Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sei *e 360 JUEDiK hak 0 c n a u 1 i 1ן! 1111 יו 11 III 11111 ii! 111 III ln ii 111 nisasciie X7, ff 111 77/31 iwre» •<s^ר» t7׳ ■־--׳ .^־ \f ^tw# Val■»*« *4>״ < fh '•J Ji t> w> «»״•־ms*-״ ״ ״«* •*,,»a»« *.״-• ^״i יי י «r * יז . ,l.v י*/! י■?. ץ■*־׳־״,;־־*-׳ , ■•־■ ^■/P X■* ויי«, 1י.i ««<<*' '־«« Grosser Saal der Spichemsäle (Prachtsälcr des Wcsiens), Spi&icmciK (Uniergrundbahnhof Nürnberger Fjöi'z). 1y־i8, \״ Mittwoch, den 20. November 1^״״, Grosser Saal des Lehrervereinshauses, Al exanccr itfcas 5 ie n 1 •a* 7® י׳ T* 7 ויז ' tt -7 •0£׳,1י b'׳,ז ״ c7׳׳r4,7/s״-cg yI/H'm:!׳?-׳/»$; 4it) ****IK^* iwm 4-b W <^V1!^' ^^*^^** Redner: Warburg — Hanlke — Klee — Blaiacaleld Lichlhei m — Lo ewe — Berger — doMrnaais. Eerrmanii Wegen voraussichtlicher Ucbcrfiilhmg werden die Zionisten gebeten, % Stunde vor Beginn der Versammlungen zu erscheinen. f- *Bll 1I1.IIN ln der Demokratie des deutsch-österreichischen Staates soll das anders werden. Im Laufe des Krieges ist bei allen Demokratien der Welt die Ueberzeugun״ mm Durchbruch gekommen, daß die Juden frage nur durch Anerkennung der Juden als Nation, für welche das allen Völkern zugebilligtc Sclbstbestimmungsrecht ebenfalls gelten muß, zu lösen ist. Der Geschäftsträger der Zionistischen Organisation in Kopenhagen ist von der englischen Botschaft aufgefordert worden, sich über den Beitritt des jüdischen Volkes zu dem geplanten Völkerbunde zu äußern. Präsident Wilson und seine Alliierten haben zugesagt, die von den Vcriretcrn des jüdischen Volkes aufgestellte Forderung nach einer nationalen Heimstätte in Palästina mit allen Kräften zu unterstützen. Insbesondere hat der großbritannisclic Minister des Aeußcrn Mr. Baifour in einem Schreiben an Lord Rothschild erklärt, daß die englische Regierung bereit ist, diesen Plan zu nnn׳rstüUen, Seitens der genannten Mächte wurde auch der Auffassung Ausdruck gegeben, daß das jüdische Volk in allen Ländern, wo es als Minderheit lebt, den Anspruch auf Sicherheit seiner nationalen Minderheitsreclrte hat. Dieselbe Stellung hat auch das 11 o 11 ä ח d i s ch־ Sk a nd i n a v i sc h e Koni tec der sozialdemokratischen Partei in seinem Stockholmer Friedens m a 11 i f e s t eingenommen, in welchem die Erfüllung der nationalen Forderungen des jüdischen Volkes als ein Punkt der l'riedensforuerungen der internationalen Sozialdemokratie angeführt wird. Durch die allgemeine Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen und dessen Garantie durch den Völkerbund ist gleichzeitig eingeräumt, daß auch die jüdische Frage — unbeschadet des Umstandes, daß die Juden in den verschiedenen Staaten als Staatsbürger leben, internationalen Charakter hat und der Kontrolle der Völkergemeinschaft unterworfen ist. Zur Wahrung seiner Rechte hat das jüdische Volk aber den Anspruch auf eine Vertretung beim Friedenskongreß erhoben, der zweifellos Erfüllung finden wird. Unsere Forderungen. 1. Demgemäß fordert der Jüdische Nationalrat für Deutsch-Oesterreich von der Regierung des deutschösterreichischen Staates Anerkennung der jüdischen Nation und Gewährleistung des freien Bekenntnisses zu derselben im deutsch-österreichischen Staate. Der jüdische Nationalrat gibt seiner Ueberzcugung Ausdruck, daß der auf den Grundsätzen der Demokratie und Freiheit errichtete deutsch-österreichische Slaat, der das Selbst bcstimniungsrcclit der Völker anerkannt hat. seinen jüdischen Bürgern dieses primitive Recht nicht verweigern kann. Es kann nicht in den Intentionen des Staates liegen, daß den freien Bürgern ein Gewissenszwang auPcrlcgt werde. 11. Der Jüdische Nationalrat verlangt ferner für das jüdische Volk in Deutsch-Oesterreich gewisse Minderheit s rechte, die dem besonderen Charakter und der eigentümlichen Lage dieses Volkes angepaßt sind. Darum fordern wir die Selbstverwaltung in allen Angelegenheiten, *.•/eiche die jüdische Nation allein angehen, : •sbesondere die Selbstverwaltung ln allen kul- 1 turellen Angelegenheiten einschließlich des Er- Ziehungswesens. Zur Ausübung dieser Selbstverwaltung sollen alle Juden in den Orten, in denen sic in genügender Zahl leben, eine' jüdische Volksgcmcinde bilden, die zur Führung der Geschäfte auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts aller vollberechtigten männlichen und weiblichen Personen einen Gemeindevorstand wählt. Vereinzelt lebende Juden werden zu einer Gemeinde zusammengefaßt, deren Leitung die oberste Behörde für die jüdischen Volksangclegenheiten im Staate bildet. Der Kompeler.zkrcis der Gemeinden wäre im einzclnen bei ihrer Errichtung noch in gemeinsamem Einvernehmen festzusetzen, worüber der jüdische Nationalrat Vorschläge zu erstatten sich vorbehält. Die jüöischc Volks gemeinde ist Jas einzige staatliche Organ in jüdischen Angelegenheit e n. Ihr obliegt cs daher, die ans dieser gesetzliehen Neuordnung sich ergehenden Fragen der bisherigen K 1111 n sg 0 in e i n d e 11 zu ordnen. Ferner besorgt die Volksgeineimle die Verwaltung der kultu rellcn Ange 1 eg e 1111 c i t e 11 und des E rzi e hu n g s wcs e n s. Das ist so zu verstehen, daß die Volksgcmcmdcn das Recht erhalten sollen, Schulen, Erzichungsu 11 d B i ld 1111 g s a n s t a Ite n zu errichten, die, soweit sie das allgemeine Schulbudget entlasten, durch Uebervveisung des entfallenden Anteiles aus den territorialcii Mitteln an die Gemeinde zu decken sind. Insolange die jüdisch* Gemeinde noch nicht in der Lage ist, alle Schüler in eigenen Schulen imtcrzubringcn, bleibt den Schülern das Recht gewährt, die öffentlichem Schulen ohne Einschränkung zu besuchen. Ueberhaupt ist für die Errichtung dieser vorgesehenen Institutionen eine Ucbe rg a 11 g s z c i t erforderlich, für die die Grundsätze cinverständlich festzusetzen sind. Die Mittel für die der jüdischen,Gemeinde dienenden Institutionen sind durch die Verleihung eines Bes t e u« ru n g s re c 111e s an die jüdischen Gemeinden für die Gemcindcangcicgcnlicitcn zu beschaffen. III. Der Jüdische Nationalrat verlangt ferner für das jüdische Volk absolute und uneingeschränkte bürger- I i cji e G lc i c 11 b e r e ch t i gu n g, ungehinderte Frei- Zügigkeit und Zulassung zu allen offenili ciien Diensten und Ae intern für alle seine Mitglieder, ungeachtet ihrer Volksangehörigkcit. IV . Ferner fordert der Natioinlrct für das jüdische Volk die Sicherung einer cmtaprcchcmlcn Vertretung in den territorialen Rcpri'.aontntivkörporn und BehOrdcit. Da «las jüdische Volk nicht gecelilosscn »auf einem Territorium, sondern zerstreut unter der übrigen Be- Völkern!!!/ lebt, hat cs alle' jene' Angelegenheiten und Tätigkeitszweige, deren Ausübung an ein Territorium * geknüpft ist, mit der anderen Bevölkern«״ gemeinsam. Es muH daher in den vcrf a::!mge;;eber.den bzw. gesetzgebenden lind . verwaltenden Körperschaften zum Schatze seiner Angehörigem u;,d zuin Schutze seiner nationalen Rechte vertreten sein. Auf welchem Wege diese Sicherusig im Rahmen der Sf::;;tsve1־fa: :un״ zu bewirken ist, bleibt einer tjK'.icren Vereinbarung Vorbehalten. Der Jüdische?!;.׳;:.,nalrai .רln Vertreter des jüdischen Volkes in DeisL.eli-üestert'dch erklärt, daß die Juden ״׳utc Bürger dierea Staates sein wollen. Dl .:!e ab ein *teil des gesamten jüdischen Volkes sprechen, dessen Nr. 46 Gruppen in allen Staaten und unter allen Völkern k-be«, glauben sie luwonders geeignet zu sein, ein Element der Annäherung der Volker zu bilden, sowohl in den koniinenden Zeiten des Friedens, als auch bei der Wiederhcrstellung der politischen und wirtschaftlichen Verbinduiig /.wischen den bi ,l!er feindlichen Völkern. Bei der Bedeutung, die der öffentlichen Meinung in der heutigen demokratischen Welt zukommt, würde diese Funktion jedoch erheblich gefährdet werden, wenn durch das Verhalten der Bevölkerung dieses Staates der Anschein erweckt wurde, daß liier eine ungerechte Behandlung des jüdischen Volkes, Verhetzungen gege» die Juden oder ihre Zurücksetzung* geduldet wird. Der Jüdische Nationalrat gibt seiner Uebcr/cugung Ausdruck, daß die deutsch-österreichische Regierung dk* Anschauung teilen wird, daß nur ein freundliches, von gegenseitigem Mißtrauen und Ucliclwollen Lews Vcrhältnis zwischen allen Bevölkcrungsteilen eine gedeihliehe Entwicklung des Staatswesens verbürgt, die imstände ist, die schweren Wunden, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen und ein Emporblühen des gemeinsamen Vaterlandes herbeizuführen.;Wien, am 4. November 1018. Das Präsidium des Jüdischen Nationalrates für de* deutschösterreichischen Staat. Das Memorandum des Jüdischen Nationalrats in Prag an den Närodni vybor Der Jüdische National rat für den tschechoslowakischen Staat hat der Regierung des tschechoslowakischen Staates folgendes Memorandum vorgclcgt *. Die nationalbcwußte Judenscludt des tschechischen Staates hat, mit Rücksicht auf die von der ganzen Welt angenommenen Grundsätze des Präsidenten Wilson. einen jüdischen Nationalrat errichtet, der sieh gestattet, dem Närodni vybor des tschechoslowakischen Staates das folgende Memorandum zu überreichen, in dem er seine Anschauungen und Forderungen in Kürze mitteilt. Mit dem Sieg der Idee von der Selbstbestimmung der Volker wurden auch die gerechten, geschichtlichen Ansprüche der Juden verwirklicht. Tür die englische Regierung hat am 2. November 1017 der Minister des Aeußercn Dal four erklärt, daß er die Juden als Nation betrachtet und daß er ihre auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina gerichteten Bestrebungen unterstützen wird, ohne daß hierdurch die staatsbürgerlichen Rechte der Juden in ihren bisherigen Wohnsitzen verkürzt werden dünten. Dieser Erklärung haben sich durch eine Kundgebung des Ministers Pichon die französische Regierung, dann Präsident Wilson, die italienische, die serbische und die griechische Regierung, sowie die Londoner Sozialistenkonferenz angcschlosscn. Das jüdische Zentrum in Palästina ist begründet. Da jedoch Palästina breite Schichten des jüdischen V011.es erst im Laufe der fortschreitenden Kolonisation des Landes und im Gefolge der beruflichen Gliederung seiner jüdischen Bevölkerung cuineiunen wird, und da auch Palästina nach den ״cgeiiw.'irFgen Derechnungen im besten Falle nach langjähriger Entwickhing höchstens etwa •1 Millionen Bewohner auf/iiiiehmeii vermag, werden große Teile des 11 Millioncn-Volkcs auch weiterhin in ihren gegenwärtigen Wohnsitzen als nationale Minderheiten siedeln. Dieses Schicksal teilt das jüdische Volk* mit andAn Nationen. Wir erinnern an die in Amerika lebenden Tschechen, die aticii nach Begründung des tschechoslowakischen Staates anierikanische Bürger mit vollem Bürgerrecht bleiben werden. Nationen, die auf Grund des Selbstbcstimmungsrechtes eben ihre Freiheit errungen haben, werden sicher bestrebt sein, 'die Ausübung dieses Rechtes auch den unter ihnen lebenden Juden, als einer Miiulcrheitsnation, zu erleichtern. Wir ■Nationaljuden geben zu, daß einzelne Jaden sich dem tschechischen oder deutschen Volk so voll* ständig angcschlosscn haben, daß sie imstande sind, sich an dem inneren Lehen der betreffenden Völker zu beteiligen. Wir bekämpfen diese Einzelnen, die sich derart assimiliert haben, nicht, denn wir achten jede wahrhafte Ueberzeugun״. Wir bekämpften und be* kämpfen nur eine fluktuierende, unaufrichtige Assimilation, an der nicht dem unglücklichen jüdischen Volk die Hauptschuld zuzusdircibcii ist, vielmehr dessen Zer- Splitterung und auch dem Umstand, daß die östcrreidiisclic Regierung (besonders unter magyarisdiem Lin* flnß) sich stets der Anerkennung der Juden als Nationalität entgegengestellt hat. Die österreichischen und ungarischen Regierungen versuchten stets, die Juden zu Werkzeugen der Unterdrückung kleiner Völker zu mißbrauchen, wogegen wir Zionisten immer nachdrücklich protestiert haben. Der Jüdische Nationalrat s׳eht die Gesundung der innerpolitischen Verhältnisse und die Herbeiführung klarer und offener Beziehungen zwischen dem jüdischen und tschechischen Volk als das erste Ziel seines Strcbens an. An der Erreichung dieses Zieles hat das tschechische Volk ein gleiches Interesse wie das jüdische; denn der neue tschechische Staat bedarf zu seiner freien _ Entwicklung, wie sic unser aller Wunsch Ist, der Ruhe im Innern, und die Achtung, die 'sich die tschechische Demokrat:; durch eine ge* rechte Lösung der Judenfrage bei allen Völkern erwerben