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Jüdische Rundschau · 1918-12-17 · Heft 55 (17.12.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 55 (17.12.1918)
Date
1918-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ר < l iclit. *I- Jt.? 4,' ' V», \G■ הס ev U■ ג11 er no .מ :1, 1 3 \ ״r;. * I Redaktion aod V«rl*j Judkclie Rundschau, Berlin W. 15, S8d.sir.d10 StrnC« 8. ,ieint w0d.cntl. a1n f-rc.U8׳. Abonnement bei der Expedition und bei nlk-n P־״.l״mtern jjrtoljöbrl. Mk. 1,50 in lJcutsAIand, in Oeütcrretch-Uiijjarn Kr. 8,—, im Ausland Mk. 6.50 ’ ״ ... ......1 0:1.41.0:1: A'-:'iU »■ X. r'crt-p-.r!:! ׳•: ,dla od:r <lcrca II 14. YiiC'J Nummer 55 erlln, den 17. Dczci V Bcr ZlonUmm c?;L'c. <3£e Schaffung r Kclcn&i^lc in I ר vc •111..׳».״»- .. ׳ 5 יי,:; ו f■*; /~״)י׳ ttiu'ytiii w -nd 815, CvS. Pod;d1e!..!;k0rsto: Berlin Nr. 17392. rür Ot,U;.״ j1 11-;י S lif .!;!;ento Nr, 156050. Anrxigen dia ec:!>',rcsp׳';.cDa K«~t* n 60 Ps. Tot: rre?״tzur.d:!.-;70% ן. Redaktionxsddua Dienst,;״ Bc-.a. 5479 ןן XXI11• jeiir: »rj* .;הזו!»!'; r. 0׳V\ ' 4 — * 14 N f |;\ 14 s > > 4. 1״ : 25., 26. und 27» Dezember 1918 im Kaiaersaal dos REeingold, Barlin, Bollovuoctrasse (am Potsdamer Platz). Tagesordnung: Mittwoch. doa 25. Dezember, vormittags 9l/3 Uhr präzise: Eröffnungsrede Dr. Ha&ttkei ״Die zionistische Entwicklung“. Gedenkrede: Justiz-Rat Dr. Bodonheimer. Wahl des Präsidiums. Aussprache. Nachmittagssitzgng 31/» Uhr: ״Zionistische Arbeit in Deutschland“, Referent: Kurt Blumonfeld. Aussprache. Donnerstag, den 26. Dezember, Vormittagssitzung 91/* Uhr präzise: Fortsetzung der Aussprache. Nachmittagssitzung 3V3 Uhr: ״Der Aufbau des jüdischen Palästinas“, Referent: Richard Licbtboim. 4 Aussprache. Freitag, den 27. Dezember, Vormittagssitzung: Fortsetzung der Aussprache. — Wahlen. Das Zentralkomitee hat beschlossen, daß während des •;•k.:;ertenl.1,;cs andere zionistische Veranstaltungen (öf-!entliehe Versammlungen oder interne Sitzungen ein- Incr OrupiH'n) nicht stattfinden dürfen. Die uns ־riatdieiideii Vcrhiindc werden ersucht, diesem Dedilull Rechnung zu tragen. Di!־ Ortsgruppen und Vereine werden dringend ge- 4u11׳, die Ablieferung der Landesbeiträge, deren Höhe statutengemäß für ihre Vertretung maßgeblich 1, sofort zu veranlassen. Das' Zentralkomitee bittet, ihm Anträge für den :k!e^iertcntag möglichst bald zuzustcllcn. für Gäste werden Eintrittskarten zum Preise von '4 2.— ausgegeben. Dieselben berechtigen zur Teilahme an allen Sitzungen. Bestellungen sind unter Ein- 'idung des Betrages von M. 2.— zuzüglich 15 Pf.;’°rto an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Arliu w.!5, Sächsischcstraße 8 zu richten. Wir bitten unsere auswärtigen Freun-!it, sieh möglichst bald mit Gastkarten? u versorge 11 u 11 d g e w ü 11 s c h t e H o t c 11 i tn '1 crte 1 eg ra p )1 i sc 11 zu bestellen. Zur Ucbcrnahme von Mandaten haben sich be- :,f‘ erklärt ־. Isaak Boschwitz, Berlin, R.-A. Dr. Bacruertin, Dr, Arnold Hildesheimer, Dr. Ahron Eliasberg, V Albert Goldberg, Leo Foerder, Edith Hantke, Adolf 1'o'.lak, Arnold Zweig, Leo Herrmaiin, J. H. Wagner, K. A, S Cohn, Brandenburg, Wahlergebnisse: , Frankfurt a, Oder: Dr. Noack, Delegierter; Re- •Creudar Dr, II irschberg, Ersatzdelcgierter. Mannheim: Frau Dr. Else B o d c ח h e i m e r - B i- '״ ג>. Or, Frit/ Kaufma n n , Delegierte; Dr. Willy -,odeiiheimer, Ersatzdelcgierter. Stettin: Hermann J a co b Stettin, Delegierter. , Berlin: Prof. Dr. Heinrich Löwe, Richard Lichtß 1111 > Nahtini Gold in a 11 n , Dr. Max Strauß, J■ 1!ermann Lewcler, Walter Moses, Dr. Gurt 1־"ratzki, Gertrudc Welkanoz, Dr. Arnold ״uri!1' *iav's Trictsch, Julius Berger, Delcrlt 'זי* י"־. Fritz. Löwenstein, Dr. Moses Smoira, Dr. VJ*Clc ״■ w tj-U י׳* 4s;1t f’iitner, Leo Herrmann, Dr. Albert Goldberg, *delegierte. Ha!uC/lin! Zionistischer Jugendvercin: kr 1>1J,°5 *a r . Wilhelm Sand, Delegierte; Fritz Ola- ,1'tipp Grünbaum, Ersatzdelcgierte. Kin״ ״*** Apothekenbesitzer Riesen fe Id, Isaac ' Ersatrdelegierte. Der deutsche Zusammenbruch hat die deutschen Juden in eine sehr schwere Lage gebracht. Durch Generationen hindurch bauten sie ihre politische, soziale und materielle Existenz darauf auf, daß sie in allein, was sie taten, ihr Judentum verhüllten. Wenn sie etwas vom Kriege erhofften, so war es, daß die Stimmen, die ihnen ihr Judentum verhielten oder vorwarfen, zum Schweigen gebracht würden —, und gewiß haben sic dies von der Revolution erwartet. Das aber hat sich als Trugschluß erwiesen. Lauter als je hat im Kriege der Antisemitismus *sein Haupt erhoben, und die ersten Wochen der Revolution lassen in der offenkundig werdenden Gefahr, daf>-u1ucl1 in Deutschland die Massen sich in die Hetze gegen die Juden hineinrennen lassen, allzu deutlich den ungeheuer schwanken Unterbau erkennen, auf dem das Leben der deutschen Juden beruht. All das, was sie durch viele Jahrzehnte hindurch zu Trägern ihrer öffentlichen Existenz gemacht haben, ihr!Wert als Menschen, als Deutsche, als Staatsbürger, verschwindet vor dem brutalen Hinauszerren gerade derjenigen Eigenschaft, die ihnen selbst für ihre Stellung am belanglosesten erschien: ihrer Eigenschuft als Juden. Und da ergibt sich die vollkommene Schutzlosigkeit der deutschen Juden gegeniiber einer solchen Auffassung. Es wirkt wie ein ungeheurer Hohn auf die heißen Kämpfe, die die deutschen Juden seit der Rcichr.griüidung tim den jüdischen Rcservelcutnant geführt haben, wenn sic ihren Volksgenossen, die die Revolution zu Ministern und Parteiführern gemacht hat, dies zinn schweren Vorwurf machen, und von ihnen verlangen, daß sie aus Rücksicht auf die andern Juden darauf verzichten, ihre Intelligenz, ihre Ucherzeuguug und ihre Energie in den Dienst des deutsehen Volkes zu stellen. Ratlos und verzweifelt steht der deutsche Jude vor dem Zusammenbruch all seiner Uebcrlicfcningcn und Ueber/eugtiiigeiu Politisch, moralisch, materiell in gleichem Maße bedroht, von seinen Führern im Stich gelassen, in die aussichtslose Verteidigung gegen den Vorwurf gedrängt, daß er Jude ist, sieht er sich einem völligen Bankerott gegenüber. Die Flucht zurück in das deutsch« Judentum in seiner überlieferten Gestalt vermag ihm aucli nicht zu helfen. Bis in die ersten Jahre des Krieges hinein hat zwar das deutsche Judentum int der Welt eine Rolle gespielt. Aber im Kriege ist es von seinem Picdcstal heruntergestürzt. Seine innere Hohlheit, seine Unfähigkeit! großen Auf. gaben gerecht zu werden, die Blutleere seines von jedem Zusammenhang mit dem wärmenden und nährenden Quell des Volksganzen abgesperrten Organismits ist unverhüllt offenbar geworden. Acngstlieh waren die Verweser des deutschen Judentums bemüht, die großen Probleme des Krieges den kleinen Interessen der deutschen Judcnheit unterzuord neu. Darum schwiegen sie in der Ostjudcnfrngc und machten sich zu Schergen einer Politik, die ein ־ungeheures Unglück bedeutete für die Juden Polens und Litauens und eine Schmach1 für das alt« Deutsche Land, darum standen sie zögernd beiseite, als die ganze Welt die Palästinaforde rung der Juden proklaut ierte. Das deutsche Judentum hatte sich! von dem Zusammenhang mit dem jüdischen Volk ausgeschaltet. Jetzt steht das jüdische Volk gcsdtlossener als je in seiner Einheit, und die deutschen Juden stehen draußen. So entfällt dem deutschen Juden auch der Schutz, den er sonst im Bewußtsein der Zugehörigkeit zum deutschen Juden tum und der .Teilnahme att dessen überragender Stellung hatte. Allzu klar sic 11t er, wie allein er ist. Als Deutscher ist er teilhaftig des bitteren mit dem’ sieh die Welt an Deutschland für das׳ Unglück des Krieges rächt. Als deutscher Jude muß. er die geringe Wertschätzung mittragen, die das darb die Judentu!!ן dank seinen Führern in der Ge'srjirtjudc&hcit genießt. Und in Deutschland selbst sieht er sich vor dem furchtbaren Zwang, seine jüdische Eigenschaff vertreten zu müssen, die er kaum noch kennt und gewiß nicht licht. Ein Bankerott, der tragisch genannt werden könnte, wenn er nicht so gerecht wäre. In diesem Augenblick ergeht an die deutschen Juden der Ruf zum Jüdischen Kongreß in Deutsch- 1,-tnd. Die Zionisten, die die Einheit des Judentums hochgeh alten und zutn Panier erhoben. haben, machen sich keinen Ruhm daraus, daß sie in Deutschland wie überall sich auch1 im Kriege als Glieder des jüdischen Volkes gefühlt und dieses starke Gefühl stark zum Ausdruck gebracht haben. Daß sie diesem Glaubenssatz über den Krieg treu geblieben sind, daß den Zionisten in Deutschland ebenso wie denen in Rußland und England die Einheit des jüdischen Volkes heiliger war als der Kampf in den Gräben, in denen auch sie verbluteten, das eben hat bewirkt, daß sie mit in der Reihe der Sieger stehen. Der Abschlußdes Krieges soll die Erfüllung der Forderungen des jüdischen Volkes bringen, so wie sic durch die Zionisten vorgetragen werden, und die Zionistische Organisation wird die Repräsentanz des jüdischen Volkes sein, der die Welt den Preis anvertraut, den sie dem jüdischen!Volke im Namen der Gerechtigkeit aushändigt. In diesem erhabenen Moment erweist sich der Zionismus als die große Volksbewegung־, die zu sein er immer behauptete. Von zionistischer Seite wird die Forderung des Jüdischen Weltkongresses in die öffentliche Diskussion geworfen. Der Zionismus, der politische Geschäftsführer des jüdischen Volkes, übergibt die Idee, die ihn zum Siege führte, iin Augenblick ihres höchsten Triumphes der Ganzheit des Volkes, damit Volk und Idee eins werde. Wie‘sich die Juden der ganzen Welt im Weltkongreß zusammcnschließcn, um die Einheit des jüdischen Volkes sinnfällig zum Ausdruck zu brin« gen, ist cs nötig, daß die Judenheiten der einzelnen Länder sich zu den Teilen vereinigen, die die Kornponenten des großen Volksganzen bilden werden. So entstand die Kongreßbewegung in Amerika, in Rußland, in der Ukraine, in Polen, so entstand die starke Strömung, die zur Bildung der Nationalrate im ganzen jüdischen Osten geführt lat. Diese selbe Forderung ergeht jetzt an die deutschen Juden, Im Moment ihres tiefsten Zusammcnbruchs wird ihnen der Weg gezeigt, auf dem sie zu einer wahren Freiheit und zu einem ehrlichen und anständigen Leben kommen können. Es soll ein Jüdischer Kongreß in Deutschland zusainmentreten und soll in sich’ vereinigen die Vertrete!• aller jener Juden in Deutschland, die wohl wissen, daß sic ins Judentum hiiicingchören Und daß das jüdische Volk ihnen den Schutz geben wird, dessen sie als Juden bedürfen, und die bereit sind, sich’ dieses Schutzes würdig zu zeigen. Die Aufgaben des Jüdischen Kongresses in Deutsch-!and gliedern sich in zweierlei Richtungen: Einmal muß der Zusammenhang festgcstcllt werden mit der jüdischen Gesamtheit draußen, cs muß offenbar werden, daß auch' die deutsche Judcnheit nichts ist als ein Glied des großen jüdischen Volkes, ihm verwachsen und mit seinen Interessen aufs engste verbunden. Das, was notwendig ist, um das Leben des jüdischen Volkes als Ganzes zu ermöglichen, muß aucli von den deutschen Juden gefordert werden, und sie müssen mit dieser Forderung eins werden. Sie müssen wissen, daß es notwendig ist für das jüdische Volk, daß es ein nationales Heim in Palästina bekommt, und sie müssen willens sein, nach ihren Kräften an diesem Werk initzuarbeitcn. Sie müssen sich verschmelzen mit der Forderung der jüdischen Massen, die Sdiutz ihres nationalen Eigenlebens verlangen. Auf der anderen Seite aber müssen sie entschlossen an den Neuaufbau des jüdischen Lebens in Deutschland gehen. Aus der kleinlichen Zersplitterung der Synagogen- und Kultusgemeindcn, der Abwehr- und der Hilfsvminc muH da, cinl.citliche jiidtX Oe meinwesen in Deutschland werden und aus den Organisationen, an denen niemand Anteil hatte als ein paar reiche und hohe Herren, muß werden die starke Repräsentanz des jüdischen Volkes in Deutschland, die ihre Legitimation!!erteilet aus dem Vertrauen des Volkes, das sie in demokratischer Wahl gebildet tot. Ein jeder Jude in Deutsch* land muß sich wieder zu dem Bewußtsein durch

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