Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 51 (3.12.1918)
- Date
- 1918-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i/,*י / J 1. .ג 0 rar., 5nvn״ raren flSlOU üiäIraiai a 1v\ OtiV־> verl alü? i J \ \ \ \ /־״׳'. ( j *';־־ד ■ * . -ר. . ..־:■־ er!?, Red«u»a 4«י Verleg Jüdische Ruad&chstt, Berlin W. 15, SädiMr.dic Strn"c 8. Er- ׳! nm I* r#• 1 i n m׳ Al»rt»nprh1*a r Un rin* P.Tnrrl5lI/\n »»״!!״ 5י״.-1 1־> ״« t f-,» , »d!r'־': ivScJicntl. ora 1• rcitag. AUosncmcal bei der Expedition und bei nllrn nr, *iertu jrfltrl. Mk. 4,50 in Deutschland, in Oe«tcrrcich-Un״an1 Kr, 8,-—, i;n Auplrmd Mk. 6,50 f ff Ü Nummer 51 Berlin, den 3• Dezember 1910 Tc'—>1100• Amt US-.laud ׳£ ,45״S6. Postscheckkonto•. Berlin Nr. 17392. rür 0<*1trrJ<-af 1:x7^urk^ml SrLd-.konto Nr. 156030. Anzeigen di־ S־cl.״,׳p־!Ce PjUU 510״ oder deren Raum 60Pf. Te״crun־״zUschl*?10 •/* 29. Kislcw 5679 XXiil• Jalirgang &> }SlJStÜ T)w? 4atOi.•.... die Schaffe:;־•.,'} cf: llcIr.istr.Ma Ja Pt er נ: 13 Vc*12 r«1®eude von Juden erschossen, cr.doclicu, erschlage״, erslickl mul verbrannt! Zcliiitausemlc vollkommen olKlachlos! Das sind die Angaben von Zeugen, die das Leinberger Blutbad mit eigenen Augen gesellen haben. i'oliiisdie Offiziere, polnische Legionäre, jx>!- risdte Studenteu haben in Lemberg in zwei Tagen Tausende von Juden abgc.selilaehtet, die Existenz von Zabntauseiulen volikonuuen vernichtet! Nach dein Blutbad von Kielce, naeh den Ab* sel!!iel1Uu}gen in ganz: Westgali/ien, nach dem Autodafe von Lemberg ist kein Zweifel mehr, daII das polni »die Volk daran ist, das unter ihm lebende jüdische .Volk mit Feuer ׳und Schwert auszurolten. Der gesamten Kulturwcit hörbar rufen wir cs aus: das polnische Volk hat sich des Mordes an unserem Volke schuldig gemacht! Wir verlangen nicht nur die sofortige Stillegung des polnischen Hcnkerhaudwerks, nicht nur die unverzügliche Be* strafung aller Schuldigen, der Mörder, Räuber und ihrer Hehler, nicht nur die restlose Zurück* gäbe des Geraubten, die völlige Wiederherstellung des Verwüsteten, die Entschädigung für den Verlust an Gut, Gesundheit und Leben — können Tote mm Leben erweckt werden? — wir fordern Genugtuung ron der polnischen Na* tion. Unsere Erfahrungen mit den Idolen sind nicht so, daß wir diese Genugtuung freiwillig zu er* halten vermeinen. Die Legende von der pol* nischcn Ritterlichkeit ist endgültig zerstört. Dazu hätte €6 kaum noch der ehr- und schamlosen Versuche bedurft, die die offiziellen polnischen Bcliörden und ihre Korrespondenz!•)üros im neutralen Auslände zur Ahlcugnuug und •Verdrehung der allseiis bezeugten Wahrheit unternehmen — wer hätte dicä anders erwartet? Wir werden diese Genugitmng vielmehr erzwingen. Schon ist das jüdische Volk in allen Ländern ain Werke, dem polnischen Verbrechen ein jähes Ende eu setzen. Auch viele nichtjüdische Kräfte, besonders ׳,die ::itemationale Sozialdemokratie, haben bereits ihren großen Einfluß auf diejenigen Faktoren | geltend gern acht, die die Macht haben, für das geschehene Unrecht Sühne zu verlangen. Mit den Sympathien der Völker für das neue Polen, das seine Freiheit in solcher Weise versteht, wird es rasch vorüber sein. Privateigentum und Katioruilcigcntum Von Julius Sinios. (Schluß.). Iltwas ganz anderes ober ist cs um die weiteren Forderungen des PitUburgher Programms. Die Natioualisierur.g des Bodens könnte uns höchstens solche wirt* schaftlichcn Kräfte ferulialtcn, die den Boden als Spekulationsohjekt betrachten. Ich glaube, wir können ohne sie aiiskoiiiinni. Nicht auskomnieii aber können wir ohne ♦Ins interiiniionale Kapital, das zur Errichtung ♦ter wichtigsten öffeiillicheii Arbeiten uueutbcUrlidi ist. Glaubt man im Ernst, daß wir in der Lage sind, durch Nntioiiaiank'ihcii die Kapitalien für Häfen und Eiscnb.iliiibauten aufzubringen, fiir die Exploiticiung dts i Toten Meeres, für die Gewinnung der iin Haura» vermuteten Bodenschätze, zur Trockenlegung ־der grollen .Sümpfe, vor allem beim Dscliifbkixxieti des Meromsecs, für die gewaltigen Irrigationen, für die Ausnützung des Jorilangcfällcs zur Lkktriilzieruiig des Landes usw.? Und ist denn das nötig, wenn die Verwaltung des Landes bei der Vergebung der Konzessionen die natioualen Interessen schützt: in der Festsetzung der Hafengebühren und der Eisenbahntransporfsiitze, der Gebühren fiir elektrisches Licht und elektrische Kraft, vor allem aber in der Forderung der Beschäftigung jüdischer Ingenieure und jüdischer Arbeitskräfte. Und kann eine Ausbeutung der Nation durch Drainage oder Irrigationsanlagen befürchtet werden, da die Unternehmung nichts anderes als ihren legitimen Nutzen erhalten wird, wenn sie das wichtigste Mittel zur Ausnutzung einer Macht- Stellung — das Monopolrecht am Boden — nicht bcsitzt und somit die kulturfähig gemachten oder zu höherer Kultur entwickelten Ländereien nicht sperren kann? Kann man denn im Ernst daran denken, Palästina loszulösen von def Weltwirtschaft und cs anders zu entwickeln als einen lebendigen Teil des Wiitschaftsorganismus des zivilisierten Teiles dieser Erde? Und weil wir daran nicht denken können, so scheint uns' auch ,die dritte Foulcmng der PiUuburgher Convention, die -- möglichste — Vergenossenschaftlichung aller geschäftlichen Unternehmungen unausführbar und darum ist die Erhebung dieser Forderung bedenklich. Ich bin überzeugt, daß eine Vergenossenschaftlichung großer Erwerbszweige von vornherein einsetzen wird, wenn wir den Boden zum Nationaleigentum machen können und damit die wirtschaftliche Kraft unserer Kolonisten stärken. Sie werden dann viel leichter und viel schneller in der Wir haben cä bei passender Gelegenheit immer wieder hervorgehoben, daß wir dem polnischen Volke Deine nationale Selbständigkeit aus ganzem Hcr/cn gönnen. Aber die Polen haben bereits in dui wenigen Tagen ihrer neuen Freiheit gczeigt, daß sie für die Freiheit nicht reif sind, ,Wir verlangen feste Garantien, daß die unter den Polen lebenden Juden vor dem verbrecherischen Mißbrauch der polnischen Freiheit geschützt wer• den. Noch mehr: wir verlangen, daß die U11abhängigkeit Polens abhängig gemacht werde von dem Verhallen der Idolen za den Juden. Die polnisclun Juden verlangen als Voraussetzung für ein menschenwürdiges und existenzsichercs Darein ihre Anerkennung als eine den Polen vollkommen gleichberechtigte Nation. Nur durch (diese Anerkennung und die Durchführung der sich' daraus ergebenden Forderungen kann das! polnische Volk sieb von der Beschuldigung rcinwaschen, daß cs seine Freiheit dazu mißbraucht, um ein anderes Volk zu unterdrücken und auszurolten. Noch vor dem Beginn der Friedenskonferenz und vor der Gründung des aus ihr hervorgehenden Völkerbunds müssen die Großmächte gegen das polnische Verbrechen dnschrdten. Die Heran- Eichung der Polen zur vollen Verantwortung für ihre schändlichen Untaten an den Juden muß schon heute eine natürliche Folge jenes' gerechten Denken® und Füll lens der Völker sein, dem die Idee des Völkerbundes entspnuigcn ist und durch da» er zur Verwirklichung gelangen wird. Rechensclrafi und Genugtuung für Lemberg, Kielce und .Wcstgalizicn — das Ist ein Prüfstein für die sittliche Macht und Autorität des künftigen Völkerbundes. ♦iukte zu gehen, als wenn wir sie zwingen, ihre Erspar■ nisse zur Abtragung von Schulden zu verwenden, die sic beim Erwerb des Bodens im Privateigentum cingehen müßten. Auf den genossenschaftlichen Milchverkauf wird die genossenschaftliche Butter- und Kiisebercitung folgen, genossenschaftliche Weinbereitung ist bereits io Palästina bekannt, ebenso die genossenschaftliche Zubcrcitunff der Kisten für die Orangcnvcrschiekung. Genossciisehaftliche Konservenfabriken, Ocllabrikcn, Mühlen, Malzfabriken, Kleinbraucreien, Gerbereien, WoÜ- und Baumwollwebereicn werden folgen. Neben derartigen auf der landwirtschaftlichen Produktion basierenden Genossenschaftcn werden andere sich entwickeln. So plant man z. IJ. in Amerika einen genossenschaftlichen Zusnmmcnschluß in der Bekleidungsindustrie, was ja für das an Palästina intercsskrtc New Yorker East-End so nahe liegt. Mit relativ geringem Kapital können Backsteinbreniicrtien auf nationalem Boden entstehen; der erste Schritt zu genossenschaftlichem Hä,userbau. Alles ♦lies wird sich bilden: natürlich, ohne Zwang, Es werden daneben privatwiitschaftliche Unternehmungen entstehen, sie sollen und müssen entstehen. Wir brauchen möglichst viel jüdisches Kapital, das ins Land fließen soll und möglichst viel jüdischen Unternehmungsgeist, ♦leim wir müssen rasch ein jüdisches Gemeinwesen seliatfeil, das unsere Massen ernähren kann. Und die Privat- Wirtschaft wird neben der genosr.enscbaftüchi'n sehr gut gedeihen. Die genossenschaftlichen Unternehmungen werden manches vom Privatunternehmer für die nationale Ausgestaltung ihres Betriebes lernen können und die Privatunternehmer werden bessere Löhne bezahlen müssen, wenn die Landwirtschaft und damit auch der Landarbeiter durch eine großzügige Bodenpolitik für den Erwerbskamp! gestärkt ist. Unsere Löhne werden freilieh nicht völlig unabhängig bleiben können von den Gesetzen der übrige;! Weltwirtschaft, denn unsere Produktc werden konkurrenzfähig bleiben müssen au! dem Weltmarkt. Das alles wird rieh auf natürliche Weise u!il ohne Zw,•mg nr.: iche.1, wenn man nur davon absieht, von vornherein Zwang ‘daführen zu wollen. Wenn wir 1111;: d knpitali ,tiselio WeUerueu;:: die meiste!» Juden mit Y bleiben, vielleicht der c; kommen, um seine von i’Oiiihtrdii gegen die ganze mim.« wo!;;.׳;}, cd würden L;;!u von Palästina wegj.x.:t mit!;einer Pcreoii de zu Veiten“, wobei er aber seine geschäftlichen Interessen im Ausland behielte, uni sein Kapital zu retten. Es ist etwas anderes um cm hochentwickeltes Land, sagen wir einmal Amerika, und ein unentwickeltes Laiül vv;e Palästina. Dort lebt eine große Nation auf eigenem Boden unter gesunden, ja wirtschaftlich großartigen ücdiugimgcn. Wenn diese Nation dazu übergehen will, die Produktion in Zukunlt genossenschaftlich, ja kommunistisch zu verwalten, so wird dies — abgesehen von der Bedeutung d eser Malinahmen für die einzelnen Burger ־— auf die Wirtschaftliehe Zukunft des Landes großen Einfluß haben; aber Amerika wird nicht auiliörcu, das Land einer großen Nation amerikanischer Bürger zu sein, und die Pro* duktioiisinittel des Landes werden weiterhin der Entwickhing des Landes dienen. Anders mit Palästina. Löst sieh Palästina in seinem Wirtschaftsleben vorzeitig von der wirtschaftlichen Umwelt los, so werden ihm eben die notwendigen Produktionsmittel nicht Zuströmen und die Umbildung Palästinas zu einem eigenen jüdischen Oermeinwesen wird unmöglich sein. Es ist nicht der Zweck dieser kurzen Betrachtung, eine malmende Stimme gegen eine allzu radikale An- Wendung von Gedanken des Staatssozialismus und der Vcrgcnosscnschaft ichimg von Privatbetikbcn bezöget» Unserer spateren Paliistinakolonisation zu erheben. Wir haben noch keinen ausführlichen Bericht über die Verhnndlungcn in Pittsburgh, die der Beschlußfassung vorangegangen sind und kennen nicht einmal genügend die Erklärungen, die inan bei Einbringung der Resolution gegeben hat, um beurteilen zu können, inwieweit die dort gefaßten Resolutionen tatsächlich von den Gedanken abwcichcn, die hier vorgetragen worden sind. Woran mir vor allem liegt, ist/die Scheidung zwischen national- und privat w'rlschaftüch.n Unternehmung;n im Palästina der Zukunlt zu betonen, da ich befürchte, daß die Forderung der Nationalisierung und Vergenossenscbaftlicluuig die Form beeinflussen kann, in der wir in Zukunft unsere Kapitalien aufzubringen haben. Der N a t i o 11 a I f o 11 d ~~ der die Nationalisierung des Bodens durchführen soll — ist ein gemeinnütziges Unternehmen. Seine Kapitalien werden im Boden iuvc־tiert; dieser Boden wird nach nationalen Gesichtspunkten verwaltet und verwertet, nicht um des Profites halber. Darum können seine Kapitalien weder auf geschäftliebem Wege noch auf dem Wege einer Natlonalanlciheaufgebracht werden. Das jüdische Volk muß durch großartige Nationalspendcn die erforderlichen Mittel für da9 Rückgrat unserer zukünftigen Kolonisation beschaffen. Der Nationalfond muß aber das einzige wiitschaftliehe Unternehmen bleiben, das auf Spenden basiert. Bei allen anderen muß strengste Geschäftsmäßigkeit oberster Grundsatz sein. Diese Erwcrbsgescllscbaftcn werden damit dem nationalen Ziel in ihrer Weise ebenso nützlich sein, wie das nationale l’xxlcninstilut in der seinen. Die Zionistische Organisation ist an beiden Unternelimungsformen gleichmäßig interessiert. Sie sucht also auch die Begründung oder Ausgestaltung von Erwerbsgcsellschaften zu!ordern: die Entwicklung der Bank, wie die Begründung einer Agrarbank und einer Bank für städtischen Hypotliekenkredit, die Bildung eines Studien- Syndikats für kommerzielle und industrielle Unternehmungen, wie die Ausgestaltung der verschiedenen Formen der landwirtschaftlichen Ansiedlung. Bei allen diesen Instituten aber bat die Spendenform grundsätzlich ebenso auszuscheiden, wie sie naturgemäß bei individuellen Geschaftsuiiteriichinuiigcn ausscheidet. Wir werden nur auf dem Wege geschäftlicher Kapitalaufnahmc die großen Mittel m Bewegung setzen können, deren wir bedürfen Wir werden aber auch nur dann die palästinensische Wirtschaft auf gesunde Grundlagen stellen. Glauben vvir an unsere Zukunft in Palästina, dann folgt daraus, daß wir z. B. an die geschäftliche Zukunft eines mit geleiteten Bankunternehmens glauben müssen. Der K*1pitalkraftlgc unter uns soll sich dann fn einem palastinciuischcii Bankunternehmen beteiligen, wie er s eh an einem anderen B.inkimtcrncluucn beteiligen würde für das er cm spezielles Interesse hat und das ihm eine angemessene Verzinsung und die Sicherheit seiner Kapitalanlage zu gewährleisten verspricht. Wollen wir Geld in Hypotliekenbaiik-Pfamlbriefe״ anlegen, so werden wir den I fanubriefen unserer Agrarbank den Vorz• ׳ geben wenn sic nach ebenso streng geschäftlichen und sol den l r.nz.p1en arbeitet, wie jede andere Hypotheken!!'• nk die auf ״neu guten Absatz ihrer Pfandbriefe rechnet’ streng fcsthaltcn,*so” werden^vir*.auch jüdCche^Em^ss^on'? ״11־., für ,lic ״, ,Imslicl״,״ lr^,üC ,־" “! J״r '“״«■ Die ZiouistiscLic OrK»n;,־t m 11T, , , am dir entwickelnde״ zuldiuftip׳י״ס ,״, f S!d‘ Aufbau des jüdischen Palästina eiten wer i, 1 '״ ‘'" fr!. ״״t״nrl.«..,״Scn seihst ״ ' X 'n daß diese ihren. Zwecke -- eben ♦ er Wi״ L . at'!tcn׳ des jüdischen Landes ~ dien״? WHderaiifnchtung Form, durch die diese Auhn.be crfiilit'S"? Ühf üit* *״״.״♦ •* ׳י“"•־ SÄ״?',״