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Jüdische Rundschau · 1918-11-22 · Heft 48 (22.11.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 48 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 48 I i. Sei’e 378 J U 1: C .:u; ff J3L llx. Vis/ Beschlösse der jüdischen Gründungsversamnilungjudacas lieber den allgemeinen Verlauf der Vorhandhingen der Jüdischen Or ü n d ti 11 gs vc r- Sammlung■ Judäas, die in Jaffa vor der englischen Besetzung Galiläa:» getagt hatte, haben wir bereits berichtet. Das von dieser Versammlung eingesetzte Komitee hat ein Protokoll der Versammlung in hebräischer Sprache veröffentlicht, dem wir Näheres über die Beschlüsse entnehmen. An der Konferenz waren vertreten: di4 ־ Zentraliiistitutionen: Palästinaa nit, JCA,, Aktioiiskomitce des Verbandes judäischer Kolonien und Or g anis atio nskoin i t c e zur Einberufung der k o 11 s t itu i e r c 11 den V c rs a in m 1 u n g; 6 öffentliche Organisntionen: der Lehrerverband, der profcssioucllc Verband der jüdischen Arbeiter, die Organisation des ״Hapoiil Hazair“, die sozialdemokratische Partei Poale- Zion, der Verband hebräischer Akademiker und die demokratischen Klubs; 14 judäische Kolonien: Petnch-Tik w a, Ejn- Ganim, R!schon Lc/.ion, Beer-Jakob, N a c h 1 a 111 J c h u d a, N e ß - Z i 0 n a, E k r 0 n , Rcchoboih, Gcdcra, Bcür-Tobia, Rucliama, Ben-Sc b e ווו e n , Hulda und Mikw e -1 s r a c 1 und die Städtekomilees von Jaffa und Tci-Awiw. Aus Vcrkchrsmangcl konnte sieh Jerusalem nur auf schriftlichem Wcg־e an den Verhandlungen beteiligen. Die Fragen der Tagesordnung waren: Sprache und Kultur, Gerichtswesen, Orgau isa־t ic!n und Konsti t u a n te. 'Die Beschlüsse bezüglich der Kulturtätigkeit und des Gerichtswesens hab:n wir bereits hier veröffentlicht. Eine lebhafte Meintmgs- Verschiedenheit ergab sich in der Organisationsfragc und bei der!Bestimmung des Wa 111 modus zur Konstituante. Diejenigen Beschlüsse der Versammlung, die nicht die erforderliche % Majorität der Stimmen für sich hatten, wurden für das gewählte Vo'.lzugskomilcc als nicht bindend erklärt. Dieses beschloß später, daß cie Frnuen das aktive und passive Wahlrecht .genießen. Das aktive Wahlrecht besitzt also jeder Mann und jede Frau, die über 20 Jahre alt sind und hebräisch zu lesen und zu schreiben verstehen. Das passive Wahlrecht besitzen nur jene Männer und Frauen, die über 25 Jahre alt sind und hebräisch schreiben, lesen und sprechen können. Je 200 Personen, ebenso wie jeder Kolonisationspunkt, wenn er auch weniger als 200 Seelen zählt, emsenden einen ׳Delegierten. 80 Wähler einer Stadt haben das Recht eine besondere W a 111 g r 11 js p e zu bilden. Der Ueberschuß ans solchen Wnhlgruppen darf sich mit Bruchteilen der- Reiben Richtung in anderen Städten vereinigen, so daß ein •Kandidat gleichzeitig für mehrere Kolo- «ien aufgestellt werden kann. Die Wahlen finden alle gleichzeitig im ganzen Lande statt und dauern einen Tag. Der 'so zu wählenden Konstituante wird folgendc Tagesordnung vorgcschlagci werden: 1. Festlegung der Orga ui« a t io ns formen, wie der legislativen und exekutiven Organe der Judenheit Palästinas. 2. Festlegung des Modus der gemeinsamen Tätigkeit der Organi- 8 a 1 i o!1 der palästinensischen Judenheit und der Zionistischen Wcltorggnisation. 3. Die Wiederherstellung der vom Kriege ruinierten Wirtschaften. 4. Er- Ziehung und Sprache. 5. Literatur und Kunst. 6. Die Erweiterung der landwirt- ' sehnftlichcn Kolonisation. 7. Die Fürderung der Industrie und Produktion. 8. A 1 beitsfragen. 9. Wohlfahrt und öffentliche Fürsorge. 10. Gerichtswesen und 11. Volksgesu ndheit. Die Versammlung setzte einen 17-gli drigen Provisorischen Waad (Waatl Smani) und einen 10-gliedrigen Exekutiv-Waad (Waatl Hapoel) ein, denen die Leitung der jüdischen Angelegenheiten Judäas bis zur Einberufung der Konstituante und die Vorbereitung der Konstituante obliegt. Die Mitglieder des weiteren W a a d Smani sind: A. Eisenberg,• S. Guttmann (Sah. Ben- Zion), M. Gißin, E. Hoofien , Ing. M. Winnik, Dr. N. Turow, Agronomin Rachel Janailh, D. Lubmann, D. Leibowitsch, X. Müller, M. Smilan&ky, pawid Swerdlow, A. Fried in a :1 :3, Stampfer, Ä. E f r a t i, Seiger und Gold. Die Mitglieder des engeren Wand Hapoel sind: A. E i 3 0:1 b c r g, D. J s m o s i k , E. Berlin, S. G 1 usski n, Agronom j. Wilkanski, Dr. J. Thon, Ik/alcl Jaffc, M. b. 11 il lei 11־ ako• heu, M. Meirowitz und j. Sprinzak, jtitac Korcl9al23fI11a Ein Londoner Telegramm des Jüdischen Preßbüros in Stockholm lautet: Die Mitglieder der Pal.’istinnkoinmicslon Dr. Eder und Binnchini besuchten die Städte Haifa, Saf cd, Tibcrias und mehrere jüdische Kolonien. Sie konstatierten, daß der Zustand im allgemeinen weniger besorgniserregend ist, al» mau erwartet hatte. 111 Ti* berias sind jedoch Fälle von Gholera konstatiert worden, Kodaß über die Stadt die Quarantäne verhängt werden mußte. Großes Etitnd herrscht unter den Juden von Safe d. Viele Juden, die von den Türken aus ihren Wohnorten evakuiert worden sind, sehen nunmehr ihrer Hcimschaffuiig mit Ungeduld, entgegen. 30 000 £ sind sofort für die dringendsten Aufgaben des Hilfs- Werkes notwendig. Die Ingenieure Oetfinger und Wilkansky sind von «er Zionistischen Kommission beauftragt worden, eine Reise durch Galiläa zu machen und die dort herrschenden Zustände zu untersuchen. In Jaffa wird gegenwärtig eine jüdische Volksbank organisiert. Die Notlage der Juden in Damaskus, Beirut und Sidon Das Stockholmer Jüdische Preßbüro berichtet: ״ In London traf ein Telegramm aus Palästina ein, welches über die schreckliche Not־ läge der jüdischen Bevölkerung in Damaskns, Beirut und Sidon berichtet. Die Zionistische Kommission in Palästina orgnnisiert die H il f s-A k t io n. Große Fonds für Nahrung und Kleidung sind nötig. Kinder sterben Hu ngers in den Straßen von Beirut. Aus dem jüdisch-politischen Leben Palästinas (Die Vertretung der Jerusalemer Jiid i s c h c n Gemeinde) Eines der wichtigsten Ergebnisse der Tätigkeit des Herrn Dr. W e i z in a n n in Palästina war die Gründüng eines ״H a u p t a u s sch u s s c s der Jcrusalem er Jüdischen Gemeinde“, der, wie der Name besagt, eine für das Wohl der Jerusalemer Juden verantwortliche Körperschaft ist. Bei seiner ersten Sitzung richtete der Hauptausschuß fünf Kommissionen ein, die sich mit den dringendsten Gemeindcangelcgcnheilen befassen sollten; chic Wohltätigkcitskommission mit 11 Mitgliedern, welcher die Verwaltung der von auswärts kommenden Betrüge obliegt, eine aus 7 Mitgliedern bestellende Kommission zur Fürsorge für K r i e g s w i t w e 11 und -waisen, duc A r b c i t s 11 a c h w e i s - K o in m i s s i o n von 8 Mitgliedcru, eine 11 y g i c n c k o m m i s s i o n von 5 Mitgliedern, durch die bereits 3 Kliniken und ein Hospital mit 50 Betten errichtet worden sind, und eine Ernährungskom mission mit 7 Mitgliedern zur Verteilung von Nahrungsmitteln. (Eine Massenversammlung in Jerusalem) Das liuupikomltce der Jerusalemer J ü* dischcn Gemeinde veranstaltete, wie das Kopenhngeucr Zionistische Büro berichtet, gelegentlich der Besetzung von ganz. Palästina durch die englischen Truppeil eine große De in o 11 s t r a t io 11, der über 5000 Personen, darunter hohe englische Beamte, beiwohnten. Die offiziellen Vertreter aller Kreise der Bevölkerung hielten;Reden. Die in hebräischer Sprache gehaltene AntwortreJc des Oberbefehlshaber* machte ticfen Eindruck auf die Versammlung. (Besteuerung In S üd p al ä Dt i na) Für die wirtschaftliche Erstarkung SttdpaÜisthms i t es bfzeiclmcmJ, daß seit dem 1. März die Behörden wieder begonnen haben, die in Friedeiiszcitcn üblich geweseueü Steuern der türkischen Regierung zu erheben. Ais die britischen Truppen ins Land cinrücktcn, fanden sic die Bewohner so ausgesogen, daß sie nicht imstände waren, irgendwie zu den Kosten’ der Landesver* waltung beizutragen. Inzwischen aber ist die Bevölkerung wieder kräftig genug geworden, um Steuern zahlen zu können. Das Geld wird ausschließlich־ für Landeszwecke verwandt. (jüdische Beamte für Palästina) Das ״Kopealiagcncr Zionistische Büro“ berichtet: Die Zionistische Organisation in London veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach für Palästina eine Anzahl jüdischer Beamter gesucht wird. Gefordert werden praktische ,Erfahrung auf organisatorischein und administrativem Gebiet. Des Vorzug erhalten Akademiker. (Die Konferenz des II a po?! H a zal r ln Hulda) Wie das amerikanische ״Jüdische Volk“ von 16. August berichtet, fand in der Kolonie Hulda di« Konferenz de* ״II a po c 1-H a za 'i r“ statt. Anwesend waren nur Vertreter von Judäa (da es vor der Okkupation Snmnricns und Galiläas war). Es würg* der Mangel an jüdischen Arbeitskräften auf allen Gebieten der Wirtschaft festgestellt. Die Konferenz erörtert* auch die Frage der Stellung׳• des Hnpoel-Hazair zut! Sozialismus, die, dem Berichte der erwähnten Zeitung zufolge, keine positive Lösung fand. Die Konferenz warnte vor Partdstrcitigkcitcii und begrüßte die Legion*• bewegung. (Von den Poale-Zion) : Der ״J ü d i s c h c K ä׳m p f c r“ veröffentlicht eine Reihe von Briefen des Zentralkomitees der Po alt- Zion Palästinas an das Zentralkomitee der am uikanischen Poale-Zion. Die Briefe sind von den in Judäa weilenden Mitgliedern des palästinensischen Zentral• komiUes Z i f r o 1! i, Eile;er i I a tu p e I und Rachel J a n a i 111 imt. r/eidmet und stammen nöeh aus der Zeit vor der Eroberung Sama:lens und Galiläas. Den Briefen entnehmen wir, daß die wenigen Poale- Zion, die im Lande geblieben sind — eine bedeutend« Zahl, darunter die führenden Personen, wurden seinerzeit ausgewiesen —, den neuen Verhältnissen entsprechend sicli ganz der politischen Tätigkeit und der Lcgionsbcwcgung zur Verfügung gestellt haben. Die Palästina-Kommission fand jn ihnen ein politisch reües Element und einen wertvollen Organisationsapparat. In Jaffa cröffnctcn sie einen Arbeiterklub und eine Bibliothek, gründeten eine große Arbeitergenossen־ Schaft, die öffentliche Arbeiten übernahm. Eine zweit* Genossenschaft der Stadtarbeiter, die ebenfalls staatliche Arbeitsaufträge erhielt, wurde in Jerusalem errichtet. Privatarbeiten waren damals (iin Ijar) nicht vorhandin. In Jaffa wurden zwei große englische Metall.'abriken eröffnet, die Juden beschäftigen. Die Partei reorganisierte das A r b c i t s 11 a c 11 \v e i s b ü ro in Jaffa, das in ganz Judäa seine Vertreter hatte. Sie beteiligte sieb energisch an der Wahlkampagne der Gemeinden und ap der Schaffung einer, einheitlichen Organisation des Gcsamtjudcntums im Lande auf demokratischer Grundläge, pie Briefe lenken die Aufmerksamkeit auf di* ״Komitees, die im Lande bestehen, u;n mit dem Baden zu schachern“, und auf die Schwierigkeiten, auf die ihr ״Kampf gegen die privat : Initiative bezüglich G:und- und Bodenkaui's“ stößt und stoßen wird. Alle Brtefe konstatieren einstimmig den Mangel an jüdischen Ar• beitem und führenden Personen. (Zweigniederlassung des Banco di Roma in J e r u'sa I c m). Wie ״Sole“ vom 11, Oktober aus Rom berichtet, wird der B a 11 c o d i Roma eine Filiale in Jerusalem eröffnen. (Die Rückkehr nach Pcta ch -T ikwah) Die Okkupationsbehördcn gestatteten 20 jüd sehen Familien aus Petach-Tikwali, in ihre Heimat ,kolonie zurückzukehren und stellte ihnen Kamele zum Transport ihrer Hauswirtschaft zur Verfügung. Da die nicht• jüdischen Arbeiter in Petach-Tikwah während der Ab- Wesenheit der Boj 1renbe;i:zer die Wirtschaft vernaclilässigt batten, gestatteten die Okkupationsbehörden neuen 120 Arbeitern, nacl! Petach-Tikwali zu kommen, je zwei Arbeiter für eine Bojare. Der Bericht gibt nicht an, ob diese Arbeiter Juden sind, Für die Universität in Jerusalem Ein Aufruf. Der Tag rückt näher, da uns der Friede die Mör* lichkcit geben wird, die unterbrochene Arbeit für die hebräische Universität in Jerusalem auch unsererseits wieder aufzunchincn. In anderen Ländern wird schon eifrig dafür gearbeitet. Wir hatten eben begonnen für eine Universitäts-Bibliothek mit unerwartet großem Er• folge Bücher zu sammeln, als der Krieg unsere Weiler aibeit fast ganz unmöglich machte. Jetzt ist die Zeit gekommen, die nahezu unterbrochenen Sammlungen all־ mählich wieder auizunehmen. Nur ergibt sich jetzt durch die Zcitvcrtiültnisse ein Unterschied in der Sammet,irbeit. Hatten wir früher damit begonnen, daß wir eine Zentrais,■ uiinrelslclle ein• richteten, so ist cs im Augenblicke empfehlenswerter, örtliche Sammclstellen für Bücher, zumal an allen grö• ßcren Plätzen, cinziirichtcn. Im Augenblicke kosten Kisten und Transjmrt für Bücher so außerordentlich viel, daß cs sich durchaus empfiehlt, Bücher zu sain• mein und an Ort und Stelle nufzubewahren, um *ic alsbald nach Acndcruug der Transportverhältnissc der Hauplsanuncistelle zuzutühren. Aber jetzt, wo die Er• Öffnung der Universität in greifbare Nähe gerückt ist, muß cs die erste Vorsorge sein, eine, große Bibliothek zu sammeln, deren Büchcrscliätzc dem Forscher und Studenten die Möglichkeit der Arbeit geben. So gering• fügig diese Sammeltätigkeit erscheinen mag, so außer־ ordentlich wichtig ist sic. Das Wesentliche ist jetzt, in' allen größeren Städten Sammclstellen zu schaffen, uin Bücher für die hebräische Universitäts-Bibtiothek zu Jerusalem in allen Sprachen und aus allen Wisscnsfächcrn zu sammeln. Aber nur saubere und gut erhaltene, vollständige Exemplare. E* ist wünschenswert, daß sich überall kleine Komitee* bilden, die diese Sammeltätigkeit anregen, ausführen und leiten. Die Komitees und SamrnelsteCen mögen *ich mit mir in Verbindung setzen. Heinrich Loewe, Berlin NW 52, Flemingstr. 12. 1 I t

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