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Jüdische Rundschau · 1918-11-29 · Heft 50 (29.11.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 50 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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November 191 BsaMnMSSfewm«,',« r1׳f cru A/ כ ■ / :י/; on: Amt Uhlnnd 815, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. 1‘ur Ocsterr-U‘f /!״,/t.וזד"-♦ Nr. 156030. AnZfSccn die *ed1-.:־< spalten» reutonto Nr. 156030. Anzeigen die *cd risUv. i . ’ ■vdtu * י*» * -■»«»»/.zv/. »»»*“ז * . ׳ ״•״*־ ■•־-.־* ־״ , .•r (;rr.־n ß-riin 60 Pf. Te:1arn־׳*׳״;:uf.ci1!nsr '•!'י u/n- Redaktionsrciilub Diea; vOg-na^a. ____---׳׳®*ע*" - -יsk:em: .25. IxiGlcvv 5079 t XXIII• JaJirgang Proteste Die Tageszeitungen veröfientlicliea folgende Er• kiärung: _! , Die «ulfivcicliiHii'ii Verbünde, v<׳!,he die li.ber wiegende Mehrheit dir I>eut sehen jüdischen lijaultcnn in sich vercitilgen, erklären im Gegeiisalz zu dem Stam!]H1nki der einen Bruchteil unserer Glaubensgenossen vertretenden Zionisten, daß wir uns als un.ibloslichen Bestandteil des deutschen Volkes fülllen, dall wir eine ülaubeiisgemeiiiseliaft nicht aber ein jüdisches Volk in Deulschlaml si.id und jeder nationalen Absonderung: widerstreben. Verband deutscher Juden: (lelieinier Jusli/rat Cassel.. 1 >eutsch־isr.11׳litiscber Cieinrindebuml: fessor Dr. Kali scher. Zentralverein <b׳utseber Staatsbürgjer jüdischen (ilaubens: tielieimer Justi/jrat |)r. Bugen Buchs. Diese Erklärung soll dem aucli im deutschen Judentum gewaltig an Boden gewinnenden ZionLs• ntii.s einen Damm cntgegenstelleu. Wir können die Kundgebung der drei Verbände vorläufig mit wenigen Bemerkungen zur Kenntnis unserer Leser briugem. Die jüdische Entwicklung der nächsten Zukunft wird eine deutliche Antwort formulieren. Das Judentum der ganzen Welt fühlt sich als geeintes einiges jüdisches Volk. Alle Parteiditferenzen treten ־zurück, wo es die gemeinsamen Foriii rungeii gilt. Es gibt ein jüdisches Volk, das weil!, was es will. Seine Solidarität wird sich beweisen. In der Stunde, in der die jüdische Zukunft gestaltet werden soll, schlicht sich nur ein Bruchteil aus der Gesamtheit aus: der Teil des deutschen Judentums, welcher hinter den Unterzeichnern der Protestkundgebung steht, die jüdische Protestgesell- Schaft in Deutschland. Dieser Bruchteil des jüdischen Volkes, der sein Volkstum nicht bekennen will, schaltet sich von der Mitbestimmung über das Geschick der jüdischen ües;unii1eit aus. Er erklärt sich selbst des Anspruclis verlustig, in Zukunft gehört zu werden, wenn die Fragen des jüdischen Volkes zur Erörtcrung gelangen. Iin übrigen täuschen sich die Unterzeichner des Protestes über die wirkenden Kräfte im dcutsehen Judentum. Tausende und abertausende Juden in Deutschland, die uns bisher fern standen, sind bereit, sieh uns aa־zuschließe!1. Wir wenden uns mit unseren Forderungen an das deutsche Judentum und werden jeden deutschen Juden zur Entschcidüng zwingen. De Entscheidung wird in erster Reihe darüber fallen, welcher Teil des Judentums Deutschlands noch an der jüdischen Gemeinschaft festhält und welcher ihr, nach reiflicher Uebcrlcgamg, endgültig absagt. Nachdem das Judentum der ganzen Welt sich geschlossen auf den nationalen Standpunkt gestellt hat, muß die Trennung vom jüdischen Volk als die Scheidung von der jüdischen Gemeinschalt aufgefalit werden. Die deutschen Juden können für sich allein den Charakter des Judentums niclu bestimmen, auch wenn sie wirklich den Standpunkt der Protestkundgebungen tiien sollten. Der Beweis hierfür muß aber noch erbracht werden. Ein jüdischer K&ngreß in Deutschland Das Zionistische Zentralkomitee hat in der Sitzung W»n 24, November 1918 folgenden Beschluß gefaßt: Dis Zcntralkomite der Z. V. f. l>. beschließt die Gründung eine״ .־Vorläufigen Ausschusses zur Vorhercitung eines Jüdischen Kongresses in Deutschland“. Dieser Kongreß soll alle in Deutschland wohnenden Juden umfassen, die im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an der Entwickelung eines lebendigen Juden t um s m i t a rb ei t cn wollen. Die Zionistische . Vereinigung für Deutschland vertritt für den Kongreß folgendes Program m: a) Palästina ate nationale Heimstätte für das jüdische Volk. b) Tatsächliche Durdhführung der vollen Gleichbcrcchtigung der Juden in allen Ländern. c) Nationale Autonomie für die jüdische Bcvolkerung der Linder der jüdischen Masscnsiedhing sowie aller anderen Lender der Welt, deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. d) Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der in Deutschland bestellenden Grenzsperre gegen die Juden. ״Der Zionismus criöroki P’ir t'cs JZuisehe Voih die 5chaf*u:1y eine.- - ../.ol,.c.i-z1 .,סד.fall Hehr.iIßJäc iu Pol;־• ׳Kon." Loccler l'.i-iycinm. v) UiugeHtaltuiij׳ <lea judiieiun l.ebeitH iu ticutschlamf in dcmnkr.itkdiem Öhme und nalionafjikii־.,chem Geiste. Der Weltkrieg naht :ich ::einem Ende. Au-, allen Teilen di r Welt kehren imncrc I'reunde nach Deutschland zurück. In diesem ׳Augenblick erbringen wir durch unser Aktionsprogramm den llcv/tls, daß wir, unbeirrt duriii die Zeilereigni.s'-e, fest auf dem Boden unserer alten nationalen Forderungen 'stellen. Sind auch unsere Gegner die Alten geblieben? Fast könnte es so scheinen, wem! mau die Erklärung der aiiti/ionistisclieii Verbände liest, die wir an anderer Stelle besprechen. Sie glauben, der deutschen Nation wieder einmal beteuern zu!•.ollen, daß sie sieh ״als uuablösliclien Bestandteil der. deutschen Volkes füll- ■ len“, daß sie ״kein jüdisches Volk in Deutschland“ sind und ״jeder nationalen Absonderung widerstreben“. Wir rufen die Juden in Deutschland auf, sieb mit uns auf einem Kongreß zu vereinigen, welche die Gesiiinmig dieser ileutschnntioiialen Prokl imation jü 11-scher Verbände verwerfen. Wir glauben nicht nur, daß wir iu den nächsten 'Monaten die Zahl der organisierten Zioni!;eil außerordentlich vermehren können, sondern daß auch außerhalb der Reihen der Zionistischen Vcreinigmig für Deutschland Viele Juden sich mit uns zu iIcm Gidanken der Tinhe.'tt des jüdischen Volkes bekennen werden. So soll 'der Kongreß zu einer machtvollen Kundgebung jüdischen Volksgc'stcs werden. Der jüdische Volksgcdanke hat die Welt erobert, er wird auch in Deutschland nicht unterdrückt werden können. Der Sieg des Palästinagedankens• war zugleich der Sieg des jüdischen Volksgedaitkcns. Nur im Rahmen eines einheitlichen jüdischen Volkes konnte Palästina als jüdisches Land gefordert werden, nur das Vertrauen auf die einheitlichen Kräfte eines ganzen Volkes konnte den Anspruch auf Palästina als berechtigt anerkennen Schon hat sich in vielen Ländern, in ,uesondere in Amcrika und England gezeigt, daß in den Herzen auch assimilierter Juden ein Funken ursprünglicher Palästinaliebe glimmt, und aucli in deutschen Juden, d'c dem Judentum nicht völlig verloren sind, lebt ein Palästinagefüllt, das freilich erst zugleich mit Palästina voll erlöst werden wird. Und in dem Maße, wie das jüdische Palästina immer mehr zur Wirklichkeit wird, wird immer klarer erkannt werden, daß ein jüdisches Zukunftsvolk in Palästma nicht gedacht werden könnte! wenn es nicht ein gegenwärtiges gäbe, das die Vorausseizuiigen eines vollkommeneren Volkstums bereits in sich trüge. So geht vom Sieg des Paläsi'.nngcdankcns ein Geist aus, der das hergebrachte Denken deutscher Juden über jüdische Dinge mit Notwendigkeit erschüttern muß. Diese Erschütterung muß Um so größer sein, als auch andere Einflüsse deutsche Juden unsicher gemacht 11abcn. W i r sind trcilich in den Stürmen des Weltkrieges und der Revolution, die gleichen geblieben, aber die betonte Sicherheit jener antizionistischen Proklamationen verbirgt nur schlecht ehe Tatsache, daß weite Kreise des deutschen Judentums sich der Problcniatik 'ihres jüdischen Daseins in hohem Maße bewußt geworden sind. Losgelöst von den Fesseln der Konveniion und des Hergebrachten, haken viele im Felde zum ersten Male frei und unah'iänglg über sich nachgedacht. Umklammert von dem andersartigen Fühlen und Denken eines ,christlich-deufcchcn Kreises 'haben steh jüdische Soldaten auf .'!.re besondere Art und 'ihr eigenes Volk besonnen. Viele haben mit Schmerz und Bitterkeit die Leiden ihrer ostjüdiachcn Brüder während der Okkupationszeit mitempfunden und in einem uri sprüng'üclien, quälenden Mitgefühl die Einheit des jüdischen Volkes gewissermaßen 'am eigenen Leibe kennen gelernt. Die Stürme der Rcvctutionstcge aber haben au'eh in Deutschland manchen aus dem alten, gewohnten Geleise geworfen. Vou dem Geiste der allgemeinen Verbrüderung, dem Geist Von 1&S3, iri nichts zu verspüren. Unter der Äsche der Revolution brennt, allen fühlbar, ein gefährliches änliremitischcs Feuer. Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, der in einer seiner stillen Stunde ln sein Herz sicht und sich seiher prüft, kann nicht an dem Problem vorübergehen, daß er moncher Unruhe und Bangigkeit enthoben wäre, wenn sich nicht viele seiner Gesinnungsgenossen nur zu sehr — als Deutsche gäben. Auch werden nicht wir erat die Frage an ihn zu richten brauchen, ob er die zahlreichen Mitglieder des Zentralvereins, die bei einem für DeutsciiUnd ungiilistigen Friedensschlüsse SiiaLbürger Lcmacr Staaten wer* den könnten, wirklich als ״uur.blörikhc Bestandteile des deutschen Volkes“ empfindet, deren Ai'rnnds.dcuiscbtum ein Gegenstand seiner besonderen Fürsorge werden müßte. Allen dicsm Ui1־ii'ch1־r«1 und Schwankenden können und werden wir einen neuen Halt geben — stc müssen Zionisten werden. Daneben aber gibt cs v:cle, die unserer Organisation nicht angeboren, manche auch, die ihr aucli nicht angeboren werden, denen w;r aber in dem Augenblick, in de m wir unsere Arbeit in Deutschland neu beginnen, die Gelegenheit geben müssen, sich mit um zu verbünden. Wir denken, nicht an die nicht* zionistischen, nationaljüdiscbcn Jugendorganisationen, deren Zustimmung zum Kongreßgedanken wir voraus* setzen zu dürfen glauben. Mit Befriedigung stehen wir aber fest, daß die jtiilisch-soziatdcmokrat.sebe Arbeiter* partei ״Poale-Ziou“ iiir grundsätzliches Liuverslämlnis mit dem KougreßpLui bereits zum Airdruek gebracht hat. Mit anderen Organisationen werden wir Fühlung uelimeii. In alle die zahllosen kleineren jüdischen Vereine oder Verbände werden wir den Koiigreßge» danken hlueiutrageii und zweifeln nicht daran, dal) eine energische und zielbewußtc Arbeit von Erfolg gekrönt sein wird. Die nicht unbedeutende Zahl der iu licutsch*!and!eilenden Ostjmleii, die hinnen kurzem durch Ein- Wanderungen erheblich anwachsen und m einem freilicitliihea Deutschland durch sehn, Ile Einbürgerung selbst für unsere Gegner beachtlich werden wird, muß gc* wotuten werden. Von manchen hervorragenden, im öffentlichen Leben stehenden jüdischen Persönlichkeiten, die früher uns, aber auch unseren Gegnern fcrns'.andcn, erwarten Wir energische Unterstützung. Es sind Män* ncr, die insbesondere iin Krieg gelernt haben, das jüdische Problem ats eine interterritoriale und daher — vom jüdischen Standpunkt aus gesehen — nationale Frage zu betrachten, die zionistisch empfinden, ohne den Zionismus als ihre persönliche Zukunft anzuerkennen. Von besonderer Wichtigkeit ist auch der Protest der Poscner Orthodoxen gegen Machenschaften des Zentralvcrcins, den wir an anderer Stele veröffentlichen. Lr beweist neben anderen, hier bereits früher besprodienen Anzeichen, daß bedeutende ״vset/es r.ue Kreise Deutschlands ■cs für geboten halten, den volksmäiugen Charakter der jüdischen Gemeinschalt gerade 1m gegen* iviirligcn Zeitpunkt mit besonderer Deutlichkeit zu be* tonen. Die Plattform, auf der wir uns treffen wollen," ist klar und einfach. Erst der Kongreß selbst wird fcststcllcn können, ob ein gemeinschaftliches Arbcits* Programm, insbesondere zur Umgestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland, geschaffen werden kenn. Vorher bleibt es jeder Gruppe unbenommen, die Gedanken, die sie auf dem Kongreß vertreten wird, programmatisch kundzu* geben. Nur in e i n c m großen, umfassenden Bekenntnis sollen die Menschen unbedingt zusammenstitnmen, die den Kongreß bilden werden: Sie alle müssen sich als Glieder des jüdischen Volkes empfinden, für das sie sich verantwortlich fühlen, als Teile einer einheitlichen, über die Weit ver.-trcuten Sriiicksalsgenieinsclntt. In einer Zeit, in der zionistische Tatkraft die Palastinahoffnung des jüdischen Volkes der Verwirklichung nahe gebracht hat, in der die furchtbarsten polnischen Judenpogrome an die Solidarität aller Juden mit schrecklieber Eindringlichkeit erinnern, finden führende jüdische Männer weder ein Wort jüdischer Palästinaliebc noch jüdischer Volk stiebe. Kein Wort für die national-jüdische Heimstätte in Palästina, kein Wort flammenden Protestes gegen die Pogrome im Osten! Nur die Ver- Sicherung, daß sie sich ״ab unablöslichen Bestandteil des deutschen Volkes empfinden“. Der jüdische Kongreß in Deutschland, dessen Grundgedanken wir heute im Großen entwickelt haben, — auf das besondere Programm der Zionistischen Vereinigung für Deutschland werden wir in einem weiteren Artikel cingehcn - stellt diese Männer ebenso wie die gesamte deutsche Judcnhcit vor eine Schicksalsfrage ״Ais unabtöslicher Bestandteil des deutschen Volkes‘‘ ist die deutsche Judcnhcit aus alten jüdischen Zusaminenhängen in Zukunft ausgcschaltet und vielleicht sogar ihrem Vaterlande weniger wertvoll als National- Juden mit den Internationalen Verknüpfungen des iü- (lischcn Volkes. Das ״Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk“ gibt den deutschen Juden allein das Gefühl der Sicherheit und Unbefangenheit das viele gerade in diesem Augenblick wieder so schmerzlich entbehren. Dieses Gefühl trägt s'e sicher in den Strom des jüdischen Gesamtiehens und Gemcinschaftswcrdcn» •dem sie die Kraft finden, sich in Würde behaupten und anderen Menschen das zu geben, was allein als Wert emjyfundcn werden Eigene. hinein, m überall zu das kann: Ein Flugblatt der thoratreuen Vereine in Posen vA/rbJilS!!'!'cJins,chaft י**' thora- Pose n׳• verbreitet */*V," v,ercinc dcr Stadt dass folgende Flugblatt: Posen, den 20. November IQ!« Oe? ״Z entral-Vercln d c u 18 <י h ״!■ c* bü rger fQdi<zhon 0•!. *scher Staat: ** 1־ ,s,^hcn Glaubens, Ortstrru״״ empfiehlt in Mn״.׳. gru PF sich Posen“ da. Mts., a a 19• e t in einem Rundschreiben vom IQ on öffentlichen Versamm•

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