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Jüdische Rundschau · 1918-11-22 · Heft 48 (22.11.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 48 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Es handelt eich eicht um tine Achusa (Pflanxungsgesellschaft) nach Art der in den kitten Jahren in Europa und Amerika ge» gründeten Achusoth. Wir suchen nicht Kapitalisten, die sich an einer palästinensischen Gründung beteiligen, selbst aber in ihrer Mehrheit noch für längere Zeit oder gar dauernd außerhalb Palästinas kben wollen. Wir Buchen vielmehr Juden, die in allernächster Zeit sich selbst, ihra Arbeitskraft und ihr Kapital nach Palästina verpflanzen und dort im Hauptberuf Landwirt© werden wollen. Mit solche□ Juden wollen wir die Gesellschaft ״Schcar Ja sch uw“ zur Gründung einer Kolonie bilden. Gemischtwirtschaftliche Betriebe (Ackerbau und Pflanzungsbau), deren Größe cchätr.ungnweiso!wischen 60 und 400 Dun am (6 bis 40 Hektar) schwanken dürfte, sollen in der Kolonie überwiegen Mit ernstem Willen kann sich jeder im Laufe einiger Jahre unter Anleitung des hierfür bestellten Fachmanncs der Kolonie die zur Leitung seines Betriebes nötigen Kenntnisse ancignon. Die Beteiligten müssen, je nach Größe und Betriebsintensität ihres Besitzes, über eia Barkapital!מס mindestens 25 000 bis 120 000 Mark vei fügen. Wer gewillt ist, sich nach diesen Grundsätzen mit uns in Palästina uiederzulassen und im Laufe eines Jahres nach Erwerbung des Bodens der Kolonie üborztisicdclr», nur der wende sich zwecks weiterer Auskunft an Dr. W. Brünn, zurzeit Königsberg i. Pr., Wcidondamm 22, oder an einen der anderen Unterzeichneten. , Das Gründungskomitee der Gesellschaft ״Sciiear Jaschuw“. Dr. W. Brünn (Jerusalem). Richard Liclitlielia. I&OttCS I»Iarx. Dr. Gurt Nawratzki. William Pcrlis. Vorsitzenden der Berliner . Egon Kosenberg', der gab Dr. Arthur liantke Zi1נד sticche Alasscnvcrsäinmlutigcu in Berlin Die öffentliche propagandistische Tät'gkiit der Herliner Zionisten im neuen Deutschland leiteten zwei R 1 e - sc n v c r s a m'm i u n g c 11 ein, welche die Berliner Zionistische Vereinigung auf Montag, den IS., und Mi.hvocit, den 20. November, vinberuien hatte. Das Tlienia der beiden Veranstaltungen lautete: ״Die i׳or• 11 c r u n g e 11 des j ii d Ischen V o 1 k c י־ ‘, An beiden Abenden wurden von den zionistischen Rednern die I •inleiungen des Kopuihngcner Manifestes proklamiert mul eingehend begtündet. Es wurde vor allem auch die BcdeuUmg des Maniicstes für die zukünftige jüdische Politik in Deutseiiland ausführlich dargelcgt. Der erste Abend zog ein vieltausendköpfiges Pubiikinn an, das der große Festsaal der Spicbcrnsälc ln־i weitem nicht fassen komilc, soilali zu gleieher Zeit in einem anderen Saal roch eine zweite große Ver- Hammhing veranstaltet werden muhte. Die Zahl der Versammelten war über 30()t), unter Abrechnung der vielen!hinderte, die wegen Ucberlülluiig keinen Platz mehr fanden. Unter der Leitung des Zionistischen Vereinigung, Dr da* Versammlung begrüßte, via umiassendes Hihi der gegenwärtigen politischen Lage des jüdischen Volkes in allen Ländern und entwickelte an i I,!ml der gemeinsamen Forderungen dieser jü- (!heben Voiksteile das Programm des Kopcnhageiier Mamiestes. Als Korreferent behandelte Dr. Alfred Klee im besonderen die Anwendung des Kopcnhageiier Mauifestes auf das jüdisch-|x>!itischc Leben in Deutseiiland. f r warnte vor drei Gefahren: vor der Selbstaussciiaf» Hing des deutschen Judentums aus der allgemeinen jüdhcheu Politik, vor einem durch die neuen Veriiidtnisse drohenden assimilatorischen Kosmopoüüsmus und vor der durch die möglicherweise cintretemie Trennung von Staat und Kirche zu befürchtenden Atomisierung der deutschen Judcnhcit. in der Diskussion sprachen von gegnerischer Seite i>r. Apfel und Fräulein Cora Berliner, die beide »ich in der gegenwärtigen Stunde restlos zum deutschen Volkstum bekannten, aber sich nicht prinzipiell gegen die im Kopcnhageiier Manifest enthaltenen Forderunkeil ntuspracheii. Von zionislischcr Seite entgegueten! den Opponenten die Herren Kurt Bl innen fcld, Richard Li eilt hei in und — im Schlußwort — Julius herger. Außer den beiden Opponenten sprachen noch (‘Luge Redner, die einen versöhnlichen Standpunkt ein» I nahmen. Besonderes Interesse fanden dabei die persöniidien Ausführungen eines K.C.ers, der mit großer Wärme und Bewunderung die Verdienste des Zionismus um die Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins henorhob, ln der Parallelvcrsammiung sprachen von ziomsti» edier Seite u. a. die Herren Dr. H a n t k e, Dr. Klee, Df. Wit kowsky und Julius Berger. Am Mittwoch, den 20. November fand die zweite R:c$cnversammlu»g der Berliner Zionistischen Vereint- £ung im Lchrervereinsiiaus am Alcxanderpialz statt. Der *1'drang war so gewaltig, (laß wieder eine Parallclverwmmlung in einem zweiten Saal eingerichtet werden wußte, und wieder kamen hunderte Besucher in die übertüliten Versammlungen nicht hinein. Uebcr 3000 Personen waren anwesend. ln diesen Versammlungen sprachen von zionistischer Dr. Hantke, Nahum Goldmann, Julius >er£fcr, Leo Hcrrraana, Karl Glaser, Dr. Lö■ w c n s t c i n, Lazarus Barth. Ais Gegenredner nnt* ^'Orteten Lehrer Hirschfeld und Fritz Go 11 n. AnäCrc Redner vertraten einen vermittelnden Standpunkt. . Bic zionistischen Redner stellten sich sämtlich auf "(n Kode״ des Kopenliagcner Manifests der Zionistischen ״fpnisation und führten, auch an die Erwiderungen * »koupteud, besonders die Forderungen aus, die an das müssen insbesondere auch die deutschen Sozialisten dafür eintreten, daß dieser Gedanke < seine Verwirklichung findet, . Josef »iocli/' ״Zu meinem »*dauern bin icli verhindert, der er ten Versammlung der Poa!c־Z!on auf deutschem BkIch bei* ziiwolmcn. Ich halte es für meine Pilicht, auch an der Arbeit teilzuneiimen, die die Sozialist.sehe Organisation der jüdischen Arbeiterklasse sieh zu ihrem Zkl ge־ setzt hat. Das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina, von den sozialistischen Parteien des Auslandes bereits an• erkannt, muß auch von der deutschen Sozialdemokratie in seiner allgemeinen Bedeutung erfaßt werden. Dafür zu sorgen, werden die deutschen Parteigenossen aufgerufen. Julius Ka liiki.“ Eine Proklamation des Sekretariats der jüdisch-sozialdemokratischen Gruppen ״Poalc-Zion“ in Deutschland Am 12. November erließ das Sekretariat der jüdischsozialdemokratischen Gruppen ״Poale-Zion“ in Deutschland eine Prokla» ' ' in deren erstem Teile das deutsche sozlalisti- Seile Bi deutsche Judentum auch in Bezug auf eeine eigene Entscheidung für das nationale Programm gestellt werden. Der bindruck der beiden Abende war «in atißcrordeutlicher. Die stürmische Zustimmung der Virsammellen bewies, wie stark der Zionismus und die nationaljüdischer. Forderungen das. Judentum in Deutschland ergreifen. Die Versammlungen ergaben auch Hunderte von An tu e 1 d 11 n g e 11 zur Berliner Zionistischen Vereinigung. Eine Kundgebung der Poalc-Zlon in Berlin Die jüdische eozia!demokratische Arbe i t c ro rgn n is :11 io 11 ״Poale-Zion“ voran ־tattete Sonntag, den 17, November, in Berlin in den l.ogcii-l ■Vst in len ihre erste öffentliche Masscnkundg c I) 11111! 'midi der Revolution. Der 1 fauptrcdiier S. Rubascliow sprach über ille Gegen wart sauf gal) eu de# jüdischen Sozialismus. Er zeichnete die Entwicklung des Sozialismus unter den Juden, in •,einen Anfangsstadieu unterschied sicii der jüdische Sozialismus vom nichtjiidisclicn nur dadurch, daß -sein Objekt das jüdische 'Proletariat war. im Lauf seiner Hiilwickhüig nahm er aber immer mehr auf die ganz besonderen Bedürfnisse der jüdischen Arhvitcrklas'.-.c Rücksicht, deren Situation durch die besondere Lage des jüdisdien Volkes bestimmt ist. So nahm der jüdische Sozialismus zum Kampf um die eigene nationale Sprache Stellung und fühlte zu jüdisdmationaien Forderungen in der Diaspora und zum Kampf um die selbständige jüdische Heimat in Palästina. Die sozialistische Bewegung des Poale-Zionismus erscheint so als die reifste Entwicklungsstufe des jüdischen Soziaüsmus, der gegenüber die Strömungen des ״Bundes“ und der S. S. (Sozialisteu-Zionistcn) als Ucbergangsstufen anziispreclien sind. Von diesem Gesichtspunkt schilderte der Redner die Situation, mit der die jüdischsozialistische Bewegung gegenwärtig zu rechnen hat. Die Revolution in Rußland, Ocsteireich und Deutschland macht die Balm für die Beseitigung von Hindernissen frei, die der Erfüllung der nationalen jüdischen Forderungen entgegenstanden, Ebenso wird der auf dem Selbstbcstimmungsrcclit der Nationen aufgebautc Wcitfricdc dem jüdischen Volk und unter diesem vor allein den arbeitende״ Klassen die nationale Heimstätte in Palästina sciiaffein An der Diskussion beteiligten sich auch Vertreter der jüdischen sozialistischen Gruppen des ״Bun>- des“ und des ״Hapoel Hazai'r“, Verschiedene Redner protestierten gegen di« Pogromhetze i 11 Polen. Nach dem Schlußwort des Refereuten wurde eine Resolution angenommen, die die Revolution in Deutseiiland begrüßt, die V/icdcrhcrstclhing der Internationale verlangt, die Forderung des jüdischen Volkes auf nationale Autonomie in der Diaspöra und auf die national« Heimstätte in Palästina verkündet. Eine zweite Resolution protestiert gegen die Pogrome in Polen und fordert diü polnischen Arbeiter auf, sich der chauvinistischen Judenhetze entgegenzustellen. Zu der Versammlung hatten u. *. zwei bekannte Mitglieder der sozialdemokratischen Partei Deutschland» der Herausgeber der ״Sozialistischen Monatshefte“ Dr! Jose) Bloch und der Schriftsteller Julius Kaliski Begrüßungsschreiben gesendet, die nachstehenden Wortlaut haben: , ״Der ersten Versammlung der Poak-Zfon »r der freien deutschen Republik meine herzlichsten Glückwünsche! Diese Kundgebung des Willens der jüdischen Arbeitcrkias.se zur Selbstbestimmung ihres Volkes ist auch eine Angelegenheit düs Internationalen Sozialismus. Das Recht des jüthseneu Voiava auf Palästina folgt aus der Pflicht zur produktiven Arbeit, bedeutet also die Erfüllung einer auf koke Mciuclilieitr,ziele gerichteten Aufgabe. Daher müssen die Sozialisten aller Länder m a t i 0 u ,. _ icke• Proletariat zur glücklichen Durchführung der Kcvoiution beglückwünscht und die freie sozialistische Rcpublik Deutschland begrüßt wird. Der zweite Tod der . Proklamation richtet sich an dic jüdischen Arbeiter. Es 11«ißt dort: ״Mit der Niederlage des monarchistischen Riesen ist eine der größten Zitadellen des Antisemitismus und der nationalen Unterdrückung zerstört. Die deutsche Reaktion war das Nest der modernen Judenfeindschaft, die Hoffnung und der Stolz der internationalen ״Schwarzen Hundert“. Erst in den blutigen Jahren des Weltkrieges trat der deutsche Militarismus in den zerstörten Städten und Städtchen des östlichen Krieg ■-.gebiet•! von Angesicht zu Angesicht den breiten Massen, des jüdischen Volkes gegenüber und durch seine blutdürstigen und jn lenfun l eben Knechte lind Satrapen wurde der letzte Lebenssaft unserer Brüder, den der teuflische Krieg übrig gelassen hatte, ausgesogen. Mit roten Buchstaben wird diese Begegnung in unserer Chroivk niitgi zilchnct werden. Von f Junger und Not getrieben, mußten Zchntausende jüd scher Arbeiter dir I leim verlassen und Sicherheit und Brot jenseits der einzig offenen Grenze suchen. Die kurze Zeit ihres Lebens im alten Deutseiiland ist eine lange Kette der Versklavung und des Zwangs, der Sorge und Quälerei! Und;11( der immer wach :ende Hunger und die korrumpierte Herrschaft der deutschen mili• tiiriiclicn Befehlshaber neue Arbeltcrmas-en zur selben Wanderung trieben, erneuerte die gestürzte* Regierung die Gesetze des inittdalUrlichcu Ghettos uni verschloß die Grenzen des Landes speziell für den jüdisdien Arbeiter, indem sic zugleich jedem den Mund schloß, der die Verwegenheit hatte, in seiner Bedrängnis zu stöhnen, auf daß keiner draußen von ihren teuflischen Taten erfahre. Der antisemitische Gren/s.hluß war das letzte Geschenk,' das das sterbende Regime noch kurz vor seinem Tode seinem Opfer, dem von ihm ruinierten jüdischen Arbeiter, gegeben hatte! Und noch jetzt v.erdea Klänge aus der alten Zeit vernommen, daß beim Aufbau des Landes auf neuen wirtschaftlichen Grundlagen als erstes Opfer der eingewanderten A rbeiter fallen wird. Mit festem Vertrauen und mit Hoffnung sieht die jüdische Arbeiterklasse, organisiert unter d er in Fahne der jüdischen Sozialdemokratie ״Pode-Zioi, , ״. Deutschland und in der gesamten Welt auf seine deutseiten sozialistischen Genossen in der Regierung. Die ganze fluchwürdige Erbschaft der alten Regierung vorbrennend, wird das sozialistische Proletariat auch das schwere Bande! jüdischer Bedrückungen und Bc&chrankungen mitverbrennen. Abgeschabt sollen werden ale Gesetze und Praktiken, d:e die Zehntausende eingewandertcr Juden in Deutschland wirtschaftlich, pol t sch und national unterdrücken. Möge im neuen Staatswesen das von den Trägern und Dienern des sozialistischen ‘ Ideals geschaffen wird, kein Andenken mehr b'xiben an die Ideologie, die einen Unterschied zwischen Arbeiter und Arbeiter macht und die Interessen des einen denen des anderen zum Opfer bringt.“ Hinsichtlich der jüdischen G c m e in d c po 1 itik m Deutschland heißt es in der Proklamation! Zusainmcn mit der befreienden Umwandlung im ganzen Laude muß auch die Organisation der jüdischen N•Mion im. Laude gereinigt, umgewandelt und demokratisiert werden, incii auf die reaktionäre und germanisatorische Politik der alten Regierung stützend, hm die Volksfeindliehe dcutsch-assimilator.sche Plutokratic die Gemcirde -r das Erbe der alten jüdischen Selbstverwaltung - herrscht und sic in eine verkrüppelte konfe«:״״,.n , tote Karikatur verwandelt indem sie 11״׳ v if H, c ״u1* *1»- •״>,<״•“״-te5 Jl?SSÄ hatten stören können. Der einigende und ™‘h f rozeß der Demokratisierung und des K™״»)״ r a1lc11.^e nalc Freiheit, der jetzt 11b T, m ,! K?!",Pfc,8 fur ״at:oin allen befreiten Ländern beherrscht'’ soKf K״ V0!kcs Juden des frei״ewo״i,•״™ n , I 011 audl u״icr den Ureite״.* d}!T?ü^ demokratischen Grundla««״״ C uß auf baut werde״ ״ ,״ t e r Be t c“ I i?״ " C auf^־ testen Volksschichten ,1 , S dcr 'veiten 'Juden, die die MöMichkUt 5l nßc Vvd c rnationaien Kräfte auf allen Geboten ihroי“:>11,°*ן ״ ihre Kl׳,Ä Ä’ÄKr*' f i

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