Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktionssdiluö Dienstag . -. ...׳׳<! ׳■«״ו!.«.!■!.ו h■w»׳ui — ,״*- ־׳«.«-—-*י»“»*■. 567S פ!au ג:: 1» The! g XXlIl.jalir׳ ״Wir erhalten Ihre Zeitschrift nur unregelmäßig“ ,0 schreiben uns manchmal Abonnenten, Eine derartige unpünktliche und unregelmäßige Zustellung unseres Blattes verursachen aber nicht wir, neadern allein die Postl Darum wolle man sich stetsbe! Ausbleibern eiaer Nummer «n den Briefträger oder das zuotandige Postamt wenden und energisch Abhilfe verlangen. ,»Der Zionismus er: die Schaffung eines* CK Heiinii.äiie in Fei.’U^na :■bi iZ,' 5ר«ז!:,Z:;:d:e V0U3 iZch-rcchiZch £csid»crica Lacelcj• IVodraina». Zum Bukarester Frie«.;cnsveilrsg Zur Eröffnung des rumänischen Parlaments Am 18. Juni fand in Jassy die feierliche Er■ Öffnung des neuen rumänischen Parlaments statt. In seiner Thronrede spracli der rumänische König von ״tiefgreifenden Verbesserungen, mehr moralischcr als administrativer Natur“, die beim Wiederaufbau des rumänischen Staates erforderlich seien, und nannte ais die Krönung des Werkes der j׳uniänisclien Erneuerung die ״Festsetzung der Punkte der rumänischen Verfassung, die abgeändert werden müssen“. Wenn der rumänische König cs auch nicht ausdrücklich ausführte, so besteht doch kein Zweifel, daß unter diesen grundlegenden Acnderuugen und Verbesserungen auch diejenigen Maßnahmen verstanden werden müssen, die das rumanische Parlament ergreifen wird, um der rechtlosen Lage der rumänischen Juden endlich ein Ende zu machen und ihnen die Rechte zu gewähren, die sie zur Erhaltung ihrer nationalen Eigenart und zum ßfsivn '•iticr machtvollen Entfaltung aller produktiven Kräfte des Landes unbedingt brauchen. Damit ist die Lösung der rumänischen Judenfrage in ein neues entscheidendes Stadium getreten. Noch einmal ist die letzte Entscheidung über das Schicksal der rumänischen Juden in die Hand der Rumänen selbst gelegt. Von der* politischen Einsicht der rumänischen Volksvertreter wird es abhängen, ob Rumänien den Makel seiner bisherigen Judenbthandhmg aus eigenem Willen auszulöschen bereit sein wird. An Ansätzen und Versuchen zur Tilgung dieses Schandflecks hat es ja auch in der Vergangenheit nicht vollkommen gefehlt. Freilich sind all diese Ansätze ׳und Versuche bisher an den reaktionären und judenfeindlichen Strönuingen in diesem Lande kläglich gescheitert. ־ Es wird sich nunmehr erweisen müssen, ob der bessere Teil der rumänischen Volksvertretung genug Kraft und Entschlossenheit besitzen wird, um die dunklen Mächte der Bedrückung und des Antisemitismus, die bisher die Judenemanzipation liintcrtrieben, zu besiegen. Mit Spannung blickt die gesamte jüdische und nichtjüdischc Oeifcntlichkcit auf die Verhandlungen des eröffueten Jassycr Parlaments. Wird die ru* manische Volksvertretung die Verantwortung der Stunde begreifen, in der sie über das Wohl und •Wehc ihrer jüdischen Mitbürger zu entscheiden hat, der einzigen Juden der Welt, denen!noch immer die bürgerliche Gleichberechtigung vorent* halten ist? Wird das rumänische Parlament verstehen, daß eine uneingeschränkte, nichtvcrklausulierte Emanzipation der rumänischen Juden auch dem eigenen wohlverstandenen Interesse entspricht? Und wird es ihm vor allem klar sein, daß cs ,unmöglich sein wird, die Juden Bcssarabicns, die seit mehr als Jahresfrist die volle bürgerliche!und nationale Freiheit genießen, wieder in den Zustand der Rechtlosigkeit und Unterdrükfcung zurückzustoßen? Noch einmal liegt die Entscheidung bei der rumänischen Regierung und Volksvertretung selbst. Es wird sidi zeigen müssen, ob der von rumänischen Politikern häufig vertretene Standpunkt, daß die rumänische Judenfrage ,eine Angelegenheit der inneren Politik des Landes sei •und daß bei einer freien Entscheidung über diese Frage die völlige Emanzipation der Juden als gesichert gelten kam!, zu Recht bestellt und nicht bloß eine beschönigende!Ausrede war, mit der man die Lösung der rumänischen Judenfrage immer wieder hinausschicben äi können glaubte. Die ,halbamtliche ״Norddeutsche Allgemeine Z e i t u n g“ schreibt in einem Artikel ״Völkerbefreier:״ ״Der Artikel 44 dos Berliner Vertrages vom Jahre 1678 der die Unterschrift des Fürsten Bismarck trägt, wird nunmehr eine Wahrheit werden. Der bczcichnete Artikel brachte der Gesamtheit der Bevölkerung Rutn.änicns ■01111c Unterschied der Konfession die politische und rechtliche Gleichstellung in jeder Beziehung. Diese Gleichheit ist leider niemals zur Durchführung gelangt, und insbesondere die Juden in Rumänien haben niemals die politischen Bürgerrechte erlangt. Sic wurden wirtschaftlich überdies schwer benachteiligt, und auch ihr Schulwesen wurde bedauerlicherweise in enge Fesseln geschlagen. Jetzt, wo es Deutschland und den Mittelniäehten möglich ist, auf die Durchführung des Artikels bt des Berliner Vertrages zu dringen, ist dies nicht versäumt worden. Deutschland wird darauf h alten, daß die Bestimmungen des Artikel in vollem Umfange zur Du rchf üh ru ng.gelange«. Ein Vertrag, der Deutschlands Unterschrift trägt, soll nicht ein toter Buchstabe sein, und jede Ent- Wicklung, der wir damit die Wege ebnen, wird nicht allein ein Segen für die rumänischen Juden sein, sondern zugleich für den rumänischen Staat, der innere aufreizentle Kämpfe somit beendigt und Bcvölkerungsschichtcn für die Mitarbeit am Wiederaufbau des Staates gewinnt, die sich als Soldaten ita Dienste des rumänischen Staates bewährt haben, obgleich dieser Staat ihnen ein gütiges Vaterland, das sie mit ihrem Blute verteidigten, nicht gewesen ist.“ Der Stockholmer ״S o c i a 1 d c m o k r a t“ widmet der osti uropäischeu Judenfrage eine Artikelserie. Der zweite Aufsatz in dieser Serie, der die vielsagende Ueberschrift ״Ff hi Paradies der Re ak t ionii re“'trägt, befaßt sielt mit der Judenfrage in Rumänien. Der Artikel schildort diu Judengcsclzgcbung Rumäniens in den letzten Jahrzehnten und stellt eine schwere Anklage gegen die Judenpolitik der rumänischen. Regierung seit dem Berliuer Vertrage dar; im zweiten Teile werden die Bcstim* numgen des Bukarester Friedens betreffs der Judenfrage behandelt. 1111״ Bukarester Vertrag wurde“, heißt es ,in dem Artikel, ״die alte Phrase wiederholt, daß der Unterschied des Glaubens keinen .Grund für den Ausschluß von den Bürgerrechten abgeben dürfe. Aber der rumänische Standpunkt, der die eingeborene jüdische Bevölkerung ais F r e m d l i 11 g c ansieht, wurde vollständig akzeptiert.“ ״Socialdcmokratcn“ weist nach, daß die bekannten Bedingungen, die au die Erwerbung der Bürgerrechte geknüpft werden, die tatsächliche Vereitelung der jüdischen Gleichberechtigung in Rumänien bedeuten, sodaß die Bestimmungen des Bukarester Friedens betreffs der Juden nur bezwecken, ״Europa Sand in die Augen zu streuen.“ Der Artikel endet mit einem Appell ״zur Befreiung der letzten Sklaven Europas.“ Der Londoner ״J e w i s h C11 r o n i c 1 e“ schreibt: ״Wir erwähnten kurz, daß der Friedensvertrag, zwisclieu Rumänien und den Zentralmächten die Erteilung von bürgerlichen und politischen Rechten an die Juden Vorsicht. Wir hätten lieber gesehen, daß dieser Akt• verspäteter Gerechtigkeit in dem allgemeinen Friedensvertrag, der eines Tages unterzeichnet werden wird, festgelegt worden wäre, und nicht in einem von Deutsch• l.'md und seinen Bundesgenossen erzwungenen. Was aber auch im Falle einer Revision durch die Mächte im allgemeinen geändert werden mag, das Bürgerrecht der Juden wird wahrscheinlich nicht gestrichen werden, und jedenfalls ist cs gut, daß Deutschland, das früher die Bestrebungen für die Ausübung eines' Druckes auf Runiiuiieu zum Zwecke einer Verbesserung der Lage der Juden entmutigte, sich jetzt veranlaßt gesehen hat, eine andere Haltung, einnehmen, von deren Konsequenzen cs sieh nicht lossagen kann. 111 diesem Augenblick scheint das Schicksal von Bcssara bien mit seiner großen jüdischen Bevölkerung noch unentschieden zu sein. Aber es ist klar, daß der Anschluß dieses Landes an Rumänien die Judenfrage dort zu einer noch dringlicheren und alle halben Maßnahmen zu einer ,unbedingten Unmöglichkeit machen muß. Wir hegen indessen keinen Zweifel, daß das Endergebnis die Aufhebung der letzten von den lcgaleu Beschränkungen sein wird, die die europäische Judeulieit belästigt haben, und daß 'der Kampf für Freiheit und für Respektierung von Verträgen, an dem Rumänien einen so ruhmvollen Anteil genommen hat, dem neuen Vertrage ein besseres Schicksal sichern wird als das, was dem Berliner ■Vertrage, der jetzt bloß eine historische Erinnerung kt, zuteil wurde.“ ׳ in der ״Neuen Züricher Zeitung“ vom 13. Juni richtet der Zionist Dr. A. Braunstein (Mibasdian) an leitender Stelle einen ausführlichen ״Offenen Brief am die rumänische Regierung und das rumän is ehe Parlament“. Braunstein, der selbst rumänischer Bürger ist, appelliert an das Gewissen und die Ehre des rumänischen Volkes, den Juden Rumänien# endlich die Gleichberechtigung zu gewähren. Er betont, daß in 'dem Augenblick, in dem europäische Großmächte den Juden das Recht zur Bildung eines eigenen Staate# in Palästina feierlich zuerkannt und die Erfüllung diese# Wunsches mit allen Mitteln zu unterstützen versprochen haben, cs unmöglich sein wird, daß eine Regierung den Juden ihres Landes die primitivsten Menschenrechte vorenthält. Zur Lember״er ״Volkszählung“ Aus Wien wird unter dem 11. Juni gemeldet: ״Die Vertreter des ״Jüdischen Nationalereins“ und der Zionistischen Organisation, Robert Stricker und Adolf Stand, haben beim Ministcr des Innern Grafen Toggcnburg vorgesprochen und gegen die Art der neuesten Bevölkernngszäh I u 11 g i n Ga 1 i zicn, insbesondere in Lemberg, sowie die Behandlung der in jidischer Sprache erscheinen; den Organe in Gali/icn Protest erhoben, ln der Aus• Schreibung der Konskription in Lemberg wurde die Angäbe der jüdischen Umgangssprache mit Geld- und Arreststrafc bedroht. Die Jüdisc.inationa'en verwahrten sich gegen diesen unsittlichen Zwang und protestierte» schon jetzt dagegen, daß auf Grund so erzäcltcr falscher Ziffern irgendwelche politischen Maßnahmen getroffen werden. Sie verlangten weiters Abhilfe gegen die Lein• berger Zensur, welche von den in jidischer Sprache erscheinenden Zeitungen deutsche Übersetzungen für die Vorzensur verlangt und dadurch, daß sic dieses Verlanget» auch auf Inserate und Sammellisten ausdehnt, das Erscheinen dieser Zeitungen in Frage stellt. Wenn man bedenkt, daß die Wiener und Krakauer Zensur anstaudslos jidischc Manuskripte behandelt, mutt das Vorgehen in Lemberg als schikanös zurückgewiesen werden. Graf Toggenhiirg erwiderte den Herren, daß ihm von einer diircligcfiilirlcn oder geplanten Volks- Zahlung nichts bekannt sei. Es könne sich im vorlicgcty den Falle lediglich um Aufnahmen zum Zwecke der Aufteilung der Lebensmittel oder anderer administrativer Maßnahmen handeln. Es ist ausgeschlossen, daß aus diesen Zählungen irgendwelche politische Konsequenzen gezogen werden, ebenso erscheint es ausgeschlossen, daß jemand, der als Umgangssprache die jidischc angibt, hierfür bestraft werden kann. Uebrigcns gehe der Wunsch vieler großer Parteien des Parlaments dahin, die Rubrik ״Umgangssprache“ durch die Aufnahme da־ Rubrik ״Nationalität“ in den Volkszählungsbogc-n zu erganzen, wodurch herrschende Unklarheiten gewiß beseitigt werden. Die Leinberger Zensur sei formell im Rechte, wenn sic Uebersetzungen in einer staatlich anerkannten Sprache fordert, doch werde er sein möglichst« tun, um die geübte Praxis zu mildern.“ ׳ Die Erklärungen des Grafen 'Poggenburg sind insofern unzulänglich, als sie keine Aufklärung über die Tatsache enthalten, daß cs der Lembcrger jüdische» Presse von der Zensur verboten wurde, zu den eigenartigen Rubriken der Fragebogen, die mit -einer Vcrteilung der Lebensmittel nichts zu tün haben, Stellung zu nehmen. Auch nach der ״Volkszählung“ kt es dem Lcmberger ״Tageblatt“ verboten worden, sich zu־ ihr kritisch zu äußern. Die einzige Bemerkung, die die Lcmberger Zensur dem ״Tagchialt“ durchgehen ließ, ist der folgende Satz: ״Es ist bereit;*, nach der Volks- Zahlung _iu Lemberg und, da cs möglich ist, daß sie auf ganz Galizien ausgedehnt wird, ist es nötig, die Auge- Icgcnhcit noch einmal zu behandeln und unsere Fialtiuig zu betonen, wie auch aus dem in Lemberg Geschehenen die Folgerungen für das zu ziehen, was eventuell nachkommen wird.“ Dieser Satz, der einen zwei Spalten langen Artikel cinlciteu sollte, ist stehen geblieben. Der ganze übrige Aufsatz, samt der Ueherselirift Ist de» Stift des Zensors zum Opfer gefallen. Am 14. Juni durfte das Lcmberger ״Tageblatt“ wenigstens über die Audienz der Vertreter des Jüdischen Nationalycrcins und der Zionistischen Organisation i» Oesterreich beim Minister des Innern berichten An die Erklärungen des Grafen Toggcnburg knüpft die Redaktion des ״Tageblattes“ die folgende Bemerkung: Die Aufklärungcu des Grafen Toggenburg sind gewiß beruhigend aber trotzdem ist cs c.iie Frage geblieben, zu welchem Zweck die Lcmberger Volkszählung in den Konskrip- ‘TÄ d,C *lt״k ״U,״bfa1lhsslm>chc“ aufgenominen hat \yein cs sich nur um die Lcbensmitieivcrteihuui haiideh Kömmt demjenigen, der eine andere als die im Rc.chsrat anerkannte.» Sprachen spricht, deshalb keine Nahrung zu? Und zweitens: Was ist der Grund, weshalb der Magistrat bzw. die Zensur über all dies einen so dichten Schleier breitet, daß man das gegen Juden verübte Unrecht nicht gewahr wird? Drittens muß dem Herrn Minister des Innern erklärt werden, daß es siel» bei der Zensurpraxis gegen das jüdisdie ״Tageblatt“ in Lern-