Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Sei e 352 jU . U zichung :illcr Gesinnungsgenossen zur Mitarbeit, mibedingt und unverzüglich zu befolgen. Wir seihst wollen unser Bestes tun, uni die uns gestellten Aufgaben zu lösen. Der zionistische Vollzugsausschuß’,; Adolf Böhm. ,Naian Eidinger, Adolf Stand. Ing. Robert Stricker. Das Sekretariat: , Dr. Siegfried Bcrnfeld. Dr. Karl Meisefs. l)r. Rotiert W e 11 s c h. » Der Empfang des Jüdischen Nationalrats durch den Nationalaussclinß des tschechoslowakischen Staates Zu dem in der letzten Nummer der ״Jüdischen ' Rundschau“ bereits veröffentlichten Couummkfue des Jüdischen Nat io 11 a Irat s in Prag schreibt die Prager ״Sei bstvehr“ vom 1. November: ״Am 22. Oktober hat sich aus Vertretern der jüdischnationalen Otg.uiisatiouen der Jüdische Nationalrat im tschechoslowakischen Staate konstituiert. Für den zionistischeii Distriktsverband wurden delegiert: Dr. Ludwig Singer, Norbert Adler, Prof. Dr. Alfred Engel, I >r. Ma x li r o d , I Inspektor 11 ugo S 1 o 11 i t z. Ei»• den jüdischen Sozialislcnrat: Karl Fisch 1, Oskar A 11 s e 111! I, i 1 ugo W a 1 d s t e i 11, Schön fei d und 11־1־. Ida Zapp 11 er. Aus Mähren traf ein Zustimlnungslekyramin ein, durch das die Herren: Dr. Rufeisen, Dr. Altbach (Mähr.-Ostrau), Bürgermeister Zweig (ProlSnltz) und der Obmann des Brunner Handlimgsgcliillcnvcrdues in Brünn Schüller in den Narionalrnt delegiert werden. Verhandlungen über Orga:>isati(1!1sira;:cn werden fortgesetzt. Als dringendste Arbeit wurde /!machst die Ausarbeitung des M e in o - :־an du ms in Angriff genommen.“ Das Priisiiium des jüdischen Natioiialrats wurde am Ul Oktober, wie wir berichtet haben, vom Nationalausschul! der tschechoslowakischen Staates (Närodni vyiioij empfar.;1; ■)׳. Dr. Singer beglückwünschte bei diesem Empfang des Präsidiums des Jüdischen Nationalrats den Närodni vybor in herzlicher Weise dazu, daß das tschechische Volk sein staatliches ideal voll erreicht habe und hetonte, daß das national bewußte Judentum stets für die unterdrückten Volker in .Oesterreich mitgekämpft habe :!!!,er anderem auch durch die vier Abgeordneten des ehemalige!: jiFli .;eilen nationalen Klubs im Parlament. Sodann stellte Dr. Singer die Lage und Poslulate der Juden im neuen Staate dar und überreichte das Memoratidum. 1)Memorandum vertritt folgendes Programm: 1. Anerkennung der jüdischen Nationalität und Freiheit des Bekenntnisses zu dieser. Es soll kein Zwang am die Juden ausgeübt werden, die sich als Angehörige des tschechischen oder deutschen Volkes betrachten. 2. Volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. 3. Kulturelle Autonomie. Eine Sonderstellung der Juden in jeder anderen Beziehung, insbesondere auf poiitischein und wirtscliaitiichein Gebiet, muß vollkommen, ausgeschlossrn sein. Schließlich wird auch gegen die anUsemi.isclie Het/e protestiert. Als Vertreter des Närodni vyb:;r waren anwesend die Herren: Svehl.a, IX־. Sotikup, Stribrny und Prof. Dr. Srdinko. Die erscliieneiten Mitglieder des Jüdischen Nationalrates empfingen aus der mit sympathischer Wärme vorge* tragenen ausitilirliclieii Antwort des Vizepräsidenten des Närodni vytor S v e h 1 a den erfreulichen Eindruck, daß ihre Poslulate außerordentlich entgegenkommendes Verständnis seitens der Repräsentanten des tschechischen Volkes gefunden haben. Kaum hatte die jüdische Deputation den Sitzungssaal des Närodni vybor verlassen, als Extraausgaben der Tagesblätter die neue Friedens-!tote Oesterreichs au Wilson verkündeten. Knapp darauf übernahm der Närodni vybor offiziell die Regierungsgewalt des tschechoslowakischen Staates. Massaryk über die Stellung der Juden im tscliecho-slowakisehen Staate und über den Zionismus ,, d Ilii luv; An die j ü < t s c n e e 111 der Geburt, kralisebeu Staates 1 i 3 c 1; e O e f 1' e n 11 i c 11 o 31 o w a k i r. c!1 e n t 1 k e i i ׳ i m *t D. t« t .bw'.il.'bchcn dann- <1.-3 jüdische Volk. Freiheit wird der tIt 11 >■•*״ ilC-; i 'iCt>y.Li1w. wem!;.־:: wir •uns Auf dem Prinzip der nationalen neue Staat gegründet. Damit sehen auch wir Juden im tschechoslowakischen Staat uns vor einer neuen Situation. Wir dürfen darauf vertrauen, daß uns uugcjiörte Entwickelung und unsere nationalen Rechte gesichert sein werden. Wie das tsclieclioslowakischc Volk gegen Leute jüdischer Abstainmittig, die heute infolge veränderter Verhältnisse sich als Tschechen airgeben, mit Recht mißtrauisch ist, so hat es vor dem ehrlichen, vorbehaltlosen Bekenntnisse der Juden zum jüdischen Volke Achtung, war» offizielle Aeußcrungen' führender Persönlichkeiten des neuen Staates dartun. Der Würde der Juden ist nur eines angemessen: Dieses Bekenntnis abzulcgcn und zie!bewußt darnach zu handein. Wir können schon heute nach dem offiziellen!Empfang unserer Deputation im Närodni vybor mit Bestimmtheit darauf' rechnen, daß. wir als wichtiger weltpolitischer Faktor unsere Forderung nach kultureller Selbstverwaltung unbeschadet aller sonstigen bürgerlichen Gleichberechtigung erfüllt sehen werden. Darum ist für die Juden des tschccho• slowakischen Staates die Stunde der Ent• scheid u 11 g g e k o m m e n, die nur einmal schlägt und nicht ungenützt verstreichen darf. 1111 Bewußtsein gegenseitiger Verantwortlichkeit wollen wir uns zuaainmenschlieilen. Wir wollen auf die Makellosigkeit unserer nationalen Moral bedacht sein. Wie wir im eigenen Interesse Schädlinge der Gesamtheit in unserer Mitte beluimpfeu und verdammen, wollen wir die besten Kräfte unseres Volkes im Interesse der Judetischafl sowie 1111 111terer.se eines freundschaftliehen Vcrliällnisses zur Gcsanitbcvölkerung zusammenfassen. Der Jüdische Nationalrat in Böhmen hat bereits die erforderlichen Schritte unternommen, und bat die Ucbcrzcugung, daß der cingeschiagcne Weg der riehlige ist. Von unseren Volksgenossen unterstützt, werden wir auf diesem Wege weiterschreiten. ׳׳ 1 m Der Jüdische Nationalrat tschechoslowakischen Staat. Antisemitische Hetze in Deutsch-Böhmen erhält au9 ״Judfnche Warschauer Blätter bringen die Nachricht, daß v i er z c hn hu n d c rt jüdische Soldaten der österreichischen Garnison von Lublin einen jüdischen Soldaten rat bildeten. Die polnischen Offiziere k!rderlei! zunächst unter Androhung der Proviruitverwii• gerung von den Juden den Eid für die polnischen Le• gionen trotz des ausdrücklichen Befehls, daß nur Freiwillige ztun polnischen Heer genommen werden sollten. Andererseits verlangten auch die ukrainischen Offiziere die Unterstellung der Juden unter sic. Eine Vcrsamm* lung, die von Hunderten von jüdischen Soldaten und Unteroffizieren mit blauweißcn Kokarden statt der frü- Tieren Abzeichen besucht war, bildete einen Soldatenrat. Für den Fall eines Kampfes mit ruthen'ischem Militär würden sich die Juden neutral verhalten.“ Zentralbüro in Berlin erhielt f״ldes ״Jüdischen P r e ß b ii r o s die cs dem Jüdischen Nationalist U Das Zionistische gendc Dralitnieldung in S 1 o c k 11 0 1 in״, in Prag iiberiiiittclte: Professor Massaryk, der Präsident des choslowakischen Nationalrats, informierte die Zioni *tische Organisation Amerikas, daß die Juden im neuen tsclieclioslowakisdien Staate gleiche Kecnte als Bürger bekommen würden. Masaryk gab seiner vollen Sympathie für de 11 Zionismus Ausdruck in der Uebcrzeugung, daß er nicht chauvinisti• sciicri Charakter besitzt, sondern die Regeneration der Juden heiheiltiliren will, . ,. Alls **r •'* K erliidt daraufhin das Zionistische Zentral״ nun# _ nächst«:lu’iules Telegramm des Vorsitzenden <11• -, J ü ui sehen N atio 11;11 r a t s im tscliedioslowakisdten wtüüt! Polen und Juden S. ״Prag, 5. November, Der Jüdische Nationalrat für selten Staat nimmt mit tiefer li Schaft Miissaryks an die Zionistische Amerikas Kenntnis mul bittet, Massaryk shmgkmer tscheehosknvakisdien Regierung den Dank der Nationaljudcii des tschechoslowakischen Staate übermitteln. Dr. Ludwig Singe r.“ 5 Uhr Nadmiitln; den tscliedioslowakiewegung von der Bol- Orgaiiisaii m issaryk und der Wa- 11k zu Das Prager Tagblatt vom 3. November Karlsbad die nachstehende Zuschrift: ״In Karlsbad wurden mit Wissen und Zustimmung der leitenden Kreise an den Straßenecken Plakate äugeklebt und Flugzettcl verteilt, in welchen gegen die Fremdlinge und Juden losgezogen wird.“ Antisemitische Hetzen werden den politischen Be- Strebungen der Deutschen in Böhmen im ganzen Ausland wenig Sympathien verschaffen. Forderungen der national-jüdischen Soldaten Aus Wien wird uns uulcr dem 4. November gemeldcl: Die jüdisch-nationalen Offiziere und Soldaten haben sich dem Jüdischen Naüo'nalrat zur Verfügung gestellt, damit dieser in der Lage ist, die Eidesleistung der jüdisehen Soldaten und Offiziere von der Einräumung natio• naler Rechte an die Juden abhängig zu machen. Unter dem Titel ״Jüdische Soldaten verlau g e 11 ei!1 c c 1 g c n e E i d c s f o r m c t“ meldet das Prager Tageblatt vom 3. November: ״Bei der gestrigen Eidesleistung in verschiedenen Wiener Kaser• neu haben cs einzelne jüdische Mannschaften und Offiziere abgelehnt, den Eid in der verlangten Form zu leisten. Sie haben überall die Erklärung abgegeben, daß sic dem deutsch-österreichischen Staate dienen wollen und ihn! zur Verfügung stehen, daß sie aber keinen Eid leisten können, in dem das Wort ״deutsches!Volk“ vorkonimt, da sie sich als Angehörige der jüdischen Nation betrachten. Für heute Abend sind in vcrschiedenen großen Sälen Versammlungen jüdischer Offiziere und Mannschaften einberufen, um eine Ucbcrwachungsgarde zu bilden, welche Pogrome verhüten soll.“ * Die 0״, Z. a m M i 11 a g“ vom 5. November bringt unter dem Titel ״Wien durch die jüdische National* garde geschützt“ eine Drahüneldtmg aus Wien vom 4. November folgenden Inhalts: Ein Teil der Bcvölkcrimg würde die Besetzung .Wiens etwa durch die Eng- Linder nicht ungern sehen aber nur aus Gründen der Sicherheit, denn die Organisation der Volkswchr ist noch nicht gelungen, so daß die »Stadt gestern eigentlich ungeschützt gewesen wäre, wenn nicht die jüdische N a 1 i o n a 1 g a r <1 e ein Bataillon zur Verfügung gestellt und auch mehrmals interveniert hätte. Der Si ad 1 ko m m a 11 d a 111 der Stadt Wien stattete dem Führer der jüdischen Nationalgarde als Helfer in der Not!:(׳inen Dank* ab.“ Diese Meldung ist nach einem telegraphischen Bericht des Zionistischen Zentral!»uro8 in Wien, den wir soeben erhallen, darauf zurückzuführen, daß tem durch ein bl auwei ßes Zeichen keimt* ״!:. jüdische Gruppe der Wiener Stadtreiett eiiul, Der polnische Ministerpräsident hat vor kurzem die polnischen Pressevertreter zu sich eingcladen, um ihnen das Programm der neuen polnischen Regierung vorzulegen und cs näher zu erläutern. Trotz des Protestes der jüdischen Presse und der eben tagenden Konferenz, der zionistischen Vertraucnsmänncr gegen die Ignorierung der Juden fcci dein Aufbau des polnischen Staates, hat der Minister- Präsident des ersten Kabinetts des vereinigten und unabhängigen Polens sein Programm ausschließlich vor den Vorstehern der polnischen Presse zum Ausdruck gebracht. Die jüdische Presse, die zehntausende Leser zählt, ist gänzlich unberücksichtigt geblieben, obwohl sie gegenwärtig einzig und allein die jüdische öffentliche Meinung darstellt. Diese Tatsache hat in den jüdischen Kreisen, die hierin ein Kennzeichen dafür erblicken, daß die jetzige Regierung m der jüdiseheu Frage die alten Methoden der National- Demokratie aufrechterhält und weder die jüdischen Intcrcsscn noch die jüdischen Förderungen zu berück* sichtigen beabsichtigt, größte Entrüstung hcivorgeruka. ln seinem Expose hat der Ministerpräsident zudem gänzlich die jüdische Frage unbeachtet gelassen und nur betont, daß die Regierung allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession und Nationalität die Ruhe sicherstellea wird; anscheinend sind hier die jüngsten judenfeindlichen Ausschreitungen mit berücksichtigt worden,’ gegen die jedoch bislang die polnischen Behörden keine energischen Maßregeln cfgriffen haben. Die jüdische öffentliche Meinung erblickt in einem solchen Verhalten der polnischen Regierung einen krassen Widerspruch zu den Erklärungen der polnischen Vertreter im Auslände, die stets versichern, daß der polnische Staat auf den allgemein anerkannten demokratischen Grundlagen aufgebaut weiden soll. Wäh* read die Polen in denjenigen Ländern, wo sie eine Minderheit bilden, die Anerkennung ihrer nationalen Rechte fordern, werden in Polen den Juden jegliche Rechte einer selbständigen Existenz verweigert, noch schlimmer: ihre Existenz gänzlich ignoriert. jüdische Sold lieh gemacht, w'luiizwacht au Das ״Berliner unter dem •Titel: rat i 11 Lu f»! i 11“ W a r s c h u gy agebkitt“ vom 7. November bringt «li Di jüdischer Soldaten* che folgende W, T, B.-Naehricht aus Am Donnerstag, den 31. Oktober, entsandte der Vor* stand der jüdischen Gemeinde Warschau seinen Vor* sitzenden Herrn Stanislav Nathansohn und den ältesten Rabbiner der Warschauer Gemeinde, Herrn Perlmutter, zum Ministerpräsidenten. Die Herren überreichten eine Eingabe, in der es u. a. heißt: 111״ der letzten Zeit ist eine Anzahl von Aufrufen erschienen, die in einem geradezu pogromanfeueruden Tone abgefaßt sind. Die judeufeindliciie Agitation hat schon eine Anzahl Ausschreitungen zur Folge gehabt. Am Nationalfeiertag, dem I I. Oktober, hat mau auf der Chiodnastraße in Warschau unter dem Ruf ״Fort mit dm Juden“ eine Anzahl Juden beraubt und schwer mißhandelt. Dasselbe geschah am 21. auf dem Kcrceli• platz in Warschau und im Bazar in der Pragacr Vor• Stadt, später auch in der Vorstadt Mokotow, wo aller• dings die angreifenden Christen es mit der jüdische« Selbstwehr zu tun bekamen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Warschau besitzt Protokolle über die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung- und ist deshalb in der Lage, mit der strengen Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit, die » solchen Fällen unentbehrlich ist, festzustellcn, daß die judeufeindliciie Bewegung einen sch reckenerregenden Charakter annimmt. Wir stellen gleichfalls d;c sträfliche Untätigkeit der Stadt mi Ii z fest, die entweder nicht auf die AussciireiUmgen der Masse reagiert hat oder sogar die Hil;c• suchenden, die sich au sic wandten, an die deutschen Militärbehörden verwiesen hat, damit sic dort Hi1׳« erbitten sollten. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde betrachtet diy Tatsache, daß die verfolgt« und liilfesucheMiIc jüdische Bevölkerung darauf hingewiesen wurde, bei landesfremden Faktoren Schutz zu erbitten, als eine Beleidigung und ein moralisches Unrecht, das den jüdischen Bürgern zugofiigt wurde, Er drlaubt sich daher, den Ministerpräsidenten zu bitten, unverzüglich bei den polnischen Behörden die AfalR nahmen aiiziKxrducn, die geeignet sind, in Zukunft jude!!• feindliche Ausschreitungen irgendwelcher Art zu verhindern.“ Angesichts der vom Polnischen Pressebüro erst i״ den letzten Tagen verbreiteten Behauptung, daß di« Mitteilungen über' judcnfeindliehe Ausschreitungen h> Warschau auf Unwahrheit beruhen, verdient diese of־<׳ zielle Eingabe da׳ großen Warschauer Jüdischen 0«־ mcimle um so mehr Beachtung, als sie unterschrieben ist und überreicht wurde von den Führern der jüdischen Assimilantenpartci, der bekanntlich von allen anderen jüdischen Parteien des Landes immer vorgeworfen wird.