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Jüdische Rundschau · 1918-11-15 · Heft 46 (15.11.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 46 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 353 j u 1;: ■1c: i ׳ ־j :־־׳.׳.: : ' c.: 1 a 1 i Nr. 46 bewaffnet von Kopf bis zu Fuß, verbreiten Panik, raubcii und vernichten jüdisches Eigentum. Wer Widerstand leistete, wurde mit Kolben niedergeschlagen. Czcrnichow (bei JKrakau). Hier finden P 1 ii n d e r u 11 ge 11 statt. Der ■Schaden beträgt einige z e 11 n tausend K r o 11 e n. Die 0 e 11 - d a r m e r i e verhält sich passiv. Brzcznica (bei Skawin). In der Nacht vom ■1. zum 5. brachen hier Pog r o 111 e aus. Die D a u e r 11 p 1 ii 11 d e r 11 u!1 d b e - rauben jüdische F a m i 1 i c n. Zator. Aus Zator kommen alarmierende Nachrichten von einem Pogrom. Wie man uns berichtet, sind samtliehe j ii d i s c h c 1! Familien, St) an der Zahl, bis z. 11 m letzten beraubt w o r d e!1. Die Bauernborden, bewaffnet mit Gewehr und Revolver, drangen nicht nur in die Geschäfte, sondern auch 111 die Wohnungen der Juden ein. Was sie nicht rauhen und plündern konnten, haben sie in einer vamlalisclieii Weise vernichtet mul "zerbrochen. Filier Wöchnerin rauhten sie die Betten und setzten sie auf den naclaeti Fußboden. Die geraubten Gegenstände entführten sie in den dazu mitgcbrachteii Wagen. Gdovv. Hier brachen am Freitagabend antisemitische Fxzesse aus. Die Exzellenten setzten sicli zusammen ans Bauern und Soldaten, welche die jüdischen Geschäfte geplündert und das ganze Inventar ver-!lichtet haben. Brzozowa. In Brzozowa hat der Pogrom Von Sonnabend- Abend über Sonntag bis zum 3. November gedauert. Es wurden über 100 jüdische Familien beraubt und zugrunde gerichtet. Die jüdische Miliz wurde cutwaffnet. Viele Verwundete. Der Schaden beträgt 15 Millionen Kronen. Auch in der Umgebung von Brzozow wurden viele Familien bis aufs letzte beraubt. Oswicciin. 111 O s w i e c i 111 herrscht grolle Panik, dem! in denn 'in Kator hat mail am •1. November alle jiidischcn Wohnungen geplündert. Einige jüdische Bürger wurden getötet. Am 5. ist die Raubcrliorde, und!־ dem sie das jüdische Gut in der Umgebung geplündert hatte, in die Stadt ciiigedrmigen. Der entschlossenen Haltung der jüdischen Selbst wein׳ und jiid i s c 11 c r Soldaten ist es zu verdanken, daß die bestialische Horde sich zerstreute. 111 Blazowa fanden ebenfalls am 31. Oktober Juden ex zesse statt. Fs sind viele jüdische Läden geplündert worden. D i e U c b c r f ä 11 e wiederholen s i c!1 t ä g i i c b. Audi aus verschiedenen anderen Ortschaften wird berichtet, daß Ucberfiille auf die Juden stattfinden. Tamow. Wir bringen Iu!:te «len Text einer In unserem Besitze sidi befindlichen PLotiivaplue der T rau e r a 11 z. e I g e , die vor einigen Tagen in den Slraßen Warschaus an,gebracht wurde, um jene Polen, die an Juden Hauser, Hypoiheken eie. verkauften, an den Pranger zu stellen (Vergi. leihe Nummer der Jiid. Rundschau). Auffällig ist bes.omleni die Oe 11111 ־ in i g u n g der de ui sch eu Zensur zur Vcröffenflicinmg. Wir lassen den Word aut der Traueranzeige, die 5. Artur Machlejd hat sein Haus in der WalR*. Straße einem Juden verkauft. 6. Slefan Miehaiski verkaufte sein Haus in dcr Lilevvskastraffe 15׳ einem Juden. 7. Der Advokat Anioni Pilecki verkaufte sein Haus in der Großen Straße Feke Panska an itzi״ Aliiu-ow. s 8. l.uciari Roznianiih verkaufte sein Haus in der Jero■;olimcrstraße 115 au Maszko Blejwavs. 9. Aller Rutkowski verkaufte sein Haus in der Mokotowsknstraße 15 an Abralum und Perei Gokim.inn. I ,1 1 I! 5! I \ i J 1 i 1 f \ t‘, i:״ P i 110 S Z1 KISTA \j y sprr.silnll <!<>m «wijj pnj ul. Sanntor«kioj Abruaowi Atoiwowi. 2) hr. Matylda Dünln-Wtjsowlczowa, dom -bip. H S0B7 Abramovl i Obftwio sn«tA. In<Jykou1• 3) Wiktorja Gaz^riska, dom *woj prsy nl. Xowo-Karmtliokioj 18 d'ftnüowi Ti kowi «Jamcvowi• 4, Anioni Maclerakowskl, J. Czerwlrtskl i inni, fir׳rj־.f״lali dom »w״j przy «1. M*r*z111l10w111I#j 'zf. i'initowl BaoUißfowi. 5) Artur Machlejd, npr»o<lnl dom Bwitj przy ul. Walie<iw tydowi. 6) Stofan MIchalski, uprzodat dom »,wuj przy ul. Lttowakioj 1» tydovri. poawoltnkom »iem, 7f. 119I& 7) Adwokat przysiqgly Anioni Pilecki, ■praodai d״m «•wdj prr.y uh Wiolkiej 88 ro* •fetioj lckowi AUtiauCvL ' 8) Lucjan Rozmanith, *prxotlAt dorn ■wdj prxy ul. AJojo Jero*oliankU U5 M.u*zkovri niijwajiowi. 9 ׳) Alfred Rutkowski, uprzftdfrt dom 1w״j prry td. MokotowikUj 15 Abr*~ iiiowi i IVrii meliL (loiumau. 10) Jakob Sawicki, sprzedat lloto! KrftVowHki przy ul. Biolft&fkinj I»• r1A610wi Krlioiiowi i malt Kinfclöaj. 11) Helena i Jan Wldiger, Marjanna i Sianislawa Kqtkiewicz, oraz Feliks Pröchnlcki, *przedaH dom *wnj j>r*y ul. Koszykowoj hip.?85420 bzyi i MindH malt ßelnor. 12) Walenly i Walcrja malz. Zlomek, .[•rzrdaii dom »wdj przy ul. Krocbmaluej bip •w 027U. I,Ui Qro»<likowej. Pf.k ״Lud״»«“ Kowy-Swi.tX & (•Vl.p) ktörzy przez wyzbyclo 8I5 dornüw n« rzecz obcych iywloföw cmninjszyli polski at«n posladanl«. 1) Karoiina i Alfons malk. Sukowscy, Liga Konsumentow przy T-wie ״Rozwöj“ 4 mit breitem schwarzem Rand versehen ist, in deutscher Ueberselziuig folgen: ״D i e c r s t c L i s t c d e r V c r f 3 t c r, welche durch Verl;,iiif von Häusern an fremde Elemente den polnischen Besitzstand vermimlert haben. 1. Karoiina und Alfons Bukovvski verkauften ihr Haus in der Senntoir.ka Straße an Ahraharn Aronsohn. Gräfin Malhilda!)1!11i11-WafiS־owiczowa verkaufte ihre ily|x>lhek Nr. 1037 au Abraham und Mw je Indyk. 3. Viktoria üazynska verkaufte ihr Maua in der Nowa Karmelilzl.-a 18 an Jankcl Itzi’g Janisdi. 4. Antonie Macierakowski, J. Gz.erwinski und andere verkauften ihr Haus in der Marszaikowska 24 an Fisch!, Bankier. 10. Jacob Sawiizki verkaufte (fas Krakauer Hotei in tlcr Wilenskastraße an Israel Ehrlich und Ehepaar Fischl.; 11. Helene 11. Jan Wigider, Maihnna u. Stanidawa Kalkiewicz und Felix Pruclinit/ki verkauften ihr Haus in tlcr Koschykow,istraßc (die Hypothek 5126) an Scliijc und Mintlel Belner. 12. Valentin und Valerie Ziomek verkauften ihr Haus in der Krochmaluastraße Nr. 9276 an Lilli Großglück. Konsumentcnliga im Verein ,,Ro zwo j“ Mit Genehmigung Drude ״Ltidowa11 der deutschen Neue Weit Nr. 8 (Laden). Zensur Nr. 11935. Die ״Wiener Modenzeitung'* vom 7. Novemiier erhielt foljfeiide Nachricht aus Tarnow: Am 5. November, 1 Uhr mittags, einige Stunden nachdem die jüdischen Soldaten dem neuen polnischen Staat ,ihren Eid geleistet halten, überfielen polnische Holigane die jüdischen Viertel und raubten sie aus. An dem Pogrom beteiligten sicli zumeist Bauern und Soldaten, aber auch gewisse Teile der städtisehen Bevölkerung. In dieser Panik trat die i,üdiscl1c Selb st wehr, verstärkt durch jüdische Bürger, sehr mutig auf und dank ihrer kraftvollen Abwehr gelang es, die Ausbreitung der räuberischen Ucberfiille auf andere Stadtteile zu verhindern. ü Jüdische Selbstwehr in Westgalizien ״Nowy Dz.icnnik“ vom 8. November meldet aus Krakau: Infolge der Intervention des Jüdischen Nationalratcs bei der Polnischen L i q u i d a - t i o!1 s k o 111 in i s s i o n hat letztere erklärt, daß sie mit dem Vorschlag des ־Jüdischen Nationplratcs eine Rcsc rvc sc 1 b st w ch r von jüdischen Soldaten und Offizieren zum Zwecke der Verstärkung der polnischen Miliz mit der Aufgabe, den Schlitz von Leben und Gut der jüdischen Bevölkerung von Krakau und der Provinz zu organisieren, einverstanden ist. Die Organisation wird dein polnischen Kommando in K r a k a u unterstellt. Um der Aufgabe gerecht zu werden, werden aus diesen freiwilligen Reserven unter Hinzuziehung polnischcr Offiziere und Soldaten folgende Formationen gebildet: 1. Ständige Abteilungen, die an verschiedene Städte und Städtchen zur Mitwirkung mit der Biirgermiiiz, eventuell mit dem Militär als ReUungsbercitschaftcn abkommamiiert werden. * ״ Fliegende Abteilungen, die ihren Sitz in größeren Städten haben und deren Aufgabe es sein w׳ird, den Rctitmigsbereitschafteii Hilfe zu leisten. Die Polnische Liquidationskommission hat zur Stationicrung-dieser Reserve die große Kasimir-Schule angewiesen und Auf- 4raS gegeben, die Abteilungen mit Waffen und Munition zu verseilen. . ׳ ־ Das J ü d i s c h c M i 1 i t ä r k o m i t e e lut daraufhin folgenden Aufruf erfassen: nn vjiu juuisuien öoiuatcnl . In Ucbereinstiimnung mit der Polnischen datkmskommisskm übernimmt das Jüdische } t_!*״rkomitcc dic Aufßabc, «i»c Selb st weh Offizieren und jüdischen Soldaten zum Zweck 4: Bד *s׳.: Schutzes den jüdischen Lehens und Gutes in Kra- . k :111 1111 d der Provinz zu organisieren. Diese Seihstj wehr wird dem Polnischen Militärkommando in Krakau unterstem. Wir fordern also sämtliche Offiziere und jüdischen Soldaten, ׳ebenso alle Freiwilligen, denen das Wold des Judentums am Herzen liegt, auf, sich unverzüglich in der Kaserne der Reserve der jüdischen Selhstwchr in der Wohiitzastraßc ׳ztt melden. Das Werbebüro ist von 8 Uhr morgens bis 8 Uiir abends geöffnet. Mit Einvernehmen der Polnischen Liquidationskommission dürfen in diese Reserve auch aktive Soldaten und Offiziere cintreteii. Für das Jüdische Militärkomitee: Moritz Freundlich, Hauptmann. Ing. Tobias Wechsler, Hauptmaun. Josef Schönberg, Haupiinaim, Für den Jüdischen Nationalrat: Dr. Osi as Thon. Dr. Henryk Schreiber. Dr. Josef M a r g u I i e s. Für die Polnische Liquidat ionskomm i s s i o n: Graf Lasoc'ki, Vorsitzender des administrativen , Ausschusses. Wladimir Tctmayer, Vorsitzender des Militärausschusses. zur Lösung der grundsätzlichen Forderungen des jiidischeu Vblkes in Polen nicht berufen ist, denn da* 111111$ ausschließlich nur dem zukünftigen polnischen Pailamente Vorbehalten bieihenl daß er dagegen in laufenden Angelegenheiten bereit ist, mit dem Jüdischen Nalion.drat in Krakau im Kontakt zu bleiben. Wegen näherer Besprechungen in der Saciie der Selhstwchr und der Sicherung der jüdischen Bevölkerung wurde die Deputatiou an dic entsprechenden Ressortchefs, an den Grafen Lasocky und Tetmaycr, gewiesen. Pogrome in Polen Die Warschauer Zeitungen vom 11. November bringen Meldungen über Judenpogrome io Warschau. Juden wurden aus den Trambah cn gezerrt und aufs schwende mißhandelt. Es kam zu blutigen Ausschreitungen. In der ganzen Stadt herrscht Panik unter der jüdischen Bevölkerung In Siedlec fand ein Judenpogrom statt. Es wurden 6 ,Juden getötet und eine große Anzahl An der Deputation de.; Jüdischen Nationalratc» nahmen teil von seiten der Zionisten Dr. Thon, Dr, Wahrhaftig, von seifen der jüdischen Sozialdemokraten Dr. Schreiber,. Dr. G ui t mann und von den Poale-iZionistcn Dr. Mr.rgulica, Dr. Schipper. Im Namen der' Deputation sprach Dr. Thon. ־ Der Präsident der Potnir.chen Liquidationskommission Dr. fcrtil nahm dic Erklärungen des Jüdischen Nationalrates zur Kenntnis und versprach, sie dem Plenum der Polnischen Liquidationskommission vorzulcgen und zu untersatrzen und sprach zugleich die Bitte aus, daß der Jüdische Nation:.h׳.;f d! reinen Einfluß ausüben möge, um die jüdische L,vüd;en111[״ zu beruhigen. Nachher spr, polnische Volk in über der jiddd; das wichtigste 1; lats eines jikldE pr.ioeinai.kCu der und andere v/ar: Polnische Liquid. ch Dr. Ptas, der erklärte, daß das;.»er eine vrclnwolh r.dc Maltung gegen- ■:i E.T'hcn;:;:; cir.;;cr.0i״mc;1 hat und zdez״.'. '!!,• die n.:.״.!hierung des Postu- -z. die näheren Rc- Dr. Lcwcsisteir.j Koicschcr ' r;o;:.־et!,le.eii Dr. l'crtil, daß das 't.oiiJ.or.utce da provisorische Behöadc In letzter Stunde kommen neue höchst bcluiruiiigendc Nachrichten aus Warschau und der polnischen Provinz. Es ist zu furcht•־ baren Grcueltatcn gegen die Juden gekommen. Vorbcrcitang von Judenpogromen in Rumänien Wir erhalten die folgende schreekcnerregendc Dar• Stellung über dic augenblickliche Lage der Juden in Rumänien: Vor einigen Tagen wurden hier H et za 11 frufc verteilt, in denen־ die rumänische Bevölkerung zll1״ Massenmord der Juden in zündenden Worten atifgefordert' wurde. Wenn schon ein solches Pamphlet bei der heuti• gen Aufregung der Gemüter an und für sich von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung ist, so dürften dessen Folgen unberechenbar sein, wenn man bedenkt» daß dies nicht etwa dic Tat einer einzelnen Parte!

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