Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1918)
- Date
- 1918-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Folgen sind für die östcrrcidüschc judensebaft und für den österreichischen Staat verhäng-, tilivelf. ycrtrc{UBg־t1cr Juden cnl sprechend 1 i-crZahl und ihrer Leistungre״ Reichs- *rite in den Landtagen und den Gemeinde- ״rwaltungcn durch Bildung von jüdisehe« Wahlkurien und Ein füh ru 11 g des Pronortionalsy stems. , H 4 Vcrtretungder Juden in der Reichsregi’crung durch einen Minister oder Staatssekretär. Ferner Einrichtung von jüdischen Referaten hei allen Zentralstellen, bei welchen jüdische Angelegen- Iritc» besorjft werden. (!Ministerium für Kultus und Unterricht, für soziale Fürsorge usw.) 5 Sofortige Durchführung der den J ״• den durch die Verfassung garantierten bürgerlichen Gleichberechtigung. Alle den Juden bisher faktisch verschlossenen öffentliehen Ihcnst/weige (in den Ministerien, Zentralstellen, Landesbcliörde״, im höheren riditerlidien, militärischen, politischen und diplomatischen Dienst) sind jüdischen Bewerbern vorhalttos zugänglich zu machen. Insbesondere i,t mit dem Systeme, die Taufe als Bedingung 1 u ste11 eti, beziehungsweise getaufte Juden zu bevorzugen, endgültig zu brechen. Bei Erlassung allgemeiner Gesetze ist auf die Eigen- »rt der jüdischen Religion Rücksicht zu nehmen (wie etwa Gestattung der Sabbatliruhc an Stelle der Sonntagsruiic usw.). Soweit staatliche Mittel für konfessionelle Zwecke aufgewendet weiden, ist der jüdischen Konfession der entsprechende Anteil zu sichern. b. Konstituicrungder jüdischen Nation durch Schaffung eines Kcichsverbandcs (nationale Kammer) auf Grund des gleiehen, geheimen und direkten Wahlrechtes. 7. Gesetzlicher Ausbau der jüdischreligiöse n Institutionen duröh Schaf-!ung eines Reichsverbandes der Kultus• gemeinden.“ Dazu schreibt die Wiener zionistische ״Jüdische Zeitung“: ״Fs wäre verfehlt, aus den geschilderten Vorgängen (fe/1 Schluß zu ziehen, daß nunmehr unsere Forderungen erfüllt seien. Ehe wir ru diesem Ziele gelangen, werden wir noch hart arbeiten und schwer kämpfen müssen. Aber wir haben dodi einen großen Schritt nach vor• wärts getan. Wir haben die große Schar unberufener und unverantwortlicher ״Ratgeber“ und ״Sachvcrstän* diger“ in jüdischen Angelegenheiten, welche uns bisher den Weg zu den österreichischen Völkern und zur österreichischen Regierung mit List und Gewalt versperrt haben, beiseite geschoben. Wir haben uns den Weg der direkten Verständigung frei gemacht. Wir brauchen nicht mehr zu fürchten, daß, wie bisitcr, über das Schicksal des jüdischen Volkes entschieden wird, ohne daß seine berufenen Vertreter auch nur zu Worte Kommen. Für diesen Erfolg gebührt unserer Partei- Icitung Dank und Anerkennung,“ 1 U E DI StJ li Z G 'il , G ily Das zionistische Li-nil.־.«,.. r 7״ a ־׳ b 1 a t i“ rrt:־.vibt anläßlich der liebe rgahe de.־. Mc׳:t in.1‘:e öder♦ reich ischc Regierung* ■unter 5;,ä.iM!;;,., ״Die Regierung' Scidlcrs scheint in der Tat die Absicht zu ha!«.־n, ein neue: K־:״;f׳:l Jahrgrschichtc in Oesterreich nt beginnen. Ist cs <d;!ut die erste Regierung in Oesterreich, die die berufenen Vertreter und Führer der jüdisch-nationalen Bewegung zu sich lädt, um sich ihre Pos'rttlate vorlcgen zu b.ereii und ihre Begründung anzuhören. Die Bcde:!{tsr.g die :er Konferen/en liegt vor allem darin, daß auch die Regierung endlich cingeschen hat, wer der legitime Vertreter des jüdischen Volkes in Oesterreich ist. . , , Das ist schon an lind für sieh eine bedeutsame Tatsache, , . . Von besonderer Wichtigkeit ist auch das, daß zum ersten Mal einer österro.ichr.ehen Regierung ein Memorandum mit genau formulierten und sachlich determinierten Forderungen der österreichischen Juden- Schaft als Volk, als eine allen ü'-.rigen österreichischen Nationalitäten gleichwertige Nation vorgclcgt wurde. Die Regierung in Wien ist endlich genau ü!>cr ,die jüdischen Verhältnisse im Lande orientiert worden und weiß, was wir als conditio sine qua non verlangen. . . . Mit der Annahme dieser Por.tulatc und ihrer Durch- Führung auf koiyrtitutiouellm Wege gewinnt Oesterreich die ewige Anhänglichkeit seiner eigenen Juden und die wertvollen Sympathien des ganzen 14 Millionen starken jüdischen Volkes, dessen Macht und internationalen Einflufi man heute in den maßgebenden Kreisen von Oesterreich nicht mehr unterschätzen wird. . . . Die Forderungen sind nicht übermäßig hoch, nicht phantastisch übertrieben, nicht von einem diauvinistisehen Nationalismus diktiert. Sie sind bemessen und gewogen nach den primären Bedürfnissen eines Volkes, das sich national frei aus!eben und entwickeln will. Fs sind dies nur die Grumlbcdingimgen für die nationale Existenz von fast 2 Millionen Seelen in Oesterreich. . . . Wenn die Regierung ihr Versprechen, daß sie diese Forderungen bei der bevorstehenden Vcrfassungsrevision durchführen wird, hält, so bricht für die österreichischen Juden, besonders für uns in den östcrrcichisdi-cn Ostprovinzen, eine neue Zeit an. Freilich können wir uns mit dem Versprechen allein nicht zufrieden geben, es wird die Aufgabe der national-gcsinnten österreichischen Judenheit sein, auf der Wacht zu stehen, eine starke Organisation durdvzuführen und bei der Regierung unaufhörlich darauf zu dringen, daß sic ihr Wort hält und endhehj auch dem jüdischen Volk die Möglichkeit gibt, in Oesterreich nach eigenen nationalen Gesetzen, gleich den anderen Völkern in Oesterreich, zu leben.“ Zur Losung der rumünisclien Judeufrcge Wie uns an amtlicher Stelle mitgctcilt wird, ist die!rumänische Juden frage bei den Fr i edens ver h and Iun gen in Bukarest erörtert ׳und in befriedigender Weise gelöst worden. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Exzellenz von Kiihhnann, hat sich mit besonderem (Nachdruck für die Wünsche nach Durchführung der bürgerlichen und politisehen G lei ch bc rc ch t i g׳un g der Juden Rumäriiens eingesetzt. Einzelheiten können der Oeffentiiehkeit vorläufig nicht piitgetcilt werden, da Teile des Friedensvertrages nicht bekannt gegeben werden sollen, bevor nicht der gesamte Vertrag «nteraeiciwurt Ist. Seite 109 Das ״Echo de DuIga ri e״/.pnctrt im Leitartikel ßciurr Nummer vom 14. Mir/ seine tu t.en Anträge aus, den der Großr abbin er v o n Bulgarien und das Jüdische Konsi• storium zugunsten der bürgerliche« unu [פסי• tuchen Gleichberechtigung der rumänischen Jude״ beim Ministerpräsidenten eingereicht haben. Runiänien sei das einzige Land, in welchem noch Ausn sh m ehest i ni tnun gc n gegen die Jim len in Kraft sind, seitdem Rußland diese Gesetze beseitigt hat. Die feierliehen Versprechungen des § 44 des ■ IVrrltncr Vertrage« von 1878 seien leere Worte geblichen. Rumänien habe nichts getan, um diese Versprechungen cinzulüsca und die Lage der Juden habe sich seit 1878 nicht verbessert. ״Es ist Zeit, daß diesem Zustand ein Finde bereitet wird. Da Rumänien so rückständig ist, daß cs seine Untertanen nach dem Glaubensbekenntnis in zwei Kategorien teilt, um diö eine, ge%vi& die intelligenteste lind für den Fortsdiritt geeignetste, der elementarsten Rechte zu berauben, ihr aber alte Pflichten aufzubürden, so ist cs eine Frage der Menschlichkeit, die heute gestellt wird. Hat Rumänin( das Recht die Juden zu unterdrücken? ln diesem Jahrtutmiert des Fortschritts, wo die menschliche Solidarität nicht mehr erörtert zu werden braucht, ist es natürlich, daß die öffentliehe Meinung der Welt — und es gibt eine solche, die sich für die sozialen Probleme ein setzt, lechzend nach Freiheit und Gerechtigkeit — fordert, daß die Freiheit der Religion überall geachtet werde. Das menschliche Gewissen empört sich bei dem Gedanken an große Ungerechtigkeiten. Die Lage der rumänisehen Juden ist cincj der größten, die ein ganzes Volk betrifft. Die Menschliclikeit hat das Recht, sich da• mit zu beschäftigen. Es ist gewiß nur ein Recht der moralischen Ordnung, wenn man sidi an die alte Vorstellung hält, welche das unbeschränkte Recht der Souveränität des Staates über allen stellt. Aber er. gehört viel Zynismus dazu, sich heute auf dieses Recht etwas zugute zu tun, um die Einmischung des menschlichen Gewissens in Weltfragen zurückzuweisen und sich einzig auf ein so lächerliches Prinzip zu stützen. Hätte Rumänien die• sen Zynismus so könnte es ihn ia diesem Falle nicht mit der Souveränität entschuldigen, weit es ja doch einmal durch einen internationale!* Vertrag, dar es mit seiner Unterschrift zeichnete, darauf verzichtet hat. Diesen Vertrag hat es nicht cingehaltcn. Harte hat man wiederum das Mittel, cs von neuem zu verpflichten und Garantien dafür zu fordern. Die Mit* tclmächte stellen mit Rumänien in Fricdcnsveihatulkmgen. Sie würden den Wünschen der gesamten Menschheit entsprechen, wenn sie daraus den Nutzen zögen, Rumänien mehr Gerechtigkeit in, der Behandlung der Juden aufzucrlegcn.“ Das gleiche Blatt bringt in seiner Nummer vom 16. März eine kurze Notiz über die Fürsorge der bul* garischen Regierung für die rumänischen Juden. Der Ministerpräsident Radoslawow habe der Sobranje einige kurze Erklärungen übe? die politische innere und äußere Lage gegeben und unter anderem fcstgcstellt, daß die bulgarische Regierung, veranlaßt durch das Vorgehen der jüdischen Organisationen, in Bukarest die Frage der Ucbertragung der politischen Rechte an die rumänischen Juden gemäß den bisher nicht durchgcfülirten Bestimmungen des Berliner Vertrages aufzuwerfen. Die Regierung hofft, dadurch dazu beizutragen, daß für die Juden Rumäniens; eine ähnliche Lage wie für die bulgarischen Juden geschaffen wird, welche den bulgarischen Bürgern völlig gleichgestellt sind. ״Kriegsgefangene‘‘ Vor mir |ICfft jclrt Wcrk ״Kr ie gs gc f a״- 4n' .von Hermann Struck, das im Verlage Dict- 1 ccimer (Ernst Vohsen), Berlin, in drei Ausgaben י xus-, Quart- und Volksausgabe) erschienen ist. ״ tr.llck l*;*t wahrend des ■Krieges viel Interessantes iC'!;־ ^‘nc ganzc Reihe von Lithographien, 4'r ^üns!Rr ,Skizzen aus Rußland“ bc- , zeigen uns mit frischen kräftigen Strichen, wie .״, ״־ v0» den Deutsdicn okkupierten Orten ausder n '?^‘1‘RvikIcii Werke erzählt uns Struck von ,1,* <״»Uten Schar der in den Gefangenenlagern l r ,f״ ,Cn’ Wünsdorf, föfiberitz und Frankfurt a. O. ׳״machen Kriegsgefangenen. Struck bereiste auf '“י Herrn Grafen von Oppersdorff diese in11'״'''rCn!n*a^cr u״t* s״H*te die geeigneten und ihm res.ant erscheinenden Typen iieraus. Es entstand 1111twU kllri'Cr ^eit eine bedeutende Anzahl Steiiizeich- 'kei; übcrg'bt dc״C״ dcr KÜJ5s״cr 100 dcr Oeffentliclic!,‘״י ^kannte Anthropologe Prof. Dr. von Lu- Griimir ®’1,t t*el״ Bildwerke eine Einfühning in die nähme ra^Cn dcr Anthropologie bei. 60 OriginalaufrUn ״ Vcranscl1auliclten seine interessanten Ausfüh- 5rfrrfil'!!i״d gleichzeitig eine wertvolle wissen- Hr• *, lcf5e Ergänzung der HM) Slcinzcidmungcn von .. I1 Struck. Durch diese Verbindung von Kunst Jrt *ssenscliaft wird das Werk von großer Eigen- , , .^ c״l1 u״s Struck mit seinen wohlbekannten Juden- . yCl1. 'm״,cr zeigt, wie fein er das Charakteristische 11״ler Ra«־c wiedergehen kann, so selten wir bei der ctradilitng dieses Werkes, wo die verschiedensten Menschengeschlechter vor unseren Augen voriiltcrac״cn, sein Können noch deutlicher. Es sind keine Modelle, die wir hier schatten, sondern Mensdten, welche klar die Eigenart jhrer Rasse verkünden. Mit nur wenigen Strichen ist cs ihm gelungen, das Typische so meisterhaft wiederzugeben, daß die Köpfe — auch durch die vorzüglich gelungene Durchbildung von Licht und Schatten farbig erscheinen und uns ein klares Bild von allen Völkerschaften geben, die in diesem Kriege gegen die Deutschen kämpften. Besonders interessant erscheinen die Vertreter der farbigen Stämme, die in unserem Werke in großer Anzahl vorgeführt werden. Wenn man die Reihe dieser Typen betrachtet, so muß man mit Luschan sagen, daß cs eine Geringschätzung sei, wenn diese Rassen oft als ״Wilde*■ bezeichnet werden. Aus den Köpfen, besonders der wunderschön gezeichneten La,11 und Santa Singh, Sikh, des vornehmen algerischen Beduinen und des Arabers Ahmed bei! Ladjlat, spricht durchaus Menschliches 1111(1 Acsthetischcs, Auch drei russischjüdische Krieger sind in unserer Sammlung vertreten. Hier sieht inan außer dem Künstler auch den Juden Struck; denn cs ist kein Zufall, wenn der Meister gerade diese drei in seinem Werke vorführt. Der junge Jude aus Lublin erzählt uns mit seinen großen helleuchtenden und zugleich tief melancholischen Augen I vom Kummer eines Volkes; t der Vorbetcr Isaak Chtoran sagt uns, wie sehr er sich nach dem Geheipult seiner fernen Synagoge sehnt, und der Tempclbcamtc aus Warschau zeigt uns, daß er auch in der Gefangensehaft seinen Talmud nicht verläßt. — So gibt uns Struck ein klares Bild von den allerverschiedensten Rassen, die sich in den deutschen Gcfa11j;enenlagem vorfinden, Und das Werk wird ein b!ci* bendes Andenken au die große Zeit des Weltkrieges bilden. _ Joseph B u d k o. Literarische Miüeilungea Sammelbüchcr ״Safrut“ (Literatur) ist ein neuer jüdischer Al• mansch in russischer Sprache betitelt, der gegenwärtig in Moskau unter Redaktion des Dichters L. Jaffe erschienen ist und folgende Beiträge enthält: Ch. N. ü i a 1 i k: Halaclia und Agada; S. T s c h e r n i c h o w ski: Das Beselmcidungs-Fest (Idyll aus dem Hebräischen von Chadasse witsch); Martin Bub er: Der jüdische Mythos; S. Marschak; Jerusalem (Gedicht); Andrcy So bol: Steh auf und gehe! (Erzählung); Ch. G r ü n b c rg: Der Kampf um die nationale ludtviuualitüt; $, Sehne ur: Im Gebirge (ein Abschnitt aus einem Poem, aus dem Hebräischen von S. Marsc ha k); S. An-s k i: Die Begegnung (Volkssage-); b. Gcpstcin: Die Wege der jüdischen Revolution; Ch. N. Bialik: Ich wußte, in einer finsteren Nacht, (russisch von Fcodor Sologub); Baal Machsc ho wes: Mcndelc Macher Sforim; M. M. Margolin: Zionismus und Kultur; Eduard Bernstein׳ Aus meinem Leben; J. T s c h c r i k o w e r: Zur Psy• chologie des jüdischen Geisteskampfes in Amerika Jali*־Blum: Das französische Judentum der Gegen• wart. Ch. Tadir: Messias und Verräter. b im selben Verlag und ebenfalls unter Redaktion von L. Jaffe erschien in russischer Sprache eine Sammlung Lieder und Gedichte ״An den Ufern Babylons“ Das Buch, das 226 Seiten stark is enthalt Gedichte nut jüdischen Motiven, Originale und Ucbersctzungen von Jehuda Halcvy, Bia I i k Tschernichowski, i'rug lahotinslrv!,if Marschak, Lc rmo״to%vg’ Rom a*״o e 0^0 row, Bunin, Byron, Heine, HerzV etc ischenC,Abn1nJrt1CrSClMint ÜCr zwe1lc Rand des ßebrä fe»Sa * sjy Ä*Ä%af.־r »■ '״״' I a^t'zk' dramHtis.d'c Symphonie in eine!6״ Akt)1; »1, *Z nf• ׳ »Abbiegungen"; Dr. S. A Horo czki, ״Die Essäer“; S. J. Agnon, ״Vor den