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Jüdische Rundschau · 1918-08-30 · Heft 35 (30.8.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 272 In k<m:;111|>־cntcr Durchführung tlier.es Systems fordert »!er Parlcirat anj'esichts der bcvorrtchemlen Acnder»!«!; der Staatsuml Landesverfassung: ״) i )ie verfassungsrechtliche A n c r k e 1111U n g 11 e r j i'1 d i s c 11 e n Nationalität als eine öffentlichrechtliche Körperschaft, henifen zur Ausübung der Heulte im Sinne des «lureJi die 11 a t i o 11 a 1 - p e r s 011 a I e A u t o 11 o in i e;garantierten Sclbstbesliminungs- und SelbstverwaUungsrcchts. b) Her jüdiscli-aidononien Gemeinschaft geboren alle als Juden geborene Bürger an, soweit einer nicht laut gesetzlich vorgeschriebencr Form aus der Gemeinschaft ausgetreten ist. 4. ) In den Wirkungskreis der autonomen jüdischen Gemeinschaft fallen neben den konfessionellen Angc* logcnhciten besonders die Angelegenheiten der jüdischen Kultur, wie das E r z i e 111111 g k Sc 11111־ und Volksbi ldhmgs wcs cn , wie auch soziale Wohlfahrt lind die Organisierung der wirtschaftlichen Arbeit. 5. ) Da ׳die obengenannten nationalen Rechte der Judcniicit als verjährt),irc •Forderungen überall da gelten müssen, wo die Juden in Massen wohnen, verlangt der Parteirat im Falle neuer Staatsbild ungen — identisch mit den Forderungen der Juden, die in den im Osten neu gebildeten Randstaaten wohnen — von den in Betracht kommenden Faktoren die Garantie der national-autonomen Rechte. Als letzten Ppnkt der Tagesordnung erstattete der Vizepräsident des Exekutivkomitees, l)r, E, Schino* rak, einen ausführlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit der Exekutive, die durch de» Parteirnt mit Genugtuung zur Kenntnis genoin־ in c n w 11 r d e. Die Versammlung, die einen sehr würdigen Vcr• lauf nahm, dauerte von ,morgens 10 Uhr bis nach Mitternacht. Die Treiinungsfragc der ״Zeüre-Zioa“ Die Tendenz einer Trennung der zionistischen Volks- Iraktion ״Zcire Zio״“ von der allgemein-ziouistisehen Landsmannschaft und der Bildung einer Föderation ״Zci're Zion“ gewinnt innerhalb der Ze'irc Zion immer mehr an Boden und *veranlaßt• auch das Zcntral-Komitee der russischen Zionisten zur Stel* Inugnalune. Auf der letzten Plenarsitzung des zionistischen Zentralkomitees wurde diese Frage eingehend behandelt. Nach dem Referat von A. D. I d e 13 o 11 n über die Organisationsprobleme teilte der Vertreter der ״Zc'i're Zion“ den Beschluß seiner Fraktion mit, prinzipiell darnach zu streben, eine besondere Föderation der Weltorganisation zu werden, und die Beziehungen zum Zentralkomitee der russischen Zio• nisten aufzuheben. Von Fall zu Fall können lokale Sonderabmachungen zwischen den Zcire Zion und den Zionisten stattfinden. Endgültig solle aber über die Frage die bevorstehende Konferenz der Zeirc-Zion- Fraktion he! dilicßen. Gegen «lese Treniiungstendenz der ״Zeirc-Zion“ trat entschieden Alexander Goldstein auf. Die Losreißung der Zcire Zion könnte nach seiner Meinung katastrophal für die Organisation werden. Einerseits würden war eine zionistische Intelligenz ohne Volk hallen, andererseits würden die zionistischen Massen von der Intelligenz künstlich entfernt bleiben. Das Zentralkomitee habe bisher gut daran getan, in dieser Frage neutral zu bleiben, dürfe aber jetzt diese Neutralität nicht mehr beibclialtcn. Innerhalb der Zeirc Zion selbst seien Meinungsverschiedenheiten vorhanden, die viel tiefergehender Natur sind, als die Meinungsverschiedcnlieiten zwischen manchen ״Zcire Zion“ und ׳ den Zionisten. Auf Grund der Erfahrung mit »!eil bisherigen zionistischen Fraktionen die die Landsmuiiusehaft verließen, forderte er die Ze'irc Zion auf, ihre separatistischen Bestrebungen aufzugeben. Mit der Aufnahme lies Sozialismus als Bestandteil ihres Progransms und der LosreilStmg von der zionistischen Landesorganisation würden sic dem Zionismus selbst verloren geben. Rubin st ein, der selbst anfangs ־'׳ den ״Ze'irc Zion“ gehörte und an der Spitze der Petersburger Organisation der Fraktion stand, machte »Idi! Zentralkomitee den Vorwurf, daß seine bisherige Neutralitätspolitik Unheil gestiftet habe und die Treniiungsiendeiiz aufkommeu ließ. Er versicherte,. daß zwischen vielen Zionisten und den meisten ״Ze'irc Zion“ keine prinzipiellen Unterschiede bestehen. Das Zentralkomitce müsse noch jetzt eine breite Organisationst.itigkeit entwickeln, um die wachsende Trennungslenderz zu verhindern. Fiir die ^Befriedigung der dezcntralistischen ßestre- Bungen der Zcire Zion sprachen N a i d i t s C h und M. Klein m a n n. Naiditsc'n meinte, daß das in Petersbürg bestehende Zentralkomitee überhaupt nicht samtliehe Schattierungen der groß gewordenen zionistischen Organisation _um fassen könne. Er verneinte den Zionismu:; der ״Zcire Zion“ und sprach die Vermutung• aus, daß. iar Sozialismus nur ein Widerhall der allgemeinrussischen Stimmung bedeute, daß sie bolschewistisch befangen seien. Trotzdem sprach er sieh für die De- Zentralisierung als _ ein Gebot der Stunde aus. Auslühtiicher vertrat diese Ansicht Klcinmann. Die zentraiistischen Tendenzen des Zentralkomitees würden durch Bürokratismus verwirklicht. Die Abmachungen mit den ״Zcire Zion“ seien von vornherein unberechtigt und schädlich gewesen und hätten die Politisierung der ״Ze'irc Zion“ gefördert. Ihre Losfrennung von der Organisation werde nur ton Nutzen sein, denn sie werde aus der Organisation einen Fremdkörper entfernen. ja:׳; •nx5:י' י; : יי׳ ו־ __ Die Vertreter der ,,Zci'1-f' ׳.“ rt־.:»: '»>!t 2 fc! 1׳r,1i Munl'chik vrrieiutgu.ü «I ׳ .׳'! ־ r rra;ö::::'.. An tier Eiitnteiuingdk:;es Ko:;,.. .kL: :־;.»• b-־.'.׳ ..!e, n.';ue liauptsiiehiieh die Pa׳׳alyii.’R ikr .'.»;•;cmi..»'..־, /-.»!!::•teil um! «las Verlialteii der /ic.ii.;!״:;.־> r. I.Glüiig ri'huld. ״Wi/“, sagfe Rininii/ki, ״k: il..;1;־ r»:■.hf A.divilat, iiiihr Orp.'iiiisalioii.S'i.'rzidim;;׳ mul :iii.kr V0»״.'««'.:׳.׳.>.rI1i;!:;> gefiili'. Wir können daher wit euch nicht mehr zusauiineiigelicn.“ ״An den cinz; :iirn Orte:),“ ragte Muntschi 11, ״erfüllen die ,;Zcire Zion"__che zionistisdic Arbeit, aber hi «Er Ldicr.g ub'.cu ZciVc-Z.on- ■ Fresser. Die nichtziouistisdien f.oziaih.te.n ehid iluu*.n näher als die Sozialisten innerhalb des Zion;:.nur.. Daher ist׳ eine Trennung notwendig.“ Gegen diese Vorwürfe verteidigte dr.o Zentralkomitee A 1 c i n 11 i k o w. Er neigte, daß dar, Zentralkomitee stets die Verbindung mit der Provinz aufrecht 211 erhalten bestrebt war. Die Mitglieder du•; Zentralko.nitees Goklstein, Klebanoff und Kaplan tcien umuitcrbrochcn mif I ,ropa ga!1 da reis en gewesen. Die Zcire Zion seien eia Ausdruck der unzufriedenen Stimmung der zionistischen Jugend. Das Zentrallxunliee habe keinen Grund;;eschen, diese Richtung tu bekämpfen. Die ״demokratische Fraktion“!iahe ebenso wie die ״Ze'irc Zion“ begonnen und jetzt seien einige ihrer Führer ״Minister“ der zionistischen ״Regierung“, So könnte es auch mit den ״Ze'irc Zion“ werden, wenn sic nicht den falschen Schritt der Losrcißtmg machen würden. ״Wo liegen die Unterschiede zwischen den Zionisten und den ״Ze'irc Zion“? Handelt cs eich um die Forderung der Nalioiiallsierung des Bodens in Paliislira, so hat diese Idee viele Anhänger auch innerhalb des zionistischen Zentralkomitees. Handelt ca sich aber 11m Klasseukampf, dann gelten allerdings unsere Wege auseinander.“ Die Plenarsitzung faßte den Beschluß, eine Beratung unter Beteiligung der Vertreter der Zcire Zion einzuberufen zwecke Klärung des Verhältnisses zwischen dem zionisiisdien Zentralkomitee und der zcirc-zionistisehen Volksfraktion. Eine iicdialuz- Do* uiiiin 2 in׳ der llkrr.lae Der Pnlästinanusschuß der ״Zcire Zion“ in der Ukraine entsandte vor kurzem eines ihrer •»Mitglieder, S. K e 16 o h n, in die jüdischen Kolonien des Gouvcmoments Jekaterinoslaw, Cherson und Besrnrabicn, wo die Mitglieder des Hechaluz ihre landwirtschaftliche Ausbildüng erhalten. Nach Abschluß der Sommerarbeiten wird eine Konferenz aller' dieser Arbeiter in der Kolonie Dobroje (Gouvernement Cherson) Etattfindcn, die über die weitere Vorbcrcitungsarbcir beraten wird. Den Chaiuzim, die diesen Sommer landwirtscitaftlich tätig waren, wurde das Recht ruerkannt, als erste, bald nach Abschluß de* Krieges, nach Palästina reisen zu dürfen. Innerhalb des Hechaluz macht 6idt gegenwärtig eine Tendenz bemerkbar, eich nicht bloß auf Land- Wirtschaft zu beschränken, sondern auch Handwerker und Stadtarbeiter-Pionier-Gruppen zu organisieren, ln der Presse wird diese Frage der Bildung der professionellen Vereine des Hechaluz eingehend erörtert. Die Not der jüdischen Füüchuin״« in Rußland Das Jüdische Prcßbtiro in Stockholm berichtet: Die Lage der jüdischen Flüchtlinge in Rußland äst verzweifelt. Wie das Jüdische Komitee für Kriegsopfer in Petrograd mittcilt, befinden eich i»1 verschiedenen Orlen Zentralrußlands 75 Oüß Fluchtli'nge, die infolge des Bürgerkrieges, der Desorganisation «ies ökonomischen Lebens, der Zerrüttung des Transportes und des Fehlens von »Nahrungsmitteln sich in einer völlig hoffnungslosen Lage betinden. Unter den Flüchtlingen graset cren Epideriiicn. Die Minimalsumme, die zum Unterhalt der Flüchtlinge monatlich nötig ist, beläuft sich auf drei Millionen Rubel. Von der Regierung ist keine Unter- Stützung zu erwarten. Aus den »Mitteln der lokalen jüdischen Organisationen kann nur ein Drittel des nölägen Betrages gedeckt werden. Da3 erwähnte jüdische Hilfskomitee appelliert deshalb an die Juden des Auslaudes um schleunige Hilfe. Herr Rosow, der als Vertreter der russischen Zionisten in der Palästinakommission dieser Tage auf dem Wege nach Palästina in Stockholm eingetroffen ist, ist vom Komitee bcauftragt, im Auskuide eine Hilfeaktion zur Rettung der Flüchtlinge zu unternehmen. Judenpogrome in RnSfcs-ä Nach der Tangen Reihe von Pogromen, die die Juden Von seiten der bolschewistischen Truppen zumeist In den Grenzgebieten des gegenwärtigen Rußlands, der Ukraine und den besetzten Gebieten zu erdulden hatten, beginnt jetzt, mit dem Zunahmen der antibolschewistischen ,Bewegung, eine neue Pogromwelle. Die Befürchtung, die die Juden vor der Rache «ler 'Kontra-evolutionären wegen der Tätigkeit einiger Juden in leitenden Stellen der bolschewistischen Partei hatten, 'beginnt sich als begründet zu erweisen. In vielen Städten wurde seitens der weißen Garde eine antisemitische Hetze eingelcilct. In .Moskau wurde ein Mann namens Turbin verhaftet, bei dem ein großer Vorrat 'von antisemitischer und . Pogromliteratur gefundett Wurde. 111 Sisran insz.euicrlut die weißen Gardisten Während ihres Rückzuges einen entsetzlichen Judenpogrom. ׳ Sieben jüd Jsdie Greise wur den aus der Synagoge herausgesdile; ppt und vor den A *u׳jcn des Pöbels in Stücke zerrissen.' In jarociaw c«;r; idea die weißen Gardisten ni i ihren Grimm mif die wenigen jüdischen Boisclicv, ־irrten. Der Vorsit?ende clea Jarosiawer Voilzugeausschu:;sei•', der jüdische Bok che- Nr. 3> wist Sackheis», wurde, wie ״Unser Tageblatt“ mitteilt, auf grur.ain-.te Weise ermordet. •Seine Leiche v.asrtlc auf die Straße geworfen, wo sie einige Tage liegen blich. Um die Lcielu■ versammelten sich die ,Vumaivhi: teil und begannen unter Hinweis auf »Kn!.;»״״!׳nieten eine hct/crisch»־ l’iogroiupropaganda. Die jaden wurden als die einzigen Schuldigen an «lea »MilSc.fiiiuk'ii in Rußland hiugcstellt, indem sie gewaltsam «!••.: Macht .־ui sich gerissen mul das Land dem Feinde verkauft liätteu. Daraufhin wurtle auch der bolsdiewir,tische Kreiskommissar, «ler Jude Nachemsohn, auf barbarische Weise ermordet. Einem Tunkspruch «Ie9 Svens ka Telegram• byran aus Petersburg zufolge, ergriff die bolsdiewistischc Regierung Maßregeln gegen die Ausd e 1111 u 11 g der a 111 i s e mi t i s c 111׳ n B e w e g ti n g. Der Rat «ler Volkskouiniissjonüre hat in dieser Frage eine Proklamation veröffentlicht, die folgendermaßen lautet: ״Nach beim Rat der Volkskommissare eilige lat»■ feilen Informationen wird in vielen Städten eine Hetze zur Anstiftung von Pogromen entfaltet, die in mehreren Städten bereits zu Exzessen gegen die jüdische Be- Volkerung geführt hat. Auf diese Weise hat die gegenrevolutionäre Bourgeoisie die den Händen de* Zaren entfallene Waffe wieder atifgenommen. Allein in der Föderativen Russisclten Sowjetrepublik, in der da» Recht der arbeitenden Massen aller Völker, frei über sich selbst zu bestimmen, proklamiert worden ist, kann es keinen Raunt für nationale Unterdrückung gehen. Der Rat der Volkskommissare fordert daher alle Sourjets auf, energische Maßnahmen ztt treffen, um «ße antisemitische Hetze aus/urotten. Die• Personen, die eler Mitwirkung an dieser Propaganda oder der Betciligung an Progromen überführt werden, werden außerhalb des Gesetzes gestellt". Innerhalb ,des Judentums aber setzt die bolschewistischc "Regierung und ihr jüdisches Kommissariat ihr rigoroses Vorgehen fort. Das jüdische Kommissariat beschloß, den Boykott seitens «ier jüdischen Gesellschäften und Institutionen dadurch zu brechen, daß man «len Banken verbot, denjenigen jüdischen An* staltcn Geld auszuzahlen, die nicht im Kommissariat registriert sind. Als die zionistische Tageszeitung ״Unser Tageblatt" sich erlaubte, in einem Berieht über die Sitzungen des letzten Rätekongresse• die Bauemteilnclimer als Unwissende zu erklären, die politisch passiv 6eic!t und nur für ״konkrete“ Dinge wie Kühe, Brot de. Interesse haben, und als der Berichterstatter noch hinzufügte, daß die Delegierten Bauern waren, ״nicht jene Bauen! «lie sich Maikin und 'Kamkow-Katz nennen“, und daß kein einziger Jude unter diesen Delegierten zu finden war, verordneten die bolschewistischen Behörden, diese gegenwärtig einzige jüdische Tageszeitung für immereinz u $ t c 11 c n. Diese rigorose Politik der Regierung von heute und die unabsehbare Gefahr von seiten «ler Regierung von morgen ist tiie Klemme, in die da« russische Judentum cingezwängt ist. Zur rumänischen Judenfrage Angesichts der komplizierten und umfangreichen Be- Stimmungen des vor kurzem von der rumänischen Kammer angenommenen Gesetzes bezüglich «ier Emanzipation der rumänischen Juden und «1er nun schon seit vier Jahrzehnten in allen europäischen Zentren gepf'.ogenen ausgedehnten und langwierigen diplomatischen Verhandlungen und Bemühungen zur Befreiung »!er rumänischen Juden vom joche der Uu:«rdrückung und Verfolgung gewinnt ein Aufsatz im Julilicft des ״Juden" besonderes Interesse. In diesem Aufsatz von A m i t a i, der ״D i c rumänische J ud en״f rag e" betitelt ist, heißt cs unter anderem: ״Es gibt wenig«: krassere und eindrucksvollere Beispiele der verantwortungslosen, schlechthin unsittlichen Art der heutigen europäischen Politik, menschliehe Dinge zu betrachten und zu behandeln, als die sogen an ite rumänische Jmlen״fragc". Seit einigen Jahrzehnten intercssicrt diese ״Frage" die öffentliche Meinung Europas; europäische Konferenzen haben s ch mit ihr bcschaftigt, Paragraphen zu ihrer Lösung wurden formuliert, unzählige Aufsätze über sie geschrieben; von allen Gesichtspunkten aus wurde sie betrachtet, in all ihren Aspekten untersucht, diplomatische Noten wurden ihr.t• wegen gewechselt, so manche politischen Erklärungen abgegeben, kurzum: der ganze Apparat der politischen Methode des modernen Europas wurde in dieser Frage in Bewegung gesetzt, und «las hatte zur Folge, daß wir uns alle tlaran gewöhn} haben, in ihr wirklich eine ״Frage" zu sehen, kompliziert, in tausend Relationen eingestellt, problematisch wie mir je eine Frage. Bis man schließlich in all dem Dunst politischer Gesichtspunkte und Standpunkte, in dem sie schwebt, Wieder einmal sich die faktischen Gegebenheiten, die .schlichten, einfachen Tatsachen vor Augen hält, die der ״Frage" zugrunde liegen, und mit innerem Entsetzen erkennt (was man wohl schon wußte, aber in der politischen Auffassung der Frage ganz vergaß): Was mau die rumänische Juden,,frage" nennt, ist nichts anderes als dies, daß 250 000 Menschen, 250000 Juden seit vielen Jahrzehnten brutalisiert, unterdrückt, verfolgt, an Leib und Leben geschädigt, in ihren elcnientarsten Daseinsberechtigungen vergewaltigt werden, , und daß seit mehreren Jahrzehnten ununterbrochen und immerzu an 250000 Menschen, an 250 000 Juden Verbrechen der schlimmsten Art begangen werden; Verbrechen, die, wenn ein Einzelner sie' an einem anderen begeht, mit Zuchthaus oder mit dem Tode bestraft zu werden pflegen. 250000 Menschen, Mer»- schert gleich allen, mit menschlichen Seelen und Hirr.ea

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