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Jüdische Rundschau · 1918-09-20 · Heft 38 (20.9.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Milderung der Grenzsperre gegen osijQdische Arbeiter Oie Verfügung, die die Rückkehr der beurlaubten /ödiäcli-polnisclicii Arbeiter aus Polen nn iiire Arbeits- «tollen in Deutschland verbot, ist soeben wieder!rufgehoben worden. lJestehen bleibt nach wie vor die allgemeine Verfügung, die die Ncuzulassung von jüdischen Arbeitern aus Polen nach Deutschland untersagt Ein Befehl Hin Scitenstiick zu dem in unserer Nr. 3Ö rer• öffcntlichicn osterrciehisch-ungarisehen Militärbefehl In Werclmy Dnieprowsk bildet der folgende Befehl zu dem sieb jeder Kommentar erübrigt: K. u. k. Etappenstationskommando Cl1er«on. Einfluß der Judcnschaft auf die Mann- Schaft. An den Rabbiner von .... Feldpost 436, am 25. August 1Ü1S. des Armeekommandos gebe ich Ihnen ז¬ ז: Charkow, Gor 0 tl i r; cf. t;; c*' Räte der jadhclien C.k;.;I::׳I:: tionen gegen die Al;:duu,V;;:g ca Autonomie und das Vor'dien der I: t r c n o 1 ü «־ pcr.arjJea׳!. ■ a g i s t r a t ikenmg ercnüber dem Iß diesem י יי r־*i _ *׳ *■ - l 4 ■ .* v,- * * ■'■* kJ V 0 ־t v- W k Vor kurzem hat der Warnclianer T, einen öffentlichen Aufruf an die Uevi gehen lassen, in dem er ceiue I Iall1׳:’;r ge; Streik der Bäcker darlegte «!«1 verteidigte, Aufmf!wißt ea unter anderem: ״Der Magistrat der 1 fauptsl/ult Warschau hat an* gcRiclits einer!«!dien Stellungnahme von einigen hundert Häekerarbcitcrn, die ihre Orgn.n:.;aiio11 den Inter• essen der Bevölkerung cnfgegenstellen, zwei Abhilfswege zur VerhüUmg des Brothungers wühlen können: ent• weder das Brotbacken an kleine imorganisirrtc, haupt- 8 ä c h 1 i c h j ü d i s t h c B ä c k e r e i e n zu übertragen, die in der Zahl von 300 ihre Dienste zu den ,bis jetzt geltenden Bedingungen bereits :ingeboten haben, oder der Bevölkerung unmittelbar Mehl auszufolgen. Da nun die Organisierung ein«• Kontrolle über neue, meistenteils 'unverantwortliche Winkelb:ickercicn eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen müßte-, so wird die Bevölkerung in der laufenden Periode 4 Pfund Roggenmehl ziun Preise von 'SJ'/j Pfennige erhalten. Magistrat der Hauptstadt Warsdiau,“ Judcngcnicinschaft eine nicht mehr 80 mäkle Geldstrafe, »oaders < eine erhebliehe Kontribution nufcrlcgcn zu Falls die Kontribution nicht zu dem angc ac t zt en Tc rm in ent richtet 6c in sollt werde ich die Aussetzung von Geisel« au* der Mitte der jüdischen Bevölkerung a n o r d n e a, , . K, «. k. Krciskornmando Unterschrift unleserlich. ׳ Eine ״Mahnung“ gleichen Inhalts hat das Kiclccr Kneiakomniando als M a u c r a n c h 1 a g in den Straßen der Stadt verbreitet. •dn:UB1i1;u111]m1n!n;sBms;n11₪; (..,.üllilw 11 ׳ Mit;;llülüip Im Auftrag Nachstehendes bekannt: Fs ist erwiesen, daß einzelne Angehörige der jirdiselien Nation es versuchen, unsere Soldaten zu Vergehen und Verbrechen in a) politischer Richtung, b) in wir!sdiaftiichcr Hinsicht zu verleiten (Dieb• stahl, Raub, verbotener Handel mit Waffe» etc.) Fs ist bekannt, wie solidarisch die gesamte Jisdcnschatt Zusammenhalt und vorgellt. Um eine Abbilfe im Vorgehen meist nicht eruierbarer Einzelner ru schaffen, müssen wir die gesamte Judenschaft r.ur Verantwortung ziehen. Daher 111״g di.־ gutgesinnte, anständig denkende, nur auf bürgerlichen üewinu hinarbeitende Judcnschaft die schlechten Elemente an ihrem schädlichen und zersetzenden Treiben hindern; tut sie das nicht, macht sie sich mitschuldig und muß dann die Folgen tragen. Die Folgen sind: Kontribution auf die Judcnschaft, ßonderiiiaßiinhmcn gegen dieselbe. 1 Wenn die guten Elemente der Judenschaft furche ten, daß dies die alle Stimmung der .Bevölkerung gegen sie auslösl, dann ist es umso dringender, diesem schädlichen Treiben Einhalt zu tun. Die Rabbiner als in jeder Beziehung führende Organe der Judcnschaft, haben es in der Hand, das Ansehen und die Ruhe der Judcnschaft zu wahren. Mit dem Glauben hat die Sadie nichts zu tun. K. u. k. Etappenstatioiiskommando. Unterschrift. In der Ukraine Eine jüdische Delegation beim Minister des Inneren. — Vertagung des Vorparlaments. — Willkür der lokalen Behörden. — Das Eingreifen der Regierung. — Protest der jüdischen Gemeinden. Der ukrainische Minister des Innern, K ist jakowsky empfing eine Delegation des Jüdischen N at io n a i rat c s, bestellend aus den Herren W. J. T j o :11 k i n (Zionist) und S. R c w u t z k y (Poalc-Zionist), die ihn über die bereits vollzogenen Vorbereitungen zum jüdischen Vorparlament unterrichtete und um Gcnehniigung zur Einberufung desselben ersuchte. Der Minister erklärte, daß die Regierung keine Bedenken gegen die Einberufung des jüdischen Vorporlanients bube; während der näclirteii zwei Monate dürften aber keine Konferenzen im Lande stattfinden und für das jüdische Vorparlament könne keine Ausnahme gemacht Werden, Die Delegation berichtete dem Minister ferner über die kritische Lage der Gemeinden. Die lokalen Beliörden würden das Gesetz über die Aufhebung der nationalcn Autonomie auüli auf die Gemcindevcnvaltun- Een ausdehncn und die Organisierung der neuen Gcmcinden wie audi die Tiitgikeit der bereits bestetienden stören. In Charkow sei z. B. von den Beluirdcu die Auflösung der Ganeimkveiwaltung verlangt worden. Der Minister versprach, die Angelegenheit zu Prüfen und die B.hörden auf die Ungesetzlichkeit ihres Vorgehens aufmerksam zu madien. in der Tat versandte bald darauf das Departement ta allgemeine Angelegenheiten am Ministerium des ein Rundschreiben an die Behörden, in dem ®,1geordnet wird,, daß die Wahlen zu den Gemeinde- Verwaltungen nicht gestört werden dürfen. Das Sdirei- •ken Lt vom Minister Kistjakowski und dein Direltor des Departements Tozky unterzeichnet. Dieses Schreiben erstreckt sidr aber nur auf die Tätigkeit der Gemeinden. Sonstige Errungenschaften der Autonomie auf dein Gebiete der Schulpolitik, der Dlcichbercdrtigung der Sprache etc, werden von den Behörden auf Grand des bekannten Erlasses über die Aufhebung der national-personalen Autonomie nadi wie vor schonungslos vernichtet. 111 einer Reihe von Städten — Rown«, Betiteche w, Lipowez, Krc mentechufc ßelaja - Zerkow, Pawiograd, Oatrog, Miiglieder-Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung. Vortrag Dr. e: בו. jlMis ft *׳o i* *I Zii is 0 i״$ Mk ßß Dienstag, den 1. Oktober 1918, pünktlich S'/g Uhr abends, In den ״PraditiSIca des Wculcas*׳ Splcherntir. 5. .- .. Eintrittsgeld 50 Plg. -.—;1ג.׳;;ר1ש1»«1111ו111111!11111»111«1!11111111111111צ;.ימ;ו!1111111111111}1111111111₪;1בצ;2׳1:ך11־״^1ו1״7 Ans diesem Aufruf geht deutlich hervor, daß der Warschauer Magistrat die Nicht Verabfolgung von Brot an die Bevölkerung selbst in dieser Zeit der größten Not einer .Beschäftigung jüdischer BiiCkcr vorzieht. Er setzt wohl voraus, daß diese Haltung auf das Verstiindnis der polnischen Bevölkerung Warschaus stoßen wird. Die Ve r wa 11 ungsabtei luug des österr e i c 11 i s c 11 c n k. u. k, K1׳ e i s k o tn m a 11 d o s zu Kiclce liai am 16, Juli 1018 an den Vorstand deT J ü d i s c 11 en K u 1111 s g e in e i n de zu Kieicc folgendes Schreiben gerichtet: Am 13. Juli, 11 Uhr morgens, ist von der Gendarmerie-Patrotiille ein Jude bemerkt worden, der mit einem Sack auf dein Rucken vom Markte in der Riclitiaig der Bodzentynskastraße lief und den die anderen Juden mit dem Rufe ״Ganew“ begleiteten. In der Annahme, daß cs sich um einen Dieb bandle, hat die Patrouille den erwähnten Juden aufgefordert, stellen zu bleiben. Dieser Aufforderung hat aber der Jude keine Folge geleistet, und als er von der Gendarmerie erwischt wurde, versuchte er sich zu befreien, indem er dem Gendarm an das Gewehr griff; bei dein Zusammenstoß wurde der Festgenommene leicht am Hinterteil verletzt. Unmittelbar darauf sammelte sich eine Judcnmcngc, die dem Gendarm mit Schimpf Worten folgte und es versuchte, den wegen Widerstandes gegen die Behörden Verhafteten zu befreien, sowie den Sack wegzunehmen. Der Verhaftete wurde zum Magistrat abgeführt, wo ihm der städtische Arzt einen Verband aulegte und wo cs sich lierausstellle, daß der Sack Weißbrot enthielt. Nach Anlegung des Verbandes hat die Gendarmerie den Verhafteten ־zur Wache abgeführt. Unterwegs hat sich wieder eine Judcnnienge angerrumnelt, die es versuchte, den Verhafteten zu befreien und lärmend die Gendarmen mit Steinen und Ziegeln bewarf. Ein Jude, der Steine warf, wurde fcstgcnonimen. Lediglich der Kaltblütigkeit und dem Takte der Gendarmerie bt es zu verdanken, daß sie in dieser Lage im Sinne der Vorschriften von den Waffen keinen Gebrauch gemacht bat. Angcsichts einer so unerhörten Provokation der Juden von Kiclce und wegen ihi‘1.3 Eitigveilciis In eine Amtsliandliing der Gendarmerie wird von mir außer dem Stra[verfahren den Juden der Stadt Kiclce eine Kontribution von SCÖD Kronen aufcrlegt, welchen Betrag die Israelitische Kulh:.־gen;clnc!e binnen 2 4 Stunden, also bis zum 17. Juli las 12 Uhr mittags in der Kasse d Kiclce einzuznhlcti hat. hiesige jüdische Bevölke sich gegenüber der Ga: benimmt. Ich fordere t me in de auf, in der gcch belehren, sich gegeilt;'.:: dannen loyal fzuj veihdk:: veranlaßt sehen 1t k. weise rung hsre! tTincrle h,־ Her die I: ücicn Web r ihn m; widrig würde, Ich 121־ die Leb rer io Gslila: Kreblommaudos ■in darauf hin, daß die s cdt längerer Zeit rtn"c':!g und cdiroff :'seh!’־cd:! Kt:lit::gc- ■ d.'•■.' 1'׳:völ'reiiing zu il'Isnednden Gendich mich Anläßlich dev von uns vor kurzem veröffeniliciitcn Memorandums des hebr.iischyn Lehrerverbands in Palästina an die Zionistische Kommission erhalten wir von Herrn E. M. Lipschütz, der in Vertretung von D. Jellin die zeitweilige Leitung des hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem übernommen batte, die folgenden sehr beachtenswerten Ausführungen, die die Leiden unserer palästinensischen Lehrer wäll» rcrid des Krieges darstellen und uns zugleich an unsere nationale Pflicht den Pionieren unserer palästinensischen Erziehungsarbeit, besonders denen in Galiläa gegenüber gemahnen, die, von der Zentrale des Lehreryerbands isoliert, auf s ch selbst und auf die Hilfe der Juden der Mittelmächte angewiesen sind. In Nr. 34 der ״Jüdischen Rundschau" veröffent• lichten Sie das Memorandum der palästinensischen Lehrerschaft, in welchem sehr bedeutsame Forderungen pädagogischer Natur aufgestellt sind. Zum Schlüsse desselben wird aber auch einiges über die materielle« Lage der Lehrer während der Kriegszeit gesagt. Im Anschluß daran mochte ich auf die Lage der Lehrer in Galiläa hinweisen, welche viel trister sein muß als die dort vorausgesetzte Lage in Judäa. Die knappen Sätze, welche die vielerlei Leiden des Lehrerstandes /.usammenfassen, sind nur einem, der die Dinge miterlebt hat, voll und ■ganz verständlich. Ich kenne die Lage, wie sic vor etwa zelm Monaten war, seit der Zeit hat sic in Galiläa noch eine gewaltige Verschlechterung erfahren. Es waren außer der horrenden Teuerung vor allem die eigenartigen Kursverhältnisse, welche die Lehrer in eine schier unmögliche Lage versetzten. Die Lebensmittel waren teuer, jedoch überstieg die Preis- Steigerung nicht das jetzt in allen Kriegsläudeni übliche Maß, aber die Waren konnten zu diesen gesteigerten Preisen nur in Gold erworben werden, denn so und nicht anders wollte der Bauer die Produkte!!ergeben. Gold aber mußte erst erworben werden. Wenn nun die au und für sich teueren Marktpreise in die geltende Papierwährung um,gerechnet wurden, waren es fabelhafte Preis nütze, die man hier kaum verstehen wird. Zur Orientierung sei bemerkt, daß die Preise sieh viel höher als die in Konstanlinope! üblichen stellten. Bei allen unentbehrlichen Lebensmitteln bewegte sich die Preis- Bildung von 500 bis SÜO Prozent des normalen Preises. Wir haben dazumal genaue Berechnungen angestcllt und gefunden, daß die höchslhcsoldctcn Lehrer mit ihrem Gehalte nicht einmal den Brotbcdarf bestreiten konnten. Beim Fehlen einer behördlichen Rationierung mußte man den Kindern die Milch versagen, Fleisch und Butter waren imcrsdiwinglidi, Gemüse und Früchte aber nicht zu haben. Es stellte sicli in vielen Lehrerhäusem der Hunger ein, es waren krasse Fälle vorgekommen, die wir kannten. Die Lehrer waren längst nidit mehr standesgemäß gekleidet, mußten Hausrat verkaufen, Anleihen aufnehmen, Vorsdtüsse verlangen, um das Leben aufs kärglidiste zu fristen. Dazu kam noch die Militärablösimg, die von vielen mehrmals bezahlt wurde, im Interesse der Schulen gezahlt werden mußte. Mandicr Lehrer hatte sein Gehalt für viele Monate irn Voraus bezogen und Abzüge hatten alle zu gewärtigen, so daß audi schon der Monatsanfaiig nur Verlegenheiten brachte. Manche lebten nur voni — Sduildeiiniachcn. D:us Leben drückte schwer auf die Lehrer, sic waren wirtschaftlich ruiniert, zehrten ihr Letztes auf, manche von ihnen erkrankten infolge der Entbehrungen. Trotz alledem haben sie die Schulen in allen Wcchsclfällcn über Wasser gehalten, den Veränderungen angepaßt und Bedeutendes geleistet. Unterricht an Evakuiertenscliulen unter freiem Himmel", Vereinigung einiger Klassen zu gemeinsamem Unterriditc Neueinrichtung vielklassiger Schulen für plötzlich zuströmende Flüchtlinge — das waren alles Aufgaben die die Zeit an die Lehrer stellte. Dies alles sollte bei eigener Unterernährung, bei steter Gctdsorge inmitten von Wanderungen, bei vielfachen moralischen Leiden gelastet werden. Das Sdnvcrstc war wohl daß bei dem Sdmappen nach Vorsdiüssen und nach Anleihen der Lehrer sich oft erniedrigt fühlte. So schwer das Leben der ,Lehrer in ganz Palästina schon zehn Monaten war, so ist die Lage jetzt in bedeutend schwerer mid kri&cuImfter Verhältnisse durch die Kriegsdauer allein" die Nahe der Kriegsschauplätze, die Preise, die wachsende ־־ c 11 f, aöccnio 18׳ der vor Galiläa Dieselben gesteigert, •1c, Prmc, die ÄJPSii nodi, daß mancherlei Ereignisse die Lehrer m״״,״™ einen großen Teil der sozialen Hilfe auf sidi zu nehmen! ro״tiS!KC Die Verwaltung der hebräischen Sditden in Uff» 1fl K®nrfant1noPc{ tat ungemein viel für ehe Schulen 1asd Lehrer getan, aber ihre Kraft tanirte nicht w u Bind es die Kursverhältnisse, welche dit Hilfe «cWcii. Die Geliältcr dcr'LdSSr wmen kn Alk er- 4

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