Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 49 (26.11.1918)
- Date
- 1918-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tciicrunpszuischlae 0> ״/n, RedaktionsscJiluO Dienstag׳ nach Kl. 22. Kislcw 5679 \\ XXIH• Jafirgaug r~J5 ״ .י׳ 0t r Zionismus erstrebt für da® jüdische Volk die Schaffung claor 5'fK:;s־.r,!OVrc::h1Lel; g.rsichoyica EJcJnjaUütte la Palästina. ״Dacclor Progran®' 4*^#* />*k Eröffnung. Deklarationen' w- ־/ r© - <־ 3>. *'־*;ז.?*> ^t ״. *fc ־rt 14 4*4m A u \4$$ h ך־ tr i'A rf ^ך׳ MTäi. Ü Id»׳•«* Ol/ י"•י׳ 411 .— .< ׳־:* Ein Kongreß im kleinen war es, versichern die Zeitungen Kiews, eine Versammlung der besten Kräfte, die die jüdischen Parteien der Ukraine liefern können. Ein geeintes Volk kämpfte liier um sein geraubtes Recht und meldete seine An- Sprüche an. Ein geeintes Volk —1 trotz der erbitterten Kämpfe, die die Vertreter der Parteien dieses Volkes untereinander mit so viel Eifer und Erregung führten. Die Eröffnung Die erste Sitzung am 3. November war noch vom Fanatismus des Kampfes der Parteien gegeneinander beherrscht. Dm Zündstoff l eierte wiederum die -- Sprachenfrage. Als der /.ionistischc provisorische Vorsitzende l/׳g. Bruck das Vorparlament mit ,.Asefa ilichbada‘• eröffnet..', erhoben sich die Vertreter des ״Bundes‘* und der ״Vere i 11 i gt e n‘׳ und verli. ß.n ostentativ den Saal zum Zeichen de.; Protestes dagegen, daß das erste jüdische Vorparlament nicht in jidisclict Sprache eröffnet wurde. Als der Vi.r.sitz.iule bald darauf seine kurze Ansprache auch in jidisdier Sprache wiederholte, kehrten die Protestierenden in den Saal zurück und verlasen einen Protest. Die ״PoaleZion‘* und die ״Vc Iksp artei“ erklärten, daß sic nur aus Achtung vor dem hohen Hause die Protestdemonstration nicht schon im Augenblicke drr fc erliclicn Fröff.mng unt!־stützen wollten Die Zionisten erklärten, daß es um die Eire der nationalen Sprache gelle und daß sie cs trotz ihres Wunsches nach gemeinsamer Tätigkeit nicht über sich bringen konnten, die offizielle Eröffnung des ersten Vorparlaments in 1 einer anderen als der ewigen Sprache des Volkesvorzunehmen. Ein Seniorenkonvent aus den Verirden! aller 7 Parteien — Zionisten, Zcire-Zion, Achdutl), Volkspartei, Poale-Zion, Vereinigte, Bund - wurde gewählt, der sich sofort zurückzog, um die Tagesordnung zu bestimmen und die Wahlen zum PräsiJium vorzunehmen. Einstimmig Wurde beschlossen, über folgende beiden Punkte zu verhandeln: 1. die nationalen Forderungen an den Fri e de ns ko 11 gre fi, 2, die formen der nationalen Autonomie in der Ukraine. Eine Meinungsverschiedenheit entstand zwischen dem Bund und den Zionisten üb׳.!• die Reihenfolge der Punkte. Die Ent- ׳ sdieiili.ng darüber wurde dem Vorparlament selbst j überlassen. Mit 72 gegen 44 Stimmen wurde der j Antra״• der Zionisten angenommen, z.ier-i über ' die Forderungen an den Friedenskongreß und dann ] über die nationalen Forderungen in der Ukraine! *u sprechen, ln das Präsidium wurden gewählt: j M. Ussischkin (Zionist) als Vorsitzender und die Herren Kaplan (Zei're-Zion), Rabb. kleschkowski (Achduth) und W. Latzky (Voiksparici) als Vizcvorsitzendc.; Die Gemüter wurden auf das äußerste erregt, ds der Vorsitzende Ussischkin den Vorsitz. Jti hebräischer Sprache ־zu führen begann. Den; > ‘11'big protestierenden Delegierten im Sitzungssaal ■ *diloi! sich die tausendköpfige Galerie an. Ver• ’ Üblich versuchten die Mitglieder des Präsidiums ׳ erklären, sie hätten beschlossen, die hebräische \׳ krnl die jidische 'Sprache als gleichberechtigt zu jl «handeln, so daß der jeweilige Vorsitzende die ' ^Crhandl11ngen nach Belieben in einer der beiden ״;׳praehen leiten dürfe. Umsonst versuchten auch jl Redner auf die Würde der Versammlung zu ¬ו Vewcisen und von leeren Demonstrationen abzu-!; [atcn. Ussischkin bestand darauf, seine Rede חן "™Ruscher Sprache fortzusetzen. Die Vertreter der ’fotkspartei, der Poale-Zion, der Vereinigten und; c^s Bundes schlossen sich zu einer Opposition zu• *annnen. Die Versammlung nahm eine einem Pare!^Cn* würdige Form an, sodaß das Prä- Diese Vorgänge des ersten Tages waren um so bedauerlicher, afs cs sich am nächsten Tage zeigte, daß die Gegensätze der Parteien keineswegs so unüberbrückbar sind, als die Spruchfanatiker beider Extreme am ersten Tage cs wahr haben wollten. Die zweite Sitzu n g brachte zunächst die Deklarationen der Parteien. Im Namen der Kie w erOcmeiiule.begrüßte Machower das Vorparlament. Den Gruß der vereinigten jiid i s c 11 e « G c in e i n d e n i n Rußland überbrachte M. Klein m a n n. Die Deklaration der Zionisten Darauf erfolgter, die Deklarationen,׳ die Erausdie Stellung der Parteien zu den eigiiisseti und Aufgaben der Gegenwart fiihrlicli darlegtcu. Die zionistische Deklaration verlas in liebräiseher Sprache Drujanow. Sie .stellt fest, daß die Idee der nationalen Einheil und des Kampfe.-; um die Erhaltung und Ent* faltuug der׳ Nation die Seele des Zionismus von ji,-er war. Das innere Bewußtsein dieser natimialen Eiulieit habe auch die Außenwelt gezwangen, dicv Wahrheit und Kraft der jüdischen nationalen Ansprüche anza^rkennen. D.r ,Weg des Volkes sei klar: er führt zu der nationalcn Heimstätte in Palästina und Zur n a tio 11.11 e 1! Vereinigung in allen Länder n der Di aspor a. Stets habe der Kami)!* gegen die Assimilation im Zentrum des Zionismus gestanden. Die nationale Auto- 11 o m i e auf demokratischen Grundlagen sei der einzige Weg׳, den die Juden in jedem Laude einschlagen müssen, wo sich größere jüdische Siedhingen befinden. Indem sie gegen die Aufh e b u 11 «;• d e r nationalen Autoiio in i e in der Ukraine Protest erhebt, verlangt die zionistische Deklaration deren sofortige W i e d e r 11 e r s i e! 11111 g. Die Deklaration schließt: ״Das ist der Umfang der jüdischen Forderungen, die der Zionismus umfaßt: Ein gesetzlicher Platz für das jüdische Volk i!n Völkerbünde; das jüdische Land dem jüdischen Volke; volle Freiheit und nationale Autonomie für alle jüdischen Ge» mcinschafteii, wo immer sie sind. Dann werden sich alle Teile des jüdischen Volkes zu einem nationalen Ganzen zusammcnscliließen, das seinen inneren Kräften entsprechend lebt und sich entfaltet . . . Gesegnet seien unsere Hände: mit der einen halten wir unsere große Vergangenheit fest; mit der anderen werden wir unaufhörlich an unserer Zukunft bauen.“ deiium gezwungen war, die Sitzung au schließen. Die Deklaration dca Eanäea Die Deklaration des ״Bundes“ verlas Herr Lurjc, Sie konstatiert, daß die Forderung der Autonomie zuerst vom ״Bund“ rufre,Keilt wurde, protestiert gegen die reaktionären Kräfte, die die bereits errungene Autonomie in der Ukraine anullierteu, ׳und erklärt, daß die Juden frage als eine internationale Frage vom׳ Friedens> kongreß behandelt werden rauli. Diese Erklärung, die eine vollständige Neuorien t ierung1 bumüstisdier Anschauungen darstallt, wurde vom ganzen Hause ־mit Beifall .vifger.omrncn. Sie verlangt: ״Interuatioiude Anerkennung dar vollen Gleichberechtigung und des Rechtes der Jwlen auf national-pcrr;onc 1 0׳ /,.■! in allen Ländern der Welt und Sn all, des ehemaligen R11C11r.it׳.:., eile wird ruisländischen föderativen Republik ver müssen.“ Für •Palästina verlangt ration dieselben Rechte wie für alle rnd Die Bevölkerung Pu!:ial־ur.r, coli alle־ Schicksal Palästi auf ein Land. Alle IR RC>> rV Privateigentum und Nationaleigentum Von Julius Simon. Herr Julius Simon, Den Haag, Mitglied des Großen Aktionskomitees der ZionMi wti.'ii Orgnnisation, der vor kurzem zu in Mitglied vier ZUmist ischcn Palüstiiiakominisskm ernannt ץ• tu de und sich jetzt auf dem Wege nach Palästina in London“Celimlet, hat .das deutsche Original des folgenden Aufsatzes der ,,Jüdischen Rundschau“ zur Veröffentlichung übcrinhtdi, dessen hol.ändische Ucbcrlrngung bereits in der vor kurzem niiliißiicii der /ioiiisiischen Piopagan-kuvotbe 11er• nusgegebenen F'esimiinnier der ,,llatikwa 11*', de» Organs der belgischen Zionistenföderatlon, erschienen ist. Präsident Wilson hat das Wesen der kommenden Zeit für das Verhältnis der Völker untereinander dahin präzisiert, daß der Grundsatz der Ehre und treuer Gcsetzesw'aliruug, der in allen modernen Staaten die Burger, als Individuen, in ihrem Verkehr untereinander leitet, in Zukunft auch für das Verhältnis der Nationen untereinander Geltung haben müsse. Wir verstehen, wie groß der menschliche Fort c!ui,i wäre, sobald dieses Postulat anerkanntes Gesetz aller zivilisierten Völker würde. Aber gewiß soll mit der Aufstellung dieses Postulates noch nicht gesagt sein, daß die lkvieliiingen der Menschen untereinander bereits einen solchen Grad der Vollkommenhvit erreicht haben, daß sie als unerschütterlicher Gradmesser alles sittlichen Handelns gellen dürften. Diese Beziehungen nähern sich noch lange nicht der prophetischen ldealfordening unbedingter Gerechtigkeit Dennoch fühlen wir, daß die ganze menschliche Ent- Wicklung durch diesen Krieg vorwärts getrieben wird, so daß cs in Wahrheit die Morgenröte einer neuen Zeit bedeutete, wenn in Zukunft nie Gesc.ze der Vö.ker sich nach den sich ständig entwickelnden Gesetzen der Individuen richten würden. Nicht nur in RufllanJ gehen soziale Umwälzungen vor sich, gegen die alle bisherigen Reformen kleinlich und stümperhaft erscheinen werden. Fs i t durchaus nicht die Entwicklung dieser blutgeschwängerten Zeit, die uns Juden ein Zeitalter der Gerechtigkeit so tief ersehnen läßt, wie mir irgendein Volk dieser Erde. Es ist auch nicht die Ungerechtigkeit, unter der das jüdische Volk seit dem Beginne seiner Wanderung zu leiden hatte, die uns empfindlicher für die Gerechtigkeit gemacht hat. Wir waren zu allen Zeiten das Volk, das die Forderung unbedingter Gerechtigkeit ’ am leidenschaftlichsten erhoben hat. Und so ist es denn auch kein Zufall, sondern tiefste Not- Wendigkeit, daß viele geistige Vorkämpfer des jüdischen Volkes von heute die leidenschaftliche Forderung nach sozialer Gerechtigkeit im jüdischen Palästina der Zukunft erlichen. Je näher wir uns «lein Ziel unserer Bestrebungen näher״, um so dringender wird dieser Ruf: Ausschaltung «les Kapitalismus mul seiner verheerenden Deglc terschelmingen im sozialen Leben der Gesellschaft. Jerusalem darf kein öder Abklatsch werden von London. Berlin oder New York . .. In einem Aufsatz von Alle IRR (Fort::־. II “■ - '0 tir: Max Brod über Bodenreform, Judentum und Friedensgedanke beißt es: ״Seien wir ein auscrwähltes Volk in dem Sinne, daß wir uns ein allerhöchstes Ziel setzen, «Ile Gründung einer Gesellschaft, in der das gesellschaftliche (National־) Interesse mit dm höchsten Interessen der Menschheit harmoniert. Dieses Ziel duldet kein vorläufiges Zwischcnziel in dem Sinne, daß man etwa sagte: wir wollen zunächst Ercz Israel schlecht und recht mit Juden besiedeln, nachher wollen ■wir sehe״, wie wir unser Mcnsclihcitsideal erreichen. Nein, von vornherein muß unsere Kotonisationsarbcit trotz ihres ungeheuer schwierigen Standes, der za Koinpromissen förmlich einlädt, das Ideal einer übervoll;- liehen, einer musterstaatlichen .Gerechtigkeit... geradezu anstreben.“ Zif diesen allgemeineren Forderungen gcseilen sich in jüngster Zeit auch Programme zionististlier Organisationen, welche sich über die zukünftige wirtschaftliclrc Gestaltung des jüdischen Pa'ästina sch'üssig zu werden suchen. Die jüngste und bemerkenswerteste ,.1 ״׳״.״״ Kundgebung dieser Art ist von «1er Pittsburger 1 ‘ ‘ ,Convention der amerikanischen Zionisten beschlossen worden und lautet in ihren wichtigsten Punkten wie folgt: ft . 2. Um die Gleichheit der ßetiiligungsmöglichkcitcn (cquality, of opportunity) in der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina zu sichern, sind wir für eine Politik, die, unter gebührender Rücksichtnahme auf bertchendc Rechte, darauf gerichtet ist, für das ganze jüdische Volk 'das Eigentum und die Kontrolle über den Boden, alle Naturschätze und alle öffentlichen Eiuridi- 1 Gebieten r in einer rat werden die Dckla- ד LRnücT, il: er clas ÜVv. fs) .'il i* :Hz) tungen zu begründen.