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Jüdische Rundschau · 1918-11-08 · Heft 45 (8.11.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 45 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 350__•____ jetzt, da die Entente •wieder dm 111;! Einfluß in Rumänien gewinnt um! da die Frit״dvs1> Verhandlungen vornn.v.iclitlid! bald bcf^inixeii werden. ist es an der Zeit, die englische Regierung und ihre Verbündeten an diese Erklärung zu erinner״. Das jüdische Volk wünscht nicht betrage״ zu werden. Die Welt soll erfahre,11, was i'umiiitische Zusicherungen wert sind, und sie soll der Politik mit doppeltem Boden, wie sie Rumänien in der J״denfr״״e seit dem Berliner Vertrage von 1878 betrieben hat, ein für allemal du Ende machen. Die Palästina-Politik der Frankftiter Orthodoxie Nach dem Abschluß der in Koiistanfmopef geführten Verhandlungen jüdischer Organisationen waren wir l»ereils genötigt, auf gewisse Treibereien von orthodoxer Seite lüiizuwcuen. Gelegentlich eines Artikel.;, den da• nials der ״Frankfurter Israelit״ über die Konstantiiiopler Verhandlungen und eine angebliche türkische Regirrungserklärung brachte, sahen wir uns zw FesNtiT jung der Tnlsaeben genötigt. Wir schilderten nm.führlieh' den Hang der Verhandlungen, die damit ihren Ab- Schluß fanden, daß auf eine offizielle Bekanntmachung über den Inhalt 11er Verliaitdlirngeu von türkischer wie von jüdischer Seile verzichtet wurde, weil eine Einigung über den Text nicht zustande gekommen war. Als die Delegation Konstantinopef verlassen hatte und dort nur noch die ständig dort wohnenden Mitglieder der!Delegation (von zionistischer Seite Herr Dr. Euppin, von orthodoxer Seite Herr Leopold Perlmutter) zurückgeblieben waren, erschien zu allgemeiner Uebcrrascliunn eine Mitteilung in der Presse, wonach der Großv.-esier sieh für ein ״religiöses jüdisches Zentrum“ in Palästina ausgesprochen I1al>c. Da die orthodoxe Presse ob dieser angeblichen türkischen Regierungserklärung ein großes Freuden״«- schrei erhob, sahen wir uns genötigt, fcstzustellen, auf welche Weise diese ״Regierungserklärung“ zustande gekommen war. Herr Perlmutter hatte nach Abreise der Delegation den Großwcsier aufgcsuchi, batte ihm nochmals auf dessen Wunsch dc!t Text für eine Erklärung zugeschickt, in welchem als Ziel der jüdischen Wünsche ein nationales und religiöses Zentrum bezeichnet worden war und der (jroßwesier hatte diesen Text in der Weise korrigiert, daß er das Wort ״national“ strich. Die Ansicht des orthodoxen Vertreters-, Herrn Perlmutter, ging dahin, daß dieser Text für die Gesamtbeit der Delegation nicht a u 11 c h m bar sei. Dies wurde in einem Gespräch zwischen ihm und Herrn Dr. Rttppin ausdrücklich festgestellt. Von türkischer Seite wurde die abgeänderte Erklärung nicht veröffentlicht und es bestellt auch kein Anhaltspunkt dafür, daß der Großwcsier die Absicht hatte, sie ohne ausdtäcklichc Zus'fmiming der jüdischen Delegation zu veröHentlichcn. im Gegenteil muß man annehmen, daß die türkische Regierung den Entwurf nur dann vcrölfenilicht hätte, wenn er von der jüdischen Delegation äugenominell worden Wäre. Denn eben gerade weil eine solche Einigung nicht zustaiulegekonimen war, solange die jüdische!Delegation sich vollzählig in Konstantiuopel befand, war ja von jeder Veröffentlichung Abstand genominell worden. Heit Perlmutter hielt sich für verpflichtet, den Vorgang an den orthodoxen Vollzugsausschuß in Frankfurt a. M. zu berichten. Ferner machte er von dem geänderten Text Herrn Rabbiner Horowitz, der gleichfalls zu den orthodoxen Delegierten gehört hatle, Mittei'umg. Ohne sich um die Wünsche der anderen Mitglieder der Delegation zu kümmern, oder auch nur eine Weisung von Frankfurt abzuwarten, übergab Rahbiuer Horowitz. den Text der ״Budapestcr Korrespoudenz“ — wie nachträglich behauptet wurde mit der Weisung, den Text erst zu veröffentlichen, wenn die Leitung der Ortliodoxic in Frankfurt ihre Zustimmung dazu erteilte. Diese Zustimmung wurde nicht erteilt, da auf Anfrage der Frankfurter Orthodoxie sowohl die Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands wie das Zionistische Aktionskomitee den abgcänderleu Text ablelmlcn. Trotzdem wurde durch die ״lUidnpcsier Konespondciiz“ (infolge der geschilderten Indiskretionen des Rabbiner Horowitz) der von Talaat Pascha korrigierte Entwurf als angebliche amtliche Regierungserklärung Vcröifcntlicht. Es schien damals, als sei die Frankfurter Ortliodoxie mit dem Vorgehen des Herrn Rabbiner Horowitz nicht einverstanden. Das Zionistische Aktionskomiiec ist im Ikcsitz von Briefen, die dies beweisen und die notfalls veröffentlicht werden können. Trotzdem hielt cs der Frankfurter ״Israelit“ für angebracht, die auf so seltsame Weise entstandene Erklärung Talaat Paschas als großes Ereignis zu feiern. Und selbst als die ״jüdische Rundschau“ den wirklichen Tatbestand auslührlidi mitgeteilt hatte, blieb das orthodoxe Organ bei seiner Behauptung, ■laß cs sich um eine türkische Rcgicrungskutuigcbung von großer Tragweite handele. Wir wären auf die Angelegenheit nicht mehr zurückgekommen, da sic ־na» durch den Gang der Ereignisse weit überholt scheint und unseres Erachtens alle Juden, denen es um die Palästinabcstrebungcn ernst ist, halte etwas Besseres zu tun hätten als sich um die Voigeschichte dieser Erklärung zu streiten. Aber siehe da, es scheint, als sei die Haltung des Frankfurter ״Israelit“ für die Gcsamthaltung gewisser orthodoxer Kreise in Frankfurt maßgebend. Die unter Mitwirkung des Rabbiner Dr. S. Breuer von Rabbincr Dr. P. Kohn herausgegebenen ״Jüdischen Mo- ..Jj; ׳.__ nai.hi’ii;׳“ I.’. .. ';י . :׳׳;״■;! c.s. 1 rm Hie.L •.׳ \ ־':׳ ' . : ‘ G ' ״;׳Pa Hl ■' N;״, Br oil.mbar <H1;•...׳ . v ־: der L.'H.MH.g der Pah".slin,'1־Fi1 :;;..׳' i.'.:il;:״׳H'Ih'11 Zionidcn und Oriln;>!'...'.c 1׳.־ tu:::, u. der gehu:..:;ß!.fen Weise wird der Nr:!!:!»v.'0:.׳, zu rem gc.Tc.'it, daß die Orihodoxie wohl d;;.g׳:;;.r, habe,!;iih von der V. J.O. IX fcniziih.'iKrii 11;1d La <L.n Ko:»■ IssUr.opeler Verbandhingen möglichst gg ׳md?rt vo.־z׳:־p'he:1. Der Verfasser sagt: 1:9״ wird <k:•! tadiniber dieser Zeilen unvcrgelllieh bkiben, wie Talaat IV,sein beim Empfang samt* lieber Vertreter mit der ihm eigenen Liebenswürdig-!seit zu uns reut zu je;;;■!! deutete: ״Void k‘9 Orlliodoxes -׳• voiei les S’.lmilster.l . Was wohl der Misraehi dazu 1;׳c:1׳.־gf Iritle?“ Wir vennulen, daß der Mir.rachi die von Talaat Pascha sehr harmln:■׳ ,gemeinte Bemerlrimg, die wohl mir zeigen sollte, daß er über die verschiedenen Riehtungen der Jüdischen Delegalion informiert sei, nicht zum Gegenstand von Verurchungskiiiisien, nacli dein Muster der ״Jiidincnen Monatshefte“ gemacht hätte. Der Ariikdschrciber der Monatshefte sicht die Bedcuttmg der Koustautinopkr Verhandlungen folgendermallen: 111״ KoiirdanÜiiupe! ist gewissermaßen die erste praktische Probe;1111:1 Exempei gemacht worden. 111 Konslaiilmopcl hat nic.li gezeigt» daß dar, von Frankfurt vertretene Prinzip der völligen Selhsländigkeit der Orthodoxie in organisatorischer Hinsicht nicht nur den Vorzu״ theoretischer Richtigkeit, sondern auch den Vorzug praktischer Tauglichkeit besitzt, daß dieses Prinzip allein imstande ist, den Forderungen der Thora Gehör, Beaclitung und Erfolg zu sichern.“ Man fragt sich mit einigem Erstaunen, wieso die Koiisiantinoplcr Verhandlungen dies alles bewiesen haben sollen. Positive Resultate haben sie nicht erbracht, nicht einmal ein von türkischer und jüdischer Seite akzeptables Coiniminiquc konnte veröffentlicht werden, und inzwischen ist die Türkei militärisch vernichtet, von den Entcntdruppen besetzt, zum Abfall von Deutschland genötigt, worden. Aber cs scheint, daß die Frankfurter Orthodoxie besondere Gründe zur Zufriedenheit hat, die für gewöhnliehe Menschen nicht ganz begreiflich sind.!Die' von uns genügend charakterisierte Tatsache, daß der ehemalige Großwcsier aus ängstlicher Besorgnis vor inner»*.•• Opposition aus dein geplanten Communique das Wort ״national“ gestrichen hat, sodaß der Ausdruck ״rcligiöscs Zentrum“ übrig blieb, begeistert die ״Jüdischen Monatshefte“ zu folgender Tirade: ״Nie hat das ortlio• doxe, das gesetzestreue, das historische Judentum hei einem nichtjüdischen Machthaber ein solches Maß von Verständnis gefunden wie bei dem Großwcsier der mit Deutschland verbundenen Türkei, wie bei Talaat Pascha.“ Diese Begeisterung der ״Jüdischen Monatshefte“ ist unverständlich. Denn Talaat ist inzwischen nicht mehr Großwcsier und die Engländer haben inzwischen ganz Palästina und Syrien besetzt. Wenn also die Ordiodoxie bei den heutigen Machthabern nicht dasselbe tiefgehende Verständnis finden sollte, wie bei dem früheren Großwcsier, so wird sie kaum in 'die Lage kommen, nochmals die Probe aufs Exempei zu machen und durch eine Separatakiiou (z. B. Veröffentlichung eines nicht für die Oeffentüchkeit bestimmt«״ Entwurfs) den falschen Anschein zu erwecken, bei den Macfit• liahcrn fiir die Forderungen der Thora Gehör und Bcachiung gefunden zu haben. Aber die Frankfurter Herren werden ja garnieht den Versuch unternehmen, bei den jetzigen Machthabern in Palästina ihre so erfolgreiche Konstantiuoplcr Taktik zu wiederholen. Demi in dem Artikel der ״Jüdischen Monatshefte“ heißt cs: ״Di« Entente ist i ierrin Palästinas. Mit tiefem Weh nur haben wir cs vernommen. Um Meeres ferne wissen wir uns von den ״jüdischen Politikern“ geschieden, die Zions Farben auf die Fahnen der Entente geheftet bähen, ohne Zions Lehre auch nur mit einem Hauch Erwähnung zu tun.“ Die zionistischen Politiker heften die Farben Zions weder auf die Palmen der Entente noch auf di« einer nmleren Mächtegruppe. Sie kämpfen um Zion und führen diesen Kampf mit reinen Waffen, Insbesondere versuchen sie nicht, andersdenkende Juden zu dcimiukren. Die Zionisien werden nicht vergessen, wie sich gewisse Kreise der Orthodoxie in der Pah'istina- Frage verhalten!iahen. Die neuest« Leistung der ״Jüdisehen Monatshefte“ wird hoffentlich Im In- und Auslande die gebührende Beachtung finden. in! Zenirclvcrcia Der ״Zcutralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hatte auf den 2. November in den großen Saal der Philharmonie in Berlin eine Versammlung einberufen, deren Thema ״Das Gebot der Stunde“ lautete. Wenn sich in der gegenwärtigem Situation der ״Zeiitralvcrdn“ entschloß, eine große Versammlung abzutialten, so inufRc er offenbar von der Anschauung geleitet sein, daß es notwendig ist, i!1 deutlicher und. gesonderter Form kundzugebeii, welche Stellung die" Juden Deutschlands'jetzt einnehmen, war. sie bekennen und welche Forderungen sie stellen. Da weder die Katholiken, noch die Protestanten Deutschlands sich bisiicr bemüßigt gefühlt haben, als solche ihren Standpaukt zu demonstrieren, i'nuft es sieh offenbar um einen S onde r slaiu'.pimkt handeln, den zu vertreten der ״Zcufralvcrcin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ für notwendig hält. Es bi durehr1;:,!״; •greinkh, daß diese Anschauung vorhanden lat und vir;rn ];:inwänden zum Trotz sich geltend macht. Hat doch die Vergangenheit bis in die ' letzt« Zeit gezeigt, daß die Juden Deutschlands gewisser- Nr. <5 iiKif.11: raier einem (,׳;!tischen Sonderrecht klwi. Die I)1i:g;־fbf,!1e GleichluTufitiguii;( Nt ihnen gw,!׳ L;LU /y. gc:.id:n־f, i!.t ihnen aber in Wahl heit in vkkn!k> Ziehungen vorentlialten gcl>iieben, Der Anti׳.e.uiti'.mus hat, unterstützt von den Behörden und dem in ihnen licrrschcmlen Geist, vielfach zu Ausschreitungen geführt, welche den Protest aller Juden hervor/unifen geeignet waren. Wir erinnern an die berüchtigte judenziililmig und ähnliche Aktionen von anderen Zurücksetzungen, die in Deutschland traditionelle Bedeutung haben, gar nicht zu reden. Diese Momente lassen es verständlich erscheinen, wenn die deutschen Juden, die den ״Zcniralvercüi“ als ilire politische Vertretung mischen, du öffentliches Her- Vürfreien in dieser Stunde als geboten betrachten. Die Veranstalter der Versammlung fühlten s'ch aber in ihrer Demonstration anscheinend von der Besorgnis beengt, daß die Anmeldung ihrer Forderungen in diesem Augenblick von übciwoi.'emkr aut semitischer oder von «»informierter Seit« so aufgefaßt werden könnte, als ob die deutschen Juden, die sicli hierzu entschließen, ihr Bekenntnis zu den vaterländischen Pflichten :!n die Erfi'dluiig bestimmter Bedingungen knüpfen wollten. Um derartigen Vorhaltungen die Spitz»• ahztihrcchen, glaubten die meisten Redner, ihre Forderungen so fassen zu müsse״, daß sie die Beschwerden der deutschen Juden wegen ihrer bisherigen bürgerlichen Bennchtciligimg kumigaben, gleichzeitig aber erklärten, diese Beschwerden seien in der Stunde der Gefahr Deutschlands vergessen, alle Schuld sei vergeben und man hege nur die Hoffinnig, daß im neuen demokratischen Deutschland Ge• rcchtigkcit ohne Ansehung des Glaubensbekenntnisses alle Staatsbürger in gleicher Weise umfassen werde. Nur ein Redner, Herr Dr. Apfel, präzisierte den Standpunkt deutlicher unu schärfer, indem er erklärte, dieses Mal ließen sich die deutschen Juden nicht mit Phrasen abspeisen und würden, wenn jetzt Judenhetzen geduldet würden, die Verachtung aller Edelgesinnten der Welt zu Hilfe rufen. Sollte cs nach dem Kriege mich eine Judetifrage in Deutschland geben, dann würden die deutschen Juden an das Gewissen aller Anständigen der Welt appellieren. Während ein Kommentar zu den Ausführungen der Redner über diesen Punkt — den Antisemitismus und seine Einwirkung auf die Stellungnahme der deutschen Juden — nicht notwendig ist, läßt sich die Feststellung nicht unterdrücken, daß die Reden, die in der Vcrsammimig gehalten wurden, durchaus ungenügend waren, sofern sie die jüdischen Forderungen dieser Stunde zum Ausdruck bringen sollten. Es heißt doch geradezu mit Scheuklappen bewaffnet an den zentralen Problemen der jüdischen Gegenwart vorbeizuschen, wenn man in dieser cntschcidungsvollcn Phase eine Demonstration der demscheu Juden veranstaltet und ihre Forderungen einzig und allein auf die Abstellung des junkerlichen, bchöixilieben und gesellschaftlichen Antisemitismus in Deutsch* laud richtet. Liegt darin die judenfrage beschlossen? Glaubt man auch mir dem Interesse Deutschlands zu dienen, wenn man ängstlich vermeidet, das gesamte jüdische Problem anzuschneiden und zu bekennen, «laß auch die deutschen Juden zu diesem Problem Stellung zu nehmen haben? Haben die Erfahrungen der Kriegszcit nicht alle deutschen Staatsbürger, auch die im ״Zentral• verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ verircteuen, darüber belehrt, daß es unmöglich ist, an• der Lebensfrage des Judentums, dem Kampf um die Sicherung seiner nationalen Daseinsberechtigung in den Lin- «lern der Masscnsicdelungen und seinem Verlangen nach Schaffung einer naFonalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina sicli vorheizudriieken? Die Tat aclic, «lall diese Fragen in der Versammlung, welche dar IE׳• keuntuis der deutschen Juden zum Gebot der Stunde darstellen sollte, auch nicht mit einem Wort berührt wurden, zeigt, daß der Versammlung sowoltl die richtige Einstellung auf die zentralen jüdischen Strömungen und Forderungen, als auch die richtige Einschätzung allge• meiner politischer »Momente abging, welche schon vom Gesichtspunkt des deutsche 11 Interesses in Frage kommen. Es kann unseres Erachtens gerade in der gegenwärtigen Situation, wo sich die Demokrahc Deutschlands nnschidkt, die Herrschaft anzutreten, dein Interesse Deutschlands nur zuträglich sein, wenn IXuNeli• land Verständnis und Hilfsbereitschaft für die demokratischen und nationalen Ideale des gesamten jüdischen Volkes bekundet, das um sein nationales Dascinsrecht, um die Möglichkeit seiner nationalen Erneuerung ringt. Deutsche, die nicht Juden sind, haben ein Verständnis hierfür. Es ist bedauerlich, daß cs dem Zeutraiverein abgelit oder, vorsichtiger ausgedrückt, daß es in der Versammlung vom 2. November nicht zum Ausdruck kam, wenn cs vorhanden ist. Allerdings ließ der ganze Cliarakter der Veranda!־ tuiiR erkennen, warum das Thema so unzureichend behandelt wurde. Es war eben «las B.׳streben v«»rherrschend, nur ja nicht den Anschein zu erwecken, als wenn ein Sondern)rgehe 11 der deutschen Juden vorlicge. Deshalb wurden immer wieder Ausführungen gemacht, welche außenstehenden Seiten zeigen sollten, daß es sicli um keine unberechtigten Sondervünschc handle und daß in der Beurteilung der Lage nicht eine von den Erfahrungen der Vergangenheit getrübte Parteilichkeit vorlicge. 'Vielleicht ist es bezeichnend, daß Herr Justizrat Fuchs in seiner einleitenden Anspräche erklärte, wir wollten nicht fragen, wer da* unendliche Leid des Krieges heraufbeschworen habe, ob cs diese oder jene Gruppe oder Partei sei, ob die Alldeutschen oder A11 j ü d i s c 11 c n da ran Schuld sind. Die große Schuld träfe alle ... Es ist klar, da.» die Gegenüberstellung ״Alldeutsch“ und ״Alljüd.'sch‘ Verwunderung und Protest erregen mußte. Handelt

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