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Jüdische Rundschau · 1918-12-06 · Heft 52 (6.12.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 52 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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וו• 415 Seife 408 Jü; •\U Nr. 51 3. daß überhaupt an leitenden Stellen in Finnland kein Antisemitismus sich manifestiert, und daß wir in den letzten Tagen einen Beweis dafür erhalten halsen, daß die Behörden, wo Konkurrenz oder anderer vülkischer Antisemitismus auftritt, solchen Bestrebungen «ich cnigegeugestellt haben und den Juden ihr Recht verschaffen. Kopenhagen, den 8. November 1018. A. Kugel. S. Mattsoff. J. Abramo vit z, A. Stiller. M. Suruik. Von der litauischen Taryba Aus Wilna wird uns vom 2. Dezember berichtet; Die Juden und die W e i ß r u 111 c n e n sind die litauische Taryba ein ge treten. Dr. I II Aus Wilna 1 V der ׳.tu berichtet. Ü', . M I ft. 1.* C. u." K r. u ק, wc!- j Militaräd.dc;r\v::::crt hat, um r.vc 'ragen sei vcrjchitcli vorhaäe >11 e. ׳11 :;1! ixkrc- :gen Ju-;11 ein n Stell :je von eiaseien, hülle ln Wilna halt der dortige Soldaten rat die Ordnung völlig aufrecht. Die Soldaten waren zwei Nächte alarmiert, da die Polen bewaffnete Aufsfände gegen die 'Deutschen planten. Ls s.nd jedoch alle Vorkehrungen dagegen getroffen. Die Juden sind in ernst bedrängter Lage. Ein Jüdischer National rat soll in diesen Tagen gebildet werden Jüdischer Nafionairat im lettischen Staat Nach Prokkmiiermig des lettischen Staates hat sich in Riga ein provisorischer Jüdischer N.itionalrat gcbildet* und ebenso ist dort ein j ii d i s c 11 -11 a 1io 1t a -!er Selbstschutz gebildet worden. Im nllgemeineu herrscht in Riga noch Ruhe und Ordnung. Ls kam nicht zu Ausschreitungen. Ueber die kulturelle Lage der Juden in Litauen Unter dem Titel ״Di 11a je 11 chole“ schreibt Ben Schimon in dem Wilnaer Wochenblatt ״Unser Os siil": Lines der größten Kricgslcidcn, die über das litauische Judentum hereingebrochen sind, ist die Verringerung seiner jungen Intelligenz. Große jüdische Zentren sind von der Gefahr einer kulturellen Degeneration bedroht. Gleich nach Beginn der Okkupation sind viele junge Leute nach Deutschland ausgewandert, viele hat die Suche nach Arbeit in alle Windrichtungen zerstreut, eine bedeutende Zahl von Studenten und Abituiienten wurden Bremser bei der Balm. Als endlich die Erlaubnis zur Auswanderung nach Amerika gegeben wurde, ergtiif diese Möglich• ' keit die Jügeiul wie eine Massenpsychose. Line ganze Armee jugendlicher Intelligenz ging auf diese Weise dem Lande verloren. Noch gefährlicher aber wurde für die Zukunft des litauischen Judentums der Drang nach Rußland. Die Jugend drängt zu den 'russischen Hochschulen, die Lehrer werden angc/ogen durch das breite Arbeitsfeld und die besseren Lcbeitsbedingimgcn, viele gehen nach Rußland, weil sic dort für sich eine größere ßeweguiigstrcilicit in der gesellschaftlichen Bcwcguiig erhoffen. Dafür spüren die litauischen Juden einen empfindlichen Mangel an Lehrern, so daß Schulen geschlossen werden mußten. Der Verfasser spricht geradezu von einer großen nationalen Gefahr, welche durch die gekennzeichnete Lut- Wicklung für das litauische Judentum heraufbeschworen wird. Die Rechtsstellung der Juden in Deutsch-Oesterreich Die Wiener ״Neue Freie Presse" vom 28. Novcmber meldete; 'י Boi der Angelobung von Militärärzten durch den Staatssekretär für Volksgcsimdluit ergab sich ein c'gcn* artiger, bezeichnender Zwischenfall. Der Stust-sckrctär Dr. Kaup weigerte sich, das Gelöbnis der Acrzic israc lti dien Gl;u’k nsb;ku!ntn'sses . ntgegcnzunchmcn, bezeidmete die Rechtslage dieser Kategorie von Aerzten als ungeklärt und meinte, zunächst müsse mit dem Jüdischen Nationalrat dir.über Rücksprache genommen werden, 01) Juden als Staatsbürger der deutschösterreichischen Republik in Betracht kämen. Staatssekretär Dr. Kaup hie t an die Erschienenen eine Ansprache, in der er durchblickcn ließ, daß die Aerzle entweder dem ״deutschen Stamme" angeboren oder zum mindesten sich taufen lassen mußten. Von den Israeliten 'könnte er da* Gelöbnis nicht cntgegennelnnen. Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick!egte im eigenen Namen und auch im Namen der übrigen Aerzte mosaischer Konfession entschieden Protest gcgen diese Auffassung ein. Nach diesem Protest ver- , ließen die Aerzte, etwa 25 bis 30, den Saal, ohne das Gelöbnis abgelegt zu haben. Tags darauf meldete die ״Neue Freie Presse": Der Staatskanzlcr wird dieser Tage eine Abordnung von Aerzten unter Führung des Generalstabsarztes Dr. Pick empfangen, um das Mißverständnis au!zuklären, das aus Anlaß der Angelobung von’ Militäräi'ziai aufgetaucht ist. Die Berichte, die über diese Angelegenheit ausgegeben worden sind, sind zum Teil ungenau, und die Folgerungen, die daraus gezogen worden sind, treffen nicht zu. Die Mißverständnisse gehen größtenteils darauf zurück, daß die Nationalversammlung in bezug auf das Staatsbürgcrrecht nicht immer die gleiche Haltung eingenommen hat, und daß also die einzelnen Staatsämtcr keine einheitliche Riclitsc‘ nur bc- «saßen. Es ist zu erwarten!, daß der Zwischenfall eine * befriedigende Aufklärung linden wird. Dazu wird uns v.’.'r \i;.':1־ t: Der Jüdische M .־. iionr. I kanzler Renner u:td bo'ir. Et:.;,־;׳ eher vor kurze;n cd: A.:;, für den det1tseh-ö.,icrrr;1!.l :;heu interveniert. Der Fl;!;׳.' ,er tär verjiclierlcu, daß kr;;:e Recht den beabdclit’ßt geV/e״־.:ר Ce!. D C I nicht geklart, Der U«.. ln ml, daß ander abweichende Vc;irreni; Mißverständnisse veranlaßt. Nachdem der jn;l״d,e Nationalrat, welcher gegen die vom Rci׳chsrafe:.1׳bgre»rdncl:Mt Kcmcttcr vorgesclUagenc und ins Gesetz übcrnonimcnc Formulierung, wonach die deutsch-ürterreichiscbc Staatsbürgerschaft an das Bekenntnis zur deutschen Naiion gebur.den ist, Einsprnch erliohen hat, hat er nunmehr von! Stantsk.inzler R enne r einen schriftlichen Bescheid bekommen, daß dank der Bemühungen des Jüdische« N a t i o n n 1 r :11!־. Abänderungen des Ges tz.< 8 bcschlossen sind. Auch in bezug auf die Angelobung für den dcuiscli-österreidslcclicu Staat erklärt der Staatskanzler in diesem Schreiben, wird mau dem Nationalrat e n t g c!; enko m m c .;. Diese Stellunßnalmic des Stant.dtanzlcrs ist von hesoliderer Bedeutung, da sie die erste Voraussetzung dafür schafft, jluß im deul .־cli-östcrrcichiachcn Staat die Juden nicht gezwungen werden sollen, sich, um die vollen staatsbürgerlichen Rechte zu genießen, zur dcutsehen Nation zu bekennen. Eine des südslavisclicn Nationalrates Anschluß der!.mischen Orthodoxie an den jüdischen Nationalrat Aus Prag wird vom 28, November telegraphiert; ״Mittwoch, den 27. November, fand in Prag eine große Versammlung des Vereins der jüdischen Orthodoxen Böhmens ״Sinai" .statt. Die Versammlung bcschloß, die Entsendung von Vertretern der Vereinigung im den Jüdischen Nationalrat zu billigen, 11ml!;teilte ulen Verein auf uationaljiidische Basis. Die Resolution, welche zu diesem ih'iichliill fiilirti', wurde einstimmig angenommen. Die Mitgliederversammlung billigte den schon durch den Ausschuß des Ver*. ins ״Sinai" durcligcführtcn Zusammensclduß mit dem Jüdischen Nationalrat auf Grund der getroffenen Vereinbarungen und unter Anerkennung des Programms des Jüdischen Nationalrats." Dieser Zusammenschluß ist uinso bedeutungsvoller, als der Verein der jüdischen Orthodoxen Böhmens , ״Sinai" die repräsentative 0 r g a iri s a t i o n der gesamten jüdischen Orthodoxie in Böhmen darstellt, zu deren führenden Männern der Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich BFody, gehört. Das K o p c n 11 a g euer Zionistische Bü 10 hatte sich au die zionistische Landesorganisntion SUdstavien» mit dem Ersuche« gewandt, die von ihm am 25. Oktober atifgi•!,teilten Fordcrungc* des jüdischen Volkes dem südslavisclicn Nationalrat vorzulegen. Diesem Ersuchen ist die Vertrek:rschnft der zionistische» Laiidcsorganisation Süd* slr.viciis am 16. November nadigckommcii. Außer einer mündlichen Rücksprache mit dem Präsidium des südslavischcti Nationalratcs legte sie diesem ein au»- führtichcs• Memorandum vor. Das Präsidiiun gab daraufhin die folgende« Erklärungen all: 1. Die Rüdslavisclvcn Delegierten■ auf der Friede»»- kouferenz werden bezüglich Palästinas in gleicher Weise wie die Entente stimmen. 2. Siidslavien sympathisiert mit den Bes t r e 1) 1111 g e n d e s jüdischen Volkes zur Sicher.-ddluiig seiner Zukunft. 3. Das demokratische freiheitliche Siidslavien garaiitierl jedermann volle bürgerliche Gleichb e r c c h t i g u 11 g. 4. Siidslavien garantiert die ungehinderte ■ a ־ t i o n a I -k 1111 u re 11 c Entwicklung der südslavischcn Juden. 5. Das Präsidiiun des• südslavisclicn Nationalrates verurteilt entschieden den Antisemitismus. Die zionistische- Laiidcsorganisation für Siklslavlc■ übermittelte diese Erklärung und fügte ihr einen G!uB an das ganze jüdische Volk und seinen Dank an seine Führer, das Aktionskomitee, die Herren Weizmann, Brandeis und die Staatsmänner Balfour und Wilson bei. Das Köpcnhagcner Zionistische Büro hat daraulhin folgende» Telegramm an das Präs i 11 i ti 111 des s ii <1 s 1 a v i s c 11 e 11 zionistische! L a n d e s v c r b a!1 d c s gei ichtct; ״Wir erhielten Ihr Telegramm vom 18. November. Wir begrüßen aufs wärmste die Erklärung des Präskliums des südslavisclicn Nationalratcs, worin eine Ubtcrstützimg der von der Zionistischen Organisation proklamierten Forderungen des jüdischen Volkes zugesagt und deren uneingeschränkte Erfüllung für Südslavien versprochen wird. Wir bitten Sie, dem Präsidium de» südslavisclicn Nationalrates unseren tiefgefühlten Dank auszudrücken. Zionistische Organ'sation Koperdiagcner Dr. Victor Jacobson.' Büro Die galizischcn Oesterreich und im in Deutsch■ ac!1echo*S1Qvakiscl1en ׳ IffQ «44’ at Au* Wien Dr. S t r a ti c h e r wird am 26. November gemeldet: hatte sich in Vertretung des Jüdisehen Nationalratcs au das deutschöstcrr e i c 11 i 3 c h e S t a a t s a 1111 für 111 bi c r e » wegen Belassuug der g a 11 z i s c 11 e 11 F 1 ii c h 11 i 11 g e in Deutsch- Oesterreich und Auszahlung der Untcrstiitzungsgeldcr gewendet. Dieses Ansuchen wurde vom Staatsrat für Inneres Dr, Mata[n günstig erledigt 111 der gleidien Sache wandte sieh Dr. Strauch er wiederholt an die tschechische Regierung in Prag. Heute erhielt er von Dr. Kramarz ein Telegramm, worin derselbe iniUeilt, cs herrsche infolge des Rücktransportes der Soldaten und der tschechischen Beamten nicht nur in Prag, sondern auch auf dem Lande eine so große Wohnungsnot, daß 'die Wohnungen der 11 ׳ ii c 1111 i 11 g c gt räumt werden müssen. Die Regierung gewähre eine Frist bis 15. Dezember. Bis dahin werden auch die Unterstützungen weiter gczahlt. Dr. St rau eher erwiderte, daß die Flüchtlinge infolge der Pogrome in Westgalizien und der Zcrstörung ihrer Heimstätten nidht nach Galizien zurückkehren könnten. Es handle sich um nur 17000 Flüchtlinge, in ganz Böhmen, Mahren und Schicsie״, eine Zahl, die bei einer Bevölkerung von 10 Millione« doch ganz verschwindend sei. Dazu meldet das P r n p; c r T n g b 1 a 11 : ״Der Jüdische N:1 tionalrat in Prag hat gestern beim Ministerium des Innern und der Stattlialterei intorveniert. Es wurde ihm die authentische Erklärung zuteil, daß mit dem letzten Erlaß in Flüchtlingsangelegcnheilen nicht an eine zwangsweise Auswcis 1111 g der Flüchtlinge gedacht ist, sondern bloß die Einstellung der Vergünstigungen der Flüchtlingsfürsorgc ab 1. Dezember laufenden Jahres verfügt wird. Die noch in Böhmen verbleibenden 701)0 jüdischen Flüchtlinge werden bei Wiederhersteliung des Eisenbahnverkehrs und hältnissc in Galizien heimreisen," Intcfventisi« zu11 ״ n: •d-f,»״ 41« i wvftIV :I:.cn geordnctcr^Ver- י *nt’ 3d1i Eine 50 000 Dotlarspemlc für die amerikanische Zionistcaorganisatioa Das Ko pe 11 h a g e n e r Zionistische Bür« berichtet: Anläßlich des Briefes, den der Präsident Wilson an die amerikanische Zionistcnorganisation gerichtet hat, spendete ein Ncw-Yorker Kaufmann, Herr Sigmund Eis* Iler, einen Betrag■ von 50 000 Dollars für den Paliistina- Wiederaufbau ■;Fond. In dem BegleiV brief zu dieser Spende kündigt der Geber an, daß er, 90bald die erste Million für den Fond beisammen sei, weitere 50 000 D o 11 a r s spenden wolle. Von einer anderen Seite, die nicht genannt werden möchte, wurden der Organisation •— ebenfalls i» Anschluß au Präsident Wilsons Brief — 12500 Do!• 1 a r s überwiesen, Verkauf von Jewish Colonial Trust Shares In diesen Wochen hat der 'Jewish Colonial Trust eine Aktion zur Zeichnung von 103 000 Shar«s unternommen, das erhoffte Resultat wurde noch übertroffen, indem HOÜOÜ Shares gezeichnet wurden. Zum Tode Hans Gideon Heymanns Das Zionistische Aktionskomitee erhielt ferner das folgende Beileidstelegramm: Wien, 27. November. Kondolieren tiefbewegt zum Verluste Hans Gideo» H c y m a 1111 s. Zionistisches Landeskomitee für I) c 111 s c 11 - O c s t c r r e i c h. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg- Aitona hat dem Zentralkomitee der Zionistischen Vc► cinigmig anläßlidi des llinschcidcns von Dr. Hcyinä״» den Ausdruck herzlichste« Beileids übermittelt. Zum Tode von Franzi Berenstein Anläßlich des Todes von Franzi Berenstein im Haag hat das Zionistische Akt io nskomitcc an seine Familie telegraphiert; ״Empfangen Sie zti dem schweren Verlust, de« Sic 'durch das Ableben des Herrn Franzi Berenstc-U erlitten haben, unsere herzlichste Tcibialuue. Die Zk>- nistisdic Organisation betrauert in dem Verstorbene« einen ihrer treuesten Mitarbeiter." Der Gcncrnlbcvo׳.mach Egte der wcstukrainBchcn Volksrepublik W a s 3 i l k o hat bei der tsohechos 1 o v ak is c 11 cn , d eu 10c 11«5s ter r eich lachen uml ungarischen Rcgicr'U.ig;;itcrveri'crt, um eine Ausweisung der!׳;u li7.i 1 c 11 ־b 11 kowinlschen 11 ־ ü eli 11 i 11 g e 1111t 1d'.r‘:..;c'.*t auf *•die gegenwärtigen U \’Ci«4Uuv4I« Laiidesverhälliii!• Zum Delegiertentag der Zio־ Deutsch- Der XV. De legie rten t ag 11 istischen Vereinigung für land findet am 25., 26. und 27. Dezember 191* im Kaisersaal dos Rheingold, Berlin, Bellevue• Straße (am Potsdamer Platz) statt.

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