Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Seite 150 Pro Palästina Im rolcn ״Ta•:־• vom 7, Mai und m ״Berliner Tageblatt“ vom 12. Mai werden von A\i4>Iicdcrn des Vorstands des vor kurzem gegründeten deutschen ״Pro Palästina Komitees“ Aufsätze veröffentlicht, die über die Motive, welche die Gründung des Komitees veranlaßt haben, Aufschluß geben. Der Aufsatz im ״Tag“ entstammt der Feder des Gesandten a, i>. Exzellenz. L, Rnsehduu. Raselulau bezeichnet als den Zweck der neuen Vereinigung, die öffentliche Meinung über die Bestrebungen des Zioni'.mos, insbesondere über dessen Bedeutung für Deutsch- 1,־iiul aufzuklären. Die politischen Ausstrahlungen des zionistischen Problems und der Krieg mit seinen weitreichenden Folgen haben, wie Raschdau feststellt, auch die Nichtjuden genötigt, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Die englische Politik sei mit einer deutliehen Stellungnahme vorangegangen. ״Jetzt ist“, wie Raschdau fortfährt ״die Pforte auch zu der Erkenntnis gekommen, daß ihr eine jüdische Besiedlung Palästinas von Nutzen sein würde, und sie hat sich öffentlieh in diesem Sinne ausgesprochen. Auf diese Fest- Stellung hin hat dann auch die deutsche Reichsregiernng, die erklärliche Rücksicht aut ihren Btmdcsgenoäsen zu nehmen hatte, ihr Interesse an der Frage unzweideutig bekundet. Die Bewegung hat also in den letzten Monaten eine Förderung erfahren, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach sehr bald nach Wiedcrhcr- Stellung des Friedens in praktische Erfolge umsetzeu wird.“ Hierauf führt Raschdau aus, daß die bisherigen Erfolge der zionistischen Arbeit in Palästina nicht gcring zu achten sind. ״Soweit Palästina und die nachslcn Grenzgebiete in Frage kommen, sind die Juden wohl die einzigen Einwanderer, die der Türkei zur Hilfe kommen können, nachdem dieses Land, ohnehin menschenarm, durch die letzten Kriege weiter entvölkert worden ist. Audi die geringste Auffüllung muß für unsere Verbündeten ein Gewinn sein, und auch aus diesem Grunde haben wir in Deutschland allen Anlaß, diesen Vorgängen freundliche Beachtung zu schenken.“ Was das für die Kolonisation in Betracht kommende Menschenmaterial aulangc, sei der Zionismus praktisch in der Hauptsache eine Ostjudenfrage. Reiche Mittel für die kräftige Förderung des zionistischen Werks würden in Zukunft von jüdischer Seite sicherlich in genügendem Maße zur Verfügung gestellt werden. Im Schlußteil seines Aufsatzes faßt Raselulau zusammen, daß die zionistische Bewegung die deutsche Unter- Stützung aus politischen, wirtschaftlichen, inenschliehen und kulturellen Gründen verdient. 1111 ״Berliner Tageblatt“ schreibt Reichstags,ibgcordneter Georg G o t h e i n über ״Pro Palästina“. Sein Aufsatz, ist besonders deshalb bemerkenswert, weil aus ihm zu erkennen ist, welche Wandlung während des Krieges die Beurteilung des jüdischen Problems in seinem politisch wichtigen Teil auf Seite jener deutscheu Politiker durchgemacht hat, die sich schon früher mit jüdischen Fragen befaßten. Wenn man solche Aufsätze liest, sieht man, daß noch keine Rede davon sein kann, daß sich die zionistische Auffassung der jüdischen Frage allgemein durchgesetzt hätte; cs wäre aber verfehlt, die Wandlung zu übersehen, die sich trotz, der entgegenstchenilcn Widerstände allmählich durchgesetzt hat und weiter durchsetzt, Golhciu sicht im deutschen Juden auch jetzt noch nur den Deutschen jüdischer Religion, ist also zu einer prinzipiellen Anerkennung der nationaljüdischen Auffassung nicht durehgedrimgcn. Das kann allerdings gerade bei dem Vorsitzenden des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus nicht überraschen. Aber den Juden des Ostens ׳./;.! .:'v.'ak! a;.nr;״.,r die Nationsquaülät nicht ,;;׳ivbe.*!:׳»::nt m.n «:etont die besondere Bede<:;m:g uea i ״eo..:1..e,..:1 dir sie und ist weit davon eiiti'enit, (he As: i;,!ilat;0n an die Völker zu predigen, iaucr denen c!e leben — was jüdische Politiker nicht immer;.uv■׳. ge bringe,1. Es int begreiflich, daß Guthein jetzt den ZO;.i;״uu ad eine politisch bedeutsame Bewegung ciiizur.eiiatzcii weiß und seine Förderung, von» deitNchesj Eh.ndpmikl aus, iur gebolcn hält. Einleitend Nicht Cothrui fest, (».־»> die Gründer des Pro PaläsSma-Kouiitu's, 1״•:: rätn ganz überwiegend aus Christen rclci utiert, rach keineswegs von zionistischen Beweggründe״'! leite׳.׳, ließen. Da or.s Ziel der Auskeilung von Juden in Palästir.a eich,׳ zu c;nem Teil mit dem der zionistischen Bewegung ikeiri, meint Gotbein, daß auch ausgesprochene Zionisten dem־ neu gegründeten Verein beitrcicn würden. D,ö:; dürfte im allgemeinen wohl nicht der Fall sein, da die treibenden Kräfte des Komitees nickt die zionistischen Motive, nicht jüdische Motive sind, wie auch wir senon am 3, Mai in unserem Bericht über die Neugründung ausgeführt haben. Golhciu glaubt, daß der Zionismus unter den Juden der alien Kulturländer — oho in Mittel- und Westeuropa — seine Anhängerschaft nur durch rein ideale Beweggründe au sich zieht, (laß aber ״dieser romantisch religiöse Idealismus“ praktischen Kolonisationszielen nutzbar gemacht werden könne. Wir wissen, daß dieser klcntismus ein Phantom wäre und als Triebkraft für große Leistungen kultureller und kolonisatiorisdier Art werfig in Frage käme, wäre er nicht im Inneren, in Sein und Wollen mich der deutschen, französischen, englischen Juden fest und unausrottbar verankert. Es ist aber nicht notwendig, uns über diesen Punkt gerade liier weiter auszulassen: wer die Geschichte der zionislischen Arbeit eingellender kennen lernt, wird, davon sind wir überzeugt, nicht umhin können, seine Anschaumigen auch noch weiterhin etwas zu revidieren. Was die Juden des Ostens anlangt, so erkennt Gothein an, daß sie unzweifelhaft nationalen Charakter besitzen, und findet es durchaus begreiflich, daß der Gedanke an die Zurückführung in das gelobte Land ihre Gcmüter beherrscht. Die Schwierigkeiten der Zurückfühnmg zum landwirtschaftlichen Beruf seien überwunden worden. Mit Rücksicht auf die politische Bedcutung der zionistischen Arbeit und ihre Förderung durch England sei es jetzt nicht mehr eine einseitige Aufgabe der deutschen Juden, sondern eine deutsche Aufgabe, die jüdischen’ Bestrebungen, das Land der Väter zu einer jüdischen Kolonie zu *machen, taikrafiig zu unterstützen, Gotbein sagt dann über den Standpunkt der deutschen Politik, daß d iese UnhTstüizung von deutscher Seite selbstverständlich nur in vollem׳ Einverständnis mit den türkischen Behörden geschehen könne, und glaubt, die Haltung der letzteren folgendermaßen charakterisieren zu dürfen: ״In der Türkei hat man sieh auch zu den deutscherseits geäußerten Wünschen durchaus entgegenkommend verhalten. Man sieht dort ein, daß die Betrachtung dieses zur Zeit sehr dünn besiedelten Gebietes mit Kapital, Ansiedlern und Intelligenz für die Türkei in jeder Hinsicht erwünscht sein muß, daß die Ausfuhr dadurch gesteigert und die bisher so ungünstige türkische Handels- und Zahlungsbilanz wesentlich verbessert werden wird, Man ist daher dort auch bereit, den jüdischen Ansied־ hingen weitgehende Selbsivmv.׳tU1111g;;rec!11e zu ge־ währen und die Juden in Palästina als eine National• geuieinsehaft anztisdicn, die ihre Kulturgüter selbst;indig verwaltet.“ Zum Ende des Aufsatzes kommt Got- Buchbesprechung Jüdische dialektologische Untersuchungen von Dr, Nojaeh Priiutzki. So lautet der deutsche Unter- 1iiel des vor kurzem in Warschau erschienenen Buches: ״Nojaeh Priiutzki. jjideäc dialcktologiäe tmSyiigen. Materialen far * wisenädileclier gramatik yn far an etiniologihüii werte!bycli fyn der jnieset ä יי ach, Eritn (•and: der jidtscr konaonantizm. Baud I. Di 601101 lojtcn. F.i'ä'o helft. Warle Hilft״*). Priiutzki wendet s;eh an den engen Kreis der phi-!alogisch interessierten Jüdisch-Sprechenden und setzt ti״ige Bekanntschaft mit der philologischen, speziell phonctisdicn, Terminologie voraus, ebenso mit der üb• liehen lateinischen Lautschrift, die er in unseren Buch■ staben nachzuahmcn sucht. Er behandelt auf XXI 4- 2ö6 Seiten die Laute r, 1, m und n im Jüdischen, ohne sein Material erschöpfend oder auch nur zur cige■ neu Beiriedigung bearbeitet zu haben. Das Buch soll näm• lieh nicht nur dem wissenschaftlichen Kenntnisdrang gc■ nügen und Unterlagen für eine künftige normative Be• tiaudlung des Stoffes zur Festsetzung einer ״Standard Aussprache schaffe״; es soll auch in dieser Stundi des Spraciienkampfes dazu verhelfen, daß sich da: C״l•• ^cr behandelten Sprache zukehrt; 'ur-o!c *"1'0י m•‘* ^cr das unfertig empfundene, nu zur Haiftc geschriebene Werk der Qeffentlichkcit über i’eben wird, mit unbestimmtem Versprechen, die Register ihc verallgemeinernden Betrachtungen u. s. f. dem nächste! Band bcizufugcn. Dieselbe Eile erklärt es auch, dnJ vie.c grammatische und sonstige nicht phonetische Bc mernungen vom Verfasser gebracht werden, nur ״um si malt in der Tischlade liegen zu lassen“. Von den unterlassenen Registern wird am־ meiste; jenes vermißt, das die Aussprachen einzelner Gegen *) Ueber die Transkription vgl. meinen Aufsat ’,’,Jude״“S!P,r <C 0י md T״״li^rii’tkm des Jüdischen“ ir den einheitlich darbieta! würde. Ein derartiges Register, das hoffentlich noch im nächsten Bande gebracht wird, wird viel Kl.irheH schaffen, dem nu dem Buch arbeitenden Leser die Mühe einer neuen Uegi;trientn;׳ ersparen und also den Wert de:» Buchen bedeutend erhöhe«. Vorderhand leidet aber das mit Karten nicht versehene und nach einem phonetischen, nicht geographische« Plan geordnete Buch an einiger U1u1ber.׳:iei;!l!eh!:;:it. Sehr dankenswert ist ule uiiercciiöpfilche Fülle des gebrachten Material:!, das 1r.it der «nu Priiutzki bekannten phonetischen Genauigkeit fixiert ist. Einige Bedenken müssen aber geäußert werden: etemmen die Belege, die Priiutzki bringt, s::3 einer genügenden Zahl von Beobachtungen? Sind eie von ihm colbst und mit ge-!lügender Sorgfalt gemacht worden? Zum Teil cdieinen nämlidi die als Beleg dienenden Wörter und Phrasen nur einmal, auf der Straße einer fremden Stadt, cufge• schnappt worden zu sein. Wo i:t die Gewähr, daß der Sprecher ein Einheimischer war? D-׳:;or.d;rs nötig würen zahlreichere Beobachtungen in Fälle::, wo Priiutzki etwa zwischen der Sprache der CehiLhtca und der Ungebildeten, der jungen und älteren Generation u.ntcrecheidct. Entschieden schwach cir.d jene Stellen, wo Priiutzki das Gebiet des Hörens verläßt und die Klänge ertikutatarisch erklären will. Hier trecKn wir z. B. eine genaue Bestimmung der ״jüdische!: Artikulation“ des r oder 1 überhaupt. Dabei ist zu bedenken, daß Priiutzki nur russisch-polnische Gegenden fn genügender Anzahl zitiert. Von den süiirussischea werden nur die woihynhehpodoliscJicn angeführt, von der. ebenfalls nur die an Polen grenzenden. Ueber die VcrhläUr.iasa in Oesterreich informiert rieh Prilr.bibi bereits aus zweiter Hand ~~ nämlich aus der Zcbl.e.triii ״Am Urquell" (die ein Druckfehler übrigens in Amur-Curl! verwandelt), der eigentliche Süden (.'b״׳s:"iJr..i s.:a 1) und' die nu :«.len Gegenden Lifau r:: s j vcrclen gar nicht erwähnt. Man muß' die.;. .':;■,)״:;,;är.Ce Sicherheit in der Feststellung ehr A;t.,::׳a;. Li r.uuv Teil unbekannten Aussprache;; tu,: «j .1׳ ehr Nr. bi) (!,ein wiederum auf die Frage der Ortjtiden zurück, in denen er (iss haupt •ädilidie Mcm-cheimiatcri.il für die Paiästiiirsieiihmg sieht, 1111:1 schließt: ״Wer aber unter ihnen den Drang iiat, als jüdische Nation im «allen Siammlaitd der Väter zu leben, zu wirken und zu sterben, dem soll man um so mehr dazu behilflich sein, als die jüdische Besiedlung Palästinas zugleich ein Kultur- ,werk und eine deutsche’ politische Aufgabe ist,“ Der Zionismus kann natürlich nur von der Auffassung ausgellen, die in seinem Ziel und seiner Arbeit eine jüdische Aufgabe sieht. Es ist aber bemerke!»• wert, daß er durch die unermüdliche Vertretung dieser seiner Auffassung und Aufgabe deutsche Politiker von rechts und links veranlaß!, in der Förderung des 1.io-!iir.'.iuis eine auch ■für sic wichtige politische Aufgabe zu erblicken. Darüber hinaus zur Frage des jüdischen Nationalismus Stellung zu nehmen, ist offensichtlich nicht Auf,׳falle des Pro Palästina-Komitees, das sich von jeder Einflußnahme auf innere jüdische Fragen fernhalten wird. Daher ist es begreiflich, daß die einzelnen Mitglieder des Komitees in diesen Fragen ihre rein persönlichen Anschauungen vertreten und, obwohl sie zur Förderung des Zionismus aus politischen Gründen entschlossen sind, seine prinzipielle nationale Grundläge anzuerkciincn für ihre Person :lieht genötigt sind. Soweit daher in den besprochenen Aufsätzen Abvvcicliungcn von unseren Auffassungen und Motiven zutage treten, brauchen wir sie an dieser Stellt *licht zu besprechen, wo wir die Grundlage unsere» Wollen# immer wieder festgelegt haben. Zur Palästinafrage 111 der Zeitschrift ״Deutsch-Evangel i sch“ (Aprilheft 1918) veröffentVclit Seminardirektor Schulrat Df. Eberhard, der schon bei vielen Gelegenheiten seit! großes Interesse für die jüdisch-nationale und zionistisclic Sache bewiesen und erst kürzlich wieder einen mit großer Wärme geschriebenen Essay über Hugo Zucker mann in No. 9 und 10 der ״Thüringer Lehrerzeitung“ veröffentlicht hat, einen Auisatz ״VoraZionisnius in d c r Wc 11 p o 1 i t i k“. ״Der Zionismus ist keine Utopie oder ein bloßes Phantasiegebildc“, so beginnt der die Ereignisse der letzten Zeit innerhalb des Zionismus behandelnde Aufsatz. ״Er hat vielmehr in Palästina, wie jeder des Landes Kundige weiß, durch harte, ernste Arbeit jüdische Werte geschaffen, die im Verhältnis zu der Schwierigkeit des Problems ansehnlich genannt werden dürfen und eine* Maßstab au die Hand geben für die Abschätzung der weiteren l'iiiwidduiigsmöglichkciten. Der Zionismus ist auch nicht bloß eine innere jüdische Angelegen* licit, sondern er hat sich mitten in die große Politik, wie sie der Weltkrieg geschaffen hat, hinciTigcstclIt, und die zionistische Idee hat sich weithin durchgesetzt, innerhalb wie außerhalb des Judentums. Ein Zeugnis dafür ist die Deutsche Presse der jüngsten Monate, die das bei der Neuordnung Europas und der Welt sich aufdrängende .,Jüdische Problem“ lisch! mehr mit ein paar Verlcgenheitsplirasen abzutua vermochte, sondern angesichts der Härte der Tatsache auf die zionistischen Bestrebungen gestoßen wurde und sich zu einer Stellungnahme gezwungen sah. Zeuge davon ist die öffentliche Meinung in ihrem Für und Wider, die früher kaum von diesem Judentraum und Judcnstreit und Judenstaat Notiz genommen hatte. Zeuge sind vor allem die Regierungen der kriegführenden Weltmächte, die eine nach der anderen sieh zu einer amtlichen Erklärung gegenüber den! zionistischen Programm veranlaßt sahen.“ Priiutzki bald darauf auf demselben Gebiet Felder begeht, die kaum auf Versehen beruhen können. Sa sagt er auf S. (18/C19 ״Am deutlichsten ist der Licpiid (in Koiin) nach » (vcimiitcLt des eh-i lemcnies, da» in diesem letzteren steckt?) . . .יי Man fragt sich: ■wa» ist denn das für ein ״Element“? Denkt Priiutzki etwa an die Wiedergabe des 8 im Deutschen durch sch? Denn die Artikulation der beiden Konsonanten hat nur (len offenen Mund gemeinsam. Die Stellung der Zunge, der Stimmbänder und des Gaumensegels ist so verschieden, wie nur möglich. Auf S. 48 wird die Palatalisierung des I nach g und k in einigen Gegenden dadurch erklärt, daß diese beiden Explosivlaute hinten in der Mundhöhle artikuliert werden, das 1 aber vorn, die Zungenspitze müsse also ihre Art»- kuläiionsstclle sehr schnell wechseln, das sei «aber schwer durchführbar, das 1 müsse daher zu weit hinten, «ko palaialisicrt gesprochen werden. Nun wird aber l mit der Zungenspitze, k und g dagegen mit der Zange»- fläche artikuliert. Daher ist eine Umstellung der Zunge, wie Priiutzki sic annimmt, gar nicht nötig: man kann die Zunge sehr wohl in eine Stellung bringen, in der die Zungenspitze für!, die Zungenflüchc für g und k eingestellt ist. Die geringe Senkung der Zungenfläche bei der Erzeugung des Explosivlautes wird dann vollkommen genügen, um di« Artikulation des 1 vollständig zu ermöglichen. *) Noch ein Beispiel,das für sich selbst sprechen mag: ״Die Ursachen dieser Erscheinung (einer sprachlichen Be- Sonderheit des litauischen Städtchens Koiin. Sp.) •ind in der Anatomie und Physiologie derSprachorgane bei der jüdischen Bevölkerung jener Gegend (wahrscheinlich, nach meinen Beobachtungen, iin Zungenbau) zu *uchcn. Anmerkung: Die Kolincr jüdischen Frauen spreche» das 1 besser aus als die Männer. Fußnote: So versicherte mir Herr AI. Lew aus Koiin (S. 59).“ Wäre cs nicht angebrachter anstatt sich in uferlose Theorien au *) Vgl. Jcspersen, Phonetik, Kp. 8.