Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 52 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1צ j U E DI C C M «3 CH AU 11 n 41 11 e " e 11 r i c 1 c: r Männer, F 1׳ a u ,־ n u n Kinder, die die brennenden Wolinu n![cn verlassen wo II Sen, zurück. Am Sonntag stau• den fünf 11 u n d e r t b is s 1׳ c 11 shu J1 d e r t II;i 11 .1• r in 1' I a 111111111 ׳. Aul den Straßen lagen viele Leidien von Leuten, die entweder aus <1 e 111 Feils t e f g c s p r u 11 g e 11 waren, oder a u f d e r S t r a II <: t o t g esc 111 a g e 11 wurden. Die brennenden und /um eil schon \oll>:anJig 11 i e d e r g e b r a 11111 c 11 Hauset׳ beiden zweifellos noch Hunderte von loten. Man s c h a t / t d i e Zahl der Toten a 111 1111 nde st e 11 s zweitausend bis d r c i t a u s e 11 d , 1 o n a 11 d e r c r Seite auf a c 1111 a 11 s c n d bis 1 e 1111 laus e 11 d. Die Jammerszeaeii waren zum Steinerweichen. Durch eie brennenden Straßen liefen verzweifelte Männer, I ramm und Kinder, die mich ihren vermißten Angehen- 1;en riefen oder mit Kindern auf dem Rücken einen Ausweg aus dein Ghetto suchten. Abgesehen von die* '!’!וו furchtbaren Pogrom durchzogen weitere sogenannte!,;itroniHen aueh die Stadtviertel der Wohlh a h 1' n den, um angesehene jüdische F a ־ milie 11 zu brandschatzen. Summen von himdert Kronen bis zu f ü n f z i g t a 11 s e n d Kronen wurden den Leuten durch vor״,•haltene Bajonette oder Revolver a b g e 11 o m 111 e 11. In der vornehmsten Straße Lembergs, der KaroLa Ludowiga, wurde ein großes Konfcktioiisgcsdiaft erbrochen und ausgeraubt. Man- II e r u 11 d F r a u e 11 der besten G e s c 11 s c h a f t L e mb e rg s s c 11 a u t e 11 d i e se m T rei bc 11 z 11 un d klatschten laut Beifall, 1111 {ranzen Ghetto, das beträchtliche Teile Lembergs einnimmt, g i b t es kein einziges Geschäft, das nicht vollständig 11 u s g c'p 1 ü 11 de rt wu rde. Abgesehen von den blutigen Verlusten sind mindestens 20 (WO b i s 30(MX) P ersonenandcnBettelstabgebracht. Nim wendet die polnische Regierung alles an, um einen Schleier über das furchtbare Geschehnis zu breiten. Eine Antwort Daszynskis Laut telegraphischem Bericht aus brock ho 1111 Irat 13 r a 111 i n g auf sein Protesttclegrainm wegen der Judenpragrame in Polen und Galizien folgende Antwort «rhalteii: ״Bin seit November kein Minister, nur Privatperson. Pogrome in Provinz leider durch Soldaten der aufgelösten österreichischen Armee und durch unsere Gegner verübt. Polnische Arbeiter* und Bauernregierung proklamierte volle Glaubensfreiheit und national«^ Gleichberechtigung. Pogrome richten sich gegen Wueher. Leider treffen sie auch Unschuldige, wie überall. Mit sozialistiselvem Gruß Daszynski.“ Zusagen deutsch-polnischer Politiker Der ״jüdischen Rundschau“ wird von unterrichteter Seite niitgctcilt: in der Reichskanzlei fand ain 29. November eine Besprechung mit drei polnischen Politikern, nämlich den Herren R e i chstagsabgeo rdn eten von, Trampc z y 11 s k i und den Vertretern des Obersten Polnischen Volksrates in Posen Marchlewski und Poswinski, statt, an der von deutscher Seite die Herren Dr, Öre i t s c 11 c i d, Volksbeauftragter im Ministerium des Innern, H. von Ger lach, Unterstaats- Sekretär im Ministerium des Innern und Rciclistagsabgeordneter Dr. Oscar Colin vom Reichsjustizamt teilnahmen. Die Besprechung behondelte die Pogrom bewegung •gegen die jüdische Bevölkerung in Kong re ßpol eii und Gafizicn. AJs Ergebnis dieser Besprechung ist festzustullen, daß die polnischen Poliliker erklärten, daß sie durchaus cinsehen, daß die jüdische Frage in Polen jedenfalls auf der Friedenskonicrcnz zur Erörterung koiiumm müsse. Die polnische Regierung stehe auch nicht auf dem Staiidpunkt, die nationalen Minderheiten zu ver* gewaltigen. Die polnischen Politiker leiteten im Gegenteil schon aus der Geschichte des alten Polens die Verpflichtung her, auch den Juden volles Recht zu gewähren. Die polnischen Politiker erklärten sich bereit, dem polnischen Ministerium sogleich eine öffentliche Bekanntmachung gcgen die Pogrome, sowie die Anrufung einer neutralen Regierung auzuraten, die zur Un* tersuchung der zahlreichen Gerüchte über die Pogromc gegen die jüdische Bevölkerung eine unter neutralem Vorsitz arbeitende Kommission cinsetzen solle. Ueber die Zusammensetzung der Kommission soll noch verhandelt werden, indes erklärten die polnischen Politiker, daß sie mit der Zuziehung judisdher Kommissionsmitgliederdurchaus einverstanden seien, auch nicht etwa darauf beständen, daß dieselben den Kreisen der jüdischen Assimilanten entnommen werden. Es ist abzuwarten, ob diese Zusage, zu der sich die סם)nisdicii Politiker bisher deutscher Staatsanjehörlgkcit gegenüber Mitgliedern der deutschen Regierung bereit erklärt haben, nunmehr auch von dem poiniwhen Ministerium cir.gdöst werden wird. Die Bestattung der Pogroniopfer in Lemberg Bisher 956 Leichen geborgen ״Nowy D/iennik“ vom 2. Dezember schreibt: ein Freund unserer Zeitung, der heute aus Lein nerg kam. K(׳ri..1,,..♦ a.R Hm• von den Zeitungen angein der verbrannten 1 laiiscr sich befinden, kotmieu noch nicht geborgen werden. Unser Berichterstatter erzählt, daß am Donnerstag, den 28., vormittags, die LesiaUmig einer ן• roßen Zahl der Pogroniopfer sowie die Resie der Tlioraroliai mul Riliialger.itseliaftni siaii'.viiiialcii hat. Um 9 Uhr früh setzte sich der Trauerzug vor der :!Heu Synagoge (die verbrannt äst) in Bewege::־;;. Die!.!•idieii waren bereits aiii dem Friedhof anfgdKihri. An der Spitze des Zuges schritt Pro[, Dr. Ha 11 •in er, der die Reste der Thora• rollen trug, ihm folgten die jüdischen Offiziere, die ebenfalls verbrannte Reste der Thora rollen trugen. '30 000 Personen nahmen an dem Zuge teil. Von überall her ertönte herzzerreißendes Schluchzen. Auf dem Friedliof hielt Rabb. B ru ud e eine jüdische Ansprache. R.ibb, Dr. Gutt mann und der Vizepräsident der Kultus* S׳enu׳imle Dr. W a s s e r hielten Reden in hebräischer Sprach!׳. Dr. Wasser wurde während der Ansprache von einem Ohninachtsnnfall betroffen. Endlich sprach noch Dr. W a s c h i t z. Er knüpfte an das Makkabäerfest roüesce ueueo aie ü ׳־Ö Die deutsche Regierung zu den Pogromen Das Wolffsche Telegraphenbüro verbreitet die fblgende Erklärung: ׳ Berlin, den 2. Dezember 1918. Von polnischer Seite wird in den letzten Tagen in Schweizer Blättern behauptet, daß die Pogrome in Galizien auf alldeutsche Umtriebe ziirückzufiihren, seien. Von amtlicher deutscher Seite wird erklärt, daß diese Behauptungen, völlig frei erfunden sind und einen Versuch der Polen darstcüen, sich von der schweren Schuld an den fürchterlichen Exzessen rcirezuwaschcn. Die deutsche Regierung bedauert lebnaft die Ausschreitungen gegen die jüdische Bcvölkerung in Galizien und Kongrcßpolcn, Eindruck bei den Entcntcrcgierungen Der ״Pc st er Lloyd“ vom 23. November veröffcntlicht das folgende Telegramm seines Haager Korrespondenten: ״Stärker als die nationalen Proteste der verschiedenen Gruppen der früheren österreichisch-ungarischen Monarchic und als alle Einwände gegen die schweren, vielfach undurchführbaren Waffenstillstandsbedingungen wirken an maßgebenden offiziellen Stellen in London und Washington die aus allen Teilen der Welt an-‘ langenden Proteste gegen die Judenvcrfoll׳ungcn in Galizien und Polen. Die hiesige offizielle Vertretung der .!gegenwärtigen Warschauer Regiertmg veröffentlicht zwar in der holländischen Presse beruhigende Mitteilungen, in denen jedwede Judenverfolgung abgelehnt wird, aber die internationalen zionistischen Büros in Zürich, Bern, Haag, London, Wien und in verschiedenen amerikanischen Zentren bringen authentische Einzelheiten, über die man bei d'cn Ententeregierungen zunächst entsetzt ist. Nur aus Frankreich fehlt jedes diesbezügliche Echo. Neuerlich taucht die Behauptung auf, daß in den slovakischen Gebieten 'Ungarns Judenverfolgungen und Plünderungen Vorkommen, wegen deren die Tschechen sich zur Intervention veranlaßt gesehen haben. Mit dieser Begründüng wird die Entente die Intervention ausnah msweise billigen, dagegen die mcistcai rein nationalistischen Motive kaum beachten. Intervention bei der holländischen Regierung Als Vertreter des Jüdischen Nationalrates für Dcutschöoterrcich intervenierte jderr Dr. J. Schalit bei der holländischen Oesaudtschaft in Wien und bat, den neutralen und ausländischen Regierungen von den Ausschreitungen Mitteilung zu machen und um sofortige energische lntcrvcntion zu ersuchen. Der holländische Gesandte erklärte sich in entgegenkommendster Welse bereit, alles zu tun, was in seiner Macht steht, um die Juden zu schützen und weiteren Auscchreitungcp vorzubeugen, Herr Dr. Schallt hat darauf nachstehende Zuschrift erhalten: Wien, den 23. November 1918. Euer Hochweh!geboren I Beehre mich mitzuteikr., daß ich über die in Ihsern. Schreiben vom 8. ds. Mts. enthaltenen Beschwerden bereits mit den kompetenten Stellen einen a u s f ü h rliehen Gedankenaustausch gepflogen habe. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die {Klinische Behörden, deren Aufmerksamkeit nunmehr in passender Weise auf die in Rede stehende Angelegenheit gelenkt wurde, ■in Bälde Mittel und Wege fiiiden werden, um ' dem Unfuge zu steuern. 0 Hochachtungsvoll Der kgl. Niederländische Gesandte gcz. D c W <״e d e. ProtestwerrnÄSbr.g in Stocbhoim Das Jüdische Prcßbüro in Stockholm berichtet: Unter dem Vor.־.:tz I)er«ad®ttes, des Bruders des schwedischen Kön'gs, •fiiulrt: cm 6, Dezember in Stockholm «11:2 Proteotvcrsamni lu׳njj gegen die Judenpogrome in Polen und Galfeen und gegen an und enn.ilinlc die Juden zur Solidarität. Das der betroffenen Familien und der VersammeAui ersrliidterml. , . , Aus l.emb'erg wild am 29. Nov. tek’gr.ip 1ek 1 iH'riebtct: Bis jetzt sind %6 Po#; ro 111 o p t e r geborgen v.ordem Wieviel sieh noch in den niedergebrannten n.tu:׳.trn und unter den Ruinen der Synagogen befinden, kontiu ns Entwaffnung der Lembergcr Jüdischen Selbstwclir Krakau, 'Xi. November. Das Militärkommando >11 Lemberg hat die Auflösung und E n t v .1 t!1 u n g der in Lemberg ohne .Bewilligung der Militär• hcliörden organisierten jüdischen Abteilungen ungeordnet. (U. T. K..B.) Gruppe konservativer R e i dh s t a g s m i t g I i e d <■ r und das Judcninassacre in Lemberg statt, welche von einer Geistlicher veranstaltet wird. Protest der galizischen Flüchtlinge in Holland Aus dem Haag ward uns am 29. November gemeldet ז Infolge der furditbaren Hiobsbotschaften aus Polen tiittd Galizien hat sich der Judcnlieit Hollands ungeheure Erregung bemächtigt, besonders üi Sehevtningen, wo sidli Tausende von Flüchtlingen' aus Galizien aufhaltcn. Am 28. ist in Sdteveningen spontan eine Massenversammlung zasamnicnge* treten, die folgende Resolution annalmi. ״Die S1dK־vcningcr Massenversammlung protestiert aufs schärfste gegen die beispiellos grausamen Pogrome in Polet! und Galizien. Wenn Gerechtigkeit kein leeres Wort bleiben soll, müssen alle Regierungen und zivilisierten Völker gegen die Schandtaten der Polen auftreten und zum Schutz der unschuldig verfolgten Juden schnellstens die wirksamsten Mittel anwenden. Die Versammlung legt öffentliche(! Protest ein gegen das gewissenlose Auftreten des Haager polnischen Korrespondenzbüros, das authentische Tatsachen entstellt.“ Die Wirkung in Wien In den Wiener Gescllsohafts- und Finanzkreisen haben die Nachrichten über die Pogrome in Lemberg eine ungeheure Empörung hervorgerufen. Die polnischen Versuche, in Wien eine Anleihe aufzunehmen, begegnen den größten Schwierigkeiten. Versdiiedenttich machen sich Anzeichen eines geselJscha.itliehen Boykotts bemerkbar. Protestkundgebungen in Wien Der Jüdische Nationalrat für Deutsch- Oesterreich hat am 27. November gleichzeitig vier große Protestversammlungen gegen die Pograme in Galizien veranstaltet. Sämtliche Säle waren überfüllt, tausende von Personen konnten keinen Einlaß mehr finden. Die Versammlungen gestalteten sich zu einer machtvollen Massenkundgebung. Unter anderen sprachen Obcrrabbinler Dr. Cliajes, Ahg. Straucher, Stand, Frau Anita Müller, Ing. Stricker, Emil Margulies, sowie zahlreiche Vertreter der sozialistisch-zionistischen Arbeiterpartei Poaic-Zion und der jüdisch-sozialistischen Arbeiter- Partei. Hilfsaktion der Juden in Finnland ׳ Eine Sammlung unter den Juden in Finnland zu Gunsten der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Polen, Litauen, Galizien und Palästina hat die Gesamtsumme von 900000 finnischen Mark ergeben. an das Kepenhagcncr Zionistische folgende Erklärung mit der Bitte um Ver lichung: Wir Unterzeichneten, die als Delcgatioi jüdischen Gemeinde in Helsingfors dischcn Angelegenheiten nach Kopenhagen ceko smd, sehen uns vcr-mklH, über die La«־c der m Finnland eine authentische Erklärung abrngebci so mehr als wir hier von den ״, dieser iiocl» existierenden Mißverständnissen Kenntnis erh Wir erklären hiermit: 1. daß in Finnland keine Beunruhigung oder herrscht, noch Ausweisungen oder Befürditaigei Ausweisungen oder Entziehung von U-beiismit! habend" dC״ JUdl‘n stattfin<len <>der stattgcl n■'1 ‘la® dic Verleihung von Bürgerrechten nibdie Juden, wenn auch langsam, regelinißi״ v' betreffenden Behörden betr£l>S1 7‘״ ’״F •Stil" m R'A“■11י*יי ״ u.» dt S«; ,S• 'M «*T » v״l *I