in ihrer Person die geistigen und seelischen Werte des Zionismus verkörpern, und die, sei cs durch Lehre, sei cs durch ihr Leben, an der Schaffung des geistigen Kerns des Zionisinus mitgewirkt haben. In der Herausarbeitung des nationalen Gedankens aus der Welt des Gefühls in dio des Denkens, in der gelebten Erkenntnis der sittlichen Werte des Zionismus, der Durchtränkung desCgzionistisehen Handelns mit dem zionistischen Gerste haben die deutschen Zionisten ihr Bestes gegeben und siel) ihr größtes Verdienst um die Bewegung erworben. Diese Entwicklung war im Blühen, als der Krieg ausbrach. Die Probe, die er bedeutet!;, hat der deutsche Zionisnuis bestanden. Unsere Zionisten — gewiß nicht alle, aber bemerkenswert viele — haben sich gerade da, wo jeder auf sich selbst gestellt war, als selbständige Träger des Gedankens, als Keimzellen zionistischen Lcbens erwiesen. Die russischen Zionisten, die wir vor dem Kriege am Werke sahen, gehörten fast sämtlich der älteren Generation an. Der Zionismus war ihnen in einem uns unerreichbaren Maße eine Selbstverständlichkeit. Er war der Ausdruck des ihnen nie zum Problem gewordenen Judentums. Sein Ethos, seine Leidenschaft, seine sinnliche Fülle hi Iden die breite und unerschütterliche Basis, auf der unsere Bewegung ruht. Sogar über Herz.! sind die russischen Zionisten Sieger geblieben, da die Magnetnadel ihres zionistischen Instinkts unbeirrbarer nach Palästina wies als die seine. Aber in einer Zeit, die auch das russische Judentum vor die Notwendigkeit stellte, sich mit der Assimilation auseinanderzusetzen, genügte dieser ererbte Zionisinus nicht mehr. Daß es dem russischen Zionismus so lange an Nachwuchs gefehlt hat, kann nicht allein mit den ungünstigen äußeren Verhältnissen 1111 alten Rußland erklärt werden. Wann hätte sich die Jugend eines Volkes je durch solche Hindernisse n blinken’ las• sen, ihren Kampf aiif/unehnicn? Schufen sie nicht gerade sonst immer eine Kenitruppe, die im Feuer er־■ probt war? Es scheint mir vielmehr, als ob dieser Zionismus der alten Generation deshalb nicht zc!»׳*un״s• fällig war, weil er auf die Probleme der neuen Generation nicht eingerichtet war. Aber der Zionismus, als ein urwüchsiges Produkt des jüdischen Volkskörpers, verjüngte sich ans eich selber, und so dürfen wir heute mit dem Vorhandensein einer cuvochthon erwachsenen jungen Generation russischer Zionisten rechnen, die in der weiteren Entwicklung der Bewegung jlir eigenes 1 entscheidendes Wort mitspreehen wird. Der Zionismus ____,_Nr. 55 » t 7 ' ~~~ '!4 dieser Generation aber wird in seiner Struktur viel mehr < Acliiiiichkeiten mit dem deiitsclicn Zionismus aufweiKr,; 1 akr es bei der alten Generation der Fall war. Audi L ׳ * ihm verbindet sich nationales Bewußtsein mit ״ä; י tionalcm Gefühl zu einer Einheit von erprobter Feg״, j keit. T Vom englischen und amerikanischen Zionismus wi5 J| sei! wir bisher wenig dergleichen. Beide Landsmann. 11 schäften befinden sich noch in einem Stadium, in «k13 S :i; der beste Teil ihrer inneren Entwicklung noch ve; | ihnen liegt. Man darf nicht etwa meinen, daß ,|,ct 1 •!; Entwicklung mir so lange wesentlich gewesen sei, al; i 1־ der Zionismus in der Hauptsache auf die Diaspora-ArbS '4 eingestellt war, daß sie aber von minderer Be fei dcutung sei, wenn es nur noch darauf ankommt M Palästina zu besiedeln. Einmal ist der Geist <JctP? stärkste Motor, der uns nach Palästina treibt, und autf fei für die, die liiiiRcgaiigen sind, hört der Zionhmu' fei nicht auf, Bewegung zu sein. Er wird auch das 11cUt|J Ileimwescn atifzubauen haben! Zum anderen bleibt Zionismus, auch wenn wir alle Möglichkeiten, die sichf i uns in Palästina bieten, sofort voll ausumtzen, trotzdem noch in weitem Bin fange Diaspora-Arbeit. |j Der deutsche Zionismus darf sich deshalb nicht akf j den eines besiegten Landes' betrachten und sich darum Tl etwa mit einem zweiten Platze begnügen. Mit aller || Schärfe muß, tun der Einheit lind Unberührtheit unserer 1' Bewegung willen einer derartigen Auffassung vorgebeugt! werden. Sie hat bei uns nichts zu suchen. Im Zionis- I nius kennen wir keinen Unterschied zwischen Entente 1!: Zionisten und Zionisten der Mittelmächte. Das einzige ו Kriterium ist, was einer dem Zionismus zu geben hat. \ Und wir glauben, daß insofern den deutschen Zionisten j mindestens dieselben, vielleicht sogar noch größere Aut- I gaben iin Zionismus gestellt sind als früher. J Der deutsche Delegiertcntag, der demnächst zusamj inentritt, wird sich über diese Aufgaben aussprechen und 5 sich auf sic vorbereiten müssen. j Erich Colin, Berlin. Eintritt der Jüdischen Nation in die litauische Taryba Aus Wilna wird uns gemeldet: bie Ver. h a 11 d 1 u!1 ge n der letzten Wochen zwischen Juden und Litauern haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Die von den einzelnen j ii d i. sehen Parteien und der Konferenz der Zionisten aufgestcllten Forderungen sind von der vorläufigen Regierung Litauens restlos a 11 g e n o in in c 11 worden. Demgemäß sind drei Juden in die Taryba und in die vorläufige Regierung eingetreten: der Zionistenfülirer Rechtsanwalt Rosenbauni als Unter• Staatssekretär in das Auswärtige Amt, Dr. W!. godski als Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. R a c h m i 1 j e w i t s c h als Unterstaatssekretär in das Ministerium für Handel und Gewerbe, Wegen Eintritts von weiteren drei oder vier Juden in die Taryba schweben noch Verhandlungen. Wie bc• stimmt verlautet, stehen auch die Einigungsvcrhandhingen mit den Weißruthenen vor einem be• friedigenden Abschluß. Die Polen verhalten sieb ruhig. Am Dienstag, dem 10. Dezember abends, fand im Tarybayebäude ein feierlicher Empfang der jüdischen Regie ru n gs rn i tglie der durch den Präsidenten Smctona statt, der die neuen Minister unter allgemeinem Beifall aufs wärmste begrüßte. Das am Donnerstag, dem 12.1 zu Ehren des neuernannten Bischofs von Litauen gegebene Bankett wurde durch die Teilnahme von Vertretern der verschiedenen Nationalitäten /» einer bedeutsamen Demonstration für die Gleichbe recht igung aller Nationalitäten Litauens, b! Namen des jüdischen Volkes sprach Unterstaats• Sekretär Rosenbauin, dem der Bischof in sehr warmer und 11 ödist bedeutsamer Form erwiderte. Wir begrüßen aufs wärmste die in dieser & gelung bewiesene Anerkennung der jüdischen Nation Litauens und ihrer Forderungen. M״ge das neue Staatswesen, das so die innere Einigung und die richtige Grundlage einer harmonischen Ent• Wicklung gefunden hat, auch den rechten Weg aus den äußeren Bedrängnissen finden, die seiner gesicherten Existenz noch Im Wege stehen. Ekr warmen Sympathie und der tatkräftigem Inter- Stützung aller Juden wird cs gewiß sein. Konferenz der litauischen Zionisten In W i 1 n a fand in den Tagen vom 5. bi» 8 j*■’' zember eine Konferenz der litauischen 2'0• nisten statt. Es nahmen daran <19 Delegierte t«! dio 33 Städte vertraten, ferner 3 Mitglieder des A'n' tral-Komitccs für W e i 11 r u ti I a 11 d. Die Tagesanü»111? lautete: 5. Dezember: Begrüßung, Wahlen, Berichte der Ortsgruppen. 6. Dezember: 1. Referat von R •'■ Rosenbaum: Die politische Lage in Litauen; - Unsere Teilnahme an den städtischen Verwaltung^1' Referent Dr. F. Wigodski. 7. Dezember: 1. L>ie 61" meindcwahlcn, Referent Herr L. J afic; 2 Unsere Forderungen zum Friedenskongreß. Referent Dr. Berg er• 8. Dezember: t. Organisationsfragen. Referent 'Herr ■ Rudnicki; 2, Die Arbeit für und in Erez Israel. He״ reuten: A. Munzik und J. .Syrkrn; 3, Boncni■־

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