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Jüdische Rundschau · 1918-11-15 · Heft 46 (15.11.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 46 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I Nr. 46 er .נו r L , üUl ir־׳i׳-( iw.j;;u< hijc </1;r c*0. Bmrj judas vhul ca llrai crcr der cpuafcn ibir in 1 en kam 4;!dt UII". Es aM oder Gruppe ist, Sandern der Ausdruck eines all• gemeine'n Geisteszustandes, den man nicht einmal mehr zu beschönigen sticht. Dieser Oeisteszu• Stand der sich im lapidarseheii Satze; ״Die Juden sind an Allem s c hu l d und in ii s s e » a u ,;; e r״itet werden!“ zusammenfassen lädt und sclnm vor jeni Kriege zu einem Kredo hcrangvwadisen war, verstltiuhe steh in der letzten Zeit infolge des iniTumgenen Krieges und wiichsl;dhnählich, von der liberalen Partei tiiul den professionellen judeuhet/em nugefneht, zu einem förmlichen Verhängnis heran. Da sieh hierzulande n'ite aiilijiidisehc Bewegung immer der allgemeinen Zugjmimiiig erfreut, können wir mit absoluter l’.estiinmtheit damit rechnen, daß ein von der blinden Wut der Massen luratiihesehworener und von den Parteien und Offiritreii geleiteter Pogrom von der Regierung geduldet werden wird, zumal deren Mitglieder sich nie durch Jtulenlreinidsehaft ausgezeichnet haben. Was uns aber ganz besonders zu dieser Voraussetzua;’, veranlaßt, ist ein vom gegenwärtigen Kultu sm inist er in seinem persönlichen Blatte ״Dumir, ica Poporultii“, welches von den Behörden in den IKIrlcrn vorteilt wird, veröffentlichter Leitartikel in welchem u. a. folgender Satz zu lesen ist: ״Und wiinlei Ihr bemüht sei״, jeden sieh dnrhietenden Nutzen cin/nlieimsen, so wird der Jude letzten Eudes gezwungen sein, von dannen zu gellen.“ Der Minister verstieß sich soweit in seiaer H e t z p r e d i g t, daß selbst die Zensur manche Ausführungen für zu!׳cfälsr• lieti hielt und sie a 11 s s c h a 11 e t c. Derselbe Mini• ster, der zugleich Universitätsprofcssor ist, hat sich neulieh an die Spitze eines Konsortiums von Professoren und Literaten gestellt, welches bezweckt, die vor Jahren I u r; vom bcrüchligten Prüfe: or jorga gclehdc, aniEcmiti• sehe Zeitschrift ״S e ni a!1 a t o r 111“ mit tinver,linierter Tendenz wieder er..eln׳i::;'u zu 1 1. iE;״: Komitee wurden zu diesem Zwecke 2ö,h״;J Lei zur Verfügung gestellt. Die Namen der freigebige!) bpender sind zwar nicht genannt, die Tatsache at־,er, daß der Kultusminister dabei eine leitende Stellung ei,•:nimmt, ist bezeichnend genug. Der Besitzer um( Direktor des ״Adevaml“, G Mille, weicher ,nlirvlang als Philosemit galt, predigt in ״La Roumanic“ dem Organe der konservativen Partei, einen Boykott gegen die ״Fremden", der an Strenge und Ausdehnung den polnischen ßoyAott weit hinter sich hissen müßte, Lin Regieningsühgeordnefer hat;.ich in einem Kreise, in welchem über die bevorstehende Emanzipation der Juden debattiert wurde, folgendermaßen ansgedrikkt: ״W ir werden s cho n dafür s o rg en, daß, bis d i e J u d e 11 <1 i e R c c 111 e b c k o 111 men, von ihnen nicht einmal ein Vierte! übrig bleibt." ln einer solchen erstickenden Atmosphäre fristen wir unser Leben. In der letzten Zeit hört man immer lauter und unverhohlener: ״Das Blutbad ist bereitet, cs wird ergötzlich sein.“ Und, in der Tat, cs ist bereitet. Wir spüren bereits den Po• gromhauch und wenn keine 1 tiifc kommt, sind wir verurteilt, mit gekreuzten Armen dazustchcn und uns wie das Viel! hinschlachlen zu lassen, da wir aus totalem Mangel an Waffen — die schwarze Bande wird sie von der Armee geliefert bekommen — nicht den geringsten Selbstschutz zu organisieren vermögen. 356 Manifest des Jüdischen Nationalrats für Deutsch-Oesterreich An die Juden im deutschösterreichischen Staate! ו Der Jüdische Nationalrat für den d c 11 ts ch ös t cTreic!1 iscl) c n Staat hat sich konstituiert und übernimmt die Wahrung der Interessen der Juden im d e u lschöst e rre ichisch c 11 St a atc. Bis 7.11111 heutigen Tage haben wir Juden bei allen großen Umwälzungen der Geschichte nicht als Juden gehandelt. Wir warteten, was mit uns geschehen werde, wir sind Abhängige geblieben, die, auf das Wohlwollen der anderen angewiesen, ihrem Uebelwollen schutzlos preisgegeben waren. Wir waren nicht Herren unseres eigenen Schicksals. Die neue Umwälzung, welche die endgültige Befreiung von aller Fremdherrschaft und allem nationalcn Zwange bringen soll, muß auch uns Juden aus dieser schmachvollen Lage erlösen. Auch wir Juden wollen unser Schicksal selbst bestimmen. Das jüdische Volk, dessen nationale Existenz Beit zweitausend Jahren bedroht ist und das sein Volkstum allen Schwierigkeiten zum Trotz unter großen Opfern bis auf den heutigen Tag erhalten hat, muß bei der Neuordnung der Welt, die große und kleine Nationen in gleicher Weise schützen wird, Gerechtigkeit finden. Schon haben die großen Demokratien des Westens die jüdische Nation als gleichberechtigtes Glied der Völkerfamilie anerkannt und die 'Zu- Sicherung gegeben, daß ihre Forderung nach einer nationalen Heimstätte in Palästina Erfülhmg finden wird. Durch unsere Aufnahme in den Völkerbund wird unsere Stellung überall in der Welt geschützt und sichergestclit werden. Unser einziger Rückhalt ist unsere eigene Kraft, die zusammengefaßte Kraft des jüdischen Volkes von vierzehn Millionen, das eine untrennbare Einheit bildet, obwohl cs über die ganze Welt verstreut ist. Die MißVerständnisse, die sich um diesen Gedanken türmten, entwirren sich allmählich. Wir Wollen die Juden •nicht in ein Ghetto schließen, *ir wollen die Juden vielmehr aus! der Unfreiheit Ün<-1 Abhängigkeit, in der sie bisher lebten, heraus- [ähren; wir wollen, daß die Juden die Bestimmung *bres Scliicksals als Juden in die Hand nehmen. Wir fordern innerhalb des ,deutschösterreichiicha1 Staates, daß gemäß den Grundsätzen der Demokratie vollkommene politische und 13ärgerliche Gleichberechtigung für alle Bürger tatsächlich durch gef Wirt werde. In allen Angelegenheiten, die an das Territorium ge- ״11״den und daher allen Bürgern gemeinsam sind, *ollen wir im besten Einvernehmen mit dem *kutschen Volke am Aufblühen des Staates mit- [an haben, unsere geistigen und materiellen Kräfte 11־ den Dienst des Gemeinwesens stellen. Aber *k tun dies nicht als rechtlose und geduldete Zur Lage der Juden in Rumänien erhallen wir noch folgende Mitteilung: ׳ .. Die rumänischen S t a a t s s c 11111 c n sind für die Juden gänzlich gesperrt. Kein, einzil. er jüdischer Schüler ist in letzter Zeit m densvllKn a 11 f g e no 111 tu c 11 worden. Interessant ist fo jjcnv c Fall: 111 liraila ist das Staa t s 1 y ee 11 m von den Militärbehörden beschlagnahmt worden. Da• J ü u > s c 11 c Ge m ei 11 de bat sieh d.iranihin beeilt, der nimaiiisclien Präfektur ihre Mädchenschule sowie das jüdische Alters- Jicim /ur zu stellen, um in ücr ^Schule uk* oberen und in dem Heim die unteren Klassen des I.yecinns iinkrziibringcii. Während jm vorigen Jahr die jüdischen Schüler im Lycctnn nufgenommeii wurden, sind sie dieses Jahr alle abgewiesen worden. In den jüdischen Sehullokaien und Heimen wird also k c i n' J ud c a u f g e n o mm c n. Antisemitische Hetze in Karlsbad Der Stad trat von Karlsbad schreibt uns: ״Unter Bpzug auf die in Nr. 256 des ״Prager Tageblatt“ vom 3. November 1018 enthaltene Mitteilung ״Antisemitische Hetze in Karlsbad“ (siehe letzte Nummer der Jiid. Rundschau D. R.) beehrt sich der Stadtrat initziiteileii, daß hier kleine Plakate a n t i s e in 1 - tischen 1 n h a l,t s von unbekannter Hand angeschlagen wurden, die in Eg c r־ g cd ru ck t wurden und jedenfalls auch von dort stammen. Dieses Vorgehen wurde und wird hier von allen Kreisen, insbesondere aber von den leitenden Kreisen auf das Entschiedenste verurteilt und cs ist vollkommen un* wahr, dal! die Plakatierung mit Wissen und Zustimmung der hiesigen leitenden Kreise erfolgte.“ n \!-*o & \ \> <7יד 1 ff׳•׳ Lea»' jA. m וי ^)j [.! o* 'w*»' Ehr/cljacri-Jmicn, sondern als Angehörige des jüdiseilen Volk«:. Wir fordern im deiiLsch&fcrrek'hiselicn Staate unsere Anerkennung als Nation. Wir wollen nicht zu einer Lü;;׳e gezwungen sein, wir wollen dies Recht haben, als Söhne des jüdischen Volkes uns zu unserem Volke ־zu bekennen. Aber nicht nur die Anerkennung ist unser Ziel; wir fordern auch die Gewährung und Sicherung na׳- tionaler Rechte. Die Rechte, die wir als Minderheiisnation /;eilend machen, müssen der Eigenart unserer Lage entsprechen. Alle 'Angelegenheiten, welche ausschließlich das jüdische Volk angelten, wollen wir in autonome Verwaltung übernehmen. Wir wollen an Stelle der Kultur,gemeinde die jii» dis ehe Volksgemeinde setzen, welche auf Grund des demokratischen Prinzips nach1 dein allgemeinen gleichen Wahlrecht aller Männer und Frauen konstituiert wird. Dieser Volksgemeinde obliegt die Verwaltung des ganze« Gebietes des jüdischen kulturellen Lebens, vor allem auch des Schul- und Erziehungswesens. Das jüdische Volk soll selbst die Verantwortung für die Erziehung seiner Kinder tragen; wir wollen, unsere Jugend zu aufrechten Menschen und ganzen Juden erziehen. Ebenso wird die Volksgemeinde die vom■ jüdischen Volke stets hochgehaltcnc / Wohlfahrtspflege und soziale Fürsorge nach modernen Grundsätzen als eine wichtige Aufgabe zu betrachten haben. So schaffen vzir für uns die Möglichkeit einer freien Entfaltung ־unserer nationalen Eigenart, wir beseitigen die Ursache vieler Konflikte und schaffen gleichzeitig die Voraussetzungen für ein würdevolles und reibungsloses Zusammenleben mit eien anderen Bürgern dieses Staates, das auf gegenseitiger Achtung gegründet sein muß. Wir sind, überzeugt, daß dies nicht nur für uns! Juden zum־ Heile gereichen wird, sonder« daß wir dadurch auch’ in die Lage versetzt werden, für das Aufblühen des politischen und wirtschaftlichen Lebens!יוה Staate zu wirken und den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Güter ira fördern. Juden Deutschösterräebs! Eine neue Zeit ist angebrochen, .sie soll auch für uns eine stolze und glückliche Zeit werden. Das System׳ der alten Politik, die auf unrichtigen Vorausefciyngen aufgebaut und zu ängstlich war, um jüdische Interessen mannhaft zu vertreten, ist zusamnicngebrociica und muß einer gesunden Voll;r;:-o!iii!r Platz machen. Es• darf auch bei uns keine Gckeiradiplomaiie und keine Notabclnwirtschaft ■mehr geben. Wir milmen eine ehrliche, aufrechte, celbstbcwußtc Politik machen, ■nur dann werden wir רץ;; r_hüh:en und auch den anderen Acnhsug cin־.;u»löi1׳.:;,’״ vermögen. Juden Dculsdu denden Augenblick hat di. ludeiitum die Führung ü'lr:׳ dem Aufgebot ihrer ganz: den Interessen Volkeeuch alle auf, den Nzf’or.c! *1 tafefEtütz&n und c:ur C:, m tue ,;i’C.Kj. :״i״cn IV*.׳.*׳ ,» .־ 4־V4 im i lzzz;u L ״r e «״ י*.",",.,, : nv Cm 'lg :11 eii't v #*‘t und wird mit anrcchließlidj Wir fordern zn Ar! 'OCitCU anzuschließcn. Eine Gruppe von Menschen, die sieh nickt organisiert, die nicht Selbstbestimmung und Selbstschutz übt, ist tatsächlich schutzlos. Juden Peiitschöstcrrcichs! Brüder י und Schwestern! ln dieser großen Stunde müssen wir einig sein. Wir wollen der Welt nicht mehr das Bild der Zerfahrenheit und der Schwäche geben. Wir wollen zeigen, daß das jüdische Volk mündig geworden ist und daß ein heißer Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit sich vereinigt in dem Wunsche der Gutgesinnten aller Völker. Scharet euch alle einmütig um die einzige Vertretung, die ihr habt, um den Jüdischen Nationalrat! Der Jüdische Nationalrat für Deut sich* östc rrci ch. Das' Präsidium: Böhm Margulics Pollack Sokal Stricker. Denkschrift des Jüdischen Nationalrats In Wien an die Regierung des deutschösterreichischen Staates Der Jüdische Nationalrat für den deutsch-österreichischen Staat unterbreitete der Regierung des deutsch-österreichischen Staates nachstehende Denkschrift: An die Regierung des dcutsch-österrcichischen Staates. Zur Vertretung der Interessen des jüdischen Volkes thaben sich in allen Gebieten des ehemaligen österrcichischcn Staates jüdische Nationalräte gebildet. Die Konstituierung des Jüdischen National rate» für den deutsch-österreichischen Staat hat am 4. November a, c, stattgefunden. 1 Der Jüdische Nationalrat für Dcutsch-Oesterreich; als Vertreter der in diesem Staat ais Minderheit lebenden jüdischen Nation begrüßt die Schaffung des freien Volksstaates Deutsch-Oesterreich und gibt seiner Ueberzcugung Ausdruck, daß diesem freien Staate eine segensreiche Entwicklung bestimmt ist, die durch einträchtiges Zusammenwirken aller seiner Bürger bewirkt wird. Die Staatsbürger jüdischer Naiionaiität werden bestrebt sein, alle ihre produktiven Kräfte in den O^cust dieses freien Staates zu stellen. Das jüdische Volk, das bisher überall eine unterdruckte Minderheit bildete, dessen, primitivste nationale Rechte nicht geachtet wurden, und dem infolge de* Mangels an einer öffentlich anerkannten nationalen Orgam^iio״ die Möglichkeit fehlte, sein nationales Leben selbständig und unter eigener Verantwortung zu regeln hobt, in dem neuen freien Volksstaat auch die Mö״^ hchkcit einer freien Entfaltung zu finden. Der Jüdische Nationalrat als Vertreter der Interessen des jüdischen SSS ״?wlhS״'wT **‘״•ff Vorschlag־ L schSrii«7״ We s? cm reibungsloses und freundschaftlichca Zusammenleben der deutschen und iüdischcn Bevölkerung in diesem Staate zu bewerkstelligen früheren Zwangitaates gegenüber יי der jüdlichen vokerung, insbesondere die auf der ״״,■״<■״ wo kanntgewordenen ZurückseWcn und H״־ f Ktmdgebungen gegen die Juden, hat nicht mHd?״* des Ansehens des Staates beigetragen eb I

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