Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652077-2652119--11792-2669353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■ץ •1 'Ci! (,׳ ג;;nt- ‘ 1 eine Pa- נ dort ־ daß ' t ■itliic '• man I;was : ’׳ ':eben; t ui in; f! sein ן v irden! en נ ■: ׳ i c 11 s- £י•־ ni* c von G der II helassen, sotzen, 1 a 1 c n 1 et cii P arnt hat יא vor- Jraridiir der a (i o- : r t r e-; Exe- Würde ilming da, ten ordert, at z.1 icich.;- III iiir ioneaa t i o - V o i k r g c r ־ idkclie ad die 5 aut i I I licn er, die liseaea tarii'iel ni.denj wird r auch ’:ht:;.cn in der ni>a׳n1?־ K'Ji in i s 1 c 11 Dikes k־;nal!3 len i'.n riüieEn y <Eül 9 , *Xi V ׳<׳׳d d 1'!;d ׳; er* 11t % t c © ׳' * l * r t 1 koitniicn, sic kann nur die Frucht einer Bcweguiig sein, welche das Volk im Innersten ergriffen : Hat und alle seine Kräfte anspannt.“ j Die Jüdische Zeitung gibt der festen Erwartung Ausdruck, daß die zionistische Oeffcntlichkcit der * zionistischen Leitung mit Begeisterung folge, wenn die Parole zum Handeln ausgegeben wird. ״Der Zionismus muß die Führung des jüdischen Volkes Übernehmen. Er muß der großen Aufgabe, die der gegenwärtige Augenblick stellt, gewachsen sein.“ Inzwischen hat die Reichskonferenz der zionistischen Organisation Oesterreichs am 20. Oktober in Wien stattgefunden. Die Beschlüsse dieser Konferenz, die uns telegraphisch übermittelt werden, geben wir an der Spitze dieser Ausführungen wieder. Sie sind für die Stellung der Juden Oesterreichs von außerordentlicher Bedeutung, ln erster Reihe ist darauf hinzuweisen, daß, durch diese Beschlüsse die Schaffung einer durch den Volkswillen legitimierten Vertretung des j üdischeu Volkes angebahnt ist, welche allein berechtigt ist, mit der Regierung und, was entscheidend ist, mit den Völkern der bisherigen österreichischen Monarchie zu verhandeln. Dieser Beschluß der zionistischen Konferenz macht den Vorsuchen einzelner assiinilitorisclier Persönlichkeiten und Kreise ein Ende, welche auch jetzt noch nicht darauf verzichten wollen, sich die Vertretung der jüdischen Interessen anzumaßen und in deren Namen ihre Sonderinteressen zu vertreten. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die jüdisciie Nationalvcrsiuiuulung und ihre Executive, der jüdische Nationalrat, die Anerkennung der Mächte finden wird, die sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Nationen festgelegt haben und deutlich genug und oft genug erklärt haben, daß sie auch dies jüdische Volk um sein Selbstbcsüinmungsrecht nicht verkürzen lassen wollen. ,Von entscheidender Bedeulung ist vor allem die Tatsache, daß Priisident Wilson von Anfang an die nationaljüdischen Forderungen anerkannt hat, wie sie insbesondere auch in der Plattform zum amerikanisch-jüdischen Kongreß zusammeiigefaßt worden sind. Es ist bekannt, daß Wilson die von Buridesoberrichter Louis Braudeis geführte Bewegung des jüdischen Kongresses iu Amerika begrüß‘, luit und daß ein Hauptgruudsatz dieser Bewegung, die seither für die Stellungnahme des jüdischen Volkes in allen Ländern maßgebend war, neben der selbstverständlichen Forderung nach der Schaffung der nationalen Heimstätte für das j üdische ,Volk in Palastiua, die Forderung nach der nationalen Gleichberechtigung und Selbstbestimmuiig der Juden in allen den Ländern ist, wo sie dieses Recht für sich iu Anspruch nehmen. Darum haben alle Völker Oesterreichs, mit denen die Vertreter des jüdischen Volkes zu verhandeln haben, zu erwarten, daß sich der Einfluß Amerikas und Wilsons insbesondere, zu dessen engsten Vertrauensmännern unter anderen Louis Brandeis gehört, ebenso wie der der übrigen Mächte der Entente fürdiejüdisc 11 en Forderungen einsetzen wird. Welchen konkreten Inhalt diese Forderungen erhalten, das heißt, in welcher Form und durch welche Garantien das Recht auf nationales Eigenleben des jüdischen Volkes auch von Seiten der im Gebiete des bisherigen Oesterreichs selbständig gewordenen Völker festgestellt werden muß, darüber wird allein die jüdische Nationalversammlung, die nach den Beschlüssen der Wiener Konferenz auf demokratischer Grundlage geschaffen werden soll, zu entscheiden haben. Dafür, daß diese Forderungen auf der Friedenskonferenz Vertretung finden, dafür wird das jüdische ,Volk sorgen. ♦ Daß die Forderungen der österreichischen Zionisten jn den breiten Massen des Volkes einen lauten Widerhall und eine enthusiastische Unter- Stützung finden, dafür bringt der Bericht der Jü- *tischen Zeitung über die große jüdische Massen- Versammlung, die am 14. Oktober im großen Konzerthaussaal in Wien vom Exevutivkomitee der österreichischen Zionisten cinbcrufen war, einen Be- Weis. Auf der Tagesordnung dieser Versammlung stand: ״Das jüdische Volk und der Friede.“ Das jüdische Volk Wiens hat dem Aufruf zu dieser Versammlung willig Folge geleistet. Wie die ״Jüdische Zeitung“, berichtet, war das Konzerthaus schon stundenlang vor der Eröffnung : von einer riesigen Menschenmenge umlagert. Nach der Oeffnung des Saales stürmten die Massen in 1 wildester Erregung in den Saal, welcher im1 Nu bis auf das letzte Plätzdica dicht gefüllt war. Eng 2usammengedrängt konnten ungefähr 5000 Men- •schon Platz finden. Der Andrang wollte aber nicht aufhören. Die: Leute v,־c‘;־Cit1.n sieh weg.-ttgclicn, obwohl wiedcrl;alt vcE;f״־;;״d־,:71\ ־;;e, daß. unter keinen Umständen ein Eir.Ir.b vähri werden kamt. Schließlich mußte r.op:»r ein. Poiireikordon eingreifen, um die ArdrnngmuEa;!'״;:;!wehren. So mußten Tausende von Mene Eien schweren Herzens sich damit allfinden, daß diene wichtige großartige Kundgebung des jüdischen Volkes ohne iiir Beisein stattfand. Mit ihrem Herzen waren de jedenfalls bei ihren Brüdern int Saale. Er» hat dch gezeigt, wo die überwältigende Mehrheit der Judenschaft Wiens sieht. Die Masse des Volkes hat ihren Willen kundgegeben. « Für die Versuche, welche noch in letzter Stunde gemacht wurden, um die Oeffcntlichkcit und verschiedcnc Faktoren über den nationalen Willen des jüdischen Volkes hiuv/e ״säitäusdien, ist der Bericht der Jüdischen Zeitung über die Geschichte der Audienzen der Parlamentarier bei Kaiser Karl bezeichnend. Bekanntlich ist neben den Vertretern der anderen Völker der Abgeordnete Heinrich Reizes als Vertreter der galizisch-demokratischen Partei zum Kaiser berufen worden, weil bekannt ist, daß der Abgeordnete Reizes sicli zur jüdischen Nation bekennt. Noch vor der Audienz begann, wie die ״Jüdische Zeitung“ meldet, die ״traurige Komödie“. Als cs bekannt wurde, das Reizes zum Kaiser geladen war meldete sich Herr .Dr. von Loewenstein, der nicht geladen war, und setzte durch, daß: er noch im letzten Moment ebenfalls berufen wurde. Wie das über die Audieuzen ausgegebene Communique milteilt, versicherte Loewenstein dem Kaiser, daß die Regelung der Lebensverhältnisse der Juden in Polen selbst im Einvernehmen zwischen Christen und Juden entschieden werden wird. ״Selbstverständlich sei cs hierbei, daß im Interesse Polens die Judenfrage nur im modernen Geiste vollkommener bürgerlicher Gleichberechtigung gelöst werden könne.“ Soweit lautet die offizielle Mitteilung. Aus einem Gespräch des Berichterstatters des ״Lern« berge!־ Tagblaltes“ mit den ukrainischen Abgeordneten Dr, Eugen Lew ick y und Dr. Petruszewicz. die ebenfalls bei dem Kaiser in Audienz erschienen, lassen sich jedoch interessante Einzelheilen darüber entnehmen, daß Abgeordneter von Loewenstein den Versuch gemacht hat, Kaiser Karl über die Stellung der jüdischen Massen in Galizien und in Lemberg Informationen zu geben, die nur dem persönlichen Interesse seiner Person und seiner kleinen Assimil an len gruppe, nicht aber dem wahren Willen der jüdischen Bevölkerung entsprechen. Abgeordneter Pctruszewicz soll dem Kaiser gesagt haben, d aß Dr. Loewenstein nur eine kleine Oberschicht vertritt, die mit dem Polcntum gute Geschäfte gemacht hat, die breite jüdische Volksmaft.se aber fWile sich absolut nidit polnisch, sondern jüdisch. Die Jüdische Zeitung knüpft an diese Mitteihingen die Feststellung, daß Dr. Loewenstein, ein : Mann, der nur durch blutige Gewaltakte gegen . Juden ins Parlament gewählt werden konnte, nicht das geringste Recht ,hat, jüdische Interessen zu | vertreten und im Namen der jüdischen. Bevölkerung zu sprechen. * Auf bedenkliche Quertreibereien weist die Jüdische Zeitung hin, indem sie darauf aufmerksam macht, daß gewisse Aktionen von Seiten einiger Herren der Wiener Kultusgcrncinde gegen einen hohen jüdis'dhen Funk- , tionär geplant seien. Der Hinweis scheint zu verraten, daß in gewissen Kreisen der Wiener Kultusgemcinde die Absicht bestanden hätte, irgendwie gegen den Oberrabbiner Dr. Chajes Stellung zu nehmen, weil er es־ gewagt hat, in der Audienz bei Kaiser Karl freimütig die zionistischen Wünsche und Forderungen vorzutragen. Die Jüdische Zeitung warnt die Herren, die mit solchen Plänen umgehen, vor Unbedachtheiten und Dummheiten und weist mit Recht darauf hin, daß die Zeit der NotabelnhcrrsCliaft auch im Judentum tu Ende ist.. Es unterliegt keinen׳ Zweifel, daß die Jüdische Zeitung der wahren Stimmung der breitesten jüdischeu Schichten Ausdruck gibt, und cs ist zu erwarten, daß die Umwälzung, die die Verfassung und den Bestand.der österreichischen Monarchie zerschlagen •hat, auch' die KreLie der Ivultusgemeinden, die bisher die offhiellc jüdische Politik zu machen glaubten, ihres Einflusses völlig entkleidet hat. Zu welch:;! groirdrea Formen politischer Albernheit cieiv die Cueht der;'ftdbcKcn Assimilation vcrmic'gt. welche tun 1:011:01 Preis zugeben will, daß! die :;at׳G.;e!c;1 Forderungen des jüdischen Volke:: vor 'der Vcrr/hklic’ming ’eichen, zeigt der Hinweis der läd!:Er.a Zeitung auf die Stellungnahme der ,׳Neue;! Freien. Presse“ jenes Organs, 111 vlOu «*11. Cm»v•‘ gj-ij viSCi VC n Anschauungen der illcufcch-jüdiseften. AssimUantcnkrase Oesterreichs widerspicgeln. Im Leitartikel vom 10. Oktober hat die ״Neue Freie Presse“ die harten Bedingungen aufgezählt, die die Entente stellt. Als ■eine dieser Bedingungen erwäluit die ״Neue Freie Presse“ ״Errichtung von Palästina als christlichen Staat“. Die ״Neue Freie Presse“ will noch immer nicht zur Kenntnis nehmen, daß sich die Entente auf die Schaffung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina festgelegt hat. Sie meint noch immer, wie die Jüdische Zeitung bemerkt, daß sie durch ihre FäHeilungen Geschichte machen wird, uni daß die Geschichte sich ihren Fälschungen an passen wird. Mit Recht kann man sagen, daß die Ignoicrung seitens der ״Neuen Freien Presse“ dem Zionismus nicht mehr schaden kann, das Weltblatt aber volieinds lächerlich macht. Oesterreich geht unter, aber die Scheu der ״Neuen Freien Presse“ vor den! Zionismus dauert... Die Juden in Böhmen Der deutschböhmischc Reichsratsabgeordnete Dr. von Lodgmann, der den Wahlkreis Aussig vertritt und der deutscimationalen Partei angehört, ist der einzige deutsch-bürgerliche Abgeordnete im östcrreidiischeu Parlament, der bisher schon im allgemeinen auf dem Standpunkt der nationalen Autonomieforderung für alle Völker und im besonderen auf dem Standpunkt gerechter Würdigung der jüdisch nationalen Forderungen stand, ln einer von allen deutscimationalen Parteien einberutenen und auch von Sozialdemokraten stark besuchten Versammlung in Aussig sprach •der Abgeordnete Dr. von Lodgmann iu den letzten Tagen über die politische Lage. Er trat für ein geeinigtes Europa ein und betonte dabei, daß die Deutschen den zionistischen Organisation.^- bestreb ungen größere Aufmerksamkeit schenken müssen und daß die Auseinandersetzung mit dem Judentum im menschlichen und demokratischen Geist erfolgen muß. Diese Fest- Stellungen und Forderungen sind insofern besonders beachtenswert, als ähnliche AcuOerungen von Seite eines deutschen Parlamentariers in Oesterreich bisher noch nicht zu verzeichnen waren. Lernen die deutschen Politiker auch in Oesterreich um? sehe Keichsratsabgeordnete Klofäc jüngst in einer tschechischen Versammlung in einer Prqgcr Vorstadt auf die Stellung des tschechischen Volkes zu den Juden zu sprechen kain, als ein Zwischenruf aus der Versammlung darauf aufmerksam machte, daß die ״deutschen“ Fabrikanten in Böhmen großenteils Juden wären. Da der Zwischenruf offensichtlich antisemitische Tendenz verriet, erklärte der Abgeordnete Klofäc, daß sich im Kriege die Juden vieles hätten zuschulden kommen lassen (wohl gegen das tschechische Volk), daß aber nidit alle Juden gleich zu beurteilen wären, daß, einzelne Gruppen einen besonderen Standpunkt hatten und daß das jüdisciie Volk bei der Entente, insbesondere bei W i 1 - son, einen großen Einfluß hätte, so daß ein unbesonnenes Vorgehen des tschechischen Volkes gegen die Juden in Böhmen einen. ernsten Rückschlag zur Folge haben könnte. Diese AcuOerungen des angesehenen tschechischen Politikers, der als Führer der radikalen tschechischen Nationalsozialen jetzt seine Partei, die ״Sozialisten“, mit der tschechischen ״Sozialdemokratie“ vereinigt hat, sind außerordentlich bemerkenswert, da sie eine deutliche Warnung vor antisemitischen Ausachreitungen enthalten. In der Tat ist nicht zu verkennen, daß das tschechische Volk, dessen nationale Wiedergebürt besonders in den nationaljudisclien und zionistisehen Kreisen der ganzen Welt naturgemäß Gefühle verständnisvolier Sympathie auslöst, durch unbesonnenes Vorgehen gegen die Juden ebenso wie durch Auftreten gegen die nationaljudisclien Wünsche Widerstände ge״cn seine politischen Bestrebungen hervorrufen 111110,6, deren Bedeutung und Ernsthaftigkeit es nicht unterschätzen wurde, wenn es gut beraten wäre. Das jüdisciie Volk ist in der Weltpohtik ein bedeutsamer Faktor geworden mit dem auch die türkische und die deutsche Politik trotz allen Widerstreben» zu rechnen gelernt haben, seit England, Frankreich, Italien und Amerika die Unterstützung des nationalen Judentums auf ihre Fahnen geschrieben haben. Und eine im Zeichen der Demokratie vor sich gehende nationale Wiedergeburt eines Volkes, das sich nach langem Kampf zur Selbständigkeit durcliringt, wird umsoweniger die Solidarität des Gesamtjudentums gegen sich Aufrufen dürfen, als es bei der Einrichtung seines Lebens noch mancherlei Unterstützung und Sympathie benötigen wird. Von diesem Gesichtspunkt aus verdient die ernste War- "״"£ Abgeordneten Klofäc, von der deutsche Blatter berichten, Beachtung und wird die Aufmerksamkcit des gesamten jüdischen Volkes auf d.e kündige Steüung der Juden im Gebiet des tschechischen Staates lenken. Ist doch zu hoffen, daß das tschechische Vnlk nicht die verfehlte Politik öderer Natiol wird, weiche sich nicht dazu verstellen wollen das nationale Sclbstbcstimmungsrecht de» jüdische VoIkS anzuerkennen, und die Juden gewaiisimzu^iner m ״ I t?e iiAm d0dl Ä V fl w e, , vl,cck deutlich genug das tsdiechkrl״. Uingewim11!״ nak" Charakter jüdischen Volkes