Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 50 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter den Pogromopfcrn befindet sich auch der hiesige Richter, Dr. Abraham linrowil r, Von seiner Frau, die sic mit Messern bedrohten, forderten die I loiigane die Herausgabe des Geldes, und als sie erklärte, sie sei die Frau eines armen Beamten und bähe kein (uM, antworteten sie; ״Ihr verfluchten Beamten habt das meiste Geld/' In der Stadt mißhandelten die I loiigane nur diejenigen, die cs wagten, sich zu vc rte ul i g c 11. In den Dörfern war es bedeutend sclilimnier. In Gorki überfielen die I loiigane den Salomon Li-'/iicr und forderten von ihm das Geld. Die Tochter des Li ,;zu er zog ihrem Vater die Brieftasche heraus mul übergab ,sie mit altem Bargeld den Banditen; trotzdem wurde liszner und seine Fa- 111 i I i e mit A c x t c 11 schrecklich z u g e r i c 11 - tot; Lis/ners Tochter ringt mit dem Tode. In Grabownicy beraubten die Hoügane ein jauisdies Anwesen unter Benützung von Bomben u ml fl a 1111 g ra 11111e 11. Das Sdiliuinistc int, daß die Banditen in den Dörfein den Juden nicht einmal die Rettung des nackten i cbcns durch Flucht gestatten. Am Montag, dem 4. November, versuchten die Räuberbanden wiederum, in die Stadt einzufalhn. Die Wege waren abgesperrt, denn die Einwohner von Wcsola hatten gedroht, den Bezirksh.uiptinaiin von Brzozow uni/ubiiugen, weil er in der letzten Zeit die Ungarn ihnen vorzog und ihnen Unterstützungen gesperrt habe. Der Mob wollte den Kordon durchbrechen; es gelang ihm dies anfangs auch, doch daraufhin machte die Miliz, von der Waffe Gebrauch, verwundete 3 Personen, wonach die Menge auseinanderlief. Inzwischen war in Brzozow ein Kadettfeldwebel eingetroffen, der im Sinne des vom Polnischen M i I i - tärkom 111 a n <1 o in S a 11 o k erhaltenen Befehles Juden zum Sicherheitsdienst ntifzunchnicit begann und au sic Waffen verteilte. D.'c jüdischen Soldaten meldeten sich gern zu diesem Dienst, aber ihr Dienst währte nicht;;Inge, denn schon nach einigen Stunden wurden sie v 0 11 eine m 13 e a in 1 c 11 d 0 r Bezirks 11 a u p t - m a 11 n s c 11 a f t e 111 w a f f 11 e t. In der Furcht vor nächtlichen Uebcrfällcn seitens der Bauern unterliieltcn die Juden in der Folge eigene Patrouillen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag meldete die jüdische Patrouille, daß aus der Gegend von P r z y s i 0 t n i c a etwa 20 Banditen marschieren und durch Pfeifen weitere Kwiiplizen hcraiiholcn, die ihnen folgen. Die Juden schlugen sofort Alarm und warfen ach den Banditen waffenlos entgegen. Die Banditen• ' /<rstreuieri sich auf das Geschrei und als 'die Miliz eintraf, war von ihnen in Brzozow keine Spur mehr vorh.inden. Am midisten Tage ergriff die Bürger von Brzozow ein ״heiliger Zorn“ gegen die Juden, die ihnen die Nachtruhe störten, und 11er Bezirkshauptinnuti >011 gedroht haben, den Vorsitzenden des Jü- I d 1 s c 11 e 11 N a t i 0 11 a I a 11 s s c 11 1 s s c s D r. Seelenfreund zu bestrafen, sobald cs nochmals zu einem Alarm kommen sollte. Die Juden schlafen hier schon seit 10 Tagen nicht und dürfen sich nicht einmal beklagen; dem Herrn Brzirkshauptmaun wurde nur ein cinzigesmal die Nachtruhe gestört, und scholl drohte er mit Strafen, Von den R ä über n wurde bisher kein einziger h e - straft, aber den Juden gegenüber spielt sich der Herr Bc/.irksbauptmaiiii als Held auf. Fs bleibt nur zu hoffen, daß das Präsidium der Polnischen Liquidations-Kommission in die führenden stillen kluge und taktvolle Menschen ciusetz.cn und unter den politischen Beamten eine genaue Sichtung 'ornelnncn wird. In Brzozow selbst herrscht einstweilen Ruhe. I n den Dörfern dauern die Ge wa111 ä t i gkci - t e 11 und Plünderung(; 11. a a. Die Juden leben in ständiger Angst, denn vo 11 a 11 c n Seiten wird gegen sie gehetzt. Es gibt hier zwar anständige und ruhige Polen, die den Plünderungen Un Ende bereiten möchten, doch haben diese Menschen heute bereits jeden Einfluß auf die Massen verloren. Aut Montag, gleich nach der Schießerei, verbreiteten niederträchtige Menschen die Verleumdung, die Juden hätten auf die Bauern geschossen. Den Versicherungen angesehener Bürger, daß die Juden nicht geschossen haben können, weil sie ja gar keine Waffe besäßen, wurde *'1-'in Glauben geschenkt; man schimpfte sie ״Judenonkcl“. Die Juden würden dem Präsidium der Polnischen ‘ «luklations-Kommission von Herzen gern bei der Wie* de Herstellung der Ordnung und Sicherheit 'ix-hi,Iflirh «in, bezweifeln aber sehr, ob es der Kommission gehngen wird, die Wildheit cler Massen und die Passivität der verantwortlichen örtlichen Faktoren zu überwinden. J U EDI SCIII w* L.b bi Ji U Seite 39* Der Jüdische II a ä I :■> 1; r. c r. c h 11 8 in Brzozow bittet uns um V:• .!.׳an;׳ deu nach• folgenden Aufrufes 1 ״Iikir:i;ea Vo;!;! In den Tagen de ־׳; ,2 ו:d 3. Novc!־.!״r 1013 wurden in Brzozow ii b c r ICO jüdische F u in i H e n ausgeraubt. Bauern sind mit Fuhrwerken in die Stadt gekommen und schleppteu alles mit sich fort. Waa zu schwer war oder auf den Fuhrwerken nicht: untcrgebradit Werden konnte, wur.ie unbarmherzig vernichtet, denn ״dass sei jüdische Arbeit“. In 'den unillcgcr.den Doriern werden noch immer luden mißhandelt und beraubt. Die Acrmstcn flüchten in dH Stadt, um :•.ich das Leben zu retten, vergrößern aber damit auch das hier herrsclieude Elend. Ucber SO jüdische Familien, welche vor dem 2. November 1018 zu den. wohlhabendster! ln der ganzen Umgebtiiig gezählt haben, sind in der notdürftigsten Beklcidüng, ohne Heller Geld und cilnc ein Stück Brot geblieben. Diesem Elend muß sofort abgehoifen werden, sonst werden die Aermcieit vor Hunger und Kälte sterben. Aber was wir aus eigener Kraft für sie tun können, wird nicht einmal zum hundertsten Teil aus reichen. Der nichtberaubte Teil der Bevölkerung ist gegenwärtig völlig erwerbslos und arm — mit ganz wenigen Ausnahmen wurden alle wohlhabenden Jude 11 a 11 s g e p I ü n d e r t — und überdies werden sie g e z. w 1111 g e 11, d i c c 11 r i 81 i i c h e M i l i z z u 11 n - t erhalte 11 mit der Motivierung, daß man für N i e 111 j 11 d e n keine Miliz brauche, Brüder, eilt zu Hilfe 1 Zeigt, der Welt, daß mail die Juden zwar ausratibcn, aber niemals vernichten kann; denn!unter jedem vergewaltigten Juden stellt das ganze jüdische Volk.“ , ■ Bezirk Tarnow. ״N o w y I) z i c n n i k“ ׳ vom 16, November bringt folgenden Bericht aus Tarnow: Die Pogrome und Plünderungen, die ausschließlich an Juden in den Dörfern und Städten des T a r 11 0 w er B e z i r k c s vorgenonunen werden, mchreit sich von Tag zu Tag. ln den Dörfern überfallen die Bauern in unerhört bestialischer Weise die wehrlosen jüdischen Familien und. mißhandeln mit besonderer Vorliebe ältere Frauc n. Einen schrecklich depri-!liierenden Anblick bieten die schwer mißhandelteil Greise und Greisinnen, die in immer größerer Anzahl in unsere Stadt kommen. Viele von ihnen liegen in den Spitälern in Tarnow. Die Bauern schlagen nicht nur und bernuben die Juden, sie vernichten überdies auch sämtliche Möbel und Wohnungseinrichtungen, Uebcrull müssen die Juden ihr Leben mit -~ für ländliche Verhältnisse - - hohe״' Summen loskaufen. Dies ereignete sich (tun nur die nüchstgelegenen Ortschaften zu nennen) in Blon, Rzedzina, Zglobicze, Koszyce, Sucliy G rü 111 u, a. Fine S i c 11 e r 11 e i t s w a c h e existiert nicht, und man muß sich wundern, daß es einer Patrouille bei einer zufälligen Streifung gelang, 7 Anführer aus der Mitte einer Bande von Holiganen zu verhaften, die in der Nacht auf frischer Tat ertappt wurden. Bei den Verhafteten fand man Waffen und frisch geschliffene Me sser. Sie wurden gefesselt in die Stadt gebracht. Hoffen wir, daß die Staatsanwaltschaft alles tun wird, was für die Sicherheit des' Volkes notwendig ist. Auf eine etwas ־׳delikatere, doch kaum weniger räuberische Art, Geld zu rauben, verfielen Individuen, die — gewiß iilcgalerwei.se — Lcgionsuniformcn tragfcn, als oh sie Dienst an den Bahnhöfen versehen würden, Wik־ uns mitgeteilt wird, durchsuchen sie ein- und aussteigende Juden, nehmen aus den Brieftaschen den größeren Teil des Inhaltes ״als Gabe für die Regimentskasse“ irgendeines Regimentes heraus, Orawa (Slowakei). ״Nowy Dziennik“ vom 16. November meldet: Nach dem Abzug der ungarischen Gendarmen und der Uebernahnie Ornwas durch die Polen begannen auch hier Exzesse. Die Bauern, die bisher mit den wenigen jtidisehen Familien in bester Eintracht lebten, beschlossen, den günstigen Augenblick aussuniitecn und behaupteten, daß jetzt erlaubt sei, zu rauhen, 'Es begann in Jabionka am 4. du. Mts. vyijhrcnd des Jahrmarktes. Zuerst wurden die Marktbuden und dann die jüdischen Wohnungen auegeraubt. Was nicht mitgenommen werden konnte, wurde zertrümmert und vernichtet. Fünfzehn F a ni i t i e 11' s i 11 d obdachlos. Die Intelligenz.,verhielt sich passiv. Später begaben sich die׳ Plünderer nach Zubrzyca und beraubten gcme|nscl1aBlich mit 'den dortigen Bauen! sämtliche jüdischen Familien. Bei Silbiger wurde die kranke Frau aus dem Berte geworfen und das Bettzeug geraubt. Alle jüdischen Wohnungen wurden 'demoliert. 'Dem Geis!liehen, Wen ge r, der die Bauern zu beruhigen versuchte, wurde mit dem Tode g e d r o h t. In dem Dorfe La sek wurde der Gastwirt Korn- Häuser ausgeraubt und ermordet. In Orawica und Witanow wurden die jüdischen Gastwirte ausgeplündert. Pcigföraögiiaiion in Wir veröffentlichten in der letzten Nummer bereits zwei Pogroinaufrufc, die in diesen Tagen in war״tnau verbreitet wurden. In einem weiteren Flugblatt, tl::3 von dem O ci *t״ _ i. _ ... ״ t .! I I I iät. hf/mtCSI. Auf die Tribüne! Polen aller Bezirke vereinigt Euch! Stadt- und Landvolk! Deine Wünsche sind erfüllt, Deine Gebete erhört. Gott hat in seinem unedorschlichen Ratschluß Lmn erlaubt, nach langer Knechtschaft die Stunde zu erleben, in der alle drei Feinde Eures Vaterlandes am Boden liefen und in der die abgctrciuitcn Teile Polens unter die Flügel des ■weißen Adlers wieder zurückkehren ... Du bist nicht auf den Leim jüdischer Ideen gefangen. Du hast der roten Fahne keine GcfojgscJian geleistet, Ehre Dir dafür! Eh tnöfjc der Feind mit der roten Fahne erkennen, daß Du in geschlossenen Rciheil unter das Banner des weißen Adlers Dich stellen wirst, urisl Du wirst Dir das Banner nicht entreißen lassen, ebenso wie Du die Beweise dafür in der Vergangenheit durch die Helden Kilinski u!1d G'owacki geliefert hast, so wirst Du auch!heute d c n jüdischen Versuchungen widerstehen können. Und die ganze Welt wird erkennen, daß die poinisehen Dörfer und Städte p« 111 i s Ch u!1 d k a t h o l i s C11 geblieben sind. Die Rute: ״Fort mit Polen“, ״Fort nm Gott“, die erschollen, sowie der Versuch, das Banner des weißen Adlers mit dem roten zu vertauschen, haben nur Deine Wachsamkeit gegen den inneren Feind verstärkt. Dieser Feind ׳Jas ist der So z i a 1 i s t - Jude, welcher cs gewagt hat, an dem Tage!)einer Freude und Deines Jubels in den Straßen Warschaus zu rulcn: ״Fort mit Polen! Es lebe der BolschewismusI“ Polnisches Volk! Du Imst würdig auf diese Zurufe geantwortet. Das wird auch Deine Stellungnahme in Zukunft sein und wenn auch heute die größten Schreier vom roten Banner sich in die Regierung hineindrängen, so wirst Du, so Gott will, im Parlament wie ein Mann dastchen und der Welt beweisen, daß Polen immer ^.katholisch war und es immer bleiben will... Der Geistliche Dr. Marcel Goldlewski. Ein anderer Hctzaufruf lautet; Achtung, Polnisches Volk! Denn cs droht dir ein neues Unglück! Für jüdisches Geld soll dir, polnisches Volk, nach erprobtem russischen Muster ein neuer Kerenski— Daszynski aufgezwungen werden, _ um den Weg zum polnischen Bolschewismus zu bereiten. Die Juden fanden bestechliche Knechte und Anhänger, welche unseren Führer Pilsudski für ihre Partei usurpieren wollen. Ein Kommandant ist aber das Eigentum des ganzen Volkes, und so sind wir verpflichtet, ihn zu schützen und zu hüten. Lassen wir cs nicht zu, daß durch einen falschen Schritt unsere erhabensten Hoffnungen zerstört, der Enthusiasmus und die schaffende Energie des Volkes unterbunden wird. Unser Vaterland Polen muß in dieser Zeit andere Führer Jiaben. Der populärste, dein das ganze Volk folgen würde, kann nur Korfanty sein. Nur er, gemeinsam mit unserem geliebten Führer Pilsudski können das ganze Volk beglücken. Es lebe Korfanty und Pilsudski! Es lebe die polnische Republik, frei von Juden und Bolschewismus! Die Befreiungsarmee. hcitskomitec der jüdischen Bevölkert in Warschau den folgenden Aufruf veröffentlicht: ׳ Bürger! An dem freudigen Tage, an dem die letzten Sp einer fremden Herrschaft getilgt waren, baten die : licii der Stadt einen schrecklichen Anblick. Wein und unschuldige Menschen wurden überfallen ln sclucdcncn Stadtbezirken sind förmliche Razzien ■m veranstaltet worden. Sic wurden et mißhandelt, und sogar einige der zufällig Vorübctw den getötet. K Ein Teil der Presse, der tendenziöse 1 u g c n 11 n1 f t c Nachrichten von angeblichem fe heben Verhalten der jüdischen Bevölkerung gegen |» und seine Armee verbreitet, versuchte die aufgespeid: Energie des Volkes auf die Juden zu entlad , Pas Sicherheitskomitee der jüdischen Bcvölkcr weiches aus sämtlichen jüdischen Berufs-, Kulturpolitischen Organisationen der Residenzstadt War׳« hervorgegangen ist, erhebt entschieden Protest p, Stion C י‘ י'"״’ dC״ F°*cn ״i׳ stellen fest, was schon mehrfach von jüdischen Organisationen deklariert wurde daß die dische Bevölkerung sidi mit dem ״änzen r«In1u Volke in den Bestrebungen, «in 1mabl1än׳>1״cs und teilbares Polen zu errichten, solidarisch «VklSt Das Komitee protestiert rrc״en die Ve Rungen, <!ic de״ jüfehenBümV״?* * d •S ־ n •C11 r h c ' t S k O nu t e c dir jüdischen Bevölkerung. . | ' ü | T־ :; H &