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Jüdische Rundschau · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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11. Nr. ,18 -U ׳ ־ •ס.!■■11 c i - a ־* i s 11 Al iH. An uh!!!׳, N fä־a Hiaä'ind; •v U\' ah uie; Al!- K1U';u ion 1! kt!p nti 1111:11׳ ilk!ui;״: U!׳i!.leu Sie :kl 111: j ID Air׳■*». t! i ״ t i» v rU :1 lg. aii ׳ '(ilvit jl.’t'ofll 11'•״!iiiflir i/jeru <jn!1!'c!!w1 11 oliut unj •h‘‘ Neu• ״ einer t! Bevo[. 11.־» iomtle tikraiiij. slanllfch ie:; tijf neu I>r0. de Siehe- :r poüti. in Jiuleii der Ver-!eil. 3111111 uh civ Jion■ .־n Willen •rreicitkir jüdischen , zur Jü■ idem die von de» >n-gesctz re Korn- Ken mul te ei,״ent■ die Vor■ irj’.in1111׳({ ständigen s e ii a 11 11t 111S' Uiig eu Komfcgicnni}{ cliatt den :11 diesem tun,״ sein j wollten iien Ver• ג soldtei» ln 1 gnn/c der Ver•;efeiii' •'<' liier 1! ‘יי i die <d• Hielt oder Tais.'tcne t werden Taing für Vielte he■ weim cs Gesetze® in fuchsten die erste iui ״Jü• deutsche«; ״ d a t h iiseiic Or• eruii;: 01• er; liüidint daß ‘he dieliheiten ’״ Zensus Vst1 gesetzt die bisje Anteil' unerhörte )ie Väter £1• Wühler in ihrer eh äußer• ie־:.iakncn Zeit nut pc trolie« hin:' au»• »loten, die t werden :ger nWÖ־ gebenden Einfluß /.u sichern. Dies ist angeblich nötig, , weil nur ‘he Assimiiatoreu die guten Be/ieh1111;׳e« <m! iien polnischen Kreisen hatten. Man könnte über dieses Argument manches sagen, weint man wirklich überzeugt wäre, daß es seinen Verfechtern so ernst;;etneint v, ire. Am heiligen 0;,|encst, d. 11, natürüeli am ehrisllidieti, 11,1! t im t' 41er I »ihrer der Warschauer jüdischen A a.iin! ia'.uicii, 11t ff Ldiianl N a t a n s o 11 seine sanillieiien Kinder cm1 ׳ aulc geiülirt (tritt so die letzten׳ Kuiiseqm 11/eii aus den gute!» Beziehungen zur polnische« Gesellschaft :׳;e,׳ugcn, die 1׳r /׳.veiiellos milcriTiit, und die ihn also nach <ler Meimm:: jener Herren geradezu prädestinieren, einen Sitz in der jüdischen Gcmemdcverwaltiing einzimeliincii. iterr Eduard Natuiison, der von einigen dcttisdieu Biütlcm mit Herrn Stanislaw Nataiisoii, dem Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde, verwechselt ,.,ordett ist, niiumt denn auch tatsächlich eine hervor• ratende Stellung im Warsehaner jüdischen f-elti'it ein. Er ist den Jude« als einer ihrer Verirrter im Warschauer Stmltr.1t von der politisch-jüdischen Assimilntion atifgcdrängi wurden und stand bis jetzt in einem Visen Verhältnis zum jiidisciten Block, Der bat ihm 1:adt jenem Akt, womit Herr Natanson seine gute i!c- /;elimmeu zu 414•« J'״len krönte, einen Brie) geschlichen, in dem er diesen vollendeten Vertrete»■ der Warschauer Assiinilanteu zum An.tritt aus dem Block aut'iorderte. Das hat Herr Natanson in .seinein cliristlidi-polnisdicn (icüilti so verletzt, daß er diesen Brief 41cm Klub der Nntioualdeimikrateii, d. 11. den Boykott-Antisemiten übergab, die ihn besdiwerdefültrend dem Vorstand des Stadtrates übermittelt haben. Angesichts derartiger Vorlällc hieße es doch wohl dem guten jüdisdien Bewußtsein der Herren Kurieiiverfediter zu iiahegefictcn, wenn mau ihrer Behaupten j glaubet! wollte, daß sie die Kurie im Interesse der Ko ltimiitüt der Beziehungen zwischen a.-similalot'isdteu öemeindegewaltigcn und polnischer (ieerachten. Auch hier wird mau wohl J DE Dl SC II E RUN DSClIAl) Vorstand erst neulich wieder einmal beschädigen mußte, langst an: drin öiientliiiteu Leben verschwunden, in Warschau bleibt er der öffentliche Geschäftsführer der Agmlath-J laortliocloxim und 41ie Stütze der Politik der beiden deutschen Rabbiner. Vielleicht ist dies der Grund der ihn berufen erscheinen .ließ, zum Staatsrat ernannt zu werden. Aber :.ehlielUidt i-t es Sache .der Polen, wie hoch oder lief sie ihren Sta.dsrat ei11-41t.it/et1. Die filier• waltiijende Mi'lirheil «ler Polen, ebenso wie die 41er Juden stein sowieso 41er ganzen Einrichtung des Staalsrates vollständig teilnahmslos gegenüber. Die deutsche Verwaltung ״egen die jüdische Turnbewegimg in Polen Unter den maunigfacheii Einrichtungen, die die Eriieiteriing des jüdischen Lebens in Pulen bezwecken und die der zionistischen Bewegung ihren Ursprung und ihr Dasein verdanken, verdient die jüdische T tt r n b e w e g tt 11 g in Polen einen Platz in erster Reibe. Muß man etwas sagen über die großartige Leistung, die hier vollbracht wurde, über das wahrhaft kulturelle Werk das in diesen Turnvereine«, in diesen Wunder׳ gruppen, in tliesen Schitie■rwcikslätten und Heimabenden geleistet wird? Jeder begreift die tiefe Freude, die große Seite 13? Also fuhr! sie den K tmpf auch g■ geil die Juda» Und so schließt man die jiid; ehe« W.inderhüi'dc und über* läßt es der jüdischen Jugend, s.el! wiVal.;׳ in die (litdanm zu verkriechen und ihre Seliusiiehi nach freier hörpeflieber Entfaltung unter der Kappe der Onhodoxie* veräti!:, eiten ehe R. ׳:te küituiH'rii zu lasset), d!e den die (Vliieti zu zielum sieil die d, f111f:(‘le,״,eu st ill!aßt. Der andere La!! betlari n!,:hi eiitma! die.,4• tars. Der jüdische lunivei.in ,,M.tkkabt Juden über ti!i׳< so sehr V!,;!11׳ וווו• .. . in Warschau, ein Verein von über 'JOnt) Mitgliedern, hat in־׳ feits vor jaitreu mit Mülle und Not eine T11rnh:1lk• ge- Inndeu und tätigt richtet, das iw in Warschau 111׳ hl so leicht, wo au sielt fast keim: Tiiruliaüen bestehen und wo die bestehenden sich aus ■,chließlicl» in po!nis׳'hcm Besitz bdindcn und unter keinen Umstanden einem jvt iiselten . Verein auch nur zur Mitbenutzung überlassen werden. Unglücklicherweise findet die deutsche PoKvcrwaltung ebenfalls an tlieser linde Geschmack, die ihr geeignet scheint, als Kasino für ihre Beamtinnen zu dienen. Dar.utihin ergeht kur/vtliaiu! eine Verfügung, daß der Verein die Halle zu räumen hal>e. Alle Gegen- Vorstellungen, alle I iinwcDe, daß es doch reichlich Hauser in Warschau gibt, die sieh für den Zweck der Post- Verwaltung eiguen, während eine zweite Turnhalle oder iitclt nur ent sonst passender Raum nicht 11khr .vor- }.;Vll IMCt \ 41 11 ז IUIU »i»U 1 H.UU(., \*1V. frUJtn -- 4 . . '־'־ . Genugtuung, die uns beim Anblick dieser muskelstraffeu ti.iudcii ist, titilzeti nieuts. Die I ostverwaUuitg )raue (1: יי' י 1 i, ,,.»4 /I,,. I» .. zlr*^ \111׳/L«1׳K1 Jünglinge, dieser gcradgcwacbscncn Mädchen, dieser prächtigen, fröiiliclien Kiuderschar erfüllt, die ihres Körpet's bewußt und ihres Lebens froh sind. Ls gibt größere Anstalten in Polen, aber es gibt nichts Besseres, das geleistet wurde, als die jüdischen Turnvereine, als die jüdisdien Wanderbiiiule. Die neue, die bessere Zuiamlt des jüdischen Volkes in Polen ruht auf ihnen. Seilschaft lür notig der letzten Wahrheit näher kommen, wenn man das ״jüdische Wort" aufmerksam liest, das man in jügischen Dingen ruhig als offizielles Organ der deutschen Verwaltung bet rächten dar!, liier steht nämlich, daß^das Kabbineraitest, das die Zugehörigkeit zur ersten Kurie verleiht, von jedem amtlich anerkannten Rabbiner ansgestellt werden darf und man wird gut tun, dieser Nachricht Glauben zu schenken. Die polnische Regienmg, die offensichtlich nicht so sehr wie die deutsche Verwaltung es für nötig findet, das polnische Judentum der Clique des Gcrer Rebbe attszuliefern, hatte eine Kommission eingesetzt, die alle Rabbuieratleste prüfen resp. die tatsächliche Richtigkeit ihrer Grundlagen hatte feststellen wollen. Danach wäre die Zulassung der Rabbiner zur ersten Kurie von dem Votum dieser aus den drei angesehensten Warschauer Rabbinern bc- .stehenden Kommission abhängig gewesen. Die Orthodoxie ist von Anfang an gegen diese Kommission Sturm gelaufen, hat _ sie boykottiert ,»11141 hat jetzt oifeubar ihren Zweck erreicht. Denn .nunmehr hat diese Kom• jnisüon nicht die Rabbiner selbst — wenn nötig — auf ihre Rabbincrdgensdiaft zu prüfen, solidem sie hat nur eine formelle Prüfung׳ der Atteste vor/iinelimen. Wir treten dem polnischen Judentum nicäit zu nah, wenn wir behaupten, daß nunmehr dem skandalösesten Mi 15 brauch Tür und Tor geöffnet ist. Wir dürfen gewiß sein, daß jetzt eine Hochflut von Rabbiner- Zeugnissen einlaufcn wird, und es würde uns nicht wundern, wenn es daraufhin in der ersten Ktnie mehr Rabbiner als Nielitrabbiuer geben möchte. Hier haben wir wieder einmal den offenkundigen Beweis, wie sehr heute die de!!1sche Verwaltung in der Behandlung iii- Bische r Angelegenheiten von der cbassitlischen Macht-; olitik abhängig ist mul sielt dabei zu Maßnahmen dräu- ,,eu läßt, nie »hr, wenn nicht schon die Rücksicht auf!ins!«)Inisciie Judentum, so die auf die Interessen!;tutsciilands und die Achtung vor Europa verbieten tllle. Wir können nur hoffen, daß noch im letzten Augenblick Mittel mul Wege gefunden werden, die vermeiden, daß die Warschauer jüdischen (icmeindewaltlen zu einem öffentlichen Skandal werden. Inzwischen hat die Taufaffaire des Herrn Natau- : .);1 ein bezeichnendes Nachspiel gehabt. Das Justizministe rim hat den Rechtsanwalt Bereu son, der einen ,höheren Posten bei ihm einnimmt, um seine Uemission ersticht. Da keine Gründe angegeben winden, sucht man sie allgemein in der führenden Rolle, die Herr Berenson in seiner Eigenschaft ais jüdisches Mitglied lies Stadtrates beim Vorgehen des jüdischen Blocks gegen Hern» Natanson gespielt hat. Vorläufig hat siel! I lerr Berenson geweigert, dem Ersuchen des Ministeriums itacitzukoitunen In dieser Woche hat das Ministerium auch die Namen der ■1J von ihm ernannten Mitglieder des Staatsrates bckaniitgcgchci). Die Wahl der 55 gewählten Mit-;;heiler hat bekanntlich bereits statlgefumlen und hat eine überwieg,ende Majorität der 'detitseh-feindlichen Passivisten ergeben (außer drei parteilosen Juden wurden 37 Passivisten und nur 15 Aktivisten gewählt). Das Ministerium bat nun fast ausschließlich Aktivisten ernannt und auf diese Weise dem Staatsrat die! erwünschte einer Verständigung mit den Deutschen geneigte Mehrheit verschafft. Unter den Ernannten befinden’sich vier jaden, nämlich die Herren Joseph Natanson, Boleslaw E i g e r (Assimilanten), Moses Pfeffer ttml JocJ Weg 111 eister (Orthodoxe). Nichts ist bczeichnender für das Verhältnis der Polen zu den Juden, als daß das Ministerium es wagt, einen Mann wie Joel Wegincistcr zum Vertreter der Juden in das oberste poiitische Organ des polnischen Staates zu delegieren, in jedem arideren Lande wäre dieser Mann, mit dessen eigenartiger Verwaltung der ilun unterstehenden ortho dexen Kindervolksküclien sich der Warschauer Gemeinde- Gegen diese prächtige Bewegung geht jetzt die deutsche Verwaltung vor. Sic hat die Organisatioi! der Wandcrbiindc verboten und sie hat dem jüdischen Turnverein ״Makkabi“ in Warsc 11 au seine Halle entzogen. Wenn inan nicht bereits an mancherlei gewohnt wäre, was den Juden in!,ölet) geschehen ist uiul geschieht, und wenn die Umstände nicht so offen lägen,!mißte man wirklich an ein schweres Mißverständnis denken. Leider ist die Möglichkeit dazu nicht gegeben, mit Absicht und in vollem Bewußtsein der Tragweite ist man an das Zerstönmgswcrk gcschritteu. Der eine der beiden Fälle zeigt sich zudem als der'sinnfällige Ansdruck der falschen Judcnpolitik, die die (lettische Verwaltung in Polen treibt. Die jüdischen Wanderbünde bestehen in Polen unter dem Namen der ״S co ti t s" ־ O r g a n i s a t i o n e 11. Es gibt bereits einige Tausend junger jüdischer Scouts in wenigstens 00 Orten Polens und sie erfreuen sich bei der ganzen jüdischen Gesellschaft bis weit in die orthodoxem Kreise liineiit ihrer frischen, lebendigen Arbeit und ihres bewußten und doch so bescheidene(» jüdischen Auftretens halber der größten Beliebtheit. Auch die Polen nennen ihre Jiigeml-Wandcrbiiiide ״Scouts", was ja schließlich der internationale Ausdruck für diese Art der Jugendpflege ist. Vor geraumer Weile wurden die polnischen ״Scouts-Vereine verboten. Sie waren Glieder der Organisation im großen nationalen Befreiungskaiiipf und ihre Tätigkeit bat wohl die Grenzen überschritten, die ihnen die strengen Gesetze des Krieges zogen. Die deutsche Verwaltung griff mit fester j n‘,״, Hand zu und untersagte die ganze polnische Scouts-! .'•fing Organisation. ein Kasino für ihre Beamtinnen, die Halle des Makkahi gefällt ihr min einmal, möge der Makkabi sehen, wo er bleibe. Es handelt sielt ja schließlich nur um die Beeinträchtigung von Lcbensintcrcsscn der Warschauer Juden, und man versteht in Warschau schon, daß diese hinter dem Oeselligkeiisbediirfnis der deutschen Postbcamtinnen zurücksteilen!missen. Der Verein muß die Halle räumen und infolgedessen seinen ganzen, so luigemein segensreichen Betrieb cinstellcu. v Wer zweifelt noch daran, daß die deutsche Vcrwnltung in Polen Kulturpolitik treibt Und sich auch die -Interessen des jüdischen Volkes von Herzen angelegen sein läßt? Hat sie ihm nicht zwei erlauchte rabbiuisclte Führer zur Verfügt mg gestellt? Und hat sie nicht eigens ein jüdisches Referat eingerichtet? VertraueasmänncrtagungderWicBer Zionisten Die jüdische ScotiLsbewegimg wurde von dieser Maßnähme zunächst nicht betroffen, und es war ja auch ganz klar, warum. Ihr nationales Ideal, dem sie mit Leidenschaft aiibängt, geht nach Palästina ttml ist ausschließlich /ionistiseh orientiert. Sie hat nichts zu tun mit irgend welchen innerpolitischen Bestrebungen, die innetpoliiisclieii Fragen liegen sämtlich gänzlich außerhalb ihres lntercssenkreiscs. Und wer etwas von dem Kampf der Polen gegen die Juden weiß und! wer insbesondere die ungemein gehässige Stellungnahme gerade der nationalen polnischen Jugend gegen alles jüdisch Organisierte erlebt hat, für den bedarf es keines Beweises, daß auch nicht die geringste Verbindung zwisehen den beiden frcmdnationalen Bewegungen bestellt. Plötzlich hat mau auch die jüdische Scouts-Orgaui* satiou untersagt und ihren Führern die Arbeit verboten. Ein geringliigiger äußerer Anlaß löste das Verbot aus, das nicht etwa mit irgend einer unerwünschten Teil■ (lenz der Vereine, sondern ausschließlich damit begründet wird, daß das allgemeine Verbot keine Ausnahmen zulasse, daß man den Juden nicht erlauben dürfe, was den Polen untersagt sei. Hier hat man die deutsch-polnische Vcrwaltungspraxis in ihrer Bliiic. Die Deutschen haben es nicht verstanden, mit den Polen in ein gutes Verhältnis• zu kommen. Sie fühlen sich gezwungen, mit scharfen Mitteilt gegen Erscheinungen vorzugehen, die sie als eine Bedrohung ihrer politischen und militärischen Steilung attifassett. Niemand von den Deutschen behauptet, daß die Juden daran irgend welchen Anteil haben, jeder weiß, dalS dies nicht zutrifft. Jedem ist auch bekannt, daß der nationale Kampf der Polen, der sich unter den heutigen Umständen gegen die Deutschen noch nicht entfallen kann, zunächst und mit furchtbarer Gewalt gegen •die Juden geführt wird. (Siehe Krakau!) Aber die deutsche Verwaltung kennt nur eine polnische Politik und findet keine Möglichkeit, die nun einmal vorhandene Tatsache der Existenz von wenigstens zwei Völkern m Polen in ein System zu bringen. Sie muß mit den Polen, einen Kampf führen, aber sie darf beileibe nicht den Eindruck bei den Polen erwecken, als ob sie die Juden, die garnichts damit zu tun haben, davon u»«nehme. Auf der vom Zionistischen Zentralkomi* tce für Westösterreich für den 31. Januar und 13. Februar cinbcrufcncn Vertrauensmänncr-Versammlung der Wiener Zionisten hielt der Vorsitzende Reichsratsrevisor Rudolf Taussig einen ausführlichen Be•- rieht über die Tätigkeit des Zionistischen Zentralkomitccs seit Kriegsbeginn. Herr Revisor Taussig schilderie die ausgedehnte Fürsorgetätigkeit für die Kriegs* Jlüchtlinge, insbesondere die Fürsorge für die Fluchtlings-Koiizcntrationslagcr, die segensreiche Tätigkeit der Klcidersammelstcllc, der Nalmmgsmittelvcrtcilung, des Rechtsschutz- und Sehadencrhcbiings-Uairos, sowie des Arn!e11nmbulato.nmus. Ferner referierte 1 lerr Revisor Taussig über die Aktion des Palästiua-I lilfswerks und der Vermittlung! von Briefen und Geldern zwischen den Familienmitgliedern in Amerika und den Zentralmachten. Nach einem Bericht über die organisatorische Tätigkeit und die verschiedenen politischen Aktiodie das Zentralkomitee unternommen hat, der Referent auf die erzieherische Tätigkeit ein, in deren Mittelpunkt die Jüdisch-pädagogischen Kurse, die Zentralstelle der jüdischen Jugendgruppen in Wien und die Gründung der jüdischen Jugendzeitschritt ״Jerubbaal", deren erstes Heft in diesen Tagen erscheinen wird, sowie der monatlich erscheinenden ״Blätter aus der jüdischen Jugendbewegung“ stehen. Audi 41er Pflege und Verbreitung der hebräischen Sprache wurde vom ״Verein für hebräische Sprache und Kultur‘' große Aufmerksamkeit zugewciulet. Herr J. U. Waltuch dankte hierauf unter dem stürmischen Beifall der Versammlung der Parteileitung, insbesondere aber dem Leiter der gesamten zionistiselten Tätigkeit während der K!iegsj:.hre, Herrn Reichsratsrevisor Taussig, für die» großen Leistungen, die vollbracht wurden. Er sprach dem Präsidenten namens der Vertraueiismäunertagung wärmsten Dank und Anerkenmmg aus. Zu Beginn der Sitzung vom 13, Februar gedacht der Vorsitzende in ergreifenden Worten des 1 Singangs Dr. Tschlcnows und seiner Verdienste um die Verwirklichung des Zionismus. Die Ansprache gestaltete sich zu, einer feierlichen Truuerkundgebuug der tief ergriffenen Versammlung. Hierauf hielt! Herr Adolf Böhm ein Referat über Palästina, in weichem er die neutrale Haltung des E. A. C. rühmte, die damit den Ideen Theodor I lerzis gefolgt sei. Diese Haitung habe sich durchaus bewährt. Keine der Mächte habe den Zionismus als politische Bewegung angreifen müssen, Hierauf behandelte er in konzentrierter Dar- Stellung die Beziehungen des Palästina-Problems zu den verschiedenen Erscheinungen des politischen Lebens der judeuheil während des Krieges und schloß mit einer Schilderung der Lage und der zukünftigen Möglichkeilen für das Land. Als letzter Redner behandelte Herr Staatsbahn rat Ing. Stricker die politischen Fra* gen der österreichischen Judenschaft und die Haltung, die die Parteileitung zu ihnen grundsätzlich und praktisch entnimmt. Seine Ausführungen hinterließen bei allen Anwesenden den überzeugenden Eindruck, daß die Führung der politischen Angelegenheiten in besten Händen ruht. Mit einem Appell an die Teilnehmer zu tatkräftigcr weiterer Mitarbeit schloß der Vorsitzende die Tagung.

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