Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 49 (26.11.1918)
- Date
- 1918-11-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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T סה l»f. 40 'S. Altes Land, über da;; dem ganzen jüslcche״ Vi.’ie «las Eigentum «der die Kontrolle zurtdit, sollte insier iE- <•»־,״.'m>,׳;cn verpachtet werden, die volle Alügtchku. der tü1lv*.׳ickiuug und Dauerhaftigkeit dei Besitzes gewährleisten. 4. Das geiiosaensehaflUcUc Prinzip sollte soweit als tunlich in der Organisation aller landwirtschaftlichen, iiieiustridlen, kommerziellen und finanziellen Uutcrneh* aiungcn nngewcnüct werden.“ Die Pittsburger Convention fallt somit D.otls AI ahnung gewissermaßen in konkrete Formen. Brods Dar־ Stellung unserer zukünftigen palästinensischen Gemeiuscliaft laßt gewiß gleichgestimmte Saiten in vielen Ifcr/cn cridingen. Wir wollen uns darum fragen, ob das dort gezeichnete Ideal in Wahrheit Leitmotiv unserer koloitl• satorisciicn Betätigung sein soll. Ls entspricht dem schrankenlosen Sinn des Juden, solches zu fordern. Kaum einem Leben entronnen, das den meisten nicht einmal freies Auslebcn ihrer geistigen 11ml wirtschaftlichen Kräfte gestattete, befriedet uns Jaden die Aussicht auf gleiche Lcbcnsbedingimgcn, wie sic unsere heutige Umgebung genießt, nicht genug. Wir wollen uns nicht mit dem Gedanken abUmlea, in einem Milieu, in dem Menschen und Landschaft auf die eigene Seele abgestimmt .sind, die gleichen wir(- scliaftlichen und sozialen Bedingungen vorzufimlen, deren Verkehrtheit wir in der alten Umgebung cikaimt hallen. Uad da wir wohl wissen, daß das schwere Problem der jüdischen Wiederbesiedelung Palästinas ohne den Aufwand gewaltiger Kräfte unlöslich wäre, so wollen wir diese Kräfte statt durch die Initiative des Erwerbsfeistes durch die Initiative der Seele ersetzen und vorstädten. Die Frage kann darum nicht lauten, ob die Durchiührung solch idealer Forderungen erstrebenswert sei. Es gäbt wohl keinen unter uns, der für die Schönheit der Idee nicht empfänglich wäre, in Palästina eine höhere Form des Zusammenlebens der Menschen zu schaffen. Herz! sprach das schon auf dem letzten Kongroß, den er eröffnen konnte, aus, als er von der Antwort sprach, die unser Volk in Zukunft geben werde, wenn ihm die Möglichkeit zur Wiedererrichtung seiner Heimstätte gewährt sei: ״Und diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung.“ Wohl aber muß die Frage beantwortet werden, ob wir von vornherein und in erster Linie unser Kolonisations- Programm — selbst im Gegensatz, zur Entwicklung der Weltwirtschaft — nach tler ״idealen Forderung“ zu riehlen haben, oh diese Forderung die Kolonisation vorwärts zu treiben geeignet ist, oder ob wir befürchten müssen, ü; . i •. scnnU;:1:1 tli.'karisd! ziehten, v; Wenn die parzelliert lumpt auf müßte sie;1 G.'... ־ wer... dem I einen Rentabilität der wäre. Dabei dem jüdischen Ko:.len auf bür auf arabische Ersatz in den;/די¬;::.U , d/U •; er!:. in F nr-. «sie Q: tue:; -1', ',V ד, . : < ,i 1. :: hy ver- נ:־;1 '1 ■,:•!:eukre'lit.;■;cssiiscüsft -sich über c!1 würde,.־׳. cm, daß die ige gestellt noch1 ift “ Vorparlament in (fort*ttmni* der 1. Seit «.e 1C Deklaration dt der Ukraine: > r Poale-Zlon. sie damit zu beschweren oder gar zu gefährden. Folgen wir bei den folgenden Erörterungen den einzelnen Punkten des Pittsburger Programms. In erster Linie wird dort die Nationalisierung des Badens geforderf. Wir haben daher vor allem die palästinensischen Bcsifzvcrhältnissc fcstzustcllen, wobei wir den städtischen Boden außer Betracht lassen und uns -- als dem wichligsten Problem — auf den ländlichen Boden beschränken werden. Statistische Angaben über die Grundhcsitzvcrhiiltnissc in Palästina fehlen. Nach amtlichen Berichten über die Gnimlbesitzverteiimig des Wilajcts Damaskus — zu dem auch nichtpalästinensische Teile gehören — sind 60 °0 des Landes Großgrundbesitz, 15 ״:.> des Landes mittlerer Besitz und 25 ״'» des Landes Kleinbesitz. Schätzungsweise gehört in Judäa den freien Bauern 500'.״ des Hodens, iu Galiläa 20im Hau ran 15 F'o. Der Rest ist Moscheegut, Staatsland, herrenloses Land und zum größten Teil privater Großgrundbesitz. Außerhalb der heißen Ghorebene am Jordan, die fast ganz Staatsgut ist, ist der Staatsbesitz in Palästina nicht bedeutend. Mil einer umfangreicheren Erfassung der herrenlosen Güter für eine Ncukoloiiisation ist angesichts der unsicheren Besitz- Verhältnisse rieht zu ,rechnen. Die Diincn, Bergabhänge und sonstige Üedländereieu ׳können '׳erst nach einer Reihe von Jahroif'und nach großem Kapitalaufwand kiilinrfällig gemacht werden. Eine in großzügiger Weise einsetzende jüdische Kolonisation ist hauptsächlich auf den Großgrundbesitz angewiesen. Denn wir müssen;;rößerc arrondierte Flächen erwerben, um große geschlossene jüdische Siedlungen schaffen zu können, die allein imstände sind, die pemeindelasten. (Wasserleitung, Kanalis.'üion und sonstige sanitäre Maßnahmen, religiöse und kulturelle Einrichtungen, Synagoge, Schulen) zu tragen. Der Erwerb zerstreuter Parzellen kann deshalb nicht in Frage kommen. Der (Auskauf der Fellachendörfer muß ebenfalls ausscheidcn. Wir dürfen die Fellachen nicht aufstören; wir müssen vielmehr ihre Besitzrechte auf das gewissenhaftest/• respektieren. Auch beim Großgrumlbcsitz haben wir die Rechte eingesessener Pächter peinlich zu beachten. Wir müssen also den für unsere Ansiedlung erforderlichen Raum dadurch schaffen, daß wir durch umfangreiche Jrrigationsanlagen und Drainage eine Bewirtschaftung des Bodens bis zur 1lochst!׳ reim: seiner Intensivierung ermöglichen. Wenn wir jüdisches Privateigentum au Boden sehaffen wollen, so müßten wir an die Bildung großer, sehr kapitalkräftiger Gnindstückgescüscliaften gehen, die iien Lzoden zu erwerben hätten, um ihn dann wieder p1׳rzeilenweise an unsere Kolonisten zu verkaufen, soweit er nicht den arabischen Pächtern überlassen werden muß. Diese Grnudstiickgesellsdiaften müßten entweder Frwerbsgesellschaften sein oder nationale Institute. 1)■! unser Kolonistenmatcrial, besonders soweit es für arbeiisinU'iKive Betriebe, wie Getreide- und Milcliwini.ciinfteii, •r'Ui1'״<JCI״IU:d>״U i״ lktracllt hominl, nur zum kk in;ieu ,, •־**״ genügendes Eigenkapiüil veriü-4, mußten die-e < 11 iiuostiukgeselkieiiaften in beiden Fallen den Boden *ggen hinge Abzahlungsterniine weiter veräußern ein■ Ansiedler überhaupt in die Laue Erwerber iE:wo für da! Ersatz jener dr:3, cb׳: ihr durch die Kiicksiditnahme PiiJi.'er cu;.;'.:möca sind, da auch deren meisten Fäileu erst allmählich erwartet werden kann. Dieser Weg ist also ungangbar, oder man hätte von vornl.eivb• d zu verzichten, einen Selbstarbeitenden, gc::!1,״.d.״n l.;ttsi'n- und Kleinsiaillcrstajul zu schaffen, uml müß.ie damit einverstanden sein, aus unseren Kolonisten ausschließlich Arbeiter, Händler und ln- «lustrielle zu machen, oder linlbstätJfische. Pfiunzer, die die Araber für sich arbeiten lieben. Das mag für Koloiiien aiigehen, nicht aber für eine nationale Heimstätte. Palästina ist uns weder ein imperialistisches* noch ein rein privat-wirtschaftliche.'; Unternehmen, sondern nr.tionalcs Ziel. Der organische Aulhau des Landes fordert, daß ilie Juden J11 einem gesumlen Stiirkcverhälfnis an allen produktiven WJrtscha ft׳;zwci;׳en de» Landes teilneliineu 11 nd daß die Dodcnproiluhtion, als die Gnind- Inge jeder organischen Volkswirtschaft, hieran ihren ersten Anteil hat. Aber auch die Schaffung einer Grundstückgcsellschuft aus nationalen 'Mitteln ist unmöglich. Der Unterschied wäre nur dieser: bei einer lirwcrbsgcscllschaft verkracht entweder die Gesellschaft oder der Kolonist; beim nationalen Institut aber — aus nationalem Interesse! — das nafioifale instliut selbst. Denn dieses könnte zwar auf Gewinn verzichten, um den nationalen Zweck — Ansiedlern;; einer selbst,arbeitenden Lamlbcvölkerung — zu dienen. Es kann aber, ebensowenig wie die Ervverbsger.elischaft auf angemessene Verzinsuug und — vor allem — auf allmähliche Amortisierung des Bodcnkaufpreisca verzichten, wozu unsere Kolonisten voraussichtlich auf längere Zeit hinaus nicht in der Lage wären. Und selbst wenn sie es vermöchten, müßte die gesunde Entwicklung der Siedlung leiden. Der Siedler soll seine Ersparnisse möglichst zur Verbesserung seiner Wirtschaft verwenden, nicht zur Abtragung überflüssiger Schulden. Die Verhältnisse, ,die wir auf diese Weise schaffen, könnten bei unccrem Ansiedlutigselcmcnt. das erst an die Scholle gewöhnt werden muß, die Liebe zur landwirtschaftlichen Betätigung nicht wecken. Der freie Boden würde sehr bald ein Handclsohjckt werden; aus Ackerboden würde Pn.'in/.trjigshoden entstehen, aus unter großen nationalen Opfern gebildetem Klcinbcsitz würde sich ein neuer Großgrundbesitz, entwickeln und die wichtigsten Produkte zur menschlichen Ernährung müßten dauernd von den Fellachen oder aus dem Aus-!and bezogen werden. Ganz anders bei der N at ion'a 1 isi e rung des Bodens. Der Kolonist erwirbt den Boden in Erbpacht mul braucht dafür keine Schulden cinzugchen. Der Pachtzins kann ein billiger sein. Der Pachtzins, nicht der Zins für eine Kaufpreisforderung. Denn was für die Pacht von Boden im Gemeineigentum zulässig ist, mu’ß nicht notwendigerweise auch für Kapital- Forderungen aus ßodenkauf zulässig sein. Eine derartige Kapitaii'ordcrmig müßte selbst einem nationalen Institut zu üblichen Sätzen verzinst werden, da es nicht angchen würde, dem vcrinögcnssehwachen Siedler eine Prämie dafür zu geben, daß er nicht, wie sein vertnögenderer Nachbar, den Kaufpreis aus eigenen Mitteln decken konnte. Das hieße alle Wirtsdml'tsregeln auf den Kopf stellen. Für Erbpaehibodcn aber gelten andere Gesetze der nationalisierte Boden ist den allgemeinen Wirtsehaftsgesetzen dauernd entzogen, und zwar entzogen, ohne daß damit das übrige Wirtschaftsleben irgendwelche Störung erleiden müßte. Der Boden wird dauernd im nationalen Interesse verwendet. Es bedarf keiner weite־ ren Ausführungen an dieser Sielte,'um die Bedeutung dieser Tatsache zu verstehen. Ich will mir hoffen, daß dem jüdischen Volke bei der endgültigen Regelung der zukünftigen palästinensisehen Verhältnisse die rechtlichen Möglichkeiten gegeben werden, um die Nationalisierung des Bodens auch tatsächlich durchführen zu können. Das würde eine unendliche Erleichterung unserer Aufgabe bedeuten, die auch dann noch schwierig genug bliebe. (Schluß folgt.) 0er uLraiftisciie iüGiiciiSii'ät und die Juden Wie das ״Prager Tagblatt“ vom «. November meidet, ist Czcrnowitz nach heftigen Straftenkiimpfe« von ukrainisdieii Truppen besetzt worden. Die ukrainisehen Behörden ließen alle'deutschen und jüdischen Beamten im I)icnst, D c r « k r a i n i s c 11. e Nationalrat 11 a t den J 11 <1 c u die Anerkennung ihrer Nationalität versprochen. Serubabel verlas die Deklaration, tler Poale-Zlon. Der erste Teil ist dem: Krieg und tler Bedeutung tler Infernaüonaie bei der Wialerhersteliung des ־wahren Friedens gewidmet. Im ־Zweiten Teil wird der Sinn ,des bisherigen Kampfes um die Emanzipation und der Unterschied zwi-relie» dun ׳ Synhedrion in Paris und dem gegenwärtige« Vor- Parlament in der Ukraine aufgedeckt. Die erde Aufgabe tler Versammlung müsse Wiedcrher- Steilung tler Autonomie und Ein herufung der jüdischen Konstituante sein. Die zweite ‘Forderung, die die Deklaration eingehend begründet, ist tler Aufbau des territorialcn Zentrums in Palästina. Lau;׳- anhaltenden Beifall rief die Stelle der Deklaration hervor, in tler ein brüderlicher Gruß ״an die i leiden der Arbeit", gesandt wird, die ״inr Verlauf der vier Jahre des Mensdicnmordens und der Vit- Wüstung in ihren Arbeik.positionen in Palästina ausharrten, das Gewebe des Schaffens im Nculunde ununterbrochen 'fortspannen und die sozialistischen Traditionen der jüdischen 1 Arbeiterschaft bewahrten/‘ Die Deklaration ruft die gesamte jüdische Arbeiterschaft auf, sich um die Schaffung des territorialen Zentrums in Palästina zu scharen, die jetzt die politische Forderung des jüdischen Volkes geworden ist. Die Deklaration der Ze'ire-Zlon. Die ״Zeifc-Zion“ schilderten in ihrer Deklaration, die von Levinsohn vorgelesm wurde, die tragische Stellung des jüdischen Volkes während des Krieges und betonten die Forderung, das jüdische nationale Problem auf öffentlich-rechtlichen, internationalen Grundlagen zu lösen. Die organigierte Demokratie sei berufen, den Frieden zu sichern und den Völkerbund zu schaffen. Die Vertreter des jüdischen Volkes haben zu fordern, daß der Friedenskongreß die neue soziale Gesetzgebimg auf den erneuten Grundlagen der Brüderlichkeit, Gleichheit und der Herrschaft der Arbeit regle. Dem jüdischen Volk muß der Friedenskongreß die Möglichkeit sichern, mit jüdischer Mühe und Arbeit, ohne die Rechte der anderen Volk« anzutasten, das national-politische Zentrurn in Palästina für das jüdische Volk zu schaffen. Die zweite Forderung der Deklaration ist die Proklamierung der nationalen Autonomic in der Ukraine und die Organisierung der Volkskräfte im Lande. Die Deklaration protestiert dann gegen die chauvinistische Politik derjenigen Völker, die die Unterdrückung der jüdischen Nation fortsetzen und erwähnt in diesem Zusammenhang die Pogrome in Polen und die mittelalterliche J u d e n po 1 i t i k Finnlands und Ru * m ä n i c 11 s. zu Ulli Versetzen, den J il L» I ׳*, j Am 25. Oktober büro eröiiuct, mit Ukraine und jüdischen!.du׳;;.; /; private Uiiknic״;:;:, Bui'o wird 41;;!; j." sriiaftllnk•!,cl:.'!1 lv den anderen Volke; sou, ( U Hi Kiew ein jüdisches Preßecke, die’ Pie :־.so in der :r alle Erscheinungen des• ivu,' Das Büro ist eine JoaraJi ־,U'11!f|׳uppe. Das de.;״;!itisdie und wirt- ״cnsa die Beziehungen zu וו 0 1 n sieh p 1 Die Deklaration der Orthodoxen. Die orthodoxe A c 11 d u 111 verlangte die Schaffung einer Repräsentanz des gesamten Judentums und die Entsendung einer Vertretung zum Friedcu.-'koi!' greß, die die Anerkennung der Einheitlichkeit der jüdischen Nation, die Sicherung der bürgerlicher? Rechte in allen Ländern und die Rückgabe d$s heiligen Landes an das jüdische Volk fordert. Bezüglich der inneren Verfassung des Judentums in der Ukraine verlangt di.se Deklaration, die von Rabbiner Hell mann verlesen wurde; ״I. die Proklamierung der nationalcn Autonomie; 2. das Sei bst best immun gSrcclit der jüdischen Religion bezüglich Ehe und Scheidung, Sabbat- und Feiertagsruhe; ß. nationales Recht für Hebräisch und Recht einer Umgangssprache für J idisch; 4. die autonomen Institutionen haben für die Verbreitung der Thora im׳ Volke durch Gründung von höheren und anderen Leb!־ anstaltcii zu sorgen/‘ Die Deklaration der ״Volkspartei“. Im Namen der ,Vojkspartci verlas Latzky die Deklaration. Er forderte die Arthebung aller bürgerlichen und nationalen ßcschräiiklingen, verlangte vor allem die i 1111 e re O rg •׳>«'' s i 0 r 11 n g des J u d e n t u m s. ״Indem wir das Judentum in der Ukraine organisieren, fühlen vif uns eins mit der Judeliheit in Rußland, Bolen. Litauen, Preußen, Galizien und Rumänien,'die in ähnlicher Lage dieselbe Arbeit zu leisten haben,“ Palästina, erklärt die Deklaration '•4il Feil unseres P rogr a mm s/‘ , Ou jetd der Verwirklichung dieses Teils große Aus׳ sichten bieten, müsse dafür gesorgt werden, dal»