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Jüdische Rundschau · 1918-11-29 · Heft 50 (29.11.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 50 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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& I 'I hole 300 1 U E D1 SC ,;U N D SCH AlJ 1 u n!; c 11 u 11 d Kundgcbu n g e n ׳ d c r 11;11 i u 11 a 1 ־ jüdischen Bewegung in Posen im luteresse der Geschlossenheit des Judentum? f e r 11 z u ii;111 e 11. Gegen diese Boykotterklärung, die sich gegen einen Teil der jüdischen Gcmeinschait richtet, mul! Verwahrung eingelegt werden. Der B׳:ykoti ist eine verwerfliche Waffe, die, besonders auf geistigem (h> biete angewandt, bestehende Gegensätze v e r scharf־, und Gehässigkeit 11 e r v o rr 11 f e 11 muß. Das IntcressederGesc hl <> s s e n 11 c i t de? Judentums, die durch das Rundschreiben nngebüch gewahrt werden soll, und die uns in dieser ,ernsten Zeit so bitter not tut, wird durch die ge 11 äss i g e Boykotterklärung aufs G r ö b I i c 11 s t e verletzt. Gegen die Behauptung des Rundschreibens, ״daß wir eine G 1 a 11 b c n s g e 111 e i n s c 11 a f t, nicht aber ein jüdisches Volk sind und sein wollen" erklären wir, daß wir Juden, das alte Volk der Bibel, das ä|- teste Volk der Weltgeschichte waren, sind und bleiben werden, das den Jahrtausenden getrotzt hat und durch Gottes Gnade nach göttlicher VerlioilUmg nicht untergeben wird; ein Volk, das durch seinen Nationalbesitz, die Thora, charakterisiert und geadelt wird; ein Volk, das sich seit Urbeginn als Gottes• Volk gefühlt und bekannt hat; ein Volk, bei dem sowohl die Bezeichnung als bloße Glaubcnsgcmcinschait, wie auch als bloße Nationalität als Torso empfunden wird; ein Volk, dessen Religionsgesetz es gebietet, tlaß alle seine Volksangebörigen gute Staatsbürger in allen Ländern ihres Aufenthalts seien. Dies ist der Standpunkt der ganzen thoratreu cu Judenhcit. D i c Ä r b e i t s g e in e i 11 s c h a f t d e r 111 o r n t r e 11 c n Vereine der Stadt Pos en j Dr, Hans Gideon Heymann | Wir haben einen schweren und schmerzlichen Verlust zu beklagen. Einer heftigen Grip|x׳erkrankurig ist Dr. Hans Gideon H c y m a n n plützlieh und unerwartet erlegen. Zu den unersetzlichen Opfern der Kriegsjahre hat sich nun auch dieser untadlige Mann gesellt. Mit der trauernden Familie klagen wir tun den trefflichen Kämpfer, den reich befähigten Organisator, den zuverlässige n Freund. Hans Gideon Heymann hat früh den Weg Zum Zionismus gefunden, ln München, wo er sieh volksreditlieben Studien widmete und zu den ln• gahtesten Schülern Lujo Brentanos gehört׳.’, nchlolS er sich der zionistischen Bewegung an, zu der ihn national-soziale Gedankengänge Naumannscher Prägung geführt hatten. Nach Ablegung des Doktor* examens stand ihm die akademische Laufhalm offen. Er zog es vor, den Traditionen seiner in Berlin alteingesessenen Familie zu folgen und in seinem kurzen aber arbeitsvollen Lehen eine erfolgrcielic Tätigkeit auf dem Gebiet der deutschen Geldwirtschaft und Industrie zu entfalten. Seine ungewöhnliche Arbeitskraft machte es ihm indes;■׳״« möglich, gleichzeitig mit rächt geringerer Hingäbe unserer Bewegung zu dienen und die Partei dankte ihm, indem sie ihn früh in wichtige Aemter berief. Von 1910 bis 1014 war Dr. Heymann Vorsitzender der Berliner Zionistischen Vereinigung. Seit 1011 gehörte er ständig dem gesell äftslüh reu den Ausschuß des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland an. Der Wiener Kongreß wählte ihn 1013 in das grölte Aktionskomitee. Daneben fand er die Zeit, sich mit den Wirtschaftliehen Unternehmungen unserer Bewegung in Paliistina ergiebig zu beschäftigen. Seine Kritik an der Tätigkeit der Jüdischen Koloniaibank trug bei aller Schärfe und Bestimmtheit doch einen durchaus positiven Charakter, so daß manche Anregungen ihre praktische Ausführung gefunden haben. Auch dem Projekt der Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem widmete er sein volles Interesse und betätigte es durch׳ größere Zu wendüngen. ,Es lag in der Richtung seines umfasr.rmLij Interesses für die Angelegenheiten unseres Volkes, daß er, dessen Vorfahren bereits eine führende Stellung im jüdischen Gemeindclcbcn eingenommen hatten, auch den lokal!«grenzten Fragen der Bcrliner jüdischen Gemeinde eine warme Anteilnahme entgegenbrachte. Da in ihm nichts Falsches war, konnte er rauh und scheinbar hart sein. Wem der Blick für die Harmonie einer geschlossenen Personlichkeit gegeben war, konnte sich dieser kräftigen, urgestmden Natur erfreuen, die opferfreudig und mit vollen Händen gab und in der Treue der Gesinnung nie wankte. Er hatte Gegner, aber niemand war mm Feind. Am 14. November früh war er aus Düsseiorf zuruck gekehrt. Noch am selben Nachmittag wohnte er einer Sitzung des• Zentralkomitees bei. Bald darauf warf ihn die Krankheit nieder. So hat er bis zur I;.׳v:n 0.tunt’:! in Treuen unserer großen Snr'v und;ns ein Vorbild nie rastenden Tüti!־;kcF ׳:'r:m:Vw gegeben. Hans GuEon lPeymarm war einer der Besten. Sein Andenken sei ger.egr,ct. Zum Tode ״ros Gideon ilcyinaiins Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Dr. iluntke, erhielt anlälilch des Todes von Dr. Haus Gideon Hey mann das folgende Beileidstelegramm; * Kopenhagen, 4M, 'November 161S. Tief erschüttert von der schrecklichen Nachricht des plötzlichen Ablebens Dr, 1 Icysnanns drücke ich seiner Familie und ihnen, der dem Verstorbenen so nahe stand, sowie dem Aktionskomitee der Zionistischen Verein»* gimg ■für Deutschland mein tiefempfundenes Beileid aus. Dr, Victor Jacobson. 1 >as Aktionskomitee der Zionistischen O r ,׳: a n i s a t i 0 11 erhielt ferner folgende Beileidstelcgramine■ ________ Nr. 30 4 Den Haag, 26. November I6!g Von! Ableben 1 Icyuianiis tief ergriffen, drücken; wir dein Aktionskomitee unser üuügts Beileid aus, > Hauptbüro des jüdischen Nationalf o 11 d s. Den Haag, 26. November Uns. Bin von der Nachricht des I liaseheidcns Heynia»« , ׳ lief ergriffen. Lin schwerer Verla4 in diesen kritischen' Zeiten, da wir hervorragender Kräfte für den Aufbau unserer nationalen Heimat in Pali st nu bedürfen. BUie Au ■.druck meines wärmsten Mitgefühls der Witwe um| den Familienangehörigen zu übermitteln. J e a 11 Fische r. » Zürich, '1(1. November 161g. Tief bewegt durch die abermalige TraucmicMuag;» beklage ich mit Ihnen den jähen Heimgang unser« . Freundes, dessen »ingewohn 'iclic Begabung, umfassend(« - Wissen, aulierordentliclu‘ klare praktische Tüchtigkeit mul dessen llingelnmg fortan entbehren zu müssen lür S uns gerade jetzt einen noch viel sclinier/liehereii Vt> I lust bedeutet. Mein ganzes Mitgefühl der Familie. l BcrtholdFeiwel. i n ׳& 11 1*־ C״J L-a GUW Ü li 03s KiiÜincI in Lemberg 1 Vom JüdischcnNotionalratfürDcutsch- Österreich wird »ms 'aus Wien vom 26. November 7 Uhr abends telegraphiert: Ein vertrauenswürdiger Augenzeuge, der aus Lemberg aoefacn hier eingetroffen ist, berichtet über unbeschreibliche Vorgänge, die *ich nach der Eroberung Lembergs durch die Polen abgespielt haben. Die polnischen Legionäre marschierten unter dem Kommando von Oifi.־.fcsren 111 Doppelreihen in die jüdischen Straßen ein, begannen eine systematische Plünderung, erbrachen die jüdischen Geschäfte mit Bajonetten und Handgranaten, 1;m:־.!ttgcUen die Häuser und brannten sianieäcr. Einzclno Einwohner retteten sich durch Sprung aus den Fenster. Die Legionäre schossen die Flüchtenden nieder. Cirka 10000 Juden sind obdachlos, 80 % der Lcmbcrger Judenschaft sind zu Grunde gerichtet, 80 jüdische Häuser sind zerstört. Bisher wurden 6 00 Tote, 40 verkohlte Leichen gezahlt. Die Plünderung dauerte ununterbrochcn von Freitag früh bb Sonntag mittags, nachdem die Ruthenen bereits Donnerstag früh aus Lernborg abmarschiert ',raren. Dio Legionäre erklärten, offen und ungescheut, daß bereits vor dom Einmarsch die Erlaubnis zu 40 ständiger Plünderung erteilt worden wer. JmVnfe’h Ist erst nach Ablauf dieser 48 stündigen Frist d1׳:־ Pt'nr recht proklamiert worden. )üdischc Deputationen sprachen bereits Freitag früh bcir.1gt!־c::chen'/orcitzcada1 Dr. Adam und beim Stadtprä-.i-Janten Dr. Steachowitz vor, blichen jedoch oltr.o jedes Ergehais. Während des Brandes der jüdischen Häuser wurde die Wa&acrlct■ •tung gesperrt, r.odr.3 es unmöglich war, den Brand zu löschen. Drei Cynrgogeii sind verbrannt. Dio jüdische IhvüH'.orung Lembergs ruft verzweifelt um Hilfe. Setzet alias in Lev/cgung, da den weiteren polnischen Vo'.x/'v:־־־־:!־■״» olr.o weiter© Ausdehnung der Pogrome folgen wird. Jüdischer Nationalrat •für Deuts-höatcrrcich. Unter diesem Titel läßt sieb das ״Berliner Tageblatt" vom 27. Novctnber telegraphisch aus Breslau melden: Breslau, 23. November. Seit Freitag früh ist Lemberg, das ich gestern verlassen habe, wieder in den Händen der Polen, nachdem es mehreie Wochen hindurch fn wütenden Straßenkänipfen, denen, wie cs heißt, weit über tausend Soldaten und Zivilisten zum Opfer gefallen, von den Ukrainern hartnäckig verteidigt worden war. Ein großer Teil der inneren Stadt, namentlich der Gegend um das Postgebäude, bietet ein Bild wüstester Zerstörung, Das Postgebäude selbst ist völlig ausgebrannt und nur noch eine trostlose Ruine. Fast sämtliche Häuser dieses Stadtteils, der der Brc1u:p;1nkt des Kemplcs war, sind von Hnndgnsnatca und;:;;!;!’osen Gewehrschüssen auf das seliliatmHe yitgerUktet. Unmittelbar nach Ein. nähme der Stadt durch die Helen begann eine systematische Plünderung aller jüdischen Geschäfte, die sich zu dar» lurchtaarslen Judenpogrom auswuchs. Es war grauenhaft, innerhalb von zwei bis drei Tagen verwandelte sich! das Lemberger Ghetto in einen rattbtaäen Trümmerhaufen. Die Zahl der Todesopfer, die das Wüten der polruschen Soldateska forderte, wird von Augenzeugen auf mehr ah tausend g׳.::cb;;tr.t Auf Schritt und Tritt begcgncle ick h־ähv;:;!:3',:aü־ Leichen von Juden, die in der Vcr.,v,׳.ki mg aus den Fenstern der brennenden ird w; <An plündernden Soldaten umstellten h:rr fpr'prr 11:;״״ waren. Zahllose Leichen hegen ur,-!» ,;.rü.,;• c.:;1 Trümmern. Von seiten der j>cln icc 11 0n Behörden geschab nie!ו vo, 11׳ rn t! e;u Gemetzel Einhalt zu t’111, t׳,, •;rrüTliegt vielmehr keinem Zweifel, daß tu an dem vorbrecherischen Treiben Vorschub leistete, denn die; Banden sprachen es offen aus, daß ihnen erlaubt i worden sei, 48 Stunden lang za» plündern. Mehrj fach wurden von den Legionären die Zugänge (r zu den jüdischen Straßen abgesperrt, die Lüde» p und Wohnungen ausgeraubt, dann Brandbomben in f j die ausgeplünderten Häuser geworfen und wer sich zur Wehr setzte, niedcrgcmacht. Erst nach zwei | I1 Tagen, nachdem kann» noch etwas zu retten war, t wurde das Standrecht verkündet, das jeden Rim• derer mit dem Tode bedrohte. Zugleich erließ das polnische Kommando eine Mitteilung an die Juden, in der die Behauptung aufgestclit wurde, die Juden hätten dadurch, daß sie auf die Lcgianiiie > geschossen und sie mit siedendem Wasser he- J! gossen, die ״bedauerlichen Unruhen“ hervorgeruien; : 4 cs seien Vorkehrungen getroffen, die Juden zu ן beschützen, aber diese müßten sic!» jeder ״wei-! teren Provokation“ enthalten. Dieser Aufruf wirkte f5 lediglich als neue A n r c g u n g zu pogroinistisctwn | ׳ Ausschreitungen, denn die!Klinischen Legion;•: f hatten es jetzt schwarz, auf weiß, daß die Juden feindliche Handlungen gegen die Polen begangen hätten. Erwiesenermaßen waren auch p.>l!1bc!a < Offiziere an den Plünderungen beteiligt, die so- » gar am Tage vor den Augen des Publikums vor sieh \ gingen. Man scheute sich sogar nicht, mit den I, geraubten und . oft mit Blut bedeckten Gegenf < ständen die belebtesten Straßen zu passieren. Von polnischer Seite sucht mau die Veraiitwortung für das Pogrom dadurch ab/u\välzen, daß ( man behauptet, die Plünderer sei eff als Soldaten 1 verkleidete Banditen gewesen, das wird aber sein)״ durch die große Anzahl der uniformierten Piün• .; derer und ihre reichliche Ausrüstung mit Waffen t und Munition widerlegt. Ueberdies war schon I während der ruthenischen Herrschaft in der Be- {» völkerung allgemein bekannt, daß die Polen den | •' Juden für den Fall der Einnahme der Stadt den י Pogrom angedroht hatten. j I» Wcsigalizien I Brzozow. ן ״N o w y I) z i c n n ik‘‘ vom 17. November berichtet: I Am Sonnabend, dem 2. November, stürzten Ban• ׳ ן diten in die Wohnung des Nuta Willncr, eines der f reichsten hiesigen Kaufleufe, mißhandelten ihn und ' seine Angehörigen» und schleppten fort, was sie nur : fortbringen konnten. Gegen 2 Uhr nachts überfielt!» ihn die Banditen zum zweiten Male, raubte״ wiederum, was nur möglich war, und mißhandelte» neuerlich seine Angehörigen, Der hiesige Abgeordnete Dr. Stanislaus Bia ly hatte zum Sonntag, den 3. November, eine Feier angekiimligh die um 1 Uhr beginnen sollte. Zu dieser Feier begann die Landbevölkerung schon um 8 Uhr früh sich zu versammeln. Gegen 0 Uhr waren in Br/ozovv bereit* etwa '5000 Fremde. Den Sicherheitsdienst versah ein»' tags zuvor in der Eile zusammengestclltc Miliz. Dir Gendarmerie wurde am selben Tage ent• w a f f n c t. Zum Kommandanten der Miliz bestimn»u' der Bezirkshauptmann einen gewissen Herrn Olinski, einen invaliden Offizier. Sonntag, 9 Uhr vormittag•; ן begab sich Herr S c c le n f r c »1 n d zu Herrn Ohnsk! 1 und bat ihn um Aufnahme von Juden in die Milk! worauf Olinski erklärte, das Komitee habe beschlossen, j keine Juden in die Miliz a u f z u n e h m c ׳ ״ | daß er aber mit Scelenfreund in dieser Angclcgcnhei |; nach der Feier noch sprechen werde. Währen** ן dieser Unterredung meldete man Olinski, daß am Rnk' i platz bereits SchlagcreLn begonnen haben. Olinski eilte s•• i. fort zum Ringplatz und traf eine Horde tx>r dem Sch־™״; lokal des Samuel Braff Im Begriffe, das Haustor tm• I I

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