Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Volle bürgerliche und öffentlich-rechtliche Gleichberechtigung 11er Juden mit der übrigen Bevölkerung. (. Die nationalen Minderheitsrechte ,kr Juden beziehen sich allerdings nicht auf jene Forlicriu׳.:;eit, die ihnen gememsani mit der übrigen Beuükcnmg sind, hi dieser Richtung sind unsere Be* d 1i r! n i s s e identisch mit den Interessen der übrigen Bürger. Eine Sonderstellung der Juden i» Dingen der Landesverteidigung, der Staatspolitii;, des Rechtswesens, des Staatsdienstes, des gewerhüclicii oder beruflichen Lebens würde uns als ein Versuch erscheinen, das alte Ghetto wieder/uerriebten, den wir als ein Erbe des Mittelalters mit allen Mitteln bekämpfen würden. Wir sagen dies mir um der Vollständigkeit willen, im der vollen und freudigen Ueherzeuguug, daß es zu solchen Versuchen nicht kommen wird. Wir fordern kulturelle Selbstverwaltung in innerjüdisehen Fragen, zu denen vor allem die jiidischc E/.rieliung, die Pflege der hebräischen Sprache und unserer Ikvielmngen zu unserem Zentrum in Pal.istina sowie auch die Arbeit der jüdischen Gemeinden ui Fragen der sozialen Fürsorge gezählt werden müssen. Dort, wo dies die Verhältnisse ermöglichen, sollen auf 111*Kiemen (keineswegs konfessionellen) Grundlagen jiid 1 s e 11 e Volk;- und Mittelschulen errichtet ״der Schulen einer anderen Nationalität in jüdische Schulen uingcvvamielt werden. Der Entwurf eines solchen Sc'liiilpl.uics wird von uns demnächst vorgelegt werden. Was unsere Miudeiheitsrcdile;!»laugt, erklären wir als unsere Forderungen: a) Die Demokratisierung der gegenw ä r t i g c n Kultusgcmcindc m (Gesetz vom 21. März 1 S'DO, Nr. 57 R. G. Bl.) Das bisherige Klassen- Wahlrecht soll aufgehoben und in der Geipciiuicordnun;:, deren Entwurf wir uns noch vorzulcgen gestatten werden und die den besonderen mährischen Verhältmsyon Rechnung tragen wird, soll das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zum Gesetz für die jüdische Gemeinde erhoben werden, deren Arbeit vor allem nationalkulturell sein wird. Mit der Kundmachung eines derartigen Gesetzes, das voll dem Geist der neuen staatlichen Ordnung entspricht, wird die tschechische Regierung sich in höchstem Maße um die Gesundung der Verhältnisse verdient machen. b) Zugleich ist cs notwendig, daß die Kompelenz d e r j ü d i s c 11 e 11 G e 111 e i 11 d c n 111 der oben Invcidineten Richtung erweitert und ihr das Recht /uirkaiuit wird, ihren Angehörigen Steuern vorzuseil reiben. c) Alle auf Grund des allgemeinen• Wahlrechts errichteten jüdischen Gemeinden sollen eine gemeinsamc Vertretung mit dem Sitze in Prag wählen. d) Insofern kulturelle Bestrebungen mit staatlichen Finanzmitteln unterstützt werden, soll auch den jütü;chen Kuüuriiistitutioncn in angemessener Weise Rechinnig getragen werden. Wir haben oben im allgemeinen;!!!gedeutet, wozu uns unser nationales Gewissen und der Ernst des gescliiclitliclien Augenblicks drängen. Wir hoffen lind sind davon überzeugt, daß unsere Forderungen von den hm,feneu Vertretern des •tschechischen Volkes ,mit glci- 1'her Offenheit, mit gleich gutem Willen und Vortrauen Werden geprüft werden, als wir sie vortragen. Mit derselben Offenheit gestatten wir uns auf den vergiftenden Einfluß des wachsenden Antisemitismus aufmerksam zu machen. Wir tun dies umso mehr, als trotz der Warnungen einzelner Führer und anderer hervorragender Persönlichkeiten des tschechischen Volkes diese kulturlose Bewegung im Volke verbreitet wird. Obwohl wir nicht bezweifeln, daß die berufenen Faktoren des tschechischen Volkes imstande sein werden, ״n entscheidenden Augenblick den Gang der Ereignisse /״ bestimmen, betrachten wir cs als unsere Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß es zu Begebenheiten kommen könnte, denen ebenso, wie im Sinne der Humanität, im Interesse der t s c 11 e c h i - s c h e n Demokratie vorgebeugt werden י “!״*• ln dieser Angelegenheit sehen wir als einziges ,"'hei an. daß die Führer des tschechischen Volkes auch die tschechische Presse zurzeit diebreiten bcliichtcn des Volkes darüber belehren, daß cs nötig ist, die Beziehungen zwischen dem tschechischen und ,iC(1) jüdischen Volk im Wege der Verständigung, keines- "cgs aber gewaltsam, zu regeln, insbesondere wird es ״üiikr sein, der Vorstellung entgegenzutreten, ab wäre mit der Errichtung des tschechoslowakischen Staates He Vertreibung der Juden־ oder eine Beschränkung wer bürgerlichen Rechte verbunden. Als die einzige Art, die unserer nationalen Ehre entsprechen und gleichzeitig das tätige Eingreifen anti- 5*«Mischer Elemente in die ruhige Entwicklung des Krtivnscitigen Verhältnisses beschränken würde, sehen lr ei"e offizielle Kundgebung des löblichen Närodni wboi׳ an, mit der dieser unsere folgenden Forderungen aiim-11 nun würde: 1. Aner k e 11 n 11 n g der j ii .11 s eben N a 11 o - 11 a 1 i 1 ä t 1111 d E r e 1 h e i t des Bekenntnisses zu ihr, 2. volle b ü rg e r 1 i e!1 e G 1 c i c!1 b c re c h t i - 1: u!1 g der J u d e 11 1; n d 3. nationale M i!1 d c r 11 e i t s r e c 111 c für das jüdische Volk, Demokratisierung 11 n d Vereinig 11 u g der j ü d i s c ii e 11 Ü e 111 c i tu] c!1. Wir bitten, der 1 ö b 1 i c 11 c ״N ä r o d n i v y - h o r' ‘!11 ö g e unsere 111 W 11 n s che entsprechen. Gleichzeitig gestatten wir uns mitzuteilcn, daß wir eine Abschrift dieses Memorandums der Zentrale der Zionistischen Weltorganisation in Kopenhagen mit dem Ersuchen zugesendet haben, darüber die tschechoslowakische Nationalregiemug in Paris 1ע unterrichten. Mit größter Hochachtung Der jüdische Nationalrat. Dr, Ludwig Singer m. p., Obmann. 1. Obmann-Stellvertreter. 2. Obmann-Stellvertreter, Karl Ei sehe 1 in. p., Dr. Max Brod m. p,, Prag, den 28. Oktober 1918. Massaryks Böfccfcaü für den Zionismus und die jüdisch-nationale Bewegung Das Stockholmer Jüdische P r c ü b ü ro erhält von seinem Londoner Korrespondenten durch Telegramm vom 8. November auf Grund der soeben in London cingctroffencii amerikanischen Zeitungen den Inhalt sowohl der Botschaft, die das Exekutiv •Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas an den t sch c cho s Io va k i 8 cli cn Nation a I ra t gerichtet hat, als auch die Botschaft, die Massaryk als Antwort hierauf der Zionistischen Orgaiiisation ztigehen ließ. '41!i!!>li!l)il!ll!ililillliil!11li!llll!llil!l!l!lllli;1IW r_' £ N Zionistische Ortsgruppe Posen. | || י Mifiwocb, den 20. November 1918 §־ P Ocffentlidic Kundgebung der If | Juden aus Slcdt und Provinz || | VOJlTEACt | des MitfÜedcs des Grofien A.-C. Rechtsanwalt g fl Dr. Klee - Berlin fi rn! über f; | I i | ״Die Forderungen des jüdischen j] \i Volkes an die Friedenskonferenz״. I Lg II :f) Näheres siehe Anschlö^sßulcn. 11 Das Exekutiv-Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas hafte am 19. September beschlossen, fol-׳ geiidc Botschaft an den tschecho-sknvakisdicn Nalionalrat zu richten: ״Wir empfinden mit allen Amerikanern grolle Freude über Wilsons Erklärung, daß die Tschecho- Slowaken ihr eigenes nationales Leben aufbaticn und von den ZentralmiiclUcn befreit sein sollen. Es wird besonders auf die zufriedenstellenden Beziehungen bingewiesen, die immer zwischen den Tseheclia-Slovaken . mul <ie11 Juden jener Länder existierten, die nun vereinigt werden. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß der freie Staat der Tschccho-Siovaken die Rechte aller Minoritäten anerkennen wird. Wir drücken unsere Befriedigung aus, diese Erklärung an die Adresse Massaryks richten zu können, der einer der edelsten Staatsmänner der Alliierten ist." Professor Massaryk beantwortete diese Botschaft, indem er im Namen des tschecho-slovak i s c h c 11 Nationalstes und der ganzen Nation dem Exekutiv-Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas nachfolgende Botschaft übermittelte; ״Ich danke herzlich für die Anerkennung unserer nationalen Politik. Unser zukünftiger Staat wird als Ganzes bis zu seinen historischen Grenzen ausgedehnt werden, so daß er nationale M i 11 o r it ä t e 11 umfassen wird. Die Nationalitäten in Böhmen und der Slovakei wohnen so durcheinander, daß eine radikale territoriale Abgrenzung unmöglich ist. Wir können auf Tausende unseres Volkes nicht verzichten. Wir wo!* len die Minoritäten anderer Nationen nicht unterdrücke 11. Deshalb werden wir ehrenhafte Antstaltcn treffen, den Minoritäten gleiche Hechte i m öffentlichen Leben und Schulen zu sichern, die Juden w'erden die gleichen Rechte wie die anderen Einwohn er haben. Auch wird das Unterdrück! ngs- System der österreichischen Staatskirchc vernichtet werden, die die Religion für poetische Zwecke mißbrauchte (missrepresentir.g). Ich drücke meine Sympathie dem Zionism us und der nationalen jüdischen Bewegung wegen de:, ihnen innewohnenden grollen moralischen Werten arm .Meine Dckcmitcdiaft mit der jüdischen nationalen Bewegung in Europa und Amerika hat mich überzeugt, daß sie nicht dumvinistisdi, sondern geistig ist, den Wiederaufbau der jüdischen 1 Nation erstrebend." ־ Massaryk dankte zum Schluß für die freundlichen a ihn gerichteten Worte und versprach der jüdischen tu׳• wegung sein Interesse lind s.me Mithilfe. Die Botschaft Masuiryks ist von historischer He* ifetüung für die Süßung und die Forderungen des jüdischen Volkes im ,tschccUo-slovakUchen Staat, wische der seit dem 28. Oktober bestehende Jüdische Nat i o 11 a 1 r a t im t s c h c cito - s 1 o v a k i sch e n Staat vertritt. Die Botschaft Massaryks ist erfolgt bevor ihn die Nachricht von der Gründung׳des Jüdischen Nationalrats erreicht hat. Inx/wischeu ist ihm die Nach• rieht durch das Kopenliageucr Büro der Zionistischen Organisation zugegaiigen. Die Forderungen des Jüdischen Nationairats für den tschecho-slovakiseheii Staat, über welche er, wie gemeldet worden ist, mit dem tschecho-slovakiseheii Na• t’iomilausschuß in Prag (Närodni vybor) verhandelt hat, erfahren durch die Botschaft Massaryks und des unter seiner Leitung stehenden tscheclio-slovakischeii Nationalrats eine Anerkennung, über deren außerordentliche Bedeutung kein Zweifel möglich ist. Massaryks Botschaft erklärt, daß den nationalen Minoritäten gleiche Rechte im öffentlichen Leben und Selm len /!!gesichert werden und daß die Juden die gleichen Rechte wie die anderen Einwohner erhalten. Das bedeutet in diesem Zusammenhang daß diese den nationalen Minoritäten gemachten Zusicherungen auch für dii Juden gelten. Die Forderungen der Juden im tschecho-slovakischcn Staat auf nationalem Gebiet enthalten das Verlangen nach Durchführung der kulturellen Autonomie. Sie wird die Juden in die Lage versetzen, ihre jüdischen Angelegenheiten iin Sinne des Selbstbestimniungsrechtes der nationalen Minderheit c n zu regeln. Der Jüdische Nationalrat in Prag an das amerikanische und englische Judentum Der Jüdische N a t i o 11;11 r a t fürilcntsc hechoslovakischcn Staat hat mit folgenden Telejprnnunen die Verbindung der J 11 il e 11 s c h ה f t iin tschcchoslovakisehcn Staat mit den a in c r i k a n i sehen und englischen Juden hergestelit. Justicc Louis D. Brandeis Washington D. C. Suprcme Court. Der Jüdische Nationalrat für den tschechoslovakisehen Staat als Repräsentant der nationalen Juden bcnützt die erste Gelegenheit, den! amerikanischen Judentum den brüderlichen Gruß zu entbieten. Wir bitten, Präsident Wilson und der amerikanischen Regierung die Gefühle tiefempfundener Dankbarkeit für ihre großherzige Förderung zionistischer und nationaler Bestrebungen zu verdolmetschen. Wir geben unserer tiefsten Freude darüber Ausdruck, bald mit unseren Brüdern in Amerika zu gemeinsanier Arbeit für die ewigen ideale des jüdischen Volkes verbunden zu sein. Jüdischer N a t i o 11 a l r a t für den tschecho• s 1 o v;1 k i s ch e 11 St a at. Der Präsident: gez. Dr. Ludwig Singer. Lord James Rothschild London. Der Jüdische Nationalrat für den tschechoslovaki■ schon Staat dankt Ihnen für Ihre erfolgreichen Bemü• hungen umdie Renlisicrim׳* des zionistischen Programms, Wir bitten Sie, der englischen Regierung mitzuteilcn, mii welch tiefer Bewegung wir die wiederholten Bekund ״״״•er großherzigster Forderung der nationalen ideale des jüdj. sehen Volkes durch die englische Rcgierunug verfuhrt haben, die sich mit ihrer denkwürdigen Deklaration von! 2. November 1917 cm unvergängliches lAmkmal in den Herzen der Juden aller Länder gesetzt hat. Bitte über• imtteln Sic auch den englischen luden unseren brüdcrlidien Gmß und che Hoffnung, balu in enger Gemeinsdiafi mi ihnen für die nnverjälirbaren ideale des jüdische« Volkes wirken zu können. juuiscncn Jüdischer Nationalrat für den tschecho׳ ' s I o v a k i s c h e n Staat. Der Präsident: gcz. Dr. Ludwig Singer. Das Zionistische Exekutivkomitee in Praן-™־ ״*, ferner an den Präsidenten der amcrikanischa, fioS Federation und an den Vertreter der obersten zionisti T e leg ra ni me: cnglischc״ ^rung folgend( _. . Acolia! ״ D'e ״?,:׳'?Jen im tschcchoslovakisehcn St ßen herz ich ihre amerikanischen Gesinivunp-si Sie verfolgen mit großer Genugtuung die Ir SS-Ä*״"* ־* '־־»* «* Dcr I>rV!^"tf.d,cs Zio״istiscl Exekutivkomitees: fifCz. Dr. Ludwig Sin Weltorganisation der Zionistischen uirer Freude bungen machen pruPp'n ..Zl01״s!en des tschechoslovakischrn d°n לצי"-*" Vm1 ״ ■ , Dlc «oniMuchcu den Landern des tschechoslovc 111