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Jüdische Rundschau · 1918-11-08 · Heft 45 (8.11.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 45 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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גד r ב; גג; / ■ 1 vV_/'! . _^. : . r V V \ : \ \~׳/, ג\ ד.־'* Redaktion und Verl««׳ jüdische Rundschau, Berlin W. 15, Sik!1»i5ri»»> Straß8 ״. Er- *chcint wörhcntl. am Frcitojr. Ahonnemrnt hei der Expedition und hei allen l'or.trimivn vicrteljährl. Mk. 4,50 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr, 8,—,im Au-,Imul Mk. ft,50 ~־irti 1 ׳t7T'^PSft'J-r^~‘ - Tfian־״ '^ac.^aucgy^r; jt^zL\?jts*E3^&z2&?&r&axz~Mgsz.' *׳.* ־.״״״v ד Berlin, den 8. November 1910 ־ ׳־ /׳־״־• “•רדמ־״~-'״״־&-?;זז*יז"-?מד^/<^י• Nummer 45 t.. :י/. Ar.it ü;׳.'-:ul ß'!5, {!15׳. porit.-dieß.ltonlo: Berlin Nr. 173/2. Für Oesterre---» . Nr. 1560K). An^cf;;cn &<י ctg. ־—*ipnta ne 2 * 20*70. RruokiiQir-10..;.j 4./מל״׳ ■י״>ז ^ב1*':ז.יו יי ׳ ׳-— * o״er eieren 1 5"!ב0יז :.;n־:;)I Sr' ׳״':■;sr.'.o i tür. 00 Pf. Teuerer’. G« IviClCV/ 00 XXIH. L Ä־־«j.«»rA.'׳.'־r.5rÄ^»swa־״s Die Friedensfordeningen des jüdischen Volkes Ihr Waffoiilämi verstummt, die Friodciisvcr- I1.1mil11״gcn beginnen, Aus dem (irauen des Weltkriege* l'iiihrt der Weg zu einer neuen Zeit. Dank der zionistischen Bewegung kann und! das jüdische Volk in dieser Zeitenwende seine Forderungen prokiamiiTen. Diese Forderungen haben in dem Manifest des Kopenhagcner Büros der Zionistischen Organisatioti ihren Ausdruck gefunden. Das jüdische Volk verlangt in erster Reihe die Festsetzung Palästinas, in den durch geschiehtlieht* Ucbcrlicfcrung und durch politische und ökonoaiische Notwendigkeiten bestimmten Grenzen, als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes, sowie die Schaffung der für den ungehinderten Aufbau dieser Heimstätte notwendigen Vorbedingungen. Die Schaffung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, das Ziel der zionistisehen Bewegung, hat das gesamte jüdische Volk auf sein Ihumcr geschrieben. Schon haben die führenden Mächte der Welt dieses Friedensziel des jüdischen Volkes anerkannt. Die Gesamtheit der Volker wird diese Anerkennung .sanktionieren. Das jüdische Volk wird alle seine Kräfte zusaininenfasson, um nach der Anerkennung seiner Forderungen ihre Verwirklichung durchzuführen. Die gesamte Zionistische Organisation ist!in dem festen Willen vereint, die Aufgabe, die sie im Namen des jüdischen Volkes auf sich genommen hat, zu erfüllen. Das Manifest des Kopenhagcner Büros der Zionistischen Organisation verkündet ferner als die zweite Forderung des jüdischen Volkes die Durchführung der vollen und tatsächlichen Gicichbcreclidgung der Juden in allen Ländern. Cie Zionistische Organisation wird darüber wachen, daß diese Forderung ebenfalls von der Gesamtheit aller Staaten und Völker anerkannt und verbürgt wird. Der Grundsatz des nationalen Selbstbcstimmungsreclits für jedes Volk, der sich nach den iurclitbaren Erfahrungen der Vergangenheit restlos durchsetzen muß, gibt auch dem jüdischen Volk das Recht und die Gewähr, die Erfüllung der dritten Forderung zu erlangen: die Durchführung der nationalen Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Massensiedlung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. Die Nachrichten, die die Zionistische Organisation über die jüdisch-nationale Bewegung im ganzen jüdischen Volk erhält, beweisen, daß das jüdische Volk diese Forderungen sich im vollen Bewußtsein ihrer entscheidenden Bedeutung ganz, zu eigrcn macht. Die Zionistische Organisation erwartet, daß die Zionisten aller Länder sich geschlossen für die Forderungen cinsetz.cn, die in dem Manifest des Kopenhagcner Büros zum Ausdruck gelangt sind. Es gilt die Sache des jüdischen Volkes! Es gilt die Herbeiführung einer freien Zukunft für unser Volkstum! Es gilt die Anspannung und Zusammenfassung oller Kräfte auf das gemeinsame Ziel! Die Zionistische Organisation wird der Verantwortung gerecht werden, die ihr auferlegt ist. Vertretung der jüdischen Minorität in der ukrainischen Regierung in Lemberg Die Wiener ״Jüdische Zeitung“ meldet aus Lemberg: Der ukrainische N ation alrat, der bereits in seiner ersten Versammlung ״nd Proklamation die Anerkennung der jüdischen Nation ausgesprochen hat, ‘st an die zionistische Parteileitung in Lemberg mit der Aufforderung herangetreten, Vertreter der jüdischen na- 1‘onalen Minorität in die zu sch affen de Regierung des ukrainischen Staates 21י entsenden. ״Der XJc:'׳j:n׳a8 c.r:!־.׳.־M CZ: t* die 5c.11r.g0E. 3 ev-ci* ,'Jch-r."* HcSnuLiil« Ja Pel ":.g,:a.״ F - W;> »M «SSt**."*»*-' ::.a Vc!*3 ב;,!׳. Der Augenblick ir.t mühcr gsrilcl:,, da die Grundlagen für einen duucrmlen und gerechten Frieden gelegt worden ,*;allen. Ein «okher kr.r.n aber nur dann /.uslandelcomincn, wenn di .י gerechten Forcierungern aller Nationen, der kleinen wia der großen, erfüllt werden und wenn für e’ino jctlo Nation die Möglichkeit geschaffen wird, sich bei Entfaltung nllcr ihr innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten in den Dienst der Menschheit zu stellen. Auch das jüdische Volk erhebt in dieser historischen Scliichsahstundc seine Forderungen. In dem Friedensinstrument muß ihm gesichert werden: 1. Die Festsetzung Palästinas in den durch geschiebtlichc Überlieferung und durch politische und ökonomische Notwendigkeiten bcstimmten Grenzen ab nationale Heimstätte des jüdischen Volke.׳!, sowie die Schaffung der für den ungehinderten Aufbau dieser Heimstätte notwendigen Vorbedingungen. 2. Die volle und tabmehiieho Gleichberechtigung der Juden in ollen Ländern. 3. Die nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer IYInssennicdclung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. Wir fordern die zionistischen Verbände in allen Ländern auf, diese Forderungen des jüdischen Volkes vor den Regierungen und der öffentlichen Meinung des Landes zu vertreten, deren Durchführung im Friedensvertrag mit allem Nachdruck zu verlangen und hierdurch die politischen Bemühungen der Ge- Samtorganisation wirksam zu unterstützen. An dem Tage des Friedensschlusses, durch den die Menschheit sieh der Verwirklichung des jüdischen Ideals der Völkcr/ersöhnung und des ewigen Friedens nähern will, muß das 2000 jährige Martyrium des jüdischen Volkes, das ab eine Schuld aut dem Gewissen aller Nationen lastet, gesühnt und wieder gutgemacht werden. Das jüdische Volk muß in den Bund der freien Nationen als gleichgestelltes Glied cintreten. Die Zioalt/daclio Or^aslßatioa ICopcnba^cacr Euro Dr. Victor jdiobcca. Runiänisc’ie Bctrussvcrsfiche Die Regelung der 'Judenfrage durch den Biskaresler Friedensvertrag ist von uns stets als unbefriedigend bezeichnet worden, weil durch das Abkommen, das Deutschland und Oesterreich danials mit Rumänien getroffen hatten, die von uns geforderte vollkommene Emanzipation der rumänischeu Juden nicht ׳erreicht worden ist. Vielmehr sollten nach diesem Abkommen nur diejenigen rumäiiischcn Juden volle bürgerliche Gleichbcrcehtigung erhalten, die im Lande geboren sind und von im Lande geborenen Eitern abstammen. Immerhin hätten durch diese Regelung Dreiviertel der rumänischen Juden die Emanzipation erlangt, wenn das Gesetz loyal ausgclegt und angewendet worden wäre. Daß! dies geschehen würde, ist von den rumänischen Behörden immer aufs neue versichert worden, doch haben wir, durch' die Vergangenheit gewarnt, mit unseren Zweifeln niemals ־zurückgehalten. Nachrichten, die neuerdings zu uns gelangt sind, bestätigen alle unsere Befürchtungen. Zwar hat die rumänische Kammer unter dem Druck der Ereignisse das Emanzipations'gcsctz a 11 genommen, aber seine Anwendung wird durch Schikanen der Verwaltungsbehörden nach wie vor hintertrieben. Die Behörden machen sicli, worauf wir von Anfang an hinwiesen, den schwachen Punkt des1 Gesetzes zunutze. Dieser schwache Punkt besieht darin, daß die cir.zubürgernden Juden r.aelnvciscn müssen» daß sie (und ihre Eltern in Rumänien geboren sind. Ucber den Sachverhalt unterrichtet in unzweifelhafter!Weise folgende Eingabe, die vorn Verband der einheimischen Juden 'an die rumänische Regierung gerichtet wurde. ״Herr Minister! ()!!/war mehr .1־P acht Tage seit der Vcröffentlichmi״ im ״Staats-Anzeiger“ dos NaturaiisieruiigR-Geseizcs lind Reglements verstrichen :1>ויוי■ vreigern sicli die ■l'.e/iilisgerielile, die Akte zu veria'. •en, die die Standespapiere zu ersetzen haben, geiiial) Artikel 57 des Zivilgesetzbuches und des Art. 22 de» Naturali* sierungs-Regleiiieiils. , ״ , Einige 'iic/.irksgericlitc berufen sich darauf, daß sie Gesetz und Reglement nicht amtlich erhalten haben; andere, daß sie nicht berechtigt sind Z.eu״cn zu ver• büre״, es sei denn, daß die NadiralKh ruiiu.kmuuHSMou sie als Verhüriiiigskommission bestimmt; ändert׳, «laß um die Zeugen cin/11 vernehmen, im vorhinein die Todesscheine und die Akte gemäß Art. 57 von denen im Absalz, 5—6 des Art. 22 des Reglements die Rede Dt, vorgclcgt werden müssen: andere, daß die Partei ini Vorhinein den Nachweis erbringen muß, daß keine Stau* desregister vorhanden, oder daß dieselben in dem Zeitraum tür den die Akte verlangt werden, vernichtet wur* verlangen, daß die Zeugen großjährig gewesen sein sollen zur Zeit des Falles über den sie amsagen. Wir wissen nicht, wann die Naturalisierungskommissionen ihre Tätigkeit beginnen werden, wir giaiiben aber, daß dies sehr bald geschehen wird. Sie werden die Bevölkerung gänzlich unvorbereitet linden, denn, wie Sie ersehen, ist cs der Bevölkerung gänzlich un* möglich, die Akte, die sie braucht, sich rechtzeitig zu verschaffen. Wir bitten Sie, die Güte zu haben, durch Lrliiuterangen den Herren Be/.irksriclitcrn zur Kenntnis zu bringen, daß keine der oben angeführten Einvvciidungen berechtigt ist.“ Aus diesem Schriftstück ergibt sich mit unzweifelhafter Sicherheit, daß die von uns befürchteten Schikanen in der Tat angewendet werden. Auch in einer anderen Frage, die für die Juden von großer Wichtigkeit ist, nämlich in der Schulfrage, sucht die rumänische Vcrwailungspraxis nach allen erdenklichen Mitteln, um die Juden zu benachteiligen. So hat der Untcrrichtsininistcr neuerdings die Scluiigcbührcn für Volksschulen und höhere Schulen bedeutend erhöht. Gleichzeitig wurde die Schulbehörde ermächtigt, einem Teil der Schüler die Gebühren ganz oder zur Hälfte zu erlassen, und zwar s<dlcn diejenigen Schüler diese Begünstigung erhalten, die ״nationalen Zusammenhang und nationale Solidarität bekunden“. Dieses Manöver hat einzig und allein den Zweck, die Juden mit einer Sonders teuer zu treffen, sofern sie ihre Kinder in rumänischen Schulen unterbringen wollen. Denn cs ist klar, daß die Fordenmg der nationalen Solidarität nicht*; anderes bezweckt als den Ausschluß der Juden. Wiederum hat der Verband der einheimischen Juden sich ge* nötigt gesehen, in einer Eingabe an den Minister- Präsidenten gegen diese Schikane zu protestieren. In dieser Eingabe heißt es: ״Die Ungcrcchtijjkeit, die uns geschieht, beunruhigt nicht mir durch ihr Wesen selbst, sondern nach mehr, Hinweis auf ihre fremde Staats,״1־gcl1öri׳;kcit, sondern mit der viel verletzenderen Begründung, daß sic Bürger ohne nationale Solidarität sind, ausgeschaltet werden können. Ls ist augenscheinlich, daß unter solchen Be• dnigungen das Gesetz über die Einbürgerung 11er Juden gegenstandslos würde, da die Bürgerrechte entwertet werden, bevor sie noch gewährt wurden.“ Gerade jetzt, da die Verhältnisse in Rumänien wiederum einer Neuordnung zustreben, erscheint cs als ernsthafte Pflicht der jüdischen öffentlichen Meinung, überall, und vor allem auch bei den früheren Verbündeten Rumäniens, nachträglich darauf hinzuweisen, daß die antisemitische Rc״ierungs- und Verwaltungspraxis dieses Landes noch immer nicht überwunden ist, daß die Zusicherungen welche den Rumänen mühsam abgerungen wurden’ nicht cingelialten werden, daß die rumänisch״ Verwaltung umgekehrt immer neue Schleichwege ersmnt, um die Einbürgerung der Juden und die tatsächliche Durchführung ihrer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung zunichte zu machen 11)folge dringender Vorstellungen des Zioin s 11 s c 11 c n Aktionskomitees und der Vereinigung Jüdischer Organisatio- 1l!C/rDf:rtSChlan^S Hcrr vo״ Kühlmann und Graf Czern1n sich für die bürgerliche Gleichberechtigt,ng der rumänischen Juden eingesetzt und 1m! Fricdensyertrag wenigstens eine Abschla״vzahlung auf diese jüdische Forderung diirdigcsdzt hatten, erklärte die englische Regierung sie werde eine solche Regelung nicht anerkenn!’ sondern für ehe volle und restlose Gkiclibcrcchtigung der rumänische« Juden cintreten.

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