Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1918)
- Date
- 1918-11-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 308 ^^וי—׳ד־״ץ \ ן I J 1 ■ JLmL^ fe*». wä*«—»»* * t'// Das Kopenhagener Zionistische Büro an die englischen Zionisten Anläßlich der ersten Wiederkehr des Jahrestages der britischen Regierungserklärung׳ zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina hat. das Kopcnh a gc n«r Z io'n i sti s c hc Büro folgendes Telegramin an die englischer! Zionisten gerichtet: Wir feiern die erste Wiederkehr des Jahrestages der englischen Regierungserklärung, weiche die Wiedererrichtung eines jüdischen Palästinas verhieß, und bringen aufs• neue die ewige Dankbarkeit des jüdischen Volkes zum Ausdruck. Das jüdische Volk erwartet sehnsuchtsvoll; als Fortsetzung der mit der Deklaration eingeleitcten Aktion, die Feststellung der politischen und Öko* nomischen Grundlagen, die durch die Ermöglichung einer jüdischen Masscneinwandenrng, sowie eines großen Siedlungs- und Kulturwcrkes Palästina zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes machen werden. Das jüdische Volk erwartet zuversichtlich, daß auch seine Forderung auf Anerkennung der biirgcrliehen und nationalen Gleichberechtigung der Judenheit in der Diaspora Förderung seitens der britischen Regierung finden wird. Eine große und verantwortliche Aufgabe lastet auf den englischen Zionisten und ihren Führern; tiefe Genugtuung werden sie cmfinden, wenn das zerstreute Israel aus allen vier Ecken der Weit zurückkehrt zu einem neuen Leben in Schönheit, Freiheit und Gerechtigkeit. Zionistische Organisation Kopenhagener Büro Dr. Victor Jacobson. Außerordentliche Konferenz der englischen Zionisten Bericht der Palästlnr.kommission Lo n ci 0 n, 5. November. (Telegramm des J ii ־ dischen Preßbüros in Stockholm). Am 2. und 3. November fand in Queens Hall in London eine Konferenz der englischen Zionisten statt, die aus allen Teilen des Landes beschickt war. Die Zahl der Dole* gierten erreichte 260. Außerdem wohnten der Konferenz Vertreter befreundeter Organisationen, darunter der Poale-Zion und deä Jüdischen Nationalen Arbeiterrates, als Gäste bei. Der Vizepräsident der zionistischen Organisation Gold bin m eröffnele die Konferenz. Im Nansen der zionistischen Organisation begrüßte S 0 k 01 o w die aus Palästina zurückgekehrte Palästinakörn miss ion unter Führung von Professor Wei/mann. Begrüßungsansprachen an die Paliistinakonmiission hielten ferner Sacher im Namen des Maccabean-Vcrbandes, Dr. Schönfeld im Namen der Misrachi-Organisation, Morris Mayer im Namen der Poalc-Zion-Partei, Kirch im Namen der Ordensgesellschaften, Pcrlzweig im Namen der Zeire-Zion. , Professor Wcizmann bestieg hierauf unter außerordentlichem Enthusiasmus der Konferenz die Rednertribüne, dankte im Namen der Kommission für die begeisterte Aufnahme und brachte den Dank der Zionisten an die britische Regierung zum Ausdruck für ihren historischen Akt vom 2. November vorigen Jahres und für die große Fürderung, die sie seit jenem Tage der Sache des jüdischen Volkes zuteil werden ließ, sowie an General Allenby und an die britische Armee, die Befreierin Palästinas. Besonders große 13cgeisternng löste die Stelle in Wcizinanns Rede aus, die den Anteil der jüdischen Truppen an der Befreiung Palästinas schilderte. Wcizmann erstattete hierauf den Bericht der Palästinakommission. Als die Kommission im Frühling dieses Jahres ihre Arbeit begann, führte er aus, war die Zeit ,sehr kritisch, ln jener Zeit fing die große deutsche *Offensive im Westen an und die Operationen der britischen Truppen in Palästina hörten auf. Die Kommission stieß anfangs auf die Opposition der arabischen Presse in Aegypten, die dem Zionismus früher indifferent gegenüber gestanden, ihn nun aber zu bekämpfen begonnen hatte, indem sie behauptete, der Zionismus wolle Araber in Pa’.äcV.r.a;!־.;•« r.v. י• cr:״:b:;:. Sie publizierte mit und Bc.sdutldif'tuig Zionismus. Audi t i o n s b e h ö r d e 11 waren sieh aiuangü deutung und die S * FCC I;: A U * - ■ f y jt •■(י ץ*״״-״״ן | , ' ' ii י 1 - ׳־, \ \ k w; ' f :zaekwJi 1•;! . j* j ־ «r«. .mW '׳י 4'י 1^*1 ^***«*-1—1־יdniitxd*. r^-■ ■ V ifer alle Argumente j Die Nr. 47 ׳^* ״' A f ו! wii ßTOiicüi c» der Gegner und Feinde des die britischen Okkupain Aegypten und Palästina 1 nicht recht klar über die Be- Conseqtienzen der Balfourschen Eingehende Verhandlungen, die drei Anspruch nahmen, 'änderten die Sachist gelungen, ein arabischen Fel- Grund britischen Regime zuchon besseren Absind die Ef־ Die meisten Erklärung. Monate in .•, läge zu unseren Gunsten, gutes Verhält n i s mit 1 a c 11 e n herzus feilen. Sie und Boden, sind mit dein frieden und haben gegenwä satz für ihre Produkte. Dagegen f e 11 d i s weniger zufriedcngestellt; den haben genug von ihnen leben außerhalb Palästinas und haben nicht mehr wie früher die Gelegenheit zur 'Ausbeutung der Bevölkerung. Ihre Freundschaft ist aber auch von viel geringerem' Wert für die Juden. Wcizmann hatte eine Konferenz mit dein Sohn des Königs der Hedschas, der die arabischen Truppen befehligt und׳ arabischer Thronfolger ist. Es ist gelungen, mit ihm zu einem vollen* Einverständnis zu kommen und jedes Mißverständnis zwischen Arabern und Juden zu beseitigen. Ebenso ist es der Kommission gelungen, die besten Beziehungen mit der christlichen Bevüikerung des Landes hcrzustcilen. In mamiigfachcr Hinsicht wurde mit dal maßgebenden Vertretern der christlichen Bevölkerung Hand in Hand gearbeitet und sie war auch vertreten bei der Grundsteinlegung der hebräischen Universität in Jerusalem. Das Verhältnis der britischen Ad ministration zur jüdischen Sache ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Kommisson hatte Gelegenheit, in mehreren Konferenzen mit den Okkupationsbehörden ihre Ansichten zu entwickeln und sie fand sie in jeder Hinsicht entgegenkommend. Es wurde vereinbart, daß. die Juden ihre Steuern nicht durch arabische Beamte, sondern spezielle jüdis che Kommissionen abführen sollen. Es wurden eine jüdische Sicherheitspolizei und Organe der jüdischen, Sc 1 bstverwaltu n g geschaffen. Es gelang auch der Kommission, die Evakuierung der jüdischen Kolonien, die man anfänglich aus militärischen Rücksichten .vornehmen wollte, zu verhindern. Mit großer Wärme sprach Wcizmann über den Heroismus und die Ausdauer der jüdischen Bevölkerung in den Kolonien. Er konstatierte, daß die Kolonie Petach-Tikwah und ein Teil des Herzl-W.11׳ des stark beschädigt sind, während die anderen Kolonien bei weitem nicht so schlecht ab gesell nitten haben, als man ursprünglich erwartet hatte, Was׳ das Hilfswerk betrifft, so sind große Anstrengungen notwendig, um die jüdische BevöP kerung über Wasser zu halten. Es gilt vor allem 3000 Waisen und Hunderte von Witwen zu retten; dazu sind 22000 Pfund sofort notwendig. Der Typhus hat viele Personen hingerafft. Die mecllzinische Kommission tut gute Arbeit. Außer den Kosten für Brot und Reis mußten in Jerusalem noch 20000 Pfund monatlich verausgabt werden, ln Jerusalem wurden, Werkstätten errichtet, um den Beschäftigungslosen Erwcrbsmöglichkcit zu verschaffen, dagegen aber wurde die Schnorrkorrcspondenz der C ii a luk k a־Leute, die demoralisierend wirkt, eingestellt. Leider ist infolge der Kriegäumatiindc ein moralischer Niedergang der Jerusalemer Bevölkerung zu konstatieren. Jerusalem weist heute 500 Protistulcrje auf, eine Erscheinung, die vor dem Kriege nicht bekannt war. In den anderen Teilen des Landes, namentlich in den Kolonien sind die Zustände glücklicherweise viel günstiger. Die Kommission arbeitete in vollster Harinonie mit den Arbeiterorganisationen. Sie verausgabte für G c 11 oss e n s c 11 a f t s - zwecke 175000 Francs und für hebräische Kurse 100000 Francs. Außerdem wurde ein Budget für die Errichtung von zwei Arbeiterhei me 11 in Aussicht ges.icIÜ Die hebräische Sprache ist In. P& :worden. Die jüdischen Ar- 1 eifrigsten: Verfechtern der liistina zur lebend: beiter gehören zu hebräischen Sprite Die Vorlesung versität werde־״ brr;::':;c:1 kcrucn. :1 de \vc, heb: gnllgi äiscb'en Uniin 5—6 Jahren politischen Bedingungen für die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina sind sehr günstig. Die ersten Schritte in dieser Richtung sind bereits getan. Die Errichiung eines Judenstaates ist im gegenwärtigen Moment noch nicht erwünscht. Die Jüdische ßcvölkerung wünscht Palästina unter britischem Schutz (trusteeship), bis das Land reif sein wird, sich selbst zu verwalten. Die Arbeit der Ko!nmission ist noch nicht beendet. Die Voraussetzung für das Gedeihen des jüdischen SiciUungswerkcs ist ein ungeteiltes Palästina. Die Agrarfrage muß unverzüglich mit allem nötigen Ernst in Angriff genommen werden. Die Tatsache, daß der Grand und Boden in Palästina größtenteils brachliegt, daß 60 Prozent des Grund und Bodens sich in den Händen der Effendis befinden, macht das jüdische Werk itn Lande möglich. Wcizmann schloß seinen Bericht mit dem Hinweis darauf, daß die Errichtung einer jüdischen Heimstätte nicht nur gewaltige Geldmittel, sondern vor allem auch außerordentlich viel Energie, Gedukl und Arbeitskräfte erfordert. Nahum So ko low erstattete hierauf den Berieht des politischen Komitees der zion ist is eben Organisation Englands. Er konstatierte eine harmonische Zusammenarbeit der zionistischen Organisationen. Er sagte ferner, daß die Einberufung einer Konferenz der zionistischen Organisationen der interalliierten und neutralen Länder in nächster Zeit wahrscheinlich sei und drückte seine Meinung aus, daß der nächste Zionistenkongreß wahrscheinlich in London stattfinden werde. Es seien große Aus* sichten vorhanden für die Anerkennung der jüdischen Forderungen durch den Friedenskongreß. Die Unterstützung Englands sei sicher. Die Berichte Weizmanns und Sokolows wurden mit großem Beifall einstimmig zur Kenntnis genommen. Die Konferenz beschloß, die vollständige Reorganisierung der zionistischen Organisation Englands. Es wird eine neue Organisation ins Leben geraten, die imstande ist, die ganze Judenheit des Landes, die auf der Platt* form des Zionismus steht, zu umfassen. Ais Organisationseinheit sollen, neben den zionistischen Vereinen und Versicherungsorden, Synagogen, in* stitutionen aller Art usw. gelten. An die britische Regierung, an Ge* nerai Allenby und an die britische Armee wurden zur Wiederkehr des Jahrestages der britischen Erklärung Begrüßungstelegram me gerichtet. Während der Verhandlungen erschienen 400 jüdische Legionäre im Saal, denen begeisterte Ovationen bereitet wurden. Englische' Kundgebungen Robert Cecil. Lord Robert Cecil, Vize-Staatssekretär für aus• wärtige Angelegenheiten und Mitglied des Parlaments, hat am Jahrestage der englischen Regierungserklärung die folgende Botschaft gesandt: Inmitten des Mord- und Vcrnichtungswcrkcs dieses Krieges steht die zionistische Bewegung als ein großes Streben nach praktischem Idealismus da. In seinem Gelingen liegt ein Versprechen nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die gesamte Weltkultur. Möge ihm weiterer Erfolg beschießen sein, und möge ihm immer mehr die Gunst Gottes und der Menschheit zu Teil werden. Herbert Samuel. Der frühere Staatssekretär Herbert Samuel schreibt: Die Geschichte Palästinas erstreckt sieti über Tausende von Jahren voller Wechselfälle, aber die soeben verstrichenen zwölf Monate werden sicherlich in dieser langen Geschichte von besonderer Bedeutung bleiben. Sic begannen mit einer politischen Erklärung durch die englische Regierung, die von den alliierten Mächten unterstützt wurde, von der großen Mehrzahl der Juden aller Länder mit Begeisterung und Dankbarkeit aut• genommen wurde und die Aussicht auf Erlösung des alten Landes von Trübsal und Unterdrückung sowie auf das Wiedererstehen einer wirksamen und eigen• artigen Kultur auf dessen Boden eröfinctc. Sie enden mit einem völligen militärischen Sieg, welcher die Erfüllung des mit der Erklärung gegebenen Versprechens nicht nur möglich, sondern sicher macht, ln der Zwi■ 6chen?.eit hat die Zionistische Kommission! der dank der Energie und dem Takt ihrer Leitung Erfolg bcschleden war, durch ihre Tätigkeit an Ort und S:c!:״ mit C:r L5:;::-g vieler P:cö;c:::o I