Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Seite?1f daß die .־ ' Mhen-schaft. der wir nach' allem, w.t,־. bisher j; 11, mit Vertrauen c 1111fc!;־ci1<1 נ ie' 1;x■ 11, ab ein Manu.״ aller Nationen und mit dem atisdnirfliehen Aufträge zur planmäßigen und entschiedenen Förderung der Schaffung einer nationalen Heim- Stätte für das jüdische Volk ausgeübt wird. Die Sache des Volkes Der ״Joodsclie Wächter“ vom 11. Oktober 1918 bringt folgenden Leitartikel: Vielleicht wird in diesen Tagen oder doch iiimun kurzer Zeit über das Los vieler Volker und auch über die Zukunft der jüdischen Nation, über Palästina, über die Verwirklichung des zionistischen Programms entschieden werden. Welche Entscheidung verlangen die organisierten Zionisten? Wer wird in unserem Namen unsere Interessen auf der Friedenskonferenz, verteidigen? Mit welchem Programm kommen wir Zionisten an den grünen Tisch der Völker? Wir verlangen unser Land für unser Volk. Doch wie? Ein kulturelles, ein nationales Zentrum, eine jüdi- ״׳che CiroDkolanie unter fremder Souveränität, nationale Autonomie in Palästina, oder ein Judenstaat? Niemand von uns, selbst nicht unsere obersten Führer, ly1־nn eine Antwort geben auf die erste Frage: was wir verlangen werden, und nur unsere politisehen Leiter, und vielleicht selbst sie nicht, haben entschieden, wer cs für uns verlangen wird. Es bestellt die Chance, daß über unsere Volkssaclic von unserer Leitung eine politische Entscheidung׳■ von wcitcstreichender Bedeutung getroffen werden wird, ohne daß wir zuvor in der Lage gewesen sind, unsere Meiinnig zu sagen, ja, zu bilden, und ohne daß wir seihst die Männer, die für uns auftreten werden, bezeichnet haben. Man wendet bei uns die geheimste Diplomatie im gewichtigsten Moment an, und keine Stimme erhebt sich dagegen! Formell ist ein EAC vorhanden, doch ist es über die kriegführenden Länder zerstreut. # Wir batten nicht das Recht und sicherlich nngcsichts der glänzenden Resultate, die erreicht sind, früher auch nicht den Willen, aus dogmatischen Gründen, aus törnicll-dcmokrntischcn Motiven uns dieser Arbeitsweise, welche uns und unserer Leitung durch den Krieg aufgedrungen ist, zu widersetzen. Aber .111111 stellen wir an einem׳ Scheidewege, nun wird dies anders. Jetzt ist es nötig, daß die Organisation selbst spreche und entscheide und Anführer wähle, die in unserem Namen über unsere Zukunft beraten und beschließen werden. Wir können dies nicht vertagen, bis der Kongreß Zusammentritt, doch auch nicht cs einzelnen von uns überlassen, die zwar mit offizieiler oder offiziöser. Macht bekleidet sind, aber für diese Arbeit niemals ein Mandat unserer Organisation erhalten haben. Das AG oder das EAC sind beides ausführende Körperschaften und sind nicht kompetent, eine Entschoiduug zu fällen, die unser Programm, unsere Arbeit für unabsehbare Zeit bestimmen wird. Das Volk, die Zionistischc Organisation als Ganzes, muß auf die qinc oder andere Weise seine Meinung sagen. Wir sehen hierfür, da die Möglichkeit eines zeitigen Zusammentritts des Kongresses wohl ganz ausgeschlossen ist, nur ein Mittel, und dies ist die Einberufung des zionistischen Zentralkomitees, sobald ein Waffenstillstand geschlossen sein w i r d. Das Zentralkomitee umfaßt außer den Mitgliedern des EAC und AC die von den Landesorganisationeu gewählten Vertreter dieser Organisationen. Es ist also ein großes Kollegium, in dem, wie man erwarten kann, alle zionistischen Schattierungen vorhanden sind und aus dem, soweit als möglich, die Stimme des Volkes vernommen werden kann. Der Kongreß kann dann, wenn er endlich zusammenkommt, die Gewißheit haben, daß die End-Eiitseheidung auf möglichst demokratischer Grundlage getroffen worden ist. Das Zentralkomitee kann zugleich die Männer bezeichnen, die unsere Organisation bei den Fricdensbesprcchungcn vertreten Werden, und diese braudien — was auch ihnen zweifellos angenehmer sein wird — ihr Mandat nicht länger sich selbst zu ent ich neu. Es versteht sidi von selbst, daß schon jetzt die Maßnahmen zur Einberufung des Zentralkomitees getrof-. fen werden müssen. Möge dieser dringende Appell ait die leitenden Persönlichkeiten und an ihre demokratische Gesinnung nicht vergeblich sein! Die Schweiz und der Zionismus Die Vossische Zeitung vom 24. Oktober bcrichtet: Der schweizerische Bundcspräsident hat das Präsidium des Schweizerischen Zionisten verbände® zu längerer Rücksprache empfangen. Er hat seiner wannen Sympathie für die zionistischen Bc- Strebungen Ausdruck gegeben und die Hoffn u n g ausgesprochen, daß sich das zionistisch c Ziel in einer gesicherten Heimstätte für das jüdische .Volk in Palästina bald verwirklichen, möge. Die zionistischen Bestrebangen werden nach Auffassung des Bundes- Präsidenten durch die künftige neue Internat ionalc Rechtsordnung (Völkerbund), die auf der Gleichberechtigung und gegenseitigen1 Achlang der Völker beruhen soll, w i r k s a m״g c f ö rdert werden. Dem JE-.; •: I!» o vo c »c 1. o 1111 wird aus Ion. Am 7.; .. fl. jaifw eine Konferenz •׳M j 11 '!. 1'11 c hl O i.'iTi - ti scheu An,;.',. r י׳ r c; i (7 1 C י 7 .־■■ ' /'־s ׳ ' ׳aj• an der Vcrf'M.;׳; j ' ־ - i j * ־ «״• kk.a!CüVaiea ־ : nml' der Ja;;:.;;M 1 ' va. k־arr.ch!»Ich über «M,•!Ar: v ׳ r 1*. ת i 7. t .י; *; V: , , * r. 1 ä!»t i 11 a f. dahin mis, MM. « , .7.!,in *' 7V Vi «!einer von ״׳::: Fririli'iiMo;,;־;: I«;11 Im Vmnk־ ’;;־a 17 i.Mii I h>:1 ge..teilt werden, 1:011 ..‘.::׳;t MM e.j vo :1 A ai!; r' k a o d c r E11 g - 1 a!1 d n a c 1! c 111 c :a von dem : 71׳ e tl e nskongrell f es tau n et r. c 11 d c n ß t׳: 1!t v e r waltct werden soll, DM.,e i ";"ס:;•;:"־: wurde cfra iiii bcgrdmlct, «laß eine micrnMMn 11<■!. ׳:1:!e KonViai ba "■!:'.:•!ו würde, daß l):11ä‘dI11;i. viele 1 IcrniUier hanci: 1 \v tlrde, w.'11׳ zu Konflikten mit du: Ar.-'ara 110:11.״ und die Zukunft des Landes in F1v;;e Udiirf würfe.;Wie d:::׳.־ Ko;.: :!:::׳gener Ziorf'dlr.dio Büro bcrichtet, ist db jüdi .״!;c ikvölke,1::;״g in Galiläa nach wie vor in groP״.r Not. Für die Städte Tiberi as, Hai f a tusu Sa!f cd dnd ir.sgosamt moiiatlieh 3000 £ an U111erstützungngcldern notwendig. Für die evakuierte Bevölkerung aus G a 1 i 1 ä :1 sowie an:; Pet acli Ti k iv a Ir und Kaf r Saba wird bis Ende November ein Betrag von 10 000 £ erforderlich sein, um diese durch den Krieg׳ aus ihren Wohnstätten Vertriebenen wieder z.iiriick/.ubefördern und anzusicdcln. Des weiteren müssen an die Kolonien und an die kooperativen Genossenschaften 00GÜ £ als ,Anleihe gegeben werden, und endlich sollen die Kolonien zur Rück- Zahlung dringender Schulden 6000 .C erhalten. Ms werden überall große Anstrengungen gemacht, um sofort diese beträchtlichen Geldmittel zur Unterstützung der jüdischen Kolonisation in Palästina und zur Beseitigung der ärgsten Notlage der Bevölkerung *uifzubringcn. Ein interview mit Jsgööiis Kann In London Das Amsterdamer ״A1 g e m c e 11 1 Ja nt! c 1 s b 1 ad“ vom l'i. Oktober veröffentlicht den folgenden telcgrapliisclien Bericht seines Londoner Vertreters über eine Unterredung mit Herrn Jaeobus H. Kann. London, 12. Oktober. Augenblicklich hält sich liier Herr J. H. Kann aus dem Haag auf, eine der leitenden Persönlichkeiten der zioiisitisdicn Bewegung, der vor ungefähr 20 Jahren mit Dr. Herzl, David Wolffsohn und anderen in London die Jüdische Kolonialbank begründete, um die jüdische Kolonisation in Palästina zu fördern. 1 lerr Kann saffte mir in seiner Unterhaltung, daß er sieh glücklich fühle, gerade jetzt liier zu sein, da ganz Palästina von den alliierten und jüdischen Truppen erobert ist. Die Zionisten werden zweifellos zufrieden sein, wenn das eigentliche Palästina allmählich in einen jüdischen Staat umgewandclf wird. Herr Kami erzählte mir, darf er von den Führern der zionistischen Bewegung in England Ungeladen war, hierher zu kommen, um za besprechen, wie weiter gehandelt werden nu!3, 11111 zu trachten, die nötige Hilfe zu finden, um mach dein Kriege mit der jüdischen Siediungsarbeii zu beginnen. W e i z 111 a n n , der Leiter der britischen Kommission, die Palästina besuchte, ist soeben hierher zurückgekehrt, und die zionistischen Kommissionen können nunmehr erfahren, wie sie srn besten die vorbereitenden Arbeiten in Angriff nehmen können. Was die zukünftige Kolonicationsarbcit betrifft, sagte Herr Kann, so glaube er, dr.Ä die meisten Juden, die sich in Palästina niederlnsr.cn werden, sicherlich Juden aus Osteuropa sein würden, welche Jahrhunderte der Urnerdriiekung liitiikii'di stets Jaden geblieben eincl. Er glaube nicht, daß viele Juden «־:«.״- Ländern, wie England und Holland, wo sic gute Staatsbürger geworden clud, nach Palästina ,auswandern werden, wenngleich׳ dennoch aicherlieh auch technische Kräfte, Acrz.te, Lehrer und andere Juden aus idealen Efwf:׳1׳׳.ngcn Westeuropa und Amerika verlassen würden, um sich *';1 PnHiafi'na niederzulaasen. Was die Frage «,ז:׳ MMMjca Regierung betrifft, ko meinte er, d.s.d c'.'src rrf der Friedenskonferenz geregelt werden würde. Englsr.d r.1f.3:׳c eine Art Ober- Aufsicht auMiaen, :.׳ach rchor, dcahaib, weil die Kolonisten lernen!uiDns.i, wie ,׳de tluc:1 eigenen Staat einzuriclrten haben. Eine gute jiMirrkc Administration werde .'illmiiJtlJd;1 r;!z einer rd ר :üäd׳■׳;:! Pcgicrting führen. Herr Kann erzählte mir, <1er Sir Marie Sikes, die, Autorität für jüdische /.־•roPg.'rhdk״, getroffen habe,’ der von der lirKü.ci.sr» k;.g;len:;;g ermächtigt ist, mit der Zio111r.t1GcF.cn G.־־.;־־.u': ilion zu verhandem, und de? ihm die Versiehe:u.:,־; daß, die brtiiuehc Regierung den ׳ Wünschen der Z.':1.׳istcm vclibcr.uncu *günstig■ gesinnt ist. , Amerika, .’*.:br ICsrui fr•1״, wirf zweifellos die jüdische Kolon;:..,Mn M 1M.M, laten.tiUzen, da in Amerika viele 1.,.׳ C M wohnen, die zu mäßigem «orf;־ gr.:ü:1׳; Mg, ־mM rch־:־׳;t;.Md und stets in Verbinder; t;.;f;. .r;/ .‘:1 IMwegrng Liicben, die ln Anicrfr. :׳igrf' M"; ־׳, י..v.vrf:;j ist. Diese jaden werden, oMMs.1 :..Mg .. :.. .1 v.‘;.:d::1 L:r.1:n# d:.ß sie selbst .־>. new ';:־.׳. w::; M dg jü״;:׳.r.he Kolonisaaon in i;::i ,1:,:::...;:.,....".״ ־, Herr Kann sagte, daß die zioiiDlicelie IKwegung;::di in IMMiml an IM.Üigun:; zügc;m1״;.-.cn i».at, v,\:1{!.::.;1 ln unserem Lande1) ״ follaud) duzt;■eilen beginnt, daß die B-׳w1׳gnng mehr ist als eine einlache Utopie! Die frühere Regierung hat stet:; der zionistihen 1j> wi'giing sympathisch gi'gciliibergtr.laiiden und er bufft, daß die neue Regierung dasselbe tun werde. Auf die F'ragv, ob die Mitglieder der britischen Pa!ä־.;in.11׳.<m1mi>.־:ä,(1 I tolland besuchen würden, »ntworfle Herr Kann, <1.1 ß er hierzu im Augenblick keine Veranlassung s.ilic. Er Kcllv.t licali.khligt, sieh in Pa. ästlun nialer/ulassi'ii, sobald in! möglkh scheint, dort eine 1uoder!1e Lebensweise eiiiztinditeu, Er sagte, daß die zionistische Bewegung in England mehr Sympathie begegne als jemals vor dein Kriege. Stets batte man enipfundeii, daß aus der Kolonisation niemals etwas weiden kann, solange ,Palästina unter einer türkischen Obrigkeit stünde. Es gäbe noch etwas Widerstand in den jüdischen Kreisen, in denen man englischer sein wollte ah die Engländer, aber diese Bedenken würden überwunden werden. ,Die Forderungen der zionistischen Konferenz Oesterreichs (Telegraphischer Bericht) Am 20.Oktober hat jn Wien eine Reichskonferenz der Zionistischen Organisation Oesterreichs stattgefunden, die von Vertrauensmännern aus dem ganzen Gebiet der österreichischen zionistischen Organisationen bcschickt war. Die Reichskonferenz hat beschlossen, einen jüdi sciien National rat einzusctz.cn, weicher aus den jüdisch-nationalen Reichsrats־ und Landtagsabgeordneten and Delegierten aller nationalen Parteien besteht. Dieser jüdische Nationalrat hat die jüdische Nationalversammlung vor- 'zubcrciten, deren Wahl auf demokratischer Grundläge stattzufinden hat. ,Bis ־zum Zusammentritt der Nationalversammlung ist der jüdische Natio-!nalrat die einzig legitimierte Vcrtrctung der jüdischen Nation. Das Exekutivkomitce der österreichischen Zionisten wurde als vorbereitender Ausschuß für die Durchführung der Beschlüsse bestellt. Oie RcichsraLsabgeordncten Strauch er und Reizes wudenr aufgefordert, den parlamentarischen National rat zu konstituieren. Schließlich fordert die Reichs- Konferenz das Se |b s tb*csti in m u ngs reell t für die untrennbare Einheit des jüdischen 14-Millionen- Volkes, fordert die Errichtung der nation a le n Heimstätte f ü r das j üd isch e Vo 1 k in Palästina, die nationale und bürgerliehe Gleichberechtigung für die jüdische Bevölkerung in allen ihren .Wohnländcrn und die Vertretung des jüdischen Volkes auf dem Friedenskongreß. Die Forderungen der österreichischen Zionisten Die ״Jüdische Zeitung“ vom 18. Oktober, die unmittelbar vor der Konferenz der österreichischen Zionisten erschienen ist, faßt in ihrem Leitartikel die Forderungen zusammen, die der Zionistenkonferenz den Charakter geben sollten. Es wird konstatiert, daß die zionistische Bewegung auch in Oesterreich in der letzten Zeit einen mächtigen Aufschwung genommen hat. Wie überall in der Welt der größte Teil der Juden den Zionismus״ angenommen hat, so kann inan heute auch in Oesterreich sagen, daß hinter den Zionisten die Majorität des jüdischen Volkes steht. Die österreichischen Juden müßten jedenfalls bereit sein, die nationalen Rechte der Juden zu erkämpfen und zu schützen. Vor allem müßten die Völker Oesterreichs und die Regierung dem Beispiel der anderen ,Völker der Welt folgen und die jüdische Nation als bestehend und zur Selbstbestimmung berechtigt a»crkennen. In dem Kampf um sein nationales Recht und seine nationale Selbstbestimmung steht das jüdische Volk, nicht pur innerhalb der Grenzen der österreichischen Gebiete, sondern aucli der ganzen Welt, fest zusammen. ״Wie immer sich die Lage in Oesterreich gestalten mag, das jüdische Volk wird seine Rechte geltend machen!“ Infolgedessen stellt der Artikel der Jüdischen Zeitung die Forderang an die zionistische Leitung, als Instrument des nationalen Willens eine durch den Volkswillen legitim i ert e Nation» Vertretung zu schaffen. ״Die Zeit ist gekommen, wo das ganze Volk, das in seiner überwältigenden Mehrheit nationa! fühlt, zu einer einheitlichen Willenskundgebung zusanimai gefaßt werden muß. Aber nicht nur etwa in einer Demonstration, vor den Augen der Welt, sondern auch in intensiver Arbeit im und am Volke coli dieser Wille seinen Ausdruck finden. Die Er־ reteivung unseres Zieles kann nicht von außen