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Jüdische Rundschau · 1918-10-04 · Heft 40 (4.10.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 40 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 310 Nr. 40 J U li Ts■1C 2 : U i!D C 011 A U bei uns £1114:1114■ 2u finde״, nicht mit Fesseln belastet werden, die er vielleicht nicht zu tragen venu;:״ Ist also das einzige Kriterium unserer Zusammen• gehürigkeit die Gesinnung, so muß cs erlaubt sein, zu erklären, was wir darunter verstellen, und was wir fordern. Hs ist wohl allen Jugendbümle״, die der national-jüdische Gedanke geza! :t hat, ci״cn, daß sie schon in der Anlage als Er/iehmigsgemriuschafien gc- «lacht waren. Wold schieden sie sieh nach Aller, Goschlecht, Beruf und Neigungen ihrer Mitglieder, wohl nannten sie sieh Turnverein, Wanderlnmd oder Sindcnicnverbiuihmg — was sic alle aber erstrebten, war, mit den Augen des jüdischen Bürgers gesehen, viel gefährlicher: sie wollten die wirkliche Befreiung• des jüdischen Volkes durch Sclbstbefreiimg des jüdischen Menschen, eine wahrhafte geistige und körperliche Keformation, die eine Ncueiiistelluug des jungen Juden fast allen menschlichen und jüdischen Werten gegenüber bedeutete. Nun fand er keinen Sinn mehr im gemütlichen Zu■ sammenk'beu, im bloß geordneten Nebeneinander der Indhidtien, in Vereinigungen, die irgendwelchen ״Inkressen׳‘ geistiger oder sonstiger Art dienten. Wat ilm den anderen verband war eben nicht die Einheit der Verpflichtung, kein gemeinsamer und noch so hoher Zweck. Der Verein wurde zur Gemeinschaft. Denn cs gibt Aufgaben, die nur die Liebe erfüllen kaum die nicht äußerlich oder moralisch verpflichtet, sondern innerlich vereint, die nicht um eines Zweckes willen dient, sondern das Leben des Nächsten als das Eigene cm- ))findet. Es war die Liebe zu jüdischen Menschen gleicher Gesinnung, die den jungen Juden ergriff, und an die Stelle von Organisationen tiefere Lebenseinbeiten setzte. Damit war der west jüdischen Jugend, die das Bewußtsein nationaler Verbundenheit fast verloren hatte, eine neue Bindung nationaler Art entstanden. Es gab eine national-jüdische Jugendbewegung. Wohl sind bisher mir Teile der national-jüdischen Jugend von ihr ergriffen und es ist kein Zufall, daß sie gerade in solchen Verbänden spürbar ist, die von vornherein Wert auf engste Verbundenheit ihrer Mitglieder, auf intensivste erzieherische Einwirkung gelegt hatten. Die sogenannte ״Extcnsiver/ielumg“ schafft ^vielleicht Parteigenossen, sie ändert wohl die Anschauung, aber sehr selten die Gesinnung. Unser Bestreben wird es sein müssen, auch in Verbänden, die bisher anders arbeiteten, kleine Kreise Gleichgestimmtcr und Gleichgesinnter schaffen zu helfen. Wir haben überall darauf zu drängen, daß der Mut z.u wirklich nationaler menschlich-jüdischer Erziehung inten: ivster Art gefunden werde. Denn unsere Stärke liegt nicht in unserer Zahl, sondern in dem Schwung, in dem sittlichen Pathos, in dem jüdischen Ernst unserer Jugend. Hüten wir uns, zu viel zu organisieren, damit wir nicht in der Schar der Mitläufer ertrinken. Eine sorgfältige Ucberwadtting der Grüiulungstätigkcit ist erforderlich. Stets muß der persönliche Zusammenhang mit den Lehern neuer Gruppen aufrecht erhalten, wo immer möglich das geschriebene Wort durch Einwirkung von Meusel) zu Mensch ersetzt werden. Diesem Zwecke dienten die Reisen des Sekretärs, die nach dem Jugendtage wieder nufgeuomnie» werden sollen. Gleich günstig wirken die Tagungen der großen Verbände während des Krieges, des K. J. V., dos Blau-Weiß, des lierzlbundes und gewiß auch der Jugendtag selbst, die alle in ihrer Art zur Stärkung unserer Gemeinschaft beitragen. Günstig ist es, wenn, wie es in Posen und neuerdings in Schlesien geschieht, einzelne Aus• ״Und das Krumme soll eben werden“ Unerwartet macht der Jüdische Verlag die Freunde schöner Erzählungen mit einem Dichter bekannt, der ohne krampfhafti Geste und nach außen gewandter Bemühung sein Werk mitten in das universale Schrifttum stellt, als ein gleichwertiges unter die gezählten Bücher von bleibendem Wert, deren sich die heutige europäische Literatur rühmen darf. Die Erzählung ״Und das Krumme soll eben werden“ erschöpft ihre Vorzüge nicht in dem, was sonst den Uebersetzungcii ostjüdischer Literatur in Europa eine Zeit lang Beachtung verschafft hat. Meist war das ein Stoffliches: die Absoluter-' liehkcit dergi schilderten Zustände, das verblüffend Fremde und altertümlich Gebundene ihrer Menschen und Sitten, nicht zuletzt die in den Himmel strebende feierliche Geschlossenheit des Volkslebens, das in den Erzählungen der Perez, Asch und Pinski den Hintergrund bildete und manchmal übersehen ließ, wie wenig glücklieh und rein hier die Gesetze der episehen und dramatischen - Dichtung gemeistert wurden._ Diese zufälligen Vorteile hat jeder Schildere!• iarbenreicher fremder Stämme vor dein Dichter des Okzidents voraus, da doch im zivilisierten Westeuropa kaum mehr ein Winkel ist, der nicht längst seinen Gestalter fand und seitdem die schlimmen Spuren der Uegulieriiiig und Verödung des Volkslebens an sich hat. Es ist bezeichnend für den besonderen« Wert der Ag non scheu Erzählung, daß man diese von selber sich emsteikiideii Nebenwirkungen besonders anzumerken 1 gar nicht versucht ist, wenngleich sie hier reiner und vollendeter als anderswo z.ur Geltung kommen. Du r.pi'ichst von ihnen z.u atterletzt, wenn du schon alle wahren und dauernde״ Qualitäten anerkannt und überdacht hast und dum w״hminimst, wie klug und ln׳- sonnen die Hand zu ordnen wußte, die dir diese iahe!• haften Menschen und fremden Dinge wie b'miiule und deinesgleichen hinstdU. Da pocht dein Herz wie das schüsse die Vera11;v.־.>; bmg für bennciibarte Gruppen übernehmen und :•־.v.n: :״״v11 als Vororte ganzer Bezirke fungieren. Am 1ig« '1 ,vfiahrl in Lissn, dte »ui Anivgung des A;au ■׳;riuiasc; der national-jüdischen Jugc״dorga11ts:,i::>;1c;1 Pcs.cus r.tattiäuul und & über _J0ß Angehörige ■osJau:!:1 scher Jugendorganisationen vereinigte, sei als ein Itcisnicl lebend htiigewiesen. Die Scnafftnig einen schlesischen i'.ckrdarir.is' war unter anderem die erfreuliche Frucht dieser Zusammenkunft. Auch für die Gesinnung: gcnosncii im Leide ist in letzter Zeit einige«: getan worden, tun das Bewußtsein ihrer Verbiimlenheit mit׳ unserer Idee und unserer Beweg 1111g z.u stärken. Zum erVeit Male fanden in diesem Jahre zu Uosciilianduina größere Zusammenkünfte, bc« sonders im Westen stall, die Angehörige aller Gruppen der national-jüdischen Jugend vereinigten. Referate über den Stand ■unserer Bewegung, über die Lage des jiidiseheu Volkes und den Zionismus sollten ihnen Gelegeiiheit geben au den Dingen, die uns beschäftigen, tcil/mieliiiien. Demselben Zwecke wird eine Reihe von Flugblatt er 11 dienen, die wir lieraiiszugcbcn beabsicliligen,•und deren erste :, ein Abdruck des Buberschen Vortrags ״Zion und die Jugend“ bereits dem Jtigendlage vorliegt. Daß diese Flugschriften auch im Dienste der Propaganda verwerfet werden sollen, ist selbstverständlich. -- Ich möchte diesen Abschnitt meiner Ausführungen nicht schließe״, ohne auf den lebhaften Aiiisrlnviuig hinzuweisen, den das Pressewesen der natioiial-jüilisclicn Jugendbewegung gerade in den letzten Monaten genommen hat. Zu gleicher Zeit hat sieh unsere Jugend im ״Jevubbaal“ und im ״Jiulisehen Willen“ Organe geschaffen, die, richtig geleitet, ein Ausdruck ihrer Eigenart und damit von weit 1 eichender Bedeutung für unsere Bewegung zu sein vermögen. Auch auf die wichtigeren Vcreirisorgane: Blau-Weiß-ßlätter, Ivriabiätter mtd Jüdische Turnzcitung, die nach längerer Pause wieder erscheint, möchte ich aufmerksam machen. Das sind Mittel persönlicher lind gedanklicher Ein- Wirkung, die wir besitzen. Daneben ist freilich eine ausgedehnte organisatorische Arbeit erforderlich und soll nicht uiiterschiif/.t werden. Die geplante Zentral kart o t h e k ■ist ■teilweise vollendet .und wird nutzbar gemacht weiden können, wenn alle Vereine endlich die erbetenen Mitgliederlisten einscliieken würden. Eine kleine Leihbibliothek, die vornehmlich neugcgrüiidetcn Gruppen zugute kommen soll, ist bereits eingerichtet. Demnächst wird der Jüdische Verla,׳; einen Katalog e in |!f e 111 c 11 s w e r t 0 r B ü c 11 e r für die Bibliotheken unserer Vereine und Mitglieder herausgeben, im Blau- W e i ß - L i c d e r b u e 11 ist endlich eine -sehr brauchbare Zusammenstellung von Liedern für Feste und Wanderungen zustande gekommen. Wichtiges blieb freilich ungetan. Noch immer ist keines der von dem Ku'lturausschuß geplanten Jugendbik'licr erschienen. Ebenso wenig ist die Frage des hebräischen Unterrichts ״;düst. Selbst in Berlin bcgegnet die Einrichtung viyi Kursen finanziellen Schwicrigkeiien. Aus der Provinz hören wir nur Klagen, Es sollte ein Modus gefunden werden; der jedem tutbemittelten Jugendlichen die unentgeltliche Teilnahme ermöglicht. Vielleicht kann eine Besteuerung der Acltereu und der Vereine, die sich auch sonst zur Besserung unserer unmöglichen finanzielle!! Lage auf die 'Dauer nicht umgelicii lassen wird, dazu verhelfen. Auf jeden Fall wird sich die Errichtung von Lokalausschüsscn auch hier als nützlich erweisen, weil dadurch die Leistungsfähigkeit über die Möglichkeiten des einzelnen Vereins hinaus gesteigert wird. ihre; ihre Trauer und ihre Tröstung senken sich aut dein Gemüt; gewiß, ein besseres Gewand deckt dich und deine Gleichnisse reden eine dünnere Sprache; die Weisheit, die dich nährt, riecht noch nach dem aufdringliehen Firnis ״״erprobter Kultur und hat selten den Duft der letzten und Urdiuge. Wenn du aber ein empfangliebes Herz in dir weißt, wird cs dir weit und froh in diesem Buch entlegener Menschen und verschlossener Gebräuche, und du selber, seiest du Christ oder Heide, gehst in den «;roßen Frieden dieses Menasche Chajfm ein, als seist du cs, der‘in den Gräbern der Friedliöfe Wohn 11114 nahm. Solches begegnet uns in der ostjivlischcn Literatur zum ersten Mal, daß eines ihrer typischsten Werke, das in jeder Zeile die Prägung der alten Gemeinschaft trag•(, sieh ohne Zwang dem 'Allgemeinen öffnet und das Menschliche in einer rührenden und ganz großen Weise aufniinmi. Wie oft bedauerten wir cs, daß selbst Mcndelc, dieser begnadete Erzähler, häufig noch anderes wollte, als gestalten und •dichten, und der Zeit und ihren gcringelt Bedürfnissen in seine Bücher Einlaß gab. Da waren Stellen, wo er seine Gebilde bis* zu einem Grade herauigi-führt hatte, dal) sie sogleich tu das Zeitlose eiiigi'licii konnten, und wo er dann matt blieb wie ein Sittenrichter׳ tun! ihnen kltiimft vielerlei Gewichte anhängte. Wir sahen auch, wie ,“«!uli'jv sieh einen Ausweg• aus der Iteiminclte a Enge suchten, Sic verlegten de.n Schauplatz in eine fremde Umwelt von etwas verwascheiicm Europäerin;:! und ׳;x rieten hier nur noch tiefer in diu Wirniis äußeriiclter Ktmslühung; in die liieinciunul Probleme, the m den K־a7ceh,1u::;;tubc.n westlidier Groß:;,adle vuh:.1;j«di werden, in den Schwall modischer Schlage,־«:; F tmd '11:!״׳״■;״, die wiederum durch Stattliches und durch Rer; pU: die־ i.iangelndc, ittnewohnende LenUVil er׳e1/ea wollten; ,wenn sie dann im übrigen Euro!c! r« ״, d! ,•;•c«ii,::.rt t;!!1d und neue Moden sie abKhten, iei.vn eie in! riiviujcciictt Schrifttum häufig eine ve..; du te Aufei־.lehuug. Da:, hat sieh besonders erfreulich in 11 r Begründung sogenannter Jugendheime geltend gemacht, z.t:er»t in Posen, dann in Breslau, Imffeaüich bald auch in Berlin. Indem die Vereine iiue an stell völlig getrennten Raume in der gleichen Wohnung beziehen, tritt, «.■ine Folge des häufigeren Zusammensein:•■, naturgemäß eine Annäherung der Mitglieder der ver-eliiedeueu Gruppen untereinander ein, die dein ge;amten nationai-jiulisriieu Leben zugute kommt. Wir halten es für tut,crc D!licht, darauf hin/uwci;en und derartige 1 Uimgiündtngcn 11.«,;«. liehst zu unterstützen, zumal sie zumeist zur tiiim.i gemeinsamer Büros führen, deren Errichtung die Arbeit imgemein fördert. Wir hoffen von all diesen Einrichtungen und lk- Strebungen ein immer stärkeres Eindringen des nationalen Geistes in alle Teile unserer Jugend. Die luuionaljüdische Jugeiulgemeinscbait soll ״eine hohe Sünde des Volkstums, nicht nur eine Schule des Wissens, sondern eine Schule des Seins und Lebens selbst“ sein. Das bedeutet ein Los von der VortragswirGcliait, v,i־.׳ sie früher üblich war, von der alles berührt und nichts erfaßt wurde. Wollen wir die Menschen ergreifen, so müssen wir ihnen Liebe zu den!Dingen ,״eben, sic aber nicht flüchtig die Dinge betrachten lassen. De;- halb sind, 'wo sieh irgend geeignete Lehrer finden, Kurse einzuricliteii. Wir mochten als ein Beispiel auf die Genchichtsvorträge des Herrn Kubaschow hinweise״, die vom Berliner Ausschuß für nationaljüdische Jugendarbeit im Winter 1017/1S stattgefunden haben. Auch die Jüdische Volkshochschule in Berlin, die Im kommenden Winter ihre Arbeiten beginnen wird, mag mit da/u beitragen, unseren jungen Menschen ein sachliches Interesse au d u Gegenständen unserer Bewegung zu vermitteln. Das wird freilich nur möglich sein, wo ein starker Antrieb, wo ein wirklicher Wille dazu vorhanden Ist. Dieser Wille, der Großes zu schaffen vermag, hat mit besonderer- Intensität sich auf drei Gebieten gezeigt: auf dein der körperlichen Ertüchtigung, der hebräischen Sprache und dem der Berufswahl 11ml Vorbereitung für Palästina, Während ein«: früher undenkbare Freude an gesunder Körperlichkeit in der Turnerschaft und im Blau-Weiß ihre Stätte gefunden und teilweise zu einer neuen Stellungnahme körperlicher Belä'.igung und Arbeit gegenüber geführt hat, während hebräische Kurse, von den Ortsausschüssen eingerichtet, mit wechselndem Erfolge arbeiten, hat der Gc;a!ula״s:;chuü das Amt für Berufsumsdiichtung und Palästinaarbeit geschaffen, dessen Leiter Herr Waller Moses ist. Eine neu.׳ Aufgäbe des GesamtausseUusses wild in der Vorbereitung und Gründung nationaler Schulen bestellen, eine Aufgäbe, deren Dringlichkeit bisher nicht überall erkannt wurde. Die S t a t ti t e 11, die der Gcsamtausschuß sich zunächst provisorisch am 16. Juni gegeben hat, und die mit einigen Aenderungen vorliegcn, sind so gehalten, daß sie die Aufnahme gemeinsamer Arbeit erleichtern, ohne die Selbständigkeit der einzelnen Vereine zu gefährden. Je weniger durch sie festgclegt wird, desto besser. Wir brauchen zweierlei; vor allem einen möglichst aktionsfähigen Engeren Ausschuß, der, ich betone cs, aus technischen Gründen in Berlin tagen und darauf bestehen muß, daß alle seine Mitglieder in Berlin wohnhaft sind. Jede ■andere Regelung wäre unannehmbar, da sie die Arbeit gefährden würde. Uebrigcns würde der Wunsch ihrer Befürworter, den Einfluß der Provinz zu stärken, auch durch keine andere Lösung erfüllt werden; denn Arbeit, die Einfluß gewährt, ist von dem Sitz in Aus- Schüssen und sonstigen ״Rechten“ unabhängig. —■— ■■ .. —' . " . Die Wurzeln von Agnons Kunst stehen nicht in diesen Einöden. Sic reichen tief herab in jene guten Gründe, die seit Homer noch alle ״roßen Erzähler genährt haben. Das schlichte Leben einer, galizischen Händlers, das hier erzählt wird, verläuft in einer vergangenen Zeit, in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, aber so, wie die Erzählung gestaltet ist, hat sie nichts gc• mein mit den im Kern meist ״!!wahrhaften antikisierenden Versuchen, die uns den historischen Roman so belanglos werden ließen. In der Rede, in der Agnons Menschen sprechen und geschildert werden, ist nichts gewollt Altertümlichcs; sic beschränkt sicit nicht etwa auf die Formen der Darstellung, wie sie zu der Zeit, da die Geschichte sich zuträgt, von guten Erzählern geprägt wurden. Sic versucht auch nicht Milieuhafiigkeit vorzutäuscheii, sondern Jiat den freien, gewichtigen Tonfall der gcschlosscnen guten Zeiten des Erzählertums. Vor allem: sie ist eminent episch. Es kommt überhaupt nicht vor, daß der Hergang streckenweise vorn Dialog gctragen wird, um aus dieser dein dramatischen Dichter gemäßen Attsdrncksform Ten11x>, Rvtlumis und Farbe hcrzunchmen. Dialogartiges ist selten, meist nur au den gesteigerten Stellen verwandt; die Sätze werden dann überaus realistisch gestaltet, aber sie sind nicht der Gasse nachge/eicliuet, sondern stellen bei ah ihrer frcffsicherhcit wie Schmuckstücke in «lein getragenen Belicht. In den sind die engen j£ustä1ullichk׳citcu de; Ostjüdischen gelassen hincingcnomnicn. Wenn Agnon sie daun hinstellt, diese Vierellenwelt, sie ausweitet und erhöht,ז verliert selbst das Banale seine Stumpfheit. Was äußerlich in der Geschichte vor sich geht, ist eine "Kette von Alltäglichkeiten. Da wird' gehandelt, mtd gebettelt; Meiinsehe und sein Weib holen sich den Unbesclmittenen in den Laden und mühen sich, an ihn die Ware abz.usctz.cn; die Verarmten verbergen ihre Not hinter den schonen Kleidern und allerlei Seitlichen; Mcnnschc erwacht aus der Trunkenheit und sieht sich auf dem abgebrochenen Jahrmarkt — das

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