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Jüdische Rundschau · 1918-10-25 · Heft 43 (25.10.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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־'t «־• l ד-'-\׳ V^::3 Ql 0F&ZZZS Redaktion sad Vartoj; Jüdische Reu;!schau, CcrHu y. 15, Sä f&ehst vwchcatl. am Freit*{׳. Abonnement bei «3er Ecrpcdilioa t:-: viBftc!j~a׳l. J»Ik. 4,50 in Deutschland, in Oc!;tcarroich-Uajarn Kr, 8,- rjcr rr^iacsyaiapss ps , run. Czn bei r.".: •־, ba /a:: 25. etober j t'r 1 r י:.■.:.: 1913 ..;־/•׳: f'־. j\-־:.;■nt•: CcriG'Nr. 17G2. PG ' lb<; :; ־ •' li.SC.:,□. Aczc;;an <־:.׳ c: :’ ־ . , 'ca F t. T<:r;rS ,r ״/0 20״, Kc(i.d:5io״rr,׳.G-.G Lj". .: vclcbf;;: •Petit ג »natbra ־ bcccbvsca 5379 fl Xiüli-!׳־>;: צן,»>מ!מ535«3־.*1 ^״^rr.*־r8»־r»w־K:י Vor großen Entscheidungen Die Ereignisse der letzten Wochen haben iiaturgciaäti in weitesten zionistischen Kreisen die Frage wach werden lassen, was im gegenwärtigen Augenblick seitens der Zionistischen Organisation und vor alle״; seitens ihrer Leitung geschehen muß, um die zionistischen Forderungen in der richtigen Weise zu vertreten und ihnen zu endgültigem Siege zu verhelfen. Wir bringen an anderer Stelle einen Artikel des ״Joodsehcn Wächter“, des Organs der holländischen Zionisten, in dem der Wunsch ansgedrückt wird, daß das zionistische Zentralkomiice sofort einberufen wird, sobald ein Waffenstilistand geschlossen ist. Der ״Joodsche Wächter“ weht darauf hin, daß es notwendig ist, die verantwörtliche zionistische Körperschaft zusammen/uberillen, um die Männer zu bezeichnen, die unsere Forderungen vor dem Friedenskongreß• vertreten sollen, und daß eine Klärung darüber cintrctcn muß, welcher Art diese Forderungen sein sollen. Wir glauben, daß die Ansichten des ״Jood- Wächter“ nirgends auf Widerstand stoßen am allerwenigsten bei den leitenden Insehe: werden, Czt Zionistischen Organ!- üarti'kgrämni an!amtliche rückt, da die Grund-! gerechten Frieden nur derstanzen der Zionistischen Organisation selbst. Mit lö.ch; weist das genannte Blatt der holländischen Zionisten darauf hin, daß es die Kriegscrcignissc waren, welche vielfach die leitenden Personen im Zionismus nötigten, auf eigene Verantwortung und inslir Benutzung organisatorischer Neubildungen die noch nicht vom Kongreß genehmigt sind, zu handeln. Alle Mitglieder der Organisation und alle Seilenden Körperschaften im Zionismus sind sich aber darüber klar, daß es von größter Wichtigkeif für die Sache des Zionismus ist, so schnell wie möglich in die bevorstehenden politischen Aktionen Einheitlichkeit zu bringen und das, was nunmehr geschehen soll, aus Beschlüssen der Gesamtorganisation oder ihrer bevollmächtigten Orgare hervorgehen zu lassen. Die Kriegsverhältnisse haben uns in der Tat vi.ilach genötigt, Maßnahmen zu ergreifen, die im Organisationsstatut der zionistischen Bewegung nicht vorgesehen waren. In Amerika hat sich das Provisorische Exekutiv-Komitcc gebildet, in Kopvnhapeu wurde ein besonderes Büro errichtet, der Na i.malfoiuls wurde nach dem Haag verlegt, dort und in London bildeten sich politische Komitees. So sehr auch das Bestreben maßgebend blieb, die Aktionen in den verschiedenen Ländern nach einheitiiehen Gesichtspunkten zu leiten, so mußte docli den Kriegsverhältnissen Rechnung getragen werden. So kam es, daß die Berliner Leitung vorwiegend bestrebt sein mußte, das Interesse deutscher und tü! bischer Regicrungskrcise für den Zionismus wachzuhalten, um die schwer bedrohte jüdische Siedlaug in Palästina über die Kriegszeit hinwegzubringen und um für de:1 Fall des Verbleibens Paias.inas beim türkischen Reiche die politischen Vu!a:;sse(zangen zu schaffen. Gleichzeitig mußten unsere Freunde in Amerika und in den Ententeländern bestrebt sein, ihre Regierungen über die Bedeutung des Zionismus autzuklären und ihre Unterstützung zu gewinnen. Alle diese Bemühungen waa*!. unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, daß - wie immer der Krieg ausgeht und wer immer über Palästina die Oberherrschaft aasübt — die Zu.v.iimming aller .Völker und Regierungen für die zio.-.istische Sache erwünscht und notwendig ist. Wir glauben heule aussprechen zu dürfen, daß die politischen Bemühungen unserer leitenden Instau/cii von Erfolg gekrönt waren, von well ßi'DVreni Erfolg, als man zu Beginn des Krieges hatte ahnen können. Tatsächlich ist cs der Berliner Lei.;mg gelungen, die jüdische Siedlung durch una׳AB-,ige Bemühungen bei den Berliner und Kon- ־ sta :iinoplcr amtlichen Stellen zu schützen und durch Organisierung eines großzügigen Hilfswerks and! niawricll zu erhalten. Unseren Freunden in England •st es gelungen, die amtliche Anerkennung der bri Ischen Regierung und danach sämtlicher anderen Lii.ciiteregicrungen für das zionistische Programm *u gewinnen. Die britische Deklaration hat bei de.1 jaden der ganzen Welt das Gefühl tiefst frkdigung •und’ Dankbarkeit ausgelöst: ־״ deutschen!md österreichischen Zionisten haben Heist gezögert, sogleich nach Bekanntvverden diesci ׳Crkkirung ihre Freude •darüber auszusprechen. Das Kopcnhr.gencr Eitra sation richtet folgendes Zirk! zionistischen Föderationen: Der Augenblick 10t nähor gc lagen für einen datorodsa um. gelegt werden sollen. Ein cokkcr haiia aber dann Zustandekommen, wenn die gerechten For ungen aller Nationen, der Llch:e־a wie der großen, erfüllt werden und wena für ci:10 jede Nation dio Möglichkeit gcachnffca wird, dIc'1 toi Entfaltung aller ihr innewohnenden KrlU'io und Fähigkeiten in den Dicunt der Kc.nricLhclt zu ntcllcn. Auch da» jüdl.־;cho Voll: erhebt ln dieser historischen Schicksnl.nlumio r.oinc Forderungen. In dem Fricdcncinatrumcnt muß ihm gesichert werden: 1. Die Festsetzung Pelfbilaas in den durch ge* schichtiichc Ucborlscferung und durch politische und ökonomische Notwendigkeiten be* stimmten Grenzen als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes, sowie die Schaffung der für den ungehinderten Aufbau dieser Heimstätte notwendigen Vorbedingungen. 2. Die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. 3. Dio nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Lander jüdischer Masscnsiedlung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. Wir fordern die zionistischen Verbände ׳ in eilen Ländern auf, diese Forderungen des jüdischen Volkes vor den Regierungen und der effeniikben Meinung des Landes zu vertreten, deren Durchführung im Friedensvertrag‘ mit allem Nachdruck zu verlangen und hierdurch die politischen Bemühungen der Ge* Samtorganisation wirksam zu unterstützen. An dem Tage des Frlcder.nnd11ucr.c3, durch den die Menschheit sich der Verwirklichung des jüdischen Ideals der Völkcrvorsülmung und des ewigen Friedens nähern will, muß d3a 2GC0jähriga Martyrium des jüdischen Volkes, das als eine Schuld auf dem Gewissen aller Nationen lastet, gesühnt und wieder gutgemacht werden. Das jüdische Volk muß in den Bund der freien Nationen als gleichgestelltes Glied cintreten. n ® Ik©pc: Dz. Vf <״■ f- ־•ל»;*© r 1D- und die .~ .. j 2~ ' ׳״ Nun scheint der Zeitpunkt nahe gerückt, da das zionistische Programm in die Wirklichkeit übergeführt werden soll. Durch die Entsendung der zionistischen Kommission nach Palästina hat Englar.d den ersten Schritt in dieser Richtung getan. Die Befriedigung, die Präsident Wilson i!1 einem Brief an den Rabbiner Wise über die Tätigkeit der Kommission ausgesprochen hat, hißt darauf schließen, daß auch Amerika den Zionismus zu fördern entschlossen ist, Es kann keinem Zweifel unterliegen, was nunmein־ zu geschehen hat. Die •zionistische Fordenmg muß klar und deutlich präzisiert und dein Urteil <U:s kommenden 'Friedenskongresse:'., der wahrscheinlich zugleich der Beginn des Völkerbundes sein wird, unterbreitet werden. Wohl läßt sich noch nicht in allen Einzel-!leiten bestimmen, welcher Art die Formen sein werden, unter denen sich die Bildung der nationalen Heimstätte in Palästina vollziehen soll. Viele staats* rechtliche Erwägungen sind riraisfellcn und manche Interessen auszuglticiicn. Aber wir glauben, daß weitgehende Ucbcrei:.BJa;ra־a11g in allen zionistischen Kreiseil hinoielitlich der Gnmdiorderyngen bestellt, die wir auf dem frierienakor.greß zu vertreten, haben werde», Es i-4 anzuueliincn, daß, sobald mir die technische Möglichkeit hierfür besieht, unsere leitenden 1 jr• t;1 s. 11 sieh /!! einer ge* meinsanien Beratung versammeln werden. Man■ ca sich um eine erweiterte Sitzung des Großen *Aktionshomiiecs oder um eine Sitzung des Zentralkomitccs handeln — sicherlich werden die be* währten Führer unserer Organisation aus allen Ländern Zusammenkommen und werden dann das entscheidende Wort über die Formulierung unserer Ansprüche zu sagen haben. Ohne einer solchen Tagung, die hoffentlich recht bald ׳zustande kommt, vorgrcifeii zu wollen, glauben wir sagen zu können, daß die ,Wünsche der Zionisten sich etwa in folgender Weise präzisieren lassen: x;Wir fordern die Anerkennung unseres Anspinchs auf Palästina durch den kommenden Fricdenskoiigreß, d. 11. die ausdrückliche Aufnahme einer Bestimmung i!1 die von dein Friedenskoijgrcß und dein Völkerbund zu schaffende Neuordnung, wonach Palästina zur nationalen Heimstätte des jüdisi'111‘11 Volkes erklärt wird. In unmittelbarem'Zu* smmuicithaug damit stellt die Forderung» daß die jüdische Nation als •solche anerkannt und zum Milglied des Völkerbundes gemacht wird. Neben der Anerkennung unseres Anspruchs auf Palästina muß der Völkerbund auch die Anerkenn 11 ng des nationalen Rechtes der jüdischen Minoritätcn in allen Ländern sichern. Das staatsrechtliche Verhältnis Palästinas zu bestimmen, wird Aufgabe der Friedenskonferenz sein. Wir haben cs immer vermieden, in dieser Hinsicht für die eine oder andere Lösung einzutreten; denn so lange der Krieg tobte, mußte ein jeder derartige Vorschlag als Parteiergreifung erscheinen. Wenn von allen Mächten auf der Friedenskouferenz die unverrückbare Forderung des jüdisdhert Volkes auf Palästina anerkannt sein wird, so wird cs Aufgabe der Friedenskonferenz, sein, in Ucbercinslimmung mit den Wünschen der Zionistischen Organisation die praktischen Maßnahmen zu treffen, die die Verwirklichung unseres Ideals ermöglichen sollen. Eine Reihe von Erwägungen spricht dafür, daß die sofortige Gründung eines selbständigen jitdischeu Staatswesens außerhalb des Bereichs praktischer Möglichkeiten liegt. Schon bei der Abfassung des Basler Programms haben nicht nur Erwägungen momentaner Zweckmäßigkeit, sondern vorausschauende Erkenntnis künftiger politischer Möglichkciteii davon abgchalteu, einen selbständigen jüdischen Staat zum unmittelbaren Ziel der Bewcgiuig zu proklamieren. Soviel steht fest, daß ein selbständiges Staatsgebiete nur entstehen kann, wenn das jüdische Volk durch die kolonisatorische Arbeit, die es in Palästina zu vollbringen haben wird, dort an Zahl so stark, so fest mit dem Boden verwurzelt, so sicher auf eine solide Wirtschafts־ Ordnung gestützt sein wird, daß der selbständige Staat gleichsam als notwendiges Ergebnis der vorangehenden Entwicklung unmittelbar aus dieser herauswächst. Wir wollen der Frage nicht vorgreifen, ob die Schaffung eines eigenen jüdischen Staatswesens ünabhängig von der Möglichkeit seiner sofortigen praktischen Verwirklichung bei den Friedeasverhaudlungen prinzipiell erwogen werden soll. Auch >venn eine Entscheidung im Sinne dieser Idee getroffen werden würde, müßte ein Ucbergangsstadium eintreten, in dessen Verlauf das zur Staatsbildung notwendige Kolonisationswcrk eines starken Schutzes bedarf. 1 Es wird also in jedem Fall dafür zu sorgen sein, eiaß eine Selnitzlierrscliaft gebildet wird, unter deren Oblmt die nationale Heimstätte in Palästina heraiiwächst mag sie später zum selbständigen Staate führen oder nicht, mag die Staatsidee jetzt grundsätzlich angenommen werden oder nicht. Wir wollen in diesem Augenblick keine endgültige Meinung darüber aussprechen, ob eine Großmacht oder eine Gruppe von Großmächten die Schutzhcrrschaft über Palästina ausüben soll, die notweuclig ist, damit wir das friedliche Werk der Wicdcraufrichfung unseres Volkes im Lande seiner Vater vollbringen können. Diese letztere Fra״e wird noch zu klären und das entscheidende Wo"rt wird noch zu sprechen sein, immer wieder aber soll bc.ont werden, daß, so wichtig auch Form und Art der Scuutzlierrschaft ist, auf die wir uns m unseren Bemühungen stützen wollen, das histo-!!sch entscheidende Faktum in der Tatsache liegen wird daß unser Anspruch auf Palästina dn für allemal ■meikannt wird, daß uns die We־״e 7״r Verwirklichung des Zionismus geebnet werden und

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