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Jüdische Rundschau · 1918-12-03 · Heft 51 (3.12.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 51 (3.12.1918)
Date
1918-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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J. aufgehoben wurde, und fordert die baldige Wi ede r berste 11 u.ugl dieses Gesetzes.“ £i11e zweite Protestresolution verlas im Namen des Seniorcnkoiivcntes der Zci'rc-Zionist J. Mcreininsky, die folgendermaßen lautet: ״Die letzten Wochen wurden durch Pogrome und Gewalttaten gegen die jiidische Bevölkerung in Po I e 11 befleckt. Die jiidisclie provisorische Nationalversammlung drückt ihren schärfsten Protest und ihre Empörung gegen die beteiligten polnischen Kreise und ihre chativiuistischc Politik aus. Die provisorische jüdische Nationalversammlung ruft die Demokratie Polens, die Weltdemokratie und die gesamte Kulturmcnsc 11• heit auf, die nationalen und bürgerlichen Rechte der drei Millionen Juden zu verteidigen und richtet ihren brüderlichen Gruß an die verfolgte jüdische Bevölkerung Polens, die für die Sicherung ihrer elementaren Menschenrechte und ihrer nationalen Autonomie kämpft. Begrüßungen Im Namen der ukrainischen .Oef feiltlichkcit begrüßte Herr Mikowa Lcwicki die provisorische Nationalversammlung in ukrainischer Sprache; ״ich bin hierher gekommen, um den ersten jüdischen Kongreß in der Ukraine zu begrüßen, der in einem historischen Moment einberufen wurde. Auch wir waren unterdrückt, uhd daher verstehen wir uns gut. In der Stunde des WeUumsturzes tut ein Bund der Völker not. Sie wissen, daß die Ukraine stets gute Beziehungen zu den Juden gepflegt hat. Sie wissen,־ daß die freie Ukraine die national-personale Autonomie der Juden geschaffen hat. Sic wissen, daß in der ukrainischen Universität, die in Kamenez-Podolsk gegründet wurde, zum ersten Male in Rußland ein Katheder für jüdische Literatur eröffnet wurde. Lange hat das Judentum gelitten, lange litten auch wir. Wir werden jetzt brüderlich kämpfen und brüderlieh Zusammenhalten.“ 1111 Namen der u k r a i n i sc he 11, Sozi a 1 if steil und Revolutionäre bcgiüßte die Ver- Sammlung Herr Gregoriew: ״hn Anfang der Revolution war Unsere Partei die erste, die verkündete, daß gemeinsame Interessen des ukrninischen und jüdischen Volkes bestehen und daß wir uns gegenseitig helfen müssen, leii bin glücklich׳, linier?, sagen zu dürfen, daß die Demokratie der Ukraine stets von einer Volksrepublik geträumt hat, in der alle Völker gleichberechtigt sind und keine Spur nationaler Unterdrückung mehr bestellt. Der Zarismus hat Feindseligkeit unter uns gestiftet. Ich komme vom Dorf und weiß, daß das biedere Volk keinen Haß gegen die Juden empfindet. Ich hoffe, daß wir gemeinsam die Steine beseitigen werden, die unsere Balm zur freien Zukunft hemmen. Diesen beiden Vertretern der ukrainischen Gc- Seilschaft, die in ukrainischer Sprache redeten, erwiderte der Vizevorsitzende Latzky in warmen jidischen Worten, die in die ukrainische Sprache übersetzt wurden. Das Referat über die Forderungen zum Friedenskongreß Der Seniorenkonvent, der sich über die Tagesordnung nicht einigen konnte, legte der Ver- Sammlung zwei Vorschläge vor: den der Zionisten, der au erster Stelle die Fordeningen zum Friedenskongreß stellte, und dann erst die Fragen der nationäl-pcrsonalen Autonomie, der Gcmcindcorganisierung usw. behandelt wissen wollte, und den Vorschlag des ״Bundes“, der mit der national-personalen Autonomie lind den Angelegenheiten fei der Ukraine V.rgiunt und_mit den Forderungen;c:.,u Friedenskongreß schließt. Nach eingehender D.;l!;:ue der Vertreter fast aller Parteien wurde mit 72 gegen '4 Stimmen die von den Zionisten vorgelegte Tagesordnung angonominell. Das Referat ׳über die Forderungen zum F r ic d en s k on g re B, das vom Dichter CI1. N. Bialik gehalten werden rollte, der aber nicht rechtzeitig* nach Kiew kommen konnte, hielt das Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees, Alexander Go Idstein. Zum ersten Male, führte u. 0. der Redner aus, wurde die Judenfrage vor 21 Jahren durch den größten jüdischen Politiker nach Esra in ihrem breiten Umfang .׳;ufgerollt Und radikal gelüst. Das war in Basel, und dieser Mann war Ileiv.1. Damals waren wir die eiti/.igen, und die ()Öffentlichkeit hat uns als Phantasten betrachtet. Gestern lialren die Deklarationen aller Parteien gezeigt, daß die von uns verkündeten Prinzipien von allen jüdischen Richtungen geteilt werden. Kein Mensch im organisierten Judentum zweifelt daran, daß cn ein jüdiseiics Volk gibt. Aber kein Mensch im organisierten Judentum bcliaupict, daß en ein normales jüdisches Volk gibt. Vor dem Tribunal aller Völker wollen wir alle unsere Wunden aiifdccken und Heilung suchen. Die vcrwlckeltsk) Frage der Welt muß ein für allemal vom Friedenskongreß gelöst werden. Unsere erste Forderung muß .sein: ein freies, gleich berechtigten Volk unter den Völkern zu sein (Beifall). Und die zweite Forderung ist, die histor ische H ciin at in Palästina wieder errichten zu dürfen (Beifall). Nirgends in der Weit soll ein Winkclclucn bleiben, in dem die •Juden ihrer Bürgerrechte beraubt werden. Keine Anstalt außer unseren Parlamenten und unseren Volksorganen sollen das Recht haben, unsere nationalen Bedürfnisse zu formulieren und unsere Volksintcrcssea zu befriedigen. Die volle Möglichkeit muß dem jüdischen Volke gewährt werden, in der Diaspora seinem Wunsche gcmaß sein Leben zu formen. In diesen Punkten sind wir uns alle einig, und daher ist es meine Pflicht, eingehender über das Trennende zu sprechen. Wir sagten, daß das; Volk selbst das Recht haben; muß, über seine nationale Zukunft zu entscheiden. Wie lautet der Wille des Volkes? Jetzt kann darüber kein Zweifel mehr bestehen. Nicht nur hier in diesem Hause, sondern auch jenseits dieser Wände gchört die Mehrheit uns. Dreimal seit der Revolution wurde das Volk durch Wahl befragt, und dreimal hat es unzweideutig geantwortet. Während der russischen Gründungsvcrsammlung, während der Wahlen zum Jüdischen Kongreß in Rußland und jetzt in diesem Vorparlament in der Ukraine, Zweimal hat das Volk das Examen bestanden: während der Wahl zur jüdischen Gründungsvcrsammlung stimmten 80 bis 85 0/0 der jüdisclien Bevölkerung Rußlands für die Kandidaten, die die Palästinaforderung auf ihre Fahne schrieben, jetzt wird das Vorparlament auch zürn dritten Male das Examen bestehen (Beifall). Man sagt uns, es wäre unrecht, Palästina seiner gegenwärtigeu 'Mehrheit zu entziehen. Aber einst besaß Palästina mehrere Millionen Menschen und jetzt wohnen mir 600000 dort. Wo ist das Gerechtigkeitsgefühl, das verpflichten kann, den großien Teil des Landes als!Wüstenei liegen zu lassen, während das historische Volk dieses Landes über die ganze Welt zerstreut ist und sich nach seiner Scholle sehnt? Nach 20, 30 Jahren werden sicherlich in Palästina Millionen Menschen wohnen. Wenn wir keine Kolonisation betreiben werden, wird dort sclbstverständlieh keine jüdische Bevölkerung sein. Werden wir aber kolonisieren, dann werden wir die Mehrheit. Verleumdung'ist cs, zu behaupten, daß nur die jüdische Bourgeoisie Palästina verlangt. Ihr habt alle hier die Deklaration der Poalc-Zion vernommen. Selbstverständlich formuliert jede Partei das Ideal in ihrem Geiste. Es ist und bleibt aber das •Ideal des gesamten Judentums, Wenn die Forderung der nationalen ' Selbstbestimmung nicht leere Worte sind, dann muß der wiederholt ausgesprochene Wille des jüdischen Volkes erfüllt werden (Lang.'UihaRcmhr Beifall). Auf Beschluß des׳ Scniorcnkouvents erhielt jede . Partei das Recht, Redner eufmistcllcn, der 30 Minuten sprechen dürfe. Im Na1r.cn des ״Bun- 1 des“ cröffnete dt DAr.lt Herr Chefiz. ״Wir glauben wenig an die historischen Rechte■, dia wir auf dem Kongreß verteidigen sollt«. Hirtorütclic Rechte, das L«;| der Ausdruck der Bedrücker gegen die Unterdrückten. Uns Wird der Vorwurf gemacht, daß wir die nationale Front durchbrochen haben. Aber unser Glück Ist cs, daß die Einheit bei'allen Völkern durchbrochen ist. Des Klassenkanipf*innerhalb der uichtjüdischen Völker hat dun Judentum die Freiheit gebracht. Ihm müssen wir auch innerhalb des Judentums treu bleiben. Nicht gegen Palästina sind wir, sondern gegen Vorrechte. Wir wollen Rechte in Palästina wie überall.“ Der Redner ist aber überzeugt, daß die Verwirklichung des Zionismus auch gleich'- zeitig seinen Bankrott bedeuten wird, da sich das Volk dann überzeugen wird, daß das Erstrebte kein Glück bedeutet. ״Wir werden,“ sagte der zweite bundistische Redner Litwak, ״an die go* zialistisclie Internationale interpellieren, die uns stets bcigcätamlcu hat. Falls alle Mitglieder der Delegation gezwungen werden, die gleichen Forderungen zu verteidigen, werden wir an dieser Delegation nicht tcilnehinen. Als Gcneralrcdncr seitens der Zionisten trat der Dichter Ch. N. Bialik auf. Er begann mit der Schilderung des Seelenzustaudcs des jungen Juden in der bekannten Volkssage, der in der schaurigen Gewitternacht der Sekunde harrte, da ein Blitz das Firmament erhellen wird, um in einem Worte seinen Wunsch auszusprechen, der — nach der Sage —, so verkündet, sofort in Erfüllung gehen muß. Nach der Legende vergaß aber der junge Mann in diesem cntschcidungsvollen Augenblick all die klugen Formulicrungen, die er sich vorher zurechtgelcgt hatte. Und. das eine Wort, das, ihn selbst überraschend, aus seinem Herzen emporstieg, drückte wahrhafter seine Wünsche aus, wie all die ausgeklügelten Formulicrungcn vorher. ״Wir kennen unser Volk, und wir wissen, was cs verlangen wird, wenn cs all seine Wünsche in einem Worte zusanunenzupressen haben wird. Das Wort wird lauten: ״Erez Israel!“ (Beifall). Ich weiß nicht, wer auf dem Friedenskongreß siegen wird, die Kraft der Faust o-der die Gerechtigkeit, Gott oder der Teufel. An uns aber soll es nicht liegen. Wir müssen vor dem Kongreß offen und ehrlich auftreten und unseren geheimsten Wunsch, der von unserer gesamten Geschichte geheiligt Dt, unversch leiert verkünden.“ ״Unsere Erlösung“, führt der Redner weiter aus, ״war stets mit der Erlösung der Menschheit verbunden, und was auch hier, im Vorparlament, die Parteien von einander trennt, ist nur die Frage des Weges. Ihr glaubt, daß die Befreiung der Menschheit dein Judentum die Befreiung bringen wird, und wir sagen: durch die jüdische Erlösung wird die Erlösung der Menschheit kommen. Die erste Wahrheit der jüdischen Geschichte ist die Einheit des jüdischen Volkes, und ihre zweite Wahrheit ist das Streben dieses Volkes nach Palästina. Diese beiden Forderungen zu verkünden ist Aufgabe und Pflicht unserer Delegation auf dem Friedenskongreß. Im Namen der Orthodoxie sprach Rabbiiicr Kossowsky: ״Für uns ist der Friedenskongreß nicht das letzte Wort, das ״am Ende der Tage“ gesagt werden soll. Wir machen die Existenz des jüdischen Volkes nicht vom Ausgang des Friedenskongresses abhängig. Aber wir haben kein Recht, diesen wichtigen Moment zu verabsäumen und haben die Pflicht, unsere historischen Rechte auf Palästina jetzt an zu melden. Wir sehen ein Zeichen der Versöhnung darin, daß* Palästina bis jetzt noch nicht bevölkert ist, und daß das Land ohne Volk wartet auf sein Volk, das ohne Land herumirrt. Wir sind Zeugen einer traurigen Erscheinung, daß ein Teil der Juden sich von seinem Lande lossagt. Ihn erwartet aber dieselbe Zukunft, die den Entfremdeten in ,Aegypten zuteil wurde, die nicht den Auszug unter Moses mitmaclicn wollten. Sie verschwanden; übrig blieb nur der ,Teil, der das Geheimnis der jüdisciien Existenz verstand und dem Sehnsucht nach Befreiung das Herz erfüllte.“ Im Namen der Z ei re-Zion sprach Sack. Er polemisierte mit den Territorialistcii, die erst dann ihre Zustimmung zu einem Lande geben vyerden, wenn cs bereits vom Volke besiedelt ist. Die Zukunft des Volkes baut derjenige, der an der Spitze der Ereignisse marschiert und nicht, der ihnen nachläuft Wir werden als Romantiker verschrien, aber kraft unserer Romantik haben wir das Wunder der jüdischen Verjüngung vollbrac 111. Romantiker habe״ ז

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