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Jüdische Rundschau · 1918-11-22 · Heft 48 (22.11.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 48 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I le 376 r.-ikter« ein,״finden babes. Erst jft/t, da mau daran geht, eine Anleihe zu niadien, wird die jüdische IVerx• r.ir Mitarbeit eingcladcn. Bezüglich der Anleihe selbst erklärte* sie, dal! infolge der Erbitterung, <lic unter den jüdischen 'Massen über die bisherige Politik gegenüber den Juden der polnischen Regierung herrscht, die jüdische -Vertretun*■ nicht imstande sein wird, gegen die jüdische ölfcntlichc Meinung zu kämpfen, so lange nicht eine radikale Aciulerunj»• in der Behandlung der Juden ׳rage eintritt. t>ie jüdische Presse könne nicht ohne Ein• Verständnis init den jüdische 11 ן> o 1 i t j - sehen Parteien ia dieser Angelegenheit handeln. Aus polnischen Hochschulen Vor einiger Zeit fanden, wie «ns gemeldet wird, in Warschau Versammlungen der jüdischen Studentenschaft statt, die sich mit dein Aufruf des Rcgcntschaftsratcs zum Eintritt in das polnische liccr befaßten. Der erste dieser Aufrufe stellte als Bedingung für den Eintritt in das Heer die polnische Nationalität fest. Aus den späteren Aufrufen verschwand dieser Passus. Es fand eine Versammlung der Studentenschaft der Universität statt, in der beschlossen wurde, dal! die Studentenschaft in corpore in da» Heer eintmen und die Universität geschlossen werden solle. Die jüdische Studentenschaft hatte einen Beschluß gcfalt, dar im wesentlichen ausdrückte, daß die jüdischen St*• dfiifcn vc;׳,׳.• ' ' ä ,c. i 4 » -•׳_ -* «!rgani.urric'j nia nu..c. . 3 Staate:! Pok׳a <1 . ' .׳>..׳.״ rva:׳;:i! ׳;: -.z., daß dieses I leer;-.־:־־:;;JL v.r.v; v;.״״ einer an; Eemokratischen Wahlen hrt־vor:'״:!ד,;;•:ך,״־ Rr:.cn;ng, die das Selbstbestimmung; recht der Minderheiten anerkennen würde. ׳ A'a der 1־vd,,v ז B ז> r c c 11 c r der jüdischen St1! ci 0•;1 t c n :■ c h a i i, i i״rr II, Kröngold, diese Rcs.oi'.d'.ui vn L i ii x־dlri:, cMrinutl eia miheschrcihliciin• Li',;;,״ .,־Fort utij euch Juden, nach Palästina, wir rdrri c:uc ß:' ehe Verramm* hing“ usw. i:3 war dem Redner »nci.t möglich, die, Resolution zu vcrlc:;:?.. Die Vc;.::ar,tnlung beschloß, das nicht zuzulasceii. Darauf erklärte» die Vertreter der linken Parteien der Studentenschaft, ihre Kccoluticncn ebenfalls nicht vcrle:.r:1 zu wolle::. Vor der Abstimmung erklärten die jüdischen Studenten, daß de nach dieser Vergewaltigung keinen weiteren Anteil an der Versammlung nehmen 1:»» jede Vcrautwortiag für deren Beschlüsse ablchncn würde״. Unter tosendem Lärm verließen die jüdische» Studcateri geschlossen den Saal. Bei einer;iiinls'd'.ea Versammln־־:;, die gestern in der sogenannten ״Freien Hochschule“ ctattfand, wurden die jüdischen Studenten unter Mißhand■ 1 u n g e n ebenfalls an der Verlesung ihrer Erklärung gehindert. Nr. 48 Zur Verhindert!::״׳ der jüdischen Gcoeintkvfelilcn in Polen Wir erhalten aus Warschau folgende Mitteilung: ״Ucbcr die neuen Gemeinde wall len in Warschau teilt man uns aus Kreisen, die dem polnischen Kultusininbteritim nahcGtclu-n, folgende« mit: Alle Bemühungen und Bitten in der Richten!; der Ansetzung der Waiden r.iiul zwecklos, weil tatsldilkf! das Ministerium die Au?nicht über die religiösen Äugt• legenheitea noch nicht übcrnortimen hat. Das Ministerium befindet sich erst im Stadium der Vorbereitungen und beim bester» Willen kann noch keine Rede von einer Beschäftigung mit den Gcmciadewahlen sein. Ucbrigcns ist inan im Min Uteri tun überhaupt nicht geneigt, sich in der gegenwärtigen Ucbergang*. zeit mit innerjüdischen Fragen zu beschäftigen. Da# Ministerium will zunächst abwarten, wie die politisch* Situation in der näclwtcn Zukunft sein wird, und hiervon 1 längt die Stellung zu der Judcnfrage im Land א* «ש■ gemeinen und zu den Gemeindewahlcn im beson• deren ab.“ Diese Antwort zeigt nur zu deutlich die Verschleppungspolitik der Polen, die es mit allen Mitteln ver״ hindera zu wollen scheinen, daß die Juden in FoJim eine legitime Vertretung erhalt«. OO \'T/׳ ך0:־<; 1 sy ג 1i <1 ' /T,! jLL Ob* A Jüdisclmationale Soldatenräte ■ im tschechoslowakischen Staate Der Jüdische Natioaalrat in Prag berichtet: Jüdisch nationale Soldatenräte haben sieh in Prag, Theresienstadt, Olmütz und Brünn gebildet. Ferner wird aus Prag berichtet: Oie Staats• Umwälzung lud sich mit bewunderungswürdiger Ruhe und Disziplin vollzogen. Bisher sind keine Ausschreitungen gegen Juden vorgckomincn. Geringfügige Uebergriffe untergeordneter Organe, die dem Jüdischen Nationalrat gemeldet wurden, konnten im Einvernehmen mit den führenden Mitgliedern des neuen Staates obgestellt werde*. So namentlich in der Behandlung der gali/ischeu Flüchtlinge, deren Lage sich allerdings ziemlich schwierig gestaltet, da cs an Transportmitteln fehlt. Es ist zu hoffen, daß cs den tschechischen Führern, die den besten Willen bekunden, auch weiterhin gelir.gen wird, die antisemitischen Regungen des Volkes selbst im Zaume zu halten. Der nationnljüdischen Bewegung bringen die meisten Führer viel Verständnis• und Sympathie entgegen. Unter den Juden gewinnt diese Bewegung von Tag zu Tag an Einfluß. Samtliehe Kultusgcmcinden Mährens haben das jüdisch nationale Programm an genommen. Der Jüdische Nationalrat ist trotz seines kaum Htägigcn Bestehens in weitesten Kreisen des jüdischen Volkes die populärste Institution. Jüdischer Soldatenrat in Olmütz und Brünn ln Olmütz hat sich aus der Mitte der Garnison ein Jüdischer Soldatenrat gebildet. Den Vorsitz führt Mptm. Dr. Broch. Der Soldatcnrat wirkt in hervorragender Weise an der Durchführung der Demobilisicrnng mit, eine Tätigkeit, die hier von umso größerer Bedeutung ist, als unter den in Olmütz garnisonierenden Regimentern eine Menge galizischcr Juden dient. Ein großer Teil von diesen hat im Frieden lange Jahre hindurch in Deutschland gelebt und hat dort Familie und ,Beruf. Der Soldatcnrat beschäftigte sich daher aufs intensivste mit Verhandlungen bei den nächsten Grcnzkommaiiden, um diesen Soldaten den Uebcrtritt nach Deutschland zu ermöglichen. Ebenso hat der Soldatcnrat vielfach Gelegenheit zu intervenieren, wo sich der Entlassung jüdischer Soldaten Schwierigkeiten in den Weg stellen. Der Okrcsni Närodni vybor v Olomouci hat die rechtliche Geltung der jüdischen Nationalität ״״d den jüdischen Soldatenrat als Vertreter der jüdischen Soldaten anerkannt. Auch in Brünn hat sich unter dem Vorsitz von Dr. Hugo Stransky ein jüdischer Soldatenrat konstituiert, der sich bereits an den Jüdischen Nationalrat in Prag gewandt hat. Zionistische Garde in Ungarn Beim Präsidenten der ungarischen zionistischen Orgauisation meldeten sich mehr als 200 j ü d i s c h e O f f i - ziere, die von der Front zurückgekommen sind und baten ihn, die Aufstellung einer zionistischen Garde zu vermitteln. Prof. Strauß setzte sich sofort mit dein Staatssekretär im Kriegsininisterium Friedrieh ins Einvernehmen, der auch die Konstituierung der Garde selbst in die Hund zu nehmen versprach und eine Kaserne für die zionistische Garde in Aussicht stellte. Nach einer Mitteilung des Pc st er Lloyd vom (>. November forderte der Staatssekretär im ungarischen Knegsministerium Friedrich zum Schutze der von ukrainischen und tschcchoslovakischcn Banden bedrohten ungarischen Gebiete die Aussendung regulären Militärs. ״eonch erklärte, daß bis heute nurdie Zionisten bereits 11000 Mann, gut ausgerüstet, der Regierung zur Vorfüffung fjefltelH haben und die Regierung diese Truppen ia die exponiertesten Gebiete dirigiert hat. Eine Jüdische SöMctcnvcrccranilun״ in Prag Am 3. November fand in1 Hotel Bristol in Prag, eine Versammlung jüdischer Soldaten statt. Die Versammlung war, obwohl nur wenige Stunden für «lie Vorbereitung zur Verfügung standen, überaus zahlreich besucht, ungefähr ׳SCO—büß Offiziere und Soldaten füllten den Vcrsammlungeeaal. Den Vorritz führte Oblt. Pa co vs ky. Das Referat erstattete Hptm. Dr. Hugo Bergmann. Er führte aus, daß die seelische Situation des Juden gegenüber den gegenwärtigen politischen Ercignissen sich in dem Worte zusammenfassen läßt: Wir müssen Stellung nehmen. Das falle allen denen schwer, die unter dem schützenden Titel des national farblosen Oesterreich selbst farblos geblieben waren. Aber alle diejenigen, die seit jeher von den Juden Klarheit und Entscheidung verlangt hatten, können diese Entwicklung nur freudig begrüßen. Der Redner wandte sich dagegen, daß in der Seele der nichtjüdischcu Völker der Kriegsgewinnler als Repräsentant des jüdischen .Typus entstanden sei. Die jüdischen Soldaten haben das Treiben dieser Juden nicht verhindern können, aber sic werden dafür sorgen, daß das jüdische Volk gereinigt, demokratisch umgestaitet werde und daß diejenigen das Volk nach außen repräsentieren, die den Geist der Zeit — der dem wahren Judentum unendlich nahe ist — begriffen haben. Redner wies darauf hin, welche Verdienste das jüdische Volk sich um die Bekämpfung des nunmehr gefallenen Kolosses erworben hat, erwähnte die jüdischen Väter des Soziaüsmus, die revolutionäre Arbeit der Juden in Rußland, sprach von Karl Kraus und endlich von Friedrich Adler, (dessen befreiende Tat tags zuvor das ״Ccskd slovo“ gefeiert hatte). Dann kam der Referent auf die jüdischc Arbeiterdcmokraiie und die 'Tätigkeit des Jüdischcn Nationairato für Böhmen zu spreeben. Er erwähnte die demokratische Zusammensetzung des Rates aus den beiden demokratischen jüdischen Partele« Böhmens. Stürmischer Beifall erscholl, als der Vortragende davon sprach, daß der Nationalrat sich mit Recht nicht an die jüdischen Notabein um ihre Zustimmung gewendet hatte, denn es gibt keine אot a be 1 n mehr. Der Redner schloß mit dem Appell an die jüdischen Soldaten, ihre soldatischen Pflichten getreulich zu erfüllen und sich den politischen Weisungen des jüdischen Nationalrats zu unterwerfen. Hierauf ergriff, mit jubelnden Ovationen begrüßt, der Präsident des Nationalrats Dr. Ludwig Singer das Wort und schilderte die Entstellung und bisherige Arbeit des Nationalrates im allgemeinen und die bisher in Angelegenheiten der jüdischnationalcn Soldaten unternominellen Schritte. Er forderte die Versammlung auf, aus ihrer Mitte zwei Delegierte — einen Offizier und einen Soldaten ~ in des Nationalrat zu entsenden. An die Referate knüpfte sich eine: lebhafte Ausspräche. Bemerkenswert ist, daß sämtliche zehn R e d n c r sich ausnahmslos auf den nation a 1 j ü d ו s c 11 c u Standpunkt stellten. Die Aussprache bewegte sich um die Frage der Bildung eigener jüdischer Legionen. Ein bindender De- Schluß wurde diesbezüglich nicht gefaßt. Ferner wurde die Leitung der Unterstützt!!:״ ji'uiir.cher Kriegsbeschädigtcr und der Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern, ferner jüdischer Arbeitsloser erwogen, üinstiinniig und unter begeistertem Beifall wurde eine von Korp. Taussig vorgesclilagenc Resolution .״־:;;;u־,om!i1c.1, die dem Na- *1«aalrat für seine bisherige Tätigkeit den Dank aussprach und Um der €ksGg;srisrii der jüdischen Solclaten versicherte. Ls wurde zu informativen Zwecken ein jüdischer SoULiemria.sokuß gewühlt, dem r,tv~c~ hören: Obmann Oblt. Paco vsky’, Chnmnr.ifcllv־. Ge fr. Schick (uiese beulen euul in ctsii Natlonalrat enteandt worden), weiter dk Herren Lt. Abel•*, Li Andres, Oblt Drandei«, Lt. Busch, j&»rp. Frankenbusch, E.-Fr.-Inf. Kaminski, Rttm. Strauß, Inf. Weißcnstei*. Massenversammlung jüdischer Soldaten in Wien Am 2. November fand im Hotel Bayri*«U*r Hof in Wien eine vom Jüdischen Nationalrat fürDcutsch- Oesterreich einberufene Ver- Sammlung der jüdischen Soldaten statt. Die Versammlung war von Tausenden von Offizieren und Mannschaften besucht, die mit blau-weißeu Kokarden geschmückt waren. Dr. Plaschke« hielt die mit stürmischer Begeisterung aufgenomniene Programmredc. Die von dem Vorsitzenden, Staatsbahnrat Robert Stricker, verlesene Resolution wurde trotz Einwendung einiger Sozialdemokraten mit übervv ä 11 i g e n d c r M e 11 r h e i t a n g e 11 o in m c 11. In der Resolution heißt es unter andern!: ״Wir jüdischen Soldaten in Deutsch-Oesterreich begrüßen die Konstituierung des Jüdischen Nationalrat cs. Wir erkennen ihn als die einzig berufcneVertretungallerJudcn in Deutsch- Oesterreich an. Wir entbieten den Völkern der alten Donauinonarchie, die sich als freie Nationalstaaten erklärt haben, unseren Gruß und wollen als freies Volk mit diesen freien Völkern in Frieden, Freundschaft und Eintracht leben und arbeiten. Insbesondere beglückwünschen wir das deutsche Volk, in dessen Mitte wir heute tagen, zur Begründung seines freien Staates Dcutsch-Oestcrreich. Wir Juden fordern von der Friedenskonferenz die Erfüllung des uns von den Mächten gegebenen Versprechens auf Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, auf Anerkennung unserer Nationalität und Zuerkennung nationa ler 'MindcrhcitsrcChtc hier zu Lande. Wir erwarten die Unterstützung dieser gerechten Forderungen auch von den freigewählten Vertretern Deutsch- Oesterreichs. Das Bekenntnis zu einem anderen Volk wäre ein Meineid, den niemand von uns erzwingen kann und wird. Treu wie bisher wollen wir auch in dein ncugcschaffenen Nationalstaat alle Bürgerpflichten erfüllen als Juden, als gleichwertiges und gleichberechtigtes Volk. Wir jüdischen Soldaten halten als Volksgenossen zusammen, tragen unser blau-weißes Band an der Kappe und stellen uns dem Jüdischen Nationalrat für Deutsch- Oesterreich zur Verf ü g u n g. Nur dieser ist berechtigt, über unseren Eintritt in das neue Volksheer zu verhandeln. Die 'jüdischen Soldaten aller ncugcschaffenen Staate« werden diesem Beispiel folgen. Auch von unseren Vätern und Brüdern im Bürgerklcid, für deren Ehre wir geblutet haben, verlangen wir die Unterordnung unter den Jüdischen Nationalrat. ln dieser entscheidenden Stunde stehen überall auf ihrem Posten die jüdischen Soldaten.“ Die jüdische Stsdfscliutztruppc in Wien Aus Wien erhalten wir die nach folgende Meldung: . ״, ^cr .von einigen Blättern veröffentlichten Nachrieht über die Gründung einer ״bewaffneten jüdisehen Sei bst wehr“ erhalten wir vom Präs•־ anrtn des Jüdischen Nationalrats in Wien nachstehende Aufklärung: _ ÖR Juden den innigen Wunsch haben, daß der Stadt Wien der Zustand des Friedens so schnell wie mogheh hergestellt werde, wozu vor allem die strengste Aufrcehferhaltung der Ruhe und Ordnung nötig ist, fiat

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