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Jüdische Rundschau · 1918-06-21 · Heft 25 (21.6.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 25 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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berg nicht um Erleichterungen handelt, sondern um den Ucbersei/ungszwang überhaupt. Wir fordern cntr.chicden, daß die Lauberger Prcsxezensur nicht paphiieher als der Papst ist. Wenn die Wiener Zensur, und übrigens auch in Galizien die Krakauer, zu einem jüdisdu-n Zensor Vertrauen hat, so mag auch die Lomber,;er Polizei einem Juden vertrauen. Wem! der bi •hörige jüdische Zensor gestorben ist, so dürfte sich in Lemberg noch du anderer Jude finden, der jklisch lesen kann und gleichzeitig das Vertrauen der Behörden besitzt. Graf Toggenlmrg hat inzwischen demissioniert. Es wird daher die Aufgabe unserer Wiener Eührer und Freunde sein, beim neuen Minister des Innern noch einmal zu intervenieren und nicht eher z.u ruhen, bis die schändliche Ucbcrsct/ungspraxis vollkommen abgcschafft sein wird. Die Existenz einer Tageszeitung ist bei solchen Zcnsurhemmiiisrcii schlwlitcrdiiigs uumöglieh und eine Abhilfe ist dringend notwendig.“ Polemik oder Selbstbesinnung? Da ich cs weder für möglich noch für zweckmäßig halle, auf die vielfachen polemischen Acußcnmgcii gegenüber dem von mir eingenommenen Standpunkt in der 'gleichen Weise eiuzugehen, will ich — ohne midi gegen Mißverständnisse und selbst gegen Vcrdächtigiingcn zur Wehr zu setzen — von Fall zu Fall •di'cjenigea Gesichtspunkte herausgreifen, deren begriffliche Klarstellung mir für die Sicherung des Friedens in der Bewegung unerläßlich scheint. Für die Leser der Jüdischcn Rundschau kann ich mich hierbei überdies mir auf jene Dinge beschränken, welche Robert Welt sch herausgfgriifcn hat.*) Ans der gleichen bedauerlichen polemischen Grundeinstelmng heraus wie G o 1 d 111 a 1111 mul Beruf e 1 d hat auch Weltsch sich als irgendwie ״angegriffen“ gefühlt und geglaubt, die idealistische Weltaiisclumug und Geschiclitsautlassimg gegen mich ״verteidigen“ zu miisscn. Aber abgesehen davon, daß mir nichts ferner liegt als die mir zugcschobcnc materialistische Geschichtsauifassung, kommt es auch gar nicht auf diese Frage, sondern vielmehr auf ihre Vorfrage an. Für Weltsch ist es eine Selbstverständlichkeit, daß, der Zionismus zu einer bestimmten Weltanschauung oder Geseliiclitsauffassung verpflichte, ich bin grundsätzlich anderer Meinung und mir dieses Grundsätzliche ist der öffentlichen Debatte wert, nicht die sekundäre Frage, Welche Art Weltanschauung evtl, in Frage käme, Die widerspruchsvolle Betrachtungsweise geht auf den 111. Kongreß zurück,' an welchem Bubcr bereits erklärte: ״Der Zionismus ist eine Weltanschauung.“ Nun scheint mir, daß der Zionismus zunächst nichts anderes war als die nationale Wiedergeburt unseres Volkes, als die Renaissance der nationalen Idee, welche die Vorstellung von der Notwendigkeit des bluts- und sprachmäßigen Zusammenschlusses der Menschen auf mög- Hellst territorialer Grundlage darstellt. Will man das als eine Weltanschauung bezeichnen, so kann mau damit nur eine Abgrenzung etwa gegen eine antinationale Weltanschauung, wie die kosmopolitische, anarchistische, individualistische im Sinne haben. Aber mit der Frage, ob der Geist oder die Materie stärker wirkende Ur- Sachen der Geschichte bilden oder ob man die Hcgemonie des einen oder des anderen wünscht, hat das ebensowenig zu tun wie mit der Frage nach der sittliehen Wcltordming und der Existenz Gottes. Die nationale Idee ist keine geistige S t r ö - m u 11 g, sondern 11 ö c 11 s t c 11 s eine Summe von solchen und kann aus den verschiedensten (materialistidien, uka'isiPchen, ökonomischen, rozio'ogisdicn, in- *) Vgl. Jüdische Rundschau Nr. 22 vom 31. Mai. ..w■.—■■ .,■■»■■■ווU1.M1■.■■■ ■וי u ■ -'"■■■ 1 H ״ AliDSvcrus lind Christus linier den kleinen Nationen, die vor dem Krieg ziemlich uiibeaehid waren mul deren Recht auf Leben und Selbstbestimmung jetzt von der einen oder andern Mächtegruppe — dem politischen Interesse entsprechend — geilend gemacht wird, nimmt das v 1 ä in i > sehe Volk Belgiens einen besonderen Rang ein. Es ist eine sehr erfreuliche Begleiterscheinung der an sich nicht immer ganz lauteren Anwaltschaft migeilciitdcr Art, daß auch dem kiiltureSk'ii und literarischen Schaffen dieses Volkes in Deutschland mm Aufmerksamkeit geschenkt wird; während vor dem fast nur De Coster bekannt war, hat in letzter Zcil besonders der Insel- Verl ag sich durch Herausgabe einer ganzen Reihe von Ucbcrsclzinigen vlämisdier Dichtungen ein wirkliches Verdienst erworben. Unter den Büchern, die auf diese Weise dem deutschen Leserkreis bekannt wurden, bc* findet sich auch eine Dichtung vom Ewigen Juden.‘) Hat dieser Dichter das jüdische Volk gekannt? Ist sein Blick bis in die Tiefen der jüdischen Seele gedrungen und hat geschaut, was dort vorgeht, das Ringen und loben, den Schmerz, die Leidenschaft, die heiße Sehnsucht, all dies Feuer, das wie in einem verschlossenen Vulkan sich verzehrt und ausbrechcn will — hat er das Pathos dieser Seele in einer dichterischen Höhestunde erfühlt und zum Kunstwerk gestaltet? Wie dem auch sei: wir empfinden bei diesem Buch mehr als den künstlerischen Genuß der Darstellung mcnschlieber Tragik, menschlicher Lust und Leides, wir wissen — und beben — : das ist wirklich der ewige Jude, hier brennt die jüdische Seele wie der Dornhusch, der am Anfang ihrer Geschichte war, und wird nicht verzehrt. *) August Vermcgleu, Der ewige Jude. Aus dem Vlümischeii übertragen von Anton Kippcnbcrg. Lcipzig, Insel-Verlag 1917. ' I■■ Ü e v /c,,. cii ■ f.iü! mit ,{ einer E'äorEriscn Rb e ja a 11 ei!, wenn cs z. B. ü; a te r i a 11 :׳, i 1, r. ehe r Ci e 1;״! ai 11 c 11 d c n Sozia liüeiner WcUniacimuing zu vermir für eine Umformung der!, mit welcher /.ich weile Kreist: ' 11 erklären dürften. Ich vreil dr.mit aus den! 1:׳.!;g eine Kumpf;:reiia 1!h1 1; e.vcnulmsm, d. ־irr. (elU'.f iidien oder irre:׳ ,ad Insbesondere rar v : > , 1׳״* vielleicht als Fol;;a •ri::•; uersekeu Sinne, zu .'■>״״ ־;. c n i cl > ta 11 f i :ar u a:' 1 :.־.׳C111 tut: in solchem Fhmc ganzer Seele׳ in de 1! i-!heilen, vermag m n 11 11 m 1! c!1 a 11 i r e i 1: schieb t •: a u f f a s s 1111׳; u! 11 s g e h t. DC11 Zionismus mit knüpfen, halte ich nicht ursprünglichen Iiiicntiouci: des Zionismus kaum einver,;an sehe auch eine Gefahr d.iri; genieinsameii Arhd‘v1fchl uot\ werden muß. Weltaiisdiauau: fragen und die.'.e von den 1־eli;;i<':.cu durch das Wort getrennt. Auf diesem und,wird cs. niemaia Ucberciiuhimiiumg stets für Gedanken und Glaube״. völlige Diese war nur mü;,;1ici: in einem Zio; ursprünglich gedacht war: als nationaler Rahmen, innerhalb ,dessen die׳ verschiedenen gc’higen Slröm!1:1,gell sich zur gemeinsame׳:! Arbeit an der nationalen Zulamft zusammenfindeii soiUcn, Daß der Zionismus so gemeint war, niggen folgende rasch aufgegriffene Belege zeigen, die meine Anschauung nicht begründen, sondern mir präzisieren sollen: Th. Herzi: ״Sollte unter der KultuiTrage Beziehung• des Zionismus oder des Kongresses zu Bckeuntuisfragen zu •verstehen sein, so kann ich wiederholen ..., daß die zionistische ''.,:wegung von einer Einmengung in das Beiteniiliii־׳., in die sütiedenen Formen des bei den Judwi üblichen kenntnisscs vollkommen fern hält, daß wir cs tj um.׳;; u ' Gebiete muB cs aber Freiheit;:eben.;;!;1111;׳.;, wie er Kann u die den nur sich verlknicht für unsere Aufgabe halten, liier religiöse Diskussionen zu führen.“ — ״Wir glauben nicht, daß cs zur Kräftigung unserer Bewegung beiiragen kann, wenn wir solche McinimgsvcrsehiaiciihcÜcn, wie sie gerade auf diesem Feld so natürlich sind, in unsere Bewegung hinciiiiragci! lassen,“ — ״Wir sind Juden, wir sind national gesinnte Juden, wir haben ein Gemeinschaft• liclies Terrain, auf dein wir arbeiten können, sollen und wollen“ (Ili, Kongreß). Und im Judenstaat: ״Wir Wollen drüben jeden nach seiner l׳'as;׳■oll selig werden lassen und vor allem unsere leneren Freidenker, unser unsterbliches Heer, das für die Menschheit immer neue Gebiete erobert,“ lei! führe grade I Icrzl hia11.־. ׳, well insbesondere Weltsch immer auf ihn zurückkoimiit, wenn er das unerhört Neue mul im jüdischen Volke noch nie Dagewesene der Zionismus beweisen will Js, seinen Artikel gegen Meier llcuiscli in Nr. 23 d. Jüdischen Zeitung.). ״Der Zionismus, wenn wir ihn recht verstehen, war cs doch, der darauf a;1;:ging, eine Basis für alle nationalen Güter zu sdiai/en. Das war eben das Neue;111 ihm, daß er sich nicht den vorigen geistigen Strömungen aureihen wollte“ (1J e rd yc z« ws k i). A c 11 a d I I;1 ,״) 111 וWorte der. Friedens“): ״ . , , ich legte ein schriftliches Memorandum Vor, in dem ich eine bestimmte Anschauung *über die für die Zionsliebc erforderliche sittliche und erzieherische Vorarbeit auscmnndersctzto, eine Anschauung, die sich in der Hauptsache auf die absolute' Toleranz in religiösen und wissenschaftlichen Anschauungen gründet, die in de! Zionsliebc nur ein allgemeines nationale:; Panier erblickt, das weder den Eifer im Namen des Glauben« noch den Wettstreit im Namen des Wissens, sondern ausschließlich eine gemeinsame Arbeit von Brüdern im Ahnsverus war ein •Schuster und lebte zur Zi Christi in Jerusalem. Ein ״strammer, hodigcwacli.-icn Kerl von eim׳n1 Juden, mit fmndilge.n Gra'rirt und e paar hellen, k! eben Augen in denen ehe!■'lamme cafl Fr stellt mit beiden l־'m'k1;״ auf der Erde; •aber . ist nicht glücklich, etwas ist in ihm, dr.s ihm kei! Ruhe ließ. Er lebt einsam und grübelt über den Sii der. Well, den er in dem unerträguds eintönigen, j; meinen Treibe« der Mamäum in ihre:!! sich; sich wi derholenden Alltag nicht finden kann. Da hört « voll verächtlicher Skepsis., von dem Auftreten tl:3׳ ce sameu Nazarener:׳., dann horcht er auf: cs ist ein gekommen, der das Unterste zu oberat kehren v/i in dem cs brennt wie in ihm, der€3 ׳ nicht aushnli kann. Und als er Ihn eiimv.l׳ geerim l:nt, Hißt er il nicht mehr los, Er verträumt und veriiräiG die dura fen Tage in seinem Keller und wartet auf das Zeit־!!• zmn Aufbruch. O, die Welt wird einen 1;e!.:an Sh bekommen, er will känipt'cn mit* ce!:;c;1 CrÜ:U:*!1 f die Erneuerung, er wird i.'ämpicnd imtergclm mul v< her die Lust zu leben :׳;ca:;::et irccu. ' Ur.d in d Erregung seines Ficbcrlraun:!;: hört er Er.״׳; Ifcrcnbram. der Revolution, er packt sei» M: Nazarener; in wilder Et.cicce rem Straßen und sucht den, der dxi und findet die tobende Menge Kaiphas — haben sie il.״? Wirt betrüger, der satte Piiaricccc, g־c|־ auf und erstarrt, je:.;.־;; ccl״:h'i; Binden hin. Und sri.r״!; vr: Jünger, ־das Volk fordert;'..1 ׳ die alte falsche Weil:!1;.״ aber ist verzweifelt, Ci״׳״־• E Er hat nicht vermocht, .0 kämpfend gegen eine Wirt; lichkeit der Welt .ו ״:׳;;,..;:-: Wirklichkeit dieser Weih '״ will er siegen , . . iw.d;״: :-־.:.er, jn, das ist ־ ״ . :,.ver dren Sch׳,׳,־c:t voranir, vor dem Haus 1 . Kr.!;!..־:, der Voi n6׳;t? — Er cdi *1 1«-י׳!« •׳ i O j iv»!< v.tji ,£ . ihn c0 freue., ׳1; . 1, m Minien Zion:; «ml Israels fordert.“ — ״der Friede kann sich nicht auf die Gemeinsamkeit der Ar! schaumigen gründen — ein Ziel, das stets uncrrtidi'״ *• bleiben wird — sondern nur auf jene heilige Tigcmj der Toleranz in Sachen des Glaubens und Wis die die bc teil Glieder eines Volkes zu der gemeinsnaj^ Volksarbeit ziisammni'.'.rhließt .... ohne vomäiwirg, als ■unerlässliche Vorbedingung für die Kon/.e11t1,1:j״jj der Kräfte Ojifer intellektueller oder sittlicher zu verlangen in Dingen, die nur Siche des Hcr/ay und der innerhen .Scelcnrcguiigen sind". Erneute Bedeutung gewinnt schließlich sein Sah: ״Ich erkannte zu meinem Schmerze, daß die schönt:;! Tage der Toleranz für immer vorbei sind, daß 1״a;. nunmehr jeden, der sieh den Zionsfreunden ansdiiic■! ßcn will, zuerst einem Kreuzverhör unterwirft umi ihra einen regelrechten Katechismus vorlegt . . Auch mir scheint es, daß solche Katechismen um! Gcwir.sciiüfragen heute in mancherlei Köpfen spuken, Von der Auffassung״, welche für den Zionismus cino bestimmte Wcltansdiauiing monopolisiert und amJcrc in seinem Namen mit dem Bann belegt, ist es nur via Schritt bis zu jener ״Diktatur“ des Geistes, welche zum in toleranten Gewissenszwang־ führt. Das man nach 20 jährigen! Kongreßziomsmus sich über solche theoretische .Grundfragen noch so gegensütziieh gegemibersiehen kann, beweist wohl am besten die Notwendigkeit einer Selbstbesinnung■ und kritischen Revision der zionistischen Ideologie. Es wäre bedauerlieh, wenn das von der Person des Verfassers völlig׳ losgelöste Wertvolle der Fragestellung, nämlich der ״Aufruf zur Kritik“, in den Wogen einer Polemik erstickt werden würde. Es soll Niemandem das Recht benommen werden, den Zionismus so zu interpretieren wie Weltsch. Aber cs muß demgegenüber ausgesprochen werden, daß weite zionistische Kreise, die man nickt so leichthin als eben ״nicht zionistisch“ abtun kann, den Zionismus ganz anders auffassen. Und wollte man im Sinne Wcltschs etwa eine Kongreßabstimnmng herbeiführen, und die ״zionistische Welt Anschauung“ zu formulieren, so dürfte das der letzte ..Kongreß gewesen sein. Heinrich Margulics, Zmn Verbot der hebräischen und jidisciicn Sprache 111 den zwischen der deutschen und russischen Regiening getroffene« Vereinbarungen bezüglich der Wiederaufnahme des Briefvcrkeiirs sind die Sprachen aiifgeriililt, in denen die Korrespondenz zwischen der Bevölkerung Deutschlands und Rußlands erlaubt ist. Es muß großes Befremden erregen, daß unter der ansehnlichen Zahl der als erlaubt anerkannten Sprachen die jidischc und hebräische Sprache fehlen. Diese einem Verbot des Jidisciicn und Hebräischen als Korrespomienzsprachen gleichkommcndc Uebcrgehung nimmt um so mehr Wunder, als es doch als bekannte Tatsache gelten dürfte, daß die zwischen Rußland und Deutschland be.Tehcmlo Privatkorrespondcnz zu einem großen Teile von solchen in Deutschland sich aufhaltenden jüdischen Bürgern Rußlands mit ihren Verwandten in Rußland geführt wird, für die die jidischc Sprache die einzige ist, die sic vollkommen in Wort und Schrift beherrschen. Die zwischen Rußland und Deutschland getroffenen Vereinbarungen kommen für die russisch-jüdischen Ausländer Deutschlands und ihre in Rußland wohnenden Angehörigen einer schweren Beeinträchtigung ihres schriftlichen Verkehrs miteinander gleich. Zu weichen Absonderlichkeiten diese Bestimniungcn führen können, zeigt die Tatsache, daß cs Gang an ihm vorbeigeht und ihn aubliekt, da fühlt cs Ahasver auf wallen: ״Da ist der Wotlgnukter, der sei* neu Trntuu nicht tragen konnte, der Verräter, der meinen Traum gemordet hat, nun bleibe uh allein, -- ich — allein . . aber: ״Ich werde nicht zerbrechen.“ Und doch dieser Blick, der zu sagen schien: ״Du, der mein ׳Bruder bist, hilf . . .“ Und die ganze Passion muß Ahasver miileiden; aber er muß weiter leben und irrca und wandern. Und Ahasver wandert durch die Lande und durch die Jahrhunderte. 1111 Dunkel des Waldes, im Rausehen des Wassers, in der lebenden Natur und in der Abgeschiedenheit lernt er die Grauen der Hölle und die Seligkeit des Himmels. Er bleibt fest und ־zerbricht nicht; er ist Sieger in der lüsternen Umarmung des schönen Meerweibes, das ihn zur Holle zieht, und cf flicht aus der Klause des Eremiten, der ihn die Engelsharmonien eines göttlichen Jenseits hören lehrt — fort, fort aus all dem Spuk, in die Mcnschenwelt, zu den arbeitenden, leidenden, liebenden Menschen. Ahasver kommt zu den Mensdjcn . . . und er geht zu ewig neuem Lebenskampf aus, er wird leben . Diese vier Kapitel sind wie die vier Sätze einer Symphonie, und auch die bebende, packende Sprache liebt ins Reich musikalischen Erlebens, voll zartester . Entfaltung melodischer Poesie, in der Bewegtheit 11!״• reißender rhythmischer Gestaltung. Der heroische ß«- ruf des ׳unsterblichen Volkes, das sein Werk auf Erde״ bereiten will und von Himmel zu Hölle gejagt,- verzweiieit und wahnsinnig und zweifelnd und hoffend, sein Ziel nicht läßt und seine Kraft zwingt. Und schließlich doch wieder sein Leben vertrauensvoll auf• bauend, in Gemeinschaft der Menschen, zu leben aus• geht Es scheint mir, daß in der Symbolik dieser Ahasver-Dichtung eine sehr liefe Wahrheit auch über das Vaitäiüiis des Juden zu Christus ausgesprochen ist. Warum der Jude den Christus, der sein Bruder War und seine Idee tragen wollte, doch nicht als Erlöser,

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